Wien (7): Wieder (da)hoam.

Via Wachau heimgefahren.
Kannten der Gatte und das Dackelfräulein noch nicht, musste ihnen natürlich gezeigt werden, wenn man schon in der Nähe ist.

Sehr schmuck dort. Bestes Wetter, fast schon zu warm. Das Fräulein stürzte sich gleich in die Donau.

Trans Danubia: Von Krems nach Mautern.

Erst lange spaziert, dann – logistisch wohl vorbereitet – das müde Hunderl im kühlen Parkdeck ins Auto gesetzt und das Kremser Karikaturmuseum aufgesucht, zum Deixn und Feixn. Da war ich mal vor ewigen Zeiten und fand das damals schon super. Ist noch vieles hinzugekommen zu der Sammlung.

Wenn Sie mal in der Wachau sein sollten: Fahren Sie da unbedingt hin, wenn das Ihr Humor ist. Am besten vor dem Besuch der Weingüter, damit Ihnen die Nuancen nicht entgehen. Und gucken Sie sich auch Krems an, trotz der vielen steilen Gassen und des Kopfsteinpflasters.

Die Schaumrollen im Café Maria in Mautern – die uns von den Linzer Freunden, die wir im Burgtheater trafen, empfohlen wurden – können Sie sich sparen (wirklich krass pappsüß), drehen Sie dort lieber gleich eine Runde durch das Kastell oder hatschen Sie hinauf zum Stift Göttweig, denn nach dem Verzehr der Schaumrolle fällt Ihnen das viel schwerer!

Kurz vor der Landesgrenze noch ein Stopp zum Abendgassi und -imbiss am Mondsee.

Abendstimmung am Mondsee.

Und weiter nachhause.

Schon hinter Berchtesgaden ein aufkeimendes Heimatgefühl, das sich ein Stück später mit dem Schild „Wendelsteinregion“ intensiviert und im Tölzer Land schließlich spürbar im ganzen Körper ausbreitet.

Das ist mir längst nicht mehr peinlich, dass das bei mir so ist. Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Menschen, die, wenn sie auf der A8 (irgendwo auf der Höhe von Unterhaching und Neubiberg) den Olympiaturm am Horizont des Nachthimmels leuchten sehen, tatsächlich vor lauter Freude eine kleine Gänsehaut bekommen. Natürlich nicht jedes Mal, aber immer dann, wenn ich mal länger als drei Tage von daheim weg war.

Ich komme einfach gern heim, ich gehör‘ da hin und irgendwas dort gehört wohl auch untrennbar zu mir.

Ja, das war’s.

Die Palatschinken san verzehrt,
s’letzte Krügerl leidlich g’leert,
oba s’Lebn, des is koa Wunschkonzert,
wann mit’m Zamperl nach Wien man fährt.

Fazit zu Wien: Immer noch Platz 2 auf der Liste der liebsten Großstädte.

Leider keine Option für ein Stadtleben mit Hund, sofern sich diese Frage denn je stellen würde. Außer vielleicht in den Randbezirken, aber dann tät man nicht mittendrin wohnen, in einem der Bezirke innerhalb des Gürtels, wo’s uns so gut gefällt, und das wär ja nicht mehr Sinn der Sache und außerdem herrscht auch am Stadtrand Leinenpflicht (wenngleich wohl weniger kontrolliert wird).
Mal ganz abgesehen von der lausigen Schwimmbadsituation in dieser Millionenstadt und mit einer schätzomativen Fahrzeit von weit über einer Stunde bis in irgendeine nennenswerte Bergregion (= mehrere Gipfel, die über 1.500m hoch sind), die Wien als Wohnort für mich schwierig machen würde (Kategorie Luxusprobleme, schon klar, ich erlaube mir halt solche Gedankenspiele gern).

Wenngleich schätzomativ noch so ein Wort ist, das man nur zu gern im Alltag verwenden täte wie überhaupt so vieles aus dem dortigen Sprachschatz, der uns wohl niemals fadisieren würde.

Das Österreichische klingt ja um so viel weicher und lebendiger als das Deutsche (das Hochdeutsche vor allem), sogar Hässliches bekommt in dieser Sprache teils einen menschlicheren Anstrich (oder macht’s der Tonfall?).
Das Österreichische nimmt sich Zeit, gestattet sich Umständlichkeiten und Altertümelndes (ja pflegt diese geradezu!), denen das Hochdeutsche wenig Platz einräumt.

