(…) verweile doch, du bist so schön!

Momentan habe ich eine ganz gute Phase, was unsere Wohnungssuche angeht.

Gut ist sie nicht etwa, weil es irgendwie voranginge oder sich ein Licht am Ende des Tunnels abzeichnen würde, sondern nur insofern, da ich mir einen gewissen Sarkasmus als Grundhaltung zugelegt habe, der mich nun viel heiterer mit Maklern und Eigentümern kommunizieren und auch Besichtigungstermine mit einer bisher nie gekannten heiteren Gelassenheit (oder ist’s Galgenhumor?) und eloquenten Freundlichkeit absolvieren lässt.

Außerdem haben wir dank des Titels des Gatten, den wir in unseren Anschreiben nun stets an prominenter Stelle platzieren, mittlerweile eine recht gute Quote: In den wenigen Fällen, in denen wir durch unsere gründlichen Vorrecherchen zu dem Schluss kommen, dass wir die angebotene Wohnung tatsächlich besichtigen sollten, werden wir in 4 von 5 Fällen eingeladen und in die heiligen Hallen vorgelassen.
Natürlich nicht alleine, wo denken Sie hin!
Man schiebt sich da mit 4-5 anderen Paaren durch die Wohnung und muss schon auch mal hie und da ein bisserl schubsen, um sich in vorderster Reihe (mit Maklerblick) zu behaupten.

Zum Wochenausklang möchte ich Sie, werte Leserinnen und Leser, gern an meinen drei Highlights der Woche in puncto Wohnungssuche in unserer schönen Stadt teilhaben lassen.

Das Erste belegt Platz 1 in der Kategorie „Perlen der Offertenprosa“, das Zweite hat mühelos die Bestplatzierung in der Rubrik „Du Brunzkachl, du ogsoachte, du g’hörst ja mit der Scheißbürscht’n nausghaut!“ geschafft und das dritte Highlight fällt in die in diesem Haifischbecken Terrain vom Aussterben bedrohte Sparte „Ehrlich währt am längsten“ und landete dort sogleich auf dem obersten Siegertreppchen.

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[Inserat in Immoscout]

Wohntraum in Schwabing – komplett sanierte 3-Zimmer-Wohnung!

Lage: Schwabing-West
Baujahr: 1955
Wohnungstyp: Etagenwohnung
Etage: 4 von 5
Wohnfläche: 84m²
Zimmer: 3
Badezimmer: 1
Bezugsfrei ab: 15.02.2018
Personenaufzug: nein
Keller: ja
Einbauküche: ja
Stellplatz/Garage: ja

Kaltmiete (zzgl. NK): 1.780 €
Nebenkosten: 150 €
Heizkosten: 120 €
Gesamtmiete: 2.050 €
zzgl. Stellplatz/Garage: 120 €

Das Objekt liegt in Bestlage im Herzen Schwabings, welches bekannt ist für sein pulsierendes, urbanes Flair.
Fußläufig erreichen Sie die Geschäfte des täglichen Bedarfs und gute Restaurants, in denen man gerne verweilt. Der nahegelegene Englische Garten lädt zum Erholen ein.
Zugleich ist man durch die zentrale Lage hervorragend angebunden (4 Min U-Bahn Hohenzollernplatz).

Ein historisches Treppenhaus ohne Lift führt hinauf in das 4.OG, in dem sich Ihr neues Zuhause befindet.
Die Wohnung ist lichtdurchflutet mit modernem Grundriss und wurde mit Liebe zum Detail kernsaniert.
Durch den Flur betritt man in die Wohnräume, Küche, Bad und WC erreicht man ebenfalls durch den Flur.
Vom großzügigen Wohnzimmer aus gelangen Sie auf den schönen Südbalkon, der zum Verweilen einlädt.

Alle Wohnräume sind mit Eichenparkett in Fischgräten verlegt.
Küche, Flur und Badezimmer verfügen über graues Feinsteinzeug.
Das neuwertige Badezimmer (6m²) ist modern gefließt mit Regenschauerdusche und Fenster.
Die Wohnküche (10m²) ist mit einer hochwertigen Einbauküche ausgestattet, die vom Vormieter übernommen werden muss (Ablöse: 7.500€) und keine Wünsche offenlässt.

Zur Wohnung gehört noch ein Dublexstellplatz, der mit angemietet werden muss (120€).

Die Wohnung wird nicht an WG’s vermietet und ist vermieterseits nicht erwünscht.
Der Eigentümer bevorzugt ein solides Paar ohne Kinder. Keine Haustiere, Juristen und Musiker.

Bitte Anfragen nur per Email mit ausführlicher Selbstauskunft, Schufa, den letzten 3 Gehaltsnachweißen und Steuerbescheid.

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[Inserat in der Süddeutschen Zeitung]

4-Zi.-Whg, Mü-Neuhausen, sehr zentr., 96m², Blk., ab 01.03., 1.600€ zzgl. 350€ NK, von priv.

Sehr geehrte Frau Kraulquappe,

besten Dank für Ihre Email und Ihr Interesse betreffend die Anmietung der 4-Zimmer Wohnung in München-Neuhausen zum 01.03.2018.

Die Wohnung befindet sich in der xxx-straße 6 im 3. Stock. Der Balkon geht nach Süden, zur xxx-straße. Nächste Woche werden noch einige Arbeiten in der Wohnung durchgeführt (neue Armaturen im Bad, Erneuerung Stromkasten mit FI-Schalter, Rauchmelder), so dass die Besichtigung der Wohnung frühestens am 17. Februar 2018 möglich ist.

