Amilienumkle oder: Nächtliche Notate zur Lage der Situation.

An sich bin ich kein Freund sprachverhunzender Kleinschreiberei, mir persönlich kommt dabei schnell jeder Lesefluss und -genuss abhanden.

Für amilienumkle möchte ich allerdings kurzfristig eine Ausnahme machen. Es ist ein ganz besonderes Wörtchen, zumindest für mich, denn es war die finale Wahrnehmung in meinem geliebten Schwimmbad, als ich vor über zwei Wochen zum letzten Mal in der Umkleide stand.

Da mir bereits schwante, dass es das für 2020 vermutlich gewesen sein dürfte mit meinem Lieblingssport, drehte ich mich vor Verlassen des Raumes noch ein letztes Mal um, so eine Art stummes rundumblickendes Abschiednehmen war das, und dabei fiel mein Blick auf jenes Schild, das mir noch nie zuvor aufgefallen war.
Dem dort aufgedruckten Wort fehlten ein paar Buchstaben, aber es gefiel mir sofort: amilienumkle.

Ich fotografierte es und noch auf dem Weg zum Parkplatz murmelte ich die neue Vokabel gleich ein paarmal vor mich hin: amilienumkle, amilienumkle, amilienumkle – und beschloss, dass sich das Wort eigentlich gut als Name für eine besonders seltene, sonnengelbe Seerosenart eignen würde (weshalb der Begriff ab sofort auch einen vernünftigen, großen Anfangsbuchstaben von mir erhalten wird), die ich mir als ein Symbol der Hoffnung (auf bessere Zeiten, konkret: auf ein möglichst nicht erst zu Ostern stattfindendes Wiedersehen mit dem Lieblingsbad) erschaffen und erhalten könnte.
Immer, wenn es mich künftig bedrücken würde (und mittlerweile tut es das recht oft), dass ich nirgends mehr ins Wasser springen und loskraulen kann (nein, Neoprenanzug im November ist nichts, wonach es mich verlangt!), könnte ich das dann flüstern und an eine seuchenfreie, sonnige Schwimmzukunft denken: Amilienumkle, Amilienumkle, Amilienumkle.

Fast wie ein kleines Gebet fühlt sich das an, und es würde mich nicht wundern, wenn ich in ein paar Wochen noch ein „Amen“ hinzufüge, obwohl ich mich nach wie vor zu den Atheisten zähle.
Man wird ja ein bisschen sonderlich und schrullig in diesen Zeiten.

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Apropos „in diesen Zeiten“.
Besser gesagt: Apropos Sprachbetrachtung im Allgemeinen und Besonderen.

Auf (oder in?) einem von mir sehr geschätzten Blog, der mir allwöchentlich am Montagmorgen den Einstieg in die beginnende Woche erleichtert bis kandiert, möchte ich Ihnen, sofern Sie sich für Sprache und deren Aberrationen interessieren, die vom Autor jenes Blogs mit großer Inbrunst (und kleinem Ingrimm) notierte und regelmäßig aktualisierte „Liste des Grauens“ ans Herz legen.
Sie werden staunen, welche Floskeln, Plattitüden und Worthülsen Sie unter den aktuell 452 Einträgen entdecken, die auch Ihren werten Lippen gelegentlich entschlüpfen!

Ein gutes Drittel der dort versammelten Phrasen erinnert mich zwar aufs Schlimmste an die in stundenlangen Meetings zu erduldende Verbaldiarrhoe meiner 17-jährigen Ära als IT-Consultant (zu Beginn der 17 Jahre noch schlichtschnöde Anwendungsberater genannt), dennoch liebe ich es, in dieser Sammlung zu stöbern.
Und das nicht zuletzt auch deshalb, weil ich in meinem Smartphone eine ganz ähnliche Liste führe: Sprachschrott, den man so hört oder liest und bei dem sich sofort die Nackenhaare aufstellen oder der nächste Herpes sich Bahn bricht.

Vor einigen Wochen glich ich meinen privaten Wortmülleimer erstmals mit dieser Sammlung ab, Anlass war die damals etwas zu oft gehörte Hassphrase „am Ende des Tages“ sowie das grassierende, pseudogeheimniskrämerische (nicht aber pseudoblöde) „aus Gründen“ und ein (hoffentlich nur) pandemiebedingter Zuwachs an „Calls“ allerorten.

Größtenteils fand ich den Inhalt meiner Truismus-Tonne 1:1 im Archiv des Bonner Bloggers wieder, lediglich „Blablablubb“ (gern verwendet, wenn das, was ein anderer abgesondert hat, für zu viel oder zu unwichtig gehalten wird), Tschautschau“ oder „Ciao ciao“ (oder ist das am Ende – nicht des Tages, aber meines Sprachverständnisses – gar ein spezieller Kynologengruß und heißt eigentlich „Chow-Chow„?) und aus mir unerklärlichen Gründen auch das gruselige „aus Gründen“ sind bislang noch nicht mit von der Partie.

Sonst aber wirklich alles.
Chapeau! ( 😉 – siehe „Liste des Grauens“, Nr. 262)

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Facebook empfiehlt mir jüngst diesen Artikel aus der „Welt“:

Lektürezeit, die man sich getrost sparen kann – das Foto genügt ja wohl zur Erklärung, wieso man das nicht tun soll.

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Wohingegen mir das nachfolgende Foto nicht erklärend genug war – hier hätte ich doch zu gern auch noch gesehen, was mit den beiden abgebildeten Wanderern geschah, als die „Skulptur“ zu Phall Fall kam.

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Ansonsten leben wir lockdownlight-konform vor uns hin.

Der Gatte (vor Erhalt seines Coronatestergebnisses), bei einem Ausflug an den See.

Ich (nach Erhalt meines Coronatestergebnisses), bei einem Ausflug an den See.

Ich spaziere überwiegend allein oder mit den Angehörigen meines kleinen Hausstandes oder maximal denen eines anderen kleinen Hausstandes durch die Gegend.
Und bin wie so oft sehr dankbar dafür, wie schön wir es hier haben. Nicht auszudenken, wie sich so ein Lockdown in Ennepetal anfühlen mag oder in dem Kaff nahe Jena, in dem ich mal während einer Dienstreise einquartiert wurde, weil ganz Jena wegen einer Messe ausgebucht war.

Auch der hübsch Bewimperte und ich sind mittlerweile perfekt eingespielt, was Tour- und Törtchenplanung sowie vorausschauende Recherche der jeweils tournah geöffneten To-Go-Kioske (ein Begriff, den ich sofort auf meine „Liste des Grauens“ setzen werde) für das frisch gebrühte Tässchen Kaffee…

 

…und überhaupt freut man sich am besten intensiv an den kleinen Dingen.
Dazu passt ganz hervorragend, dass in den Bäckereien die Plätzchensaison begonnen hat.

Nebenher bastle ich an meinem Buchvorhaben (fragen Sie bitte nicht nach, ich möchte noch nicht darüber sprechen, schon gar nicht hier!), übe auf dem Akkordeon (Nackensteife links im Wechsel mit Nackensteife rechts, dazwischen ein paar Töne) und halte mich viel in der Küche auf. Vielleicht sogar zu viel, wie nachfolgende Maismehl-Grafik zeigt, in die sich aus purer Überlastung ein fataler Fehler eingeschlichen hat.

