High above it all.

Pippa kurz vor dem Seekarkreuz.


Erkenntnis des Tages:

Am Vortag eines wichtigen Termins gibt es keine bessere Ablenkung als eine Bergtour (aber auch ohne jeglichen Termin morgen wär’s ein toller Tag gewesen).
Raus aus dem Kopf, rein in den Körper und die Natur.
Auch so ein steifes Schulterblatt verfliegt im Nu durch den stundenlangen Stocheinsatz. Super.


Bilder des Tages:

Start in Lenggries, Ortsteil Hohenburg.

 

Trinkpause am Hirschbach.

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes.

 

Von Wasserfällen begleitet geht’s den Sulzersteig bergauf.

 

Ganz da hinten irgendwo: Der Gipfel vom Seekar (grüne Kuppe mit Kreuz drauf).

 

Anflugschneise zur Lenggrieser Hütte.

 

Zweite Trinkpause. Rüsten für den Gipfelsprint.

 

Das Dackelfräulein mal wieder topfit: Über 900 Höhenmeter, wie eine Nähmaschine!

 

Seekarkreuz erreicht! Spitzen-Aussicht von da oben (Richtung Tegernseer Tal).

 

Die Rückansicht des vorigen Bildes (Richtung Lenggries).

 

Und nochmal runter zur Hütte. Diesmal richtig Pause.

 

Echt jetzt? So schmecken die Berge?!

 

Da fällt die Entscheidung schwer!

 

Am besten nimmt man einfach eine halbe (!) Portion von beidem.

 

Aussicht von der Terrasse der Hütte (Richtung Sylvenstein, Karwendel und Wetterstein).

 

Über den Grasleitensteig geht’s zurück ins Tal.

 

Blick auf den Hausberg von Lenggries: Das Brauneck.

 

Wieder unten! Am Mühlbach, schönster Ortsteil von Lenggries.

 


Song des Tages: „Like a rock“ (Bob Seger)

I stood proud
I stood tall
High above it all
I still believe in my dreams

Das nächste Mal laufen wir da komplett rüber und besuchen den Papa in Rottach.

Himmel der Bayern (20): Die Zwiebel bzw. mein Beitrag zur Blogparade „Heimatorte“.

My Hometown.

Meine Dog&Blog-Freundin Andrea aus Braunschweig hat vor einiger Zeit zu einer Blogparade aufgerufen. Bislang habe ich einen Bogen um die Beteiligung an Awards und Paraden gemacht, ungefähr einen so großen, wie ich ihn um Kettenbriefaktionen, Treuepunktesammeln im Supermarkt oder Gewinnspiele à la „Lebenslange Sofortrente“ mache.

Andreas Aufruf zur Blogparade „Heimatorte“ aber berührt etwas in mir, das mir erst vor einiger Zeit als wichtiges, vielleicht sogar zentrales Thema in meinem Leben bewusst geworden ist: das Verhältnis zu meiner Heimat, zu München und Oberbayern. Vor allem im Augenblick beschäftigt mich das wieder sehr, da ich gerade einen Umzug hinter mir habe – zwar „nur“ vom Westen Münchens in den Süden, aber für jemanden wie mich ist selbst das schon ein großer Schritt und eine weitreichende Veränderung. Die Heimat-Orte haben gewechselt: es galt, Abschied vom vertrauten Umfeld zu nehmen und sich auf das Ankommen in der neuen Gegend einzulassen.
So definiert sich durch den Umzug momentan wieder ein Teil dessen, was Heimat für mich ausmacht, ganz neu.

Also, liebe Andrea, ich beteilige mich gerne an deiner Blogparade, wenn’s auch auf den letzten Drücker ist, da sie ja in drei Tagen endet.
Hier ist meine Geschichte!

Seit du die Blogparade gestartet hast, dachte ich zwischen Ausmisten und Kistenpacken immer wieder darüber nach, wo und wann in meinem Leben eigentlich das Heimatgefühl geboren wurde. Und fand heraus: Seine Wiege steht im Süden von München, in meiner frühen Kindheit, und geschaukelt wurde sie von meinem Papa.

Mit dem Papa in Siebenhütten.

