Himmel der Bayern (70) und Song des Tages (43): Aufi, aufi!

Donnerstag, 16. Jänner. Mittags, irgendwo unterm Jenner.

Wie schon gesagt: das neue Jahr läuft auf Hochtouren. Und wir laufen mit, so gut wir können.
Eine richtige Hochtour ist zwar was anderes, aber bei dem Wetter und diesen Aussichten genügt solch ein Aufstieg allemal.
Erst recht bei mangelhafter Vorbereitung: Wieder mal nicht bedacht, dass die Angabe der Gehzeiten, wenn’s nicht explizit dabeisteht, sich auf die Sommerwegstrecken bezieht und man im Winter deutlich länger braucht.

Ein fataler Fehler, denn mit 9 Kilo Tourenrucksack und Grödeln an den schweren Schuhen macht es einen gewaltigen Unterschied, ob man zweieinviertel Stunden marschiert oder eben dreieinhalb.
Eines meiner obersten Berg-Gebote, „Plane deine Wege, Zeiten, Geschwindigkeiten und Kräfte stets so, dass du auch deinen Hund sicher hinauf- und/oder hinunter bringst, ihn notfalls sogar die gesamte Strecke über tragen könntest!“, gerät daher beinahe ins Wanken.

Denn unterwegs führen krass vereiste Wegstücke dazu, dass wir zweimal einen Umweg nehmen müssen, weil sonst… naja, ich weiß nicht, wer von uns zuerst den Hang runtergerutscht wäre – das Dackelfräulein oder ich.
Sicher ist sicher, also in die Karte geguckt und anders gegangen als geplant. Dummerweise zweimal eine Skipiste queren müssen, ging nicht anders. Natürlich ganz am Rand gehalten und immer gut nach oben geguckt und das Fräulein etwas beruhigen müssen, als in Pistenmitte der erste Snowboarder in einem Affenzahn an uns vorbeihobelt. Gottseidank eine sehr breite Piste, leider aber eine schwarze, gefühlt war das wie senkrecht nach oben zu gehen.
Auch die Schneeverhältnisse nicht korrekt recherchiert, auf den Webcams sah alles irgendwie so harmlos aus, nach ein bisschen Winter, aber nicht nach verschneiten Almwiesen, in die man bis zum Knie einbricht.

Der Rucksack wegen des Übernachtungsgeraffels, Hundeglumps und der Fotoausrüstung, die diesmal ja auch mit musste, nah an der Grenze des Tragbaren. Man ist keine 25 mehr und der Zenit der Fitness und Belastbarkeit ist eh längst überschritten. Beim Hochgehen zwickt wechselweise die Schulter, der Ellenbogen, der Nacken und – neu! – ab und zu auch die rechte Hüfte.

Von derlei Planungsunschärfen und Spontanungemach mal abgesehen: Eine irre schöne Tour! Das Berchtesgadener Land landschaftlich ja sowieso der Hammer, gefiel mir schon als Kind.

Unter mir der glitzernde Königssee, über mir der blauweiße Bayernhimmel, vor mir der weltschönste Dackelpopo, im Westen der majestätische Watzmann, im Osten Tu felix Austria.

Auch das frisst Zeit, wenn man alle paar Minuten mal kurz staunend stehenbleiben muss!

Toller Nebeneffekt der Unternehmung: in luftiger Höhe sind die blöden Haselpollen noch im tiefsten Winterschlaf. Zwei Tage Rotzpause also, Schniefen und Tränen gehen hier ausschließlich aufs Konto der atemberaubenden Schönheit, die mich umgibt (oder sind Vorboten einer Erkältung, nach einer Übernachtung bei minus 10 Grad).

Das Carl-von-Stahl-Haus, die Alpenvereinshütte, in der wir nächtigen, liegt auf 1.733m (oder 1.736m Höhe, da gehen die Meinungen auseinander), am Torrener Joch, zwischen Hagengebirge und Göllstock, exakt auf dem Grenzkamm: hier Oberbayern, dort Salzburger Land – solche Orte liebe ich ja ebenso sehr wie Sackgassenorte.

Auf der Hütte gibt’s – welch Segen für den geschundenen Körper! – eine warme (!) Dusche (!) und ein eigenes Zimmer für Hundebesitzer (mit dem schönen Namen „Murmeltierbau“), sofern der Belegungsplan es hergibt, was er jenseits aller Feiertags- und Ferienzeiten erfreulicherweise tut.
Und ein Sonnenuntergang der Extraklasse erwartet uns, wie mir die kundigen Bergkumpane beim nachmittäglichen Weißbier zu berichten wissen.

Auch das Dackelfräulein ist redlich geschafft, aber Kräfte und Geschick reichen noch, um Hüttenhündin Susi anzumeckern, als diese sich in Kachelofennähe in der Gaststube niederlassen möchte, und um in einem unbeobachteten Augenblick das Mini-Milchkännchen, das neben meinem Teepott steht, leerzuschlürfen (und zwar ohne dass das Kännchen dabei umkippt, alle Achtung!).

