Imponderabilien.

Der zum Tage und zur Seelenlage passende Auszug aus meiner persönlichen Bibel „Der Große Polt. Ein Konversationslexikon.“

Ja, der Mensch, diese ewige, elende Imponderabilie!

Aber vor allem der Schlusssatz erzeugte heute allergrößten Widerhall.

Und das trotz des Backofenputzes.

Vermutlich lag’s an der abendlichen Fluchtmöglichkeit vor der Visage des Backofens. Ins Theater, zum Back-in-town-Einstandsgeschenk des Papas (danke!).

Erschlagen.

Ich liege in der Badewanne und versuche, mich ein bisschen mit albernen Cartoons und oberflächlichen Zeitungsartikeln abzulenken, die mir Facebook so in den Reader spült.

Vorhin beim allwöchentlichen Waldlauf war Parkourbegabung gefragt: Überall Sturmschäden, die die kleine oder größere Kraxeleien erforderten.

Auf eine dieser Hürden zulaufend sah ich einen Mann mit seinem Hund vor mir, die sich ebenfalls dem Hindernis näherten. Ein großer Baum lag quer über dem Weg, sein Stammdurchmesser betrug etwa 60cm.

Als ich mich den beiden näherte, waren sie bereits unmittelbar vor dem Baumstamm angelangt. Ich bemerkte die Vibration in den Hinterläufen des schwarzen Hovawarts, als er mich wahrnahm, wandte er mir ein graubebrilltes und fast weißschnäuziges Gesicht zu und blickte mich aus seinen müden Hundeaugen an.

Sein Herr ermahnte ihn mehrfach mit lauter Stimme: „Geh weiter!“, „Los jetzt!“. Der alte Hund wedelte beschämt und verzweifelt – er wollte so gern, was er sollte. Gleichwohl mangelte es ihm an Kraft, an Mut, an Geschick.

Da trat ihn sein Herr mit dem Stiefel fest in den Hintern und schrie ihn an: „Scheißköter!“. Der Hund jaulte, sank fast zu Boden, fing sich aber dann und versuchte, die Vorderläufe auf den Stamm zu hieven. Vergeblich.

Ich bot an, dass wir gemeinsam seinen Hund über das Hindernis heben könnten. Der Herr lehnte ruppig ab – der blöde Hund werde ja wohl noch selbst gehen können und ich solle mich gefälligst um meinen Kram scheren.

„Scheißmensch!“, sagte ich, sprang über den Baumstamm und wagte es leider nicht, noch hinzuzufügen, dass ich wünschte, die Riesenfichte hätte ihn erschlagen.

Hund haben (1).

Hund hat seit gestern Mittag keinen Stuhlgang mehr gehabt.
Also heute Morgen zeitig raus, in der Gewissheit, dass nun ein dringendes Geschäft anstünde.
Hund begibt sich auch sogleich auf den Grünstreifen vor dem Haus. Legt einen Zahn zu, was immer ein eindeutiges Zeichen ist.
Mensch saust beflissen hinterher, die Leine ggf. geschickt um Bäume oder geparkte Fahrräder herumfädelnd.

So geht’s den Grünstreifen entlang. Kurz vor dem Buckeln (für Nicht-Hundehalter: Hunde machen einen Buckel, wenn „es“ soweit ist) stört eine auf dem Grünstreifen herumflatternde Plastiktüte die für das Geschäft benötigte Ruhe.
Hund bricht ab und saust weiter. Mensch hinterher. Straße inkl. Grünstreifen endet. Da Hund immer noch in Geschäftslaune zu sein scheint, dreht Mensch um und geht mit Hund eine Teilstrecke zurück. Kurz vor dem Buckeln stören nun ein paar Scherben und ein geparktes Rad, das dort sonst nie steht.
Erneute Umkehr. Also doch die große Runde, was soll’s.

Um die Ecke wartet der nächste Grünstreifen. Hund gibt wieder Gas. Bremst ab, geht in die Hocke und pieselt. Nun ja. Weiter geht’s, denn das war’s ja noch nicht.
Für den Hund aber schon. Er verlässt den Grünstreifen, wechselt mit angelegten Ohren in seinen typischen „Ich will sofort nach Hause“-Gang und saust im leicht geduckten Schützengrabenmodus dicht an der Mauer oder den Zäunen entlang und guckt nicht mal mehr rüber zum Grünstreifen.