Mein Vater hatte den Niederrhein, seine Herkunftsgegend (wie ich es mal im Unterschied zu „Heimat“ bezeichnen möchte), nach dem Abitur verlassen, es zog ihn schon immer nach Bayern, genauer gesagt nach München (zu Bier, Brezen, Bergen). Als Chef des Bayerischen Jugendherbergswerks fand er dann einen Beruf, in dem er sich gleich noch enger mit dem geliebten Bayernland verbinden konnte: Ständig waren Herbergen im Neu- oder Umbau, häufig war er zwischen Mittenwald und Bad Kissingen, zwischen Donauwörth und Passau unterwegs. Oft nahm er meine Mutter und mich zu diesen Dienstreisen mit. Und wenn er das nicht tat oder tun konnte, wurden nahezu jedes Wochenende Ausflüge gemacht.

Hängengeblieben sind in meiner Erinnerung nicht etwa Schlösser, Kirchen oder andere städtebauliche Eindrücke, sondern Erlebnisse wie:

  • das Gefühl der ersten Lowa-Bergstiefel an meinen Füßen (und wie ich damit die vielen Holzstufen im Münchner „Sport Schuster“ Probe gehen musste/durfte)
  • der Geruch des smaragdgrünen Walchensees bei meinem Sturz in selbigen (als ich im Alter von 3 Jahren keine Schwimmflügel mehr anziehen wollte und auf dem Boot zu sehr rumzappelte)
  • der Geschmack der großen Eisportionen im Sollner „Monreale“ oder Neuhauser „Sarcletti“ (mit meinem Vater durfte man immer mehr als 3 Kugeln bestellen)
  • das wohltuende Alleinsein auf einer Alm unterhalb der Notkarspitze mit Aussicht hinunter nach Ettal (meine Eltern ließen mich auf halber Wegstrecke sitzen, weil ich nicht mehr weitergehen wollte und nahmen mich auf dem Abstieg wieder mit)
  • der sprechende Beo in der Jugendherberge Saldenburg, der jeden seiner Sätze mit dem „Sigi“ von Bayern 3 ankündigte (eine prägende Melodie für alle hier Aufgewachsenen)
  • meine roten Clogs mit der lächelnden gelben Birne drauf, die ich mir in einem Würzburger Schuhgeschäft erquengelt hatte (und in denen man sich sofort Blasen lief)
  • die sabbernden Bernhardiner der Jugendherberge auf dem Kleinen Arber (die uns nach der Motorschlittenfahrt hinauf freudig begrüßten und mit ihren riesigen Zungen ableckten)
  • mein 10. Geburtstag im „Trimini“ in Kochel (das Freibad mit dem damals legendären Slogan „Heit trimm i mi im Trimini“ und der längsten Wasserrutsche überhaupt, heute zum Wellnesstempel verkommen)
  • mein 11. Geburtstag in der JH Sudelfeld (mit Mitternachtsparty draußen im Schwimmbad, mitten auf dem Berg)
  • all die anderen Kindergeburtstage an oberbayerischen Seen oder im Oberammergauer „Wellenberg“ (seinerzeit das größte Wellenbad im Land)
  • die Beerdigung unseres Wellensittichs Cocolino in Thalkirchen (am Hinterbrühler See, unter einer Trauerweide)
  • die Kaulquappen vom Leutstettener Weiher (die ich in einem Kübel auf unserem Balkon großziehen durfte, bis sie ausgewildert wurden)
  • das Füttern der Frischlinge im Forstenrieder Park (und auf dem Rückweg das Kuchenholen im Café Kustermann)
  • die Radltouren zur Waldwirtschaft (wo ich Schiffschaukeln durfte, bis mir schlecht wurde)
  • das Pilzesuchen in den Wäldern bei Buchendorf (mit genauen Erklärungen zu den Standortvorlieben der diversen Schwammerl, die ich bis heute nicht essen mag)
  • die Ruderbootsfahrten an Sommernachmittagen auf dem Starnberger See (weil man da ohne von Steinen zerpiekte Fußsohlen mit einem Satz ins Wasser springen konnte)
  • der Osterspaziergang auf dem Pullacher Höhenweg, bei dem wir die Dackelwelpen trafen (von denen einer unser erster Hund werden sollte)

Meinem Vater habe ich es also zu verdanken, dass ich kreuz und quer durch München, Oberbayern und Bayern geschleift wurde, auf Berge hinauf, in Seen hinein, durch Wälder hindurch – und dass er mich vertraut machte mit den ihm wichtigen Tierarten (Hund, Wildschwein, Vogel, Frosch).
Man rutscht da ja so hinein, als Kind. Wird hineinsozialisiert in diese Welt, ob man will oder nicht. Wählt nichts selbst aus (bis auf Clogs und Eissorten), trabt mit (lustlos oder neugierig), guckt, hört, riecht, fühlt, denkt so vor sich hin und wächst halt auf. In einer Umgebung, die einem mehr oder weniger Heimat ist und die man sich ebenfalls nicht ausgesucht hat. Wahrscheinlich hat das kontinuierliche Bemühen meines Vaters um das gemeinsame Unterwegssein hier in der Region bei mir den Grundstein dafür gelegt, dass ich heute behaupten kann, meine Heimat sowohl zu kennen als auch zu lieben (was sich ja stets gegenseitig bedingt).