Diese Schlawinerszene spielt sich just in dem Moment ab, als wir, die paar Hüttengäste, hinausstürmen auf die Terrasse, um der Sonne zuzugucken, wie sie zwischen dem Großen Hundstod (herrje!) und dem Watzmann (mal aus ungewohnter Perspektive) versinkt.

Links im Bild (der einzelne hohe Zacken): der große Hundstod. Rechts: der Watzmann.

Sonnenuntergang ratzfatz: zwischen dem oberen Bild und diesem lagen höchstens 2 Minuten.

Zu fünft sitzen wir beim Abendessen. Zwei Bergsteiger aus BGL, ein Österreicher, eine Sächsin und ich. Ausnahmsweise sind da heroben mal keine Schwaben anzutreffen (deren Absenz die eine Sächsin allerdings locker wettmacht).

Pippa freundet sich mit jedem an, der Gamsgulasch bestellt. Weil es aber nach dem Milchklau eine ziemlich heftige Schelte gab, wagt sie es kein zweites Mal, mit der Schnauze über die Tischplatte zu schnuppern.
Falls Sie sich jetzt fragen, wie das überhaupt geht, dass so ein Dackel auf Tischplattenhöhe herumschnuppern kann: Das geht ganz einfach, indem der Hüttenwirt einem wegen des arg kalten Fußbodens eine Decke bringt und dem Fräulein erlaubt, mit auf der Holzbank zu sitzen, und schon haben Sie den Hunderüssel in Teller- oder Milchkännchennähe und diesen Ich-verhungere!-Blick direkt neben Ihrem Ellenbogen.

Um 19 Uhr stapft eine Horde Männer in die Stube. Wo kommen die denn her? Draußen ist es seit zwei Stunden stockfinster!
Man klärt mich rasch auf: donnerstags ist hier Skitourengeher-Abend. Das bedeutet: Von bayrischer und österreichischer Seite aus steigen Menschen in einer Montur, die schwer nach Weltraummission aussieht, im Schein ihrer im Helm integrierten Scheinwerfer (cool!) und im Schweiße ihres dunkelroten Angesichts (uncool!) zum Stahlhaus hoch, löten sich zwei bis drei Halbe rein (huijuijui!), marschieren dann wieder hinaus in die Kälte, schwanken hinüber zum Jenner und stürzen sich dort über die Piste hinunter ins Tal (oh Gott!).
Mit einem der Kerle, tagsüber ein braver Beamtenbursche vom Landratsamt in Reichenhall, komme ich, weil auch ihm Gamsgulasch serviert wird, länger ins Gespräch und erfahre: das machen die dort als Feierabendsport! 2 Stunden hinauf, 1,5 Stunden Hütte, 1,5 Stunden retour. Na, pfiat di!

Weil’s ein Einheimischer ist und eh ein netter Typ, befrag ich ihn zu allem, was mir beim Aufstieg Kopfzerbrechen bescherte, lerne eine Menge über Schnee und Eis, lasse mir auf der Karte alle Gipfel und Gebirgszüge der Gegend zeigen, ein paar Wegvarianten für meinen Abstieg am nächsten Morgen erklären, quetsche ihn zu den Passen und über den Untersberg aus, und am Schluss plaudern wir über die klasse Serie mit dem Ofczarek in der Hauptrolle („Der Pass“).

Derweil leert sich die Hütte zusehends und um 21 Uhr sind die wilden Männer schließlich alle wieder weg, die Sächsin schon im Bett, die zwei BGLler ins Kartenspiel vertieft und der Österreicher trinkt das soundsovielte Stiegl und hat das Dackelfräuleinkinn auf seinem Oberschenkel liegen. Er vertreibt sich die Zeit als Hundephysiotherapeut und knetet liebevoll den Teckelrücken durch.

Um 21:30 Uhr dann nochmal hinaus in die Eiseskälte zur letzten Hunderunde. Mit der Stirnlampe unterm Sternenhimmel herumstolpern, während das Fräulein sich erleichtert, im Mondlicht ein letzter Blick hinüber zum Schneibstein, auf den es nicht allzu viel gschneibt (oder gschniebn?) hat und der vielleicht als Morgensportziel in Frage käme, bevor es wieder talwärts geht.
(Anm. d. Red.: Dieser Übermut wird bis zum nächsten Morgen verschwunden sein, denn nach einer bitterkalten Nacht, werden alle überflüssigen sportlichen Aktivitäten schockgefrostet ad acta gelegt. In der gesamten Hütte ist nämlich nur die Gaststube beheizt, ansonsten behilft man sich mit dicken Wolldecken, Mütze, Schal etc., und mit anderthalb Metern Heizwurst, die man so eng an sich presst, wie es grad noch möglich ist, ohne dass das Tier unter dem Deckenberg zu röcheln beginnt.)