Die deutsche Sprache hat im Vergleich zur österreichischen einfach keine Zeit, sie hetzt durch die von ihr geformten, harten Sätze, ist effizienter und kälter, schlägt die Hacken zusammen und steht stramm. Das passt schon, dass wir hier Hackfleisch sagen (zackzack, hackhack) und es bei unseren Nachbarn Faschiertes heißt (wenn Sie einmal in einem dortigen Supermarkt an der Theke gehört haben, wie jemand „I bekomm bitte zehn Deka Faschierts“ sagt, werden Sie wissen, was ich meine).
Die Sprache der Alpenrepublik lümmelt gmiatlich aufm Diwan im Tschecherl umanand während sich das Hochdeutsche hastig einen Kaffee im Plastikbecher reinkippt, to go, versteht sich, and not to sit comfy and just looking around.

Schön war’s.
Sehr inspirierend und horizonterweiternd.

Und nun steht Anderes an, dringende Arbeiten & drängende Terminsachen.

Ich verabschiede mich also an dieser Stelle für ein Weilchen in die Konzentration und Klausur, danke Ihnen allen für Ihre wunderbare Reisebegleitung und die zahlreichen Kommentare und bitte nicht beleidigt zu sein, wenn ich hier die nächsten Tage auch lesenderweise nur selten oder gar nicht auftauchen werde.

Auf bald, machen Sie’s gut, Tschau & Baba –
Ihre Kraulquappe.

Wien (6): Physiognomien.

Genau so ist es: Wann ist man’s schon?
Und wenn man’s dann vielleicht mal kurz ist: Wie lange ist man’s? Und wie ernsthaft oder wahrhaft?

Es kommt doch immer auf den Kontext an.
Und auf die Tagesverfassung.
Und auf den Gegenstand.
Und auf das Ausmaß der Beeindruckung.

(Sometimes I know how the bunny runs!)

Wien (5): Äußerln & Innerln – ein Dankeschön.

Nachdem wir nun unwürdige lokale Gegebenheiten wie diese…

Ein Gackerlplatz, übersät von Hundstrümmerln, in der Mittn der Soachbaam: das Fräulein würde keine Pfote in solch ein Areal setzen!

…ausgiebig ausstalliert haben, ist es höchste Zeit für einen expliziten Dank.

Der gilt unserer Freundin S., die uns den wunderbaren Schwarzenbergpark gezeigt hat, wo man mit de Hunderl ned nur kurz äußerln gehn kann, sondern wo sie tatsächlich ohne Leine geduldet werden und sich endlich mal bewegen können.

Liebe S., die dreistündige Tour unter deiner kundigen Führung hinauf zum Hameau und hinüber zum Roan, wo uns dann die herrlichen Marillenpalatschinken erwarteten, hat uns nicht nur den Highscore der in Wien an einem Tag gelaufenen Kilometer beschert, sondern große Freude gemacht.

Und nicht nur ein schönes Äußerln hast du uns organisiert, sondern durchs zuverlässige Innerln (wie man das in Innenräumen stattfindende Dogsitting in Wien ab sofort zu nennen pflegt) hast du uns einen sehr entspannten Abend im Burgtheater ermöglicht – vielen Dank für alles & bis bald wieder!

Wien (4): Erlustigungen und Befrustigungen.

Nach dem gestrigen Schwimmausflug weiter in die Leopoldstadt, dort über den Karmelitermarkt und durchs Grätzl geschlendert.

Anschließend in den Augarten.

Im Hundereiseführer angepriesen als eine der größten Parkanlagen, in denen Hunde „mitgeführt werden dürfen“. An der Leine, versteht sich. Aber der Augarten wirbt ja damit, dass er über zwei „Hundeauslaufzonen“ verfügt. Das schaut dann in der Praxis so aus:

Vollkommen trostlos. Wir gehen hinein in das öde, eingezäunte Platzerl mit erdig-sandigem Boden. Pippa guckt uns irritiert an, so ein „Was sollen wir denn hier?“- Blick. Wissen wir auch nicht. Denken wir im Augarten-Café bei einem Törtchen drüber nach (meine Güte: die Kuchen und Torten und Mehlspeisen hier, die sind dermaßen lecker), mit Blick auf den Flakturm (Codename „Peter“).

