Die Nasenkongestion.

Heute habe ich ein neues Wort gelernt.

Statt zu sagen „Meine Nase ist zu“ oder „Ich bin verschnupft“ kann man auch von einer „Nasenkongestion“ sprechen.
Das klingt distinguierter, weil es sozusagen weniger rotzig daherkommt.

Diese kleine Erweiterung meines Wortschatzes bescherte mir Amazon, genauer: Eine Produktbeschreibung auf Amazon. Noch genauer: Die Produktbeschreibung zu einem Seitenschläferkissen.

Auf diese Kissenkonstruktion bin ich gestoßen, weil ich seit Wochen nach etwas suche, das meine nächtlichen Schulter-Rücken-Nacken-Kiefer-Beschwerden lindert. Wenn ich mich umdrehen möchte, wache ich vor lauter Schmerzen auf, morgens bin ich wie gerädert. An eventuelle psychosomatische oder präklimakterielle Einflüsse soll an dieser Stelle mal kein Gedanke verschwendet werden. Ich habe nämlich beschlossen, es ist in erster Linie ein orthopädisches Problem – und zwar keines von mir, sondern von meiner Schlafstatt.

Erst haben der Gatte und ich die Matratzen getauscht, weil ich der Ansicht war, die meine sei zu weich und der Gatte hätte es besser, weil fester, erwischt. Fehlanzeige. Testweise habe ich dann eine Nacht auf der Gästecouch verbracht, die das härteste Stück Bett ist, das es in unserem Haushalt gibt (nach 2-3 darauf verbrachten Nächten reist selbst der Tapferste freiwillig wieder ab). Hat auch nichts gebracht.

Anschließend habe ich „Schlafen ohne Hund“ ausprobiert, da dieser eine nicht unerheblich große Fläche des Bettes zu okkupieren imstande ist, wenn Herrchen/Frauchen nur tief genug schläft. So ein Dackeltier, ab dem menschlichen Steißbein (irgendeine Kontaktstelle muss stets gegeben sein) im 90°-Winkel komplett ausgestreckt liegend, benötigt gut einen Meter Spannbreite bis zur Bettkante, man selbst quetscht sich dann etwas verhutzelt auf einen 40cm breiten Restmatratzenstreifen an die Wand. Auch die hundelosen Nächte brachten keine Verbesserung.

Der nächste Verdacht fiel auf meine Kissen (40×40 und 80×40), mit denen ich nachts tatsächlich oft herumhantiere, um die schmerzende Schulter abzupolstern oder den ganzen Arm etwas erhöht legen zu können oder den Nacken einigermaßen bequem zu betten oder sie ganz beiseite zu legen. Nicht ideal, dieses Umschichten und Herumstopfen mitten in der Nacht. Immer verrutscht was. Vielleicht ist also die Kissensache die Wurzel des ganzen Übels?

Ich machte mich auf die Suche nach einer Alternative. Und stieß auf nie geahnte Möglichkeiten: Es gibt Kissen in H-Form, in I-Form, in J-Form und in U-Form. Nach einigen Recherchen fiel meine Wahl auf ein U-förmiges Seitenschläferkissen für Schwangere (die Dinger sind allesamt für werdende Mütter, aber was soll’s). Die sollen hervorragend entlasten, wenn einen Rücken, Nacken und Schultern plagen, man kann sich an allen nur erdenklichen Stellen abpolstern und sie versprechen Komfort in jeder Position (vermutlich möchte man sie nach kürzster Zeit auch tagsüber permanent um und mit sich haben).

In Kürze werde ich also meine Schlafversuche in diesem wattierten Rahmen starten, der mich sanft umarmen und stützen wird, werde dabei wie hingegossen und wie engelsgleich in einer Wolke schlummernd aussehen (sofern das weiße Nachtkleidchen mit Rüschenborten in der Lieferung enthalten ist).
Noch dazu spart man mit diesem Kissen 52%, und in seinen herrlichen Maßen von 130x70cm sind sogar alle meine Lieblingszahlen enthalten – das nenn‘ ich Fügung!

