Song des Tages (31).

I woke up in the darkness scared and breathin‘ and born anew
It wasn’t the cold river bottom I felt rushing over me
It wasn’t the bitterness of a dream that didn’t come true
It wasn’t the wind in the grey fields I felt rushing through my arms
No no baby it was you
So hold me close honey say you’re forever mine
And tell me you’ll be my lonely valentine

Song des Tages (30).

Neben seinem zeitaufwändigen Job an der Universität ist der Gatte ja auch nebenberuflich noch recht aktiv. Vorträge, Interviews, Gutachten,… – der mit Abstand wichtigste Nebenjob aber ist sein Amt als Serienbeauftragter. Ich erledige ja bei uns daheim absolut alles außer Bügeln – und um die Beschaffung des Stoffs neuer Serien kümmere ich mich ebenfalls nicht.

Über die Jahre ist es ihm gelungen, sich in diesem verantwortungsvollen Amt so viel Expertise anzueignen, dass er es zu meiner größten Zufriedenheit ausfüllt.
Die Weihnachtszeit wurde dank seiner guten Planung und stets pünktlichen Besorgungen zu einem Fest sondergleichen, auf das ich mich wieder freue wie seinerzeit zwischen 1976 und 1982 (die kurze und einzige Ära, in der ich diesem Ereignis positiv gegenüberstand).
Die meiner heftigen Quinn-Sucht stante pede folgenden Entzugserscheinungen verstand er binnen weniger Wochen durch eine gradniose Kiefer-Kur nachhaltig zu lindern, und ich erinnere mich auch noch gut daran, dass er meine Mikkelsen-Manie ähnlich schnell heilte (leider habe ich vergessen, durch wen oder was: Brody, Dexter,…?, egal, er fand ein wirksames Trostpflaster).

Meist organisiert er unsere Serienphase (die Ende November, wenn die letzten Blätter gefallen sind, eingeläutet wird und spätestens zu Beginn des Sommersemesters Anfang April wieder endet) so, dass wir mit ein oder zwei nicht allzu aufscheuchenden Serien zum Warmmachen starten (diesmal: „Die Erbschaft“) und uns die großen Knaller und Highlights für den Feiertagsmarathon zwischen dem 24.12. und 06.01. aufheben (diesmal: „Homeland“ und „Die Brücke“).
Danach wird dann meist das Genre gewechselt (diesmal: „The Handmaid’s Tale“), anschließend folgen parallel zu den letzten, für den Herrn Serienbeauftragten sehr anstrengenden Wintersemester-Wochen, ein paar Kurz-Serien in loser Reihung.
Diesmal waren das „The Team 2“ (lohnt sich nicht: Jürgen Vogel hat es mit Schnoddrigkeit und Muskeln endgültig übertrieben, eine der Kommissarinnen ist viel zu jung und unglaubwürdig), „Braunschlag“ (ein kleines Meisterwerk unserer österreichischen Nachbarn, mit einem spitzenmäßigen Nicholas Ofczarek – 1000 Dank an dieser Stelle nochmal an meinen Blogger-Kollegen Bernd für die beiden Ofczarek-Interviews und den neuesten Serien-Tipp mit diesem grandiosen Kerl) und – gerade fertiggeglotzt – „Sharp objects“.

Die von Patricia Clarkson fantastisch dargestellte Mutter (deren Vorname – Adora – nicht besser hätte gewählt sein können) in dem Südstaaten-Schauerstück weckte dermaßen ungute Erinnerungen an die Mutter (also die meine): diese Fassade aus strahlendem Lächeln und größter Empathie (dahinter nichts als eigene Ängste und Verletzungen), unter der blütenweißen Schürze aber geschickt den Kochlöffel verbergend für den nächsten Schlag auf die Tochter (die früh davonläuft und nie wieder zurückkehrt) – dass mir das in rauen Mengen praktizierte Zudröhnen mit Led Zeppelin und Wodka, das die Protagonistin Camille, Adoras Tochter, tagtäglich betreibt, geradezu konsequent erscheint. Puh!!!
Bin ich froh, dass es bei mir noch mit einigermaßen moderat dosiertem Bruce Springsteen- und Weißbier-Konsum getan ist, hätte die Mutter, wie Adora, neben ihrem So-Sein und dem alltäglichen Vexierspiel rund um ihr Befinden auch noch das Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom (offenbar eine beliebte Ingredienz für Serien, wir kannten es schon aus „Die Brücke“) gehabt – na pfiatdigod!