Nachdem wir uns diesen Erlustigungen gewidmet haben, für die der Park ja auch vorgesehen ist…

…marschieren wir über die Aspernbrücke (ach, die Urania dort am Donaukanal, das erinnert mich an den Kinoabend mit K., vor gefühlt 100 Jahren, als Johnny Depp, der die Hauptrolle in dem Film damals spielte, noch so wunderschön war im Vergleich zu dem Schatten, der er heutzutage ist) rüber in den ersten Bezirk und von dort nachhause.

Nur 14 km diesmal. Nur 1 Std Ruhe, dann weiter zur nächsten Erlustigung, diesmal ohne jede Befrustigung.

Dieses Bauwerk, diese Pracht, diese Flure, dieser rote Samt in den Logen, diese Bühne, dieser Text, diese Sprache, dieser Mann – ein Wahnsinn.

Und sogar Freunde gefunden, beim Anstehen an der Theatergarderobe. Solche wie damals in Eppan. Aber das ist eine andere Geschichte.

Satz des Tages: „Bitte sich festzuhalten.“

Wien (3): Flossenlos zwischen Fadlpappn und Fetznschädln.

Das Amalienbad in Favoriten gereicht dem Bezirksnamen wirklich nicht zur Ehre. Als 5. kraulquappen-getestetes Wiener Schwimmbad gesellt es sich direkt zu den anderen dreien, die ich keinesfalls jemals wieder aufsuchen würde.

Übrig bleibt damit bisher allein das Schönbrunner Sommerbad: das war erste Sahne (oder muss es heißen „erstes Obers“?), allerdings mit 12€ Eintritt auch das teuerste Freibad, in dem ich je meine Bahnen zog.

Tja, das Amalienbad im 10. Bezirk. Ein trauriges Beispiel für den Niedergang der Schwimmkultur und des Schwimmsports. Die architektonisch an sich großartige Halle – verschwendet an ein Badepublikum, das überwiegend aus Fadlpappn und Fetznschädeln besteht.

Keine Sau hält die Schwimmrichtung ein, wirklich schwimmen kann bestenfalls jeder 10. Gast da herin, viele kleben feist am Beckenrand oder watscheln im vorderen, flachen Teil des 33,3m-Beckens umanand, der Rest versucht sein „Bestes“ und plantscht-rudert-fuchtelt hinüber zur anderen Seite des Beckens, dazwischen ringen die zwei bis drei sportlich ambitionierten Schwimmer, die sich hierher verirrt haben, verzweifelt darum, mal 200 oder gar mehr Meter einfach störungsfrei durchzukraulen.

Flossen sind verboten, weil wohl irgendwanm amal irgendein Schraz einen Kratzer abbekam, Leinen sind keine gespannt, so dass dem Wildschwumm Tür und Tor geöffnet sind, das Getöse im Kinderbecken unweit des Hauptbeckens dröhnt unangenehm herüber. Insgesamt Note 4- für die Bedingungen im Wasser und unmittelbar drum herum.

Es gibt noch ein gesondertes 25m-Trainingsbecken, leider ist das Schulen und Vereinen vorbehalten, und wird nur sonntags für die Öffentlichkeit freigegeben, wie ich von einem Bademeister (dem Grant in Person) erfuhr, als ich es wagte, auf den Abgang zu diesem Becken zuzusteuern.

Hygienisch ist das Bad mit Lippenherpes- und Fußpilzfaktor 3 von 5 zu bewerten, Tendenz zu 4: Umkleiden, Duschen, Becken sind jeweils nur mäßig sauber, sowohl das Reinigungspersonal als auch der Wischmopp machen ebenfalls einen unappetitlichen Eindruck.

Aber der absolute Knüller – was Position und Konstruktion angeht – ist die „Föhnstation“. Noch nie zuvor gesehen, so einen Schmarrn. Eine neben dem Schwimmbecken installierte, ca. 3×5m große Platte, im 45°-Winkel aufgehängt, aus der etwa 15 Gebläsedüsen ragen.

