Irish Passion.

Man kann ja über Facebook meckern, so viel man will: gezielt genutzt kann diese Plattform wirklich manchmal von Vorteil sein (und im Geiste danke ich dem, der mich vor gar nicht allzu langer Zeit überzeugt hat, mich da doch mal einzuklinken).

Nicht nur, dass man dort so gnadenlos gut ausgekundschaftet wird, dass man niemals eine Hunderampenwerbung für Doggen erhält, sondern exakt die für Dackel tauglichen Modelle empfohlen bekommt, genauso wie das lifehack-Filmchen zum korrekten Schälen einer Mango (oder Paprikaschote), oder dass Facebook einen über nahezu jeden Pups, den irgendein Mitglied der E Street Band gelassen hat (oder lassen könnte) in Echtzeit informiert – nein, man kann noch viel mehr Nutzen aus diesem Buch mit den vielen Gesichtern ziehen.

So auch am vergangenen Wochenende: nur wenige Stunden vor Beginn eines Glen Hansard-Auftritts noch eine Karte dafür zu ergattern, weil unter der auf Facebook kundgetanen Veranstaltung zahlreiche Kommentare herumgeistern. Da ist natürlich alles dabei von „Glen, I love you!“ über „Wie lange dauert das Konzert?“ und „Ich hasse die Akustik im Circus Krone!“ bis hin zu „Weiß jemand, ob es einen support act geben wird?“, aber mit etwas Zähigkeit findet man dort eben auch die eine oder andere Ticketofferte zu Nicht-Viagogo-Preisen.

C. aus dem Erzgebirge wurde am Samstag zum Beispiel sehr kurzfristig von jemandem versetzt und hatte nun ein Ticket abzugeben. Vor lauter Frust sogar um 50% günstiger, denn man weiß ja nie, ob man’s sonst loswird.
Da ich nicht nur im persönlichen Kontakt absolut zuverlässig bin, sondern auch unbekannterweise und schriftlich Zuverlässigkeit verströmen kann, wurden wir uns schnell einig, Uhrzeit und Treffpunkt für die Übergabe waren nach 5 Minuten via Messenger ausgemacht – und ein Konzert lang neben C. zu sitzen, auch das war ziemlich ok, denn der Dialekt hielt sich noch gerade so im Rahmen und bei Konzerten ratscht man ja sowieso nicht.

Glen Hansard war der Hammer, was ich allerdings auch genau so erwartet hatte, mir aber für 60€ nicht geleistet hätte, damals, als die Tickets in den Vorverkauf gingen und ich grad die Penunzen zusammenhalten musste für die große Nordlandfahrt.

Mein Erstkontakt mit Hansard war dieser hier:

Als ich das im Juli 2013 erstmals hörte, wusste ich: den musst du dir mal näher angucken! Und am besten auch mal solo & live erleben. Nun hat das also endlich geklappt!

Eine grandioses Stimmvolumen, und eine Inbrunst, mit der sich der Ire in jeden Song reinschmeißt – es war eine Freude, ihm zweieinhalb Stunden lang zuzuhören.

Und noch eine große Freude hielt dieser Abend bereit.

Bloggerkollegin Anna aus Göteborg war an dem Abend auch im Circus Krone, und weil der support act (eine nette, aber musikalisch belanglose Irin) so fad war, schrieb sie mir sehr bald per Messenger: „Ich hol mir jetzt ein Bier. Mag die Vorband nicht.“, und da es mir genauso ging, marschierte auch ich zur Bar, wo Anna bereits anstand.
So haben wir uns tatsächlich mal live gesehen, zusammen eine Halbe gezischt, uns unterhalten und die Zeit bis zum Auftritt von Glen Hansard bestens überbrückt.

Es war eine dieser schönen Begegnungen aus der Rubrik „Springsteen-Fans aller Länder, vereinigt euch!“, denn in der Blogosphäre war natürlich Bruce der Grund, wieso wir uns überhaupt „gefunden“ haben 🙂

Deutsch-schwedisches Bloggertreffen!

Das nächste Bier geht auf mich, Anna, und ich hoffe, dein erster München-Trip hat dir gefallen!

Von dem Konzertabend zehre ich noch heute, und das ist auch recht hilfreich so, weil wir uns zwischenzeitlich längst wieder in anderen Sphären befinden, da das sich schon seit fünf Wochen mit kurzen Unterbrechungen dahinziehende Kränkeln des Dackelfräuleins uns nun erneut in die Klinik führte, die Finanzamtfragen noch immer nicht alle beantwortet sind und der Installateur den Austausch der Badewannenarmatur nun schon mindestens so lange nicht hinbekommt, wie das Fräulein morgens vor lauter Übelkeit Gras frisst.

Ich sagte es ja, glaube ich, schon: der November, das ist mein Monat nicht.

Himmel der Bayern (67): Vom Alberich verfolgt.

Wieder einen anderen Weg zum Heiligen Berg erkundet.
Jetzt fehlt uns nur noch einer, dann sind wir sie wirklich alle gegangen.

Was für ein schöner Himmel, was für eine wunderbare Wanderung – der Läufigkeit des Dackelfräuleins sei Dank spazieren wir nun wieder häufiger auf wenig begangenen Pfaden, um den diversen Aspiranten aus dem Weg zu gehen.

In Klosternähe begegnen wir einem Abt a.D. mit seinem Mischlingsrüden, beide ziemlich betagt, der Rüde aber noch nicht betagt genug, um den Braten nicht sofort zu riechen.

Er folgt Pippa in gebührendem Abstand, aber sehr beharrlich. Die Piffe des Abts richten nicht das Geringste aus, also muss der alte Mann irgendwann doch die Stimme erheben. „Alberich, komm jetzt endlich her!“, ruft er laut. Und danach: „Alberich, warum hörst du denn nicht?“

Alter Mann, zu neuem Leben erwacht.