Eine Zauberwelt hier oben, einfach alles: rundum diese Weite, ein Paradies der Stille, dem Himmel so nah und einer hängengebliebenen Schallplatte gleich die immerzu selbe Erkenntnis, nirgendwo anders leben zu wollen, niemals.

Gucken Sie doch mal hier, – ist das nicht eine Wahnsinns-Kulisse für ein Nachtgassi?!?

Und schauen Sie gern auch morgen nochmal hier vorbei, da gibt’s dann Teil 2 mit dem Titel „Obi, obi!“ und – so viel sei schon verraten – das wird keine öde Baumarktstory, obwohl es so klingt und sie auch noch samstags erscheint.

Für heute verabschieden wir uns überschriftsgetreu mit dem Herrn Ambros und ein paar Impressionen aus der Berchtesgadener Bergwelt und humpeln alsbald in die Koje.

Himmel der Bayern (68): Vom Lauf der Zeit (und dem Lauf zur Brotzeit).

Blick von Wamberg Richtung Wank.

Um ein Haar hätte ich „Schimmel der Bayern“ ins Überschriftenfeld getippt – ein recht deutlicher Hinweis darauf, gestern einfach zu oft dieses Ekelwort geschrieben zu haben. So einen schimmligen Feuchtfleck im Innersten der Wohnung zu haben, das belastet mich schon sehr.

Heut aber weit weg vom Schimmel (und den anderen Malaisen zu Tale), dafür echt nah am Himmel der Bayern. Wie erwartet: ganztags Sonne und die Wege menschenleer.
Die Partnachklamm wird nämlich grad „renoviert“, drumrum sind noch ein paar Wege aufgrund von Sturmschäden unpassierbar, der Sessellift steht still, der Skizirkus hat noch nicht begonnen – und schon haben dort oben alle (!) Hütten und Almen zu. Und all diese Gegebenheiten zusammen locken dann halt so gut wie niemanden mehr hinauf.

Erst war ich auch ein wenig zerknirscht, weil so eine gepflegte Weiße nach dem schweißtreibenden Aufstieg in der Wintersonne schon eine feine Sache ist. In Begleitung eines halbierten Kaiserschmarrns sogar eine noch feinere Sache. Aber wir beschließen, die Tour trotzdem oder gerade deshalb zu machen, weil uns ja außer unserem Geschnatter nach Ruhe ist und man beim Eckbauer die ganze Terrasse für sich allein haben wird, ein wirklich seltener Luxus!

Also übernimmt D. die Proviantplanung und ich kümmere mich um den Rest, kutschiere uns nach Garmisch und zurück und bastle eine Tour aus den aktuell begehbaren Routen zusammen.

13 Kilometer Winterwanderung, davon mindestens die Hälfte in der Sonne, der erste Schnee für uns alle und – ich wiederhole diesen Satz Winter für Winter mit derselben Freude, weil es einfach jedes Jahr aufs Neue ein so wonniger Moment ist: das Dackelfräulein flippt erstmal aus und saust wie ein wildgewordenes Karnickel über die schneebedeckten Hänge.

Überhaupt hat sie blendende Laune heute und ist sehr gut beieinander. So kurz vor ihrem 8. Geburtstag beglückt mich das fast noch mehr als sonst, denn diese Acht, die tut schon ein bisserl weh, wenn man sie so hinschreibt und sie anschaut, mit dieser Einschnürung in ihrer Mitte symbolisiert sie ja geradezu, dass sie zwei Hälften zusammenhält und jetzt bricht eben diese zweite Hälfte an und wenn ich bedenke, wie schnell die erste vergangen ist, dann wird mir ganz klamm ums Herz. „Viereinhalb Monate“ – das antwortete man mal auf die Frage nach ihrem Alter, und ich hör’s mich noch sagen als wär’s gestern gewesen, dabei ist das 7 Jahre und 7 Monate her (damals benannte man noch halbe Monate, mittlerweile rundet man bereits seit Wochen auf die 8 auf).

Naja, der Lauf der Zeit eben.

Mahlzeit!

Aber wenn so eine gemeinsame Zeit schon länger läuft, hat das ja auch viele Vorteile. In allen Beziehungen. Zum Beispiel kennt D. nicht nur meinen Münchner Lieblingsbrezenbäcker (praktischerweise ist sie sogar ins Haus neben ihm gezogen), sondern nach 19 Jahren auch alle anderen wesentlichen Nahrungsvorlieben und -abneigungen, so dass ich mich entspannt an den gedeckten Tisch, der heute Mittag eine Holzbank an der Hüttenwand ist, setzen und das wohlsortierte Buffet genießen kann.

Die wattierten Jacken kann man dort oben getrost zum Trocknen ausbreiten, die Ärmel etwas hochkrempeln und die Sonnenbrille aufsetzen. Der Blick über die Schulter, aufs Thermometer an der Hauswand, zeigt 18 Grad. Der Blick geradeaus ruht auf dem Wettersteingebirge oder sucht das Schachenhaus oder das Dreitorgatterl.

