Ein Versuch über die Liebe: Clean, brush, love.

Zum Frühstück blätterte ich das gestrige Magazin der Süddeutschen Zeitung durch, da der Woody-Allen-Stil des Covers nahelegte, dass sich das Heft mit Sex beschäftigen würde – und so ein Thema schmeißt man schließlich nicht ungelesen ins Altpapier, nur weil die nächste Ausgabe der Tageszeitung schon bereitliegt.
Beim Lesen stellte ich dann allerdings fest, dass es in dem Magazin ausschließlich um die Liebe ging (was mir frühmorgens ohnehin das angenehmere Thema ist). Rührende und teils amüsante Geschichtchen rund ums Finden und Verlieren kleiner und großen Lieben waren darin zu lesen.

Jedes dritte Wochenende ist bei uns Hausputz angesagt.
Was bedeutet: Der Gatte lässt für eine Weile von der samstäglichen Schreibtischarbeit ab und klinkt sich in die Niederungen der gemeinen Wohnungsreinigung ein. Nach über 10 Jahren sind wir da längst ein eingespieltes Team, die Choreografie sitzt bis ins kleinste Detail, man schwebt fast aneinander vorbei, der eine mit dem Staubsauger bewaffnet, der andere mit Putzeimer und Schrubber in der Hand, jeder vertieft in sein Tun, bestenfalls ab und an einander einen Satz zuwerfend („Warst du da schon?“ / „Kann ich dort schon wischen?“ / „Steckst du mal bitte den Staubsauger um?“ o.ä.) – und nach knapp zwei Stunden ist der Spuk auch schon vorbei und die Hütte glänzt wieder.

Zwei Stunden, in denen man bei allen Routinetätigkeiten >2 Minuten so vor sich hindenken kann.
Als ich mein Bettlaken mit der Polsterbürste gründlich von den Hundehaaren der letzten Nacht befreie, wandern meine Gedanken zurück zu meiner Morgenlektüre, dem Liebesmagazin. Das tun sie deshalb, weil ich immer wieder darüber staune, mit welchem Stoizismus ich diese tagtägliche Haarklauberei betreibe. Seit 6 Jahren enthaare ich morgens mein Bett, kann an der haarigen Ausbeute die Qualitiät des Nachtschlafs meiner Dackeldame und den nahenden Fellwechsel ebenso ablesen wie die Anzahl der nächtlichen Schmuseeinheiten und Traumphasen. Wenn alles gut geht, was ich inständig hoffe, werde ich noch weitere 10 Jahre Morgen für Morgen in völliger Gelassenheit, und ohne daran auch nur das Geringste grotesk oder absurd zu finden, dunkelsaufarbene (und später einmal auch graue) Hundehaare von meiner Matratze klauben.

Heute fällt mir bei diesem Tun plötzlich K. ein, die große Liebe aus Wien, damals, als es den Schilling noch gab und Telefonieren noch ein Vermögen kostete, was die Generation Flatrate sich heutzutage ja gar nicht mehr vorstellen kann, so dass ich vor lauter Liebe und Telefonieren nur noch Dosenfutter in meiner winzigen Studentenbudenküche aufwärmen konnte.
Als K. mir in einem schummrigen Wiener Beisl seine Aufwartung machte, war das dummerweise mein letzter Abend in Wien, es reichte gerade noch zum Austausch von Basisinformationen (Name, Alter, Familienstand, Studienfach, Herkunft, Lese- und Musikgeschmack), Adressdaten und ein paar unvergessenen Blicken.
Zwei Wochen später stand K. am Münchner Hauptbahnhof, der Papa hatte uns freundlicherweise den Schlüssel zu einem Wochenendhäusl überlassen, mit meinem kleinen roten Fiesta fuhren wir dorthin, 12 Betten zur Auswahl, aber wie erhofft landeten wir gemeinsam in nur einem davon.

Am Morgen nach der ersten Nacht, K. war gerade unter der Dusche und verwendete zu meinem Entsetzen ein Duschgel, das nach Kümmel roch, den ich ebenso hasse wie Marzipan oder Sellerie (war es der Wiener Schmäh, ein Härtetest oder einfach nur schlechter Geschmack? – ich weiß es bis heute nicht!), ich räkelte mich noch liebestrunken in den cremefarbenen Laken, stand dann aber auf, um uns ein Frühstück zuzubereiten und klappte nach dem Aufstehen, ordentlich wie ich bin, die Bettdecken zurück, damit der süße Dunst der Nacht ihnen entweichen könne.

Und was sah ich da? Unendlich viele dunkle Haare auf dem Laken! K. trug zwar beileibe keinen Ganzkörperpelz, aber die behaarten Partien reichten offenbar aus, um das Betttuch so aussehen zu lassen wie es eben aussah, so dass ich kurz in Erwägung zog, den Staubsauger zu holen. Gottseidank bewahrt einen das Frischverliebtsein aber vor solch schnöden, unromantischen Aktionen, zumal am frühen Morgen.
Mit einem Hauch Kümmelduft in der Nase verließ ich also das verhaarte Schlafzimmer, begab mich in die Küche, bereitete liebevoll das erste Frühstück für uns zu und beschloss, weiterhin ungestört in K. verliebt und über die läppische Störung durch ein paar Haare und Gerüche erhaben zu sein.

Drei oder vier Besuche später gefiel mir die Sache mit den Haaren aber schon spürbar weniger, und im nachfolgenden Semester, in dem wir beide unter Prüfungsstress standen, verstärkte sich diese Empfindung nur noch. Auch das Kümmelduschgel hatte sich nicht als Probepäckchen entpuppt, sondern war immer noch im Einsatz.
Letztlich ging diese Liebe aber nicht an Haaren oder Kümmel zugrunde, sondern an der Tatsache, dass ich irgendwann kein Geld mehr hatte, um in Wien anzurufen oder gar nach Wien zu reisen und K. mitten in der Famulatur auch keine Exkursionen mehr in meine Studienstadt unternehmen konnte, so dass das Ganze mit einem Paar Lammfellhandschuhe (und einem blasslilafarbenen Kärtchen anbei), die mir K. nach Würzburg schickte (und die ich heute noch habe, obwohl sie mir schon damals zu klein waren) kurz vor Weihnachten ein jähes, tränenreiches Ende fand.

Beim der morgendlichen Matratzenenthaarung stellte ich heute fest, dass das Dackelfräulein ja manchmal pro Nacht mehr Haare auf meinem Bettlaken verliert als K. sie jemals und auch bei noch so angeregten Schlafzimmeraktivitäten in einer ganzen Besuchswoche hinterlassen hätte.
Außerdem riecht so ein Dackelhund zwar nicht nach Kümmelduschgel, dafür steckt zugegebenermaßen gelegentlich doch ein Hauch Kuhfladenduft, Pferdeäpfelodeur oder Hasenpipimief in seinem borstigen, haareverlierenden Fell…

… und während ich all das so denke, beim stoischen, minutenlangen Polsterbürsten, die Morgenliebeslektüre noch in mir nachwirkend, frage ich mich, wieso man von einem doldenblütlergeduschten, dezent haarenden Wiener Medizinstudenten schon nach einem halben Jahr dermaßen genervt war, hingegen in sechs Jahren kein einziges Mal von dem kleinen, reizenden Rauhaardackelchen, das einem das Zehnfache an Aufwand beschert (nicht nur die Matratzensache betreffend), und zwar täglich, und ich merke, dass ich mal wieder kein bisschen verstehe, wie das mit der Liebe eigentlich war und ist und sein wird.