Vom Mieter müssten ein paar Renovierungsarbeiten bzw. Schönheitsreparaturen selbst durchgeführt werden, es handelt es sich im Wesentlichen darum:

  • Tapeten entfernen, Wände und Decken streichen; evtl. Zargen und Fensterrahmen streichen
  • Parkett im Wohnzimmer und in der Diele abschleifen und neu versiegeln
  • in einem Zimmer (12,92 qm) den Bodenbelag (Laminat) und den alten Küchenboden (PVC) zu erneuern
  • Die Wohnung wird ohne Einbauküche vermietet.

Der Vorteil für den Mieter besteht darin: Es sind bei Auszug keine Schönheitsreparaturen zu leisten und die Wohnung kann bei Einzug nach Ihrem eigenem Geschmack gestaltet werden. Ich bin an einem langfristigen Mietverhältnis interessiert. Da ich alleinstehend bin bzw. meine 87jährige, pflegebedürftige Mutter bei mir wohnt, haben Sie keine Kündigung wegen Eigenbedarf von mir zu befürchten.

Vorab sende ich Ihnen einen Plan der Wohnung sowie eine ausführliche Mieterselbstauskunft.

Bitte kontaktieren Sie mich, wenn Sie am Samstag, den 17.02.2018 die Wohnung besichtigen möchten, so dass wir eine Uhrzeit vereinbaren können.
Mit freundlichen Grüßen
xxx

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[Inserat in Immowelt]

Lage: Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt
Baujahr: 1882
Wohnungstyp: Etagenwohnung
Etage: 3 von 4
Wohnfläche: 80m²
Zimmer: 3
Badezimmer: 1
Bezugsfrei ab: sofort
Garage: nein

Kaltmiete (zzgl. NK): 1.650 €
Nebenkosten: 150 €
Heizkosten: nicht in NK enthalten €
Gesamtmiete: 1.700 € zzgl. Heizkosten

Da das Haus 1882 erbaut wurde, unterliegt es den Bestimmungen des Denkmalschutzes. Daher ist es auch noch mit originalen Holzfenstern ausgestattet, was den Nachteil hat, dass diese teilweise recht luftdurchlässig sind.
Es befindet sich nur noch teilweise Stuck an der Außenfassade, da diese leider größtenteils im Krieg zerstört wurde.

Ausstattung:
abgeschliffene, breite, helle Holzdielen
im Bad rechteckige, große, sandfarbene Fliesen, Badewanne vorhanden,Waschmaschinenanschluss
große, helle Fenster, getäfelte Türen mit Messinggriffen
Durchgangszimmer Küche mit Balkon/ Blick auf den begrünten Innenhof, Ausrichtung Süd/West, dort großer, sehr alter Kastanienbaum im Garten, mit Baumschaukel
überdachter Fahrradunterstand, Korbsitzecke, Tischtennisplatte, Grill

Sonstiges:
Da im Haus größtenteils Mieter jüngeren bis mittleren Alters wohnen, die gerne mal feiern, u. a. im Sommer im Garten und sich unten auch eine Galerie befindet, in der regelmäßig Parties, Vernissagen etc. veranstaltet werden, kann es durchaus des Öfteren lauter werden. Zumal das Haus auch schlecht isoliert ist. Deshalb ist die Wohnung eher ungeeignet für Familien mit Kindern oder Personen, die gerne ihre Ruhe haben möchten!!!
Außerdem ist das Viertel aufgrund der zahlreichen Bars stark frequentiert!
Nicht geeignet für lärmempfindliche Menschen!!!
Gerne Homosexuelle, die sich hier wieder mehr etablieren möchten!
Keine Maklerprovision! Auch keine Makler erwünscht!!!!
Wohnung von Privat.
Bei Interesse bitte keine E Mails, sondern unter der angegebenen Telefonnummer anrufen.

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Impressionen aus einer Unterführung in München. Bei dem Künstler handelt es sich vermutlich um einen Langzeit-Wohnungssuchenden.

Suburbia (1): Vom Leben im Transitbereich.

Logo zu meiner neuen Serie über das Leben am Münchner Stadtrand.

Meist ist es ratsam, mit schwerwiegenderen Gedanken oder Gefühlen ein wenig schwanger zu gehen, bis aus ihnen ein gebärfähiger Beschluss wird.

Wir befinden uns nun im neunten (!) Monat unseres Wohnens & Lebens am südlichen Stadtrand, eine relevante Zeitspanne also, um die Niederkunft einer Entscheidung bekanntzugeben. Und ich wünschte, es gäbe diesbezüglich nichts zu verkünden, weil wir uns hier annähernd auf cloud nine befänden oder auch bloß angekommen wären, uns gut eingelebt hätten und wohlfühlen würden.
Leider hat sich fast alles anders entwickelt als erhofft.

Fairerweise will ich zunächst die zweieinhalb positiven Aspekte erwähnen.
Die neue Wohnung ist und bleibt ein Quantensprung im Vergleich zum vorigen Zuhause – ständiges Frieren und modriger Muff in den Wintermonaten sind ebenso passé wie diverse andere Baufälligkeiten, die uns jahrelang genervt haben. Stattdessen haben wir nun läppische Luxusprobleme wie das Experimentieren mit der adäquten Regulierung der Fußbodenheizung oder Vorkehrungen zu treffen gegen das Ausrutschen auf der aalglatten Versiegelung des Fischgrätparketts (für das Dackelfräulein durchaus unkommod). Kann man wirklich mit leben, ist letztlich zu verbuchen unter Anpassung, denn die Bau- und Binnenqualität der Wohnung betreffend sind wir nun mal von einem Extrem ins andere gefallen.