Während ich dem Herrn die Lage erläutere, stellt sich Alberich – beinahe getreu der Masche seines Namensvetters – weiterhin taub und zieht erst Leine als das Fräulein ihn heftig anzickt.

Man muss sagen: von den Halsbändern her hätt’s schon gepasst, diese Liaison.

Wenn ich Ihnen nun noch erzählen würde, dass wir auf dem Rückweg vom Kloster einen Rüden namens Hieronymus trafen, dann werden Sie entweder denken Die spinnen doch, diese Bayern! oder dass die Verfasserin dieser Zeilen heillos in der Klosterschänke versumpft ist und im Halbdunkel dann vor lauter Doppelbock einen Hirschbock nicht mehr von einem Ridgeback unterscheiden konnte.

Deshalb erzähl ich Ihnen das ja auch lieber nicht.

Gegrüßet seist du, November!

Zeitgleich mit dem November hält dieses Jahr winterliche Kälte Einzug, und mit den Temperaturen beginnt auch das Stimmungsbarometer zu sinken.
Auf den langen Märschen durch die Isarauen oder städtische Parks trage ich nun meist eine Mütze und immer Handschuhe, kehre ich unterwegs ein, löst die heiße Schokolade allmählich das kühle Weißbier ab.

Die erste dieser wärmenden Winterschokoladen an einem Ort getrunken, den ich nicht mehr aufsuchte, seit ich mit demjenigen dort war, den ich eine Weile für einen Freund hielt, der sich aber urplötzlich, kommentarlos und ganz ohne jede Wärme vom Acker machte und nichts hinterlassen hat außer ein paar gut eingebauten Regalbrettern und einer beachtlichen Menge Schutt aller Art.
Den Großteil davon habe ich längst beseitigt, erst gestern aber fand ich auf dem Boden einer Schublade – eigentlich auf der Suche nach einem Geschenkbändchen für die liebe K. – nochmal so ein Überbleibsel dieser hoffentlich letzten Blutegelepisode in meinem Leben: ein nett beschriebenes Kärtchen, einen hübsch glänzenden Talisman dazu. Schöne Worte und Symbole, nichts dahinter. Also weg damit, denn sich solche Andenken noch zu bewahren, das hieße auch weiterhin an denjenigen zu denken und sei es nur, wenn man grad ein Geschenkbändchen sucht.
Immerhin barg sie eine nachträgliche Lernchance, diese Geschichte (was beileibe nicht all solche Geschichten tun oder was ich, als bekennender Gegner der „Alles im Leben hat seinen tieferen Sinn“-Ideologie, eben nicht zu sehen imstande bin): Künftig noch genauer hingucken, denn mancher Blutegel kommt als Salamander verkleidet daher, bei den ersten Zweifeln gilt es, ordentlich an der Fassade zu rütteln, spätestens nach dem ersten Biss ist sofort das Weite zu suchen.

*****

Musikalisch geht’s jetzt auch hinüber in andere Gefilde, wieder mehr Tom Joad und Hattie Carroll (von Letzterem krieg ich den Hals grad gar nicht voll), garniert von gelegentlichen Versuchen, den grauen Himmel mit mehrminütigen Videoclips von Lofgrens Gitarrensoli wegzupeitschen.
Literarisch ist die Zeit nun reif für Walden, das schon viel zu lange von A nach B (und wieder zurück) geräumt wird und als blinder Passagier sogar quer durch ganz Gotland und halb Schweden gereist ist.

Das Dackelfräulein ist pünktlich läufig geworden (immer wieder faszinierend: ein so kleiner Körper und alles drin an Abläufen und Funktionen, an Möglichkeiten und Risiken), verbellt draußen eifrig die ersten interessierten Rüden, trägt drinnen ihr kesses Höschen mit routinierter Gelassenheit und schmiegt sich nachts noch enger an einen ran, was zu der Jahreszeit recht angenehm ist.

Der Ellenbogen schmerzt wieder, dafür kann man durch unsere Fenster die Eichhörnchen im Baum gegenüber nun viel besser beobachten. Ein Stück oberhalb dieser altbekannten Schmerzzone noch eine weitere, dort ächzt die Schulter vor sich hin, auch nichts Neues mehr. Und seit Wochen ein Stechen und Druckgefühl im Solarplexus, also exakt dort, wo gefühlt schon immer mein Ich hauste (merke: zu sowas niemals mehr Dr. Google befragen, sonst läuft man Gefahr, gleich aus sich selbst ausziehen zu wollen).
Der lästigen kleinen Oktober-Arztterminserie wird vermutlich bald eine weitere folgen, denn schließlich muss man in 9 bis 10 Monaten fit sein und beide Arme gen Himmel oder Bühne recken können, wenn Mr. Springsteen im Herbst seines Lebens dem selbigem des Jahres 2020 die Ehre erweisen wird (so die Gerüchte, die seit heute Mittag kursieren, sich bewahrheiten mögen).

Wenigstens beim Schwimmen macht der Arm noch gut mit, zwingt einen sogar zu technischer Gründlichkeit.
Das Experiment „Schwimmen mit Musik“ hingegen wurde heute Morgen endgültig für abgesoffen erklärt. Der Geburtstags-Sony-Sport-Walkman ist zwar federleicht, simpel zu bedienen und klingt über Wasser auch 1a, aber aus mir wird kein Mit-Musik-Schwimmer mehr.
Fast alles stört meinen Rhythmus, gerade mal drei Songs der langen Playlist konnten für kraultauglich erklärt werden, zur Rückenlage passt kein einziger und beim Brustschwimmen kommt nach ein paar Hundert Metern jedesmal Wasser in die Ohrstöpsel und verzerrt den Klang. Außerdem höre ich meine Blubberatmung nicht mehr, die ich aber gern höre, so als einziges Geräusch in dieser schönen Stille, die unter Wasser herrscht.