Das mit dem Akkordeon lässt sich gut an und ist eine feine Sache, bedeutet aber nicht nur Musik, sondern auch Sport, wie ich feststellen musste, denn die 8 Kilo (Instrument plus Koffer) müssen ja auch zum Unterricht hin (und zurück) transportiert werden.

Wenigstens bringt einen vor Ort nicht auch noch der Lehrer ins Schwitzen, weil der sieht exakt so aus wie er heißt (und ich behaupte einfach mal, daran würde sich im Wesentlichen auch nichts ändern, wenn er den Mund-Nasen-Schutz abnähme).
Eine Beschreibung, die Sie jetzt leider nicht verstehen können, da ich hier natürlich nicht seinen echten Namen verkünden kann, damit Sie den dann gleich googeln oder so. Sowas macht man nicht.

Stellen Sie sich einfach ersatzweise einen Mann in den Fünfzigern vor, von kugeliger, untersetzter Statur, mit krass bayerischem Dialekt und einem Namen wie Rudi Humpertinger – die Vorstellung, die Sie dann haben, die trifft es in etwa.

Ideale Lernbedingungen also.

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Auf dem Land ist Santa Claus schon im Anmarsch…

Die spinnen, die Bayern.

…während es mir hier in der Stadt noch recht unvorweihnachtlich vorkommt.

Deko vor dem Supermarkt.

Soweit für heute.

Kommen Sie gut durch die Woche und halten Sie vorsichtshalber schon mal Ausschau nach einem passenden Corona-Freund, falls am 25. November festgelegt werden sollte, dass jeder Haushalt sich künftig nur noch mit einem anderen, festzulegenden Haushalt (und aus diesem auch nur mit einer Person) treffen darf.

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Closing time.

Sonntag, 1. November 2020. München, Theresienwiese.
Vor der Haustür heute zur Abwechslung mal ein „Gottesdienst“. So haben sie ihre für heute Nachmittag geplante Demo, die erst vom KVR und dann auch vom VGH (mit völlig nachvollziehbarer Begründung) untersagt wurde, in aller Eile umbenannt, diese Querdenker.
Damit sie sich nach Belieben auch distanz- und maskenlos und vor allem in gewünschter Truppenstärke dort versammeln und ihre plumpen Phrasen dreschen predigen können. In Bayern unterliegen Gottesdienste unter freiem Himmel nämlich keiner Beschränkung der Teilnehmerzahl. So macht man das, nimmt man halt einfach mal die Religion zu Hilfe.

Nicht zu fassen. Eigentlich müsste doch allen, die denken, egal ob quer oder geradeaus, auffallen, wie dummdreist oder blasphemisch das ist. Und wie schade, dass ausgerechnet in dieser Hinsicht die nächsten vier Wochen keine Ruhe zu erwarten ist.

Ansonsten: It’s closing time.

Mit ein paar anderen Wasserjunkies pflüge ich ein letztes Mal zu jener Abendstunde, in der das Schwimmbad grundsätzlich am leersten ist, durch das riesige Becken.
Jede einzelne Bahn mit Bedacht und fast feierlich geschwommen, das hatte auch ein bisschen was von einer Messe, die jeder still und konzentriert für sich allein zelebriert (und doch sind wir alle im selben Wasser).

Erstmals in meinem Leben schwimme ich 2.800 Meter am Stück. 100 für jeden Tag der bevorstehenden Schließung (sofern es bei den vier Wochen bleibt). Obwohl es sich mit dem Schwimmen ja leider genauso verhält wie mit dem Schlafen: man kann es nicht auf Vorrat betreiben und wochenlang davon zehren (was man aktuell bunkern könnte, wäre lediglich Klopapier und so Kram).

Egal, es tut mir trotzdem gut, das mal auszuprobieren, bis kurz vor Beckenschluss (wie der Zapfenstreich im Schwimmbad genannt wird) zu schwimmen.

Ist viel, aber ging schon – die schweren Beine können sich ja nun lang genug von dem Einsatz erholen.

Die nette Kassiererin verabschiedet sich geknickt in die nächste Kurzarbeit, der Lieblinsgsbademeister ruft einem zum Abschied ein optimistisches „Servus und bis bald!“ hinterher.

Genau wie im Frühjahr werden wir unser Freibad und unseren Sport sehr vermissen in den kommenden Wochen (und die Psychohygiene, die damit verbunden ist, ebenso), aber so ist das nun.

Ab morgen wird wieder Gugelhupf gebacken, das hat sich schon mal bewährt.

Song des Tages (62).

Das neue Springsteen-Album (wir berichteten hier) bescherte mir einen Song, bei dem ich nach dem ersten Hören ahnte: den werde ich lieben!
Und so kam es auch – ein paarmal angehört, die Lyrics inhaliert und seither x-mal angehört, so langsam klappt auch das Mitsingen (man lernt diese Texte ja leider nicht mehr in a wink of an eye, so wie das in den 80er und 90er Jahren noch der Fall war), bin schon immer der Typ gewesen, der sich an sowas regelrecht besäuft.
Überlebt der Song dieses Besäufnis, bleibt er mir für immer, und ansonsten war’s halt ein toller Rausch, ein intensiver Trip, eine kleine Orgie für die Ohren, an die man sich gern erinnert.

Das Stück, in das ich mich verliebt habe, heißt „Song for Orphans“. Wenngleich es nur bedingt der Bruce darin war, den in den ich mich verliebte, sondern vielmehr der Bob.
Schon mit den ersten Takten von „Song for Orphans“ tritt Mr. Dylan durch die Tür, erst rein instrumental, von Anfang an ist es da, dieses herrliche, geleierte Dylan-Gequietsche (freilich nur für den, der’s mag), die Mundharmonika vor allem, und kurz bevor der Gesang einsetzt, ja, da hörte ich’s schon, was gleich kommen würde, in mir sang es ein „May God bless and keep you always, may your wishes all come true“, dieser göttliche Beginn von „Forever young“, der so beiläufig und zugleich so wohlplatziert daherkommt und einen sofort mitnimmt in die Geschichte, die erzählt wird, ein Auftakt, der einen mitreißt in eine Bilder- und Klangwelt, in die man Hals über Kopf eintauchen möchte, um vorübergehend und wie in einem Sog, einem Strudel darin unterzugehen. So ging mir das mit etlichen Liedern aus der Feder des Herrn Robert Allen Zimmerman, erst neulich wieder in dem uralten „To Ramona“ versunken, allein wegen der Zeile „your cracked country lips I still wish to kiss“ (und wie er diese paar Worte ausspricht!).

Als Springsteen in „Song for Orphans“ zu singen beginnt, ist von Gott und sich erfüllenden Wünschen zwar weit und breit nichts zu hören, stattdessen vernehme ich ein „Well the multitude assembled and tried to make the noise“, das allerdings von der Metrik fast 1:1 übertragbar wäre auf den zuvor assoziierten Dylan-Song, und bei der zweiten oder dritten Strophe dämmert’s mir, dass ich das alles doch vor langer Zeit schon mal irgendwo gehört habe, aber nicht bei Dylan, sondern bei Springsteen selbst, wohl auf irgendeiner der zahllosen Bootleg-CDs, die M. mir damals (vor über 15 Jahren?) mit den Worten „durch diese Sammlung wirst du dich noch an langen Winterabenden durchhören, wenn du mich schon längst nicht mehr kennst“ überreichte (womit er falsch lag).