Ich verschone Sie heute mal mit einer größeren Auswahl der immergleichen Fotos, speziell zu dieser Tour.
Sie können sich die Wintervariante ausgiebig hier ansehen und die Sommerausgabe dort. Es ist eigentlich immer krass schön in der Gegend, zumindest wochentags, außerhalb der Saison oder eben wenn alles zu hat.

Möge die heutige Vitamin D-Intensivkur nun eine Weile vorhalten.
Ihnen auch noch eine schöne, sonnenreiche und schimmelfreie restliche Woche!

Bierbichler-Country.

Nach vier seelosen (aber keinesfalls seelenlosen) Tagen wieder am See unterwegs: Ostufer – von Münsing über Reicherskam, Holzhausen, Oberambach und Weidenkam nach Ambach.

Dem Föhn sei Dank weht ein so mildes Lüftchen, dass man mit offener Jacke spazieren gehen kann, und nicht friert, wenn man alle 10 Minuten stehenbleiben muss, um die Himmelsfarben überm See oder der Alpenkette zu bewundern oder sich auf dem Aussichtsbankerl vor der Holzhausener Kirche niederlässt und sein Käsebrot isst.

Dann sogar noch ein Plätzchen im Bierbichler-Gasthof bekommen, auf ein Unertl, eine leichte Frühnachmittagsweiße, im Wirtshausflur hängt das Interview mit dem Spruch des Hausherrn: „Ich hacke Holz, damit ich nicht joggen muss.“

Nette Münchner mit am Tisch, Blick auf den See, eine angeregte Unterhaltung ergibt sich und weil’s dann bei Aufbruch glatt schon ein wenig dämmert, nehmen sie das Dackelfräulein und mich ein Stück im Auto mit, da wir die anderthalb Stunden zurück zum Auto definitiv nicht mehr im Hellen geschafft hätten.

Daheim gleich die schon morgens vorbereitete Lasagne ins Rohr geschoben und alsbald verzehrt. Was will man mehr?

Vom langsamen, leicht umständlichen Heranpirschen an das Eigentliche einer Sache.

Drei Tage Arbeitsklausur am See.
Mich mit Ruhe und Bedacht und auf ein paar Umwegen an das Eigentliche herangepirscht.
Mit passablem Ergebnis: der Text ist jetzt zu 95% fertig. Finde ich zumindest heute Morgen.

Und sonst so?

Von allem was dabei gewesen:
Perfekter Seeblick vom Zimmerfenster aus, drumrum ein Ort der Inspiration, etwas sportliche Betätigung in den Morgenstunden, zäher Novembernebel, zähe Gedanken, absurde Wortfindungsstörungen, aber auch sprudelnde Ideen, beinahe ungeahnte Kreativitätsschübe, kalte Füße trotz warmer Socken, lauwarmes Rührei zum Frühstück, den Input an Nachrichten aus der Welt gering gehalten, immerhin 1x Musik gehört bei einem Morgenlauf, abends Stern-Weiße von Hacker-Pschorr (kommt gleich nach Schneider Weiße TAP7), ein krasser Sonnenuntergang in Lila-Orange-Magenta, wunderbar feste Matratze, entsprechend gut geschlafen, im Lokal 1x Schwaben am Nachbartisch („Ha noi, de Oggsebruschd is aus!“), dafür 2x in ebenjenem Lokal Horizont erweitert in Sachen OMG (once again: that doesn’t mean „Oh my God“ but Oskar Maria Graf, a famous Bavarian writer), sogar einige Gedichte gelesen, keinerlei überflüssige Wortwechsel mit überflüssigen Zeitgenossen, jeden Tag ein schwarzes Haar des Zimmermädchens im weißen Waschbecken, drei Herpes nebeneinander auf der Oberlippe (beinahe schaut’s aus wie die aufgespritzen Lippen eines Hollywoodstars, nur die Frisur passt nicht ganz dazu), eine angenehme Nachttischleuchte (schätzungsweise 2700 Kelvin, so muss das sein), resche Bratkartoffeln ohne blöden Kümmel oder ekligen Speck und endlich mal eine Rezeptionistin, die auf meine Bitte um eine ganz bestimmte Art von Zweitkopfkissen sofort sachkundig mit „Ah, Sie moana a Hansi?!“ reagiert.
Ja super! Genau, des moan i (mia song dahoam Hansipolster, oba bassd scho)!
Erlebt man ja leider verdammt selten in Hotels.

Wenn eines der wichtigsten Werke von Oskar Maria Graf nicht ausgerechnet mit „Das Leben meiner Mutter“ betitelt wäre, hätte ich das Trumm ja schon längst gelesen. Deshalb muss ich mich auch da ganz langsam heranpirschen, diese biografisch bedingte Barriere im Hirn wird aber wohl eines Tages noch einstürzen, das spür ich schon. Und bis dahin blättere ich eben durch die kleineren Werke wie die gesammelte Reden, Gedanken und Zeitbetrachtungen.