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Nach dem Fest ist vor dem Fest: die Reste der Wiesn sind noch nicht mal ganz abgebaut, da stellen sie direkt daneben bereits die Zelte fürs Winter-Tollwood auf. Immer was zu gucken, wenn man vor die Tür tritt. Ich empfinde das immer noch als belebend, erst recht, wenn ich an die Ödnis unseres kurzen Wohnexperiments am Stadtrand zurückdenke.

Und analog dazu: nach der Steuererklärung ist vor der Steuererklärung.
Noch keine 14 Tage befreit von dieser Zumutung, schon trudelt ein Schreiben vom Finanzamt ein. Mit Nachfragen, die Nachfragen aufwerfen und auf die alleine keine Antwort zu finden sein wird (auch das eine Zumutung: die müssten einem doch so schreiben, dass man versteht, was sie von einem wissen wollen). Erst im August den letzten Schikanemarathon vom Fiskus überstanden, schon steht eine neue Beschäftigungstherapie ins Haus, der man sich nur entziehen könnte, wenn man entspannt ein paar Tausender zu verschenken hätte. Haben wir nicht, also werten wir’s einfach mal als belebend, dass da jetzt wieder action ansteht.

Außerdem gibt es ja so Wünsche, die durchaus ein Geld kosten.
Gestern an einer Galerie vorbeigekommen, die sonst immer zu hatte, wenn ich da entlangspazierte, was ich jedes Mal bedauerte, weil in dem kleinen Raum eine exzellente Auswahl an Plakaten aus meinem Geburtsjahr hing, die Olympischen Spiele in München in allen Disziplinen, Farben und Formaten. Und gestern stand plötzlich der Galerist drinnen und winkte mich hinein. Das gesamte Sortiment durchgepflügt, das Schwimmerplakat ganz wunderbar, auch das der Kanuten, aber dann stieß ich auf das hier:

Limitierte Auflage, daher ein Sammlerstück, natürlich mit weiter steigendem Wiederverkaufswert, sofern man jetzt den Zeitwert berappen könnte und sich das Ding für nur 600€ (*schluck* – dafür bekommt man ja schon fast einen echten Waldi!) unter den Nagel reißen würde.

Sie müssen wissen: der Waldi ’72 ist mir sehr bedeutsam. Er wurde mir als mein allererstes Stofftier in die Wiege gelegt und mir 18 Jahre später gegen meinen Willen wieder genommen, die Mutter rückte ihn einfach nicht raus als ich von ihr ging, ich musste also den Waldi zurücklassen und den mit uns lebenden Dackel ja sowieso, es war ein einziger Graus (ein Grauen vielmehr!), die Mutter hat ihn irgendwann verkauft oder weggegeben, in fremde Hände, in ein Stofftierheim gar, ich hab’s verdrängt, denn verloren ist verloren.
Dementsprechend muss hier noch eine uralte Wunde genäht und geheilt werden, wie Sie nun sicher verstehen werden. Es war der wadlgroße bzw. -lange Waldi, der mit dem groben Stoffbezug, nicht die flauschige Plüschvariante. Ich weiß noch genau, wie ich ihm immer ganz sacht mit dem Zeigefinger auf die Nase tippte, wie er sich anfühlte, wie er roch, wie er guckte, wie er über meine Spielsachen und Hausaufgaben wachte, sogar die ersten Springsteenplatten haben wir noch gemeinsam gehört und den ersten Liebeskummer zusammen durchgestanden, kurz: es ist einer dieser Verluste, über die man nie wirklich hinwegkommt.

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Bei manchen der noch neueren Kontakte und Bekanntschaften zeichnen sich erste Grenzen ab (oder zumindest zeitweise Statuszementierungen), bedingt durch die eigentlich recht banale Erkenntnis, wie anders andere doch sind.
Steh ich neulich bei einem in der Wohnung herum, der mir mit Handy am Ohr die Tür öffnet, weswegen ich dann eben ein Weilchen dort herumstehe und warte, bis er fertig ist mit seinem Telefonat.
Nachdem er aufgelegt hat, begrüßt er mich auf eine Weise, die mir zutiefst sympathisch ist, weil er einen nicht so verhuscht umarmt, wie das viele tun (dieses eher angedeutete Innigkeitsgeste, ein Hauch von Berührung, vielmehr: ein Hauch von nichts, kaum ein Bartstoppel oder Brustkorb oder Geruch wahrnehmbar, wozu auch immer eine solche Pseudoumarmung gut sein soll oder was sie ausdrücken bzw. wovor sie sich drücken möchte), sondern weil er richtig „zulangt“, das hat was Verbindliches, das strahlt Präsenz aus, und Vitalität. Sehr schön!

Nach der Begrüßung saust er in sein Wohnzimmer, wo der Fernseher läuft (es ist ca. 15 Uhr und ich gebe zu: ich bin grundsätzlich erstaunt darüber, dass es Menschen gibt, die um diese Zeit fernsehen), auf dem Weg dorthin ruft er mir zu, er wolle den unbedingt mal schnell ausschalten. Ebenfalls sehr schön, denn bei privaten Unterhaltungen kann ich im Hintergrund Laufendes ebenso wenig leiden wie unnütze, ziellose Beschallung jeder Art im öffentlichen Raum.
Auf dem Rückweg zu mir fügt er seinem Tun noch erläuternd hinzu: „Ich mach‘ den manchmal an, wenn es mir in der Wohnung zu still ist!“.
Öha!?! – Innerlich zucke ich heftig zusammen bei diesem Satz, äußerlich bin ich bemüht, so zu gucken wie ich zuvor geguckt habe (ankommend, freundlich, zugewandt, frisch umarmt). Die Sprache verschlägt’s mir dennoch kurz, was nicht weiter auffällt, da er ohnehin der Plauderpart von uns beiden ist (er erinnert mich auch hierin an meinen ehemals besten Freund M., mit dem ich mich nach fast 15 intensiven Jahren auseinandergelebt habe, u.a. wg. eines massiven Überplauderungsgefühls, dessen ich mich nicht anders zu erwehren wusste als durch Distanz und Bennenung der Gründe dafür).