Remembering Kölnarena, 13. Dezember 2007.

Grad noch fröhlich über Krapfenwerbung herumgeblödelt – und schon war Schluss mit lustig.

So einen Zusammenbruch zuletzt an jenem Abend vor über 10 Jahren in Köln erlebt: The Boss himself bespielte seinerzeit mit Inbrunst die Halle und ich bespie mit Inbrunst die Sanitärkeramik, am Ende des Abends auf du und du mit der Klofrau (es schweißt zusammen, wenn man ein spektakuläres 15-minütiges „The river“ gemeinsam im weißgefliesten WC-Vorraum hört, die Klofrau mir mit Tüchern den Schweiß von der Stirn tupfend). Santa Claus had been coming to town für 16.000 Fans, nur nicht für mich. Der beste Freund tauchte alle paar Songs vor den Damentoiletten auf, um mich zu überreden, mich wenigstens an den Hallenrand zu verfrachten (wo ja auch die Sanitäter sofort zur Stelle wären), aber nicht mal daran war zu denken. Zu schwach für alles. Dann noch eine gruselige Nacht, Tür an Tür, am nächsten Tag der Rückflug nach München mit Schüttelfrost und Immodium. Ein kurzer, heftiger Alptraum, so ein Norovirus.

Gestern ab 18 Uhr dann Norovirus 2.0. Diesmal ohne Springsteen in Köln, dafür mit Tierklinikbesuch in Oberhaching, dort leider ohne nette Klofrau und passende musikalische Untermalung. Das Dackelfräulein hatte ein Kauknochenendstück verschluckt und quer im Hals stecken, jaulte wie wir sie noch nie hatten jaulen hören. Gottseidank rutschte das Ding dann doch noch bis in den Magen durch. Gruseliger Abend, gruselige Nacht. Den kleinen Hundekörper ganz nah bei mir, mich immer wieder ihres Herzschlags vergewissernd (übertrieben & irrational).

Heute komatöser Zustand, aber mit allerbester Pflege: Auf einen Schluck Elektrolytelösung zwei Schluck Cola, das Ganze mit Zwieback abdichten, alle paar Stunden eine Palette Chemie reinpfeifen, der Gatte hatte schließlich die halbe Apotheke leergekauft, ansonsten Wärme und Schlaf, und am Abend feststellen, dass das Gröbste wohl schon überstanden ist.

For you.

[Same question as every year: Wohin mit dem Dackelfräulein (und uns) an Silvester?
Gerne wären wir in irgendeine stille Lodge in die Berge verreist (zu teuer),
beinahe hätten wir uns mit Freunden in der feuerwerksfreien Zone einer Kleinstadt einquartiert (zu spät dran),
spontan dachten wir noch an eine Nacht im Hilton Munich Airport (zu wenig Grün)
– und letztlich bleiben wir nun doch zuhause.]

Gerade bin ich vom letzten Schwimmausflug des Jahres zurückgekehrt. Der Schwimmsport ist ja, so übers Jahr oder die Jahrzehnte betrachtet, ein Abbild des Lebens im Allgemeinen wie im Besonderen. Manchmal ein friedliches, genussvolles Dahingleiten, mal ein ambitioniertes, beständiges Vorankommen, mal ein energisches, verzweifeltes Herumrudern. Mal liegt man entspannt auf dem Rücken und guckt in den weißblauen Bayernhimmel, mal zieht man an allen anderen ohne jede Anstrengung vorbei, mal haut einem der Nebenmann seine Flossen in die Fresse, dass einem der Atem stockt und entschuldigt sich nicht mal. Schwimmen ist wie das Leben, nur chlorreicher. Bemerkenswert ist übrigens, dass sich bei den diversen Varianten die Zeiten pro Kilometer kaum unterscheiden – auch hier ist eine gewisse Analogie zum Leben außerhalb des Wassers feststellbar: wie oft könnt‘ man sich das ganze Gezappel sparen, weil schlussendlich eh vieles aufs Gleiche hinausläuft.

Im Becken war es heute erwartungsgemäß voll:  All diejenigen, die noch die persönliche Sportbilanz frisieren, sich die Weihnachtspfunde wegschwimmen oder den Frust über den binnen 24 Stunden komplett weggeschmolzenen Winterzauber rauskloppen wollen. Oder die, die sich vor der Silvesterparty nochmal was Gutes tun möchten sowie die, die eh immer sonntags zum Schwimmen gehen – plus ein Schwung Väter, von daheim rausgeworfen mit den Worten „Jetzt mach du halt auch mal was mit den Kindern!“. Urlaubszeit, Schulferien, Sonne und milde 13 Grad locken an einem Silvestersonntag leider viel zu viele ins Schwimmbad.

Dennoch war heute unterm Strich noch der bessere Schwimm-Tag als Neujahr, wenn das Becken überquillt vor lauter guten Vorsätzen, die dann erfahrungsgemäß bis Anfang Februar die Bahnen nicht nur zu den beliebten Zeiten sehr unangenehm verstopfen.

Der Gatte bespaßt gerade da draußen in den ruhigen Wäldern das Dackelfräulein, bevor wir am Spätnachmittag dann die Schotten dichtmachen, damit Pippa die Hundehorrornacht des Jahres einigermaßen gut übersteht.
Wir wagen uns erst wieder nach draußen, wenn der ganze Krach vorüber, die letzte Rakete erloschen und das sinnlose Blei vergossen ist.

Diese Ruhe vor dem Sturm möchte ich nutzen, um auch den Kraulquappen-Blog noch in den Reigen der Jahresrückblicke einzureihen.

Erst dachte ich an eine Rückschau in 12 Kapiteln, was ich wieder verwarf, als ich feststellte, dass sich 7 der 12 Kapitel zu sehr ähneln würden in Tat, Wort und Bild. Eine tabellarische Darstellung wäre auch fein gewesen, aber zugleich albern, da die drei vorzeigbaren Kennzahlen fix zu dokumentieren sind: 85-33-58 (und das sind nicht etwa meine Maße, sondern die Zahlen für Schwimmen-Bergtouren-Läufe).
Und auf anderes bezogen tracke ich mein Self oder die von ihm erreichten Ergebnisse/Nicht-Ergebnisse lieber gar nicht erst (wobei: die Gassigänge und die Weißbieranzahl könnten sich auch noch sehen lassen, wenn ich sie denn nicht nur genossen, sondern auch gezählt hätte).

Ebensowenig dürstet es mich nach einem Abgleich der vor genau einem Jahr gefassten Pläne mit der nun hinter ihnen liegenden Realität eines ganzen langen Jahres – das Fazit wär‘ wenig erbaulich. Mehr und mehr komme ich davon ab, überhaupt vorauszuplanen und hinterherzubilanzieren, weil sich das für den tatsächlichen Verlauf des Lebensweges als zu wenig hilfreich erwiesen hat.

Wider die überzogenen, unnützen Erwartungen. (Aus: „Der große Polt: Ein Konversationslexikon.“)

Stattdessen habe ich mich für eine bebilderte Retrospektive entschieden, mit der ich die schönen Augenblicke/Erlebnisse/Begegnungen/Entwicklungen/Impulse aus dem vergangenen Jahr Revue passieren lassen und denjenigen widmen möchte, die daran beteiligt waren.
Die Reihenfolge der Fotos sagt – von den ersten dreien mal abgesehen – nichts über ihren jeweiligen Stellenwert in meinem Leben/Herzen/Jahr aus, bestenfalls ist sie chronologisch, ansonsten aber rein zufällig.