Ich recherchiere, was es mit dem Song auf sich hat und woher ich ihn kennen könnte und stelle fest: „Song for Orphans“ wurde 1971 geschrieben, dann im Sommer meines Geburtsjahres erstmals aufgenommen, veröffentlicht haben sie ihn erst jetzt (zumindest so richtig offiziell), live wurde er gelegentlich mal zum Besten gegeben, und siehe da, er ist tatsächlich auf einer meiner Bootlegs von M., ein Konzertmitschnitt aus dem Jahre 1973, ein verrauschter, miserabler Mitschnitt, deshalb war meine Erinnerung wohl so schwach (und der Song nicht hängengeblieben). Jetzt aber!

Wen’s interessiert, dem empfehle ich erst die ganz frühe Version aus den 70ern zu hören, danach die aus den 80ern und abschließend dann die letzten Freitag veröffentlichte.
In der Reihenfolge stell‘ ich die drei YouTube-Clips hier auch rein und wünsche viel Spaß beim Nachvollziehen der Entwicklungslinie eines Songs, wie ihn auch Dylan nicht besser hätte schreiben (und vor allem keinesfalls besser hätte singen!) können.

 

 

Wer Nerv, Zeit und Gelegenheit dazu hat, dem sei auch das Dokumentationsfilmchen zur Entstehung des neuen Albums ans Herz gelegt.

Es wurde von Springsteens langjährigem Lieblingsregisseur Thom Zimmy gedreht, hat den Charakter einer winterlichen Bergpredigt (kein Wunder, denn zwei der zwölf neuen Titel zielen genau in diese Richtung, sie heißen „Power Of Prayer“ & „If I Was The Priest“ , wieso „was“?, fragt man sich nur, ein „I am“ wäre aufrichtiger gewesen) und stimmt den Zuschauer/-hörer hervorragend auf nahenden Nachtfrost und erste Schneefälle ein.
Außerdem gibt’s anrührende Rückblicke auf Springsteens Anfänge mit den Castiles, ehrliche Einblicke in die gealterten Gesichter der E Streeter, schwarzweiße Ausblicke aus den Fenstern des Studios im frühwinterlichen New Jersey, in dem sich die Band im November 2019, als man noch nah beieinander sein, singen und werkeln durfte, für einige Tage verschanzt hatte, um „Letter to you“ aufzunehmen. Leider derzeit nur via AppleTV erhältlich oder wenn man Freunde hat, die Freunde haben, die irgendwelche Kontakte haben, die das irgendwie gezippt und irgendwo verschickbar abgespeichert haben, na, Sie verstehen schon und dürften mich ggf. kurzfristig als Freundin betrachten, sollten Sie Bedarf haben.

Jedenfalls war ich gestern Abend recht gerührt beim Gucken der ersten Hälfte dieser Doku. Die zweite zieh ich mir heute Abend rein, wenn das Fräulein und ich am Tegernsee eingetroffen sind, uns gemütlich auf der Couch eingekuschelt haben und draußen der Schnee leise in den Garten rieselt.
Verreist die etwa schon wieder?, denken Sie jetzt, nicht wahr? Nein, nein, so kann man das diesmal wirklich nicht nennen! Ich gebe lediglich dem Wannenlack, den Lolek gerade eben, während ich diesen Blogbeitrag schreibe, auf die Haarrisse in der nagelneuen Badewanne aufträgt, die Gelegenheit, in aller Ruhe zu trocknen.
Seit dem Ende der Staublausinvasion habe ich, wie Sie vielleicht bemerkt haben, konsequent Abstand davon genommen, Sie mit weiteren Baufälligkeiten des hiesigen Binnenbetriebs zu behelligen, man kann es ja irgendwann nicht mehr hören, dieses Mieterelend, und wen interessieren schon von einem Tag auf den anderen entstandene Risse in neuen Badewannen oder nach Gefahrenklassen gestaffelte Schwellenwerte des Legionellenbefalls in Altbauten, auch wenn Letztere mit dem schönen Akronym „KBE“ abgekürzt werden, was für „KolonieBildendeEinheiten“ steht – die Bilder, die so ein Begriff in einem auslöst, faszinieren mich übrigens sehr).
Gottseidank haben wir die Hütte am Tegernsee für die Dauer der Wannenlacktrocknung für uns alleine, der Papa und seine Gefährtin weilen ja nach wie vor im fernen Venetien, mittlerweile fast quarantäneartig in Ihrem Hotel, schon mal so als Einstimmung auf die Tage ihrer behördlich verordneten Abschottung nach Heimkehr. Der Gatte musste wegen präsenzerfordernder Termine nach Frankfurt reisen, das nach bayerischen Ampelanlagen tiefst dunkelrot wäre, nach hessischen aber nur normalrot vor sich hin leuchtet, trotzdem fühlt man sich ja immer unwohler mit Zugfahrten und großstädtischer Menschendichte, auch insofern bin ich nicht unglücklich mit der Option, aufs Land zu flüchten, solange es nicht das Berchtesgadener Land oder der Landkreis Rottal-Inn ist, wo man nicht mehr vor die Tür darf.

Die Sorge vor einem erneuten Lockdown lässt sich übrigens nicht nur am Füllstand der Klopapierregale oder der Flut an Shitstorms unter den zur Vorsicht mahnenden Corona-Artikeln im Netz ablesen, sondern auch am Verkehrskollaps, wie ihn gestern beispielsweise die Region Tegernsee-Schliersee erlitt: ganztags ein einziger, alle Ortszufahrten blockierender Dauerstau, je ein Hausstand im eigenen Auto eingelockt, weil auf die Straßen hinausgelockt vom gradiosen Sonntagswetter.
An Schönwetterwochenendtagen fahren wir – wie auch schon vor Corona – so gut wie nicht mehr raus ins Oberland. Die Stunden, die man mit Ärgern (kein freier Parkplatz/Sitzplatz, Wanderwege überfüllt, zu viele und zu laute Menschen), Rumstehen (auf der Straße, vor dem Selbstbedienungtresen in den Hütten, an der Eisdiele) und Rumkurven (Parkplatz, Schleichwege, Stauumfahrungen) verbringt, können daheim in der Stadt, die manchmal ja erfreulich leer ist an solchen Tagen, besser und vor allem erholsamer verbracht werden.

Schade ist, dass ich an solchen sonnigen Wochenendnachmittagen nun nicht mehr meinem Ritual nachgehen kann, mein Feierabendbier auf einer Bank an der Theresienwiese zu genießen, weil die Aussicht auf die täglich länger werdenden Schlangen drüben vor den Drive-In-Coronatest-Zelten, auf der anderen Wiesnseite, mich deprimiert.
Zudem bauen sie da seit vorgestern an einem neuen, riesigen Zelt. Ich bin sofort rübergelaufen, um mich zu erkundigen, ob das exakt am Standort des oktoberfestlichen Schützenzeltes errichtete Gerüst der Baubeginn für eine Nachhol-Wiesn ist oder aber ein Lazarett, das die Stadt München schon mal für den Fall der Fälle aufstellen lässt.

Beides erwies sich erfreulicherweise als unzutreffend, wie mir der sehr bayerische Bewacher der Drive-In-Zufahrt am Samstag erläuterte: die Stadt baut hier ein neues, winterfestes Coronatest-Zelt, damit „de se beim Obstrich ned d’Finga obfrian“, die bisherigen Behelfszelte sind offenbar nicht gut genug isoliert.