Darin finden sich wahre Highlights des Grafschen Sinnierens über unsere Landsleute und deren Humor:

Um einem nichtbayrischen Menschen unseren Humor auch nur halbwegs begreiflich zu machen,
dazu muß man im Erklären ein bißchen weitschweifig sein.
Weitschweifigkeit oder, besser, das langsame, leicht umständliche Heranpirschen
an das Eigentliche einer Sache gehört zu unserer Natur.
Alles Knappe, logisch scharf Umrissene ist uns zuwider.
Wir sind für das Kommode. ‚Kamott’, wie wir es aussprechen,
heißt soviel wie sich in allem gemütlich Zeit lassen
und das zuträglich Behagliche voll auskosten.
Meistens springt dabei sogar ein Vorteil für uns heraus, und wenn es auch nur der ist,
daß ein anderer Mensch sich darüber ärgert oder nervös wird.
Ein ‚kamotter’ Mensch mag das Durchdenken, das in heutigen Zeiten so beliebte Zu-Ende-Denken nicht,
er ist für das Betrachterische.
Das hängt vielleicht mit unserer weltberühmten Kunst,
dem ‚Bayrischen Barock’ zusammen, bloß, meine ich immer,
daß ‚barock’ überhaupt eine persönliche Veranlagung jedes einzelnen Bayern ist. [. . . ]

Bayrischen Humor gibt es allerdings zweierlei:
den, über welchen die Eingesessenen lachen
und jenen, den die Fremden an uns belachen.
Der erstere beruht auf unserer scheinbaren Unlogik und auf der Langsamkeit im Begreifen.
Bei der Beurteilung des letzteren bin ich nicht kompetent.

(Oskar Maria Graf, „Etwas über den bayrischen Humor“. In: „An manchen Tagen.“, 1961)

Da brauch ich keinerlei Tischgesellschaft, wenn ich sowas neben meinem dampfenden Blaukrautschälchen liegen habe und darin lesen kann.

Und am letzten Abend, im Hotelbett, schließt sich dann der Kreis, als ich das hier aus dem Netz fische:

Nun noch ein bisschen Herumdenken an den fehlenden fünf Prozent, meine Siebensachen zusammenpacken und gegen Mittag wieder nachhause zum Gatten und dem Dackelfräulein, die den Giardien hoffentlich bereits erfolgreich den Garaus gemacht haben.

Auf Wiederseen!

Himmel der Bayern (67): Vom Alberich verfolgt.

Wieder einen anderen Weg zum Heiligen Berg erkundet.
Jetzt fehlt uns nur noch einer, dann sind wir sie wirklich alle gegangen.

Was für ein schöner Himmel, was für eine wunderbare Wanderung – der Läufigkeit des Dackelfräuleins sei Dank spazieren wir nun wieder häufiger auf wenig begangenen Pfaden, um den diversen Aspiranten aus dem Weg zu gehen.

In Klosternähe begegnen wir einem Abt a.D. mit seinem Mischlingsrüden, beide ziemlich betagt, der Rüde aber noch nicht betagt genug, um den Braten nicht sofort zu riechen.

Er folgt Pippa in gebührendem Abstand, aber sehr beharrlich. Die Piffe des Abts richten nicht das Geringste aus, also muss der alte Mann irgendwann doch die Stimme erheben. „Alberich, komm jetzt endlich her!“, ruft er laut. Und danach: „Alberich, warum hörst du denn nicht?“

Alter Mann, zu neuem Leben erwacht.

Während ich dem Herrn die Lage erläutere, stellt sich Alberich – beinahe getreu der Masche seines Namensvetters – weiterhin taub und zieht erst Leine als das Fräulein ihn heftig anzickt.

Man muss sagen: von den Halsbändern her hätt’s schon gepasst, diese Liaison.

Wenn ich Ihnen nun noch erzählen würde, dass wir auf dem Rückweg vom Kloster einen Rüden namens Hieronymus trafen, dann werden Sie entweder denken Die spinnen doch, diese Bayern! oder dass die Verfasserin dieser Zeilen heillos in der Klosterschänke versumpft ist und im Halbdunkel dann vor lauter Doppelbock einen Hirschbock nicht mehr von einem Ridgeback unterscheiden konnte.

Deshalb erzähl ich Ihnen das ja auch lieber nicht.

Mountaindog.

Die Goldigkeit dieses Oktobers nimmt einfach kein Ende.

So der Papa heut Morgen am Telefon. Und: Dort draußen in den Bergen sei schönstes Wetter.

Echt? Der Blick aus dem Fenster der Münchner Wohnung verlor sich nach wenigen Metern im dichten Nebelgrau!

