Shirley Jean hat kein Halsweh oder: Die Turbo-Woche.

Wochen gibt’s, in denen gefühlt ein Monats- oder gar Quartalspensum an Ereignissen, Emotionen, Terminen und Arbeiten abgefackelt wird, ohne dass man das zuvor hat kommen sehen.

Eigentlich wollte ich die verregneten letzten Wiesntage nutzen, um mich hier mit der Steuererklärung 2018 einzuigeln und danach mit dem Sortieren der 3.000 Schwedenfotos und den Vorarbeiten für die Reportage zu beginnen sowie mit dem Abarbeiten meiner „Herbstliste“ loszulegen, die ich klugerweise noch im Gemütszustand sommerlicher Leichtigkeit und Beschwingtheit angefertigt hatte (um nach den Reisewochen weder in ein Loch zu fallen, noch lang nachdenken zu müssen, was denn nun anstünde: man ist ja schon irgendwie komplett aus dem Takt und der Zeit gefallen nach solchen Unternehmungen, die einen so voll und ganz absorbieren).

Steuererklärung, das heißt: Drei Tage Suchen, Tippen, Abheften, Rechnen, Recherchieren in juristischen Datenbanken, Fluchen, Studieren diverser Steuerratgeber, Herumärgern mit Zertifikaten und anderem Technikmüll- dann war die Quälerei überstanden und wie jedes Jahr nach dieser zermürbenden Arbeit befielen mich immense Erleichterung und absurde Heiterkeit.
Nicht etwa, weil in Folge dieser Arbeit ein Geldsegen ins Haus stünde, nein, einfach nur, weil „es“ vollbracht ist. Es ist eine Art Arbeit, die ich Jahr um Jahr als zermürbender und nervtötender empfinde und um die ich mich herumdrücke, so lange es nur irgendwie geht – und es geht oft sogar länger als gut für mich ist (Stichwort: Fristverlängerung).

Die neue Woche beginnt also steuer- und wiesnbefreit, es kehrt wieder Ruhe ein im Viertel, die Aufräumarbeiten auf dem Festgelände gehen schneller vonstatten als man gucken kann, draußen darf wieder geparkt werden und beim Abendgassi leuchtet wieder die Bavaria herüber, das Lichtermeer der Fahrgeschäfte ist erloschen.

Die Linden werfen ihre Blätter munter ab, die Grünstreifen atmen auf, weil das Getrampel der Besucherscharen ein Ende hat und es sich als Grashalm nun wieder lohnt, sich mal aufzurichten.
Man trifft beim Gassigehen wieder die vertrauten Menschen und Hunde, die sich alle ein wenig verschanzt hatten während des Oktoberfesttrubels vor ihren Türen oder – wie wir ja auch – auf weniger frequentierte Gassirouten ausgewichen sind.

Der Arzttermin, vor dem es einem schon seit Wochen graut, rückt immer näher, aber bevor man nachts ins Grübeln kommen könnte, hat der Hund Magen-Darm und erbricht sich so oft, dass man vor lauter Hinterherputzen und Hundtrösten und Karottenkochen gar nicht zum Schlafen und erfreulicherweise auch nicht zum Grübeln kommt. Parallel dazu geht die Badewannenarmatur kaputt, so dass man sich mit Hausmeister, Vermieter und Installateur rumschlagen darf, um möglichst bald wieder störungsfrei Duschen zu können, zwischendrin bringt man den Wagen in die Werkstatt, wo sich das Geräusch, das außer mir im August niemand wahrnehmen wollte, auch in der Werkstatt nicht, nun doch (mittlerweile auch für jeden unüberhörbar) als kaputtes Radlager entpuppt, woraufhin ich den Serviceheini der Werkstatt runder mache als es das Rad und sein Lager je waren und einen ordentlichen Nachlass nebst Leihwagen rausschlage für die Missachtung meines Hörvermögens und meiner Vorahnungen (metaphorisch natürlich, das „schlagen“), damit das Fräulein und ich bei diesem Mistwetter trocken zum Rentnertreffen ans andere Ende der Stadt reisen können.