Jubiläum am Tegernsee – mit dem Lieblingsmenschen und allem, was man(n) sonst noch so brauchen kann für eine kurze Auszeit.

Im Zugspitzland unterwegs – mit dem zweitwichtigsten Menschen in meinem Leben.

Zur beruflichen Fotosession auf den Wallberg – mit dem Papa, der Pippa & dem alten Cabrio.

Sommergenuss am Eibsee – mit S., seiner tollen lila Picknickdecke und Zugspitzblick.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wunderbares Geburtstags-Kunstwerk von H., der Paderborner Postkartenübermalerin.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – sonniges Saisonende mit D. im Karwendegebirge auf dem Weg zur Brunnsteinhütte.

Im Starnberger See – mit den langstrecken-bewährten Kraulquappenflossen auf den Spuren des Kinis.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wahlweise Karwendel- oder Wettersteinblick mit W. auf dem Krottenkopf, dem höchsten Gipfel im Voralpenland.

Mein zweitliebster Flügelflitzer (nach dem Dackelfräulein) – mit herzlichem Dank an den Lieblingsnachbarn für die (freudig verwackelte) Live-Aufnahme.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – mit Andrea für einen Brockenblick auf die winterlichen Rabenklippen im Harz.

Mit herzlichem Dank an Dr. T. für das Jahresabschlussgespräch über eingebildete Nadelöhre und geglückte Brückenschläge zwischen damals und heute.

Ich danke Euch allen für diese Augenblicke & Erlebnisse!

Diesen letzten Tag des Jahres 2017 möchte ich außerdem zum Anlass nehmen, um mich bei allen Leserinnen & Lesern, allen Freunden & Followern meines Blogs (und natürlich auch bei den vielen treuen Fans des Dackelfräuleins!) herzlich zu bedanken für die rege Anteilnahme, die wohlwollende Unterstützung, die vielen Kommentare und nicht zuletzt auch die wunderbaren Kontakte, die auf diesem Weg entstanden sind!

Danke dafür & kommt alle gut rüber ins neue Jahr!
Eure Kraulquappe.

PS: …and this one’s for you, Sori, pleased to meet you!

 

Von Unschuld und Liebe oder: Die vierte der zwölf Rauhnächte.

Als ob Weihnachten einen nicht schon genug strapazieren würde. Mitten in diesem großen Familien-, Feier- und Fress-Spektakel beginnen auch noch die Rauhnächte. Zwölf an der Zahl und mythologisch recht aufgeladen, da für unsere Vorfahren jede dieser Rauhnächte (inkl. des dazugehörigen Tages) stellvertretend für einen Monat des folgenden Jahres stand und kräftig zum Deuten und Oraklen herhalten musste.
Alles wurde beobachtet: das Wetter, die Träume, das Befinden, die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten, kleine Probleme, große Sorgen.
Alles hatte Bedeutung, und wer in der Lage war, diese herauszulesen oder hineinzulegen, der konnte für den dazugehörigen Monat des bevorstehenden neuen Jahres so kluge und hilfreiche Prognosen treffen wie: „im Januar führt einen jemand aufs Glatteis“ oder „der April wird ein regenreicher Monat“ oder „im Juni droht Durchfall“ oder „im Oktober erschlägt man die Nachbarin aus dem 2.OG“.

Dem 28.12. kommt innerhalb der Rauhnächte eine besondere Bedeutung zu: Es ist der Tag der unschuldigen Kinder.
Und es ist Pippas Geburtstag. Zwei Tatsachen, die nicht wirklich harmonieren.

Wer das Dackelfräulein beispielsweise gestern in den Wäldern gesehen hätte, wüsste sofort wieso, weil er/sie dann miterlebt hätte, wie der kleine Raubauz ins Unterholz abgehauen ist, um sich dort an einem halb verwesten Rehschädel zu laben (ja, da war immer noch ein bisschen was Leckeres zum Abnagen dran!), dass es nur so knusperte.
Bis Sie da hinterher kommen, um Ihrem Hund – der natürlich in solchen Augenblicken von Spontan-Taubheit befallen wird – am Tatort ein Stück Rehunterkiefer aus dem Maul zu fischen, rieseln Ihnen im Unterholz nur so die Tannennadeln zum Mantelkragen hinein, und während Sie dann grad versuchen, sich die stinkenden, klebrigen Finger abzuputzen, um sich im Anschluss daran die Jacke und den Pullover ausklopfen zu können (so Tannennadeln am Rücken pieken ganz ordentlich!), sehen Sie auch schon aus den Augenwinkeln, dass sich Ihr Hund in diesen 15 Sekunden hinterrücks nochmal ans Buffet gepirscht hat, um sich ein Dessert zu schnappen. Sie verbrauchen ca. fünf Taschentücher für die ganze Sauerei (Hund, Hände), ziehen für den Rückweg Ihre Handschuhe wegen eventueller Aasrückstände lieber nicht mehr an und marschieren fluchend und mit eiskalten Händen heimwärts, vor Ihnen schleicht Ihr Hund mit angelegten Ohren und hängender Rute übers Trottoir, dreht sich alle paar Meter zu Ihnen um und wirft Ihnen einen Blick der unterwürfigsten, leidvollsten, erbärmlichsten und treuherzigsten Sorte zu. Es geht nämlich auf 16 Uhr zu, Futterzeit am heimischen Napf, und da will man schon mal rechtzeitig beschwichtigen und sich wieder gut stellen mit dem Dosenöffner, der grad aus unerklärlichen Gründen so todbeleidigt herumschnaubt und grantig dreinschaut.

Das war nur ein Beispiel für die vielen freudigen Momente, die das Hundehalterjahr ebenso treu begleiten wie Zeckenpulen, Zähneputzen und Zyklusprobleme (um noch ein paar weitere zu nennen). Von Unschuld der am 28.12. Geborenen kann also keine Rede sein (handelt es sich zusätzlich um einen Dackel, gibt’s sogar „ab Werk“ noch das kostenlose Schlawiner-Upgrade obendrauf, Glückwunsch!).

Früher, so las ich, gab es am 28. Dezember den Brauch, dass Kinder den Erwachsenen lustige Streiche spielen durften, vereinzelt soll das in manchen Gegenden Bayerns und Österreichs noch heute der Fall sein. Aha.
Weil sich so ein Rauhaardackel um Rauhnächte genauso wenig schert wie um Brauchtum, Kirchentage und Jubiläen aller Art, spielt er einem ganzjährig lustige Streiche, tanzt einem mal mehr, mal weniger auf der Nase herum, versucht immer wieder hartnäckig, einem den Platz auf dem Chefsessel streitig zu machen oder einen wenigstens davon zu überzeugen, dass zwei Stunden im Regen aufregender sind als gemütlich daheim im Sessel zu hocken (ganz gleich, in welchem).

6 Jahre geht das nun schon so – und ungeachtet all der Gaunereien und Rangeleien gehören diese Jahre zum Besten, was mir je passiert ist: die Dosis an Freude & Liebe sowie an Naturerleben & Bewegung ist unübertroffen!

Dafür danke ich Dir, meine liebe Pippa, von ganzem Herzen und koche Dir, obwohl Du gestern im Wald schon Rehbraten hattest, für heute eine große Portion Hühnchenfilet.

Auf Dich, Deinen 6. Geburtstag & noch viele gemeinsame Jahre da draußen & hier drinnen!

Pippa, draußen (Hirschberg).

Pippa, drinnen (Haifisch).

Für immer 20 Jahre.

