Song des Tages bzw. Monats (14).

Der November geht zu Ende. Bislang gehörte dieser Monat allein wegen des Umschwungs von Herbst zu Winter nicht zu meinen bevorzugten Monaten. Diesmal hat er mir auch aus anderen Gründen zugesetzt: Das Schicksal spie mir nochmal einen großen Klumpen meines persönlichen Jahresthemas vor die Füße.

In 2016 ist Resonanz das wiederkehrende Thema gewesen, dieses Jahr ist es Täuschung.
Vertrauens- und Loyalitätsbruch von Menschen, denen ich das nicht zugetraut hätte.
Und auch im erweiterten Umfeld ein paarmal: Heuchelei statt Aufrichtigkeit, Rückzug statt Klärung, hintenrum statt gradheraus.

Nicht, dass die Menschen nicht reden könnten – das können sie sehr wohl: bei anderen wird das Herz ausgeschüttet oder gelästert, aber der, den’s betrifft, wird aus Feigheit umgangen bzw. „verschont“. Oder sie basteln sich im stillen Kämmerlein ihre „Wahrheiten“ zusammen, mixen sich ein Gebräu aus Unhinterfragtem und Unterstellungen, fällen Urteile. Bekommt man das Ganze eines Tages doch noch serviertt, staunt man nicht schlecht, fühlt sich gleichermaßen ratlos wie verraten.

Eine dieser Lebenserfahrungen, auf die ich hätte verzichten können, die aber natürlich nicht an meiner Schwelle Halt macht. Warum sollte sie auch. Wer weiß, wo und wie oft ich Vertrauen gebrochen habe, verurteilend oder illoyal war, ohne das zu wollen, es aber dennoch getan habe. Meist erfährt man das ja erst, wenn einen der Aufschrei des Verletzten erreicht. Manches Mal habe ich aufgeschrien in 2017, teils so ausgiebig, dass ich ganz heiser davon wurde.

Was hilft: Salbeitee mit Honig, die unverbrüchliche Treue einer Hundeseele, intakte Beziehungen und wuchtige Novembermusik.

Nothin‘ lasts forever
And we both know hearts can change
And it’s hard to hold a candle
In the cold November rain

I know it’s hard to keep an open heart
When even friends seem out to harm you
But if you could heal a broken heart
Wouldn’t time be out to charm you

(Nicht so leicht, eine Version zu finden, in der Axl Rose einigermaßen vollständig bekleidet und bei Stimme ist. Und keine Ahnung, was Elton John da am Zweitflügel verloren hat, aber er stört ja auch nicht.)

Ich verkrümel mich nun übers Wochenende nach Braunschweig, freu‘ mich drauf, und wünsche allseits einen verträglichen Novemberausklang ohne Husten und Heiserkeit.

Die Kraulquappe.

Go West(falen).

Sägen Großstadt, November und Zwist an den Nerven

Hilft gelegentlich auch die Flucht nach vorn

Mit dem Fahrtwind den ganzen Ballast von sich werfen

Nur vier Stunden dreizehn bis Paderborn 😊

Bin dann mal weg & wünsche ein schönes Wochenende –

Die Kraulquappe.

Über den Wolken.

Graue Nebelsuppe überzieht die Stadt. Das Thermometer zeigt null Grad an. Analog dazu steht das Stimmungsbarometer auf null Bock.

Als die mittägliche Gassizeit naht, beschließe ich, dem Wetterbericht des Bayrischen Rundfunks zu vertrauen und 45 Min Fahrt in Kauf zu nehmen für ein beinahe kostenloses und nebenwirkungsfreies Anti-Depressivum (oder Anti-Wuticum, das ich dieser Tage fast nötiger habe).

Kurz hinter Bad Tölz reißt die Nebelwand endlich auf. Vom geliebten Lenggries aus starten wir (ein wenig spät für so ein Unterfangen) unsere spontane Bergtour.

Ein restlicher Herbsthauch vermischt sich mit einer Prise Winter…

…aber schon bald gewinnt der Winter mehr und mehr die Oberhand…

…und nach einem Drittel der Strecke stapfen wir durch den eiskalten, verschneiten Wald aufwärts.