Der neue Nachbar vis-à-vis hat sich zwischenzeitlich nicht nur als netter Hausgenosse und Kompagnon für Fußball-Abende bewährt, sondern auch zu einem geschätzten Gesprächspartner, Grillmeister, Gleichgesinnten in Sachen Humor & häuslichen Angelegenheiten, perfekten Dogsitter sowie einer Anlaufstelle für Chipsgelüste (sogar nach 23 Uhr) entwickelt. Besser hätte man’s nicht erwischen können, so auf derselben Etage (denn von der Erbsenzählerin und der Korinthenkackerin eine Etage drüber soll an dieser Stelle lieber nicht die Rede sein).

Auch die neue Vermieterin ist im Vergleich zur vorigen eine Verbesserung, allerdings nur eine geringe: Hier haben wir, wie wir zwischenzeitlich feststellen mussten, lediglich das Modell „verhaltensgestörte, kleinkarierte Geizkrägin mit abgewetzter Pudelmütze“ gegen das Modell „übervorsichtige, oberlehrerhafte Damenbartträgerin mit Großgrundbesitzerattitüde“ eingetauscht. Schwer zu sagen, was im Umgang nervtötender war bzw. ist. Die eine bekam einen Anfall, wenn man wiederholt wagte, sich schimmelfreie Fensterbänke neben dem Esstisch zu wünschen, die andere echauffiert sich nun, wenn man sich erdreistet, 2x in 9 Monaten einen tropfenden Schirm kurz im Treppenhaus abgestellt zu haben (und hält uns an, ich zitiere: „eine Auffangschale im Gäste-WC zu platzieren“, in der der Schirm zu trocknen habe).

Worin wir uns allerdings völlig getäuscht haben, ist die Sache mit der Stadtrandlage. Erhofft hatten wir uns mehr Ruhe, weniger Verkehr, keine Parkplatzprobleme und insgesamt eine beschaulichere Atmosphäre durch die wald- und naturnahe Lage (und trotzdem per U-Bahn eine super Anbindung in die Stadt).

Als ich vor 27 Jahren für eine Weile mit meiner Mutter hier lebte, war das alles noch gegeben, und im Frühjahr 2017, an den beiden Samstagen der Wohnungsbesichtigung und der Mietvertragsunterzeichnung, wirkte es, als habe sich diesbezüglich nichts geändert.
Der Fehler dabei war: es handelte sich um Samstage.
Tage, an denen man gar nicht bemerken kann, dass werktags das gesamte Viertel (im Folgenden nur noch „Gegend“ genannt, da jeglicher Stadtviertelcharakter fehlt) morgens zwischen 6:30 und 9 Uhr wie eine Heuschreckenplage von den Pendlern des südlichen Umlands  heimgesucht und restlos zugeparkt wird (zwischen 16:30 und 20 Uhr dann alles wieder retour).
Tagsüber reiht sich hier Starnberger Porsche Cayenne an Weilheimer Volvo V70, dazwischen die Vorortchaisen von Stockdorf über Krailing bis Germering.
Nach dem Parken holt man sich im Bioladen noch fix einen Sojadrink nebst Dinkelgebäck (Kennzeichen STA) oder beim Billigbäcker 3 Quarktaschen zum Preis von 2 plus Coffee to go (Kennzeichen FFB) – und weiter geht’s per U-Bahn in die City, ins Office, zum Shoppen, zum Arzt, zum Amt oder zum Nobel-Friseur nach Schwabing.
Das gesamte Pendelvolk des südwestlichen Umlands rauscht hier also täglich 1x rein und 1x wieder raus, wie Reisende durch einen Transitbereich, man guckt nicht links und rechts, haut seinen Kaffeebecher oder die Edelstoffflasche auf die Straße, ist ja nicht das eigene Viertel, äh, Gegend, was soll’s.

Tagsüber und spätabends ist hier alles leergefegt, verwaist und ausgestorben. Hat man misanthropische Tendenzen, kann das durchaus von Vorteil sein. Nahezu begegnungsfrei lässt es sich bis zum Wald spazieren, dort trifft man auch nur ein paar Wildschweine und Rehe, sonst keine Gesellschaft, keine Sau, nirgendwo. Gute Sache an manchen Tagen, in manchen Verfasstheiten.
Zugleich hat diese Ausgestorbenheit etwas Gespenstisches. Bei der nächtlichen Runde mit Pippa treffe ich ebenfalls keine Menschenseele, höchstens mal Gestalten ohne selbige. Jene Verlorenen und Vergessenen, die ganz hinten im Viertel, in den Hochhäusern, hausen. Sie kippen gegen 23 Uhr angetrunken oder sonstwie stoned aus der U-Bahn, haben den Bus versäumt und schwanken zu Fuß heimwärts. Manchmal werde ich angepöbelt, manchmal wird das Dackelfräulein unflätig angeraunzt. Da ich grundsätzlich recht angstfrei unterwegs bin, komme ich damit schon zurecht, im alten Stadtviertel gab’s das auch mal, aber was mich hier beklemmt, sind die nachts vollkommen menschenleeren Straßen. Für den Fall, dass es doch mal brisanter würde, wäre niemand da, der einen hört oder sieht – da hilft nur noch Rennen, was wir gottseidank erst einmal tun mussten.
[Endlich mal kapiert, was die Pet Shop Boys seinerzeit meinten: „you can’t hide, run with the dogs tonight, in Suburbia“]