Beim heutigen Spaziergang an der Isar kam uns im Schneetreiben ein Jogger entgegen. Ich war gerade viel zu sehr mit Bällchenschießen beschäftigt, um genauer auf den sich nähernden Läufer zu achten und sah erst auf, als mir eine wohlbekannte Stimme „Das gibt’s ja nicht!“ zurief. In winterliche Laufklamotten vermummt hätte ich J. sowieso nicht erkannt, aber seine Stimme ist für mich unverkennbar, ich höre sie schon seit vier Jahrzehnten und es ist eine der wenigen Stimmen, die ich mir jederzeit präzise in Erinnerung rufen könnte.

J. ist ein langjähriger Mitarbeiter meines Vaters gewesen, ausgebildeter Bergführer, alpiner Hobbyfotograf, Sportler durch und durch, ansonsten Griechenland-Fan und ein Freigeist, wie ich wenige kennengelernt habe.
Schon als ich klein war, mochte ich seine Stimme und die John-Lennon-Brille, die er heute noch trägt. Wenn der Papa mich ins Büro mitnahm, so hielt ich mich entweder bei der Telefonistin auf und sortierte begeistert Büroklammern und anderen Kleinkrusch in die dafür vorgesehenen Holzfächer der Schreibtischschubladen ein oder ich wollte zu J., um in dessen riesigen Fundus an Wanderkarten und Fotos herumstöbern.
Bei der alljährlichen Faschingsfeier im Büro durfte ich, wenn mein Job als Utensilienträgerin vom Papa (ging er als Lili Marleen, war ich die Laterne, trat er als Cowboy auf, trug ich den Colt) erledigt war und es den Anwesenden eh längst mehr um Trinken, Tanzen und Tuchfühlung ging als um eine gut sitzende Maskerade, gelegentlich mit J. tanzen. Er wirbelte mich herum, warf mich in die Luft, fing mich auf und ich fand das toll, vor allem weil die anderen sich nie so ungezwungen mir gegenüber benommen hätten, weil ich für sie mindestens bis zur 2. Maß Bier (und für die meisten gottseidank auch darüber hinaus) immer die Tochter des Chefs war und entsprechend befangen und korrekt mit mir umgegangen wurde.
J. war da anders – unverkrampft, unkonventionell, ungeniert.

In meinen Teenager-Sommerferien, die ich jobbend in der Jugendherberge Lenggries verbrachte, überschnitten sich unsere Aufenthalte dort meist für ein paar Wochen. Täglich sah ich ihn mit seiner Truppe in die Berge aufbrechen, an meinen freien Tagen durfte ich mich anschließen und ich war jedes Jahr aufs Neue ein wenig verliebt in ihn. Er war immer umschwärmt, die Frauen in den von ihm geführten Bergsteigergruppen hingen wie gebannt an seinen Lippen, wenn er morgens im Frühstückssaal, in dem ich die Semmelkörbe auf den Tischen verteilte, Kaffee servierte und 240 Käsescheiben auf Platten drapierte, seinen Schäfchen die Tour des Tages erklärte und abends, wenn man gemeinsam am Lagerfeuer sitzend dem Bergtag nachsann, waren die beiden Plätze neben ihm die begehrtesten in der ganzen Runde.

Viele Jahre später, als ich in den Semesterferien regelmäßig im väterlichen Büro arbeitete, bemerkte ich, dass J. nun endlich zu bemerken schien, dass ich nicht mehr die Kleine oder die Tochter vom Chef war. Was war das für ein Gefühl!
Wir gingen in den Mittagspausen plötzlich zusammen Eis essen, er stellte mir interessierte Fragen und schnippte vorsichtig einen Marienkäfer von meiner nackten Schulter, ich lauschte seiner Stimme und träumte den restlichen Bürotag über von Bergabenteuern, Alpenglühen, einem sportlichen Mann wie J. an meiner Seite und Marienkäfern auf meinen Schultern. Mit Semesterbeginn klinkte ich mich jedesmal wieder in mein Leben in der unterfränkischen Studienstadt ein und die Schwärmerei für J. verblasste bis zu den nächsten Semesterferien.

Ferien kamen und gingen, bis der Uniabschluss unweigerlich das Ende des sommerlichen Jobbens und Flirtens einläutete. J. hatte sich mit Mitte 40 dann doch noch fest gebunden, ich mich mit Mitte 20 ebenso. Als ich für meinen ersten Job zurück nach München zog, kreuzten sich unsere Wege nicht mehr im Büro des Papas, sondern wir begegneten uns nun zufällig im Schlosspark beim Laufen, an der Isar, in der U-Bahn, beim Schwimmen und einmal sogar im Gebirge (er runter, ich rauf, wir beide in Begleitung, schade eigentlich).
Seit 20 Jahren laufen wir einander also im Schnitt alle zwei Jahre unerwartet irgendwo über den Weg.

Wenn uns diese ebenso schöne wie überraschende Regelmäßigkeit heimsucht, drücken wir uns zur Begrüßung und zum Abschied, tauschen die aktuellen Eckdaten aus, und finden, dass wir uns unbedingt mal verabreden sollten, weil wir jedes Mal feststellen, dass wir uns nach wie vor prima verstehen und es noch so viel zu fragen und zu sagen gäbe.

Heute umarmen wir uns im Schneegestöber, J. begleitet das Dackelfräulein und mich ein Stück, so dass wir uns eine Weile unterhalten können. Diesmal erfahre ich, dass sein kleines Häuschen auf Kreta letzten Sommer abgebrannt ist, er es jetzt neu aufbaut und daher vor allem im Winter mehr Zeit in Griechenland verbringt als in München. Im Gegenzug erfährt er, dass ich umgezogen bin und den Job in Starnberg schon längst wieder an den Nagel gehängt habe. Ihm fällt auf, dass ich schmaler geworden bin seit dem letzten Mal, mir ist nicht entgangen, dass seine sonnengegerbte Haut mittlerweile von vielen Falten durchzogen ist.
Er sei jetzt in Frührente, erklärt er, und könne endlich wochentags zum Bergsteigen gehen. Ich sei auch in Rente, entgegne ich, so eine Art befristete Ultrafrührente, die ebenfalls Bergtouren unter der Woche ermöglichen würde. Wir lachen über unsere ähnlichen und doch so ungleichen Rentnerexistenzen.

Heute vor 20 Jahren hast Du bei meiner Hochzeit vor dem Standesamt gestanden und Konfetti und Reis geworfen, sage ich, weißt Du noch? Klar, er weiß es noch. Einige der Mitarbeiter des Papas waren als Überraschungsgäste erschienen, hatten den Dienst-Mercedes direkt vor dem Standesamt geparkt, hübsch dekoriert und zur Champagner-Bar umfunktioniert. Aus dem CD-Player des Wagens dröhnte Musik, die ich vergessen oder verdrängt habe.

12.12.1997, Standesamt München-Nymphenburg.

Umtrunk vor dem Standesamt.

Die hässlichste Karte von allen, leider sehr verblichen (Text: Freie Fahrt ins Eheglück).

20 Jahre soll das her sein? Ja, sage ich, exakt 20 Jahre. Heute wäre die sogenannte „Porzellanhochzeit“ gewesen. Aber da die Mutter dieser Porzellankiste nicht Vorsicht, sondern Einsicht hieß, hat sich das schon weit vor dem heutigen Jubiläum zerschlagen. Der Mann von damals lebt und lehrert längst wieder in Unterfranken und das schöne, alte Gebäude des Nymphenburger Standesamts hat sich irgendeine schicke Investmentfondsgesellschaft unter den Nagel gerissen. So ändern sich die Zeiten.