Das Absurde daran ist nicht nur die Vorstellung, dass sich hier tatsächlich ca. 15 Personen eng nebeneinander und orgelpfeifenartig hintereinander aufgestellt föhnen sollten, sondern der Ort dieser Föhnstation: neben dem Schwimmbecken, weit weg von den Umkleiden (die sich 1 oder 2 Etagen drüber befinden) – man müsste sich also im Badeanzug oder ins Handtuch gewickelt direkt nach dem Duschen hierher begeben. Ergo föhnt sich da auch fast keiner. Gottseidank war’s so mild heute, dass ich mit nassen Haaren und Kapuze drüber heimfahren konnte.

Ja was ist man da verwöhnt von dem noblen, sauberen, preiswerten Lieblingsbad daheim in München!

Jetzt mal langsam die Frisur richten und auf ins Burgtheater.

Wien (2): Staad.

Wort des Tages: kalmieren.

Wien (1): Hinter- und Verlassenschaften.

Wort des Tages: „Verlassenschaft“. Dicht gefolgt von: „Wuchtl“.

Die Wieden.

Gute Infrastruktur. Höfliche Menschen. Kontrastreicher Bezirk. Super Kaffeehaus. Hohe Mistkübeldichte. Wahnsinnsfassaden.

Sonne, Wolken, Wind. Passt schon, für Ende März. Der Magnolienbaum vor dem Wohnzimmerfester blüht schon.

Noch etwas üben, bis man das „Baba“ beim Verabschieden wieder lässiger rausbringt.

Allein sprachlich ist das ja hier immer wieder eine Reise wert, als Bayer hat man sogar ein paar Vorteile beim dialektalen Akklimatisieren.

Und das Fräulein hat sich beim Morgengassi an der Schlossmauer schon mit einem einheimischen Strizzi angefreundet.

Jetzt Rucksack packen und mit der Bim 1x quer durch die Stadt zum Treffpunkt, den die Freundin uns genannt hat. Drücken Sie die Daumen, dass wir das ohne Beißkorb gedeichselt kriegen!

Hund haben (15).

Fixlaudon no amoi!

Müsst’s eich so aufpudeln? Kenna mia ned oafach durchs Grätzel dackeln ohne diesen Amtskapplschaaß?

Eh kloar, das mir unserne Gackerln, wie ihr des nennts, wegdoa! Wobei: Begriffe wie Hundekotsackerlspender und Hundekotsackerlautomaten, des is klass – vui besser ois des bleede Dog-Station bei uns! Und dann noch in der Dichte und im Onlinestadtplan!
Ein Misttelefon hobd’s a no, ja gibt’s des?! Und Haufen in der Größe, fast höher als der Fernsehturm (ist Gackerl dafür noch das passende Wort?)!?

Oba fast überoi da depperte Leinenzwang oder a Beißkorbpflicht oda beides, selbst in dene Beserlparks!?
Oda glei a kompletts Verbot im ganzn Park? Muass des sei? Des fäult mi echt o!

Dabei hod’s so leiwand ogfangt…

Erst die erfolgreiche Theaterkartenjagd im Feber: nach 45 Minuten glatt zwei halbwegs günstige Sitze in der Burg ergattert.
Dann die Quartiersuche: die Hotels in summa teuer (entweder 20€ pro Nacht und Hundenase oder 25€ am Tag fürs Parken oder beides), also lieber Airbnb, direkt nebam Belvedere, in der Wieden (schöner Bezirk, klingt auch so heimisch-vertraut!), samma fündig worn.

Zwei-Zimmer-Wohnung, gepflegt, gut ausgestattet, keine hässlichen Vorhänge oder unappetitlichen Teppiche. Altbau, Hochparterre, so dass das Fräulein nicht durch Stiegenhäuser hochgetragen werden muss mit dem vom Frühjahrsputz ruinierten Ellbogen.
Eine rundum adäquate Bleibe (wenn Bilder und Bewertungen nicht lügen) für lädierte Herrschaften in den mittleren Jahren, mit Badewanne sogar, damit sich die Dackelreinigung nach eventuellen Dreckswettermärschen ebenfalls kommod gestaltet (ich hasse es, den Hund in diesen top-modernen, komplett ebenerdigen Dusch-Oasen zu säubern: eine Riesensauerei jedesmal, inkl. nasser Socken)

Netter Kontakt zu nettem Vermieter, derzeit in Bochum lebend, selbst Hundehalter und daher grashalmpräzise auskunftsfähig, was alle möglichen (viele san’s eh ned) Pipiplätzchen in unmittelbarer Wohnungsnähe angeht, dazu noch ein Spitzentipp für ein Kaffeehaus zum Geburtstagsfrühstück, gleich ums Eck.

