Gib mir ein bisschen meer!

Im Spätsommer dann hier.

Die halbe Nordseeküste abgegrast nach einer schönen Hütte, drei Abende lang.
Hotels, Pensionen, Gasthöfe, Ferienwohnungen, Ferienhäuser. Sogar Feriendörfer. Einfach alles. Haarsträubende Abendbeschäftigung, jedesmal mit viereckigen Augen und steifem Nacken ins Bett gekrochen.

Entweder Mobiliar, das während des gesamten Aufenthalts täglich tollstes Wetter erfordern würde, damit man es möglichst nur im Halbdunkel oder gar nicht sehen muss, weil man anderfalls schwerdepressiv aus dem Urlaub zurückkäme. Oder eine Küche, in der – entgegen der Behauptung auf der Website – weder Platz, noch Ausstattung „zum Kochen einladen“ (überhaupt: ich kann diese bekackte Formulierung „xy lädt zum yz ein“ nicht mehr hören, ich kann dann keine Sekunde mehr „verweilen“). Oder tausend Zusatzkosten für Handtücher, Geschirrtücher, Bettwäsche, Strom, WLAN, Wasser, Endreinigung – und nicht zu vergessen: den Hund, bei dem preislich auch nicht unterschieden wird, ob man einen Neufundländer mitbringt oder 7kg Dackel am Stück. Oder eh fünf Katzen auf dem Gelände. Oder der mürrische Eigentümer in der Wohnung drunter. Oder die Dödel preisen an, dass das Haus über eine Waschmaschine verfügt, bieten aber keine Leine/Wäscheständer – ja wie soll das denn funktionieren? Oder die einsame Lage entpuppt sich als Durchgangsstraße, an der das Gehöft zwar tatsächlich umgeben von Marschland und Schafweiden liegt, aber eben keinesfalls ruhig. Und in Strandnähe ist sowieso alles unbezahlbar, da such ich gar nicht erst.

Irgendwann ändere ich meine Suchstrategie und zoome in Google Maps jedes Dorf, jeden Sielzug und jeden Wattwurm heran, das bin ich so eh gewohnt von der Quartiersuche mit Hund (immer der finale Check: gibt’s da irgendwo ein Stück Wiese vor der Tür? – ich spaziere grundsätzlich per Streetview durch die Orte, um hundegeeignete Viertel/Gegenden ausfindig zu machen, weil so eine Panne wie seinerzeit in Fischen oder im Ultental, das passiert uns nie wieder, da meinte man auch: Ui, Land, ja da ist eh alles grün und rundum Natur, aber von wegen!).

Ich zoome mich also in Google Maps die Nordseeküste rauf und runter, klicke jedes als Unterkunft markierte Etwas an, das nachweislich abseits der Straßen und trotzdem in Deich- oder Strandnähe liegt und von Wiesen umgeben ist. Heißt das Quartier dann „Klabautermann’s Koje“ oder „Hilde’s Huus“, so liegt schon relativ nahe, dass es wohl eher nicht in Frage kommt, weil das eine klingt nach drolliger Familienunterkunft mit Stockbetten und resopalbeschichteten Tischen und das andere altbacken, braun gefliest und nach Seemannsölbildern über einer Couch mit grünem Kordbezug. Und beide eint die übliche Apostrophkatastrophe.

Da fällt mir meine Kommilitonin A. ein, jüngste Tochter eines Schuhgeschäftsinhabers aus dem fränkischen Hammelburg. Ich habe nie vorher und nie nachher jemanden getroffen, der die Klippe des Apostrophs oder auch die des Apostroph’s schriftlich wie mündlich so gekonnt zu umschiffen wusste wie A.

Sie hatte damals einen festen Freund, den Uwe, und der Uwe, der hatte eine Mutter, und diese Mutter, die hatte ein Auto, das sie ihrem Sohn ab und an auslieh, so dass auch A., die wie die meisten Studenten kein Auto hatte, ab und an in den Genuss eines Autos kam, weil Uwe ja meistens mit A. zusammen irgendwo hinfuhr.
Mir stand schier der Mund offen, als A. eines Mittags in der Mensa auf eben dieses Auto zu sprechen kam und dafür die legendären Worte „dem Uwe seiner Mutter ihr Auto“ verwendete (eine geniale Formulierung, die sofort und für Jahrzehnte zum festen Bestandteil im gemeinsamen Sprachschatz vom Papa und mir wurde). Dem Uwe seiner Mutter ihr Auto! Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen!

Ich starrte damals erstmal hilflos auf mein Tablett und musste nachdenken, bis ich diese hochkomplexen Bezüge semantisch aufgedröselt und begriffen hatte, dass es um das Auto von Uwes Mutter ging. Aber hätte A. das so gesagt oder geschrieben, wäre sie in die apostrophale Bredouille gekommen (das Auto von Uwe’s Mutter oder gar Uwe’s Mutter’s Auto) und so hat sie das fränggisch gschiggd gelöst. Sie schrieb übrigens auch exakt wie sie sprach (quasi: der A. ihrem Schnabel sein Text), das war faszinierend.
Deutlich weniger faszinierend war allerdings, dass ihre Diplomarbeit nur eine Note schlechter bewertet wurde als meine, was mir seinerzeit schwer zu denken gab, obwohl jeder an der Fakultät wusste, dass die Notenspanne sich eh nur zwischen 1,0 und 3,4 bewegte, aber zumindest diese Spannweite hätte in dem Fall voll ausgenutzt werden müssen. Das war wirklich unfair damals. Und das sag ich ohne mich selbst zu loben (was eh ins Leere liefe, da das beste Kapitel der Arbeit schließlich der fränkische Exgatte verfasst hatte, weil ich schon drei Monate vor Abgabetermin in Lohn und Brot stand, er aber bis zum Referendariatsbeginn noch Ferien und somit Zeit hatte und sowieso der Intellektuellere von uns beiden war).