Als ich wieder gehe, denke ich darüber nach, ob das wohl je eine Freundschaft werden könnte oder ob mir ein Mensch, der die nachmittägliche Stille in den eigenen vier Wänden mit dem Einschalten der Glotze zum Verstummen bringen muss, mir nicht zu wesensfremd ist für das, was ich unter Freundschaft verstehe. Diese Grübelei mündet in eine Grübelei darüber, ob es unter sozialen Aspekten sinnvoll ist, mit zunehmendem Alter immer kritischer zu werden oder ob nicht doch eher das Gegenteil ratsam wäre.

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Apropos sozial.

Was mir nicht nur aus der Seele sprach, sondern mir auch das Herz erwärmte, ist dieser vorgestern erschienene Artikel von Juli Zeh, in dem es um Sozialakrobaten geht (und diese einmal mehr aufs Trefflichste von Untermietern unterschieden werden).
Wenn Sie ein Tierfreund und einigermaßen novemberfest sind, dann lesen Sie den mal.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen einen kuschligen Abend, mit einem Gefährten oder mit der Sofadecke, und verabschiede mich hiermit in meine allabendliche Streichelmeditation!

Der Große Heiner oder: Panta rhei.

Zum mexikanischen „Tag der Toten“, der zugleich der „Schnitze-einen-Kürbis-Tag“ sowie der „Wolfgangstag“ und nebenbei auch noch der Reformationstag war, besuchten wir nach Langem mal wieder den Großen Heiner.

Das Dackelfräulein liebt den Weg zum Großen Heiner. Von Grünwald im Isartal geht’s durch raschelndes Laub am Hochufer entlang, dann auf verschlungenen Pfaden durch schönste Wälder hinab zum Fluss.
Dort unten hat man die Wahl zwischen Trampelpfaden, die durch urwald- und sumpfgebietsähnliche Vegetation führen, normalen Waldspazierwegen, Pfaden am Rande der Isarkiesbänke entlang und diversen kleinen Nebenwegen.
Die kleine Hundemadame wetzt immer vorneweg – es ist genau ihr Terrain: Zwischendurch ein vermooster Hügel mit freiliegendem Wurzelwerk, an dem man herumnagen und -zerren kann oder sandige Löcher, wie gemacht für die Dackelschnauze und die grabefreudigen Vorderläufe. Bächlein und Rinnsale, über oder durch die man beherzt hindurchhüpfen kann, während der Zweibeiner wie ein zittriger Idiot über den Baumstamm stelzt, der von einem Bachufer zum anderen führt und bei jedem Schritt leicht wippt.

Flussaufwärts marschieren wir gute 5 Kilometer, bis wir ihn aus der Isar hervorlugen sehen: den Georgenstein, früher mal „Großer Heiner“ genannt, was uns besser gefällt als die Benennung nach Sankt Georg, weil wir’s nicht so mit den Heiligen haben und mit Drachentötern schon gar nicht.

Ein Seelenort, dieser Felsblock mit seinem Blechheiligen darauf, nur über den steinernen Damm zu erreichen.

Wir setzen uns auf einen der großen Steine und lauschen dem heimatlichen Fluss, der hier nicht wild tost, sondern ruhig dahingleitet.
Alle 10 Sekunden ein tiefes, sanft murmelndes Gluckern, das durch eine klitzekleine Stromschnelle dank der Vertiefung neben einem den Damm begrenzenden Felsen entsteht.

Ein guter Ort, um den Arztbesuch vom Vortag sacken zu lassen und sich zu sammeln für den grauesten aller Monate, in dessen Mitte aber wenigstens unsere Türen in neuem Glanz erstrahlen werden.

Alles ist im Fluss (aber manches geht halt auch den Bach runter, wie’s scheint).

Die nächsten beiden Wochen betreue ich hier in erster Linie Handwerker, unterwerfe mich einem strengen Zeitplan, sauge Schleifstaub und anderen Dreck weg, erteile Anweisungen, lobe hier und meckere dort, koche Kaffee, trage Eimer und Folien zum Wertstoffhof, flüchte mit dem Dackelfräulein vor den Lackdämpfen in den Novembernebel, rücke höchstselbst den ersten Vorboten des Fugenschimmels im Bad mit einem Ghostbuster-ähnlichen Equipment zuleibe und erstelle – vermutlich mit Atemmaske am Schreibtisch sitzend – die längst überfällige Steuererklärung.

Selten zuvor ist es mir derart geglückt, alles Grauen in einen Monat zu packen und ausgerechnet auch noch in den, der sich dafür am allerbesten eignet!
Je nach Stimmungslage werde ich Sie ein bisschen daran teilhaben lassen.

Auch Ihnen einen wunderschönen November & lassen Sie doch mal hören, wie Sie diesen Monat so gestalten.

Herzlich grüßt Sie –
Die Kraulquappe.

Song des Tages bzw. Monats (14).