Wenngleich in post-konzertanter und frauenspezifisch etwas angeschlagener Verfassung gab ich mir um 11 Uhr doch noch einen Ruck, packte die Bergsachen, etwas Verpflegung und natürlich das Dackelfräulein ein – und fuhr los.


Zu einem der Hausberge, der Benediktenwand. Wie oft ich da wohl in meinem Leben schon war? 20x, 25x, noch öfter? Und es wird nie langweilig!

Weil der Berg ja jedesmal anders ist zu dir, und du dich auf ihm auch jedesmal anders bewegst, weil du dich nie gleich fühlst, weil du immer in anderer Verfassung hochsteigst als du hinunterkommst, weil dein Gepäck stets ein anderes ist und weil sowieso nichts im Leben wiederholbar ist (wir gaukeln uns das manchmal nur gern vor).

Heute also von Benediktbeuern aus durchs Lainbachtal hinauf, ein Traumweg zu jeder Jahreszeit. Nicht ganz hoch auf die Wand, versteht sich, weil da muss man schon früher aufstehen und fitter sein, das dauert mit Auf-, Abstieg, Pausen und Grat-Querung mal locker 8 Stunden.

Heute nur auf die Tutzinger Hütte, aber was heißt „nur“? Bei flottem Tempo sind das hoch und runter auch schon gut viereinhalb Stunden, plus Rast auf der Hütte.

Übrigens eine der am schönsten gelegenen Hütten im Voralpenland, sollten Sie mal in der Gegend sein, lassen Sie sich das nicht entgehen. Herrliches Hochplateau am Fuße der Felswand. Wirkt viel höher und alpiner als es ist.

Eine Stunde dort gesessen und geradeaus geguckt. In der Ferne ein paar Steinböcke gehört. Die herbstliche Bergluft inhaliert. Dazu ein Reutberger. Mich sehr heimisch gefühlt dort oben und überhaupt.

Große Harmonie heute auch zwischen Pippa und mir. Perfekte Kommunikation unterwegs, einer achtet auf den anderen. Die Trageübungen klappen auch immer besser. Man muss sowas ja frühzeitig trainieren, damit es dann sitzt, wenn man mal regelmäßiger drauf angewiesen sein wird.

Heut erstmals das klare Gefühl: Sie wird das lernen, mir zu signalisieren, wenn sie nicht mehr kann. Und ich werde lernen, dass ich das Gewicht – hinten Rucksack, vorne Hund – so verteile, dass ich sicheren Schrittes weitergehen kann und sich die Nackenschmerzen anschließend in Grenzen halten.

Noch ein, zwei heftigere Herbststürme und das letzte Laub wird zu Boden gegangen sein. Der Lauf der Dinge: ein ewiges Erblühen und Verblühen. Alles Leben ist letztendlich kompostierbar – mich persönlich beruhigt das.


In der Dämmerung wieder unten im Tal angekommen.

Der Abendnebel wickelt sich gerade um die Türme des Benediktinerklosters. Ich wickle den müden Mountaindog in eine Decke, mich in meine Fleecejacke und fahre zufrieden heimwärts.

Vergessene Berge.

Treffpunkt: Kochel am See. 16 Grad, Nebel, ein feuchtkühler Herbstsamstag.

Mit seiner alten BMW biegt B. auf den Parkplatz ein, steigt ab und hält mir die Wanderkarte unter die Nase. Sein erster Vorschlag ist die Sonnenspitz, ich studiere kurz die Karte und willige ein. Denn das sieht exakt nach der Art von Tour aus, die das Dackelfräulein am meisten liebt: null Forststraße, null Asphalt, ausschließlich schmale Bergpfade.

Wir gehen die 700 Höhenmeter auf die Sonnenspitz (die sich heute Mittag leider überwiegend in Wolken hüllt) sehr flott hoch. Und das nicht etwa, weil wir Lust auf einen Bergsprint haben (ganz im Gegenteil: B. steht kurz vor seiner zweiten Hüft-OP und ich spüre noch die Tour vom Donnerstag in den Waden, außerdem ist es das erste Wiedersehen seit Wochen, so dass es viel zu erzählen gäbe).

Nein! Wir gehen so zügig da hinauf, weil Pippa so freudig und vital vorauswieselt wie seit Monaten nicht mehr. Den Spaß will ich ihr unbedingt lassen, also hecheln wir hurtig hinter ihr her und staunen, wie sie in dem wild zugewachsenen Bergwald überall sofort den richtigen Pfad findet – was gar nicht so einfach ist, denn die Zustiege auf die Sonnenspitz werden seit ein paar Jahren nicht mehr gepflegt, weil die Berge drumrum (Herzogstand, Heimgarten, Jochberg) allesamt beliebter sind als die etwas schroffe, steile Sonnenspitz. Man ist x-mal an ihr vorbeigefahren und hat ihr nie Beachtung geschenkt, geschweige denn, dass man auf sie hinaufgestiegen wäre. Zu Unrecht!