Sowas wie ein „Heimatgefühl“ kristallisierte sich bei mir allerdings erst durch Distanz-Erfahrungen (Ortswechsel, Umzüge, Reisen) heraus. Zunächst noch eher schleichend und unbemerkt, mit dem Älterwerden drang es dann stärker in mein Bewusstsein. „Heimat“ ist für mich nicht intellektuell begreif- oder beschreibbar, denn mein Herz hängt weder an den Bayern an sich, noch an ihrer Sprache, noch am Schweinsbraten, der Wies’n, der Blasmusik, der ewig regierenden CSU oder all dem, was gemeinhin als „typisch bayrisch“ kursiert und kultiviert wird. „Heimat“ ist etwas zutiefst Emotionales – sei es nun positiv oder negativ besetzt. Die Ausprägung des Heimatgefühls findet man ganz leicht heraus, indem man weggeht und nach räumlichem/zeitlichem Abstand zurückkehrt – und dann einfach in sich hineinhorcht, welche Schwingungen diese Rückkehr erzeugt.

Meine Studienjahre in Würzburg bescherten mir erstmals dieses konkret positive Heimatgefühl. Jedes Mal, wenn ich mit meinem kleinen Ford Fiesta das letzte Stück auf der A9 gen München zuckelte, kam irgendwann diese Stelle, von der aus man erstmals in der Ferne den Olympiaturm erspähen konnte – und bei Föhnwetter dahinter auch die Silhouette der Alpen.
Jedes Mal empfand ich in diesem Moment pure Freude, ein Gefühl von Heimkommen, Verbundenheit und Verbindung mit dieser Stadt und ihrem Umland sowie die spürbare Gewissheit, dass ich „da hingehöre“: Nach München, zur Isar, ins südliche Oberbayern, zu den Seen und den Bergen.

Meine heißgeliebte Bergwelt bei Mittenwald.

Für meinen ersten Job bin ich wieder „nachhause“ zurückgekommen. Ich habe es also nie aus Bayern herausgeschafft und nehme mir das auch für meine zweite Lebenshälfte nicht mehr vor, weil ich hier genau am richtigen Fleck bin.
Wenngleich es immerhin zwei andere Städte gibt, in denen ich mir das Leben und Wohnen gut vorstellen könnte: Wien und Köln. An Wien mag ich den gemütlichen Rhythmus der Stadt, die vor sich hinzuckelnde rote Bim, die Donau, das Essen und die Sprache. An Köln mag ich den Dom, die Mentalität der Menschen, den rheinischen Frohsinn, den Dialekt und den Rhein.
Als Kind habe ich immer behauptet: „Wenn ich mal groß bin, heirate ich einen Rheinländer oder Österreicher, wohne in einem Haus in den Bergen und habe einen Hund.“

Mit dem Dackelfräulein in den Ammergauer Alpen.

Geheiratet habe ich einen Oberbayern (na gut, im ersten Versuch einen Mittelfranken), bin jetzt wieder im Münchner Süden gelandet, wo ich auch aufgewachsen bin (also einigermaßen bergnah), habe einen Dackel (wenigstens ein Kindheitswunsch, der zu 100% in Erfüllung ging) und da die Preise links und rechts der Isar einen Immobilienerwerb für uns ausschließen, werden wir immer in einer Mietwohnung leben (und uns damit trösten, dass ein Haus letztlich eh ungeeignet wäre, da das Dackelfräulein mit ihren Platzhirsch- und Buddel-Attitüden ganz sicher ein Zaunkläffer und Gartenterrorist werden würde).

Nun lautet der Titel der Blogparade nicht „Heimat“, sondern „Heimatorte“ (wenngleich Andreas Fragen sich überwiegend auf das Phänomen „Heimat“ generell beziehen), und im Nachdenken über den räumlich-lokalen Aspekt kam ich zu dem Ergebnis, dass „Heimatorte“ für mich wie eine Zwiebel sind.