Der November geht zu Ende. Bislang gehörte dieser Monat allein wegen des Umschwungs von Herbst zu Winter nicht zu meinen bevorzugten Monaten. Diesmal hat er mir auch aus anderen Gründen zugesetzt: Das Schicksal spie mir nochmal einen großen Klumpen meines persönlichen Jahresthemas vor die Füße.

In 2016 ist Resonanz das wiederkehrende Thema gewesen, dieses Jahr ist es Täuschung.
Vertrauens- und Loyalitätsbruch von Menschen, denen ich das nicht zugetraut hätte.
Und auch im erweiterten Umfeld ein paarmal: Heuchelei statt Aufrichtigkeit, Rückzug statt Klärung, hintenrum statt gradheraus.

Nicht, dass die Menschen nicht reden könnten – das können sie sehr wohl: bei anderen wird das Herz ausgeschüttet oder gelästert, aber der, den’s betrifft, wird aus Feigheit umgangen bzw. „verschont“. Oder sie basteln sich im stillen Kämmerlein ihre „Wahrheiten“ zusammen, mixen sich ein Gebräu aus Unhinterfragtem und Unterstellungen, fällen Urteile. Bekommt man das Ganze eines Tages doch noch serviertt, staunt man nicht schlecht, fühlt sich gleichermaßen ratlos wie verraten.

Eine dieser Lebenserfahrungen, auf die ich hätte verzichten können, die aber natürlich nicht an meiner Schwelle Halt macht. Warum sollte sie auch. Wer weiß, wo und wie oft ich Vertrauen gebrochen habe, verurteilend oder illoyal war, ohne das zu wollen, es aber dennoch getan habe. Meist erfährt man das ja erst, wenn einen der Aufschrei des Verletzten erreicht. Manches Mal habe ich aufgeschrien in 2017, teils so ausgiebig, dass ich ganz heiser davon wurde.

Was hilft: Salbeitee mit Honig, die unverbrüchliche Treue einer Hundeseele, intakte Beziehungen und wuchtige Novembermusik.

Nothin‘ lasts forever
And we both know hearts can change
And it’s hard to hold a candle
In the cold November rain

I know it’s hard to keep an open heart
When even friends seem out to harm you
But if you could heal a broken heart
Wouldn’t time be out to charm you

(Nicht so leicht, eine Version zu finden, in der Axl Rose einigermaßen vollständig bekleidet und bei Stimme ist. Und keine Ahnung, was Elton John da am Zweitflügel verloren hat, aber er stört ja auch nicht.)

Ich verkrümel mich nun übers Wochenende nach Braunschweig, freu‘ mich drauf, und wünsche allseits einen verträglichen Novemberausklang ohne Husten und Heiserkeit.

Die Kraulquappe.

Go West(falen).

Sägen Großstadt, November und Zwist an den Nerven

Hilft gelegentlich auch die Flucht nach vorn

Mit dem Fahrtwind den ganzen Ballast von sich werfen

Nur vier Stunden dreizehn bis Paderborn 😊

Bin dann mal weg & wünsche ein schönes Wochenende –

Die Kraulquappe.

Über den Wolken.

Graue Nebelsuppe überzieht die Stadt. Das Thermometer zeigt null Grad an. Analog dazu steht das Stimmungsbarometer auf null Bock.

Als die mittägliche Gassizeit naht, beschließe ich, dem Wetterbericht des Bayrischen Rundfunks zu vertrauen und 45 Min Fahrt in Kauf zu nehmen für ein beinahe kostenloses und nebenwirkungsfreies Anti-Depressivum (oder Anti-Wuticum, das ich dieser Tage fast nötiger habe).

Kurz hinter Bad Tölz reißt die Nebelwand endlich auf. Vom geliebten Lenggries aus starten wir (ein wenig spät für so ein Unterfangen) unsere spontane Bergtour.

Ein restlicher Herbsthauch vermischt sich mit einer Prise Winter…

…aber schon bald gewinnt der Winter mehr und mehr die Oberhand…

…und nach einem Drittel der Strecke stapfen wir durch den eiskalten, verschneiten Wald aufwärts.

Die knapp 800 Höhenmeter den Sulzersteig hinauf sind anstrengender als gedacht, es ist teils vereist und hat viel mehr Schnee als ich angenommen hatte. Die Ausrüstung passt nicht so recht – ich trage das lediglich durch Skiunterwäsche erweiterte Bergsommer-Equipment. Eigentlich geh‘ ich ja nicht im Winter in die Berge.
Was angesichts solcher Momente, wie jenem, als wir aus dem steilen Bergwald hinaustreten aufs weite Almwiesenplateau unterhalb des Seekars, wirklich ein Fehler ist:

Eines DER Highlights des Jahres ist für mich immer wieder, die überschäumende Freude des Dackelfräuleins mitzuerleben, wenn es den ersten Pulverschnee riecht, sieht und unter den Pfoten spürt.
Darüber könnte ich ellenlang berichten, lasse aus Rücksicht auf die treue Leserschaft aber lieber ein paar Bilder für sich sprechen.

Der erste dackelhohe Pulverschnee in 2017!

Bei der Tannenzapfensuche.

Beim Fährtenlesen.

Die Einkehr winkt!

Die Lenggrieser Hütte empfängt uns mit einer Wahnsinns-Aussicht…

Über den Wolken (…)

(…) würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.

…wohliger Kachelofenwärme und Spinatknödeln. Da wir schon das dritte Mal in dem Jahr dort oben sind, verkneift sich Pippa sogar das Verbellen der Hüttenhündin, liegt brav unter der Bank und verspeist ihre Hundekaminwurzn.

Leider drängt die Zeit viel zu schnell wieder zum Aufbruch…

… und beim Abstieg geraten wir viel zu schnell wieder unter die Nebeldecke, düster wird’s.
Ein Stündchen später und man hätte ein Stirnlämpchen gebraucht, um den Grasleitensteig noch erkennen zu können.