Der Soundtrack zu „Sharp objects“ durchaus ein Hinhörer: nach Episode 5, die besonders übel war, hätte mich beispielsweise das den Abspann untermalende „Pa’lante“ glatt weggebelasen, wenn ich da nicht bereits tief in die Sofakissen gepresst und noch etwas starr vor Schreck gewesen wäre.

Hurray for the Riff Raff. Toller Bandname.
Und ein klasse Americana-Song, dieses „Pa’lante“ = Kurzform von „para adelante“ = nach vorne, vorwärts = immer gut und deutlich besser als der Blick zurück, was auch mein persönliches Fazit dieser Mini-Serie war.

Ich wünsche dem Serienbeauftragten eine gute Reise nach Mainhattan und der Leserschaft eine erfreuliche, traumafreie Woche mit möglichst viel guter Musik!

Song des Tages (29).

Ich kann diesen Ort nicht ausstehen.
Scheinheilig liegt das Radiologicum an der Münchner Freiheit, aber von Freiheit ist nichts spürbar dort, es ist ein Ort der Enge, der Beklemmung, der Sterilität und der Technik. Es thront im 5. OG über den Dächern Schwabings, im gläsernen Aufzug schwebt man hinauf, trockene Lippen, kreislaufschwach, klamm an Händen und Füßen. Immer im Januar. Und immer ist alles grau: der Himmel, die Fassaden, die Stimmung. Heute auch ich: graue Stiefel, graue Jeans, grauer Mantel, graue Handschuhe. Nur der Schal ist türkis und die Überweisung hellgelb und der U-Bahnhof eigentlich auch ganz farbenfroh.

Der Befund dann allerdings der Beste seit Jahren, so dass der Radiologe nach kurzem Grübeln meint, man könne künftig glatt nur alle zwei Jahre kommen, was einen nach 16 Jahren schon sehr zu hören freut.
Erleichtert verlasse ich die Praxis, gehe zum Aufzug, eine kleine Frau steht dort und wartet. Wir steigen gemeinsam in den Glaskubus ein, ich meine, ich hätte sie schluchzen hören, bin mir aber nicht sicher. Als ich die „EG“-Taste drücke, sehe ich ihr Gesicht. Sie weint. Wie eine Comicfigur weint sie: die Tränen spritzen regelrecht links und rechts aus ihren Augenwinkeln heraus. Ihre Arme hängen wie leblos links und rechts neben ihrem recht rundlichen, in einen gesteppten Daunenparka gezwängten Körper herunter. Sie ist schätzungsweise so alt wie ich.
Ich fummle ein Päckchen Taschentücher aus meiner Manteltasche heraus, halte sie ihr hin und sage „Nehmen Sie doch eines!“.
„Jetzt habe ich Krebs…“, entgegnet sie, greift nach den Taschentüchern und fährt nach kurzem Naseputzen fort: „…und mein Freund hat sich zu Silvester aus dem Staub gemacht. Jetzt bin ich allein, jetzt bin ich nichts als allein.“.

Was ich ganz spontan antworten möchte, wage ich nicht zu sagen (zu banal und zu unpassend womöglich), also sage ich gar nichts und greife stattdessen mit beiden Armen um die schluchzende Daunenkugel herum und halte sie fest bis der Aufzug fünf Etagen später „Bing“ macht, weil er das Erdgeschoss erreicht hat, und dann nochmal „Bing, bing“, weil seine Tür sich öffnet und er die beiden Frauen gemeinsam in die Kälte und das Grau entlässt, wo sich ihre Wege alsbald trennen.