Ach ja, zurück zur Nasenkongestion, diesem wunderbaren Begriff, den ich bei der näheren Beschäftigung mit diesem Produkt kennenlernen durfte.

Das Seitenschläferkissen kann nämlich eine ganze Menge:

Dieses Wunderkissen beugt somit auch Beschwerden vor, die ich noch gar nicht hatte: Nächtliches Sodbrennen wird mich nun niemals heimsuchen, ebensowenig Genosse Ischias, und stets wird ein Licht am Ende des Karpaltunnels aufscheinen, so viel ist gewiss. Und auch Nasenkongestionen hätten keine Chance, mir meine Nächte zu verderben. Für diesen vierten Prophylaxe-Punkt musste ich Wikipedia bemühen und erfuhr, dass es sich hierbei um Verstopfungen der Nase handelt. Nie mehr morgendliches Nasefreiputzen und womöglich überhaupt nie mehr einen Schnupfen?!

Ein Kissen für oder gegen nahezu alles. Das wäre ja was.
Die Unbilden des Alltags und des Lebens verschnupfen mich nämlich schon genug, da erspare ich mir gerne jeden unnötigen Rotz. Dazu ein andermal. Jetzt freue ich mich erstmal auf meinen neuen Bettgefährten.

Allzeit beste Nachtruhe und ein schönes Wochenende wünscht euch
Die Kraulquappe.

Schläft immer und überall problemlos: Das Dackelfräulein.

Berlin am 19. Juni: In the deep heart of the night we let lose everything

Mit einiger Verspätung ein paar Nachbetrachtungen zur zweiten Springsteen-Messe am Sonntagabend in Berlin:

Zu unserem Erstaunen war die Predigt zu einem Großteil identisch mit der Freitagsandacht in München – normalerweise variiert er viel mehr, diesmal nicht. Die Psalmen, die er durch andere ersetzte, waren überwiegend welche, die nicht zu meinen bevorzugten gehören. Das tut dem Ganzen keinen Abbruch, man verlegt sich dann eben etwas mehr auf die Liturgie an sich und die mantraartigen Beschwörungen der Nacht, der Liebe, der Magie, der vergessenen und geschundenen Seelen.

Was  eine ganz eigene Dynamik zu entfalten vermochte, und nach über zwei Stunden schließlich in „Backstreets“ gipfelte, für mich einer der größten Songs, die er je geschrieben hat und leider viel zu selten live spielt.

Und so schüttelten wir im tiefen Herzen der Nacht schließlich alles ab, was sich aufgestaut hatte, raus wollte, raus drängte und endlich auch raus durfte, laut, lauter, am lautesten, die Augen geschlossen, völlig beseelt, ganz eins mit dem Donnern der Musik, einer Katharsis gleich (oder wenigstens einem Platzregen, wenn man es etwas weniger pathetisch ausdrücken wollte).

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Allein für diesen Moment, der immerhin über 10 Minuten dauerte (gibt es eigentlich einen Begriff für solche Dauermomente?), hat es sich gelohnt!
Für mich lief der ganze Abend nur auf dieses Herzstück hinaus, alles andere war Prolog, Epilog oder Augenblicke, in denen man mal zum Getränkestand oder zur Toilette huschen oder mit seiner Begleitung plaudern konnte – ohne in Panik zu verfallen, man könnte etwas Lebenswichtiges verpassen.

So ließ ich mich gestern eingehüllt in den Nachhall dieser Nacht, dieser Klänge und dieser Stimmung durch Charlottenburg treiben…

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…gönnte meiner Schulter die Ruhe, die sie dringend brauchte, vermisste gleichwohl das Schwimmen schmerzlich (vor allem bei dem herrlichen Wetter!), versuchte mich in Geduld zu üben, hing diesem und jenem nach bis es Abend wurde.

Ein langer Abend wurde es, in den Backstreets von Charlottenburg, in wunderbarer Gesellschaft.

Aus Berlin grüßt euch
die Kraulquappe.

PS: Ja, jetzt ist’s dann auch mal wieder gut mit dem Musikkram, es gibt schließlich noch andere Themen im Leben. Versprochen.