Ja, Sie lesen richtig: ich gehe bereits zu Rentnertreffen!
Die ehemalige Sekretärin des Papas organisiert das zweimal jährlich für ein gutes Dutzend der jahrzehntelangen, beruflichen Weggefährten des Papas, die in den 1970er Jahren alle in etwa gleichalt waren und in ihren Job ein- und somit in etwa auch zeitgleich aus diesem ausstiegen. Das ist ja noch die Generation, in der die Menschen ihr Berufsleben lang ein und dieselbe Anstellung hatten, das kennt man heute in dieser globalisierten, schnelllebigen, veränderungsanfälligen, effizienzterrorisierenden und mega-verdichteten Arbeitswelt ja gar nicht mehr.
Zweimal im Jahr trifft sich diese Truppe also zum Essen, Trinken und Ratschen. Jedesmal fehlen ein paar, ab und an fehlt nun sogar schon einer für immer.
Mich laden sie ein, weil ich meine gesamte Kindheit, Jugend und Studentenzeit viel mit von der Partie war: töchternd, feiernd und jobbend.
Gelegentlich gehe ich hin, zu diesen Treffen, weil ich die Menschen mag und lange kenne, und mich vom einen oder anderen dort auch gekannt fühle.

Übrigens ein Phänomen, dieses Sich-gekannt-Fühlen, über das ich in den letzten Monaten oft nachgedacht habe: Wer sind oder waren eigentlich die Menschen, mit denen ich mich in etwa so fühle, wie ich mich selbst empfinde? Es gab Freundschaften, da fühlte ich mich permanent wie die Ältere oder die Anführerin, und selten umgekehrt mal mitgezogen, aufgefangen oder gar getragen (warum hat man das jahrelang mitgemacht? was sollte das?), und es gab Beziehungen zu Menschen, in denen ich mich bei nahezu jeder Begegnung irgendwie falsch, klein, unfähig oder fehl am Platz fühlte (warum ist man dennoch ein Stück des Weges gemeinsam gegangen? was sollte das?), manche dieser Verbindungen existieren immer noch.
Und ein paar ganz wenige, bei denen ich mich redend, schweigend, lachend, weinend, und überhaupt in so gut wie allen Seinszuständen identisch mit mir und harmonisch mit der anderen Person fühl(t)e.
Anderes Thema und zudem ein weites Feld, demnächst vielleicht mal mehr dazu. Im Herbst packt mich jedenfalls immer so ein Ausmistbedürfnis auf mehreren Ebenen. Damit der erste Schnee nichts zudeckt, das man vorher noch hätte wegfegen können? Ich weiß es nicht genau.

Wo war ich stehengeblieben?!
Ach ja, beim Rentnertreffen. Der Papa heut in schlechter Verfassung und nach zwei Stunden so müde, dass er geht (früher war er immer der Letzte bei solchen Runden). Seine erste Sekretärin (84) weint, als sie sich von ihm verabschiedet, weil sie am Wochenende in ein Seniorenwohnheim einziehen wird und der Ansicht ist, dass sie dann nicht mehr zu diesen Treffen wird kommen können, ihn also nie wiedersieht. Die andere Sekretärin (68) ist gottseidank noch fröhlich wie eh und je (wie selten ist es geworden, denke ich mir so, als ich mit ihr spreche, mal jemandem zu begegnen, auch außerhalb solcher Rentnerkreise, der einem putzmunter erzählt, es ginge ihm „echt richtig gut“), auch der Rest der Runde hält sich mehr oder weniger wacker.
Der ehemalige Bilanzbuchhalter hat nun auch Parkinson, der Papa berät ihn ein wenig zum Umgang mit der Krankheit und fast blitzt dabei etwas von seiner früheren Chefmentalität durch („Jetzt machen Sie das erstmal so und so, und dann geht das schon wieder, alles klar?“).
Auch J. ist heute da, leider mit Rezidiv und zaundürr, aber er ist da und wir wollen dran glauben, dass er weiterhin der zähe Knochen ist, der er immer war und es auch bleiben wird.

Nach drei Stunden löst sich die Runde auf und ich fahre nachdenklich, müde und etwas bedrückt durch den Regen nachhause.
Das Automatikgetriebe des Leihwagens ist dermaßen ungewohnt und weil ich deshalb das linke Bein vorsorglich komplett weggepackt habe, um nicht womöglich doch vor lauter Müdikgeit mit dem Kupplungsfuß reflexartig auf der Bremse zu landen, komme ich mit einem Krampf in der Wade zuhause an.