Wahrlich keine verlockenden Aussichten, so insgesamt (im Übrigen: ich bin dafür, dass das Corona-Palaver in der Schwimmbadumkleide – und gern auch in öffentlichen Verkehrsmitteln, Supermärkten, Wartezimmern etc. – verboten gehört und dort nicht nur Maskenpflicht, sondern auch Schweigepflicht herrschen sollte – vorhin nach dem Schwimmen hätte ich beinahe zwei Weibern meine Flossen nachgeschmissen, weil sie die Ruhe meiner Ankleideprozedur mit ihrer lautstarken Diskussion über die Schikanen unserer Gesundheitsdiktatur zerstörten: Ich lass mich doch nicht nochmal einsperren! geiferte die eine, Ein Winter ohne Sauna wäre das Allerletzte! meckerte die andere, dabei war es das Allerletzte, dass die Inhaftierungsgegnerin ganz offensichtlich ein und dieselbe (hellblaue OP-)Maske seit Monaten trug, so dreckig und zerfleddert wie die aussah).

In dysem Sinne: May God bless and keep you always & kommen Sie wohlbehalten durch diese neue Woche

Eine Ode an die Vergänglichkeit.

München, 23. Oktober 2020, um kurz nach 7 Uhr.
Die noch müden Augen weiten sich schlagartig, als ich die Tageszeitung vom Fußabstreifer nehme.

Der Boss auf dem Titelblatt?!? Das gab’s noch nie!
So gering meine Erwartungshaltung bezüglich des heute erschienenen Springsteen-Albums auch war – da macht das Fan-Herz allein schon aus Gewohnheit einen Sprung.

Beim ersten Morgenkaffee mischt sich bald ein Gefühl des Bedauerns hinzu: leider kein Willi-Winkler-Artikel, und auch Herr Kister hatte selbstverständlich Besseres zu tun, also musste durfte der Hentschel den Verriss schreiben, den die anderen beiden so nicht bzw. anders und würdiger in Worte gekleidet hätten. Was soll’s.

Kosmischer Motor? Brief an Gott? Nun ja.
„Letter to you“, so viel ist klar, ist meilenweit davon entfernt, nochmal ein ganz großer Wurf zu sein. Vielmehr wirkt Springsteen auf diesem Album wie einer, der etwas müde – das Leben ist, man muss das so sagen, weitgehend gelebt und ein langer ruhiger Fluss geworden – am Ufer steht, auf die Weiten eines Sees (vermutlich in seinem Privatbesitz) hinausblickt und nochmal ein paar Steinchen springen lässt. Aus Zeitvertreib, aus Melancholie, aus Nostalgie, und weil er wissen will, ob er’s noch kann.

Manche flutschen ihm etwas zu glatt aus der Hand und über die Wasseroberfläche, manche gehen nach nur einem kläglichen Hüpfer plump unter und nur wenigen auserwählten Steinchen gelingt plattelnderweise eine Fluglinie, die dem Zuschauer/-hörer spontan ein ehrfürchtiges Wow! entlockt. Ja, da schau her, er kann’s noch!

Der 71-jährige Springsteen bückt sich keinesfalls wie alter Mann, wenn er Stein um Stein aufhebt und zum Wurf ansetzt, aber inhaltlich und musikalisch dreht er sich wie ein Kreisel um sich selbst, hat nichts Neues mehr zu erzählen, vertraute Versatzstücke werden aneinander gereiht (und bestenfalls neu gemischt), er sucht nicht mehr nach Antworten auf Fragen, die zu stellen er längst aufgehört hat, zumindest im tonkünstlerischen Teil seines Seins.
Die großen Geschichten, sie sind auserzählt, ab einem gewissen Punkt wird halt vieles Wiederholung, und das ist auch nicht weiter verwunder- oder verwerflich (die wenigsten erfinden sich permanent neu oder sprudeln bis ins hohe Alter ungebrochen vor Kreativität), sondern der übliche Lauf der Dinge, erst recht in einem privilegierten, weil zumindest materiell vollkommen wattierten und abgesicherten Leben.

Der Mann mag zwar immer wieder mit seinen Dämonen und Depressionen zu kämpfen haben, die zahlreichen seiner Songs eine gänsehautbescherende Tiefe einhauchten, aber eine gewisse Sorte „Hungergefühle“, wie sie dem Schaffen seiner frühen Jahre noch anzuhören war, peinigt ihn längst nicht mehr.
Er ist satt. Nicht überfressen, aber eben sehr gut gesättigt. Alles, was jetzt noch kommt, ist der Nachschlag zum Nachschlag, die ebenso überflüssige wie klebrige Kirsche auf dem Sahnehäubchen eines Desserts, das bereits aus purem Genuss verzehrt wurde und für dessen Verspeisen nicht mal mehr ein kleines Hüngerchen die Kaumuskeln in Gang gesetzt hatte.
Aus gediegener Gewohnheit wird die Kirsche nun abermals zerkaut, pappt sich wie immer in die Krone des maroden Backenzahns, aber ja, sie schmeckt schon noch, und sie schmeckt erwartungsgemäß süß. Ein Überraschungsgefühl stellt sich beim Verzehr nicht ein, und so ähnlich ist das auch mit den zwölf Songs von „Letter to you“.

Das im Herbst des Lebens produzierte Winter-Album.

In Summe ist’s ein etwas glanzloser Abgesang auf die ehemaligen Glory Days geworden, das neue Album, zwar sind ein paar Perlen dabei (besser gesagt: schöne Momente und tröstende, poesiealbumartige Miniaturen, sogar ein paar verheißungs- und kraftvolle Ausbrüche hie und da), aber das war’s dann auch schon.
Der einst so wunderbar wummernde Zug, die von einem donnernden Herzschlag angetriebene Dampflok, die ihre treue Fangemeinde über Jahrzehnte stets mitzureißen verstand, hat das Land of Hope and Dreams längst verlassen.
Am Horizont ist ihre Rußwolke noch erkennbar, mit kohlegrauen Kringeln malt sie ein farewell in den düsteren Himmel dieser gespaltenen, zerfallenden, immer fremder werdenden Nation.

Oder steht da doch eher fair well?
Man kneift die Augen zusammen, versucht, ganz genau hinzusehen, aber die Schrift am Horizont, sie verblasst zusehends, mit jedem Lidschlag verschwimmt sie ein bisschen mehr. Und es ist auch unerheblich.
Worte sind manchmal kaum mehr als Schall und Rauch, den Noten ergeht es da keinen Deut besser, und bekantlich ist alles, was man mit Liebe betrachtet (oder hört), auf seine ganz eigene Art und Weise schön (wenngleich über Jahrzehnte wiederholte Liebeserklärungen etwas von einer hängengebliebenen Schallplatte haben – sei’s drum, ich steh‘ dazu).

Die Titelschlagzeile der Süddeutschen, gleich unter der Ankündigung der Rezension zum neuen Springsteen-Album, lautet: „Die Situation ist sehr ernst“.
Freilich gilt diese Überschrift weder dem Boss noch seinem Schaffen, sondern der Pandemie und dem Virus, das der Welt zu schaffen macht, bemerkenswerterweise trifft sie aber auch ein bisschen den Kern des neuen Albums: Es ist eine Ode an die Vergänglichkeit und insofern ist seine Botschaft durchaus ernst.
Leider ist es eine etwas öde Ode. Selbst aus den großen Themen der Menschheit (Freundschaft, Liebe, Abschied, Tod…) lässt sich nicht auf Biegen und Brechen ein großer Klangteppich weben, manchmal wird eben nur ein kleiner Bettvorleger draus.