Was von dem Mann von damals denn geblieben sei, fragt J. mich. Ich zögere erst (wozu diese bilanzierenden Nachforschungen?), denke dann aber doch nach und antworte schließlich, drei Dinge wären mir wohl von ihm geblieben: die seither endgültig festsitzende Abneigung gegen Zuspätkommen, sechs sehr formschöne Bierkrüge, und dass er mir beigebracht hat, wie man effizient Orangen schält.
Drei, wie ich finde, nicht zu unterschätzende Errungenschaften, die einem das Leben enorm erleichtern können (für einen kurzen Moment versetzt mich diese spontane Erkenntnis in aberwitzige Heiterkeit).

Als J. in seinen Laufklamotten zu frösteln beginnt und das Dackelfräulein ungeduldig quengelt, weil das Ballspiel für ihren Geschmack nun zu oft ins Stocken geraten ist, finden wir wie immer, dass wir uns wirklich mal verabreden sollten, verabschieden uns aufs Herzlichste und gehen unserer Wege (nach ein paar Metern drehe ich mich noch einmal um, sehe J. sportlich wie eh und je davonsprinten, dann befördere ich Pippas Ball mit einem für meine Verhältnisse passablen Schuss in die verschneiten Isarauen).

Es ist über die Jahrzehnte ein ungeschriebenes Gesetz geworden, dass es nicht dazu kommen wird und wir uns einfach aufs nächste Mal freuen. Vermutlich also irgendwann im jubiläumslosen 2019, er dann 67, ich 47, und wenn alles gut geht, haben wir noch weitere 10 Begegnungen in den nächsten 20 Jahren vor uns. Eine beruhigende Perspektive.

Vielleicht liegt darin das Geheimnis, wie es gelingen kann, sich ein Leben lang gekannt und gemocht zu haben.

O-wimoweh, o-wimoweh, o-wimoweh. Zum 27. März 2017.

Liebster R.,

der Status „Gatte“ bewahrt dich vor nichts: Weder vor dem Geburtstaghaben an sich, noch vor der Gratulationsserie auf meinem Blog. Zumal dein heutigre Geburtstag ein – wie sage ich’s nur? – irgendwie besonderer ist.

Vielleicht ist er am besten durch ein kleines Bildchen zu umschreiben, das ich letztes Jahr an einem Sommermorgen in Tirol schoss, als du schon deinen Pflichten als Hunde-Vater nachgingst, während ich noch im Nachthemd auf dem Balkon unseres Domizils stand und den Sonnenaufgang bestaunte, der hinter dem Lamsenjoch hervorkroch.

Verwackelt, da zu früh am Morgen.

Heute übernehme ich das Morgengassi, so dass du schon mal den Tisch decken noch gemütlich liegenbleiben kannst, bis ich mit frischen Semmeln heimkommen und dich an den Gabentisch bitten werde. In der ganz oben auf dem Geschenkeberghügel thronenden Karte steht dann auch all das, was hier nicht steht (also nicht mehr viel).

Und bitte reiß dich zusammen und beginn mit der Karte! Denn wenn du die zwei Präsente auspackst, besteht Gefahr, dass du womöglich vor lauter Tränen (Freudentränen, hoffe ich!), keinen Buchstaben mehr lesen kannst.

Apropos Freudentränen. Die vergoss ich seinerzeit auch, als wir in unseren Anfangsjahren noch ständig durch die Berge marschierten und ich dich eines Tages, es war auf dem Soiernhaus, dabei ertappte, wie du ganz versonnen Otto, den Hund des Hüttenwirts, deinen Käsebrotfinger hast abschlecken lassen.

Denn da war mir klar: Mit dem kannste zusammenbleiben, der liebt nicht nur dich, sondern auch Dackel. Ein äußerst entscheidendes Kriterium!

Otto vom Soiernhaus.

Wenig später schleifte ich dich – quasi als letzten Lackmustest – zu deinem ersten Springsteen-Konzert und auch da erlebte ich dich so, wie man den, mit dem man sich jung fühlend altern will, erleben möchte: Begeistert, beschwingt, beseelt. Du hattest zwar sehr bald andere Lieblingssongs als ich, aber da auch diese noch in dem Kompendium „Die 300 besten Songs von Bruce Springsteen“ enthalten sind, sagte ich mir: Schwamm drüber. Ohne etwas Toleranz haut so eine Beziehung ja eh nicht hin.

Und so nahmen die Dinge ihren Lauf.

Ein paar Jahre später heirateten wir und wurden genau 9 Monate nach der Hochzeit stolze Eltern. Zeit wurde es, wir waren schließlich nicht mehr die Jüngsten! Im Unterschied zur Situation vieler anderer Eltern in unserem Umfeld hatten wir allerdings das große Los gezogen, da unsere Kleine von Anfang an gern und viel schlief. Schon nach 4 Wochen schlief sie durch, und zwar voll 8 Stunden!

Als sie sich dann eines Tages aus ihrer Wiege raus- und in unser Bett reingeschlichen hatte, schlief sie gleich noch länger und lieber.

Sie ist nämlich – genau wie du! – kein Morgenhektiker und lässt sich gern erstmal die Sonne auf den Bauch scheinen, bevor sie aufsteht und in der Küche Stress macht wegen des Frühstücks (was ja mein Job ist).

Du hast sie, kaum dass sie laufen konnte, mit deiner ganz großen Leidenschaft angesteckt. Und ganz wie bei dir wurde fast eine Sucht draus. Wenn der Ball mal nicht so rollte, wie sie sich das erhofft hatte, war sie stundenlang unleidig. Wenn das dann noch auf Tage fiel, an denen der große, ruhmreiche FC Bayern abgekackt hatte, hatte ich gleich zwei Mega-Muffel auf der Couch sitzen.

Philippa Gar-nicht-Lahm.

Pippas Ballsucht hast du mittlerweile durch zahlreiche Intelligenzspiele („Zieh“, „Acht“, „Blau“, „Tür zu“ etc.) und Erweiterung des Repertoires an Gassirouten einigermaßen in den Griff bekommen. Bei dir ist diesbezüglich Hopfen und Malz verloren, aber ich verstehe das schon: Einmal Fan, immer Fan, da helfen nicht mal mehr Intelligenzspiele, geht mir schließlich genauso. Sowas ist wie „lebenslänglich“, wenn es echt ist.

Und so ist es manchmal auch mit der Liebe und der Ehe. Darauf hoffe ich natürlich in unserem Falle sehr, und die Chancen stehen gut, da du nach 10 Jahren immer noch mein Lieblingsmensch bist! 🙂

Den Song vom Boss, den ich für dich ausgewählt hatte, habe ich wieder verworfen (es wäre „Outlaw Pete“ gewesen, obwohl du deine Säuglingszeit nicht im Knast verbracht und auch noch niemanden erschlagen hast). Ich habe ihn verworfen, weil ich dachte, du wirst eigentlich oft genug mit dieser Musik beschallt und hörst sie dir ja sogar freiwillig auf deinen Zugfahrten zwischen Frankfurt und München an, wenn du nicht gerade Sportfilme guckst oder im Gang stehen musst, weil der ICE mal wieder nur halb so lang ist wie er sein sollte.

Dein Geburtstagsständchen werden dir also nicht Bruce Springsteen & the E-Street-Band bringen, sondern Pat, the Hippo & Stanley, the Dog. Der Boss wäre einverstanden mit diesen Stellvertretern, da bin ich mir sicher.