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, bei „Hilde’s Huus“ und so Sachen.
Jedenfalls ist mir dann gestern zwischen Osterhever, Kotzenbüll und Witzwort tatsächlich und endlich ein Häuschen unter den Mauszeiger gelaufen, bei dem alles passte.
Schreibweise, Ausstattung, Lage, Preis. Der Vermieter, ein älterer, gediegener Hamburger, rief nach meiner Anfrage per Mail sogleich zurück und hatte nach drei Minuten den Lackmustest bestanden: den wenigsten Hotelrezeptionisten oder Ferienwohnungvermietern gelingt es nämlich, auf jede meiner im Schnitt sieben Fragen im Vorfeld einer Buchung vollständige und präzise Antworten zu geben, immer wird irgendwas vergessen oder absichtlich unterschlagen.

Nicht so Herr G. Er hatte telefonierenderweise meine Mail vor sich liegen, ging sie Punkt für Punkt durch und gab danach noch ungefragt Zusatzinformationen zum Besten, weil er aufgrund meiner Mail nämlich kapiert hatte, worauf es mir ankommt.
Und als er dann sagte, dass für das Dackelfräulein vor dem Häuschen eine Handbrause vorhanden sei, für wattmatschige Pfoten und den sandverkrusteten Bauch, und selbstverständlich auch Hundehandtücher (er habe selbst einen Hund und wisse, was einem da das Leben erleichtert), und dass Pippa sich überall auf dem Gelände frei bewegen dürfe, keine Katze weit und breit, nur Schafe, die ihr wurscht sind, und am nahegelegenen Deich kein Leinenzwang und am Strand auch nicht, ja da war nach einer Viertelstunde alles geritzt und ich hab das Laptop erleichtert und vergnügt zugeklappt, bin zum Spätabendschwimmen gefahren und danach ohne verspannten Nacken zu Bett gegangen.

Ein andermal erzähl ich Ihnen vielleicht noch von Nordjylland.

Da kenn ich nämlich nun auch jedes Kaff, jeden Grashalm und jede feriebolig. Die Dänen beherrschen zwar nahezu durchgehend die Sache mit dem Apostroph und der Inneneinrichtung, aber was Preise und Hunde angeht, ist das Land absolut anti-hygge.
Im Schnitt mindestens (!) 160€ pro Nacht (bei lediglich gehobenem IKEA-Stil), 30€ für den Hund (egal für welchen, und wichtig: der darf nirgendwo hin), pro Nacht, versteht sich, dazu Gemeinschaftsbad auf dem Flur (mit abgewetztem, leicht schimmligem OTTSJÖN vor der Duschkabine) – und Frühstücksbuffet kostet freilich extra.
Die Ferienhäuser allesamt viel zu groß, weil die Dänen davon ausgehen, dass jeder Freunde oder Familie oder beides hat, folglich auch Urlaub mit Freunden oder in der Großfamilie macht, daher häufig 10 bis 12 Betten und so gern ich mit dem Dackelfräulein ausgiebige Suchspiele veranstalte – das ist mir dann doch zu weitläufig und zu viel ungenutzter Raum.
Man lernt ja ein Land schon auch ein bisschen kennen, wenn man sich durch dessen Ferienwohnungsportale klickt. Naja, schnell wieder abgehakt, diese Dänemark-Idee.

An der deutschen Nordseeküste ist’s auch schön.
Und dem Hund ist es sowieso völlig egal, in welchen Sand er seine Löcher buddelt.

Gedanken, wie Hochseevögel über einer schroffen Inselschönheit kreisend.

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Durch weite Wacholdersteppen streifen wir Richtung Meer, der raue Küstenwind weht uns um die Nase, verwaiste Ställe säumen die Ränder der Schafweiden, sandige Pfade durchziehen Kiefernwälder, in denen Äste in der stürmischen Luft ächzen oder das Sonnenlicht flirrende Muster auf den hellen Boden malt.

Im Spätsommer, sobald der Großteil der Urlauber an die Schreibtische zurückgekehrt ist oder von der Schulpflicht nachhause aufs Festland beordert wurde, ist es eine Insel für Außenseiter.
Alles hier passt zu einer Art von Alleinsein, das keinerlei Aufmerksamkeit auf sich ziehen will. Auf vollendete Weise kann man tagelang allein umherziehen, völlig für sich sein.
Nicht jenes Für-Sich-Sein, dem es insgeheim darum geht, irgendein Ich oder eine Mitte zu finden (oder eine Leere oder eine Fülle), auch wenn es diese Zwecke hartnäckig zu leugnen sucht, sondern eines, das einfach entsteht: ohne eigenes Zutun, ohne dass man es initiiert oder gesucht oder auf andere Weise herbeizuführen versucht hätte.

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Eine mehrstündige Überfahrt, deren schönste Stunden die waren, in denen rundum nichts als Wasser war, Wasser und Weite, wohin der Blick sich auch wandte, überall am Horizont das Verschmelzen der Blautöne.