Nur einen Steinwurf entfernt die Haltestelle der Bim, die einen in 13 (!) Minuten direkt vors Burgtheater befördert, ebenso die U-Bahn-Station, mit der man zum am Stadtrand gelegenen Park&Ride gelangt (super Tipp von der Freundin vor Ort), wo der Kombi preiswert abgestellt wird, nachdem wir unser ganzes Glump in der angemieteten Wohnung ausgeladen haben.
Logistisch also alles bestens!

Noch von daheim aus zwei Verabredungen fix gemacht – der Gatte besucht einen Wiener Uni-Kollegen auf dem Sport-Campus und zeitgleich wird Freundin S. mir irgendwo zwischen Pötzleinsdorf und Neuwaldegg schöne Hundeauslaufgebiete (sic!) und Cafés zeigen. Im Anschluss daran dann alle miteinander in das Lieblings-Beisl von der S.

Zum Geburtstagsabend vom Gatten auf den letzten Drücker den Gunkl im Alsergrund buchen können (der uns vor Jahren mal einen Abend lang dermaßen begeistert hat), der kommt zwar im Herbst auch nach München, aber es ist natürlich netter, den dort zu sehen, wo er ist bzw. herkommt.

Für den Theaterabend eine prima Betreuung für Fräulein Hund gewonnen, schließlich ist das Stück recht lang, und hin und zurück muss man ja auch und – wer weiß – vielleicht will man ja sogar danach noch ein bisserl ofczarecken am Künsterausgang (so wie damals vor 15 Jahren, um den Herrn Brandauer abzufangen), aber eventuell bin ich aus dem Alter jetzt doch mal raus (?), jedenfalls ist’s aufgrund des langen Abends sehr beruhigend, dass die liebe S. dem Dackelfräulein ein Weilchen Gesellschaft leisten mag (@S: den Gustl hamma ned gfundn, wir bringen nun die Akka mit, i hoff, des bassd).

Auch schon ein Schwimmbad recherchiert, das vom Quartier aus gut erreichbar ist. Ein kleines architektonisches Highlight: Grundriss einer römischen Therme und innen im Art-Déco-Stil gehalten. Cool schaut das aus dort – und es gehört ja zu meinen großen Hobbys, mir so gut wie überall, wo ich hinkomme, andere Schwimmbäder anzusehen (und natürlich auch drin zu schwimmen), denn nirgends ist der Einheimische so unverstellt eins mit sich und überhaupt so heimisch, wie in einer Umkleide, unter der Dusche oder in der Sauna (außer vielleicht in seinem Stamm-Beisl).

Lauter angenehme, anregende Sachen geplant und daneben noch eine Menge Zeit „zur freien Verfügung“, wie man so sagt.
Zeit zum Umanandersandeln und Rumgucken, zum Treibenlassen durch die Gassen und zum entspannten Herumrühren in Kaffeetassen, die man uns an altbekannten und neu zu entdeckenden Orten servieren wird. In die Gumpendorferstraße will ich, ins „Sperl“, und endlich auch mal in die Leopoldstadt, auf den Karmelitermarkt und in den Augarten. Die persönliche Wien-Landkarte erweitern, sofern das halt zusammen mit Hund gut machbar ist.

Alles lief bei den Reisevorbereitungen zunächst wie am Schnürchen, aber dann ging’s an die Details.