Nach meiner Wahrnehmung ist das nämlich der einzige Song, dessen Erklingen dich absolut immer erheitert (also hoffentlich auch schon am frühen Morgen des heutigen Tages). Gleichwohl birgt der Text nicht allzu viele Highlights, so dass ich es mal auf diesen bedeutungsvollen Vers hier beschränke, den ich dir widmen möchte:

Hush, my darling, don’t fear, my darling
The lion sleeps tonight!

Aber bevor the lion sleeps (und wir neben ihm), feiern wir jetzt erstmal deinen runden GeburtsTag!

Alles Liebe und Gute wünscht dir
Deine Kraulquappenfrau.

Herbst-Schnäppchen „Die Parkplatznummer“ oder: Refresh your love.

Eigentlich wollte ich direkt nach dem Frühstück und ein paar Erledigungen im Haushalt zum Einkaufen aufbrechen, da nach dem Wochenende in unserem Kühlschrank meist gähnende Leere herrscht. Doch dann kam mir eine Mail dazwischen, die alles, aber auch wirklich alles, was ich mir für den Vormittag vorgenommen hatte, auf den Kopf stellte.

Ein so sensationelles Angebot flatterte mir da so unerwartet ins Postfach, dass ich es umgehend an euch, liebe Leser, weitergeben möchte. Genauer gesagt: an die Paare unter euch Lesern, an alle Schatzis, Mausis, Hasis, Spatzls und Darlings, die ihr euch zwar noch nicht im Herbst eures Lebens, aber ab und zu wie im Spätsommer eurer Beziehung/Partnerschaft/Ehe fühlt.
Und mal ehrlich: wer empfindet das nicht gelegentlich so, nachdem mal die ersten drei rauschenden Jahre mit Kennenlernen, Zusammenziehen, lodernder Leidenschaft und als Krönung womöglich gar dem schönsten Tag eures Lebens (=Hochzeit) wie im Flug vergangen sind?

Das muss nicht so bleiben, da kann man was tun! Und zwar im schönen Bayern, inmitten saftiger Almwiesen umrahmt von der imposanten Kulisse des Wettersteingebirges, in einem Berg-Hotel (Mountain Hideaway), das seinesgleichen sucht:

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Jetzt nicht angepisst ob der stilistischen Patzerchen wegklicken, bitte!
Wir wollen gnädig über die Form hinwegsehen und uns auf den Inhalt konzentrieren, denn darauf kommt’s schließlich an.

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Ehrlich – mich hatten sie schon nach den ersten beiden Punkten eingefangen, denn a) ich spiele für mein Leben gern, meinetwegen auch mit einem Therapeutenpaar, vor allem, wenn die zwei einen so netten Namen haben und b) drei Tage lang nicht Kochen und Abwaschen, das ist für mich schon sowas von Genuss und Erholung, damit kriegt man mich sofort rum.

Aber dann, der Hammer, dieser Punkt drei: das einzigartige Liebeswochenende offeriert einen kostenlosen Parkplatz! Is‘ nich‘ wahr, oder?! Da wird einem doch gleich ganz heiß zumute! Ich mein‘, was wir da alles anstellen könnten, auf dem Parkplatz, zumal, wenn’s nix kostet und man nicht gehetzt ist von der Uhrzeit, die auf irgendeinem Parkticket draufsteht…

Mir blieb fast die Spucke weg, dass das Ganze dann noch gekrönt wurde von inkludierten Gondelfahrten – sogar mehrfachen! – während des Aufenthalts (diese wundervolle Metapher! – ist so eine Partnerschaft nicht ein Auf und Ab, eine Berg- und Talfahrt?!) sowie kostenlosen Koffeinspritzen und WLAN im alpinen Liebesnest! Sogar die Minibar darf man leersaufen, um die Love zu refreshen, how amazing, und ich versteh‘ fei voll und ganz, dass das nur für den alkfreien Part des Zimmerkühlschranks gilt, denn ey, bei dem Schnäppchenpreis von knapp 2.000 Öcken pro Liebesunion in der preiswertesten Room-Category, ja was erwarten die Leute denn?!

Unsere Liebe, die sollte uns schon mal eine Investition wert sein, die über Discounter-Level liegt, oder nicht?

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Also, Leute, lasst uns doch im Oktober da oben in den Bergen treffen, zu diesen Love&Play-Park&Ride-Workshop von Liebling&Schatz, in drei Tagen stocknüchtern ein halbes Monatseinkommen verjubeln, gemeinsam auf und ab gondeln, ein- und ausparken, was das Zeug hält, einander mit der Espressomaschine einheizen und auf den Wellen des Highspeed-WLANs zu neuen Liebesabenteuern surfen, während wir unsere Aphro-Verwöhnpension abends am Zimmerkamin der Suite mit Wettersteinblick sacken lassen.

Mein Gatte und ich, wir sind auf alle Fälle dabei, wir buchen den zweiten Termin im Oktober, denn der passt besser zu den Bundesligaterminen des FC Bayern, diesem erfolgreichsten aller Aphrodisiaka für des Gatten Laune und unsere Beziehung. Man muss ja schon im Vorfeld drauf achten, dass die Basisparameter für so einen Wellnesskurs auch passen (einmal, da waren wir an einem lebenswichtigen CL-Wochenende in den Bergen und im Hotel schwächelte die Glotze, da war die Stimmung im Eimer, da hätten auch Liebling&Schatz nix mehr reparieren und refreshen können, das passiert mir nie wieder).

Jetzt muss ich dann mal los zum Einkaufen. Liebe geht schließlich auch durch den Magen, so im Alltag.

Euphorisierte Grüße und einen guten Start in die neue Woche wünscht euch,
Die Kraulquappe.

Das Mandarinenmannlachen oder: Abmeldung im „Trierischen Volksfreund“.

Ein Samstagvormittag, wie so viele Samstagvormittage.

Gefrühstückt, den Dackel um den Block geführt, Pflanzen versorgt, Einkaufszettel geschrieben, Waschmaschine bestückt, in der Wohnung herumgewuselt und Kleinkram erledigt.
Der Gatte sitzt derweil auf dem Balkon, liest den Sportteil und danach auch einen Teil vom Rest der Süddeutschen und freut sich über jede Minute, in der ich mit Stillarbeit in dem hinteren Teil der Wohnung beschäftigt bin (vor allem während der Lektüre des Sportteils) und er sich der Zeitungslektüre widmen kann ohne dabei von Eilmeldungen wie „Denk‘ bitte dran, nachher das Altglas mitzunehmen!“ oder „Guck‘ mal, wie toll die Passionsblume blüht!“ gestört zu werden.

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Plötzlich durchschneidet ein glucksendes Lachen meine Stille beim Wäschesortieren. Das Gelächter kommt tatsächlich vom Balkon.

Nebenbei: Ich habe dieses leider nicht täglich auftretende Spezial-Lachen das „Mandarinenmann-Lachen“ getauft. Vor Jahren wurde er mal zur Winterszeit zu einem Einkauf am Obststand geschickt, es ward ihm u.a. aufgetragen, Mandarinen mitzubringen, selbstverständlich kernlose. Bei der Vergewisserung, ob die Früchte denn auch kernlos seien, gelang es ihm nicht, seine Frage zu vollenden, denn der Obstverkäufer unterbrach ihn wie aus der Pistole geschossenen mit: „Die sind süß, kernlos und leicht zu schälen!“. Genervt, aber doch professionell und wohl wissend, dass jeder anderthalbste Kunde vor dem Mandarinenkauf exakt nach einem dieser drei Aspekte – oder allen dreien – fragen wird. Diese Begebenheit erzählte der Gatte bei seiner Rückkehr vom Einkauf, lachte sich einen Ast, ich ebenso – wir sind beide große Fans solcher winzigen Situationen im Alltag. Ja, das ist genau unser Humor, auch wenn ihn der Obstverkäufer wohl nicht nachvollziehen könnte (und manch anderer vermutlich auch nicht).