Nicht mehr auszumachen, wo das Meer endet und der Himmel beginnt, unerheblich auch, sich dieser Differenzierung zu widmen, wenn die äußeren Bilder das innere Erleben dazu drängen, sich ganz und gar vom Begriff „Universum“ ergreifen zu lassen, ihn neu zu begreifen oder überhaupt erstmals zu buchstabieren.

Irgendwann schiebt sich ein schmaler Streifen Land zwischen die Ostsee und den Himmel: Gotland.

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Wir verlassen den dunklen Bauch der großen Fähre und fahren hinaus ins Helle.
Es erwartet uns keine Hektik wie an so manch anderen Häfen, sondern ein überschaubarer Parkplatz und wenig Betriebsamkeit. Nur einen Steinwurf vom Fährhafen entfernt schlummern die Gässchen der hübschen, buckligen Altstadt.

Wir umrunden die Stadt auf einem Spazierweg, der durch die Wiesenhügel unterhalb der Stadtmauer verläuft, in denen das Dackelfräulein, das so brav und ruhig war auf der langen Überfahrt, sich erstmal austoben kann.
An mehreren Stellen gewährt der Weg einen Durchschlupf durch die dicke, steinerne Mauer ins Stadtinnere, einen davon nutzen wir, denn die Essenszeit naht und vor Sonnenuntergang will die abgelegene Stuga im Süden der Insel erreicht sein bzw. gefunden werden.

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In den Seitenstraßen niedrige Häuser, kühles, klares Licht, ein paar Platanen am Rand des Kopfsteinpflasters, zeternde Möwen, die sich in der Luft fetzen. Eine alte Frau in Blumenrock und Strickpullover schiebt sich langsam aus ihrer gelben Tür heraus und tritt vor ihr blaues Haus, um dort ein paar Spitzen von den roten Rosen zu schneiden.

Gelb, blau, rot, Farben fluten das Auge, dieses Schweden ist ein Land der satten und kräftigen Farben, aber auf Gotland trifft man das Bunte niemals flächendeckend, sondern es versammelt sich nur an auserwählten Orten: in der kleinen Hauptstadt der Insel oder in Lummelunda und Kneippbyn sowie auf Dorfplätzen, Friedhöfen und natürlich in den süßen Auslagen der zahlreichen Bäckereien.

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Ein erster Duft des einfachen und milden Alleinseins, das neben Pippa mein beständiger Begleiter werden wird in dieser Inselstille und das nichts zu tun hat mit dem hohlen Schmerz, der Alleinreisende manchmal in den Abendstunden befällt, strömt aus den schmalen Mauerspalten der bunten, eng beieinander liegenden Häuschen und aus den sandigen Ritzen zwischen den abgewetzten Pflastersteinen.

Ich atme ihn ein, inhaliere diesen Duft geradezu, die Lungen weiten sich, ihre Flügel werden schon nach wenigen Atemzügen freier und freier, ein Gefühl wie beim ersten Spaziergang nach einem zähen, endlich überstandenen Bronchialkatarrh.

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Unterhalb der Kirchenruine auf dem Stora Torget, dem schiefen Marktplatz von Visby, plötzlich noch ein anderer Duft.
Safranpannkaka. Allein das Wort: so saftig, süss und sonnengelb. Wenn man aber aufmerksam hinhört, warnt schon sein im Abgang spitz klingendes -kaka davor, dass diese Köstlichkeit limitiert ist: So ist es dann auch, ins Café lassen sie uns nämlich nicht hinein.
Bo utanför! – Bitte draußenbleiben!, darüber das durchgestrichene Hundesymbol, und das fast überall.

Als Hundebesitzer ist man auf Gotland zwar willkommen, gleichwohl zum Außenseiterdasein verdammt – und zwar in jeder Saison.
Miete dir also dein eigenes Häuschen, verpflege dich selbst, reise außerhalb der Hauptsaison, so dass die Strände leergefegt sind, die meisten Lokale geschlossen haben und dich und deinen Hund diese unglaubliche Stille umgibt, die nur vom Blöken der grauen Gotlandschafe, dem Kreischen der Hochseevögel oder dem Schlag der Wellen gegen die bizarren Rauken bei Slite oder die schroffen Felsen vor Högklint durchbrochen wird.

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Die Erinnerungen alle noch so präsent: die Schlaglöcher auf den krummen Inselstraßen, das leere Schwimmbad in Hemse, die klebrigen Kanelbullar aus Hablingbo, der kilometerlange Strand von Nisseviken, der fiese Dorn in Pippas Pfote bei Fidenäs, das Versäumnis mit Fårö und die Entdeckung, dass man ab Tag fünf des Inselexils (der auf Tag 12 der gesamten Reise fiel), allmählich mit Selbstgesprächen beginnt.

Kurze Sequenzen zwar nur und diese freilich nicht zur Wand hin oder ins Spülbecken oder übers Verandageländer gesprochen, sondern an den kleinen Hund adressiert, der immer neben einem ist und für nahezu alles einen wachen Blick oder ein freundliches Schwanzwedeln parat hat. Ein verlässliches Reagieren und Antworten, manchmal auch ein Auffordern und Fragen (Geh’n wir jetzt los? Spielst du mit mir?), ein so wohltuendes und selbstverständliches Bezogensein aufeinander, mehr als von so manchem Menschen zu erwarten ist, und vor allem so gleichbleibend freudig und zugewandt, so fern von jeglichem Wankelmut und Seelenzirkus, dass einem das Herz aufgeht und es ganz und gar überflüssig wird, auch nur einen Moment lang über den Unterschied zwischen Alleinsein und Einsamkeit zu sinnieren.

