Was sonst noch so war (oder ist oder sein wird).

Der heutige Dienstag beginnt ungeahnt fröhlich: mit Lachtränen am Frühstückstisch. Mein Privater Pressespiegel, den ich seit Jahren abonniert habe und dessen morgendliche Präsenz neben meinem Schokostreuseltoast ich nicht mehr missen möchte, hat heute wieder ein paar besondere Schmankerl für mich vorgesehen, unter anderem einen Artikel von Max Scharnigg über das antiquierte Katalogwesen. Er lag ganz oben auf dem Stapel der sorgsam vom häuslichen Pressebeauftragten aus der Süddeutschen Zeitung herausgetrennten und gefalteten Seiten, auf denen jeweils mit buntem Leuchtstift der von mir zu lesende Artikel markiert ist, damit ich nicht aus Versehen meine wertvolle Lebenszeit mit nutzloser Lektüre vergeude. Aus allen Ressorts erhalte ich so stets das nach meinen individuellen Maßstäben Wichtigste (bzw. das nach denen des häuslichen Pressebeauftragten als solches Erachtete) – und das verzehrfertig portioniert. Besser geht es nicht, vor allem morgens.

Dem Gatten gebührt wirklich ein Orden dafür, dass er seine Nebentätigkeit als häuslicher Pressebeauftragter schon seit Jahren zu meiner vollen Zufriedenheit ausübt (genauso wie seinen Job als Serienbeauftragter, der besonders dann, wenn eine Serie von Feiertagen ansteht, gewissenhafteste Planung voraussetzt, um Pannen wie z.B. jene, dass einem plötzlich am 25.12. gegen 20:37 Uhr der Stoff ausgehen könnte und man womöglich hinaus ins Kino müsste – oder überhaupt irgendwie hinaus in die Welt des weihnachtsfeiernden Volkes -, unbedingt zu vermeiden) und mir dadurch das Hantieren mit der für meinen Geschmack einfach viel zu großen, unhandlichen Gesamtzeitung konsequent erspart (und bitte kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Hinweis auf digitale Abos: eine Zeitung ist und bleibt etwas, das ich auch mal anfassen können möchte und das keine teuren Reparaturen verursachen darf, wenn es mir in die Badewanne fällt).
Da der Private Pressespiegel meist im Laufe von ein paar Tagen entsteht, da er ja von Hand gesammelt und erstellt wird (der Begriff handverlesen erschließt sich einem hier ganz neu, fällt mir gerade auf) – je nachdem eben, wie der Gatte neben seinem universitären Hauptjob halt grad die Zeit findet für diese nebenberuflichen Sperenzchen – erspart er mir sogar die Druckerschwärze an den Fingern, da die Seiten bis dahin oft schon gut abgehangen sind.
Sehr angenehm, so ein Pressespiegel, ich kann es Ihnen nur empfehlen, falls Sie auch zu denen gehören, die sich nicht gern beim Umblättern von diesen monströsen Tageszeitungen die Butter vom Brot nehmen lassen.

Zurück zu dem Katalog-Artikel von Scharnigg. Toll geschrieben zum einen, zum anderen eine herrliche Erinnerung an uralte Zeiten, in denen ich mir abendelang mit H., als es noch nett und entspannt war mit ihm, aus dem Manufactum-Katalog vorlas und wir aus dem Gegackere und den Begeisterungsstürmen ob dieser Sprache gar nicht mehr herauskamen.
H. war übrigens der schwäbische Theologe und Psychologe, mit dem ich seinerzeit einen nicht mal einjährigen Beziehungsversuch praktizierte, der dann aber an Hs Eifersuchtswahn scheiterte (Bsp.: Ich, mit nassen Haaren, auf dem Rad sitzend, vom Schwimmen heimkehrend und ihn freundlich grüßend – er, mit trockener Miene, vor meiner Haustür wartend und mich sofort anmeckernd, wen ich denn im Schwimmbad getroffen hätte, da ich ja so glücklich aussähe – und wehe, es entfuhr einem dann auch noch ein Lachen), was insgesamt gut so war, denn auf lange Sicht hätte mich dieser Dialekt sowieso zu sehr strapaziert.

Auch Gemütslage und daraus resultierende Handlungsaussetzer bei der Lektüre des Sport-Schuster-Katalogs fasst Scharnigg grandios zusammen (dasselbe gälte auch für den Globetrotter-Katalog, mein erklärter Liebling unter den etablierten Outdoor-Œuvres). Mit den anderen drei Katalogen habe ich persönlich kaum Erfahrung, dennoch habe ich mehrfach geschmunzelt beim Lesen.

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Stirnrunzeln und Kopfschütteln löste hingegen dieser Tage die bahnbrechende Erkenntnis aus, dass ich meine ersten drei Lebensjahre ja im Glockenbachviertel verbracht habe. Es war daheim immer nur die Rede von „Auenstraße“, die Eltern haben nie das Viertel dazu genannt.
Hätte man in 47 Lebensjahren durchaus schon ein klein wenig eher herausfinden können. Es verhielt sich hiermit aber wohl wie mit Liedern, die man in frühester Kindheit gelernt hat: manche Worte, Sätze, Refrains hat man nie so recht verstanden, sie in ihrer Bedeutungsentleertheit aber auch nie hinterfragt, und erst Jahrzehnte später fiel’s einem wie Schuppen von den Augen, dass der See gar nicht stahlig herumlag, sondern dass es schlicht und einfach still und starr liegt der See hieß. Holla!