*****

But there’s things that’ll knock you down
You don’t even see coming
And send you crawling like a baby back home
You’re gonna find out that day sugar

When you’re alone you’re alone
When you’re alone you’re alone
When you’re alone you’re alone
When you’re alone you ain’t nothing but alone

I knew some day your runnin‘ would be through
And you’d think back on me and you
And your love would be strong
You’d forget all about the bad and think only of all the laughs that we had
And you’d wanna come home

Now it ain’t hard feelings or nothin‘ sugar
That ain’t what’s got me singing this song
It’s just nobody knows honey where love goes
But when it goes it’s gone gone

*****

Im Spätsommer 2014, auf meiner Reise durch Südschweden und Gotland, hörte ich viel Musik. Lange Autofahrten sind ja wie gemacht dafür und zu fast jeder meiner Stationen erinnere ich noch das Lied, das ich zur Ankunft oder bei der Abreise hörte.

Fünf Songs kristallisierten sich im Laufe dieser Wochen als die hartnäckigsten, besten und stimmigsten Begleiter heraus. Zu jedem einzelnen notierte ich mir damals, weshalb ich das so empfand.

When you’re alone, B. Springsteen. Lifetime really does have a tendency of sliding away faster than we can control. We have to learn to take life in its pleasures as it comes – and above all: spend time with people that make your life brighter, deeper, more complete and even more worth living. That’s what I realized while listening to this song. (Ronehamn, Kapten Grogg, am 3. Sept. 2014).“

Meine Güte, wie ich dieses Lied damals liebte und jede seiner Strophen mich so erfüllte, beglückte, befreite.
Ewig nicht mehr dran gedacht, ewig nicht mehr gehört.

*****

But I’m absolutely sane.

Eine größere Sache heute zuende gebracht, danach gleich die nächste angepackt.
Immer noch bleierne Müdigkeit, beinahe ganztags. Und dieser Ausschlag. Und häufiges Frösteln und so manches mehr. Zugleich ab und zu das Gefühl, das Medikament schlüge an und es ginge aufwärts.

Am späten Vormittag bereits Kuchen gebacken, D. hat sich den gewünscht, für morgen, für ihre große, runde Feier. Das Kuchenbacken doch noch nicht verlernt, schön. Sollte man wieder öfter machen, allein der Duft in der ganzen Wohnung ist ja ein Genuss!
Nebenher die Liste der mitzunehmenden Dinge für meinen großen Freund S. erstellt, der morgen die Ehre hat, für einige Stunden das Dackelfräulein zu hüten, nachdem ich Ds Feier beiwohnen werde und der Gatte in Frankfurt ein Wochenendseminar hält, so dass ein gutes Plätzchen gesucht werden musste.

Mittags Kopf, Körper und Hund ausgiebig an der Isar bei Schäftlarn ausgelüftet, um mal wieder von sauberem Weiß umgeben zu sein statt von schmutzigen Altschneeresten in der Großstadt.
Anschließend kommt die Braunschweiger Freundin kurz zu Besuch, seit Mai nicht mehr gesehen und dennoch war’s als wär‘ man gestern erst auseinandergegangen. Nachdem wir uns die Gesichter mit Krapfenmarmelade und -puderzucker verschmiert haben, fahre ich sie nach Schwabing, wo sie auf einen Geburtstag eingeladen ist.
Das hatten wir noch nie, dass wir zum Abschied sagen konnten: „Bis in drei Wochen!“ – dann reise ich zu ihrer Geburtstagsfeier. Auch ein runder Geburtstag. Ich mag Geburtstage ja, den meinen ebenso wie die der anderen.