Nun, da die kalte Jahreszeit anbricht, wird manch einer froh und dankbar sein, wenn er seine noch nackten, bettwarmen Füße auf dieses anheimelnde, flauschige Etwas stellen kann, anstatt sie schon frühmorgens dem unwirtlichen, kühlen Boden auszuliefern.

Ja, es wird kalt.
Hüllen wir uns also ruhig ein in diese testamentarischen Töne, die – bei aller erlauchten Ernsthaftigkeit, die ihren Erschaffer getrieben haben mag – nirgends unangenehm pieken, an alten Narben ziepen oder im verwitterten Mansion on the hill (einem seiner besten Songs der frühen Jahre) fest verriegelte Türen jäh aufreißen und das dahinter eingelagerte Innenleben verstaubter und dunkler Räume offenbaren, dessen Anblick man gerade jetzt (oder überhaupt) womöglich nicht mehr ertragen könnte.

One minute you’re here, next minute you’re gone.
Wo er recht hat, hat er recht, der altersweise, gute Mr. Springsteen.

So, ich geh‘ dann mal eine Runde Schwimmen, grüße die Tramps unter meinen Lesern ganz herzlich, wünsche eine angenehme Lektüre des Briefes, der uns heute aus New Jersey gesandt wurde – und allen anderen ein schönes Wochenende.

Pandemiepommery.

Rituale sind ja, sofern sie nicht gedankenlos repetiert oder zelebriert werden, eine äußerst gute, struktur- und haltgebende Sache.

Zur Zeit ganz besonders, denn die Pandemie-Nachrichten kündigen zunehmend einen Winter an, der zwar recht stayathome-kuschelig werden dürfte, demzufolge steht aber zu befürchten, dass er zugleich ziemlich kontaktreduziert verlaufen wird, je nachdem, wie viele Kuschelgenossen eben im eigenen Hausstand vorhanden sind. Eine wohlüberlegte Auslese der darüber hinaus wichtigsten Menschen und Tiere wird man hoffentlich weiterhin zu diversen AHA-Erlebnissen und gemeinsamen Wanderungen durch die Kälte noch treffen dürfen.

Option 3: Zum befreundeten Rudel reisend.
Hallo Bobby, schön, dich wiederzusehen!

Die drei Tage bei den Braunschweiger Freunden haben das Depot an externem Sozialglück nun nochmal ordentlich aufgefüllt: ein Stadtspaziergang mit A., ein Privatcoaching durch W., dreimal Gute-Nacht-Kuscheln mit B., eine ausgiebige Wanderung durch den Südharz, ein Schwumm im schönen und leeren 50-Meter-Becken des Sportbads, lange Frühstücke, noch längere Abende, leckeres Essen & Trinken und abschließend eine richtige Party anlässlich des vierjährigen Freundschaftsjubiläums, so wie auch schon im letzten Jahr am 17. Oktober. Werden wir beibehalten, dieses Ritual.

Coronamäßig ist man ganz auf einer Linie, was den Umgang mit Nähe und Distanz doch sehr erleichtert und unerquickliche Diskussionen erspart, wir sind uns also völlig einig über die konkrete Ausgestaltung der kleinen Jubiläumsfeier zu Coronazeiten: jeder lümmelt in Hausklamotten auf einem separaten Sofa, statt Aerosolen schwirren herrliche Klänge aus fünf Jahrzehnten Musikgeschichte, ein paar Katzenhaare und Wunderkerzenfunken durch das schummrig-gemütliche Dachgeschoss.

W. kümmert sich um das Kaminfeuer, ich kümmere mich um meine allergiebedingt triefende Nase, A. kümmert sich pünktlich zu Mitternacht um das Öffnen des feierlichen Fläschchens, nur die Haustiere, die kümmert der ganze Zinnober herzlich wenig, die suchen lieber das Weite.

Diese Nacht hat gleichermaßen was von 80er-Jahre Schulparty und Silvester in einer urigen Hütte, wir sind glücklich, dass wir das zusammen erleben dürfen, irgendwer sagt kurz vor dem Korkenknallen den albernen Satz „So jung kemma nimma zamm„, woran uns freilich für einen winzigen Augenblick doch bewusst wird, dass die 80er Jahre ja glatt schon etwas länger zurückliegen, als man’s nach den paar Schlückchen an dem Abend gedacht hätte, überhaupt sind wir recht ausgelassen und albern in diesen Stunden, ein gewisser Galgenhumor ist wahrscheinlich auch verantwortlich für diese Stimmungslage, und vielleicht wäre es an der Zeit, den zahlreichen neuen Vokabeln, die diese komische neue Normalität uns bereits vor die Füße gehustet hat, noch eine weitere hinzuzufügen: Galgenschampus.

Oder Pandemiepommery – das gefällt mir eigentlich noch besser.

Danke, liebe Andrea und lieber Wolfgang, für die schöne Zeit bei bzw. mit Euch und für vier Jahre Befreundetsein, bleibt gesund, kommt gut durch den Winter und schaut immer nach vorn: bei unserer nächsten Party am 17.10.21 gibt’s dann bestimmt schon einen Vakzineveuveclicquot! 🙂🥂🍾💛

Himmel der Bayern (86): Auf den Spuren des „Man in black“.

Unangenehm kalt und windig ist es in der Früh. Der Gatte schleppt seine Reisetasche zur Tür, schlüpft in den Mantel und reist ab in sein Erdhaus, das dann in letzter Sekunde doch noch zu einem Quartier mit anständigen Mauern drumrum (und drinnen mit einem richtigen Bett anstelle des Laubhaufens) mutiert ist. Somewhere out of Rosenheim.
Wir wünschen ihm gute Erholung, schließlich steht die strapaziöse Phase der Läufigkeit des Fräuleins erst noch bevor, und dann werde ich ohne Hund ausgeflogen sein (endlich mal wieder eine Gelegenheit für das Futur II) und er ein paar Tage allein daheim.

Bis kurz vor 12 sitze ich am Schreibtisch, dann packe ich das Dackelfräulein mit der Androhung „Heut machen wir mal was ganz anderes!“ ins Auto. Sie schaut mich etwas bang an, rollt sich dann aber auf ihrer Decke ein und pennt.

46 Minuten später steigen wir an einem Waldparkplatz westlich von München aus.
Es weht noch immer ein frischer Wind, der Himmel ist grau, es riecht nach Regen. Wurscht, auf geht’s!

Als erstes ein Gruß aus dem feuchten Unterholz: Eine Mücke fliegt mir in den Ausschnitt und sticht mich neben das Schlüsselbein. Andenken, von denen ich mindestens zwei Wochen lang intensiv zehre und die seit Neuestem einen lila Fleck auf meiner Haut hinterlassen, der noch Monate nach dem Stichtag erkennbar ist (wenn ich das bei meiner Mückenstichausbeute pro Saison mal grob hochrechne, dürfte ich spätestens zu meinem 60. Geburtstag völlig lila sein).

Anstelle einer Wandertafel oder eines Wegweisers begrüßt uns das hier:

Da flieht man vor dem Virus und der Großstadt und den Menschen und den Rüden… – aber irgendwas ist immer, irgendeine Gefahr lauert halt auch noch in der letzten Einöde oder in den Weiten der Wälder.

Und dieser Wald hier, der ist sowieso anders. Ganz anders.
Wir geraten zwar nicht in einen Regen, folglich auch nicht von dort aus in eine Traufe, stattdessen aber in Teufels Küche.

