Zum Tag der Liebe oder: Bereiche der Beachtlichkeit.

In einem Leben als Gattin mit sporadischem Teilzeit-Homeoffice und Vollzeit-Hundedompteuse, in dem zu den alltäglichen Aufgaben auch das regelmäßige Staubsaugen und Abstauben gehört, hat man, je nach Haushaltsgröße, Putzpassion und Beruf des Ehemanns, ja en passant die schönsten Bildungsmöglichkeiten.

In einer kleinen Entstaubungspause greife man sich je nach Lust, Interesse und Tagesverfassung einen (freilich zuvor abgestaubten) Schmöker aus dem Regale und stöbere darin.

Zum Valentinstage empfiehlt sich natürlich ein Bändchen zu Liebesdingen, also schnappe ich mir den Niklas Luhmann, wohl wissend, dass der die Liebe nicht etwa als Gefühl begriff, sondern als eine Gefühlsdeutung, die auf Kommunikation beruht (womit nicht nur das ewige Gerede gemeint ist, sondern vielmehr, dass man beispielsweise dieselben Serien liebt und sich gleichermaßen begeistert darüber auszutauschen imstande ist). Guter Ansatz!

Mindestens so gut wie die Luhmannsche Empfehlung, sich gleich bei Heirat einen Brockhaus anzuschaffen, damit jeglicher Dissens, der durch Nachschlagen ausgeräumt werden könnte, keine Liebesfragen aufwirft. Umgekehrt könnte man auch sagen, dass die Liebe ihre liebsten Themen im Bereich nicht wahrheitsfähigen Erlebens hat, also z.B. in Urteilen über Dritte, Geschmacks-, Stil- und Moralfragen, Hobbies, Religion und Haushaltsführung.

Ein großartiger Praxistipp, dessen Umsetzung für heutige Paare natürlich bereits stark vereinfacht ist durch den permanenten Zugriff auf das Internet im Allgemeinen und die Wikipedia im Besonderen: man hat ja stets ein Smartphone/Tablet oder was weiß ich was für ein mobiles Endgerät auf dem Frühstücks- oder Nachttische bereitliegen, so dass alles sofort recherchiert und geklärt werden kann (sofern das WLAN ein stabiles ist) und man danach wieder einträchtig über den depperten Kollegen lästern kann oder in aller Ruhe ausdiskutiert wird, wer beim nächsten Großputz für welche Einsatzgebiete zuständig sein soll oder ob man die heimischen Fenster lieber mit einem Stoff von Marimekko oder Almedahls verhängen möchte (Hauptsache, skandinavisch, so weit ist man eh längst einig nach ein paar Ehejährchen) oder sich dem größten gemeinsamen Hobby zuwendet und beispielsweise bespricht, wie man dem Hündchen endlich beibringen könnte, dass der von den ersten Strahlen der Frühlingssonne aufgetaute Fremdkot diverser Lebewesen nicht dem von uns für sie präferierten Ernährungsstil entspricht (wozu kauft man eigentlich dieses sauteure Premium-Futter in Lebensmittelqualität?).

Und während ich mich so durch die diversen Luhmänner des Gatten blättere, finde ich eine noch viel köstlichere Passage, die es nicht nur zum Tag der Liebe unbedingt verdient, vollständig zitiert zu werden:

„So erwartet die Hausfrau, daß ihr Mann abends von ihr kaltes, nicht aber warmes Essen erwartet. Der Mann muß seinerseits diese Erwartungserwartung miterwarten können, weil ihm nur so klar werden kann, daß er mit einem unerwarteten Wunsch nach warmem Essen nicht nur Ungelegenheiten bereitet, sondern auch die Erwartungen seiner Frau in Bezug auf sein Erwarten durcheinanderbringt, was, wenn wiederholt betrieben, sehr weittragende Unsicherheiten zu Folge haben kann. Diese dreistufige Reflexivität ermöglicht rasche und rücksichtsvolle, kommunikationslose Verständigung, die nicht nur die Erwartungen, sondern auch die Erwartungssicherheit des Partners mit in den Bereich der Beachtlichkeit einbezieht – allerdings mit entsprechend gesteigerten Irrtumsrisiken, die wohl nur in sehr kleinen Sozialsystemen in engen Grenzen gehalten werden können.“

Niklas Luhmann, Die Moral der Gesellschaft. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 2008, S. 32.