Zurück zum Thema:  Der lachende Ehemann auf dem Balkon. Was mag der Anlass sein? Vielleicht der Guido-Schröter-Cartoon im Sportteil? Oder ein Artikel über die Isländer? Ich wage den Gang ins Wohnzimmer, da ich das Lachen eindeutig als Mandarinenmann-Lachen identifiziere (und das schreit implizit nach Anteilnahme), schiele ums Eck zum Balkon, wo der Gatte immer noch vor sich hinkichert und schon auf mich zu warten scheint, so dass ich mich auf den Balkon traue und nachfrage, was denn los sei.

„Guck mal, hier ist eine kleine Meldung in der Süddeutschen,
da hat jemand vor seinem Ableben seine eigene Todesanzeige verfasst,
die nun auch genau so im Trierischen Volksfreund erschienen ist!“

Aber lest selbst:

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Was für eine Liebeserklärung und Danksagung an das Leben, an den Partner und die paar wenigen guten Freunde! Klare Ansage bis zum letzten Atemzug und darüber hinaus. Und auch mal was riskiert, nicht immer nur nur nett gewesen, zu allem Ja und (erst recht nicht) Amen gesagt und sich brav den Zwängen der Blutsverwandschaft ergeben. Wunderbar!

Wären wir nicht so weit von Losheim-Britten entfernt, so würden wir glatt vor gut einer Stunde ein paar gelbe, unstinkige Lilien (zu orangefarbenen Blumen könnte ich mich beim besten Willen nicht überwinden) an Huberts letzter Ruhestatt abgelegt haben.

So bleibt mir nur, Ihnen, lieber Hubert, unbekannterweise für diese Anregung zu danken und Ihnen eine Abschiedsfeier ganz in Ihrem Sinne und nur im Kreis Ihrer Lieben zu wünschen – und vielleicht eines Tages ja doch ein Wiedersehen mit Ihrer Katze.

Voller Hochachtung grüßt
die Kraulquappe.

Die vier Elemente: Mut, Sicherheit, Liebe, Wut.

Ich liebe Schwimmen. Auch wenn es Haut und Haare angreift, einem für Stunden eine schildkrötenartige Runzelhaut um die Augen beschert und mich ab und an das An- und Ausziehen, Duschen und Abtrocknen (und bisweilen sogar das Nassmachen selbst) nervt.

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Es ist die einzige Sportart, von der ich nun, da ich die 40 bereits überschritten habe und es längst zu spät ist für die Olympiateilnahme, behaupten möchte, ich wäre vielleicht richtig gut darin geworden, wenn ich früh genug, professionell genug und diszipliniert genug mit diesem Sport begonnen hätte. In der Illusion schwimme ich glücklich vor mich hin.
[Eine ähnliche Ausrede pflege ich seit über 20 Jahren mein Abitur betreffend: hätte ich nur interessiert genug, ehrgeizig genug und lange genug darauf hin gearbeitet, wäre mein Schnitt um einige Zehntel besser gewesen…  Das Gegenteil solcher Behauptungen kann nie mehr bewiesen werden, und das ist wahrscheinlich auch gut so.]

Seit vier Jahrzehnten kann ich mich nun alleine im Wasser bewegen (die Monate in der Fruchtblase nicht mit gerechnet), seit zwanzig Jahren gestalte ich diese Wasseraufenthalte ein bisschen sportlicher. Alles im Rahmen des Freizeitsports, ohne gezieltes Training, ohne Stoppuhr, ohne Neoprenanzug, ohne Paddles, Kickboard oder Pull Buoy (ja, diese Schaumstoff-Acht heißt echt so und wird auch mit „uo“ geschrieben / nein, ich weiß nicht, woher der komische Begriff kommt), aber immerhin gelegentlich mit Kurzflossen.
Das wichtigste Teil der Ausstattung ist und bleibt also der Badeanzug.

Anfangs besaß ich nur einen einzigen, in dem so lang geschwommen wurde, bis er von Chlor und Anstrengung zermürbt und ausgeleiert war. Erst dann kaufte ich einen neuen.
Mittlerweile besitze ich vier Exemplare, weil sich über die Jahre gewisse Schwimm-Vorlieben herauskristallisiert haben, die je nach Jahreszeit, Befinden, Kampfgewicht oder Aufenthaltsort oder -dauer beachtet werden wollen. Außerdem möchte man auch als Schwimmer wenigstens ein kleines Bisschen „Equipment“ haben, die Läufer, Biker, Kletterer und erst recht die Wintersportler haben schließlich zigmal mehr Zeug.

Meine vier Schwimmbekleidungsoptionen, die jeweils mit speziellen physischen und psychischen Verfassungen korrespondieren, sind:

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Meine 4 Elemente

  1. Ganz links im Bild: Modell „Espresso“ (dämlicher Name, Themaverfehlung von arena).
    In einem Anfall von Mut und Farbenfreude gekauft.
    Vorteile:
    – sieht ultra-dynamisch aus
    – man wird für peppig, gut gelaunt und experimentierfreudig gehalten
    – das Ding findet man auch im dunkelsten Rucksack sofort
    Nachteile:
    – je nach Seelenzustand unerträglich bunt
    – extrem enger Schnitt, also nur an ausgewählten Tagen der Saison mit gutem Gefühl tragbar
    – nix für langes Rumstehen am Beckenrand, führt zu Gerede und trocknet zu langsam
    Fazit: Meine Persönlichkeit und meine Physis halten diesem Modell nur selten Stand, meine Schwimmdynamik auch nicht.
    Von 100 Schwimmbadbesuchen kommt er vielleicht 10x zum Einsatz.


  2. Zweites Modell von links: „Inspiration Athletic“ (super Name, klingt sportlich)
    In einem soliden Münchner Sporthaus gekauft, in ebenso solider Verfassung.
    Vorteile:
    – solider Schwimmanzug, solides Material, schnelltrocknend
    – figurschmeichelnd angebrachte, zitronengelbe Streifen, die auch an beschwerlichen Tagen eine Rest-Frische vorgaukeln
    – eher unauffällig, also ideal für fremde Länder und/oder fremde Schwimmbäder oder Schwimm-Verabredungen
    Nachteile:
    – ziemlich gewöhnlich, da sehr häufig anzutreffendes Modell
    – sonst keine
    Fazit: Mein am meisten getragenes Stück, aus „Auf der sicheren Seite“-Beweggründen. Nehme ich auf jede Reise mit. Sollte ich glatt nochmal auf Vorrat kaufen. Nur so zur Sicherheit. Ca. 65 Einsätze von 100.