Auf halber Strecke dann ein Stockbruch, na super. Der linke Leki ist somit nutzlos, was übel aufs Tempo geht bei dem Untergrund und noch übler ist fürs operierte Knie und die zusammen mit dem Meniskus amputierte Psyche.
Als ich mich für ein Stress-und-Angst-Pipi hinter eine Tanne kauere, folgt der Gürtelschnallenbruch. Plastikglump, blödes!

Mit ständig fast bis zu den Hüften herabrutschender Hose balanciere ich weiter talwärts, als mir endlich die zündende Idee unter der dicken Mütze hervorkriecht: die Hundeleine ist ja im Rucksack! Der Behelf funktioniert ganz hervorragend, vor allem in der Hosenträgervariante, und so gelingt’s uns noch auf den letzten Drücker, das Auto zu erreichen, bevor es stockfinster ist.

Wir merken uns fürs nächste Mal: Deutlich früher losgehen, zuvor andere Hose, neue Teleskopstöcke und ein Stirnlämpchen anschaffen. Wie gut, dass Weihnachten vor der Tür steht.

Fremdling, kommst du nach Sendling…

…musst du über viele Brücken gehen, zumindest, wenn du die Route wählst, die wir heute im Rahmen unseres Stadtspaziergangs Nr. 4 gelaufen sind.

Die Tierparkbrücke, heute bei Sonnenschein.

Startpunkt mal wieder (weil’s nah an Wasser und Wiesen liegt) am U-Bahnhof Thalkirchen.

Von da aus über die Tierparkbrücke ans rechte Isarufer, dort halten wir uns links und marschieren zum Flauchersteg…

…der eher eine lange Brücke ist als das, was man sich unter „Steg“ vorstellt…

…uns über viele Zwischeninseln führt, schöne Blicke auf den tosenden Wildfluss bietet…

…und vor allem herrlich in der Sonne liegt, so dass wir uns Zeit lassen zum Gucken, Lauschen und Wärmetanken.

Am Ende des Flaucherstegs halten wir uns beim Schinderstadl rechts, wo der Weg direkt an der Isar entlangführt, so dass ein letzter, spätherbstlicher Kneippgang für das Dackelfräulein drin ist…

…was eine kleine Fußball-Einheit nach sich zieht, damit die nasse Hundedame fix trocknet und sich nicht verkühlt.

Insgesamt sind wir über sieben (!) Brücken gelaufen…

…na gut, manchmal auch unten durch, aber ich finde, das zählt auch…

…bis wir nach anderthalb Stunden den Stadtteil erreichten, der unser heutiges Ziel war: Sendling.

Irgendwo zwischen Schlachthofviertel und Dreimühlenviertel krochen wir aus den Isarauen wieder hoch in den betonierten Teil der urbanen Wirklichkeit…

…und irrten etwas orientierungslos durch die Gegend, da uns etliche Baustellen die geplante Wegstrecke versperrten, entdeckten dank der Umwege das ein oder andere Strandgut über oder unter den Bahnbrücken…

…und fanden schließlich doch noch in die Senserstraße 7 mit der Lieblingspostleitzahl 81371. Dort befindet sich das relativ neu eröffnete Café Erika.

Die Straße machte ihrem Namen heute alle Ehre – denn hier war wirklich erstmal Sense: Ich war todmüde, die Nase triefte von dem langen Marsch durch die Kälte und ausgehungert war ich auch.

Wenn das Design der Taschentuchpackung so gut mit dem Interieur harmoniert…

…und einen zudem vom Regal aus adäquate Lektüre für das Großstadtzamperl anlächelt…

…muss man wohl definitv am richtigen Ort gelandet sein.

Und so war es auch!

Das „Erika“ ist eines dieser netten kleinen Cafés, die auf unprätentiöse Weise demonstrieren, wie mit Wenig oft Viel erreicht werden kann: etliche Teile der Einrichtung sind bei Ebay ersteigert, die Möbel wurden aus alten Turnhallendielen geschreinert und die zwei Café-Erika-Gründerinnen haben sich alles in mühsamer Kleinarbeit zusammengesucht, bis es so war, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Auch Hundefreundlichkeit ist hier nicht nur ein leeres Wort, sondern ein voller Napf…

…der sofort nach Ankunft kredenzt wird, aber zu Pippas Entsetzen nur einen aufgemalten Knochen auf dem Napfboden enthielt, der durch die wuppernden Bewegungen des Wassers auch noch so tat, als würde er leben und sich erst nach Leersaufen des gesamten Pottes als blöde, tote und nicht verzehrbare Deko entpuppte.

Die Inschrift „Good dog“ tröstet einen verfressenen Hund herzlich wenig – nur gut, dass der Service das umgehend durch einen Hundekeks wiedergutzumachen verstand.

Mein verspäteter Mittagsimbiss war gottseidank keine Atrappe, sondern tatsächlich eine sehr leckere Süßkartoffel-Karotten-Walnuss-Quiche mit Salatbeilage…

… – und wieder ist es mir gelungen, den Budgetrahmen (<10€) nicht zu sprengen, sogar inkl. kleinem Getränk und Kaffee.

Einziger Haken: ein Test des Inhalts der Kuchenvitrine, die eine wahre Augenweide war (speziell wegen der Eierschecke kommen Kunden offenbar aus entlegenen Stadtteilen hierher!), musste leider aufs nächste Mal verschoben werden.

Alles ist hier selbstgemacht, alles sieht köstlich aus, und weil die beiden Besitzerinnen sich auf der Stelle in das Dackelfräulein verliebt haben, wurden wir herzlich eingeladen, bald wiederzukommen – als Gäste oder als Crewmitglied.