Von Schwabing aus fahre ich weiter zum Lieblingsbad, fast eine Woche nicht mehr dort gewesen – ein Unding! – und heut‘ Abend versuch‘ ich’s einfach, trotz der null Grad da draußen (es ist ja ein Winter-Freibad, schön beheizt zwar, dennoch muss man 42 Schritte vom Gebäude durch die Eiseskälte bis zum Beckenrand laufen und der erste halbe Meter unter der Wasseroberfläche hat auch nicht gerade Badewannentemperatur), trotz der Müdigkeit und allem.
In der Bahn sind außer mir nur zwei roboterartige Kampfkrauler, man kommt einander also nicht in die Quere und es geht insgesamt erstaunlich gut.

Auf dem Heimweg mache ich etwas, das ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht habe: ich fahre bei einer Tankstelle raus, um Bier zu kaufen.
Gruselige Assoziationen kommen da hoch: an den, der immer abends zur Tanke ging, um Bier zu kaufen. Und zwar jeden Abend. Und auch nicht nur eine Flasche.
Mit 46 fahre ich also erstmals nur zum Bierkauf an eine Tankstelle. Grund: Der blöde REWE hat seit über einer Woche die für mich einzig wahre Weißbiersorte nicht mehr im Regal stehen, angeblich Lieferschwierigkeiten.

Als ich mit dem Bier in der Hand zum Auto zurückgehe, fühle ich mich unwohl, muss an den Papa denken, der mich in meiner kurzen Phase als Raucherin immer ermahnte, bloß nicht draußen auf der Straße und schon gar nicht beim Herumlaufen zu rauchen, weil das Frauen nicht zu Gesichte stünde. Obwohl ich diese Regel schon damals für äußerst fragwürdig hielt, frage ich mich plötzlich, ob sie nicht für das offene Herumtragen einer Bierflasche ebenso gelten könne und fühle mich noch unwohler.
Ein Geschäftsmann im Lodenmantel steigt aus seinem blankpolierten BMW, unsere Blicke kreuzen sich für einen Moment. Eine Frau allein, am späteren Freitagabend, mit dreckigem Auto, in abgewetzter Jeans, uralten Bergstiefeln, mit nassen Haaren, die unter der Fleecemütze rausschauen (er wird sie wohl für strähnige, ungewaschene Haare halten, nicht für schwimmbadnasse) – wie sieht das aus? Ich bin froh, als ich wieder im Auto sitze und ärgere mich, dass es mich auf einmal beschäftigt, was irgendwer sich über mich denken könnte.

Lasse den Motor an, fädle mich wieder auf die Allee ein, hinter einen Porsche 911, der fast denelben Farbton hat wie der von Saga Norén, der mich aber nicht deswegen, sondern wegen seines Kennzeichens zusammenzucken lässt: M-HK 2108. Genau damit fuhr die Mutter einst herum, im orangefarbenen VW Käfer (der mit den netten, feinrändrigen Augen, nicht der mit den Glotzaugen). Ja gibt’s das?!
M-HK 2108 lebt also noch (und in mir denkt es: „maybe everything that dies someday comes back“, einer dieser Fetzen aus dem Lebenssoundtrack) und dabei ist sie jetzt bald drei Jahre unter der Erde.

Um nicht länger als nötig an den orangefarbenen Käfer und die Geschichten, die sich in ihm und um ihn rankten, zu denken, stelle ich das Radio an, den Sender, von dem man jahrzehntelang dachte, man würde ihn niemals hören (so wie man auch never ever an der Tankstelle Bier kaufen würde).
Ich lande mitten in der ersten Strophe eines Bowie-Songs: „(…) but I’m abolutely sane“.
Absolute beginners.
Sehe A. und mich im gleichnamigen Film sitzen (über 30 Jahre her), von dem ich nichts erinnere außer Bowie, der Zebrafrau und eben diesem Song. Am Tag danach sofort die Single gekauft. Im Jugendzimmer auf dem Boden sitzend, ans Klavier gelehnt, mit Blick auf das damals gerade neu erstandene Tunnel-of-love-Poster die Scheibe in Endlosschleife gehört.
Der größte Segen meines vom Zeitungsaustragesalär gekauften Plattenspielers war seine Repeat-Taste.