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Bei frühlingshaften Temperaturen geht’s morgen endlich mal wieder an den See, der putzmunter und ohne jede Eisscholle drauf im Föhnsturm vor sich hinwogen wird.
Das Fräulein und ich wollen den Papa besuchen, ein paar Dinge für ihn regeln, gemeinsam ein vorgezogenes Weihnachtsessen verdrücken, auch wenn die für morgen angekündigten 17 Grad am Alpenrand dem Wallberg das dünne Schneekapperl, das er schon trug, schnell wieder abziehen werden und dort dann nicht viel an Weihnachten oder Winter erinnern wird.
Mir aber eh wurscht, da ich ja mit diesem Fest nicht viel am Hut habe (und ehrlich gesagt auch nicht mal einen Hut besitze).

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Apropos Redewendungen: ein netter Österreicher, mit dem ich gelegentlich Mails tausche, schreibt mir neulich „Wünsche Dir baldige Besserung mit Deiner Backe“ und ich stutze und frage mich, was er damit wohl meinen könnte. Zahnprobleme hab ich ja nun keine. Und auch kein Furunkel am Allerwertesten.

Scrolle dann in der Mail weiter runter, bis zu meiner letzten Mail, um zu gucken: hab ich mich da vielleicht irgendwo vertippt? Nein, hab ich nicht, ich schrieb ihm dort lediglich, ich hätte grad „gesundheitliche Probleme an der Backe“.
Das lässt in der Tat zwei Lesarten zu – und es erheitert mich wirklich sehr, welche der beiden er gewählt hat.

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Nicht minder erheiterte mich die vom Postillon vor einigen Tagen veröffentlichte Liste der 25 häufigsten Google-Suchanfragen der Deutschen in 2019. Tatsächlich konnte ich nach zweifachem Genuss dieser Aufzählung lange nicht einschlafen, vor lauter Gekicher. Es gibt wahrliche schlimmere Ursachen für Schlaflosigkeit, sagte ich mir, und las die Liste gleich noch ein drittes Mal.
Falls Sie auch mal nicht einschlafen können, nehmen Sie doch einfach an einem kleinen Gewinnspiel teil: Finden Sie meine drei Favoriten in dieser Liste und Sie gewinnen eine selbstgebrannte Mandel oder Musik-CD, ganz nach Gusto (oder meinetwegen auch ganz nach Gustl).

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Zurück zur Gesundheit und dem, was da so an der Backe haftet. Ziemlich hartnäckig pappt es da. Aber man muss auch kleine Erfolge wertschätzen sowie das Drumrum dieser kleinen Erfolge. Der Osteopath hat einige Schmerzpunkte weggezaubert, ich check‘ es zwar nicht, wie der das macht, aber er macht’s. Sogar zum Freundschaftspreis, weil man kennt einander nun seit 15 Jahren, 10 davon als Privatpatient, da ist man quasi für magerere Jahre schon ein wenig in Vorleistung gegangen. Der Ellenbogen nun um Welten beweglicher, die Schulter tageweise schmerzfrei, der Nachtschlaf auch besser.

Und weil sich’s so ergab – er ist nämlich wirklich ein sehr netter Mensch, dieser Osteopath – bot er an, sich das Fräulein auch mal anzusehen. Umsonst, weil er ja keine spezielle Ausbildung für Tierbehandlung hätte.

Die Sitzung hat mich extrem angerührt: diese großen Therapeutenhände auf dem kleinen Hundekörper, und so erstaunlich, wie schnell sie ganz ruhig wurde und still hielt und ihn, den sie noch nie zuvor gesehen hatte, einfach machen ließ. Beruhigendes Ergebnis zudem, dass der Knubbel rechts neben der HWS, den ich seit längerem beim Kraulen spüre, eine muskuläre Sache ist – mir fällt ein Stein vom Herzen.

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Wenn aber momentan ein Stein vom Herzen fällt, kippt das Schicksal sogleich ein paar Brocken nach. Der Obdachlose aus der Unterführung hier in der Nähe ist nur zwei Wochen nach seinem Hund gestorben.
Mir bleibt die Spucke weg und wird noch kälter als mir eh schon ist, als ich’s erfahre.

„Bubi, du darfst mir nicht erfrieren!“, das sagte er noch vor rund einem Monat zu seinem alten Hund. Ich hörte es, weil ich durch die Unterführung joggte und meinem Walkman just der Saft ausgegangen war (genau wie mir, nachdem ich Zeuge dieser Szene geworden war).

Brachte ihm später eine Decke für seinen Bubi. Hat aber nichts mehr geholfen, der Hund starb trotzdem wenige Tage später. Und neulich, wieder durch die Unterführung zum Park laufend, sehe ich die alte Decke bei einem anderen Obdachlosen und frage spontan nach, wo denn der ursprüngliche Besitzer der Decke sei. „Is‘ tot“, sagt der Unterführungskollege, rollt sich in die Decke ein und dreht sich zur Seite.
Da gefriert einem echt das Blut in den Adern und der heimische Wasserschaden wirkt auf einmal reichlich banal.