Wir lassen uns das auf jeden Fall mal durch den Kopf gehen, denn das Personal isst ja meist umsonst 🙂

Einen schönen Mittwochabend wünschen
Die Kraulquappe und ihre Begleiterin.

Fräulein Pippas Gespür für Tee.

Eigentlich wollten wir heute in die Berge. Aber dann zogen sich die Magenbeschwerden und der Arbeitsvormittag doch länger hin als gedacht und das Dackelfräulein stand irgendwann quengelnd und drängelnd im Flur, so dass keine Zeit mehr war, für längere Fahrten zum Startpunkt.

Also umdisponiert und Stadtspaziergang Nr.3 vorgezogen. Doch noch nicht nach Sendling, da ich in unser beider Interesse auf Abwechslung achte, was die Gassirouten angeht – und wir waren erst vorgestern an der Isar.

Stattdessen steuern wir das Lehel an, die älteste der ehemaligen Münchner Vorstädte (heute zur Altstadt gehörend).

„Schon wieder U-Bahn-Fahren?!“

Mit der U-Bahn geht’s zur Alten Heide, von dort am Nordfriedhof vorbei zum nördlichen Englischen Garten.
Dort angekommen heißt es: Leinen los!

„Na endlich, es geht los!“

Es ist eine unserer Hausstrecken, hier kennt das Dackelfräulein jeden Trampelpfad, jeden Hasenbau, jeden Maulwurfshügel und jeden Pferdeapfel (und jeden Trick, mich abzulenken, um sich selbigen einzuverleiben).

Um frischen Pferdeäpfelnachschub kümmert sich die Münchner Polizei persönlich.

Immer wieder denke ich: Dieser Stadtpark ist einfach der Hammer. Seit Jahren laufen wir hier durch und es ist nie die gleiche Runde, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Am Schwabinger Bach entlang, am Oberjägermeisterbach entlang, an der Isar entlang oder schön mittig, ganz ohne Wasser, und dafür mit umso mehr Wiesen.

Munich, my love: Englischer Garten mit Blick zur Frauenkirche.

 

Der Monopteros oder: Was von den Plänen eines Münchner Pantheons übrigblieb.

Auf der gut 6 Kilometer langen Strecke passieren wir sage und schreibe fünf Einkehrmöglichkeiten, die wir alle tapfer links liegenlassen, weil unser Tourziel ganz im Süden liegt.

Das „Hofbräuhaus“ für Hundehalter: Ganzjährig ein beliebter Treffpunkt im Park.

 

Die Hirschau: Leider ohne Hirsche und auch nicht in der Au.

 

Das Seehaus: Draußen Saisonende, drinnen Nobelrestaurant.

 

So gehört sich das: Trinknapf-Étagère für alle, von Rex bis Waldi!

Was wir beide noch nicht kannten und deshalb für heute als Ziel ausgesucht hatten, befindet sich am südlichsten Ausläufer der Parkanlage: Das Fräulein Grüneis.

Schöner Name, schöner Ort, aber ohne des Dackelfräuleins guten Riecher für andere Frolleins, hätte ich es nicht auf Anhieb gefunden, da es etwas versteckt liegt.

Das Fräulein Grüneis: Im November menschenleeeres Kiosk-Café im Lehel.

Ich mag ja so kleine Lokale/Cafés/Kioske, die früher mal was anderes waren wie z.B. Milchladen, Scheune, Friseursalon, Tankstelle oder – in diesem Fall – erst Klohäusl, dann Schwulentreff und zuletzt Drogenumschlagplatz.

Sieht man dem schmucken Häuschen heute natürlich kaum noch an. Jetzt ist hier fast alles bio & charmant, und die einzigen herumliegenden Nadeln sind die, die von den Tannen gefallen sind.

Das ehemalige Klohäusl: Nun eine kuschelige Hütte mit Kaminfeuer und kleinen Leckereien.

Und die Kulinarik? Kleine Auswahl, feine Qualität.
Die Speisekarte sieht so aus, wie sich der Gatte eine TV-Fernbedienung ersehnt: 4 Optionen, kein verwirrender Schnickschnack, sondern eine klare Sache, die sofortiges Handeln ermöglicht.

Ich bestelle ein Stück saftigen Karottenkuchen und dazu einen Limetten-Tee mit Honig – für münchenübliche 6,70€.
Damit wäre die Vorgabe „Kein Stadtpaziergang über 10€“ (zumindest nicht einfach so & wenn es nix zu feiern gibt) auch eingehalten und erfreulicherweise sind sogar meine Magenschmerzen anschließend verschwunden (man sollte einfach mehr Zucker zu sich nehmen in dieser unwirtlichen, infektanfälligen Jahreszeit).

Weil die vier Sitzplätze drinnen belegt sind, noch dazu von einer Truppe, die das Türschild in allen Aspekten ernst zu nehmen scheint…

…nehmen wir entspannt draußen Platz und machen uns warme Gedanken während ich mich stärke und mein Heißgetränk schlürfe.

Anschließend unternehmen wir noch einen kleinen Streifzug durchs Lehel. Kein Wunder, dass viele Einheimische den Namen des Viertels wie „Lächel“ aussprechen.

Die Fassaden der repräsentativen Altbauten sind eine wahre Augenweide, der Weihnachtsmarkt hat gottseidank noch nicht eröffnet – eine belanglos-gemütliche und zugleich urban-mondäne Donnerstagnachmittagsatmosphäre weht uns um die Nasen, bevor wir müde und zufrieden wieder in die U-Bahn steigen und heimwärts fahren.

Nächste Woche dann Tour Nr.4, nach Sendling!

Herzlich grüßt
Die Kraulquappe.