Ge_danke_n 2018 (10).

Zum Jahresende sortiere ich grundsätzlich meine Fotos. Lege Ordner an, Unterordner gar, alles wird durchgesehen, ausgemistet, betitelt und schließlich chronologisch abgelegt. Sonst findet man nämlich in Kürze nichts mehr wieder.
Und außerdem hat das Betrachten und Aufräumen des gesamten Fotobestands eines zu Ende gehenden Jahres stets auch den einen oder anderen kathartischen Effekt.

So zum Beispiel diesmal die Erkenntnis, dass Selfies zu 99% scheiße aussehen, weil man darauf einen Eierkopf hat, ziemlich blöd in die falsche Ecke guckt und mindestens ein Oberarm muckimäßiger daherkommt als er ist. Die Steigerung von Solo-Selfies sind Duo-Selfies, da stimmen dann auch die Größenverhältnisse nicht und immer verzieht es einem von beiden das Grinsen, weil man halt 5 bis 8 Anläufe braucht, bis überhaupt mal beide auf dem Bild drauf sind und man eine einigermaßen passable Position nebeneinander gefunden hat.
Im Jahr 2018 sind 9 unsägliche Selfies entstanden, nur eines davon kann bzw. soll (in milder Sepia-Nachbearbeitung, um den Sonnenbrand zu vertuschen, ansonsten aber ohne weitere Beschönigungen) im Rahmen der heutigen Danksagung veröffentlicht werden.

Straßburg im August, T. und ich am Ende eines langen Sommertages, verschwitzt und vernebelt von den Geruchsschwaden, die der Elsässer Flammkuchen (der mit dem Munsterkäse) durch die ganze Stadt trieb. Abgesehen davon war’s toll dort: ich durfte mir alles aussuchen, das Programm ganz nach meinem Geschmack gestalten und hatte in T. einen Begleiter und Sponsor, der nie murrte oder moserte und bis auf das Absolvieren von 1.500m im örtlichen Freibad für all meine Ideen zu begeistern war.

Ich erinnere mich sehr gern an diese 3 Tage im Sommer 2018 – geburtstagsgeschenktechnisch war das wirklich ein Volltreffer!

Danke, lieber T. alias Bobby Jean – und falls Du Dich finanziell je von dem französischen Strafzettel erholen solltest: einem weiteren Trip wäre ich nicht abgeneigt und selbstverständlich organisiere ich auch wieder das Sightseeing- und Sport-Programm!

À bientôt & merci pour tout!

Was ich an Weihnachten liebe.

Autofahrten über leergefegte Straßen. Dabei ausnahmsweise mal Radio hören. Laut. Weil es sich dann besser mitsingen lässt bei all den Christmas-Gassenhauern. Ich höre selten Radio und ich gestehe, viele dieser totgedudelten Songs zu mögen, alle Texte auswendig zu kennen und von einer grundlosen Heiterkeit befallen zu werden, wenn ich weihnachtssongssingend mit 160 Sachen zum Lieblingssee düse. Nur wenn Chris Rea in die Quere drived, schalte ich sofort einen Gang zurück und wechsle den Sender. Aber sonst nehm ich nahezu alles mit.

13. Marsch in diesem Jahr um den Lieblingssee. Heut‘ mit geschlossenem Biergarten und ohne Zugspitzblick. Dafür 3 Grad und Schneegraupel. Null Begegnungen in anderthalb Stunden. Super. So läuft die läufige Hündin ungestört um den See und über die Felder und ist auf weiter Flur der einzige Jingle, der bellt.

Zurück am Auto die Thermoskanne leertrinken, heimfahrend nochmal eine Runde singen und dann die Kürbislasagne in den Ofen schieben. Feliz navidad!