Die knapp 800 Höhenmeter den Sulzersteig hinauf sind anstrengender als gedacht, es ist teils vereist und hat viel mehr Schnee als ich angenommen hatte. Die Ausrüstung passt nicht so recht – ich trage das lediglich durch Skiunterwäsche erweiterte Bergsommer-Equipment. Eigentlich geh‘ ich ja nicht im Winter in die Berge.
Was angesichts solcher Momente, wie jenem, als wir aus dem steilen Bergwald hinaustreten aufs weite Almwiesenplateau unterhalb des Seekars, wirklich ein Fehler ist:

Eines DER Highlights des Jahres ist für mich immer wieder, die überschäumende Freude des Dackelfräuleins mitzuerleben, wenn es den ersten Pulverschnee riecht, sieht und unter den Pfoten spürt.
Darüber könnte ich ellenlang berichten, lasse aus Rücksicht auf die treue Leserschaft aber lieber ein paar Bilder für sich sprechen.

Der erste dackelhohe Pulverschnee in 2017!

Bei der Tannenzapfensuche.

Beim Fährtenlesen.

Die Einkehr winkt!

Die Lenggrieser Hütte empfängt uns mit einer Wahnsinns-Aussicht…

Über den Wolken (…)

(…) würde was uns groß und wichtig erscheint, plötzlich nichtig und klein.

…wohliger Kachelofenwärme und Spinatknödeln. Da wir schon das dritte Mal in dem Jahr dort oben sind, verkneift sich Pippa sogar das Verbellen der Hüttenhündin, liegt brav unter der Bank und verspeist ihre Hundekaminwurzn.

Leider drängt die Zeit viel zu schnell wieder zum Aufbruch…

… und beim Abstieg geraten wir viel zu schnell wieder unter die Nebeldecke, düster wird’s.
Ein Stündchen später und man hätte ein Stirnlämpchen gebraucht, um den Grasleitensteig noch erkennen zu können.

Auf halber Strecke dann ein Stockbruch, na super. Der linke Leki ist somit nutzlos, was übel aufs Tempo geht bei dem Untergrund und noch übler ist fürs operierte Knie und die zusammen mit dem Meniskus amputierte Psyche.
Als ich mich für ein Stress-und-Angst-Pipi hinter eine Tanne kauere, folgt der Gürtelschnallenbruch. Plastikglump, blödes!

Mit ständig fast bis zu den Hüften herabrutschender Hose balanciere ich weiter talwärts, als mir endlich die zündende Idee unter der dicken Mütze hervorkriecht: die Hundeleine ist ja im Rucksack! Der Behelf funktioniert ganz hervorragend, vor allem in der Hosenträgervariante, und so gelingt’s uns noch auf den letzten Drücker, das Auto zu erreichen, bevor es stockfinster ist.

Wir merken uns fürs nächste Mal: Deutlich früher losgehen, zuvor andere Hose, neue Teleskopstöcke und ein Stirnlämpchen anschaffen. Wie gut, dass Weihnachten vor der Tür steht.

Fremdling, kommst du nach Sendling…

…musst du über viele Brücken gehen, zumindest, wenn du die Route wählst, die wir heute im Rahmen unseres Stadtspaziergangs Nr. 4 gelaufen sind.

Die Tierparkbrücke, heute bei Sonnenschein.

Startpunkt mal wieder (weil’s nah an Wasser und Wiesen liegt) am U-Bahnhof Thalkirchen.

Von da aus über die Tierparkbrücke ans rechte Isarufer, dort halten wir uns links und marschieren zum Flauchersteg…

…der eher eine lange Brücke ist als das, was man sich unter „Steg“ vorstellt…

…uns über viele Zwischeninseln führt, schöne Blicke auf den tosenden Wildfluss bietet…

…und vor allem herrlich in der Sonne liegt, so dass wir uns Zeit lassen zum Gucken, Lauschen und Wärmetanken.

Am Ende des Flaucherstegs halten wir uns beim Schinderstadl rechts, wo der Weg direkt an der Isar entlangführt, so dass ein letzter, spätherbstlicher Kneippgang für das Dackelfräulein drin ist…

…was eine kleine Fußball-Einheit nach sich zieht, damit die nasse Hundedame fix trocknet und sich nicht verkühlt.

Insgesamt sind wir über sieben (!) Brücken gelaufen…

…na gut, manchmal auch unten durch, aber ich finde, das zählt auch…

…bis wir nach anderthalb Stunden den Stadtteil erreichten, der unser heutiges Ziel war: Sendling.