Dabei schmerzt das Gestell eh noch von gestern Abend.
Kiefer Sutherland was in town und nach drei Stunden Stehen, Rumhopsen und Klatschen spüre ich ebenso wie bei manch anderer Aktivität, dass ich auf die 50 zugehe und noch weniger belastbar werde als ich es eh schon immer war. Immerhin lag man gestern mal genau im Altersdurchschnitt des Konzertpublikums und so gab’s auch drumrum etliche andere, die mal in die Hocke gingen oder sich dezent an Rückenentlastungsübungen versuchten.

Vor wenigen Tagen bespielte Kiefer Sutherland das Wiener Publikum, gestern war München dran. Und 24 Stunden später muss ich sagen: ja, es war schon ganz gut, dieses Konzert, aber die ersten zwanzig Minuten haben das Gesamterlebnis doch etwas eingetrübt.
Stimmlich arg dünn, die Eröffnungssongs, das geliebte „Shirley Jean“ fiel dummerweise genau in diese Phase (ein Jammer, wenn die Studioversion um Welten besser ist als die Live-Version!), die Aussprache verwaschen, die Augen verquollen, die Bewegungen fahrig, und ich wollte dieses so ungewohnt flache, volumenlose Gekrächze schon auf eine Halsentzündung schieben und mitleiden mit dem guten Kiefer, da bekam er auf einmal doch noch die Kurve, bemerkenswerterweise nach einigen Gläsern karamellfarbener Flüssigkeit.

Man soll nichts unterstellen, was man nicht wirklich weiß oder wissen kann, dennoch meine ich in Mimik und Gestik Züge eines Trinkers zu entdecken, mindestens aber die Spuren von zu viel Alkohol, und vielleicht ist die Performance nur dann eine gute, wenn der passende Pegel erreicht ist?
Oder war er einfach nur müde oder sein Hund, den er im Tourbus dabei hat, hatte in der Nacht vorher Magen-Darm oder hatte er Streit mit seiner Freundin oder ist ihm sein Steak misslungen und war schon medium well statt English und hat ihm den Abend verdorben? Wer weiß das schon!

So wichtig ist das alles aber auch nicht, denn zwei Drittel des Auftritts hat der ehemalige Mr. Jack Bauer ja ordentlich hinbekommen, ich wünschte halt nur, er sähe auch noch ein bisschen mehr aus wie jener, und der hübsche Bursche aus „Flatliners“ würde nicht nur in den wenigen Momenten durchschimmern, wenn die Bühne in blaudunstiges Licht getaucht ist und er den Kopf tief zur Gitarre hinabsenkt (man muss das mal sagen: Springsteen sieht in egal welcher Beleuchtung/Pose mit 70 weit weniger verlebt aus und das ist nicht nur guten Genen oder guten Fotografen oder guten Therapeuten geschuldet).

Womöglicht war auch ich beim gestrigen Konzertabend noch zu benebelt von einer morgendlichen Aufregung und deren Folgen: denn eine viel mehr ans Herz gehende Musik lädt völlig überraschend dazu ein, tatsächlich live gehört zu werden – und das sogar noch in dieser Woche!

Zuvor geht’s wohl oder übel zum Arzt und hinaus zu einem weiteren Regenspaziergang und die radlagererneuerte Karre abholen – und noch allerhand anderes ist zu tun bis zu diesem so unverhofften Klang-Ereignis, auf das ich ja insgeheim warte und hoffe, seit diese Musik in mein Leben trat, was zwar erst ein paar Monate her ist, aber ich war halt noch nie besonders gut im Warten, erst recht nicht, wenn es um was Wichtiges und Emotionales geht – und dass das mit dieser Musik für mich was Großes ist, das war sehr schnell klar.

Nun aber eins nach dem anderen.
Bleiben Sie dran – wir berichten, wenn’s soweit ist!

Himmel der Bayern (65): Wieder daheim.