Suchen Sie sich einfach eins aus. Und falls Ihnen das alles zuwider ist, empfehle ich Ihnen den letzten Videoclip.

Ge_danke_n 2018 (6).

Den nächsten „Ge_danke_n 2018“ dürfen sich Birgit und Sori teilen, ich hoffe, er ist groß genug für beide.

Ich danke Euch für ein Jahr des bereichernden Austausches hier und auf anderen Kanälen, für die vielen neuen Impulse in Sachen „Ton“ (dem akustisch sowie dem haptisch erlebbaren), für Eure Anteilnahme an den Höhen und Tiefen des Kraulquappen- und des Dackellebens – und zu guter Letzt für eure köstlichen Päckchen zu Weihnachten!

*****

Das bereits mit dem Nikolaus eintreffende Packerl offenbart ein Erhören von Herzenswünschen. Zum einen: herrliche Billiglebkuchen, noch dazu von Billa, wofür man sie ja gleich noch mehr billigt als vergleichbare Lebkuchen von um so vieles blöder klingenden Marken wie „Weiss“ oder „Lambertz“.
Zum anderen: ein Augen- und Ohrenschmaus vom über alles geliebten Barden aus den Swamps of Jersey, an jenen Abend erinnernd, von dem man nicht weiß, ob’s womöglich der letzte dieser Art war, mit einem „Backstreets“, auf das man Jahrzehnte gewartet hatte und jenem andächtig lauschend man damals zu Tränen gerührt im Berliner Olympiastadion stand, so dankbar und zugleich so bedrückt, weil ahnend, dass es der Schlussakkord gewesen sein könnte.

Eine Überdosis Billiglebkuchen und Bruce – klasse Kombination, liebe Sori!

*****

Das gestrige dann die Quitt_ung für das offene Ausplaudern so mancher Frühstücksvorlieben. Und zugleich ein guter Test, wie’s um das Befinden des Fräuleins bestellt ist: ja, es saust wieder zur Tür, wenn der Paketbote klingelt und stößt mich anschließend sofort mit der Nase drauf, dass das ein dringend zu öffnendes Päckchen sei, also eines mit essbarem Inhalt.
Ich öffne es und heraus klettert – ja da schau her! – eine Cydonia oblonga.

Drauf spricht sie: „Man kann’s nicht erzwingen
Dass Überraschungen einem gelingen –
Aber die Kochkunst, sie ist kein leerer Wahn
Und so nahm sich die Birgit gekonnt meiner an:
Ich sei, gewähr‘ mir die Bitte,
Auf deiner Semmel die Quitte!

[Frei nach Schillers Bürgschaft.]

…und danke auch für den Tipp mit dem Schwedeneisbecher, liebe Birgit!

*****

Euch beiden frohe Weihnachten und erholsame Feiertage dort oben im Nordosten und dort drüben in der Alpenrepublik!

Song des Tages (27).

Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht
Der ihn für dich schient, der dich beschützt
Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt
Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst

 

(Beim nächtlichen Abspülen Radio gehört. Meine Güte. „Dort und hier“. Grönemeyer. Dass der mich nach 15 Jahren nochmal kurz packt, hätt‘ ich nicht gedacht. War eine schöne, milde Sommernacht, damals auf den Main-Wiesen, mit Blick auf die beleuchtete Festung Marienberg, zu viert, in dieser absurden Konstellation, nachts dann Stau fast bis Bad Kissingen, offene Fenster und nochmal drei Stunden Musik. Lang her, gefühlt ein anderes Leben, und wohl doch meins.)

Song des Tages (26).

Fertig sind wir, in jeder Hinsicht.
Das aber immerhin bei gutem Licht in allen Räumen.

Advent, Advent, ein Lichtlein brennt!

Mit einem finalen großen Dankeschön an unseren Handwerksfreund Wiktor und einer Verneigung vor unseren eigenen Kräften & Nerven beschließen wir nun zufrieden und erleichtert das Projekt (besser gesagt: den Lebensabschnitt) „Wohnungswechsel in der Weltstadt mit Herz ( & Wuchermieten)“.