Jedem Blick und Kontakt dieses „Wo du bist, dort will ich auch sein, dort bin ich zuhause und zufrieden“ innewohnend, das einen ebenso trägt wie bindet, das Struktur gibt und einen bewegt, Letzteres sogar im doppelten Wortsinne.

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Die Zeit ist nicht nur die Komplizin des Vergessens, sondern auch die Kumpanin der Verklärung und Verzerrung. Manches, was nicht dem Vergessen anheimfällt, wird, je mehr Zeit vergangen ist, gern zum Gegenstand verklärender oder verzerrter Betrachtung.
In der Retrospektive und im Erinnern erscheint uns das Erlebte dann intensiver als es tatsächlich war: Gipfel werden höher, Wegstrecken länger, Verletzungen tiefer, Unwetter widriger, Liebe leuchtender, Schmerzen schrecklicher, Begegnungen einzigartiger, Gespräche bedeutender, Töne klangvoller und Farben satter.
Dieses Phänomen macht auch vor unseren Reiseerinnerungen nicht immer Halt: das Entlanghatschen des Jakobsweges wird im Rückblick tatsächlich zur ersehnten Seelenkatharsis, die Alpenüberquerung zum überfälligen Befreiungsschlag und Aufbruch in eine neue Ära, selbst ein viertägiger Kurztrip nach Passau kann – mit der falschen Begleitung, bei Dauerregen und in einer schlecht beheizten Unterkunft – zu einer Expedition in psychische und physische Gefilde werden, die denen eines Survivalcamps in der Wildnis Neufundlands in nichts nachstehen.

Ja, die Zeit (bzw. man selbst in ihr und durch sie) ist sogar imstande, die Toten in einem Licht erstrahlen zu lassen, in dem man sie zu Lebzeiten kaum je wahrnahm oder sie in der unbarmherzigen Dunkelheit des Vergessens zu versenken, was ihnen womöglich auch nicht gerecht wird.

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Gedanken, die ich niederschreibe, während ich eigentlich damit beschäftigt war, mich auf eine berufliche Unterredung in der kommenden Woche vorzubereiten, für die sich ein recherchierendes Kramen in Erinnerungen und Notizen durchaus empfahl und der es vielleicht sogar zuträglich ist, dass sich das Kramen dann verselbständigte, weil man dadurch ja nochmal richtig eintaucht in das, was damals war und sich daraus das, was nun kommen könnte oder sollte, besser herausschälen lässt.

Vielleicht verleitete auch nur das Drumherum – Sofa, Tee, Schokolade, Wolldecke mit Dackel drunter- zum gemütlich-genüsslichen Abschweifen.

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Haifischzähne und Healing Tootsies.

Wir danken recht herzlich für all die Genesungswünsche!

Das Dackelfräulein ist längst wieder fit (was natürlich die Hauptsache ist), ich hingegen musste mich heute nach kurzer Morgeneuphorie und verfrühtem Kaffeegenuss doch wieder in die Koje hauen. Dabei war ich gedanklich schon auf dem Weg ins Schwimmbad, zumal nach peinlicher, 3-wöchiger Übergangszeit im ausgeleierten, zerfransten und leicht durchsichtigem Schwimmanzug dieser Tage endlich ein passender neuer eingetroffen war.

[Ein Graus, dieser Kauf: Badeanzüge, selbst die namhafter Hersteller, halten mittlerweile keine 100 Schwimmbadbesuche mehr durch, dann beginnt das Material sich bereits an den chlordurchflussstärksten Zonen aufzulösen. Einen neuen Schwimmdress erwirbt sich’s leider keinesfalls en passant, weil a) sich alle Hersteller massiv in Größen und Schnitten unterscheiden (was einen beim Anprobieren bisweilen an der eigenen Figur verzweifeln lässt), b) die Ausgestaltung von „normaler/mittlerer/hoher Beinausschnitt“ eine Wissenschaft für sich ist (nur 1cm Stoff zwischen Taille und Beckenknochen ist schon eher arg wenig statt normal) und c) aufgrund der Farben und Muster sowieso 85% aller Schwimmanzüge ausscheiden (und die Auswahl ist ja ohnehin begrenzt, da es viel mehr plantschorientierte Bademode als schwimmtaugliche gibt). Künftig werde ich mir diese jährliche Qual ersparen und bei einem gut sitzenden Badeanzug gleich doppelt zuschlagen.]

Müssen wir wohl beide noch eine Weile herumhängen bis zur Einweihung.

Schonung ist also angesagt, nicht Ungeduld, denn morgen muss man hier wieder fit sein, wenn der Ernährer&Versorger frühmorgens für ein paar Tage zum Dienstort entschwindet.

Gucke YouTube-Videos über die Åland-Inseln (so viele Brücken, so viel Stein, so viel Wasser!), die Gemeinden tragen so schöne Namen wie Lumparland, Jomala und – nomen est omen – Hammarland. Sich ein paar Monate in so eine Hütte am Wasser verkriechen, mit eigenem Steg und Boot, dort ein Buch oder auch nur eine Reisereportage schreiben – das wär’s. Hin über Stockholm, zurück über Turku.
Im Hintergrund läuft der näherliegendere Traum in Endlosschleife: das 360-Grad-Panorama von der Skisprungschanze in Garmisch, wo es Neuschnee hat, die Sonne die Gipfel leuchten lässt und aus der Partnachklamm die letzten Nebelschwaden aufsteigen. Ich hasse Krankdaheimrumliegen und sehne mich nach frischer See- oder Bergluft.