Irgendwo zwischen Schlachthofviertel und Dreimühlenviertel krochen wir aus den Isarauen wieder hoch in den betonierten Teil der urbanen Wirklichkeit…

…und irrten etwas orientierungslos durch die Gegend, da uns etliche Baustellen die geplante Wegstrecke versperrten, entdeckten dank der Umwege das ein oder andere Strandgut über oder unter den Bahnbrücken…

…und fanden schließlich doch noch in die Senserstraße 7 mit der Lieblingspostleitzahl 81371. Dort befindet sich das relativ neu eröffnete Café Erika.

Die Straße machte ihrem Namen heute alle Ehre – denn hier war wirklich erstmal Sense: Ich war todmüde, die Nase triefte von dem langen Marsch durch die Kälte und ausgehungert war ich auch.

Wenn das Design der Taschentuchpackung so gut mit dem Interieur harmoniert…

…und einen zudem vom Regal aus adäquate Lektüre für das Großstadtzamperl anlächelt…

…muss man wohl definitv am richtigen Ort gelandet sein.

Und so war es auch!

Das „Erika“ ist eines dieser netten kleinen Cafés, die auf unprätentiöse Weise demonstrieren, wie mit Wenig oft Viel erreicht werden kann: etliche Teile der Einrichtung sind bei Ebay ersteigert, die Möbel wurden aus alten Turnhallendielen geschreinert und die zwei Café-Erika-Gründerinnen haben sich alles in mühsamer Kleinarbeit zusammengesucht, bis es so war, wie sie es sich vorgestellt hatten.

Auch Hundefreundlichkeit ist hier nicht nur ein leeres Wort, sondern ein voller Napf…

…der sofort nach Ankunft kredenzt wird, aber zu Pippas Entsetzen nur einen aufgemalten Knochen auf dem Napfboden enthielt, der durch die wuppernden Bewegungen des Wassers auch noch so tat, als würde er leben und sich erst nach Leersaufen des gesamten Pottes als blöde, tote und nicht verzehrbare Deko entpuppte.

Die Inschrift „Good dog“ tröstet einen verfressenen Hund herzlich wenig – nur gut, dass der Service das umgehend durch einen Hundekeks wiedergutzumachen verstand.

Mein verspäteter Mittagsimbiss war gottseidank keine Atrappe, sondern tatsächlich eine sehr leckere Süßkartoffel-Karotten-Walnuss-Quiche mit Salatbeilage…

… – und wieder ist es mir gelungen, den Budgetrahmen (<10€) nicht zu sprengen, sogar inkl. kleinem Getränk und Kaffee.

Einziger Haken: ein Test des Inhalts der Kuchenvitrine, die eine wahre Augenweide war (speziell wegen der Eierschecke kommen Kunden offenbar aus entlegenen Stadtteilen hierher!), musste leider aufs nächste Mal verschoben werden.

Alles ist hier selbstgemacht, alles sieht köstlich aus, und weil die beiden Besitzerinnen sich auf der Stelle in das Dackelfräulein verliebt haben, wurden wir herzlich eingeladen, bald wiederzukommen – als Gäste oder als Crewmitglied.

Wir lassen uns das auf jeden Fall mal durch den Kopf gehen, denn das Personal isst ja meist umsonst 🙂

Einen schönen Mittwochabend wünschen
Die Kraulquappe und ihre Begleiterin.

Fräulein Pippas Gespür für Tee.

Eigentlich wollten wir heute in die Berge. Aber dann zogen sich die Magenbeschwerden und der Arbeitsvormittag doch länger hin als gedacht und das Dackelfräulein stand irgendwann quengelnd und drängelnd im Flur, so dass keine Zeit mehr war, für längere Fahrten zum Startpunkt.

Also umdisponiert und Stadtspaziergang Nr.3 vorgezogen. Doch noch nicht nach Sendling, da ich in unser beider Interesse auf Abwechslung achte, was die Gassirouten angeht – und wir waren erst vorgestern an der Isar.

Stattdessen steuern wir das Lehel an, die älteste der ehemaligen Münchner Vorstädte (heute zur Altstadt gehörend).

„Schon wieder U-Bahn-Fahren?!“

Mit der U-Bahn geht’s zur Alten Heide, von dort am Nordfriedhof vorbei zum nördlichen Englischen Garten.
Dort angekommen heißt es: Leinen los!