Saw you stretched out in Room Ten O Nine
With a smile on your face and a tear right in your eye
Oh, couldn’t see to get a line on you
My sweet honey love

May the good Lord shine a light on you
Make every song (you sing) your favorite tune
May the good Lord shine a light on you
Warm like the evening sun

And the angels beating all their wings in time
With a smile on their face and a gleam right in their eyes
Could not seem to get a high on you
Come on up now, come on up now, come on up!

Einen lichten ersten Advent wünscht Ihnen –
Die Kraulquappe.

(Kaum war die letzte Leuchte angebracht und der letzte Pinselstrich getan, sank sie mit einer stattlichen Erkältung in die Kissen und zog sich für drei Tage die Decke über den Kopf und lupfte sie nur, wenn der Gatte einen Tee brachte oder das Dackelfräulein hinein oder hinaus wollte.)

Sky of memory and shadow (a dream of life). Zum 21. November 2018.

Lieber P.T.,

es ist an der Zeit, Ihnen mal ganz explizit zu danken.
Und Ihr Geburstag ist ein sehr guter Anlass dafür.

Ohne Ihren beharrlichen Zuspruch und Ihre Unterstützung hätte ich es vor vier Jahren mit Sicherheit nicht so (vergleichsweise und für meine Verhältnisse) schnell geschafft, mich aus meiner beruflichen Sackgasse zu befreien und den Horror vor all den damit verbundenen „Amtswegen“ zu überwinden (und erst recht den, anschließend ins Bodenlose zu fallen).
All meine Schreckensvisionen haben Sie sich angehört, nachgefragt, seziert und behutsam darauf hingewirkt, sie zu eliminieren oder sie zumindest auf ein realistisches, rationales Maß zurechtzustutzen. Heute muss ich über so manches schmunzeln, was ich damals für unmöglich oder nicht umsetzbar hielt (und feststellen: sogar noch viel mehr als DAS war machbar und die Welt ist selbst dann nicht untergegangen, sogar die in dem Kontext innerlich ausgemalten Kleinkatastrophen blieben aus – das Schicksal ist wirklich in vielerlei Hinsicht ein mieser Verräter).

Ohne Ihren klugen und empathischen Beistand hätte ich mich noch weitere Jahre mit dem Fehlen einer Antwort auf diese eine zentrale Frage (die Mutter betreffend, Sie wissen schon) herumgequält, die mich vor 13 Jahren erstmals in Ihre Praxis führte. Mittlerweile liegen Frage und Antwort ungeahnt friedvoll nebeneinander in einem Ruheforst und die Qualen sind weitgehend über- und ausgestanden.

Ach ja, und dann noch diese andere Riesensache aus der Rubrik „Endlosschleife der Verhaltensmuster aus der Kindheit“. Ohne Ihr geduldiges Zuhören und Ihr kritisches Nachfragen hätte ich mich vermutlich noch ein weiteres Jahr in dem absurden Rettungsprogramm dieser recht hoffnungslosen Knalltüte Person (der U., Sie erinnern sich) sinnlos aufgearbeitet. Und den Absprung erst viel später geschafft und dann womöglich den Gatten nicht mehr getroffen, endlich einen Menschen, der nicht gerettet werden musste und nicht im düsteren Kerker seines nicht gelebten Lebens und seiner Ideenlosigkeit vor sich hin trank und jammerte.

All die Jahre war ich Ihnen übrigens auch immer wieder dankbar dafür, wenn ich heulend dasitzen durfte ohne dass Sie dann je in einen betulichen Trostmodus verfallen wären – ich schätzte es immer sehr, dass Sie meine Tränen mit genau dem richtigen Gesichtsausdruck ausgehalten und angenommen haben (und einfach ein Taschentuch herüberreichten).