Zu Wochenbeginn diesmal keinen Pressespiegel vom Gatten erhalten, sondern das großformatige Ungetüm selbst gelesen und so auch mal wieder amüsante Annoncen mitbekommen. Wäre ich ungebunden und zu Experimenten aufgelegt, tät‘ ich mich glatt melden auf eine Bekanntschaftsanzeige mit der Überschrift „Der Haifisch, der hat Zähne und die trägt er im Gesicht!“, ein Spitzen-Intro, wie ich finde, und das nicht nur im Vergleich zu „Gutsituierter Akademiker in den besten Jahren…“ oder „Einsamer Bengel sucht hübschen Engel“ oder dem brechreizerzeugenden „Nur mit dem Herzen sieht man gut“ (und offenbarte der Kandidat tatsächlich Haifischzähne oder ein Pferdegebiss, könnte man ja immer noch das versteckte Messer zücken und die Sache abkürzen).

Staubtrockener Zwieback rutscht besser with a little coke and sympathy & some music und das viele Liegen wird einem doch erheblich versüßt von einer kleinen Beiliegerin, die einem die reizenden Hasenfüßchen fast ins Gesicht streckt.

Well, we all need someone we can lean on
And if you want it, you can lean on me

She said „My breasts, they will always be open
Baby, you can rest your weary head right on me
And there will always be a space in my parking lot
When you need a little coke and sympathy“

We all need someone we can feed on
And if you want it, well you can feed on me
Take my arm, take my leg, oh baby, don’t you take my head.

[Das Video muss leider wegen der grimassierenden Fratze von Mr. Jagger, die meiner Übelkeit heute gar nicht zuträglich wäre, entfallen.]

In eigener Sache oder: Eget beröm luktar illa.

Hallo, liebe zwei- und vierbeinige Leser dieses Blogs!

Seid ihr heute auch mal wieder mit zerknautschtem Gesicht aufgewacht?

Oder an diesem verregneten Sonntag einfach nicht in die Pötte gekommen?

Womöglich den halben Tag auf der Couch verdödelt und vom letzten Urlaub geträumt?

So muss das nicht bleiben!

Runter vom Sofa, raus aus dem Haus und rüber zum Kiosk:
Die neue „Dog and Travel“ ist da!

Titelthema: „Dackelfräulein Pippa an der Südküste Schwedens“ – meine große Reise vom letzten Herbst.

Natürlich mit vielen Fotos von mir und meinen Mega-Stöckchen, meinen riesigen Sandburgen, meinem tollen Papa und meinen sportlichen Heldentaten.

Und wer nicht gern reist, sondern ausschließlich daheim herumhaart, kann in der aktuellen Ausgabe einen sensationellen und sauteuren Tierhaar-Akku-Stielstaubsager von Black+Decker gewinnen. Es lohnt sich also in jedem Fall, das Heft zu kaufen.

Viel Spaß beim Lesen & einen schönen Sonntag noch!

Eure Pippa.

Wo Akka das Land verließ oder: Aufbruch.

Bei immer herbstlicherer und stürmischerer Witterung winken wir von Smygehuk aus…

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Südlichster Punkt Schwedens: Smygehuk.

… den letzten Zugvogelschwärmen nach, die eilig das Land verlassen und ihre Reise in den Süden antreten.

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Das kleine Denkmal für die große Akka von Kebnekaise.

Auch wir nähern uns allmählich der Rückreise in den Süden (in dem es aktuell leider noch kälter ist als hier). Bloß noch ein Tag an der Südküste, danach ein weiterer in Malmö – bis der Gatte abends zurückfliegt.

Und vielleicht bedurfte es dieser Abschiedsstimmung und des rauen Klimas, um endlich gemeinsam mit Pippa in einem Café Einlass gewährt zu bekommen.

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Nach der Nachsaison & bei 11 Grad: Cafés öffnen ihre Türen.

Am Donnerstag brechen wir unsere Zelte hier auch ab, und nach langem Hin und Her, Für und Wider, Planen, Verwerfen und Neu-Planen steht die Reiseroute seit heute endlich fest: Keine Fähre mehr, sondern Brücken über Brücken (über den Öresund und den Großen Belt).

Außerdem: In aller Ruhe nach München zurück, 4-5 Tage Zeit lassen, kein Kilometerabspulen, sondern langsam reisen und unterwegs gleich noch ein paar Wünsche realisieren.

Die da wären:

– in Betten mit festen Matratzen und ohne wabbelige schwedische Hygieneauflagen schlafen
– Frühstück mal nicht selber machen
– in eine Scheibe heimisches Vollkornbrot beißen
– ungesalzene Butter auf dieses Brot streichen
– abends nicht den Kochlöffel schwingen
– Pippa ins Restaurant mitnehmen ohne dass irgendwer krumm guckt
– nach fast 4 Wochen endlich wieder in einem 50m-Becken schwimmen
– die Kieler Förde anschauen
– einmal im Leben im selben Hotel übernachten wie Bruce Springsteen (nur leider nicht zeitgleich)
– Pippa zu einem Date mit einem feschen Rüden begleiten, den sie übers Bloggen kennengelernt hat

Das sind schöne Aussichten – ganz egal, bei welchem Wetter.
Aufbruch!