„Na endlich, es geht los!“

Es ist eine unserer Hausstrecken, hier kennt das Dackelfräulein jeden Trampelpfad, jeden Hasenbau, jeden Maulwurfshügel und jeden Pferdeapfel (und jeden Trick, mich abzulenken, um sich selbigen einzuverleiben).

Um frischen Pferdeäpfelnachschub kümmert sich die Münchner Polizei persönlich.

Immer wieder denke ich: Dieser Stadtpark ist einfach der Hammer. Seit Jahren laufen wir hier durch und es ist nie die gleiche Runde, weil es so viele Möglichkeiten gibt. Am Schwabinger Bach entlang, am Oberjägermeisterbach entlang, an der Isar entlang oder schön mittig, ganz ohne Wasser, und dafür mit umso mehr Wiesen.

Munich, my love: Englischer Garten mit Blick zur Frauenkirche.

 

Der Monopteros oder: Was von den Plänen eines Münchner Pantheons übrigblieb.

Auf der gut 6 Kilometer langen Strecke passieren wir sage und schreibe fünf Einkehrmöglichkeiten, die wir alle tapfer links liegenlassen, weil unser Tourziel ganz im Süden liegt.

Das „Hofbräuhaus“ für Hundehalter: Ganzjährig ein beliebter Treffpunkt im Park.

 

Die Hirschau: Leider ohne Hirsche und auch nicht in der Au.

 

Das Seehaus: Draußen Saisonende, drinnen Nobelrestaurant.

 

So gehört sich das: Trinknapf-Étagère für alle, von Rex bis Waldi!

Was wir beide noch nicht kannten und deshalb für heute als Ziel ausgesucht hatten, befindet sich am südlichsten Ausläufer der Parkanlage: Das Fräulein Grüneis.

Schöner Name, schöner Ort, aber ohne des Dackelfräuleins guten Riecher für andere Frolleins, hätte ich es nicht auf Anhieb gefunden, da es etwas versteckt liegt.

Das Fräulein Grüneis: Im November menschenleeeres Kiosk-Café im Lehel.

Ich mag ja so kleine Lokale/Cafés/Kioske, die früher mal was anderes waren wie z.B. Milchladen, Scheune, Friseursalon, Tankstelle oder – in diesem Fall – erst Klohäusl, dann Schwulentreff und zuletzt Drogenumschlagplatz.

Sieht man dem schmucken Häuschen heute natürlich kaum noch an. Jetzt ist hier fast alles bio & charmant, und die einzigen herumliegenden Nadeln sind die, die von den Tannen gefallen sind.

Das ehemalige Klohäusl: Nun eine kuschelige Hütte mit Kaminfeuer und kleinen Leckereien.

Und die Kulinarik? Kleine Auswahl, feine Qualität.
Die Speisekarte sieht so aus, wie sich der Gatte eine TV-Fernbedienung ersehnt: 4 Optionen, kein verwirrender Schnickschnack, sondern eine klare Sache, die sofortiges Handeln ermöglicht.

Ich bestelle ein Stück saftigen Karottenkuchen und dazu einen Limetten-Tee mit Honig – für münchenübliche 6,70€.
Damit wäre die Vorgabe „Kein Stadtpaziergang über 10€“ (zumindest nicht einfach so & wenn es nix zu feiern gibt) auch eingehalten und erfreulicherweise sind sogar meine Magenschmerzen anschließend verschwunden (man sollte einfach mehr Zucker zu sich nehmen in dieser unwirtlichen, infektanfälligen Jahreszeit).

Weil die vier Sitzplätze drinnen belegt sind, noch dazu von einer Truppe, die das Türschild in allen Aspekten ernst zu nehmen scheint…

…nehmen wir entspannt draußen Platz und machen uns warme Gedanken während ich mich stärke und mein Heißgetränk schlürfe.

Anschließend unternehmen wir noch einen kleinen Streifzug durchs Lehel. Kein Wunder, dass viele Einheimische den Namen des Viertels wie „Lächel“ aussprechen.

Die Fassaden der repräsentativen Altbauten sind eine wahre Augenweide, der Weihnachtsmarkt hat gottseidank noch nicht eröffnet – eine belanglos-gemütliche und zugleich urban-mondäne Donnerstagnachmittagsatmosphäre weht uns um die Nasen, bevor wir müde und zufrieden wieder in die U-Bahn steigen und heimwärts fahren.