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Dennoch möchte ich Ihnen den Status quo zu diesem kleinen, heimischen Desaster nicht vorenthalten, zumal mir klar ist, dass manch eine/r von Ihnen mich sonst eh per Mail oder fernmündlich um Auskunft ersuchen würde. Weil das ja schon ein arg hässlicher und fieser Fleck war, der sich da in unserer Kammer ausbreitete und die Regalreihen eine nach der anderen zu okkupieren drohte. Da würde ich auch nachfragen, wenn ich wüsste, ein Freund oder eine Freundin hätte einen solchen Fiesling mitten in der Wohnung sitzen.

Sage und schreibe 13 Tage nach meiner Schadensmeldung klingelte hier – natürlich zur absoluten Lieblingszeit (vor 8 Uhr morgens) – ein Mitarbeiter einer Firma mit dem verheißungsvollen, aber verlogenen Namen „Schaden365“. Verlogen, weil mindestens 13 Tage gehören hier ja abgezogen und man weiß nicht, wie’s anderen ergeht.

Ein freundlicher Mann in – mit noch schlafverklebten Augen betrachtet – Glen-Hansard-Optik, nur jünger und mit schlechter sitzenden Hosen, betritt schwer bewaffnet die Wohnung. Das Dackelfräulein begrüßt ihn aufs Herzlichste, denn sie weiß: Handwerker kommen grundsätzlich nur hier vorbei, um mit ihr zu spielen (und man muss sagen: manchmal ist das ja tatsächlich das einzig positive Ergebnis solcher Besuche). Sie bringen immer große Boxen mit, in denen viele Spielsachen drin sind, die sich toll von einer Dackelschnauze stibitzen lassen und wunderbar über den Parkettboden gekickt werden können. Außerdem gehen sie kurz nach Ankunft auf die Knie, um auch auf Augenhöhe mit ihr spielen zu können, nachdem sie sich zuvor intensiv die Ohren und den Bart säubern ließen. Pippa liebt Handwerker, Heizungsableser und Hausmeister, bislang beruhte das auch meist auf Gegenseitigkeit.

Der nette Herr von „Schaden365- minus-mindestens-13“ hat Spielsachen dabei, die auch ich noch nie gesehen habe. Eine Wärmebildkamera beispielsweise. Damit kann man den Verlauf der Rohre hinter der verschimmelten Wand nachvollziehen, wenn man Wasser hindurchschickt, und auch noch einiges andere wie heimliche Nebenpfade, die das Wasser sich gesucht hat, aufspüren. Klasse Sache!

Nach anderthalb Stunden ist die undichte Stelle hinter der Wannenarmatur gefunden und abgedichtet, in der Kammer der Putz oberflächlich, aber fürs Erste gründlich genug abgeschlagen und alles stinkt nach Chlorbleiche. Wir haben außerdem ein paar neue Begriffe aus der Wunderwelt der Wasserschäden gelernt und die Empfehlung erhalten, dass der gesamten Wand zwischen Bad und Kammer im Frühjahr, wenn das Bad erneuert wird, ein Neuaufbau gut täte. Na, das wird ein Spaß!

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Das habe ich Ihnen, glaube ich, noch gar nicht berichtet, oder? Im Zuge des Wasserschadens und des Begehungstermins letzte Woche hier vor Ort, habe ich unserem Vermieter die Zusage für ein komplett neues Badezimmer aus den Rippen geleiert. Das war eigentlich so ein Fernziel von mir, für 2021 oder 2022, man muss ja die Wünsche an diese Münchner Vermieter sehr wohldosiert platzieren und bloß nicht zu viele oder zu kostspielige auf einmal, aber jetzt bot es sich an, das vorzuziehen, denn so schnell kommt so eine Gelegenheit nicht wieder, dass der Vermieter höchstselbst die vergilbten Silikonfugen am Wannenrand und die fragwürdigen Fugen im gesamten Fliesenspiegel mal zu Gesichte bekommt und ich mich live sowohl sehr glaubhaft als spießige Hausfrau als auch als bemitleidenswerte Allergikerin präsentieren kann.

„Schauen Sie, wir halten Ihre Wohnung wirklich sehr gut in Schuss und haben hier auch schon viel investiert, das sehen Sie ja, da wäre es doch schön, wenn ich nicht dauernd niesen müsste und mir endlich mal keine Sorgen mehr machen bräuchte, wo vielleicht als nächstes der Schimmel durchbricht…“ – bei diesem (inhaltlich weit übertriebenem) Satz den Vermieter wie beiläufig ins ordentlich gewienerte Bad geführt, so dass ihm der Kontrast zwischen der schon seit weit vor Einzug vorhandenen Baufälligkeit dieser Nasszelle und meinem redlichen Bemühen, das Beste daraus zu machen, zwangsläufig auffällt, ja: auffallen muss, und als ich zum nächsten, die Notwendigkeit eines neuen Badezimmers untermauernden Argument ausholen möchte, unterbricht er mich bereits und meint „Ja dann wird das jetzt einfach mal gemacht. Und zwar gleich im Februar oder März. Was hätten Sie denn gern alles erneuert? Fliesen? Wanne? Der Boden, geht der noch?“
Nein, natürlich geht auch der Boden nicht mehr bzw. der vorhande wird dann nicht mehr zu den Fliesen passen, die wir uns vorstellen. Alles muss raus. Wenn schon, denn schon.