  3. Drittes Exemplar von links: Modell „Wing high challenge back one piece“ (ernsthaft, mehr stand nicht dabei, aber Challenge klingt immer gut)
    Vor einigen Jahren vor meinem Kraul-Kurs gekauft, um mich in neuem Outfit der Technikverfeinerung zu widmen.
    Vorteile:
    – unschlagbares Komplementärfarben-Design
    – eleganter Rückenausschnitt, produziert bis zum Ende des Sommers ein amüsantes Muster
    – fast perfekter Sitz
    Nachteile:
    – würde man kollabieren und läge auf dem Boden des Beckens, fiele man kaum auf
    – trocknet eher langsam
    Fazit: Alles in allem mein Lieblingsschwimmanzug, auch wenn ich ihn nur im Sommer und selbst dann nicht immer trage.
    Wing high (jawohl, Schwingen hoch beim Kraulen!). Orange blue (es gab da mal diesen Song…). Ich liebe diese Farbkombination, sie begleitet mich schon lange. Vor zehn Jahren plante ich mit ihr ein anarchistisches Kunst-Happening mit Fingerfarben in meiner Wohnung (woraus dann zwar nur ein Vers wurde, der – obwohl auf Englisch und freihändig an die Küchenwand geschrieben! – so spießig aussah, wie mit Schablone gemalt, aber egal, was zählt, ist die Intention). Ca. 25x pro 100x Schwimmen.


  4. Ganz rechts schließlich: Modell „Arrowjet“ (cooler Name, aber merke: ein Schwimmbikini ist niemals eine Alternative zum Schwimmanzug, egal wie er benannt wird).
    Gekauft, um ab und zu im Freibad auch mal rumliegen zu können und nicht nur zu schwimmen (also vor unserem Hund gekauft, denn seit wir den Hund haben, habe ich meistens keine Zeit mehr für Schwimmen plus Rumliegen).
    Vorteile:
    – sieht ganz nett aus, wenn man wirklich schlank und gebräunt genug ist, und auch sonst einverstanden ist mit sich und der Welt
    – sonst keiner
    Nachteile:
    – sieht nur nett aus, wenn man wirklich schlank und gebräunt genug ist, und auch sonst einverstanden ist mit sich und der Welt
    – Ausschnitt lässt beim Schwimmen zu viel Wasser rein, das bremst einen unnötig ab
    – sich in das Schnurlabyrinth am Rücken des Oberteils einzufädeln kommt einer Geduldsprobe gleich und endet meist im Wutanfall
    Fazit: Schleppe ich den ganzen Sommer über als zweite Garnitur im Rucksack mit – für den Fall, dass ich doch mal spontan rumliege. Kommt es tatsächlich so weit, scheitere ich am Tagesgewicht oder am Oberteil (und aktuell bereits an der Vorstellung, mit meiner Kalkschulter das Oberteil anzuziehen), pfeffere das Ding zurück in den Rucksack und liege dann halt im Badeanzug rum. 0-2 Einsätze von 100.


Mit „Arrowjet“ stehe ich also eher auf Kriegsfuß.
Daher muss er diesmal auch zuhause bleiben, obwohl ich gerade dem Sommer und neuen Schwimmabenteuern entgegen fahre. Und zwar in seinem großen, freundlichen Bruder, dem „Railjet“. In dem hat man in jeder physischen Verfassung völlig entspannt Platz.

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Diese Woche war nicht meine beste, zwischen diversen Warteschleifen und gräßlichen Übungen für die Kalkschulter hat sich die gute Laune ziemlich zerrieben.
Ich muss mal raus hier, eine kleine Auszeit nehmen von Jobsuche & Jonglieren mit Zukunftsoptionen, von Hund & Haushalt, von Vertrautem & Vertracktem.

Eure Kraulquappe, auf dem Weg nach Wien.

Die Schmutzblume oder: Zusammen alt werden.

Wenn man nach reiflicher Überlegung und anhaltender Liebe zu dem Entschluss kommt, den Bund der Ehe einzugehen, verbinden meist beide Bündnispartner damit auch die Perspektive (oder Hoffnung), „zusammen alt zu werden“ (wie man das immer so verklärt nennt, so lange man vom ernsthaften Altgewordensein noch ein geraumes Stück entfernt ist).

Der Mann, mit dem ich das Abenteuer Altwerden noch vor mir habe und seit ein paar Jahren verheiratet bin, ist inzwischen zum gemäßigten Springsteen-Fan geworden. Vielleicht ist es auch nur ein Deal: ich akzeptiere seine Liebe zum FC Bayern und er meine zu dem Kerl aus New Jersey. Jedenfalls geht er bei jeder Tournee zu einem der Konzerte mit (angeblich auch gern), kann den einen oder anderen Song tonsicher mitpfeifen, und ab und an versucht er sogar, bei ein paar Textpassagen ein bisschen mitzusingen.

So auch bei einem Song, den ich erst 2012 (nach bereits 27 Jahren Fansein) live in East Rutherford (ein Kaff in New Jersey, in dem man nicht gewesen sein muss, außer für diese Konzerte) kennelernen durfte: „Jole Blon“.

Ich gebe zu: es ist ein eher schlichter Song, mit eher geringem poetischen Gehalt oder inhaltichem Anspruch, letztlich eigentlich kaum mehr als ein kleines, fröhliches, musikalisch simples Liebesliedchen, das zudem nicht mal von Springsteen selbst stammt und das er seinerzeit zum Besten gab, weil sein alter, aus den Südstaaten stammender R&B-Buddy Gary U.S. Bonds, der mit „Jole Blon“ in den frühen 1980er Jahren einen großen Hit gelandet hatte, in East Ruhterford kurz mit auf die Bühne gehievt wurde.

Aber wie das eben oft so ist: in der Fremde sind manche Eindrücke, Klänge, Gerüche, Farben und Erlebnisse strahlender, heller, belebender, freundlicher – kurz: besser als sie es daheim je sein könnten, und so kehrte ich von dieser Reise damals mit „Jole Blon“ im Ohr und Gepäck nach München zurück und der Gatte musste für den Rest des Sommers diese neue Errungenschaft akustisch über sich ergehen lassen.
Irgendwann als er vermutlich gerade nichts Besseres zu tun hatte oder sich von dem eigentlichen Gedudel etwas ablenken wollte, muss er wohl mal genauer hingehört haben, was Bruce da sang.

Die Lyrics lauten wie folgt :

Jole Blon, Delta Flower
You’re my darling, you’re my sunshine
I love you and adore you
And I promise to be true

In the evening in the shadow
I’ll be waiting by the river
When I hear your sweet voice, I rejoice
I save my kisses for you

Sha la la, sha la la
Sha la la, sha la la
[ich verkürze an dieser Stelle ein wenig, ohne dass wichtige Bedeutungszusammenhänge verloren gehen würden]

When your hair turns to silver
I’ll still call you Delta flower
Pretty Blon I’ll still love you
And I will wait for you

[da es mit „sha la la“ weitergeht, kürze ich erneut ab, auch auf die letzte Strophe verzichte ich, weil sie nichts wesentlich Neues bringt]

Eines Tages, Jahre später, wir saßen gemeinsam im Auto, „Jole Blon“ shalalate nach Langem mal wieder vor sich hin, sang er zu meiner Überraschung ein bisschen mit, der Gatte.
Und während er sang „(…) when your hair turns to silver, I’ll still call you Dirty Flower (…)“ lächelte er zu mir hinüber und legte kurz seine Hand auf meine.

Ich war entzückt! Darüber, wie er mich beim Singen ansah und dass er Teile des Textes kannte. Noch mehr aber darüber, dass aus der von Bruce besungenen Delta Flower eine kleine Schmutzblume geworden war, der er versicherte, dass er sie immer noch lieben würde, auch wenn ihr Haar eines Tages grau geworden wäre.

Das hat mich zutiefst beruhigt. Als Dirty Flower lässt es sich recht ungeniert leben, den ersten grauen Haaren mit Gelassenheit begegnen und wahrscheinlich auch ziemlich entspannt gemeinsam alt werden.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein ungezwungenes Leben, Lieben und Altern, und das nicht nur heute, zum Hochfest des Leibes!

Eure Kraulquappe.