Der Reiz solch vergessener Berge besteht nämlich genau darin, dass sie vergessen wurden. Dass sie nicht gut genug waren für die Top Ten im Blauen Land, nicht spektakulär/hoch/aussichtsreich genug. Das hat zur Folge, dass sie nie überlaufen sind und ihre Wege unberührt wirken. Trifft man doch mal auf andere Bergsteiger, sind es Einheimische, Mountainbiker verirren sich gar keine hierher.

Das Beste: es herrscht völlige Ruhe auf einem vergessenen Berg. Und für die Hundenase herrschen paradiesische Zustände. Hier gibt es bereits mitten auf den Wegen die pure Natur (fast schon: Wildnis!) zu entdecken (anstatt von Bergstiefeln und Fahrradreifen zermalmte Böden). Wunderbare Tour, da waren wir sicher nicht zum letzten Mal!

Und als wir zufrieden und erschöpft wieder im Tal ankommen, trollt sich dann auch das letzte Wölkchen gen Osten, in die Jachenau oder ins Karwendel, so dass der Tag am Seeufer ausklingen kann, weil die Spätnachmittagssonne glatt noch die durchgeschwitzen Klamotten zu trocknen vermag.

Was für eine Woche, was für ein schöner Oktober!

3 Jahre, 2 Hunde, 1 Freundschaft.

Es gibt nichts Verbindenderes als so intensiv und gut verbrachte gemeinsame Zeit.

Danke Euch dreien für diesen wunderbaren Bergtag in Garmisch!

(Für nähere touristische oder persönliche Hinweise halten Sie bitte einfach den Mauszeiger auf das Bild Ihres Interesses – oder klicken Sie’s direkt an.)

Himmel der Bayern (66): Im Moos nix los.

Mittwochsmeditationsmarsch bei Murnau. Kein Mensch unterwegs.

Ein heimatliches Paradies, diese Gegend hier. Das Licht, die Herbstfarben! Und ein zufriedener Ende-der-Saison-Rundumblick auf all die Berge, auf denen man so war, und auch auf die, die man in diesem Jahr nicht bestiegen hat. Kommt ja hoffentlich wieder eine neue Saison, dann wird das nachgeholt.

Lästigen Schreibtischvormittag hinter mir, lustigen Abend mit befreundetem Rudel vor mir.

Stimmige Tagesbilanz.

(Wenn ich nur die Bergschuhe für morgen nicht daheim vergessen hätte. Kruzifix, muss man sich allmählich echt jeden Handgriff notieren? Na wird schon trotzdem gehen…)

Himmel der Bayern (65): Wieder daheim.

Eine Tafel von der Ettaler Klosterbrauerei in Sichtweite, ein netter Verschreiber drauf.
Über der Krone der leichten Weißen der Zugspitzgipfel, etwas weiter links der Fernblick bis in die kleinsten Zacken des Wettersteingebirges, irgendwo noch weiter links ein paar Karwendelspitzen.

Jetzt spür ich’s definitiv: wir sind wieder daheim.

Und ich spüre ebenfalls die 820 Höhenmeter in den Hax’n, immer wieder überraschend, dass sich ein paar Wochen Bergpause sofort bemerkbar machen und man doch fast ein Stündchen braucht, bis man wieder drin ist im Bergaufgehmodus.

Das Dackelfräulein heut von Anfang an besser unterwegs als ich, stets 20 Teckelmeter vorneweg, wie in alten Zeiten. Die Sonne strahlt, es ist wenig los, es ist herrlich still, es ist Zeit und Gelegenheit, das in den letzten Wochen Erlebte noch Revue passieren zu lassen, sich zu sortieren und zu rüsten für all das nun Anstehende.

Schweigend laufen wir hinauf auf den Laber – ein hübscher Kontrast, nicht wahr? -, auf der Panoramaterrasse des Gipfellokals wird eh schon genug gelabert. Erstaunlich viele mopsige Amerikaner hocken da heut herum, aber klar, es geht ja auch eine Gondel hinauf, sonst säßen die hier nicht an ihrem „Wiesn-Break“-Tag, wie ich den Gesprächsfetzen entnehmen kann. Das bestätigt mal wieder meine Abneigung gegen Berge, auf die eine Bahn hochfährt, so gegen Ende der Saison geht’s dann wenigstens mit dem Andrang und auf dem Weg selbst trifft man die Bahntouristen ja auch nicht.

Ziehen wir also bald Leine, um das schöne Gefühl des Wiederangekommenseins nicht zu (zer)stören. Das wird ja drunten im Tal schon von genug Dingen gestört: ein möglicherweise kaputtes Radlager (ein Dröhnen, das seit Dänemark immer lauter wird und dem es dann nächste Woche hoffentlich nicht zu kostspielig an den Kragen geht), der allherbstliche Horror vor der Steuererklärung (viel Verwirrendes und Neues diesmal, ohne meinen großen Freund S. werd‘ ich wohl nicht durchblicken) und – allem voran – der erschütternden Nachricht, dass Lurchi nicht mehr läuft.