In die große Vorfreude auf eine nahende Badzukunft ohne Ekelsilikon und Schimmelsporen mischt sich allerdings auch bald blanker Realismus.
Zu präsent sind sie noch, die Wochen der Umzüge und der Handwerkeleien aus den Jahren 2017 und 2018, zu präsent ist auch noch die Erinnerung daran, dass Renovierungen jeder Art immer auch Baustellen jenseits der eigentlichen Baustelle mit sich bringen, neben all den anderen möglichen Seiteneffekten, dem Dreck, dem Terminchaos und dem unvermeidbaren Verhau hier herinnen.

Im Hinterkopf formiert sich daher schon seit Tagen ein Fluchtszenario: Wenn man das Ganze so richtig gut vorbereiten würde, sich da selbst organisatorisch reinhängen würde, anstatt das alles dem Vermieter zu überlassen, dann wäre es ja eventuell denkbar, dass man nach ein paar Tagen, in denen man Lolek & Bolek (treue Leser erinnern sich vielleicht noch an die beiden und tatsächlich besteht nun die Aussicht auf ein „Lolek&Bolek 2.0“, ja wer hätte das gedacht?, aber die können halt alles, von der Türschwellenschreinerei über Lackierungen und Anstriche bis hin zum Fliesenlegen) hier eingewiesen und ihnen ein bisschen auf die Finger geschaut hat, vielleicht die restliche Zeit allein werkeln lässt, sich währenddessen anderswo einquartiert, wo man auch Duschen und Baden kann – und erst dann wiederkehrt, wenn hier alles erledigt und alles wieder gut ist.

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Dass alles gut sein möge, diese Sehnsucht wohnt ja nicht nur still und leise in jedem Einzelnen von uns, sondern auch unüberhörbar in urbanen Treppenhäusern. Die Nachbarin, im Grunde eine ganz Nette und Unkomplizierte, ist auf dem besten Wege, sich den Status nett und unkompliziert, den sie bislang bei mir genoss, nachhaltig zu ruinieren. Seit einiger Zeit schleudert sie mir bei unseren Zufallsbegegnungen im Treppenhaus jedesmal ein mit Hast rausgeprustetes „Und? Wie isses? Geht’s euch gut?“ entgegen. Bislang habe ich das mit einem sozialverträglichen „Ja“ quittiert, wohl wissend, dass ein „Nein“ ja nicht das wäre, was die nette, unkomplizierte Nachbarin zu hören beabsichtigt.

Diese nachbarschaftliche Anpassungsleistung meinerseits war jedoch ein großer Fehler, denn jetzt hat sie ihre unselige Floskelfrage zu einem noch zeitsparenderen „Na, alles super?“ umgemodelt und sich damit nun das längst fällige „Nö!“ von mir eingehandelt.
Woraufhin wir dann ins Gespräch kamen, was eigentlich auch nicht in meiner Absicht lag, da ich es vorziehe, Treppenhausbegegnungen kurz, nett und unkompliziert zu halten und mich nicht in längere oder gar persönlichere Unterredungen verwickeln zu lassen.

Womöglich ist mein Wunsch, es bei einem freundlichen „Hallo“ samt Blickkontakt zu belassen auch nichts wesentlich Anderes als das ehemalige „Und? Wie isses? Geht’s euch gut?“ der Nachbarin. Hätte sie es nur dabei belassen!

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Für heute belasse ich es bei diesen Einblicken und Ausblicken, sende Ihnen herzliche Grüße, verbunden mit dem Wunsch, dass bei Ihnen alles gut oder sogar super sein möge – und sollte das nicht rundum der Fall sein, so wie bei mir ja auch, dann wünsch‘ ich Ihnen, dass Sie’s auch nicht zu bitter oder zu ernst nehmen, erst recht nicht in dieser für viele ja eh schon recht anstrengenden Vorweihnachtswoche.

Sky of memory and shadow (a dream of life). Zum 21. November 2018.

Lieber P.T.,

es ist an der Zeit, Ihnen mal ganz explizit zu danken.
Und Ihr Geburstag ist ein sehr guter Anlass dafür.

Ohne Ihren beharrlichen Zuspruch und Ihre Unterstützung hätte ich es vor vier Jahren mit Sicherheit nicht so (vergleichsweise und für meine Verhältnisse) schnell geschafft, mich aus meiner beruflichen Sackgasse zu befreien und den Horror vor all den damit verbundenen „Amtswegen“ zu überwinden (und erst recht den, anschließend ins Bodenlose zu fallen).
All meine Schreckensvisionen haben Sie sich angehört, nachgefragt, seziert und behutsam darauf hingewirkt, sie zu eliminieren oder sie zumindest auf ein realistisches, rationales Maß zurechtzustutzen. Heute muss ich über so manches schmunzeln, was ich damals für unmöglich oder nicht umsetzbar hielt (und feststellen: sogar noch viel mehr als DAS war machbar und die Welt ist selbst dann nicht untergegangen, sogar die in dem Kontext innerlich ausgemalten Kleinkatastrophen blieben aus – das Schicksal ist wirklich in vielerlei Hinsicht ein mieser Verräter).

Ohne Ihren klugen und empathischen Beistand hätte ich mich noch weitere Jahre mit dem Fehlen einer Antwort auf diese eine zentrale Frage (die Mutter betreffend, Sie wissen schon) herumgequält, die mich vor 13 Jahren erstmals in Ihre Praxis führte. Mittlerweile liegen Frage und Antwort ungeahnt friedvoll nebeneinander in einem Ruheforst und die Qualen sind weitgehend über- und ausgestanden.