Nächste Woche dann Tour Nr.4, nach Sendling!

Herzlich grüßt
Die Kraulquappe.

Isarvorstadt, facking koid.

Was ich mir vornehme, ziehe ich üblicherweise auch durch. Weil mir Plänehaben gut tut und Pläneumsetzen erst recht.
Wenn wacklige Zeiten gerade so einigermaßen überstanden sind, man sich innerlich also halbwegs wieder zusammengesetzt hat, haben sich stabile Gerüste schon immer bewährt, um die gewohnte Trittsicherheit zurückzugewinnen.
Als Geländer, als Struktur, als Rahmen – insgesamt wohl als Präventivmaßnahme, um das Leben (oder sich selbst) davor zu bewahren, erneut in seine Einzelteile zu zerfallen.

Daher heute – wie letzte Woche beschlossen – der nächste Stadtausflug, ohne Rücksicht aufs Wetter: 5 Grad, Nieselregen, düster, aber ich finde, es gab den Sommer über wahrlich genug Blaue-Himmel-Bilder auf diesem Blog.

Bayrisch-Englisch-Mix unter der Wittelsbacherbrücke: Too facking koid.

Planungsprämisse Nr. 1: Die Strecke muss dem Dackelfräulein ausreichend Gelegenheit bieten, um ungehindert sausen zu können.
Maßgabe Nr. 2: Es muss ein Spaziergang sein, der ohne viele Umstände mit den Öffentlichen machbar ist, da ich nur von A nach B laufen möchte, aber nicht zu A zurück.
Und Nr. 3: Am Zielpunkt der Tour muss mich eine nette Einkehr erwarten, in der auch ein triefender Dackel willkommen ist.

Vom U-Bahnhof Thalkirchen (Tierpark) starten wir also bei ekligem Novemberwetter und spazieren zunächst durch den graubraunen Flaucher an der graugrünen Isar entlang.

Das Dackelfräulein überquert die Thalkirchner Brücke.

Später folgen wir dem Aubach, der seinen Namen irgendwo in Untergiesing in „Freibadbächl“ ändert und schließlich in den Frühlingsanlagen, die man getrost in Winteranlagen umtaufen könnte, versickert.

Kein Schwein unterwegs bei dem Wetter. Oder doch?

 

Große Hundefreude: Waten durch Laubmatsch und Aubachbett.

 

Meist mit von der Partie: Der orangefarbene Mittelpunkt des Dackeluniversums.

 

Man freut sich über jeden Farbtupfer…

 

…daher auch der kleine Abstecher in den Rosengarten…

 

… bevor wieder alles in Graubraugrünschwarz verschwimmt.

Nach etwa 6km sind wir in der Unteren Au angelangt, überqueren die Reichenbachbrücke hinüber zur Isarvorstadt und landen vor dem Haus, in dem mal meine Wiege stand: Auenstraße 4. Hier verbrachte ich meine ersten Lebensjahre.

Ein Kreis schließt sich: Wo ich heute meinen Hund ausführe, schoben mich meine Eltern im Kinderwagen durch die Isarauen.
Natürlich erinnere ich mich daran nicht im Geringsten.
Mir sind aus dieser Lebensphase nur fünf Dinge im Gedächtnis geblieben: Das Eis im Laden vom netten Herrn Ranftl, weil es da immer eine Extra-Waffel für mich gab, die Frau Loichinger im Nebenhaus, bei der es penetrant nach den Zigarren ihres Mannes Gustl und nach Selbstgebackenem roch, die Anni aus der Bäckerei Reichenbach-, Ecke Fraunhoferstraße, die mir die köstlichen Brezen mit den Noppen auf der Unterseite in die Hand drückte, der Pullover meiner Mutter mit dem psychedelischen Muster, ein kratziger Wollalptraum in 70er-Jahre-Orange mit pinken Kringeln drauf und eingewebten Silberfäden drin sowie ein schmerzlicher Sturz aufs Steißbein, als ich entgegen elterlicher Anweisungen die im Türrahmen befestigte Schaukel mit einem Loopingversuch, der nicht gelingen konnte, überstrapaziert hatte.
Einzig das mit den Brezen wirkt bis in die Gegenwart hinein: Ich habe nie aufgehört, in ganz München und Oberbayern nach vergleichbaren Noppenbrezen zu fahnden (fündig wurde ich bislang nur beim Altinger in der Donnersbergerstraße und beim Tremmel in Rottach-Egern – weitere sachdienliche Hinweise nehme ich jederzeit dankbar entgegen!).