(Was sagen Sie dazu? Sind das nicht herrliche Begriffe und Formulierungen? „Erwartungserwartung“, „gesteigertes Irrtumsrisiko“ und „Bereich der Beachtlichkeit“ oder auch das mit den unerwarteten Wünschen, die Ungelegenheiten bereiten. Hätte ich nicht noch die ganze Wohnung mit dem Staubsauger durchkämmen müssen, hätte ich mich glatt festgelesen!)

Nur gut, dass in unserem kleinen Sozialsystem immer abends warm gegessen wird.

Mit den herzlichsten Grüßen an den Gatten, für den vor 45 Minuten in Frankfurt die Semesterferien begonnen haben (wobei ich mein zu Beginn der Ehe noch völlig naives Verständnis dieses Begriffs längst der Realität angepasst und also eingesehen habe, dass das „-ferien“ in diesem Wort blanker Euphemismus ist, aber immerhin wird hier nun wieder häufiger gemeinsam warm gegessen) und den besten Wünschen für eine störungsfreie Heimreise mit der Deutschen Bahn!

Song des Tages (31).

I woke up in the darkness scared and breathin‘ and born anew
It wasn’t the cold river bottom I felt rushing over me
It wasn’t the bitterness of a dream that didn’t come true
It wasn’t the wind in the grey fields I felt rushing through my arms
No no baby it was you
So hold me close honey say you’re forever mine
And tell me you’ll be my lonely valentine

Gegenwart.

 

Womöglich sagte ich es schon mal: Ich liebe diese Stadt.

Obwohl’s hier nicht immer einfach ist (und der Himmel nicht jeden Tag so blau, das Licht so schön und der Skyr-Kuchen noch nicht ausverkauft).

Ge_danke_n 2018 (11).

Das vorletzte Dankeschön in diesem Jahr gebührt demjenigen, der mich am häufigsten und intensivsten er_tragen darf/muss/kann – und diese Aufgabe seit zwölf Jahren zumeist heldenhaft schultert: dem Gatten.

Als uns die Standesbeamtin einst zum „schönsten Tag unseres Lebens“ beglückwünschte, schworen wir uns, diesen Wunsch auf keinen Fall Realität werden zu lassen – ohnehin hat es an dem Tag in Strömen geregnet.
Stattdessen wählten wir ein anderes Motto: Wir wollten am Ende des gemeinsamen Weges mal sagen können „Ein Tag war schöner als der andere!“, wohl wissend, dass das blanker Unsinn irgendwo zwischen Unvermögen und Utopie ist, zugleich aber eine erfrischende und gute Formel und etwas, woran zu orientieren sich mit einer ordentlichen Portion Humor im Nacken durchaus lohnt.
Und auch eine Art Mantra für Regentage oder andere Misthaufen, die einem das Leben, auch das gemeinsame, so vor die Füße wirft.

Danke für dieses Weihnachtsgeschenk!

Ich danke Dir für Deine Liebe, Dein Da-Sein und Deine Zuverlässigkeit, Deine Klugheit und Deinen Humor, Dein Engagement für Tiere…

…für Dein unvergleichliches Mandarinenmannlachen und Deinen ebenso unvergleichlichen Grant, für Dein Mich-Lassen-Können in den Dingen, die nur für mich wichtig sind, aber nicht für Dich (was ja gar nicht mal so wenige sind 😉 ), für Deinen ganzjährigen Einsatz an der Erwerbsarbeitsfront in Mainhattan, um hier unsere Brotkörbe und Näpfe zu füllen und dafür, dass Du morgen mit mir an den Ort fährst, an dem eines der drei Bücher, die ich vielleicht oder hoffentlich noch schreiben werde, sein Ende finden würde, wenn es denn endlich mal seinen Anfang fände.

Ge_danke_n 2018 (9).

„Dass mir der Hund das Liebste sei,
sagst du, o Mensch, sei Sünde?
Der Hund blieb mir im Sturme treu,
der Mensch nicht mal im Winde.“

Den heutigen Ge_danke_n wollte ich – garniert mit diesem Spruch vom Assisi Franze – meiner über alles geliebten Pippa zu ihrem 7. Geburtstag zueignen. Weil diese Sentenz absolut den Tatsachen entspricht. Eigentlich.

Denn ausgerechnet heute ist mir das Fräulein quasi untreu. Gestern auch schon. Und morgen vermutlich auch noch.

Man muss es so hart sagen: Madame Hot Dog würde uns gerade gegen jeden dahergelaufenen Rüden eintauschen ohne mit dem Barthaar zu zucken. Wirklich gegen jeden! Alter, Aussehen, Abstammung, Ausbildung – alles wurscht. Hauptsache Rüde. Zur Not auch kastriert. Oder Chihuahua.