Die Menschen, die hier leben, passen weder zusammen, noch haben sie sich aneinander gewöhnt, noch stehen die Chancen allzu gut, dass das mit der Zeit gelingen könne. Alteingesessene (denen das Viertel, als es noch ein echtes Viertel war, quasi „gehörte“), Asylbewerber und Arme (die die Stadt in den in 40 Jahren heruntergekommenen Hochhäusern zusammenpfercht), Alte (nach deren Ableben die Erben die Grundstücke lukrativ an Bauträger verhökern) sowie ein paar junge bis mittelalte Familien und Leute wie wir (die mit ihrer Stadtrandlagen-Illusion oder vom Innenstadtmietzins vertrieben in den neu gebauten Wohnungen oder Häusern dieser Gegend landen).

Suburbia-Bebauung im Münchner Süden (Beispielhaus).

Bis Letztere ihren „Wohntraum im Münchner Süden“ zu Ende geträumt haben oder vorzeitig daraus erwachen, kann schon mal ein Jährchen ins Land gehen. Womöglich auch zwei oder drei. Man sieht hier nicht so klar und deutlich, denn alle machen abends die Schotten dicht, manche sogar tagsüber. Man möchte einander keinen Einblick gewähren und auch selbst nichts von „da draußen“ wahrnehmen, sondern seine Ruhe haben.
Die einen vegetieren so in der Enge ihrer trostlosen Wohnsilos dahin, die anderen verstauben oder verenden in ihren dunkelholzigen (innen wie außen), in die Jahre gekommenen Einfamilienhäusern, die nächsten polieren jedes Wochenende ihre beigen Autos auf den beigegefliesten Einfahrten ihrer beigen Häuser, hinter deren beigen Gardinen Frauen in beigen Strickjacken Apfelkuchen mit Rosinen drin backen (der letztlich auch recht beige aussehen wird) und wieder andere veröden in ihren schicken, sterilen Neubauten, in denen sie sich von Google Home oder Amazon Alexa das neueste Tablet, den Bergwetterbericht oder die glutenfreien Fertiggerichte liefern lassen.

Das Charakteristische an diesen Neubauten ist, dass sie völlig charakterlos sind, wenngleich die Bauträger versuchen, mit Firmennamen wie „Creativhaus“ über dieses architektonische Elend hinwegzutäuschen. Wie geklont sehen sie aus in ihrem ewigen Weiß und Grau, mit Milchglaselementen an den Balkonen und bodentiefen Fenstern allüberall, die den dahinter wohnenden Menschen ja geradezu animieren müssen, sich zu verrammeln, um das Prästentiertellergefühl so lange zu eliminieren, bis die blickdichten Vorhänge geliefert werden oder die immergleichen Sträucherarrangements diesen unkreativen, uncharmanten Niedrigenergiehütten einen natürlichen Sichtschutz verschaffen.

Hat des Abends doch mal einer vergessen, die Jalousien rechtzeitig per Knopfdruck herunterschnurren zu lassen, sieht man überall dieselben offenen Wohn-Ess-Bereiche, dieselben Couchgarnituren, dieselben Lampen, dieselben Obstschalen, dieselben Filzschlappen – mal Hygge-Style, mal Höffner-Stil, je nach Geschmack und Geldbörse  – und es wird bisweilen schwer vorstellbar, dass wenigstens noch die Bewohner dieser dreifachisolierverglasten Wohntempel verschieden sein sollen. Am Wochenende, wenn man einander mal im Vorort des Vororts zu Gesichte bekommt, wo alle mit ihren Kombis oder SUVs vor Rewe, DM, Fressnapf, OBI und Lidl parken, um sich die Kofferräume mit demselben Krempel vollzupacken, sind jedenfalls keine großen Unterschiede auszumachen. Individualität entfaltet sich vermutlich nur hinter den runtergelassenen Rolläden (oder ist eh nur eine ähnliche Illusion wie die Vorstellung vom ruhigen Wohnen am Stadtrand).

Alles geschlossen – oft auch am hellichten Tag (Beispielhaus).

Aber nichts ist so schlecht, dass es nicht auch positive Aspekte hätte. Trotz der höheren Miete leben wir kein bisschen teurer als vorher, was schlicht dem Umstand zu verdanken ist, dass es hier keinerlei Cafés, Kneipen, Lokale, Läden, Buchhandlungen, Kinos oder kulturelle Einrichtungen gibt, die man aufsuchen möchte. Das spart eine Menge Geld, so aufs Jahr gerechnet!

Der allergrößte Vorteil unseres neuen Standorts aber ist ganz klar der, dass man hier schnell weg ist. Nur ein Katzensprung ist es zur Autobahn Richtung Berge, das bedeutet nie mehr auf dem Mittleren Ring im Stau stehen und auf dem Heimweg dasselbe – es ist einfach großartig. Selten einen so guten und intensiven Bergsommer verlebt und so viele schöne Ausflüge gemacht! Und der riesige Wald ist natürlich auch noch da, so wie vor 27 Jahren – 1001 Spaziermöglichkeit, keine überlaufenen Joggingstrecken und im Sommer ist man in einer guten halben Stunde mit dem Rad hindurchgeflitzt zum Starnberger See.