Ach ja, und dann noch diese andere Riesensache aus der Rubrik „Endlosschleife der Verhaltensmuster aus der Kindheit“. Ohne Ihr geduldiges Zuhören und Ihr kritisches Nachfragen hätte ich mich vermutlich noch ein weiteres Jahr in dem absurden Rettungsprogramm dieser recht hoffnungslosen Knalltüte Person (der U., Sie erinnern sich) sinnlos aufgearbeitet. Und den Absprung erst viel später geschafft und dann womöglich den Gatten nicht mehr getroffen, endlich einen Menschen, der nicht gerettet werden musste und nicht im düsteren Kerker seines nicht gelebten Lebens und seiner Ideenlosigkeit vor sich hin trank und jammerte.

All die Jahre war ich Ihnen übrigens auch immer wieder dankbar dafür, wenn ich heulend dasitzen durfte ohne dass Sie dann je in einen betulichen Trostmodus verfallen wären – ich schätzte es immer sehr, dass Sie meine Tränen mit genau dem richtigen Gesichtsausdruck ausgehalten und angenommen haben (und einfach ein Taschentuch herüberreichten).

Nicht zu vergessen: Ihr Hinweis auf einen definitiv lebenswichtigen Film für Hunde- und Dackelliebhaber. Auch dafür herzlichen Dank. Denn seit wir Pippa haben, kriegen wir das Kinoprogramm meist nicht mal mehr mit, sondern sind zu Serienjunkies auf der heimischen Couch avanciert, weil da der Hund mit dabeisein kann.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass ohne Ihre Impulse diese Zeilen heute wohl nicht hier stünden, denn Sie waren es, der mir den Widerwillen (und die Vorurteile) gegen das Bloggen nahm und mich vor meiner großen Schwedenreise 2014 zum Schreiben animierte.
Wer weiß, ob ich ohne diesen Anfang später je versucht hätte, meine Texte auch anderswo unterzubringen und das eines Tages sogar gegen Bezahlung…

Und wissen Sie was? Wenn alles gutgeht, dann fahre ich nächstes Jahr erneut über die geliebte Öresundbrücke, wo Sie zwar leider wieder nicht als Kassierer sitzen und mir ein fröhliches „Hej hej“ und „Trevlig resa“ zurufen werden, aber ich würde diesmal die Brückenmaut auch nicht mehr selbst bezahlen müssen, weil mir die gesamte Fahrt gesponsert würde, bis nach Gotland!
Sollte das wirklich klappen, fotografiere ich Ihnen alle schwarzen Schafe, die ich auf der Insel treffe und bring‘ Ihrem Hund eine Decke aus Gotlandwolle mit – versprochen!

Als Zeichen meines Danks für alles, das Sie für mich getan haben bzw. mich konsequent anstupsten und ermutigten, es selbst für mich tun zu können, gebührt auch Ihnen ein Song vom Boss (Sie ahnten es natürlich, dass das kommen würde 🙂 ).

Es ist keiner meiner favorites, dafür sind über weite Strecken die lyrics wirklich sehr passend für das, was ich damals empfand und das, was über die Jahre daraus erwuchs: The rising (somehow).

Can’t see nothin‘ in front of me
Can’t see nothin‘ coming up behind
Make my way through this darkness
I can’t feel nothing but this chain that binds me
Lost track of how far I’ve gone
How far I’ve gone, how high I’ve climbed
On my back’s a sixty pound stone
On my shoulder a half mile of line

A dream of life comes to me
Like a catfish dancin‘ on the end of my line
Sky of blackness and sorrow (a dream of life)
Sky of love, sky of tears (a dream of life)
Sky of glory and sadness (a dream of life)
Sky of mercy, sky of fear (a dream of life)
Sky of memory and shadow (a dream of life)
Your burnin‘ wind fills my arms tonight
Sky of longing and emptiness (a dream of life)
Sky of fullness, sky of blessed life
Come on up for the rising!

 

Wir sehen uns dann demnächst beim üblichen „Jahresabschlussgespräch über die aktuellen Lebensbaustellen“. Das Fundament nun ein so anderes als vor 5 Jahren, das Grundgefühl ein so viel stabileres und die Aussichten bei Weitem nicht mehr so trüb wie damals, im Gegenteil. Nur hätte ich nicht gedacht, wie lange das dauern würde, dieses Sich-Rausschälen aus dem, was nicht mehr passte und vielleicht eigentlich nie passte, was krank machte, einen blockierte und abhielt oder ablenkte.

Auch da hatten Sie recht: es ist ein langer Weg.
Drehe ich mich um, kann ich all den zähen Morast, die tiefen Furchen, die üblen Stolpersteine noch sehen. Schaue ich nach unten, fühle ich jetzt festen Boden unter meinen Füßen. Und richte ich den Blick nach vorn, sehe ich zwar noch keinen klar umrissenen Weg, aber doch schon viel mehr als nur eine Andeutung desselben – und vor allem sehe ich dieses Leuchten am Horizont.

Bis bald & zum heutigen Tag die allerbesten Glückwünsche für Sie –

Ihre N.H. alias Kraulquappe.

Auferstanden.

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Wenn man das Nutellaglas Konfitüreglas eines Morgens nur noch unter Schmerzen öffnen kann und irgendwann selbst das Betätigen einer Taste auf der Fernbedienung der Liste unbedingt zu vermeidender Bewegungen mit dem rechten Arm hinzugefügt werden muss, ist es an der Zeit, sich doch mal der Bedienungsanleitung des Elektrostimulationsgerätes zu widmen, das einem der Orthopäde vor 14 Tagen verordnet hat und das seit einer Woche unberührt und originalverpackt hier herumliegt.