Der Wochenkartenkauf für die Öffentlichen (bis die dämlich App das Zahlungsmittel mal akzeptiert hatte… – es hätte die Kreditkarte beinahe ihr Leben gekostet), die Organisation eines Zweitschlüssels vom Hausverwalter (es gibt Menschen, die sind von 2 simplen Fragen in 1 Mail einfach komplett überfordert), das genauere Ausloten der hundefreundlichen Grünflächen im Viertel und den Nachbarbezirken (gruselig kleine, eingezäunte Hundeauslaufzonen wie ich sie in Finnland und Schweden sah, herrje), die Entdeckung, dass ein Dackel in den Öffentlichen einen Einzelfahrschein braucht (1,20€ pro Strecke im Vergleich zu umsonst in München, egal wohin und wie oft) und einen Maulkorb, resp. Beißkorb (allein der Begriff!) tragen muss (wir haben jetzt einen für 3€ gekauft, das Fräulein war todbeleidigt bei der ersten Anprobe), das Surfen auf den Seiten der Stadtverwaltung, um sich mit all den Verboten für Hunde vertraut zu machen (die Liste der Parks, die tabu sind, ist zwar ordentlich sortiert, aber erschreckend lang).

Genug gesudert.

Wien ist meine zweitliebste Stadt und wird es auch bleiben.
Nirgends hab ich mich je sofort auch nur annähernd so wohl gefühlt wie dort.

Betrachten wir’s einfach als Herausforderung, das jetzt auch mal zusammen mit Hund nicht nur zu managen, sondern auch zu genießen.
Gucken wir halt keine Schlossgärten an. Und betreten auch keine Museen. Fretten wir uns tagsüber einfach nicht ab mit all diesem Kulturkram. Spazieren wir eben auf den Hügeln vor der Stadt herum, fahren da beißkorbfrei mit dem Auto hoch, laben uns an der guten Luft und der Aussicht und den Mehlspeisen in Ausflugscafés und freuen uns, dass wir mal was anderes sehen als immer nur die Stadt, da unten.

Gerade auf Reisen eröffnet einem ein Hund ja immer wieder ganz neue Möglichkeiten, Perspektiven, Erlebnisse – spannende Abenteuer off the beaten path, wie es immer so schön heißt und wie es sich als Untertitel auf Reiseführern exzellent verkaufen lässt.

Das wär‘ ja glatt noch ’ne berufliche Option, denk ich grad so: eine Reiseagentur mit dem Namen „Hundum sorglos – das ausgewuffte Reisebüro für Zwei- und Vierbeiner“.
Ist nämlich eine Welt für sich, diese Reiserei mit Hund und eine knifflige, unergründliche oft noch dazu (erst recht, wenn’s eine Städtereise ist), zumindest wenn einem wichtig ist, dass es dort auch für den Hund gut passt und man den nicht nur mitschleifen will.

Slogan der Agentur: „Organisieren Sie noch oder genießen Sie schon?“
Oder in der österreichischen Variante: „Gackerln Sie ruhig – wir kümmern uns um die Sackerln!“
Kann man dann für die jeweiligen Destinationen noch ergänzen um zusätzlich buchbare special events wie „Bellen im Belvedere“ oder „Auf einen Rinderschlund in den Alsergrund“ oder „Such die Pasteten in ganz Margareten!“.

Jetzt aber mal den Koffer zugeklappt & die Klappe ebenso & noch eine Mütze Schlaf genommen –
Servus & Baba mitanand, und wanns dortige WLAN kaane Spomernadeln mochd, hear ma uns gwiss!

Rudirallala und Holladrio.

Der September war schon immer mein Lieblingsmonat: Das schönste Licht, die wärmsten Farben, der Sommer noch spür- und sichtbar, auf dem Rücken eine hübsch geschwungene tan line einer langen Freibad-Saison (dieses Jahr sponsored by „Adidas Infinity“), die Biergärten, Hütten und Autobahnen langsam wieder leerer, und zum Ende des Monats hin – quasi als abschließende Krönung – noch der Geburtstag des verehrten Barden aus Freehold, NJ.

So war es ein Leichtes, bei überwiegend septemberlichem Kaiserwetter die viertägige Pressereise durch die Region Hall-Wattens zu absolvieren, zumal wir weder in einer Menschen-, noch in einer Hundegruppe unterwegs sein mussten, sondern individuell betreut wurden und all unsere Änderungswünsche stets berücksichtigt wurden (Lokalbesuch bitte nur außerhalb der gewohnten Gassizeiten, geführte Wanderungen bitte nicht nur auf popligen Themenwegen, sondern in alpinem Gelände, Besuch der Kristallwelten bitte am vernieselten Abreisetag und nicht am sonnigen Bergtag davor usw.).