Das Haus in der Auenstraße gibt es nicht mehr, es musste einem hässlichen Neubau weichen, und die Eisdiele vom netten Herrn Ranftl ist durch ein Steuerbüro ersetzt worden. Heute macht das nichts, ist ja kein Eisdielenwetter.

Dafür befindet sich um die Ecke ein Café, das als würdiger Abschluss des novembergrauen Stadtausflugs durchgeht: „Hungriges Herz“ heißt es, vermutlich wurde es von einem Springsteen-Fan eröffnet (womit es bereits einen Vertrauens- und Sympathievorschuss erhält), drinnen läuft zur Tarnung allerdings Lou Reed, was aber auch sehr ok ist, besonders im November.

Everybody’s got a hungry heart…

 

Everybody needs a place to rest…

Frei nach dem Springsteenschen Hungry-Heart-Vers „We took what we had and we ripped it apart“ gab es dann die Pizza des Tages.

Tagespizza für 6,90€ – damit weder heart, noch belly hungry bleiben müssen (und auch Bello nicht).

Nächste Woche dann: Sendling.
Unter anderem, weil es die Postleitzahl hat, die ich gern hätte.

 

Eine gute Woche, stay hungry, stay alive!
Herzlich grüßt euch –
die Kraulquappe.

http://www.youtube.com/watch?v=0My2AqPFpFg

Bescheiden bleiben.

Der Glaube versetzt Berge, heißt es.

Ungläubige müssen kleinere Brötchen backen, klärt mich die Bayerische Schlösser- und Parkverwaltung auf.

Aus dem Englischen Garten grüßt, etwas im Trüben fischend,

Die Kraulquappe.

You & me & Lady Luck. Zum 7. November 2016.

Liebe K.,

da an den meisten Tagen die Situation immer die gleiche, verstandesmäßige, ist:
aufwachen, waschen, anziehen, arbeiten, sich mit der Arbeit einlassen, nicht verzweifeln,
den Versuch machen, nicht zu verzweifeln
(frei nach Thomas Bernhard und hoffentlich nicht schon von Herrn Z. zitiert?),
wünsche ich Dir für deinen heutigen Geburtstag
(und den Großteil der Zeit in deinem neuen Lebensjahr),
dass sich diese Ereignis- und Erlebenskette möglichst durchbrechen lässt.

Gegen’s Aufwachen ist ja schon mal nichts einzuwenden,
sofern einen nicht der Wecker aus schönen Träumen reißt,
auch die tägliche Wäsche tut meist gut, das Anziehen hingegen strengt manchmal schon an,
also mach’s dir bequem heute.
Und falls du dann wach, gewaschen und angezogen in die Arbeit gehst,
sollen dich dort Törtchen und Schampus erwarten,
so dass die sonst erforderlichen Einlassungen auf ein Minimum reduziert werden
(und Verzweiflung erst gar nicht aufkommt).

Den übrigen Tag mögest du spazierend, sinnierend, schauend,
schmunzelnd und schnabulierend verbringen –
und all das genau so intensiv, wie dir bei diesem Bilderbuchnovemberwetter zumute ist.

Nicht dass es dir sonst ergeht wie Bruce, der sich beklagt:
„All my elevens and sevens been comin‘ up sixes and nines“.
Um Himmels Willen, Sechser und Neuner, stell dir das lieber erst gar nicht vor!
Dein 7er soll ein 7er bleiben und der Elfer ein Elfer,
da braucht nichts verändert oder verwandelt werden.

Immerhin kriegt Bruce in seinem Song noch rechtzeitig die Kurve
und ab da schließe ich mich ihm wieder gerne an:

„You and me and Lady Luck
We’ll be celebrating
Drinkin‘ champagne on ice
In just another roll of the dice“

Alles Gute und einen wunderbaren Seven-Eleven-Tag
wünscht dir pünktlich um 7:11 Uhr
Deine Kraulquappe.

7eleven-3