Das Herzstück der Zwiebel ist mein Zuhause, meine Heimat im engsten Sinne: Die vier Wände, in denen ich lebe, der Balkon, mein eigenes Zimmer. Wenn’s hier nicht passt (warum auch immer), verfault das ganze Knollengewächs quasi von innen heraus. Ohne meinen festen Rückzugsort „daheim“ wäre ich verloren!
Folglich gehöre ich nicht zu den Menschen, die überall heimisch werden könnten, in Zelten oder Hotelzimmern oder Ferienwohnungen oder gar im Unterwegssein selbst, sondern ich bin passionierter „Wohner“. Zwar bewege ich mich genauso gern von meinem Wohnmittelpunkt weg, ich unternehme auch durchaus längere Reisen, dies aber nur vor dem beruhigenden Hintergrund, dass mir das Herzstück meiner Zwiebel erhalten bleibt und ich wieder heimkommen kann.

Monatelange Auslandsaufenthalte oder Auswander-Pläne sind meine Sache nicht. Das finde ich etwas schade, einfach wegen der Horizonterweiterung, die damit verknüpft wäre, aber für mich kommt das nun mal nicht in Frage. Ich bin mit meinem „oberbayrischen Horizont“ rundum zufrieden. Ich finde es hier so schön, dass ich gar nicht oft weg muss oder will. Meist genügt es mir, wenn ich mit Bergblick am Seeufer sitze und eine Breze verzehre oder umgekehrt: wenn ich mit Seeblick brezenessend auf einem Berggipfel sitze. Je nach Tageszeit noch ein Weißbier dazu und „ois bassd“, wie man hier sagt.

Ohne Breze in Dießen am Ammersee.

Zurück zu meinem Zwiebelmodell der „Heimatorte“. Die weiteren Schichten, die den Zwiebelkern umgeben, sind (von Kern ausgehend): das Haus & die Nachbarn, die Straßen rund ums Haus, die unmittelbare Umgebung, die Freunde in der Nähe, der Stadtteil & seine Bewohner, Geschäfte, Institutionen und schließlich die weitere Umgebung.

Ich habe mich mal vor Google Maps gehockt und geguckt, wo eigentlich die äußerste Schicht meiner Zwiebel liegt. Oder anders gesagt: Wo mein Heimatgefühl und meine Heimatorte enden. Es ist eine relativ klar umrissene Grenze: Nördlich ist kurz hinter Dachau Schluss, westlich bei Landsberg, östlich bei Wasserburg und südlich bei Mittenwald. So gesehen wohne ich gar nicht im geografischen Mittelpunkt meiner persönlichen Heimatzwiebel, sondern zu weit nördlich! Wenn ich das ernst nähme, sollte mich der nächste Umzug nach Königsdorf im Tölzer Land (und dort am besten in den Alpenblickweg 13) verpflanzen. Mal schaun. Vielleicht ließe sich dort ja das finden, was heutzutage ebenso intensiv wie verzweifelt gesucht wird: die innere Mitte 🙂

Bis dahin wohne und heimat(m)e ich einfach mal weiter vor mich hin, hege und pflege die kleine Heimatzwiebel, auf dass sie weiter wachsen, gedeihen und niemand ihre Schale anritzen möge, was ja bekanntlich zu Tränen führt.

Die hebe ich mir lieber für die Glücksmomente auf, in denen ich fühle: „Da bin i dahoam.“

(Von links nach rechts: 3x Karwendelgebirge mit Hund, Gatten und Rind, 1x Sylvensteinstausee mit Vorkarwendel, 1x Kochelsee mit Jochberg, 1x Dante-Freibad-Foto mit Erlaubnis des Bademeisters.)

Jetzt muss ich hier weiterwurschteln, damit das Heimischwerden voranschreitet!

Und nicht zu vergessen: Home is where your dog is!

Ein schönes Wochenende wünscht dir, liebe Andrea, und allen anderen Lesern und Blogparadenteilnehmern,
Die Kraulquappe.

Das Problem mit/an/bei der Präposition.

Oder: Wenn Redakteure sich nicht an die vom Autor vorgegebene Überschrift halten 😦

Da freu‘ ich mich übers Kuvert mit dem Belegexemplar von „Mein Hund & ich“, blättere zu Seite 70 und kann es nicht fassen: Keine Socke wandert „in“ der Benediktenwand, man wandert „zur“ Benewand oder „auf“ dieselbe, meinetwegen läuft man auch „unter“ ihr herum. Ein paar Geübte gehen „in“ ihr Klettern, das aber hoffentlich niemals zusammen mit ihrem Hund.