Der Donnerstag ganz nach unseren Wünschen: Nach üppigen Hundekeks-Kostproben aus Silber-Etagèren am Vormittag…

…trainierte sich Fräulein Hund die angefressenen Kalorien am Nachmittag im Berggelände wieder ab…

…und wir waren ziemlich froh, dass wir uns schon eine gewisse Bergtauglichkeit erlaufen haben in diesem Jahrhundertsommer, der nun hinter uns liegt, denn auf den Schildern fehlten manchmal die Gehzeiten und an manchen Wegstrecken kamen die Warnhinweise auch ein bisserl spät, nämlich erst dann, wenn man bereits zwei Stunden die steilsten Bergwälder und Geröllfelder gequert hatte und sich doch allmählich wunderte, wann man denn mal endlich diese Hinterhornalm erreichen würde, die unten auf der Wandertafel am Parkplatz eigentlich eher unschwierig zu erreichen wirkte (ein Fehler, ohne eigenes Kartenmaterial gereist zu sein!).

Aber is‘ ja auch wurscht, wir hatten schließlich sonst nix zu tun, und so war der Weg tatsächlich das Ziel, wir dann allerdings doch froh, irgendwann die Alm auch mal erreicht zu haben.
Dort dann so erschöpft angekommen, dass für einen Augenblick unklar war, ob man jetzt vielleicht schon deliriert oder halluziniert und Trugbilder am Horizont sieht…

…was gottseidank nicht der Fall war, wie mir das Schnüffeln und Knurren des Dackelfräuleins unterm Tisch schnell verriet: Hinter der Hütte hausten in der Tat knuffige Alpakas, die immer mal wieder um die Ecke lugten und denen beim Kauen zuzusehen eine wahre Wonne ist (diese Zähne! der bewegliche, beinahe frei schwenkbare Unterkiefer!).

Wir ließen uns nieder und ruhten, guckten hinüber zu den Zentralalpen, hinunter nach Wattens und Hall, tranken ein heimisches Weißbier, da die Tiroler kein eigenes haben, das schmecken täte, weshalb sie gleich das unsrige importieren.

Ruhen taten wir auch unten in der historischen Altstadt ganz gern…

…weil man sich zwischendrin ja einfach mal von der Kopfsteinpflasterlatscherei, den vielen Fotoshootings und all den Eindrücken erholen muss.
Und selbst in solchen Momenten konnte man sich neuer, beeindruckender Wahrnehmungen nicht entziehen.

Tiroler Schnäppchen: Halber Preis, doppelte Größe?!

Hall ist übrigens ein Einkaufsparadies, wenn man der Shopping-Typ ist oder zumindest ein passionierter Schaufensterbummler. Leider bin ich beides nicht, ich hatte dafür bislang entweder nicht die Zeit oder das Geld (oder keins von beidem) oder die Muße oder überhaupt das Bedürfnis – und seit wir einen Hund haben, kommt diese Art „Ausgang“ sowieso nicht mehr vor, außer man braucht neue Gassigeh-Treter oder eine neue Funktionsjacke oder endlich mal eine wirklich regendichte Hose.

Zum Abschluss dann am Freitag noch die unvermeidbaren „Kristallwelten“, Österreichs am zweithäufigsten besuchte Sehenswürdigkeit (nach Schloss Schönbrunn), ein Eldorado für nach buntem Kitsch und teuren Klunkern lechzenden Amerikanern und Indern (und anderen).

An der Kassa erhalten wir ein hinterlegtes Ticket, das einen an der langen Schlange vorbeilässt und direkt zum Schlund des Riesen schleust…

…dahinter wartet schon ein lispelnder, schwuler, niederländischer Scherge, der einem eine Privat-Einführung in die 17 Wunderkammern gibt, die einen in dieser Glitzerwelt erwarten.

Es ist dann besser als gedacht, viel besser sogar, also zumindest wirklich so gut, dass man an einem Regentag und noch dazu für umme da glatt hingehen und sich diese wahnwitzigen, schrillen, mehr oder minder ästhetischen, knallig-kitschigen und jenseits aller Budgetreglementierungen designten Erlebnishöhlen zu Gemüte führen kann.

Kristallwelten / Wunderkammer (1)

Kristallwelten / Wunderkammer (2)

Kristallwelten / Wunderkammer (3)

Ein paar preiswertere Stücke in der Shopping-Area der Kristallwelten.