Mensch geht nicht darauf ein, biegt nicht an der vom Hund gewünschten Ecke Richtung Zuhause ab, sondern wechselt die Straßenseite. Weiter geht’s.
Hund stemmt sich mit allen Vieren gegen die Leine und guckt grantig. Mensch zieht an der Leine und sagt „Mach mal schön.“. Hund legt die Ohren ganz an, geht pflichtschuldig auf den Grünstreifen. Stemmt sich nach ein paar Metern wieder gegen den Zug der Leine und guckt nun extrem armselig und beleidigt drein.

Stimmung droht zu kippen, da Hund spürt, dass Mensch ungeduldig wird. Da reicht schon ein Atemzug oder Blick.
Hund trottet mit geknechteter Miene im Schneckentempo weiter bis Mensch endlich aufgibt und umkehrt. Plötzlich kann Hund wieder ganz schnell gehen.
Und siehe da: Hund nochmal mit Vollgas voran und rauf auf den Grünstreifen. Mensch atmet innerlich auf und nestelt schon siegessicher in der Jackentasche nach dem Gassisackerl.
Hund zieht zum äußersten Grünstreifenrand hinüber, Mensch muss hinterher, dem Geschäftserfolg zuliebe tut er jetzt alles.

Aber was ist das? Dieses glitschige Gefühl unter dem linken Schuh? Mensch ist in einen völlig aufgeweichten Haufen getreten, den der letzte Altschneerest aufgetaut und freigegeben hat. Farblich nicht zu unterscheiden von dem restlichen Untergrund, weshalb der Grünstreifen zur Zeit eigentlich Braunstreifen heißen müsste. Die Kacke ist am Dampfen!

Mensch flucht. Hund bezieht wie immer alles auf sich, dreht sich um, guckt schuldbewusst und wuselt sofort beschwichtigend auf Mensch zu. Und tappt ebenfalls in den aufgeweichten Haufen rein.
Mensch und Hund gehen nun im Stechschritt heimwärts. „Scheiß auf die Verdauung“, denkt sich Mensch. „Frühstück winkt“, denkt sich Hund.

Im Treppenhaus und im Aufzug hinterlassen Mensch und Hund eklige, klebrige braune Spuren. Vor der Wohnungstür muss Hund warten, bis Mensch seinen Kackstiefel in die Badewanne bugsiert hat, wo er – Hund –  dann auch landet.
Hund und Stiefel werden geduscht.
Dann Frühstück für Hund. Mensch ist mittlerweile der Appetit vergangen. er geht mit einem Lumpen ins Treppenhaus, um den besch… Tagesbeginn wegzuputzen.

35 Minuten sind vergangen und das alles für 1x Pieseln, was Hund zur Not auch schnell vor der Haustür hätte machen können.

Manchmal ist Hund-Haben wirklich zum Haare raufen.

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Aber wenigstens scheint heute mal wieder die Sonne, so dass der zweite Anlauf in Sachen Geschäftsbesorgungen gleich unter angenehmen äußeren Bedingungen stattfinden kann.

 

Alternative Fakten.

Liebe Abendzeitung,

nix für ungut, aber das ist blanker Unsinn:

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Pippa und ich frieren völlig anders, da hättest du dir die Lila-Töne sparen können und bei der Überschrift hätte ein Wort genügt: „Eisbilder“.

Man merkt, dass du nicht in Ruhpolding warst, wo einem bei Minus 18 Grad der R… in der Nase ebenso gefroren ist wie Hände, Füße, Pfoten und Popo, sondern irgendwo in der kuschligen Münchner Fußgängerzone, wo Frauchen sogar noch im Röckchen hat rumstehen können.

Aber schön, dass du mir jede Woche einen Anlass bietest, dich in meinem Blog zu zitieren.

Deine Kraulquappe, nun wieder mit warmen Stadt-Flossen.