Eine Tafel von der Ettaler Klosterbrauerei in Sichtweite, ein netter Verschreiber drauf.
Über der Krone der leichten Weißen der Zugspitzgipfel, etwas weiter links der Fernblick bis in die kleinsten Zacken des Wettersteingebirges, irgendwo noch weiter links ein paar Karwendelspitzen.

Jetzt spür ich’s definitiv: wir sind wieder daheim.

Und ich spüre ebenfalls die 820 Höhenmeter in den Hax’n, immer wieder überraschend, dass sich ein paar Wochen Bergpause sofort bemerkbar machen und man doch fast ein Stündchen braucht, bis man wieder drin ist im Bergaufgehmodus.

Das Dackelfräulein heut von Anfang an besser unterwegs als ich, stets 20 Teckelmeter vorneweg, wie in alten Zeiten. Die Sonne strahlt, es ist wenig los, es ist herrlich still, es ist Zeit und Gelegenheit, das in den letzten Wochen Erlebte noch Revue passieren zu lassen, sich zu sortieren und zu rüsten für all das nun Anstehende.

Schweigend laufen wir hinauf auf den Laber – ein hübscher Kontrast, nicht wahr? -, auf der Panoramaterrasse des Gipfellokals wird eh schon genug gelabert. Erstaunlich viele mopsige Amerikaner hocken da heut herum, aber klar, es geht ja auch eine Gondel hinauf, sonst säßen die hier nicht an ihrem „Wiesn-Break“-Tag, wie ich den Gesprächsfetzen entnehmen kann. Das bestätigt mal wieder meine Abneigung gegen Berge, auf die eine Bahn hochfährt, so gegen Ende der Saison geht’s dann wenigstens mit dem Andrang und auf dem Weg selbst trifft man die Bahntouristen ja auch nicht.

Ziehen wir also bald Leine, um das schöne Gefühl des Wiederangekommenseins nicht zu (zer)stören. Das wird ja drunten im Tal schon von genug Dingen gestört: ein möglicherweise kaputtes Radlager (ein Dröhnen, das seit Dänemark immer lauter wird und dem es dann nächste Woche hoffentlich nicht zu kostspielig an den Kragen geht), der allherbstliche Horror vor der Steuererklärung (viel Verwirrendes und Neues diesmal, ohne meinen großen Freund S. werd‘ ich wohl nicht durchblicken) und – allem voran – der erschütternden Nachricht, dass Lurchi nicht mehr läuft.

Ja, so hat er’s formuliert, der Herr Papa, als wir miteinander sprachen. Nachdem ich zunächst lange von Schweden erzählt und seine Fragen beantwortet hatte, fragte ich natürlich nach, wie es ihm in den letzten Wochen ergangen war und wie seine Reise gewesen sei.
„Der Lurchi läuft nicht mehr“, antwortete er einleitend, vielleicht um irgendwie Distanz herzustellen, denn der Lurchi, das ist schließlich er selbst, wenngleich ich zu den wenigen gehöre, die ihn nicht so nennen. Er habe die zu bewältigenden (kurzen!) Laufstrecken auf seiner Reise nicht mehr geschafft, habe dauernd die kleine Gruppe aufgehalten, mehrfach sei er fast gestürzt. Mit dem Rollstuhl, den man ihm sehr fix organisiert habe, sei es dann gegangen, aber da ihm die Kraft in den Armen fehle, um den Rollstuhl selbst zu voran zu bewegen, musste ihn immer jemand schieben.

Eine Information, die eine neue Ära einläutet.
Er will es noch nicht wahrhaben und versucht sich an abwiegelnden Scherzen zu dem Thema, aber mir ist schmerzlich sonnenklar, dass damit eine neue Ära begonnen hat, selbst wenn er derzeit seinen Radius auf Haus und Garten beschränkt und daher rollstuhlfrei „unterwegs“ sein kann.

Und sonst so?

Der Fünfer-Looping rattert täglich 12 Stunden vor der Tür, unaufhörlich seine kreischenden Insassen durchrüttelnd. Wenn man abends vors Haus tritt, schwappt einem ein Schwall Gebrannte-Mandeln-Duft entgegen. Insgesamt ist die Lage vor Ort viel harmloser als befürchtet. Bei Sonnenschein ist es tagsüber sogar so nett, dass man da mal auf eine Mandel oder zwei rüberspaziert, ist ja kein Aufwand.