Die allerdings der Wahnsinn ist, so rein landschaftlich betrachtet. Die Teufelsküche ist ein riesiges Quell- und Naherholungsgebiet südlich von Landsberg am Lech, sie gehört zur Pössinger Au und ist durchzogen von zahlreichen Wanderwegen.

Wilde Schluchten, hinabstürzende Bächlein, urwaldähnliche Steilufer, modrige Waldtümpel, vermooste Hänge, kleine Wasserfälle – das Fräulein ist außer sich vor Freude.

Der Sage nach ist in der Gegend einst eine Frau, die im Rufe stand, eine Hexe gewesen zu sein, ihrem Sarg entstiegen und hatte an ihrer Grabstelle nur einen Kohlenhaufen hinterlassen. Die entsetzten Landsberger trugen diese Kohlen aus der Stadt hinaus, zur Teufelsküche, um sie dort ins Wasser (also in den Lech) zu kippen, doch die Kohlen gerieten plötzlich von selbst in Brand und der Rauch ist angeblich immer noch über der Teufelsküche zu sehen.

Der einzige Rauch, den man hier und heute noch sehen könnte, wäre wohl der des Schornsteins der gleichnamigen Ausflugsgaststätte. Weil die aber montags Ruhetag hat, weshalb wir, die Freunde der Einsamkeit und Ruhe, ja heute dort unterwegs sind, raucht es nirgends.

Das türkisgrüne Wasser des kleinen Waldsees erinnert mich an die Blaue Lagune auf Gotland, der Weg durch die Schlucht lässt mich an die Wanderung durch den Küsnachter Tobel zurückdenken…, aber ein Schild holt mich jäh in die Gegenwart zurück:

Kopfbedeckung tragen? Langsam gehen? Angriff mitteilen? Sappradi!

Schnell steigen wir hinauf zum Lech-Höhenweg, verkrümeln uns auf dicht bewipfelte Nebenpfade, und googeln sicherheitshalber mal, wann er denn brütet, dieser Kampfgeier, der sich auf mein Mäuschen und mich stürzen könnte. Ende März bis Anfang Mai, na dann!

Wir wagen uns wieder auf die Hauptwege zurück und später auch an den Lech hinunter. Nichts los auf dem schönen Uferweg, nur ab und an ein Nagelfluhbrocken. Außer dem Ruf des Eichelhähers und dem whirlwind in the thorn trees (geklaut aus dem Song „The Man Comes Around“ von Johnny Cash) ist es herrlich still hier.

Das war arg jetzt holprig, ich weiß schon, aber irgendwie muss ja die Überleitung gelingen.
Hä?, denken Sie nun sicher, oder (die etwas Komplexeren unter Ihnen): Was hat denn der versoffene Cash jetzt mit der Teufelsküche und dem Lechwanderweg zu tun?

Ganz einfach: „I went downtown to a store in 1952 in Landsberg and paid about 20 marks for the guitar. That’s where I learnt to play on.“ (aus einem Interview mit J. Cash, 1997)

Dass Elvis Presley als Soldat in Deutschland war, das weiß so ziemlich jeder. Weitaus weniger bekannt ist dagegen die Geschichte von Staff Sergeant John Ray Cash, der in der Landsberger Kaserne bei Penzing, die man sogar von der Autobahn aus erspähen kann, zur Musik fand. Fast auf den Tag genau vor 69 Jahren kam der junge Cash in Landsberg an. Kurz drauf, am 13. Oktober 1951, sah er im Truppenkino den Film „Inside the Walls of Folsom Prison“. Ein paar Monate später kaufte er sich eine Gitarre, fünf Jahre danach veröffentlichte er, wieder zurück in den USA, den „Folsom Prison Blues“, einen Song, den er hier, in der oberbayerischen Lechstadt, komponiert hatte.

Cash schrieb in den drei Jahren, die er in Landsberg stationiert war etliche Songs, übte wie ein Besessener Mundharmonika und Gitarre, tingelte durch die Lokale der Stadt und spielte sich nächtelang die Finger wund. Trank zu viel, langweilte sich in seinem Job, guckte sich an seinen freien Tagen in Oberbayern um und vermisste seine Vivian, in die er sich kurz vor seiner Versetzung nach Deutschland verliebt hatte:

„Liebste Viv, heute bin ich in die Poststelle und habe nach meiner Post gefragt. Und stell dir vor! Ich habe von dir noch keine Briefe bekommen. Was ist los, Schatz? Hast du deinen Stift verloren? Gut, ich habe meinen noch, und ich werde dich mit meinen Briefen quälen, bis ich einen von dir kriege. Ich habe ohnehin nichts anderes zu tun, als zu schreiben, obwohl es Samstagabend ist. Ich hatte bisher einen sehr friedlichen Abend. Ich war heute im Kino und habe den Thriller „Folsom Prison“ gesehen – und weißt du was? Wir haben heute Vollmond, und er ist fast so groß wie in Texas. Das einzige, was nicht passt, ist, dass wir nicht zusammen sind.“ (J. Cash in einem Brief vom 13.10.1951)

Telefonieren war den Soldaten nur einmal im Jahr erlaubt (verklickern Sie das mal heutzutage einem verknallten Twen!), Heimaturlaub erhielt er gar keinen (das heißt, das Pärchen sah einander drei Jahre lang nicht!), also schrieb er Vivian fast täglich einen Brief (kann sich heut auch kaum einer mehr vorstellen: einen Stift zur Hand zu nehmen und der/dem Liebsten zu schreiben!). Das waren noch Zeiten!

Direkt nach seiner Rückkehr heirateten die beiden.

„Einen schrecklichen Moment lang dachte ich, sie [Anm.: das Militär] würden versuchen, mich lebenslänglich an sich zu binden, aber das taten sie nicht. Sie ließen mich gehen. Es war gut, dass sie mich gehen ließen. Das Bier und die Wurst schmeckten hervorragend, aber ich sehnte mich danach, wieder in den Südstaaten zu sein.“ (aus einem Interview mit J. Cash, 1997)

Kurz vor der Heimreise nahm Cash in München noch seine erste Platte auf, in einem kleinen Studio in Hauptbahnhofnähe, danach begann seine Weltkarriere beim Label Sun Records.

Wir laufen also begleitet von den whirlwinds in the thorn trees lechaufwärts, bis wir Cash-City erreichen.
Drehen eine große Runde durch das hübsche Städtchen…

…bis das Fräulein etwas müde wirkt und ich hungrig und durstig bin. Seit meiner bescheidenen Stulle (Dinkelsesamseele mit Käse drauf) und einem Heißgetränk (Tee aus der Thermoskanne) in der Teufelsschlucht habe ich nichts mehr zu mir genommen und wir sind ja nun doch schon einige Zeit unterwegs.

Merken Sie sich bitte unbedingt: in Landsberg am Lech haben montags fast alle Lokalitäten geschlossen. Das ist coronatechnisch prima, weil in der Stadt absolut nix los ist, denn die Touris wollen schließlich Futter und dafür nicht ewig herumlaufen und suchen müssen.

Mit Müh und Not finden wir ein kleines Café, das geöffnet hat und lassen uns an einem der drei Tischchen nieder. Für einen Safrankeks nebst Cappucino tut’s das schon, gemütliche Einkehr geht anders.

Beleidigter Hund unterm Barhocker.