Ein mühevolles Stündchen der Lektüre und des Zusammenpopelns und -steckens der einzelnen Gerätebestandteile später erweist sich das dann als sehr feine Sache.
Die Elektroden jagen einen Strom durch den Ellenbogen, dass es nur so bitzelt! In der Anleitung steht, man solle ruhig ein wenig herumexperimentieren, bis die passende Stromstärke für die optimale Stimulation gefunden ist. Yeah, das fetzt- und zwar so richtig!
Aber man muss schon auch Obacht geben, dass man die Kiste nicht so doll aufdreht, dass einem die Tränen in die Augen schießen. Wahrlich genug geheult in letzter Zeit.

Morgen probier‘ ich noch den coolen Gürtelclip zum Gerät aus, der Haushalt geht dann so elektrostimuliert sicher leichter von der Hand und manch anderes vielleicht auch.

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Durch die vormittäglich hektische Innenstadt haste ich zu einem Termin bei meiner Zahnärztin.
Spät dran bin ich, die U-Bahn ist schuld. Plötzlich ein Stau auf dem Bürgersteig. Eine Taube hält mich und andere Eilige auf. Sie hockt behäbig mitten auf dem Weg, ungehalten machen die Passanten einen Bogen um sie, links herum oder rechts herum oder über sie hinweg.
Manch einer tritt nur haarscharf nicht auf sie drauf.

Auch ich will ansetzen, der Taube auszuweichen, in dem Moment begegnen sich unsere Blicke. Aus ihren trüben Knopfaugen sieht sie zu mir hoch und erst jetzt fällt mir auf, wie zerzaust und verklebt ihr Gefieder ist. Schwerfällig tippelt sie auf der Stelle und pickt mit großer Mühe auf dem kalten Asphalt nach fiktiven Krumen, sucht nach irgendetwas Fressbaren. Es schnürt mir das Herz zu, weil ich begreife, dass ihr Schicksal längst besiegelt ist. Ihr Picken gleicht dem Ticken einer Uhr, die Zeit läuft gegen sie, das letzte Stündchen ist nicht mehr weit (ob sie um die Sinn- und Ausweglosigkeit ihrer Existenz wohl weiß?).

Ich zwinge mich weiterzugehen (der Zahnarzttermin!), drehe mich aber noch zweimal nach der Taube um. Wie kläglich sie da sitzt, wie verzweifelt und wie schwach. Zwei annähernd gleich starke Impulse in meiner Brust: In die nächste Bäckerei gehen und ihr eine Semmel kaufen, nur für sie allein! – oder sie umgehend erlösen von diesem Leben, das keines mehr ist und auch nie mehr eines sein wird. Für das eine fehlt mir die Zeit, für das andere der Mut.

Im Wartezimmer angekommen ist mir nach Weinen zumute, aber auch daraus wird nichts, da S., die professionelle Zahnreinigerin, mich unmittelbar nach meiner Ankunft ins Behandlungszimmer zitiert.

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Die nette Tierärztin geht den langen Klinikflur entlang und nähert sich dem Wartezimmer.
Weil sie auf einem Auge nach außen schielt und man von Termin zu Termin leider stets wieder vergisst, welches das schielende Auge ist, weiß man nie, wann man sich von ihrem Blick nun gemeint fühlen soll oder nicht.
Ich bilde mir ein, sie schaut längst zu uns herüber. Und sie blickt ernst drein, womöglich sogar sehr ernst. Das Herz rutscht mir in die Hose, das zitternde Hündchen (so klein zusammengerollt wie sonst nie!) auf meinem Schoß haltend, der Gatte neben mir zwar ein Ruhepol, aber das hilft jetzt rein gar nichts. Nicht in einem Moment eines vermeintlich ernstes Blickes einer Tierärztin, die uns gleich den histologischen Befund mitteilen wird.

Sie begrüßt uns und fordert uns auf, ihr zu einem Behandlungszimmer zu folgen. Als ich aufstehe, hat eines ihrer Augen offenbar die Herpesinvasion auf meiner Oberlippe erspäht und das andere mein blasses Gesicht registriert. Sie lächelt mich an und sagt: „Es ist alles in Ordnung!“

Das Dackelfräulein hat eine virale Plaque und eine Warzenneigung. Die Narbe verheilt gut, den Verband muss sie nicht länger tragen und in Kürze darf der Hinterlauf auch wieder das tun, was ein Dackelhinterlauf tun will: Sich abstoßen, um zu sausen, sich fest ins Erdreich stemmen, wenn mit den Vorderpfoten gegraben wird, durchs Wasser strampeln, um die Frisbeescheibe aus dem Fluss zu herauszufischen, morgens rüpelhaft gegen meine Rippen treten, um sich unter der Decke besser umdrehen zu können.

Es ist alles in Ordnung.

Als wir 20 Minuten später durch die Schiebetür ins Freie treten, bricht eine Tränenlawine aus mir heraus, das ganze verdammte Warten donnert hinab auf die Pflastersteine vor dem Klinikeingang.

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Wie auferstanden fühle ich mich.

Frohe Ostern wünscht Euch –
Die Kraulquappe.

