Musculus extensor digitorum complettus defectus verflixtus aeternus.

Man muss immer nachfragen oder nachschlagen, wenn einen die Ärzte – heute: der Radiologe – mit ihrem Latein volltexten, selbst wenn man das große Latinum hat.

Aber auch „Knöcherne Strecksehnenruptur“ sagt einem ja erstmal nix. Dass da irgendwas nachhaltig kaputt, gebrochen, gerissen ist, schwante mir schon, nachdem die Schwellung am Finger nach 7 Wochen verschwunden war, aber ein krummer Finger zurückblieb.
Der nette Radiologe erklärt dann auf Nachfrage: Typische Basketballerverletzung. Wird oft nicht bemerkt, dass da mehr kaputtgegangen ist. Kann man aber super operieren, so mit Drähten und Titanschräubchen. Soll der Kollege entscheiden.

Umrundung der Drei Zinnen jenseits der Touristenhauptströme, dafür überraschend im Schnee. Gedacht, das müsste gehen, auch ohne Stöcke oder Grödeln, und ging ja auch größtenteils.

Vereister, im Schatten gelegener Fels auf 2.400m Höhe & vergeigtes Foto vom Dackelfräulein.

Quittung fürs Fotografieren auf vereistem Fels: roter Pfeil markiert abgerissenes Knochenstück, das die Streckung des Fingers dauerhaft unterbinden wird.

Mal gucken, was dann im Januar der Handchirurg empfiehlt. Ich tippe auf eine OP, die wollen ja alle auch was verdienen.
Bis dahin sind lenke ich mich mit den anderen fünf, nun anstehenden Arztterminen ab.

(Warum gibt es eigentlich keine Kliniken, in denen man innerhalb einer Vollnarkose von 3 Ärzten an 3 Stellen operiert werden kann?)

Passen Sie also bloß gut auf beim Ballsport und auch bei der Winterzauber- und Weihnachtsfotografie, man fällt schneller in den Schnee oder den Tannenbaum als einem lieb ist!
Herzlichst,
Ihre Kraulquappe.

PS: Und wie immer gilt: Von Beileidsbekundungen und Genesungswünschen bitte ich Abstand zu nehmen. Wohlwollende Gedanken, lustige Weihnachtskarten oder leckere Spitzbuben sind viel sinnvoller. Dieser Hinweis hat sich wirklich bewährt, denn aus Wien erreichte mich letzte Woche ein Care-Paket mit Briefchen, Billiglebkuchen und Bruce-DVD. Das war wie eine Frischzellenkur in all den medizinischen Niederungen!

Der Hund von Baskerville.

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Im Traum lag ich aufgebahrt und mit einem Hüftgurt auf einer Liege festgeschnallt in einem kahlen, kalten Raum, die Decke schmutziggrau, links und rechts mintgrün gekachelte Wände, vor mir eine schwere Metalltür, hinter der ich Stimmen vernahm, so schwach, entfernt und verschwommen allerdings, dass ich nichts verstand, so sehr ich mich auch bemühte.

Auch sonst verstand ich nichts: warum ich dort lag, warum so seltsam fixiert, und warum mit diesen höllischen Schmerzen im rechten Arm. Hinter mir, in der einzigen Wand, die ich nicht sehen konnte, weil es unmöglich war, den Kopf so weit zu drehen, schien sich eine weitere Tür zu befinden, denn auf einmal hörte ich, wie dort eine Klinke heruntergedrückt wurde.

Ein Mensch betrat den Raum, näherte sich mir von hinten, beugte sich über mein Gesicht, so dass ich das seine nur als Fratze wahrnahm. Die Mimik verkehrtherum betrachtend musste ich erstmal überlegen, ob der Ausdruck nun als uklig oder unheimlich zu interpretieren sei. Ich fand es nicht mehr heraus, denn plötzlich pustete mir die Fratze unerwartet einen Satz ins Gesicht.

Der Fremde sagte: Wir können Sie heut nicht drannehmen. Ich fragte: Drannehmen wofür? Die Stimme antwortete: Das darf ich Ihnen nicht mehr sagen, Ihr Ausweis ist ungültig.
Mich durchfuhr ein Schauer, denn an irgendetwas erinnerte ich mich diffus, als das Wort „Ausweis“ fiel. Der fremde Mensch und seine Stimme kamen mir noch näher, bedrohlich sanken sie fast hinab auf meine Stirn, hinter der es wie wild dachte und suchte und nichts fand. Ich wollte meinen rechten Arm heben, um dazwischenzugehen, zwischen diesen fremden Schädel und meinen, aber der Arm ließ sich nicht heben, der Schmerz war zu groß.