Schnell weg – nur 30 Minuten ins Zugspitzland!

Die Frage ist nur: Möchten wir langfristig an einem Ort leben, an dem das Beste die Tatsache ist, dass man möglichst schnell von ihm wegkommt? Nein!
Also – und nun komme ich endlich mal auf den einleitenden Satz dieses Beitrags zurück – haben wir nach reiflicher Überlegung beschlossen, dass wir hier keinesfalls alt werden wollen und deshalb sind wir wieder unter die Suchenden gegangen. Hätte irgendjemand gewagt, uns das im Frühjahr zu prognostizieren, hätten wir ihm mindestens einen Vogel gezeigt, zermürbt wie wir damals waren (von den Widrigkeiten des Münchner Wohnungsmarkts und der anstrengenden Umzugsphase).
Immerhin haben wir diesmal keine Eile, denn wir müssen nicht mehr vor undichten Fenstern und Schimmel flüchten, brauchen uns also nicht hetzen und können das Projekt „Zurück in die Stadt“ ohne großen Leidensdruck angehen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass wir natürlich aus den Fehlern der letzten Suche gelernt haben und uns zu einem top funktionierenden, perfekt eingespielten Wohnungssuch-Team gemausert haben.
Wir haben mittlerweile Anschreiben für alle in Frage kommenden Wohnungsgrößen, Ausstattungen, Stadtviertel und Vermieter- oder Maklertypen parat und können so bereits 1 Minute nach Erscheinen des Inserats eine makellose „Bewerbung“ rausschicken. Je nach Anzeigentext inkl./exkl. Sonderbewerbungsmappe zum Dackelfräulein (mit den 100 liebreizendsten Fotos des Jahres), lückenlosen Gehaltsnachweisen und Steuerbescheiden seit der Studienzeit (um unsere atemberaubenden Karrieren zu dokumentieren), beglaubigten Kopien aller akademischen Urkunden (und normalen Kopien aller Zeugnisse seit der Grundschule) sowie von diversen Vorgesetzten, Psychiatern und uns selbst verfassten Empfehlungsschreiben. Darüberhinaus haben wir eine allgemeine Checkliste mit allen relevanten Punkten erstellt, denn in keiner Wohnungsanzeige steht alles drin, was zur angebotenen Wohnung gehört bzw. nicht gehört, stattdessen finden sich stets zahlreiche Formulierungen, die gleich zu Beginn dechiffriert werden wollen, um sich ressourcenschonend und illusionsbereinigt dem weiteren Procedere widmen zu können.

Diese Professionalisierung beschert uns nun deutlich mehr Einladungen zu Besichtigungsterminen als beim letzten Mal, was wiederum dazu geführt hat, dass wir uns auch hier besser aufstellen mussten, um zielgerichteter und zeitsparender agieren zu können. Einfach mal Hingehen & Gucken ist was für Anfänger & Naivlinge.

Bei einer Einladung zur Besichtigung ist zunächst auf ein Vereinbaren der passenden Uhrzeit zu achten: Niemals samstags (um ggf. Pendel- und Parkplatzsituation realistisch zu erleben), möglichst nicht nach Feierabend (zu viele Mitbewerber träten einem auf die Füße), keinesfalls im Dunkeln (was der mit allen Wassern gewaschene Makler „netter, kleiner Balkon“ oder „Aussicht in den begrünten Innhof“ nennt, kann sich bei Tageslicht betrachtet schnell mal als bescheidene Freiluft-Bierkastenabstellfläche oder Blick auf den Komposthaufen des Nachbarhauses entpuppen).

Anschließend teilen wir uns in zwei Taskforces für die weitere Vorbereitung auf: Der eine übernimmt eine erste Fahrt zur potentiell neuen Wohnung bereits einige Tage vor dem vereinbarten Besichtigungstermin, verbringt mindestens zwei Stunden in dem Viertel, um sich einen nicht vom womöglich guten Eindruck, den die Wohnung später machen könnte, beeinflussten, neutralen Überblick zu verschaffen (merke: ist die Wohnung toll, lügt man sich gern mal eine stark befahrene Straße oder die tatsächliche Entfernung zur nächsten U-Bahn-Station schön). Er schickt dem anderen – live und vor Ort – um die 30 Fotos (Haus, Straße, Einfahrt, Klingelschilder, Wege, Geschäfte, Passanten, Bäume, Parkplätze etc.) aufs Handy, die man mit etwas Abstand einen Tag später nochmal gemeinsam und möglichst nüchtern analysiert und mit der allgemeinen Checkliste abgleicht (merke: verwende für jedes Objekt diese allgemeine Checkliste, denn du kannst nicht alle Aspekte auf einmal im Kopf haben, sondern brauchst eine vernünftige Matrix, um kein Kriterium zu vergessen).
Der andere knöpft sich die Adresse in Google Maps vor, latscht mit Streetview mehrfach die Straße rauf und runter, zoomt in der 3D-Ansicht Fassaden oder Hinterhöfe heran, checkt Verkehrswege und andere Infrastruktur und – das Allerwichtigste – nimmt die Grünstreifensituation gründlichst unter die Lupe (merke: wenn du einen Hund hast, der nur auf Wiese pinkelt, ist ein begrastes Fleckerl, besser noch: ein Grünstreifen, in <50 Meter ab Haustür unerlässlich, denke hierbei auch an potentielle Morgenübelkeit und nächtliche Durchfälle des Vierbeiners).
Passt soweit alles, nehmen wir den Besichtigungstermin bestens vorbereitet wahr, gibt es vorab zu viel Diskussionsbedarf oder Problempotenzial, sagen wir ihn ab, weil das meist schon ein schlechtes Zeichen ist.