Man staunt halt beim Blick aus dem Fenster hinunter auf die Straße über so Einiges: Menschen, die samstags vor 8 Uhr bereits Schlange stehen für den Einlass ins gelobte Wiesn-Land ab 9 Uhr (was um alles in der Welt, will man samstags um 9 Uhr in einem Bierzelt?) oder die Massenkostümierung, die mittlerweile ein so flächendeckendes Ausmaß erreicht hat, dass man das Ende der Einheitsuniformen schon kommen sehen kann (die Hingucker sind bald die, die ohne Tracht dort herumlaufen, da alles andere in einen großen optischen Brei ineinanderfließt).

Nächstes Jahr, so überleg ich, könnte ich an die morgendlichen Warteschlangenleute Kaffee und Muffins verkaufen und damit bestimmt ein gutes Geschäft machen, ohne viel Arbeit zu haben. Das noch bessere Geschäft würde man freilich mit der Vermietung eines Matratzenlagers im Wohnzimmer machen, da würde schon das Italiener-Wochenende reichen, aber die anschließend nötige Renovierung zu betreuen, danach dürstet uns gar nicht, zu nah noch all das schauerliche Gehandwerke nach dem Umzug hierher.

Gefühlt ist unsere Straße eine der sichersten und saubersten der ganzen Stadt: mindestens 3x täglich reinigt eine Putzkolonne alle Straßen, Wege, Grünstreifen, Gebüsche. Die Polizei patrouilliert ab Nachmittag permanent die Allee auf und ab. Abends fahren die Sanitäter die Straße entlang und leuchten mit Scheinwerfen in die Rabatten, ob da irgendwo ein Patient herumröchelt.

Man hat jetzt hier einen Wiesn-Sonderausweis für Anwohner und gehört neben der Polizeiflotte und den Sankas zu den einzigen Fahrzeugen, denen die Zufahrt zu dieser verkehrsfreien Hochsicherheitszone gestattet ist (jeweils nach Kontrolle an den zwei Checkpoints, versteht sich). Das hat irgendwie was.

Fast möchte man beim Entlangfahren (bei derzeit Tempolimit 10km/h) alle Fenster herunterkurbeln und wie einst Jackie Kennedy sonnenbebrillt, mit Pillbox-Hütchen und im Fahrtwind flatterndem Seidenschal lässig und mit einem mildem Lächeln dem ehrfürchtig guckenden Volk („Boah, wer darf denn hier herumfahren?“) zuwinken, das sich in der schönen Lindenallee tummelt und sich die Beine wartend in den verdirndelten oder lederhosenbelatzten Bauch steht und der langsam anrollenden Limousine Platz macht.

Ich habe aber weder Hütchen noch Seidenschal noch eine Hand frei zum Winken, da ich zumeist allein am Steuer der Nicht-Staatskarosse sitze.
Dafür beschalle ich sie alle mit Springsteen, Dylan und Forenbacher.

Schön, wieder zuhause zu sein.

Watering the Wiesn.

Feierabend. Die Bauarbeiter haben die Arbeitswoche beendet und verkriechen sich in ihre abgedunkelten Wohncontainer.
Jetzt stehen sie alle, die großen Zelte, auch am Augustiner prangt nun Schriftzug der Brauerei, alle anderen hatten das längst erledigt.

Flirrende Hitze über der Theresienwiese. Der durch das emsige Gewurschtel tagsüber aufgewirbelte Staub legt sich allmählich nieder, genau wie seine Aufwirbler.

Ich sitze mit meinem Feierabendweißbier auf meiner Bank in der Abendsonne und proste der Bavaria und dem Wüstenkönig zu, der das Gelände von seinem Turm aus bewacht. Lasse die Woche Revue passieren. Viel Schönes erlebt, aber auch etlichen Ärger.