Das ist hormonell gesehen zwar nachvollziehbar, aber menschlich betrachtet dennoch etwas enttäuschend. Was ich ihr auch gesagt habe. Schließlich würde ich sie umgekehrt für keinen Mann der Welt drei ganze Tage lang links liegen lassen außer vielleicht für Peter Quinn, Bruce Springsteen, Arjen Robben, Kiefer Sutherland,… .

Nun gut. Übermorgen wird das Zitat wieder zutreffen. Und ein bisserl leid tut sie mir ja auch, weil wir ihr nicht gestatten, ihrer Natur zu folgen und sie dann einfach unterstützen, wenn in 9 Wochen ein paar maulwurfswinzige Welpen durch unseren Flur wuseln würden.

Mein Dank gilt also den anderen 362 Tagen voller Liebe, Treue, Abenteuer, Freude, Aufmerksamkeit und Aufrichtigkeit, auch das ist ja mehr als genug. Kriegt kein Mann Mensch hin.

Alles Gute zu Deinem Geburtstag, Du kleines Luder, Du mutiger, fröhlicher und kluger Hund, Du beste Gefährtin in allen Lebenslagen – meine ganz große Hundeliebe bist Du.

Hand in Pfote und Seite an Seite werden wir hoffentlich noch mindestens weitere 7 Jahre zusammen durch die Welt und das Leben wandern!

Be the person your dog thinks you are!

Ge_danke_n 2018 (7).

Er hat es doch nochmal getan. Trotz seiner zittrigen Hände.

Eine gut gefüllte Plätzchendose hat er mir überreicht.

„Es dauert halt jetzt“ – ich zitiere – „fast eine verdammte Woche, bis die 12 Bleche bzw. die 6 Sorten gebacken sind.“ Oh weh!

Dabei, lieber Papa, sag ich Dir doch schon seit Jahren, dass für uns eigentlich 3 Sorten reichen täten (die Spitzbuben, die Schoko-Zimt-Blätter und die Vanillekipferl). Dann allerdings gern von jeder dieser Sorten 4 Bleche, so gesehen wäre Dein Aufwand auch nicht geringer…

Egal, bis auf eine Sorte futtern wir das trotzdem mit großem Genuss weg (und dass diese Sorte auch in der Dose gelandet ist, lag sicher an deiner Lebensgefährtin, die die Dose bestückt hat, denn Du weißt natürlich, dass ich Marzipan nicht ausstehen kann. Der Gatte übrigens auch nicht. Pippa würde sie sofort verputzen, darf aber nicht.).

Aber der größte Part meines Dankeschöns gilt nicht Deinen leckeren Plätzchen, sondern der Tatsache, dass Du für mich der allerbeste Papa bist: weil ich mich immer auf Dich verlassen kann, Du immer für mich da warst, ich Dir so vieles zu verdanken habe und wir uns trotz zäher Dispute und unterschiedlicher Ansichten in den vergangenen vier Jahrzehnten immer wieder zusammengerauft haben (ja, „haben“, denn je älter du wurdest, desto milder wurdest du auch).

Es ist wunderbar, dass wir uns an Weihnachten nicht sehen müssen, um uns unserer Liebe zu versichern oder irgendwelchen Vorstellungen von „Familie“ Genüge zu tun (zumal es ja eh nur noch uns beide gibt), sondern dass mittlerweile jeder den anderen entspannt dort sein lassen kann, wo er eben sein muss oder möchte: Du im Kreise der Großfamilie Deiner Lebensgefährtin und ich lieber gemütlich, in kleinster Runde und aller Stille zuhause. Vor 20 Jahren war das noch in jedem Advent ein langwieriges Streitthema, seit 10 Jahren ist es endlich keine Frage mehr. Auch dafür bin ich dankbar, dass das jetzt so ist und sein darf.

Bevor es nun zu rührselig wird und weil heute sowieso jeder Anderes zu tun hat, als lange Texte in WordPress zu lesen, wünsche ich Dir – und allen Leserinnen und Lesern – einen schönen Weihnachtsabend sowie erholsame, harmonische, gemütliche, leckere und lockere Feiertage!

Song des Tages (27).

Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht
Der ihn für dich schient, der dich beschützt
Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt
Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst

 

(Beim nächtlichen Abspülen Radio gehört. Meine Güte. „Dort und hier“. Grönemeyer. Dass der mich nach 15 Jahren nochmal kurz packt, hätt‘ ich nicht gedacht. War eine schöne, milde Sommernacht, damals auf den Main-Wiesen, mit Blick auf die beleuchtete Festung Marienberg, zu viert, in dieser absurden Konstellation, nachts dann Stau fast bis Bad Kissingen, offene Fenster und nochmal drei Stunden Musik. Lang her, gefühlt ein anderes Leben, und wohl doch meins.)

Viertelliebe.

Gelesen…

…getan.

Die Teesalonsaison ist eröffnet.

Jetzt haben wir ja das tolle Café Erika um die Ecke. Liegt praktischerweise auf dem Weg zur Schneiderei, in die ich heut‘ eh muss.

Dylan dudelt dezent durch den Raum, am Nebentisch schreibt ein dürrer Student an seiner Seminararbeit über Foucault, die skyrbedeckte Walnussbombe schmeckt super, das Dackelfräulein kaut ein Würschtl. Draußen regnet’s und stürmt’s.

(Zeit, sich ein wenig Winterspeck zuzulegen, damit’s einen weniger fröstelt. Dass ich mal so einen Satz schreiben würde, ts.)

Song des Tages (24).

Für meine liebe A. in Berlin –

die ihrer Lola nach 17 gemeinsamen Jahren noch einmal eine Nacht lang die Pfote hielt, damit diese kleine, treue Gefährtin ganz behütet ihren letzten, schwachen Atemzug tun konnte.

Lola war schön
Lola war klug
Sie war der Star
I’m Tombstone Saloon
Ich hab sie geliebt
Mehr als mein Pferd
Bye, Bye, Bye Lola Blue

(Ich hab es nicht geschafft, die „Lola“ von den Kinks zu nehmen, an der hab ich mich irgendwann mal gründlich überhört. Den Westernhagen mag ich zwar nur bedingt, was vor allem an seinen Augen liegt, die mich ungut an etwas erinnern, aber „Lola Blue“ gefiel mir als Titel und schien mir insgesamt passender, auch wenn A. ihre Lola keinesfalls mehr lieben konnte als ihr Pferd, weil sie nämlich keines besitzt, Lola war also ihre einzige Tierliebe.)

Is there somethin‘ else you’re searchin‘ for?

Liebe Leserinnen,

wussten Sie, dass gestern Weltmädchchentag war? Hoffentlich! Und hoffentlich haben Sie sich anlässlich dieses hohen Feiertages auch etwas Schönes gegönnt!

Ich kaufte mir für 99 Cent eine pinkfarbene Haarspange, vereinbarte einen Friseurtermin für Ende Oktober, besuchte nachmittags kurz eine Freundin – auf die etwas zähen Stunden am Schreibtisch wollen wir an dieser Stelle ebenso wenig eingehen wie auf den spontanen Tierarztbesuch, weil das Dackelfräulein sich am Auge verletzt hatte – und ging abends noch ins Kino um die Ecke, inklusive Popcorn, versteht sich.

„A star is born“ hieß der Film. Er stand auf meiner inneren Merkliste, seit ich im August zufällig im Internet über den Trailer gestolpert war und sofort wusste: Das muss ich sehen und hören!

Alles drin, was mich anspricht: berührende Musik, ein fescher Kerl, eine Frau mit Nasentrauma, Open Air Konzerte, wichtige Väter, große Liebe, lodernde Leidenschaft – und sogar ein netter Hund!

Und sollten Sie, liebe Leserinnen, sich gestern nichts gegönnt haben, weil Sie entweder nichts von diesem Feiertag wussten oder keine Zeit hatten, ihn zu würdigen, das aber nachholen wollen, so kann ich Ihnen diesen Film nur wärmstens empfehlen.

Lassen Sie Ihren Mann daheim, nehmen Sie stattdessen ein Päckchen Taschentücher mit und werfen Sie gleich beim Betreten des Kinosaals eventuelle Hemmungen über Bord. Die anderen heulen nämlich auch alle, manche heimlich, andere unheimlich. Und lassen Sie sich am Schluss ausreichend Zeit: alle bleiben hier bis weit nach dem Abspann sitzen, bis der letzte Ton des Soundtracks verhallt und die letzte Träne getrocknet ist.

Durch die unerwartet milde Herbstnacht schwankt man schließlich heimwärts und weiß mal wieder ganz genau, dass es letztlich doch ein Segen ist, diese Art von Ergriffenenheit empfinden zu können.

I’m off the deep end, watch as I dive in
I’ll never meet the ground
Crash through the surface, where they can’t hurt us
We’re far from the shallow now