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Reminiszenz an den Sommer: Statue vom bekannten Künstler Axel Ebbe am Hafen von Smygehuk (Modell stand die Großmutter von Uma Thurman).

Tschechow meint: Wer – wie die Zugvögel – durch Ortswechsel Rettung sucht, findet sie nicht.

Ich meine: Wer durch Ortswechsel bloß Abstand und Ruhe, neue Impulse und Perspektiven sucht, kann da schon mehr Glück haben.

In der Hoffnung auf ein gutes letztes Viertel der Reise grüßt euch
Die Kraulquappe.

Kasewood: Nix Holz, alles Steine.

Nach Morgenlauf und Sonntagsfrühstück schon am Samstag stand heute das 20km östlich von Ystad gelegene Kåseberga auf dem Programm, einer dieser Musst-du-gesehen-haben-Orte an der Südküste.

Und das nicht etwa wegen des weltbekannten Kåseberga Signs in den berühmten Kåseberga Hills…

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… oder der prominenten Anwohner in den Hills …

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… oder am Walk of Fame im Hafen.

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Kåseberga hat noch viel mehr zu bieten: Das schwedische Stonehenge.

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700m vom Ort entfernt befindet sich „Ales stenar“, die größte Schiffssetzung Schwedens.

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Heißt übersetzt vermutlich „Alles Steine“…

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… animiert zu weiteren Ausgrabungsarbeiten …

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… und bietet von der Steilküste einen tollen Fernblick auf die Ostsee.

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Zum Tagesausklang dann im einzigen hundefreundlichen Restaurant Schwedens alle zusammen wieder gut gespeist.

Ein schönes Wochenende wünscht euch
Die Kraulquappe.

Mittwoch (1): Draußen.

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Ein neuer Tag. Er beginnt mit gutem Wetter und ohne Knieschmerzen!

 

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Hurra. Nix wie raus zum Frühsport!

 

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Anschließend ausgeflogen zu Schloss Svaneholm.

 

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Dort gemütliche Seeumrundung auf Natur- und Gesundheitspfad mit Einblick …

 

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… in landestypische pädagogische Maßnahmen, wenn die Brut nicht spurt …

 

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… und Ausblick auf das hübsche Schlösschen, natürlich in Privatbesitz, so dass  man nur von außen gucken kann.

 

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Durch die schwedische Idylle weitergefahren …

 

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… zu Kurt Wallanders Wohnort Svarte …

 

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… in dem es außer seinem Haus am Meer …

 

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… eigentlich nur ein paar Überreste einer Schiffssetzung zu sehen gibt.

 

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Aber der Strand von Svarte, an dem schon Jussi hinter Kurt hertrabte, der macht richtig Laune, wenn man jung ist und heile Knie hat!

 

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Überall werden die Insignien des Sommers entfernt …

 

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… oder geschickt verstaut, auf dass man einander wärme an den kühleren Tagen.

 

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So wandern wir einsam von Svarte bis Ystad und zurück …

 

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… erledigen danach noch den Großeinkauf bei ICA …

 

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… trudeln am Nachmittag wieder in Abbekås ein …

 

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… kriechen mit 30km/h den Fiskarevägen entlang  …

 

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… bis wir unser Domizil erreicht haben, das wir seit vorgestern ganz alleine bewohnen, da die Vermieter in ihr Sommerhaus geflohenfahren sind.

 

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Nach der großen Haushaltsarbeitseinheit schnell nochmal zum Abendgassi raus …

 

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… und zur Belohnung einen tollen Sonnenuntergang bekommen.

Vad me(e)r kan man vill? –
fragt sich die Kraulquappe.

Weitermachen oder: The Mum&Dog-experience.

Es war ein Tag des Abschieds, innerlich wie äußerlich, und so kam ich gestern Nachmittag etwas gerädert und verheult in Abbekås (gesprochen: Abbekoos), ein paar Kilometer westlich von Ystad, an.
Aus Solidarität weinte auch der Himmel ein bisschen mit.

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Abendstimmung an abbekåsischen Küste.

Wieso Abbekås – wo Ystad doch so viel netter klingt?

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Fischerdorf Abbekås in der Gemeinde Skurup.

Weil hier die „Reichsstraße 9“ (für deutsche Ohren gefälligerer Name: „Südküstenstraße“) nicht den Ort halbiert und zugleich weitmöglichst von der Küste entfernt verläuft.
Anders gesagt: Wohnt man in Abbekås am Meer, hat man die Küstenstraße nicht im Nacken und hört sie nicht. Die ist zwar nur während der Hauptsaison wirklich stark befahren, aber ganz ohne Autogeräusche ist’s mir lieber.

Diese Pendanterie bei der Ortswahl und Quartiersuche rächt sich natürlich. Zwar bin ich es gewöhnt, für meine Spießerattitüden und Zwanghaftigkeiten vom Schicksal einen Klaps zu bekommen, aber es ist immer wieder spannend zu sehen, welcher Gestalt der Klaps wohl sein mag. Und diesmal war es sogar ein Doppelklaps.

Die Wohnung im Erdgeschoss eines Hauses auf dem Grundstück des pensionierten Schuldirektors und seiner Gattin (die im Nebenhaus leben), das am Ende einer Sackgasse liegt, ist von außen betrachtet ein Glücksgriff, vor allem für den überaus günstigen Nachsaison-Mietpreis. Außerdem sind wir die einzigen Gäste, so dass in der anderen Ferienwohnung über uns auch Ruhe herrscht.