Ja, so hat er’s formuliert, der Herr Papa, als wir miteinander sprachen. Nachdem ich zunächst lange von Schweden erzählt und seine Fragen beantwortet hatte, fragte ich natürlich nach, wie es ihm in den letzten Wochen ergangen war und wie seine Reise gewesen sei.
„Der Lurchi läuft nicht mehr“, antwortete er einleitend, vielleicht um irgendwie Distanz herzustellen, denn der Lurchi, das ist schließlich er selbst, wenngleich ich zu den wenigen gehöre, die ihn nicht so nennen. Er habe die zu bewältigenden (kurzen!) Laufstrecken auf seiner Reise nicht mehr geschafft, habe dauernd die kleine Gruppe aufgehalten, mehrfach sei er fast gestürzt. Mit dem Rollstuhl, den man ihm sehr fix organisiert habe, sei es dann gegangen, aber da ihm die Kraft in den Armen fehle, um den Rollstuhl selbst zu voran zu bewegen, musste ihn immer jemand schieben.

Eine Information, die eine neue Ära einläutet.
Er will es noch nicht wahrhaben und versucht sich an abwiegelnden Scherzen zu dem Thema, aber mir ist schmerzlich sonnenklar, dass damit eine neue Ära begonnen hat, selbst wenn er derzeit seinen Radius auf Haus und Garten beschränkt und daher rollstuhlfrei „unterwegs“ sein kann.

Und sonst so?

Der Fünfer-Looping rattert täglich 12 Stunden vor der Tür, unaufhörlich seine kreischenden Insassen durchrüttelnd. Wenn man abends vors Haus tritt, schwappt einem ein Schwall Gebrannte-Mandeln-Duft entgegen. Insgesamt ist die Lage vor Ort viel harmloser als befürchtet. Bei Sonnenschein ist es tagsüber sogar so nett, dass man da mal auf eine Mandel oder zwei rüberspaziert, ist ja kein Aufwand.

Man staunt halt beim Blick aus dem Fenster hinunter auf die Straße über so Einiges: Menschen, die samstags vor 8 Uhr bereits Schlange stehen für den Einlass ins gelobte Wiesn-Land ab 9 Uhr (was um alles in der Welt, will man samstags um 9 Uhr in einem Bierzelt?) oder die Massenkostümierung, die mittlerweile ein so flächendeckendes Ausmaß erreicht hat, dass man das Ende der Einheitsuniformen schon kommen sehen kann (die Hingucker sind bald die, die ohne Tracht dort herumlaufen, da alles andere in einen großen optischen Brei ineinanderfließt).

Nächstes Jahr, so überleg ich, könnte ich an die morgendlichen Warteschlangenleute Kaffee und Muffins verkaufen und damit bestimmt ein gutes Geschäft machen, ohne viel Arbeit zu haben. Das noch bessere Geschäft würde man freilich mit der Vermietung eines Matratzenlagers im Wohnzimmer machen, da würde schon das Italiener-Wochenende reichen, aber die anschließend nötige Renovierung zu betreuen, danach dürstet uns gar nicht, zu nah noch all das schauerliche Gehandwerke nach dem Umzug hierher.

Gefühlt ist unsere Straße eine der sichersten und saubersten der ganzen Stadt: mindestens 3x täglich reinigt eine Putzkolonne alle Straßen, Wege, Grünstreifen, Gebüsche. Die Polizei patrouilliert ab Nachmittag permanent die Allee auf und ab. Abends fahren die Sanitäter die Straße entlang und leuchten mit Scheinwerfen in die Rabatten, ob da irgendwo ein Patient herumröchelt.

Man hat jetzt hier einen Wiesn-Sonderausweis für Anwohner und gehört neben der Polizeiflotte und den Sankas zu den einzigen Fahrzeugen, denen die Zufahrt zu dieser verkehrsfreien Hochsicherheitszone gestattet ist (jeweils nach Kontrolle an den zwei Checkpoints, versteht sich). Das hat irgendwie was.

Fast möchte man beim Entlangfahren (bei derzeit Tempolimit 10km/h) alle Fenster herunterkurbeln und wie einst Jackie Kennedy sonnenbebrillt, mit Pillbox-Hütchen und im Fahrtwind flatterndem Seidenschal lässig und mit einem mildem Lächeln dem ehrfürchtig guckenden Volk („Boah, wer darf denn hier herumfahren?“) zuwinken, das sich in der schönen Lindenallee tummelt und sich die Beine wartend in den verdirndelten oder lederhosenbelatzten Bauch steht und der langsam anrollenden Limousine Platz macht.

Ich habe aber weder Hütchen noch Seidenschal noch eine Hand frei zum Winken, da ich zumeist allein am Steuer der Nicht-Staatskarosse sitze.
Dafür beschalle ich sie alle mit Springsteen, Dylan und Forenbacher.

Schön, wieder zuhause zu sein.