Unter den Glücksspielen bietet die Ehe noch die besten Gewinnchancen!

Liebe Leserinnen und Leser!

Diverse besorgte Nachfragen entzündeten sich an meinem gestrigen, spätabendlichen Beitrag, der ja im Abgang etwas melancholisch, ernst und schwermütig war. Ob es mir denn gut ginge bzw. ob es mir nun arg schlecht ginge, ob ich Hilfe bräuchte, ob man etwas zu meiner Erheiterung tun könne, so kurz vor dem anstehenden Geburtstag, an dem nun aufgrund der Sintflut, die erneut über das Alpenvorland gekommen ist, auch noch die geplante Karwendeltour entfallen muss, und dann noch die Kalkschulter und überhaupt…

Obwohl ich als Mitte-Juli-Geborene natürlich zu den Hochsensiblen gehöre, nah am Wasser gebaut habe und darüber hinaus einen latenten Drang zum Drama habe, möchte ich hiermit eure Sorgen zerstreuen!

Trotz des gestrigen Halbjahrestages, der mich traurig und nachdenklich stimmte, bin ich nicht in ein Loch gefallen, aus dem ich alleine nicht mehr herauskäme. Ich sitze also aktuell weder zuhause und heule mir die Augen aus, noch höre ich im Dauerregen am Grab des Freundes stehend Tom Waits in Endlosschleife.

Denn gestern gab es ein Highlight sondergleichen (Freud‘ und Leid liegen ja oft dicht beisammen):
Der Gatte hat einen Gewinn eingefahren!

Er hat nämlich die EM gewonnen, also das Tippspiel, bei dem wir mitgemacht hatten. Meine Erfolge haben die Gruppenphase leider nicht überlebt, denn danach habe ich mich zu sehr von meinen Gefühlen oder Hormonen leiten lassen: auf Buffon gesetzt, statt auf Neuer. Dann aber wieder auf Manu statt Hugo. Naja, lauter so Sachen eben. Musste ja schief gehen.

Der Gatte hielt sich lange irgendwo im Mittelfeld der Tipp-Rangliste auf, fast schon verdächtig unauffällig. Um im Tippspiel  zu punkten, hat er ab dem Viertelfinale teils sogar bewusst anders getippt, als er eigentlich tippen wollte. So auch bei seinem finalen Tipp: Er ging davon aus, Frankreich würde gewinnen, setzte dann aber – als einer der wenigen in unserer Tippgemeinschaft – auf einen portugiesischen Sieg. Dieses eiskalte Kalkül hat ihm schließlich zum Durchbruch verholfen (man muss dazu sagen: in derselben Tippgemeinschaft hat er bei der WM 2014 bereits den zweiten Platz errungen, hat also schon etwas Übung). Meinen Glückwunsch, liebster Gatte!!!

Worüber ich mich aber am meisten gefreut habe, ist weder sein 1. Platz, noch die Siegprämie, sondern seine Reaktion auf die gestrige Mitteilung, dass er gewonnen hat.

Aber lest selbst!
Hier der Auszug aus dem Blog, den die Tippspielleitung in Berlin während der gesamten EM täglich mit aktuellen Berichten und Ranglisten gefüttert hat, bis zum (bitteren) Ende – samt Kommentaren.

Die Tippspielleitung am 11. Juli 2016 um 08:37

Guten Morgen Tippgemeinde!

Alle Schlachten sind geschlagen – und wir haben zwei überraschende Sieger, denen das 1:0 die Erfüllung aller Träume brachte:

Da die Presse das Feiern der Portugiesen übernommen hat, verneigen wir uns also vor R. (nun auf ewig mit dem Ehrentitel „Tippspiel-Messi“ versehen), der in einem unglaublichen Finish mit einem 8-Punkte-Volltreffer noch von Platz 5 auf das oberste Treppchen gehüpft ist!

(…) Er erhält als Siegerprämie € 130,00 aus der gemeinsamen Kasse und kann nun seiner Kraulquappe auf den letzten Metern noch ein besonders nettes zusätzliches Geburtstagsgeschenk aussuchen. (…)

 

R. am 11. Juli 2016 um 21:14

Liebe Tippspielgemeinde,

was soll ich sagen: DAS IST DER HAMMER! Auch fast 24 Stunden nach meinem fantastischen Finish kann ich es immer noch nicht recht fassen, den EM-Titel errungen zu haben. Ich sag mal, bei dieser Konkurrenz! Ihr wart echt alle total super, ohne euch hätte ich nie und nimmer meinen sensationellen Endspurt hinlegen können! Dass ich den Sieg verdient habe, steht natürlich außer Frage. Aber selbstverständlich war er halt auch nicht. Ich sag mal, das toppt ja sogar den großen und ruhmreichen FC Bayern! Ihr wisst schon, damals in der Saison 85/86, 33. Spieltag, Bayern zu Gast bei Bremen, Bremen in der Tabelle 2 Punkte vor den Bayern (damals galt noch die 2-Punkte-Regel), Bayern kein einziges Mal in der Saison auf Platz 1. Dann dieser unberechtigte Elfmeter (das war nie und nimmer Hand vom Lerby, hat nachher sogar Käthe Völler zugegeben!) in der 88. Minute für Bremen beim Stand von 0:0. Kutzop tritt an – PFOSTEN!!! Gerecht ohne Ende! Bremen damit nicht Meister, und dann vergeigen die auch noch das letzte Spiel in Stuttgart, während unsere Super-Bayern zu Hause die Gladbacher 6:0 vermöbeln – und ich war dabei! War im Stadion und hab diese unglaubliche Meisterschaft live miterlebt!! Ich sag mal, könnt ihr euch das vorstellen? Da bist du die ganze Saison nie auf Platz 1, also, überhaupt nie nicht. Und dann eroberst du am letzten Spieltag die Spitze! WAHNSINN! Und jetzt stellt euch mal vor, wie sich das anfühlt, wenn man von Platz 5 (!!) auf Platz 1 (!!!) vorstürmt!! GEIL, sag ich euch, GEIL, GEIL, GEIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIL!!!!