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Im Garten: Bälle, Äpfel und noch keine Krater.

Was die Inneneinrichtung angeht, so wirkt das Interieur wie ein Streifzug durch etliche Generationen von Familienumzügen, Entrümpelungen und Renovierungsanfällen. Schönes Bad, schöne Küche, trostloses Schlafzimmer, zwei Wohnräume mit Stilmix, aber auch gemütliche Ecken und Plätzchen, alles in allem ein Kompromiss, aber ein guter.

Die Vermieter sind ausgesprochen freundliche Endsechziger, meine Befürchtung, sie könnten mir zu sehr auf die Pelle rücken (zumal das auch noch der Vorname des Schuldirektors ist), zerstreut sich bereits in den ersten Minuten des Kennenlernens. Sie zeigen mir die Wohnung, erläutern alle Besonderheiten und stellen Pippa und mir auch ihren Mini-Pudel vor, einen 8 Jahre alten, lebenslang von pädagogischen Maßnahmen verschonten Kläffer, der gelegentlich auf den Namen Diesel hört (gesprochen: Diiisssälll), aber bei Pippas Anblick tatsächlich sowohl verstummt als sich auch wie ein Kavalier zu benehmen weiß.

Der Garten, den wir in Gänze mitnutzen dürfen, endet – und das ist das Highlight der Unterkunft – im bzw. am Meer. Durch die Sackgassenlage des Grundstücks latscht einem da auch niemand durchs Bild, d.h. freie Sicht aufs Wasser, vom Esstisch aus, von der Couch aus.

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Blick durch die fast bodentiefen Fenster in den Garten und auf die Ostsee.

Eine Oase der absoluten Ruhe und der schönen Aussicht, offensichtlich eine gute Wahl.

Von zwei Kleinigkeiten abgesehen, eben jenem eingangs erwähnten Doppelklaps. Während der Stunden des Auspackens, Umräumens und Einrichtens werde ich mit solchen Mengen und Schichten an Staub konfrontiert, dass ich erstmal alle Schränke, Schubladen, Flächen und Gegenstände zu entstauben beschließe. Entweder bin ich so ein übertriebener Sauberkeits-Fan oder die Gäste vor mir waren spezielle Schmutzfinken (hier übernimmt der Gast die Endreinigung, schlechtes Konzept).

Als der Staubsauger in den spätereren Abendstunden längst wieder verstummt ist, wundere ich mich, dass ich noch immer ein Dröhnen in den Ohren habe. Ich gehe dem anhaltenden Brummton nach und lande vor dem Kühlschrank. Der Kompressor macht ein Dauergeräusch, das störender ist als jede 500m entfernte Küstenstraße!

Dummerweise steht der Kühlschrank in einer Nische direkt neben der Tür zum Schlafzimmer. Selbst bei geschlossener Schlafzimmertür dringt das Dröhen unüberhörbar durch dieselbe, sogar den Ohrstöpsel-Test meistert es mit Bravour.
Was tun? Den Kühlschrank ausschalten? Die Schlafzimmertür mit den Matratzen aus dem Babybett abdichten? Im Garten schlafen? Heimfahren?

Die Lösung liegt quasi in der Luft. Die Gastgeberin hat es gut gemeint und die Bleibe für die Feriengäste mit einem Raumduftspray bearbeitet. Statt der herrlichen und kostenlosen Meerluft durchzieht ein Hauch von unnatürlicher Apfelfrische (ich tippe auf Granny Smith) die gesamte Wohnung.

Ich lüfte sofort nach der Schlüsselübergabe überall. Für Stunden. Ist zwar abends ganz schön frisch draußen, aber da ich ja durchs Putzen gut in Bewegung bin, ist mir herrlich warm.

Als wir ins Bett gehen, will ich das Schlafzimmerfenster schließen.

Und da bemerke ich’s: Man hört das Meer rauschen, und wie! Ein kraftvolles, rhythmisches wusch-wusch-wusch. So laut, dass es sogar den Kühlschrank übertönt! Wir kuscheln uns in dem kühlen Raum unter der Decke eng aneinander – auf volle Länge ausgeklappt ist so ein Dackel eine Wärm-Wurst von über einem Meter! – und schlafen bei offenem Fenster, staub- und apfelfreier Luft sowie Meeresrauschen ein.

Beim Sonntagsfrühstück kratze ich nach dem Motto „Neuer Ort, neues Glück“ meinen Mut zusammen und riskiere bei den zwei Lokalen im Ort die Nachfrage, ob man mir samt Hund für die Dauer eines Abendessens Asyl gewähren würde. Fünf Minuten später antwortet das erste Restaurant:

Hej hej,
thank you for your e-mail.
Of course, you can bring your dog!
All doggies are welcome along with Mum & Dad 😉

Wishing you a warm welcome and let us know if you want to book a table.
Med vänlig hälsning
Erik.

Einerseits: Hurra. Andererseits: was soll dieses with Mum&Dad?! Hoffentlich genügt es auch with Mum 🙂
Aber ich werd‘ hingehen, in gut zwei Stunden, und wenn man uns nun die Tür weist, weil der Dad fehlt, also dann, liebe Schweden, dann könnt ihr mich endgültig mal gern haben mit euren schrägen Zugangsbestimmungen für eure überteuerten Restaurants!

Einen ebenfalls spannenden Sonntagabend wünscht euch –
Die Kraulquappe.