Bislang hätte es 2x auch nach dem Besichtigungstermin noch beinahe gepasst, aber eben nur beinahe. Einmal schlich sich dann doch noch eine Indexmiete durch die Hintertür herein, das andere Mal war’s der Balkon, über dessen Fehlen wir einfach nicht hinwegkamen. Irgendwas wird immer sein, man muss so ein Projekt in einer Stadt wie München natürlich auch als groß angelegte Kompromissfähigkeitsstudie betrachten.

Bloß nicht schwarz sehen – die „Blick ins Glück-Hütte“ (natürlich außerhalb Münchens).

Eines Tages werden wir Glück haben.
Das bete ich mir jedenfalls an all jenen Tagen vor, an denen es besonders hoffnungslos scheint, hier jemals eine bezahlbare Wohnung in einem netten Viertel, mit angenehmen Vermietern und einem Mietvertrag ohne fiese Fußnoten zu finden, in der auch das Dackelfräulein willkommen ist.
[Neulich, der Gatte erhielt den Rückruf einer Maklerin, die beim Eigentümer zwecks Hundehaltung nachfragen wollte: Nein, Hunde wünsche der Vermieter nicht, und nach dem Grund befragt hieß es, dass die Kinder in der Wohnanlage unseren Hund sehen und daraufhin ihre Eltern vollnölen könnten, dass sie auch einen Hund haben möchten (bei unserem Hund natürlich eine völlig berechtige Annahme!), und wenn dann die Eltern dem Wunsch der Brut nachgäben, ja dann lebten womöglich bald mehrere Hunde im Haus und die würden sich vielleicht untereinander nicht verstehen, sich gar anbellen, was ja nur zu Problemen führen könne in so einem Mietshaus. Was für ein Kojunktivreigen, uff. Herzlichen Dank auch, wir suchen gerne weiter.]

Bis es mal so weit ist – und das kann sich hinziehen – lassen wir uns nicht unterkriegen
oder lassen auch mal die Jalousien runter und gucken unsere Serien
oder verkrümeln uns zu Stadtspaziergängen in andere Viertel
oder hauen ab ins schöne Umland, parken den pendelnden Starnbergern ihr Seeufer zu
oder verlagern unsere Kaffeepausen weiterhin auf die Berghütten im Voralpenland.

Ob es da heroben auf der Hüttenterrasse wohl glatt ist?

Ich werde Sie über die Projektfortschritte auf dem Laufenden halten und wünsche derweil einen guten Endspurt bis zum Weihnachtsfest – wo auch immer Sie hausen und sich hoffentlich wohlfühlen!

Fiesta Dackeliana oder: Abschiede.

Es gibt ja Menschen, die schütteln sich einmal kurz, stehen auf und gehen, drehen sich bestenfalls nochmal fix um und winken lässig zurück, und widmen sich dann voller Elan dem Neuen und Unbekannten. Ich hingegen hadere mit jeder größeren Veränderung und hasse Abschiede. Niemand hat mir je beigebracht, wie das geht, und ich selbst habe es in über 40 Jahren auch noch nicht richtig gelernt.

Wobei mich die Lebenserfahrung immerhin gelehrt hat, dass es bei Abschieden zwei Kategorien gibt, die sich unterschiedlich anfühlen, indem sie jeweils die Enden meiner Hass-Skala markieren: Die guten und die schlechten Abschiede.

Letztere zeichnen sich dadurch aus, dass man nur noch weg will, nichts und niemandem hinterhertrauert (und womöglich auch auch umgekehrt niemand da ist, der einem nachweint), froh ist, wenn man die Situation, die Beziehung(en), die Tätigkeit, den Ort, das Gefühl oder alles zusammen hinter sich lassen und den Neubeginn so bald wie möglich anpacken kann. Man kommt auch mit dieser Art von Abschieden irgendwie klar, nur „gut“ sind sie langfristig nicht. Weil das, was weg sein wird, irgendwie schon lange vorher weg war oder man selbst sich bereits so weit davon entfernt hatte, dass es zu abstrakt geworden war, um noch etwas sein zu können, das man vermisst. Und das ist letztlich schade, vor allem, wenn es um eine längeren Abschnitt des eigenen Lebens ging.

Gute Abschiede sind jene, die spürbar machen, dass man auch etwas zurücklässt, das einem wertvoll und wichtig war oder ist, dass da Bindungen waren oder sind, die sich nun lockern oder auflösen werden, dass man dort, wo man war, auch wirklich gewesen ist – und gelebt hat (mit allem, was so dazugehört).

Gute Abschiede bringen mit sich, dass sie ziepen oder wehtun, womöglich bricht man ihretwegen sogar in Tränen und Wehmut aus.

Der Auszug aus meiner Würzburger Studentenwohnung war ein solcher Abschied (wenngleich ich mich zunächst freute, wieder nach München zu kommen, dort meinen ersten Job anzufangen und in dem Viertel zu wohnen, das mir als Teenager so erstrebenswert erschien): Alle heulten am Umzugstag, manche vielleicht auch nur, weil ich so heulte, ich wollte den Nachbarn und die Freunde nicht zurücklassen, wusste plötzlich gar nicht mehr, was ich in München sollte und wollte, und es kam mir idiotisch und grausam vor, all die Menschen, die Orte, die Gewohnheiten und mein ganzes schönes Leben in dem kleinen Städtchen, das ich plötzlich mit völliger Verklärung betrachtete, zurückzulassen.