Andererseits hätt’s auch niemanden überraschen dürfen. Ich sag mal, als Vize-Weltmeister ist man IMMER auch Favorit bei einer EM! Ist ja logisch, weil die WM natürlich mehr zählt als die EM. Wobei ich mich dieses Mal, das muss ich echt zugeben, schon wirklich selber übertroffen habe. Ich sag mal, das macht mir so schnell keiner nach, das war schon echt super von mir!

Wie ihr euch denken könnt, bin ich heut schon öfter gefragt worden, ob ich denn jetzt, als Vize-Weltmeister UND Europameister, an Rücktritt denke. Ich sei ja nicht mehr der Allerjüngste, hat der eine oder andere gemeint. FRECHHEIT! Nicht mehr der Allerjüngste!!! Mit den Jungen nehm ich’s noch immer auf! Da braucht sich keiner auch nur irgendeinen Krümel Hoffnung machen, mit mir ist auch beim nächsten Mal zu rechnen! ICH LASS MIR DOCH NICHT DIE FETTE KOHLE ENTGEHEN!!! (Ok, darf ich auch nicht, ruft mir grad mein Personal Coach aus dem Nebenzimmer zu, hat wohl irgendwie eigenes Interesse an meinen Erfolgen…)
In dem Sinne: Trainiert fleißig, meinetwegen auch bei Olympia, damit ihr mich beim nächsten Mal wieder zur Höchstleistung antreiben könnt!

Servus, euer Tippspiel-Messi for ever

 

Die Tippspielleitung am 12. Juli 2016 um 09:30

Sehr geehrter Herr Tippspiel-Messi,

angesichts dieser Orgie an Selbstbeweihräucherung sieht sich die Tippspielleitung im Rahmen der UEFA-Fairplay-Regeln zu einigen Klarstellungen veranlasst:

1. Bayern München wird generell nie verdient Meister; insbesondere war das auch nicht in der Saison 85/86 der Fall, da sich der Torwart (ein gewisser Herr Pfaff) beim erwähnten Elfmeter viel zu früh bewegt und der Pfosten des Tores die erlaubte Breite um mehr als 50% überschritten hatte (dies seltsamerweise nach dem ersten unbeobachteten Geheimtraining der Bayern). Auf Grund der damaligen Verfilzung der DFB-Spitze mit dem Bayern-Präsidium ist dieser Vorfall der Öffentlichkeit niemals bekannt geworden.

2. Eine Nachfrage bei den „unterlegenen“ Mitspielern des Tippspiels hat ergeben, dass mit deren Tipps eine Bevorzugung der älteren Mitspieler aus Fairnessgründen durchaus gewollt war. So wurden etliche „1:0 für Portugal“ mit Hinweis auf die berühmte „Rentner-Regel“ in den UEFA-Statuten kurzfristig noch in bewusst falsche Tipps geändert, um dem rüstigen Tippspiel-Messi ein letztes Glücksgefühl zu bereiten (auch im Hinblick auf die kommende Bundesliga-Saison).
Dies sollte doch bitte angesichts der ausgeuferten Jubelarien berücksichtigt werden.

3. Die Letzten werden die Ersten sein (alter albanischer Trinkspruch)

Die Tippspielleitung

Tja, auch wenn die Letzten irgendwann die Ersten sein werden, kümmert uns das hier und jetzt herzlich wenig, denn heute suhlen wir uns darin, sich als Erster aus purer Freude ausnahmsweise mal so zu verhalten wie der Allerletzte!
Wobei das moderne Ego-Coaching genau das nicht nur ausnahmsweise empfiehlt: Halte deine eigene Laudatio (Schritt 41 von 44 auf dem Weg zum erfolgreichen Ego, zum wahren Ich oder wohin auch immer). Demzufolge soll man sich ja lieb haben, toll finden und das auch unverhohlen zum Ausdruck bringen. Weg mit der verknöcherten, protestantischen Bescheidenheit – zumal die hier in Bayern eh nix verloren hat!

Der Tippspielleitung sei Dank wurde der Verwendungszweck der Siegprämie zwar sehr sinnvoll festgeschrieben, aber da der Gatte selbstverständlich niemals Geschenke auf den letzten Drücker besorgen muss, weil er bereits mindestens ein Quartal zuvor mit dem Dichten und Denken für den großen Tag seiner Frau beginnt, können wir die stattliche Summe einfach hineinfeiernd verjubeln, verfuttern und versaufen (übrigens Schritt 16 von 44 auf dem Weg zum erfolgreichen Ego, zum wahren Ich oder wohin auch immer)!

Und das geht in der Stadt wahrlich besser als auf einer Hütte im Gebirge.

In guter und gefasster Stimmung grüßt euch –
Die Kraulquappe.