Dabei hockt die Redaktion auch noch hier in München und müsste diesen Hausberg eigentlich kennen, zumal der Verlag haufenweise Wanderführer produziert…

Naja, vielleicht waren sie grad so gut drin im Überschrifteln. Titelthema des Hefts „Wecken Sie das Genie in ihrem Hund“. Anderes großes Thema: „Dog-Trekking in der Natur“. Da war es dann nicht mehr weit „in“ die Benediktenwand.

Zweiter faux pas: Bildunterschriften. Manche davon sind glatt gelogen.

Der Hund war topfit. Der hätte locker noch den Gipfelgrat gepackt.

Sei’s drum. Die neue Gästeschlafcouch kann man trotzdem davon bezahlen und außerdem war’s ein Herzensthema.

Einen grünen Donnerstag wünscht

Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (10): Inmitten der Lebenden.

Hätte man gestern der Toten gedacht, so wie es sich für Allerheiligen geziemt, wäre man nicht Teil dieser Völkerwanderung gewesen!

Ungläubig und fern jeder Feiertagsfeierei, hatte ich gestern zusammen mit Freundin D. einen Bergtag ins Auge gefasst. Diese absurde Idee hatten außer uns noch Hunderte weitere Ungläubige und Nicht-Grabgänger. Die Kombination „Sonne & Feiertag & Herbstferien in Bayern & Aufbruch in München nach 7 Uhr“ ist fatal. Optimismus ist hier kein guter Berater, sondern schlicht irrational und naiv.

So staunten wir bereits an der Kesselbergstraße von Kochel nach Urfeld nicht schlecht, dass außer den Wanderparkplätzen bereits die Straßenränder dicht zugeparkt waren. Nah am Abgrund stellten wir das Auto ab und liefen im Tross zur Einstiegsstelle des Aufstiegs auf den Jochberg. Auf dem Weg dorthin trennte sich der Menschenstrom in die, die hinauf zum Herzogstand wollten (erkennbar an kleinen Rucksäcken und kleinen Kindern, da oben die Hütte bewirtschaftet ist und eine Bahn nach unten führt) und die, die sich den Jochberg vorgenommen hatten (erkennbar an größeren Rucksäcken und größeren Kindern, da oben keine Hütte mehr offen hat und der Abstieg zum Walchensee sich bahnlos doch etwas hinzieht).

Es ging zu wie am Stachus: Horden überholten uns, wir überholten Horden, man traf einander mehrfach beim Aufstieg wieder dank versetzter Trink-, Pipi- und Aussichtspausen, selbst die Dackelmadame war etwas genervt wegen des Trubels und weil sie nicht ungehindert vorauspreschen konnte. Bis wir oben ankamen, hatten sowohl D. als auch ich um die 25x den Satz „Ja, auch mit kurzen Beinchen kommt man da prima hoch!“ oder „Die ist fitter als wir!“ ausgesprochen (siehe mein Beitrag „Mei, da Waki!“).

Wir suchten uns einen Brotzeitplatz, bei dem wir die Menschenmassen im Rücken und die exzellente Fernsicht vor uns hatten. Wenn man einfach durchratscht, bekommt man die vielen Menschen dann auch gar nicht mehr so mit. Bis tief hinter ins Karwendel konnte man gucken!

Ein Traumtag, trotz des alptraumhaften Andrangs. Wobei wir dort oben noch gar nicht ahnten, was uns unten erwarten würde.

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Für den Abstieg wählten wir die Variante über Sachenbach und das Walchenseeufer, allein schon wegen der Ausblicke und der bunten Herbstwälkder. So ein bisserl verlief es sich dann auch im Wald, es gab glatt mal Viertelstunden, in denen man sich der Illusion „Bergfrieden“ hingeben konnte. Erst unten am See traf sich alles wieder.

Beim Fotoshooting am Ufer muss mir dann die Leine aus dem Rucksack gerutscht sein. Pippa läuft ja bei solchen Touren komplett leinenfrei, bis auf die wenigen Kuh- oder Mountainbiker-Gefahrenmomente. Auf der Uferstraße gingen wir zurück Richtung Urfeld und kurz vor der Fahrstraße zum Kesselberg, auf der man bereits den dichten Rückreiseverkehr erahnen konnte, wollte ich den Hund anleinen… und stellte fest: Leine weg!