Versuche, mich nicht mehr über die stundenlangen Telefonate mit den sogenannten Service-Hotlines von Vodafone und 1&1 und dem daraus resultierenden Nicht-Service aufzuregen, und auch nicht mehr darüber, dass mir ein Paket gestohlen wurde, das der DHL-Bote gerade mal für ein schlappes Viertelstündchen auf der Fußmatte abgestellt hatte. Einen Verdacht hab ich zwar, wer’s mitgehen ließ, aber beweisen kann ich’s nicht. Daher versuche ich angestrengt, nicht an die diversen Tricks und Kniffe zu denken, die ein Typ wie Saul Goodman für eine Situation wie diese parat gehabt hätte und die ich mir durchaus auch zutrauen würde (in mir hausen nämlich ein halbseidener Advokat, ein beherzter Kleinganove und unerschrockener Rächer, die in solchen Momenten rauswollen und es kostet etwas Disziplin, die drei Halunken in ihrem Zwinger zu belassen).

Langsam kehrt Ruhe ein, drinnen wie draußen. Und während ich da so sitze, an meinem Säbelzahntigerglas nippe und vor mich hin grüble, wird nach und nach das ganze Festgelände von dieser speziellen hochsommerlichen Trägheit befallen, wie sie einem noch aus den Wochen vor den Aufbauarbeiten so vertraut ist.

Aber hoppla – was ist das denn? Wie’s scheint haben noch nicht alle Wiesn-Arbeiter Feierabend gemacht!
Der Schlauch, dieser alte Schlawiner, beginnt auf einmal, eine After-Work-Party zu feiern! Wie von einem unsichtbaren Schlangenbeschwörer animiert führt er plötzlich ein munteres Tänzchen auf, das zur reinsten Schaumparty ausartet. Ein paar Vögel nutzen die unerwartete Duschgelegenheit, flattern aber schnell wieder davon, weil der Schlauch sich doch ein bisschen zu ekstatisch geriert und das ist den gefiederten Kameraden zu unberechenbar und zu wild.

Ich gucke diesem unverhofften Spektakel zwanzig Minuten lang zu.

Das hat was Meditatives und Tiefenentspannendes – und hätte ich mich nicht gerade geduscht gehabt, wäre ich am liebsten durch diese Wasserfontäne gesprungen.

PS: Wenn Sie sich das ansehen, dann bitte unbedingt im Full-Screen-Modus.

Ozapft is oder: Mir san dann amoi furt!

Gestern: Morgens um 7 steh’n d’Leit scho o!

Auch danach heißt’s: Warten, Warten und nochmal Warten.

Die Zelte füllen sich allmählich, laut werd’s – nur der Löwe brüllt noch nicht.

Eine Stunde vor Anstich: alles kleinkariert und randvoll (mit Spezi und Wasser).

Wir drehen noch eine Runde übers Festgelände – fast 10 Jahre nimmer hier gewesen und noch ist ja nicht alles überfüllt.

Das Angebot für Familien: deutlich dürftiger als die Saucen-Auswahl.

Saftige Preise für saftiges Gebäck: Mit besten Grüßen an Mr. Brezel aus dem Allgäu (und nochamal: hier heißt’s „Brezn“!!!).

Und mir lassen uns hier auch sprachlich nix von dene Amis diktiern!

Huch! (Man möcht‘ die Kreidetafeln nicht in 16 Tagen nochmal sehn!)

Für 3€ gibt’s natürlich noch keinen Swinger.

Manche Herzerl-Aufschriften sind einem noch vertraut…

…andere eher weniger (Einhorn, hä? bedeutet das was? wenn ja, was?).

Um halb zwölf dann mittendrin im Humpfdada.

Kann man sich schon 1x im Leben anschaun, den Einzug der Wiesnwirte und Brauereien.

Himmel der Bayern?!? Nun ja: Jedem seinen Horizont! 12 Böllerschüsse um 12 Uhr, der OB hat ozapft, die Lautsprecherdurchsage (erst auf Deutsch, dann auf Englich und schließlich auf Bayrisch) wünscht allen eine frohe und friedliche Wiesn. Prosit!

Halligalli und Holladrio bis in die Nacht hinein.

Heut Morgen dann der Trachten- und Schützenzug direkt am Haus vorbei (müsli-essend vom Logenplatz im Fenster fotografiert).

Heut Mittag doch nochmal hin, in memoriam juventute quasi.

Ganz so locker wie vor 30 Jahren hockt man da nimmer drin – mit den besten Grüßen an H. in der fernen Schweiz und mit der Frage: Packst du das eigentlich noch?