Ich bin schon immer ein elender Bewahrer gewesen, ein schlechter Loslasser, ein übles Gewohnheitstier. Egal, ob es um Freundschaften, Beziehungen, Situationen, Gewohnheiten, Jobs, Orte oder Wohnungen ging: Ich verändere etwas erst dann (oder verabschiede mich), wenn es nicht mehr anders geht (ob aus Einsicht oder Zwang sei mal dahingestellt).

So sehr ich mich nun auf die herrliche neue Wohnung, dichte Fenster, eine funktionierende Heizung, den großen Balkon, nette Vermieter und eine Gegend mit viel mehr Grün freue, so beginnt es jetzt doch manchmal bei Kleinigkeiten zu ziepen. Als ich dieses Ziepen heute erstmals in aller Deutlichkeit wahrnahm, war ich froh, weil ich in dem Moment wusste: Der bevorstehende Abschied von dieser Wohnung wird wohl einer der guten Abschiede werden.

Der Anlass des Ziepens war eine Begegnung mit Frau G., einer älteren Dame aus unserem Haus. Frau G. ist die Witwe eines bekannten Schlagersängers, dessen Leben ebenso ominös wie tragisch endete, Attribute, die wie wohl auch – wenn man der Boulevardpresse Glauben schenken möchte – ihre Ehe treffend beschreiben würden (was ich vor vielen Jahren mal kurz ergoogelt habe, als ich kapiert hatte, wer Frau G. überhaupt ist).

Jahrelang hatte ich mit Frau G. nichts weiter zu tun außer einem freundlichen „Grüß Gott“ (und meinem kurzen Luftanhalten ob ihres Parfüms, wenn ich mich nach oder mit ihr im Aufzug oder Treppenhaus aufhielt). Man munkelte so Einiges über das Leben von Frau G. (noch mehr über das ihres verstorbenen Gatten) und als Hausmeistern Frau S. noch hier lebte, erfuhr man dieses Gemunkel auch ungefragt. Umso zurückgezogener lebte Frau G. und schien froh um jeden, der sie in Ruhe ließ.

Seit Pippa hier eingezogen ist, haben sich unsere Beliebtheitswerte im Haus ja rasant verändert. Wo man früher mit einem knappen Gruß davonkam, musste man plötzlich Gespräche führen und es gar erdulden, dass sich Nachbarn vor uns auf den Boden werfen und dort herumwälzen. All das hat nichts damit zu tun, wer wir sind oder wie wir sind, sondern der Zirkus gilt ausschließlich dem Dackelfräulein. Und die krasseste Kandidatin für derlei Vorstellungen ist Frau G..

Mit ihren schätzungsweise knapp 80 Jahren und trotz Einschränkungen aufgrund mäßig erfolgreicher Knie- und Hüft-Operationen flippt Frau G. jedes Mal aus, wenn sie Pippa sieht. Als Erstes lässt sie ihre Tasche zu Boden fallen, um beide Arme ausbreiten zu können, damit sie den Hund auch ja komplett an ihren Busen drücken kann. Pippa darf ihr sogleich die ordentlich toupierte Frisur ebenso zerstören wie das sorgfältig aufgetragene Make-Up. Sie darf ihr Ohren, Gesicht und Hals abschlecken, während Frau G. juchzend und unter Ausrufen wie „Mein Schatzilein, ja, guten Morgen, du kleine Prinzessin!“ auf den Treppenabsatz sinkt, um noch besser und bequemer für Pippa erreichbar zu sein.

Unser Hund nutzt die Situation schamlos aus, stürzt sich erst mit Inbrust auf Frau G., bis diese gut eingespeichelt und selig japsend am Boden liegt, danach stürzt sie sich in die Tasche von Frau G., in der immer (!) ein Hundewürstchen zu finden ist, da Frau G. ihre Wohnung nur bestens präpariert für etwaige Pippa-Begegnungen verlässt.

Anfangs habe ich noch versucht, diesen Zirkus zu unterbinden, habe den Hund gemaßregelt und angeleint, Frau G. wieder auf die Beine geholfen und versucht, die Situation so abzukürzen, dass sie nicht völlig ins Würdelose abglitte. Zwecklos. Vollkommen zwecklos. Denn Frau G. will es gar nicht anders, sondern das Theater macht sie so glücklich, dass ich es einfach geschehen und die Erziehung mal kurz Erziehung sein lasse. Mittlerweile bete ich in solchen Momenten nur noch, dass kein weiterer Nachbar vorbeikommen und Zeuge dieses peinlichen Szenarios werden möge.

Gestern Abend haben wir am schwarzen Brett einen Aushang gemacht: „Garagen-Nachmieter zum 1. Mai gesucht“ (inkl. der Mitteilung, dass wir nach 17 Jahren hier ausziehen). Die blöde Hausverwaltung beharrt nämlich auf einer absurden Quartals-Kündigungsfrist für den Tiefgaragenstellplatz, obwohl es hier im Haus eine Warteliste für die wenigen und daher heiß begehrten Garagenplätze gibt und obwohl der Mietvertrag für unsere Wohnung bereits einen Monat eher endet (da können sie plötzlich eine Gründlichkeit und Aufmerksamkeit für Fristen an den Tag legen, dass man nur so staunt).