Nicht zu vergessen: Ihr Hinweis auf einen definitiv lebenswichtigen Film für Hunde- und Dackelliebhaber. Auch dafür herzlichen Dank. Denn seit wir Pippa haben, kriegen wir das Kinoprogramm meist nicht mal mehr mit, sondern sind zu Serienjunkies auf der heimischen Couch avanciert, weil da der Hund mit dabeisein kann.

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass ohne Ihre Impulse diese Zeilen heute wohl nicht hier stünden, denn Sie waren es, der mir den Widerwillen (und die Vorurteile) gegen das Bloggen nahm und mich vor meiner großen Schwedenreise 2014 zum Schreiben animierte.
Wer weiß, ob ich ohne diesen Anfang später je versucht hätte, meine Texte auch anderswo unterzubringen und das eines Tages sogar gegen Bezahlung…

Und wissen Sie was? Wenn alles gutgeht, dann fahre ich nächstes Jahr erneut über die geliebte Öresundbrücke, wo Sie zwar leider wieder nicht als Kassierer sitzen und mir ein fröhliches „Hej hej“ und „Trevlig resa“ zurufen werden, aber ich würde diesmal die Brückenmaut auch nicht mehr selbst bezahlen müssen, weil mir die gesamte Fahrt gesponsert würde, bis nach Gotland!
Sollte das wirklich klappen, fotografiere ich Ihnen alle schwarzen Schafe, die ich auf der Insel treffe und bring‘ Ihrem Hund eine Decke aus Gotlandwolle mit – versprochen!

Als Zeichen meines Danks für alles, das Sie für mich getan haben bzw. mich konsequent anstupsten und ermutigten, es selbst für mich tun zu können, gebührt auch Ihnen ein Song vom Boss (Sie ahnten es natürlich, dass das kommen würde 🙂 ).

Es ist keiner meiner favorites, dafür sind über weite Strecken die lyrics wirklich sehr passend für das, was ich damals empfand und das, was über die Jahre daraus erwuchs: The rising (somehow).

Can’t see nothin‘ in front of me
Can’t see nothin‘ coming up behind
Make my way through this darkness
I can’t feel nothing but this chain that binds me
Lost track of how far I’ve gone
How far I’ve gone, how high I’ve climbed
On my back’s a sixty pound stone
On my shoulder a half mile of line

A dream of life comes to me
Like a catfish dancin‘ on the end of my line
Sky of blackness and sorrow (a dream of life)
Sky of love, sky of tears (a dream of life)
Sky of glory and sadness (a dream of life)
Sky of mercy, sky of fear (a dream of life)
Sky of memory and shadow (a dream of life)
Your burnin‘ wind fills my arms tonight
Sky of longing and emptiness (a dream of life)
Sky of fullness, sky of blessed life
Come on up for the rising!

 

Wir sehen uns dann demnächst beim üblichen „Jahresabschlussgespräch über die aktuellen Lebensbaustellen“. Das Fundament nun ein so anderes als vor 5 Jahren, das Grundgefühl ein so viel stabileres und die Aussichten bei Weitem nicht mehr so trüb wie damals, im Gegenteil. Nur hätte ich nicht gedacht, wie lange das dauern würde, dieses Sich-Rausschälen aus dem, was nicht mehr passte und vielleicht eigentlich nie passte, was krank machte, einen blockierte und abhielt oder ablenkte.

Auch da hatten Sie recht: es ist ein langer Weg.
Drehe ich mich um, kann ich all den zähen Morast, die tiefen Furchen, die üblen Stolpersteine noch sehen. Schaue ich nach unten, fühle ich jetzt festen Boden unter meinen Füßen. Und richte ich den Blick nach vorn, sehe ich zwar noch keinen klar umrissenen Weg, aber doch schon viel mehr als nur eine Andeutung desselben – und vor allem sehe ich dieses Leuchten am Horizont.

Bis bald & zum heutigen Tag die allerbesten Glückwünsche für Sie –

Ihre N.H. alias Kraulquappe.