Wir sind schließlich nicht zum Mampfen hergekommen, sondern wegen der Teufelsschlucht, den Auwäldern und der Kleinstadt, in der ich zuletzt vor vielen Jahren (empfundenermaßen: in einem früheren Leben) bei einem Betriebsausflug war (ich erinnere nur noch die Kollegen, neben denen ich im Bus saß und das sehr durchschnittliche Essen auf irgendeiner Terrasse in einem Altstadtwirtshaus, bevor es wieder heimwärts ging).
Ziemlich sicher hat mich der Papa in meiner Kindheit auch schon mal hierher gekarrt (denn es gab keine oberbayerische Stadt, die nicht irgendwann aufgesucht und angeguckt wurde, damit das Kind eine Bildung und eine Orientierung bekommt), aber jener Besuch muss mir komplett entfallen sein. Wahrscheinlich gab es kein leckeres Eis oder keine Tiere, die man streicheln konnte, und dass es hinter der östlichen Stadtmauer von Landsberg fast genauso ausschaut wie in den Wiesenhügeln neben der Ringmauer in Visby auf Gotland, wo bekanntlich Pippi Langstrumpf gedreht wurde, damit hat er mich nicht locken können, der Herr Vater, weil er das nicht wusste, da er mit Skandinavien leider nie was am Hut hatte.

Nach dem Kaffeepäuschen und ein paar kontemplativen Minuten am Lechfall – zwischenzeitlich pfeift der Wind etwas weniger und die Sonne blinzelt immer öfter durch die Wolkendecke – geht’s weiter.
Eine letzte Station haben wir noch, bevor wir uns auf den Rückweg zum Wanderparkplatz machen wollen.

Landsberg am Lech: Die nördliche Seite der Schulgasse.

Das Musikhaus Ballach in der Schulgasse, in dem Johnny 1952 seine Gitarre erstand, die er anschließend sechseinhalb Kilometer durch den eiskalten Wald hinauf zum Fliegerhorst trug, existiert nicht mehr. Erwartbar, dennoch schade.
Der Herrenausstatter, bei dem ich nachfrage, kann den Standort der ehemaligen Musikalienhandlung zumindest auf vier Hausnummern und eine Straßenseite eingrenzen – suchen Sie sich also einfach aus, welches Häuschen Ihnen für einen Klampfenkauf am geeignetsten erscheint.
Ich bin für die Vinothek Wein & Sein und beschließe einfach, dass das der Cash-Laden gewesen sein soll (auf keinen Fall war es das Nagelstudio Orchid Nails am Ende der Gasse, so viel ist klar).

Die Stunde Fußmarsch zurück vergeht dann wie im Fluge, weil wir diesmal den Weg durch den Wildpark wählen. Bevor wieder jemand mault und meckert: Ja, da darf man mit Hund hinein. Angeleint, versteht sich. Ja, machen wir auch brav, wir sind ja nicht deppert. Denn da laufen ja Rehe herum. Und Wildschweine. Letztere erfreulicherweise nur im Gehege.
Jedenfalls gibt es viel zu schauen und viel zu schimpfen, das gilt für uns beide gleichermaßen.Nach 13,92 Kilometern sind wir wieder am Parkplatz angelangt. Der whirlwind hat sich gelegt. Der Bussard hat uns nicht den Skalp geraubt. Der afrikanischen Schweinepest sind wir hoffentlich auch entkommen.Schön war’s. Vielfältig. Regenfrei. Bunt.
Wir kommen auf alle Fälle nochmal hierher. Durchaus wieder montags, wenn fast alles zu hat.Auf der Heimfahrt hören wir…, na was wohl? Genau!
Aus dem Spätwerk hier für Sie eine nächtliche Kostprobe, in meinen Augen bzw. Ohren einer der besten Cash-Songs überhaupt.

Johnny Cash erzählte einmal, dass ihn kein Song so viel Zeit gekostet habe wie dieser – mehrere Dutzend (!) Strophen schrieb er und nur vieren gelang der Einzug in die finalen Lyrics (plus die beiden Refrainstrophen). Die Idee für das Lied entsprang einem Traum, den Cash in den 1990er Jahren hatte und in dem er der Königin von England begegnet war, die ihn mit einem Dornbusch im Wirbelwind verglich. Coole Sache, oder? Wenig später stieß Cash dann im Buch Hiob erneut auf diese Metapher und verwurstete nun den whirlwind in the thorn tree im Refrain von „The Man Comes Around“.
Ein biblisch düsterer und berückend morbider Song. Einer seiner letzten zudem.

Lassen Sie sich für ein paar Minuten mitnehmen von den apokalyptischen Reitern und schlafen Sie danach trotzdem gut!

Hear the trumpets, hear the pipers
One hundred million angels singin‘
Multitudes are marching to the big kettle drum
Voices callin‘, voices cryin‘
Some are born and some are dyin‘
It’s Alpha and Omega’s Kingdom come.

And the whirlwind is in the thorn tree
The virgins are all trimming their wicks
The whirlwind is in the thorn tree
It’s hard for thee to kick against the pricks.

Song des Tages (61).

Da saßen wir heute Nachmittag, wir zwei, inmitten einer unserer Lieblingsgegenden, ließen die stimmungsvolle Gassirunde mit unseren beiden Mädels nachklingen, und plötzlich, so zwischen Breze, Nusskuchen, Cappucino und diversen Themen und Traumfetzen, denen wir in unseren Tassen rührend nachhingen, klang noch etwas anderes an, etwas, über das wir noch nie gesprochen hatten und das uns offenbar beide gleichermaßen bewegt, und ausnahmsweise offenbartest du dabei mal eine Bildungslücke, lieber M., die ich hiermit schließen möchte, und zwar gleich doppelt, denn das hält bekanntlich besser – such dir einfach die Variante aus, die dir mehr zusagt!

 

(Eigentlich wollte ich ja heute zunächst mal über gestern bloggen, dann kam mir aber mit aller Macht das Heute dazwischen, so dass das Gestern nun noch bis morgen warten muss – die Brandenburger mögen es mir bitte nachsehen.)

Song des Tages (60).

Zum 23. September 2020.

„His hair is silver and black, cropped short, and on his still-lean torso is a thin white undershirt not unlike the one he wore on the cover of Darkness on the Edge of Town, with a low, ribbed neck and a tiny hole on the side.“
[Brian Hiatt: „Ghosts, Guitars, and the E Street Shuffle“, in der aktuellen Ausgabe des Rolling Stone]

Gemeint ist dieses Cover aus dem Jahre 1978.

Muss man(n) auch erstmal hinkriegen, den still-lean torso, mit 71 Lenzen.

Aber das ist natürlich nicht der Grund, weshalb es sich – womöglich sogar für Nicht-Fans – lohnt, das lange Feature zu lesen (und das Video vom Fotoshooting am Ende des Artikels rückt das mit dem Oberkörper dann eh etwas zurecht: müde schaut er aus, und der depressive Zug um die Augen, der ist auch wieder stärker erkennbar).

Das Geburtstagsständchen haben andere Tramps bereits vorbereitet, dem schließe ich mich voller Inbrunst an und danke an dieser Stelle dem geschätzten Mr. Spike ganz herzlich für seinen diesbezüglichen Hinweis samt Link sowie der impliziten Aufforderung, dass das doch was für meine Blog-Rubrik „Song des Tages“ wäre.
So einem Leserwunsch kommen wir freilich gerne nach!