Undenkbar, auf der stark befahrenen Kesselbergstraße noch 20 Minuten hochzugehen zum Auto, da läuft der beste Hund nicht bei Fuß und 7 kg da hochzutragen war auch keine schöne Vorstellung. Also Hund auf den Arm genommen, an den Straßenrand gestellt und D. hielt den Daumen raus. Bereits das zweite Fahrzeug stoppte (Hund auf dem Arm wirkt fast immer!) – ein vermüllter Audi, drinnen eine gerührte Hundefreundin. Pippa sei Dank waren wir 5 Minuten später bei unserem Auto.

Mittlerweile: Stau auf der gesamten Kesselbergstraße bis runter nach Kochel und von dort bis zur Autobahn und von der Autobahnauffahrt bis nach München (und sicher auch noch vom Luise-Kiesselbach-Platz bis zur Donnersberger Brücke und von dort bis nachhause).
Du allerheiliger Strohsack! Die Novemberbergbräune wich sogleich wieder aus unseren Gesichtern und uns graute vor dem Heimweg.

Da dachten wir: Lass uns doch nach der Leine schauen, unten am See. So fuhren wir in die entgegengesetzte Richtung, nochmal zum Walchensee runter, die Leine lag friedlich in der Abenddämmerung im Kies des menschenleeren Ufers und hatte schon auf uns gewartet.

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Danach einfach weiter in die „falsche“ Richtung, weg vom Stau, weg von München. Über Wallgau, Krün und Klais störungsfrei bis nach Garmisch gelangt. Dort der nächste Stau, 10km lang.

Google Maps nach einem Lokal am nördlichen Ortsrand befragt – denn Garmisch-Ortsmitte ist mindestens so ein Alptraum wie ein Stau: hässlich, verbaut, eng, keine Parkplätze. In Burgrain bei einem Italiener eingekehrt, der toll bewertet war – und entsprechend gut besucht. Immerhin keine Stau-Flüchtlinge, sondern lauter Einheimische. Wegen Platzmangels blieb uns nur ein Eckchen am Stammtisch, das uns der Wirt sehr freundlich zuwies, samt Nische für Pippa und ihr Körbchen.
Aber dank D., die perfekt Bayrisch spricht, wurden wir sofort von den Stammtischbrüdern akzeptiert. Super Nudelgericht gegessen, bestes Weißbier getrunken. Alle 20 Minuten den Routenplaner die Heimfahrt neu berechnen lassen. Als die errechnete Fahrzeit von gut 2 Stunden wieder auf 56 Minuten gesunken war, zahlten wir und fuhren satt und zufrieden über eine freie Autobahn nachhause.

Fazit 1: Öfter mal was verschusseln oder liegenlassen, deshalb einen Umweg machen und den Ausflug so lange ausdehnen, bis alle anderen längst wieder daheim sind.

Fazit 2: Nächstes Mal trotzdem lieber wieder an einem Werktag in die Berge und an Allerheiligen ins Dachauer Hinterland und dort in Ruhe über die Felder laufen.

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Himmel der Bayern (6): Freibaden nach Dr. Karpfhammer.

Wir haben mal wieder einen neuen Reiseführer. Für die Heimat. Naja, besser gesagt, das Dackelfräulein hat neue Inspirationslektüre. 

Heute: Die große Ammerseetour. 16 km von Stegen nach Herrsching. Brote geschmiert, Rucksack gepackt, und los!
Der Weg führt uns immer am See entlang…

…vorbei an Häusern, gegen die man jede Stadtwohnung ohne mit der Wimper zu zucken eintauschen würde…

…weiter auf schattigen Uferwegen…

… die von einer ungeahnten Fülle an einsamen Badebuchten für Mensch und Hund gesäumt sind…

…und einer ebensolchen  Fülle an Badevorschriften.

Immer wieder schön, diese Werke für die Ewigkeit!
Mit Ach und Krach (resp. wegen zu viel Trödelei und Baden unterwegs) den letzten Dampfer in Herrsching erreicht.

Hund platt. Nicht mal mehr von grölender Jugendgruppe auf demselben Deck zu erschüttern. 

Urlaub kann man auch 30 Minuten von daheim entfernt machen. Und mit nur 20€ bewaffnet (reicht genau für Eis, Kaffee und Schifffahrt). 
Idee für ein neues Schreib-Projekt: „Viel Freude für wenig Geld. Freizeitgestaltung für arbeitslose Menschen und Hunde.“. Oder so ähnlich. 

Der Luxus dieser oft nicht angenehmen Situation liegt ganz klar im Zeit-Haben. 

Ein vom Winde verwehtes Ahoi schickt euch –

Die Kraulquappe, im Ammersee.