Kristallweltenwolken vor echten Wolken vor Tuxer Alpen.

So sagten wir also vorgestern Hall und seinen Bewohnern „Servus, danke für alles & schee woars!“:

Nette Menschen, gutes Essen, hübsches Städtchen, tolle Bergwelt – das Dackelfräulein und ich hatten wirklich einen Spaß und eine Freude dort. Vielleicht kooperiert man demnächst mit den Hallern und schreibt noch einen Beitrag für deren Touristenmagazin übers bayerisch-tirolerische Grenzgebiet, das zu durchstreifen ja ein Hochgenuss ist, aber bis es so weit ist, spitzen wir nun den Bleistift und schreiben die Notizen zu der feinen, kleinen Reise mal ins Reine.

Gut gelaunt gondelten wir über den nebligen Achenpass wieder hinüber ins heimatliche Bayern, machten noch einen Zwischenstopp im Tegernseer Tal und dann ab nachhause, wo jetzt der Fünfer-Looping und alles andere fertig aufgebaut vor der Haustür steht und einen sogleich dran erinnert, dass man in gut einer Woche schon wieder das Weite suchen wird dürfen.

Beim Auspacken fiel mir dann nach Jahrzehnten das Lied aus Kindertagen wieder ein, das der Papa manchmal sang, wenn wir in Felix Austria unterwegs waren:

Wenn’S scho a Kriagal intus ham, hearn’S ruhig nei und wenn ned, dann hoid ned 🙂

Hall_uzinationen.

Diese Reise hat beinahe etwas Unwirkliches: Wenn wir nicht gerade von netten Tiroler Bergführern oder freundlichen Menschen vom Tourismusverband umhergeführt oder verköstigt werden, sitzen wir bei 30 Grad unter Palmen, gucken uns staunend um und können diese unglaubliche Bergwelt, die uns hier in Hall umgibt, einfach nicht fassen.

Und um sie vielleicht doch fassen zu können, gehen wir los – hinauf, hinab, hinüber, herum – und dennoch bleibt sie unfassbar.

Obwohl ich das Karwendel kenne, obwohl ich da einst komplett drübermarschiert bin und jedes Jahr Touren dort unternehme, obwohl mir all das ja eigentlich so vertraut ist, ergreift mich der bloße Anblick, die herbe Schönheit und die weiße, leuchtende Schroffheit dieser Kalkalpen immer wieder zutiefst: Verneigen möchte mich vor dieser stillen, gewaltigen Erhabenheit – oder aber meinen Tränen freien Lauf lassen.

Nirgendwo war ich je so verbunden mit Gesteinsmassen, nirgendwo je so verbunden mit dem, was man gemeinhin „Seele“ nennt. Allein dafür hat sich’s gelohnt, diese Einladung anzunehmen. Ob ich hernach in der Lage sein werde, einen Artikel darüber zu schreiben? Ich weiß es nicht.

Über das Innerste zu schreiben, das kostet stets so viel Kraft. Gelingt es, entsteigt man gestärkt seinem eigenen Text. Aber der Zeitpunkt, um hineinzuspringen in dieses noch unsortierte, aufgewühlte Wörtermeer, da hineinzuspringen und es erst zu zerteilen und dann zusammenzusetzen (und dies mehrfach, und manchmal so lange, bis man fast nicht mehr kann, und dann doch weiterzumachen, weil man auch nicht aufhören kann damit) – dieser Zeitpunkt, den wählt man nicht, sondern er erwählt einen.

Man spürt es sofort, wenn es soweit ist.

Und bis dahin sortieren wir eben Fotos.

Das Dackelfräulein besucht die erste Hundeboutique.

Madame Hund testet Gebäck in der zweiten Boutique.

Pippa gähnt Wolfi, den Coiffeur in der Bellness-Oase, an.

Kraxeldackel im Südkarwendel: SB-Theke in der Knappenkammer unterhalb des Lafatscherjochs.

Tiroler Landesfarben hinter Teckel auf 1.601m Höhe.

(Und bevor jemand fragt: Nein, wir, resp. ich, mögen Hundeboutiquen überhaupt nicht. Wir müssen da halt hin. Das ist nämlich eigentlich gar keine Pressereise, sondern eine Fressireise.)