Wünsch‘ dir was. Fotoserie für den Stern des Südens.

Lieber Stern des Südens,

wahrscheinlich konntest du es bereits kaum noch erwarten: Hier kommen sie endlich, die Bilder, die du dir gewünscht hast!

Die Reihenfolge ist willkürlich und spiegelt nicht meine persönlichen Prioritäten wider. Gar nicht. Denn es fiel mir schon schwer genug, überhaupt eine Auswahl zu treffen.

Aus persönlichen Gründen – und auch um die anderen Leser nicht zu sehr zu nerven oder gar zu vertreiben – umfasst deine Premium-Selektion allerdings nur 13 Fotos.

Ich weiß, das ist verdammt wenig. Trotzdem viel Spaß damit!

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Natürlich war es eine Ehrensache, dir als Dank für die wirklich phänomenale Rezension von Richard Ford zu Bruce Springsteens soeben erschienener Autobiografie (mit dem unglaublich kreativen und überraschenden Titel „Born to run“), die du mir postwendend auf meinen vor 3 Tagen in die Welt ausgestoßenen Hilfeschrei hin besorgt, eingescannt und zugeschickt hast, dein Wunschthema „Fotoserie von Pippa am Strand“ zu erfüllen.

Aber mal im Ernst: Diese Fotosessions am Strand haben mein meniskusoperiertes Knie (und auch das gesunde) in den letzten Tagen ganz schön strapaziert. Zudem hatte ich kiloweise Sand in den Schuhen (und Socken), in den Augen, in den Haaren und zwischen den Zähnen („Schau mal“-Rufen ist nämlich besonders sand-und-wind-ungünstig). Ganz zu schweigen von den bergeweise Leckerli, die ich mitschleppen musste, um das Model bei Laune zu halten.

Tiere zu fotografieren ist harte Arbeit, auch (oder gerade) wenn man kein Fotoprofi ist. Aber ich hab‘ mein Bestes versucht und den Auftrag gründlich abgearbeitet.

Mein Fundus an „Pippa am Strand“-Fotos ist um ein Hundertfaches größer als diese kleine, poplige Auswahl, die du hier gesehen hast. Wenn du also noch Bedarf hast (was ich absolut verstehen könnte): Ich kann jederzeit noch was nachreichen! Vielleicht auch zu Weihnachten einen Kalender „365 Tage mit Pippa am Strand“ – wie wär’s?

Im Gegenzug fände ich es angemessen, du würdest auch weiterhin die Süddeutsche und alle anderen Zeitungen in Deutschland, also eigentlich die gesamte Presselandschaft der Republik, dieser Tage ganz präszise beobachten und mir jeden Schnipsel, den du zu meinem Herzensthema findest, umgehend zukommen lassen.
Es wäre ein Jammer, ich würde eine vergleichbare Liebeserklärung wie jene von Richard Ford verfasste, verpassen. Einverstanden?

Herzliche Grüße sendet dir die Kraulquappe.
PS: Für alle anderen Leser ein hundefreies Schmankerl: „Die drei Weisen aus dem Morgenland.“ (Vorgestern waren sie noch zu zweit. Erstaunlich, wie sich doch alles täglich verändert.)

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Nachbarschaft.

Herbststurm & Ohrwurm

Gestern hat der Herbst nun endgültig Einzug in Südschweden gehalten.

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Erfreulicherweise regnet es nicht und ist weiterhin sehr mild, am Himmel wechseln sich wilde Wolkenformationen und Sonnenfenster munter ab – und zu all dem bläst ein heftiger Küstenwind.

Es ist exakt die Witterung, die ich für diese Reise erwartet hatte (und nebenbei: für die ich auch gepackt habe!).

Und offenbar das passende Wetter für eine weitere Sportart, zu der ich praktisch keinen Zugang habe, zumindest aber eher als beim Sportangeln nachvollziehen kann, dass das Spaß machen kann.

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Rasmus hatte seinen jedenfalls seinen Spaß.

Und das nur deshalb, weil ich Pippa gerade noch rechtzeitig aus seinem Kite-Schirm herausrupfen konnte, den sie für ein am Strand liegendes, sich wüst aufbäumendes Monster hielt und daher umgehend töten wollte, um mich zu beschützen.

Es dauert übrigens gut 30 Minuten, bis man mit dem ganzen Glump im Wasser ist und mit dem Surfen beginnen kann – ich persönlich mag ja keine Sportarten, für die man so viel Krempel und Vorlauf braucht, bis es mal losgehen kann.

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Den gesamten Strandspaziergang über hatte ich diesen Song im Ohr und auf den Lippen.
Zuhause angekommen behielt ich ihn auch noch bei – in seiner Gleichförmigkeit eignet er sich nämlich hervorragend zum Kartoffelschälen und Gemüse-Kleinschneiden:

Not a word was spoke between us, there was little risk involved
Everything up to that point had been left unresolved
Try imagining a place where it’s always safe and warm
“Come in,” she said, “I’ll give you shelter from the storm”
(…)
Now there’s a wall between us, somethin’ there’s been lost

I took too much for granted, got my signals crossed
Just to think that it all began on a long-forgotten morn
“Come in,” she said, “I’ll give you shelter from the storm”

Der Wind peitscht um unsere kleine Hütte und wir verkrümeln uns jetzt mit einer DVD und einer Pulle Störtebeker aufs Sofa.

Viele Grüße in die noch sommerliche Heimat und einen schönen Abend für euch!
Die Kraulquappe.