Achten Sie übrigens unbedingt auf die Deko in den diversen Fan-Haushalten, die herrlichen Tanzstile und diese köstliche Mischung aus Andacht und Pausbackigkeit in mindestens 50% der Gesichter (mein klarer Favorit ist der nette, langhaarige und äußerst dynamische Bursche vor seiner rauchgraublauen, mit Devotionalien verzierten Wand, dicht gefolgt von dem coolen, jungen Saxophonisten im weißen Muskelshirt).
Nach 35 Fanjahren, die ich nun auf dem Buckel habe, fühl‘ ich mich da vergleichsweise harmlos!

In diesem Sinne: Happy Birthday, Bruce 💙💛💙 & special greetings to Oberkirch, Kos, Göteborg, Küsnacht, Köln, Zweibrücken, Berlin &Teisendorf!

Zamperl goes Züri!

Gestern ein langer Tag in Zürich.
Mit Hund sind solche Stadtrundgänge etwas strapaziös, man muss aufpassen, sich ja nicht zu viel vorzunehmen und – speziell im Sommer – ausreichend Pausen einzulegen. Erst recht, wenn Shopping angesagt ist. Selbstverständlich nicht für mich. Erstens gehe ich so gut wie nie Shoppen und zweitens schon gleich gar nicht in Zürich.

Ich nutze lediglich die Chance, für Pippa wieder ein originales Appenzeller Halsband zu besorgen, das vor einigen Jahren gekaufte hat letzten Winter den Geist aufgegeben (Kuhbruch, Ledermuff, Schnallenriss), so dass sie seither mit einem Tegernseer Plagiat herumlief, was natürlich an sich wurscht ist, vor allem dem Hund, aber da Madame ja gelegentlich als Model arbeitet, muss auf einen gewissen Standard ihrer ohnehin spärlichen Garderobe dann doch geachtet werden.

Der Herr Caspar, mit dem ich bereits von München aus korrespondierte, wegen Maß, Leder und Ornamenten, hatte die gewünschte Halsung extra aus dem Lager geholt und empfing uns zur verabredeten Zeit in der Boutique am Neumarkt (zwei Häuser weiter bemerke ich einen Shop, der meinen Namen trägt, das ist mir noch nirgendwo untergekommen).

Wir mussten uns ein bisschen sputen, um pünktlich zu sein (und Pünktlichkeit wird hier noch größer geschrieben als in heimischen Gefilden), weil wir zuvor mit einer Freundin des hübsch Bewimperten am Tessiner Platz zum Lunch verabredet waren (ein Dankeschön-Treffen für die Überlassung des Maiensässes in Pretty Prättigau) und daher einmal von West nach Ost die Innenstadt zu durchqueren hatten.

Das Dackelfräulein hechelt hinter mir her, an jedem Brunnen, derer es in Zürich gottseidank viele gibt, halten wir für ein Trinkpäuschen an, auch an dem, der zu Ehren des berühmten Herrn Koller erbaut wurde.

Schon ein schönes Einkaufserlebnis in dem Lädchen am Neumarkt, vor allem für das Fräulein: erst ein Hirsch-Snack, dann Anprobe, anschließend Kurzkraulung, zum Abschied nochmal ein Leckerli (ich widerstehe der für ein paar Sekunden aufpoppenden, albernen Versuchung, mir einen Gürtel oder ein Armband im Partnerlook zu kaufen – eh nicht schwer, wenn man die Preisschilder sieht und modisch sowieso einfach nur peinlich, wenn man nicht von hier ist oder die eigenen Klamotten halbwegs dazu passen).

Zweierlei gönne ich mir dann doch: eine Kaffee-und-Kuchen-Pause in einer lauschigen Gasse…

…und eine kleine Rundfahrt auf dem Zürisee, die nichts kostet, weil das Tagesticket für die öffentlichen Verkehrsbetriebe erfreulicherweise auch Wasserwege beinhaltet.

„Klein“, das bedeutet auf dem Zürisee anderthalb Stunden, aber das tut sowas von gut, einfach mal die Füße hochzulegen, in der Sonne zu sitzen und den Blick über all die schönen Ortschaften am Seeufer schweifen zu lassen, einer lippenaufgespritzten Blondine beim Verzehr ihrer drei Salatblätter zuzugucken (vermutlich eine große Mahlzeit für sie), sich darüber zu freuen, dass die Visage ihres Mackers zur Hälfte hinter einer Maske mit Ferrari-Logo verschwindet und nebenbei der Unterhaltung einer Schweizer Familie zu lauschen (diese „ch“-Laute begeistern mich).

Ganymed, der Schönste unter den Sterblichen, winkt uns zurück in den Hafen und in der Abendsonne sitzen wir noch lange im Arboretum, bis wir schließlich über den Mythenquai und den Bürkliplatz zurückspazieren nach Bellevue, von wo aus unser Bus nach Küsnacht abfährt.

Was übrigens so gar nicht zu dem gemächlichen, moderaten Schweizer Naturell passt: die hiesigen Busfahrer und ihr Fahrstil.

Die heizen hier dermaßen durch die Hügel und Uferstraßen, dass man in jeder Kurve und bei jeder Bremsung brutal in den Sitz gepresst wird und den kleinen Hund besser auf den Schoß nimmt, damit er nicht kreuz und quer durch den Bus geschleudert wird. Da blitzt ja glatt mal ein Temperament auf, mannomann, und erstaunlich auch, dass alle anderen Fahrgäste daran schon so gewöhnt sind, dass sie nicht mal mehr mit der Wimper zucken ob des Gebretters.

Abends dann ein Gin Tonic, der mir etwas zusetzte, weil ich alles, was prozentual krasser daherkommt als mein sanftes, bernsteinfarbenes Weißbier nicht vertrage. Erst morgens, nach dem recht frischen Freibadbesuch (der Schweizer schwimmt kälter, und zwar deutlich), wieder einen vollständig klaren Kopf gehabt.

Heute relativer Ruhetag. Nur eine zweistündige Wasserfall- und Drachenhöhlenrunde durch den Tobel. Die Fee ist glücklich. Ich auch. Gefällt uns letztlich besser als jeder Stadtausflug.

Die Freundin hat ihre Arbeitswoche nun beendet, zum Abendessen geht es nachher hinunter an den See. Morgen eine Wanderung mit Kind und Kegel, d.h. mit den 2 Jungs und dem 1 Jagdhund.

Von sieben (!) verschiedenen Seiten erhalte ich die Nachricht, der Barde aus New Jersey habe nun das Release-Datum seines neuen Albums verkündet.
Danke, ihr Lieben, ich hätte das hier im fernen Nicht-EU-Ausland und mit nur sehr sporadischem Netzzugang glatt verpasst!

„The Power Of A Prayer“ heißt einer der zwölf Titel, „If I Was A Priest“ ein anderer.

Na dann.

Song des Tages (59).

Frechheit, oder?

Haben uns mit raumgreifender Ganzkörpergymnastik am Hundestrand gerächt.

Da haben sie aber geguckt, die überfressenen Promiköter!

This week I took that ride
‚Crossed the border to the helvetic side
Took my baby to the Zurich Lake
Walked her and watched the waves gently break

‚Cause down the shore everything’s all right
Me and my baby in sweet September light
Nothing matters in this whole wide world
When you’re together with a dachshund girl

Von unseren sieben Stunden in Zürich berichten wir Ihnen wahrscheinlich erst morgen.

Das mit dem MNS klappt dort jedenfalls nicht so perfekt.

1 Ordnungspunkt Abzug für die Schweiz!