Aber das hier wär‘ definitiv schlimmer bzw. gänzlich ausgeschlossen!

Die zwei sind um 16 Uhr auch schon irgendwie durch mit dem schönen Sonntag.

Eine kleine Runde dreh’n wir noch…

…wobei „klein“ relativ ist, so wie vieles andere auch an diesem sonnigen Tag.

Der Verfasser der hochdeutschen Übersetzung muss auch schon arg ogschdocha gwen sei oder so („Rülpsler und Dekolte“ klingt mindestens nach einem miserablen Kabarettisten-Duo).

Meine ganze Kindheit lang war die Riesenrad-Fahrt der Abschluss des Familienausflugs auf die Wiesn – daher spar’n ma uns heut die 16€ (!).

Und mit diesen Impressionen verabschieden wir uns nun auch für ein paar Tage (oder länger, oder kürzer – das wird sich ergeben), jedenfalls ziehen wir hier nun Leine, weil ein Wochenende diesen Trubel vor der Haustür, das ist ja noch erträglich und sogar ganz nett, wenn man grad erst hergezogen ist, aber 16 Tage am Stück, das hält vermutlich kein Mensch aus und erst recht kein Hund.
Da strawanzen wir lieber ein bisserl durch die Dolomiten und über Almwiesen, auf denen es koa Sünd‘ ned gibt.

Aber schon schick, so ein VIP-mäßiger Anwohner-Zufahrtsschein in blau-weiß mit der Aufschrift „Wiesn 2018“ für diesen bunten, blinkenden Hochsicherheits- und Festivitätstrakt im Herzen der Stadt.
Unsere Straße leergefegt, nirgends ein Radl oder Auto, x-mal am Tag wird durchgeputzt, viel ruhiger und sauberer als sonst isses (dabei gäb’s sogar eine „Bei Anruf: sauber!“-Rufnummer, aber vielleicht braucht man die erst am Italiener-Wochenende?).

Das werden wir morgen Früh noch einmal beim Rausfahren genießen und dann doch lieber die gute Bergluft inhalieren.

Frei nach dem Motto:
Wenn uns stinkt die Wiesn-Chose,
Flanier’n wir halt am Fuß der Plose.

Lassen Sie sich’s gut gehen, ob mit oder ohne oans, zwoa, g’suffa.

Herzliche Grüße und bis bald in alter Frische –
Ihre Kraulquappe & Co.

S’Glück is a Vogerl…

… – wie’s in Österreich so schön heißt – und in diesem Sinne fliegen wir morgen dann mal los zu unserer kleinen Pressereise nach Tirol, wo wir auf ein paar schöne Tage, Erlebnisse, Eindrücke und Fotos hoffen, so dass im Anschluss ein feiner Artikel draus werden kann.

Das Fräulein in Vorfreude auf die Bellness-Oase.

Das Rad des Lebens dreht sich recht munter im Moment, größere Loopings brauch‘ ich dieses Jahr allerdings (nach allem, was so war und ist) keine mehr…

…irgendwelche Höllenfahrten schon gleich gar nicht…

…stattdessen gucken wir lieber der Lebensfreude unters Röckchen…

…oder bei einem Glaserl Gerstensaft in den Himmel der Bayern oder der Tiroler hinauf.

Slogans, die man sich zu Herzen nehmen sollte.

Sie hören von uns & haben auch Sie einen freudigen Wochenstart!

Himmel der Bayern (44): Vom Nahen der fünften Jahreszeit.

In diesem nicht enden wollenden Sommer unzählige Abende auf der Parkbank vor dem neuen Zuhause sitzend dem langsamen Nahen der fünften Münchner Jahreszeit zugeguckt und nach der Lektüre der Broschüre „Verkehrsregelungen für Anwohner“ dann doch mal lieber um eine septemberliche Fluchtmöglichkeit jenseits des Brenners gekümmert.

Und um einen „Zufahrtsschein“, damit man hier dann überhaupt noch rauskommt.

Denke nun drüber nach, unsere Garage mit 8 Isomatten zu bestücken und an den Meistbietenden zu vermieten. Alto Adige ist preislich ja auch eher alto als basso.

Genießen Sie den Sonnabend! Herzlich grüßt – die Kraulquappe.