Isarvorstadt, facking koid.

Was ich mir vornehme, ziehe ich üblicherweise auch durch. Weil mir Plänehaben gut tut und Pläneumsetzen erst recht.
Wenn wacklige Zeiten gerade so einigermaßen überstanden sind, man sich innerlich also halbwegs wieder zusammengesetzt hat, haben sich stabile Gerüste schon immer bewährt, um die gewohnte Trittsicherheit zurückzugewinnen.
Als Geländer, als Struktur, als Rahmen – insgesamt wohl als Präventivmaßnahme, um das Leben (oder sich selbst) davor zu bewahren, erneut in seine Einzelteile zu zerfallen.

Daher heute – wie letzte Woche beschlossen – der nächste Stadtausflug, ohne Rücksicht aufs Wetter: 5 Grad, Nieselregen, düster, aber ich finde, es gab den Sommer über wahrlich genug Blaue-Himmel-Bilder auf diesem Blog.

Bayrisch-Englisch-Mix unter der Wittelsbacherbrücke: Too facking koid.

Planungsprämisse Nr. 1: Die Strecke muss dem Dackelfräulein ausreichend Gelegenheit bieten, um ungehindert sausen zu können.
Maßgabe Nr. 2: Es muss ein Spaziergang sein, der ohne viele Umstände mit den Öffentlichen machbar ist, da ich nur von A nach B laufen möchte, aber nicht zu A zurück.
Und Nr. 3: Am Zielpunkt der Tour muss mich eine nette Einkehr erwarten, in der auch ein triefender Dackel willkommen ist.

Vom U-Bahnhof Thalkirchen (Tierpark) starten wir also bei ekligem Novemberwetter und spazieren zunächst durch den graubraunen Flaucher an der graugrünen Isar entlang.

Das Dackelfräulein überquert die Thalkirchner Brücke.

Später folgen wir dem Aubach, der seinen Namen irgendwo in Untergiesing in „Freibadbächl“ ändert und schließlich in den Frühlingsanlagen, die man getrost in Winteranlagen umtaufen könnte, versickert.

Kein Schwein unterwegs bei dem Wetter. Oder doch?

 

Große Hundefreude: Waten durch Laubmatsch und Aubachbett.

 

Meist mit von der Partie: Der orangefarbene Mittelpunkt des Dackeluniversums.

 

Man freut sich über jeden Farbtupfer…

 

…daher auch der kleine Abstecher in den Rosengarten…

 

… bevor wieder alles in Graubraugrünschwarz verschwimmt.

Nach etwa 6km sind wir in der Unteren Au angelangt, überqueren die Reichenbachbrücke hinüber zur Isarvorstadt und landen vor dem Haus, in dem mal meine Wiege stand: Auenstraße 4. Hier verbrachte ich meine ersten Lebensjahre.

Ein Kreis schließt sich: Wo ich heute meinen Hund ausführe, schoben mich meine Eltern im Kinderwagen durch die Isarauen.
Natürlich erinnere ich mich daran nicht im Geringsten.
Mir sind aus dieser Lebensphase nur fünf Dinge im Gedächtnis geblieben: Das Eis im Laden vom netten Herrn Ranftl, weil es da immer eine Extra-Waffel für mich gab, die Frau Loichinger im Nebenhaus, bei der es penetrant nach den Zigarren ihres Mannes Gustl und nach Selbstgebackenem roch, die Anni aus der Bäckerei Reichenbach-, Ecke Fraunhoferstraße, die mir die köstlichen Brezen mit den Noppen auf der Unterseite in die Hand drückte, der Pullover meiner Mutter mit dem psychedelischen Muster, ein kratziger Wollalptraum in 70er-Jahre-Orange mit pinken Kringeln drauf und eingewebten Silberfäden drin sowie ein schmerzlicher Sturz aufs Steißbein, als ich entgegen elterlicher Anweisungen die im Türrahmen befestigte Schaukel mit einem Loopingversuch, der nicht gelingen konnte, überstrapaziert hatte.
Einzig das mit den Brezen wirkt bis in die Gegenwart hinein: Ich habe nie aufgehört, in ganz München und Oberbayern nach vergleichbaren Noppenbrezen zu fahnden (fündig wurde ich bislang nur beim Altinger in der Donnersbergerstraße und beim Tremmel in Rottach-Egern – weitere sachdienliche Hinweise nehme ich jederzeit dankbar entgegen!).

Das Haus in der Auenstraße gibt es nicht mehr, es musste einem hässlichen Neubau weichen, und die Eisdiele vom netten Herrn Ranftl ist durch ein Steuerbüro ersetzt worden. Heute macht das nichts, ist ja kein Eisdielenwetter.

Dafür befindet sich um die Ecke ein Café, das als würdiger Abschluss des novembergrauen Stadtausflugs durchgeht: „Hungriges Herz“ heißt es, vermutlich wurde es von einem Springsteen-Fan eröffnet (womit es bereits einen Vertrauens- und Sympathievorschuss erhält), drinnen läuft zur Tarnung allerdings Lou Reed, was aber auch sehr ok ist, besonders im November.

Everybody’s got a hungry heart…

 

Everybody needs a place to rest…

Frei nach dem Springsteenschen Hungry-Heart-Vers „We took what we had and we ripped it apart“ gab es dann die Pizza des Tages.

Tagespizza für 6,90€ – damit weder heart, noch belly hungry bleiben müssen (und auch Bello nicht).

Nächste Woche dann: Sendling.
Unter anderem, weil es die Postleitzahl hat, die ich gern hätte.

 

Eine gute Woche, stay hungry, stay alive!
Herzlich grüßt euch –
die Kraulquappe.

http://www.youtube.com/watch?v=0My2AqPFpFg