Heute Mittag klingelte es an der Tür. Draußen stand Frau G.. Ich öffnete und sie wedelte aufgeregt mit unserem Aushang herum und stammelte, sie wisse gar nicht, was sie sagen solle. Natürlich nahm ich an, es ginge um unseren bzw. um Pippas Auszug (und wunderte mich dennoch, dass sie den Aushang gleich von schwarzen Brett entfernt hatte).

Das aber war nur einer der Gründe für ihre Aufgescheuchtheit. Der andere war der, dass ihr vorgestern ihre ein paar Straßen weiter angemietete Garage gekündigt worden war, zum 30. April. (Nebenbei: mich traf fast der Schlag bei der Vorstellung, dass Frau G. noch selbst Auto fährt, nie und nimmer hätte ich das vermutet!) Und weiter: was für ein Glücksfall es doch sei, dass wir jemanden suchen, aber zugleich sei es ja so ein Drama, dass ausgerechnet wir es seien, denn dass das Schatzilein dann nicht mehr hier wohnt, das wäre ja schrecklich… (ein Glück, dass der Gatte gerade mit dem Dackelfräulein draußen war, sonst kullerten die beiden jetzt noch auf dem Sisalteppich herum).

Ich versprach Frau G., die keinen PC hat, sofort eine Mail an die Hausverwaltung zu schreiben, mich um alles zu kümmern und anschließend nochmal bei ihr zu klingeln. Eine halbe Stunde später stand ich vor ihrer Tür, drückte ihr die ausgedruckte Mail in die Hand und meinte, sie müsse jetzt nur noch bei der Hausverwaltung anrufen und bestätigen, dass das alles seine Richtigkeit hätte und dann sollte die Sache wohl klappen (eine Seltenheit zwar, dass mit dieser Hausverwaltung etwas klappt, aber da sie es nicht selbst angeleiert hatten, schien es möglich). Sie fiel mir um den Hals. Das hatte es noch nie zwischen uns gegeben.

Eine weitere halbe Stunde später klingelte Frau G. erneut bei mir. Diesmal fiel sie mir bereits im Türrahmen um den Hals. Denn alles hatte geklappt! Sie übernimmt unsere Garage nun nahtlos zu unserem Wunschtermin, der Mietvertrag trifft in den nächsten Tagen ein und sie ist überglücklich, dass sie ihren 3er BMW nun auf einem der hauseigenen Stellplätze parken kann. Schatzilein und ich wurden zu einem Abschiedskaffee eingeladen, besser gesagt: dazu verdonnert, und, tja, dann sah ich ihre feuchten Augen und wir waren auf einmal beide gerührt – und zum Abschied fiel schließlich ich ihr um den Hals, obwohl ich eigentlich gar nicht so der Um-den-Hals-Faller bin und wir ja weder befreundet, noch sonst näher in Kontakt waren.

Als ich vorhin den Müll runtertragen wollte, stolperte ich vor der Wohnungstür fast über eine Tüte, die dort stand. Eine sehr bayrische Tüte. Drinnen: Eine Flasche Schampus, oben auf dem Karton klebte ein Begleitkärtchen, unterzeichnet von Frau G..

Ein paar berührende Zeilen in zittriger Schrift, der man die Betagtheit ihrer Inhaberin ansehen kann. Ich musste schlucken. Und es ziepte.

Wie gesagt: Es wird einer dieser guten Abschiede.

Dran.

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Seit Sonntag starke Schwankungen bei der Heizung und dem Warmwasser.
Heute Morgen ging dann gar nichts mehr, also kalte Katzenwäsche und mit noch kälteren Füßen am Schreibtisch gesessen und versucht zu arbeiten.

Unsere reizende Hausverwaltung, bei deren Angestellten eine innerhalb einer Firma selten hohe Dummschwätzer-, Idioten- und Verweigererquote erzielt wird, ist von rund 10 Mietern im Haus seit 8 Uhr behelligt worden.

Gegen 10:45 Uhr dann der trostspendende Rückruf: Man sei mit Hochdruck an der Sache „dran“. (Mit Hochdruck sind die angeblich auch schon seit April 2016 an den gemeldeten Mängeln hier in unserer Wohnung „dran“. Passiert ist bislang gar nichts.)

Aber (und es gibt immer ein „aber“, egal, um was es geht): Der Installateur hätte schon gesagt, die Pumpe wäre erst im Dezember überprüft worden, also daran könne es kaum liegen, vermutlich seien die Stadtwerke schuld und bis man dort mal jemanden erreichen würde, das könne dauern.
Und schließlich: „Ja schaun’S, in unserer Wohnanlage in der Bajuwarenstraße, da warten die Mieter seit 1 Woche auf Warmwasser, nicht erst seit heute Morgen.“.

Achso, na, wenn das so ist, bin ich natürlich sofort still und friere, niese und miefe demütig weiter. Das dauernde Niesen geht eh nichts aufs Konto einer nahenden Erkältung, sondern kommt vom Haselflug. Da darf man nix vermischen und muss fair bleiben.

Hilfsangebote wie warme Wannenbäder am Abend oder Duschasyl am Morgen – bevorzugt im Münchner Westen – werden dennoch gerne unter kraulquappe@web.de entgegen genommen. Herzlichen Dank!

Die Kraulquappe.