Woher kam dieser Schmerz nur, woher? Ich hob den Kopf, bog den Hals weit nach rechts, wo mein Arm lag und sah mitten in meiner Armbeuge eine kleine halbmondförmige Platte stecken. Damit war mein Arm an der seitlichen Außenkante der Liege fixiert worden, quasi aufgespießt worden, jede Bewegung führte dazu, dass sich die Platte tiefer in mein Fleisch bohrte.
Blut war erstaunlicherweise keines zu sehen (überhaupt träumte ich in meinem Leben bislang nur einmal von Blut oder erinnere alle anderen Male nicht). Der Fremde atmete mir nun unangenehm in den Nacken, schwieg und ich spürte, dass er mich beobachtete.

Instinktiv wusste ich, dass mir nicht viel Zeit bliebe. Mit dem linken Arm fuhr ich blitzschnell nach rechts, riss den metallenen Halbmond aus meiner Armbeuge heraus (wieder kein Blut, nirgends!), und hielt ihn mir vor die Augen. „Du bist jetzt mein Land“ stand darauf. In Schriftart Baskerville war der Satz in die Mitte des Metallstücks eingraviert.

Ich begriff in der Traumwelt offenbar sofort, was es mit dieser Botschaft auf sich hatte, meine Schläfen pochten vor Aufregung, zugleich war ich wild entschlossen, nahm all meinen Mut zusammen und fuhr mit der linken Hand, in der sich noch immer der scharfkantige Halbmond befand, schnell nach hinten und stach den Fremden nieder.

Es gab ein dumpfes Geräusch, als er zu Boden fiel. Das kleine Plättchen, das ihn niedergestreckt hatte, löste sich wohl aus der Einstichstelle, denn ich hörte, wie es mit einem leisen Klirren irgendwo auf dem Steinboden aufkam, noch ein wenig vibrierte und dann verstummte. Totenstille herrschte in dem Raum.

In dem Moment öffnete sich die große Metalltür vor mir und ein Arzt, der mir bekannt vorkam, lächelte mir zu.
„Sie sind wieder gesund“, rief er mit einer Heiterkeit in der Stimme, die ich ihm beinahe übelnahm, und fuhr fort: „Sie dürfen jetzt erstmal nachhause gehen.“

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Um 6 Uhr wendet das städtische Räumfahrzeug quietschend im Hinterhof und schiebt den nächtlichen Neuschnee knirschend Richtung Einfahrt.
Ich wache auf.
In meinem rechten Arm schläft das eingekringelte Dackelfräulein. Die Dornschließe ihres Halsbands, das ich ihr nachts vor lauter Müdigkeit ausnahmsweise abzunehmen vergessen hatte, drückt ein wenig auf meine Armbeuge. Ich drücke einen Kuss auf ihre kleine Hundestirn, spüre ihr warmes Köpfchen und denke: Wo wir so zusammen sind, dort muss Zuhause sein.

Auferstanden.

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Wenn man das Nutellaglas Konfitüreglas eines Morgens nur noch unter Schmerzen öffnen kann und irgendwann selbst das Betätigen einer Taste auf der Fernbedienung der Liste unbedingt zu vermeidender Bewegungen mit dem rechten Arm hinzugefügt werden muss, ist es an der Zeit, sich doch mal der Bedienungsanleitung des Elektrostimulationsgerätes zu widmen, das einem der Orthopäde vor 14 Tagen verordnet hat und das seit einer Woche unberührt und originalverpackt hier herumliegt.

Ein mühevolles Stündchen der Lektüre und des Zusammenpopelns und -steckens der einzelnen Gerätebestandteile später erweist sich das dann als sehr feine Sache.
Die Elektroden jagen einen Strom durch den Ellenbogen, dass es nur so bitzelt! In der Anleitung steht, man solle ruhig ein wenig herumexperimentieren, bis die passende Stromstärke für die optimale Stimulation gefunden ist. Yeah, das fetzt- und zwar so richtig!
Aber man muss schon auch Obacht geben, dass man die Kiste nicht so doll aufdreht, dass einem die Tränen in die Augen schießen. Wahrlich genug geheult in letzter Zeit.

Morgen probier‘ ich noch den coolen Gürtelclip zum Gerät aus, der Haushalt geht dann so elektrostimuliert sicher leichter von der Hand und manch anderes vielleicht auch.

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Durch die vormittäglich hektische Innenstadt haste ich zu einem Termin bei meiner Zahnärztin.
Spät dran bin ich, die U-Bahn ist schuld. Plötzlich ein Stau auf dem Bürgersteig. Eine Taube hält mich und andere Eilige auf. Sie hockt behäbig mitten auf dem Weg, ungehalten machen die Passanten einen Bogen um sie, links herum oder rechts herum oder über sie hinweg.
Manch einer tritt nur haarscharf nicht auf sie drauf.

Auch ich will ansetzen, der Taube auszuweichen, in dem Moment begegnen sich unsere Blicke. Aus ihren trüben Knopfaugen sieht sie zu mir hoch und erst jetzt fällt mir auf, wie zerzaust und verklebt ihr Gefieder ist. Schwerfällig tippelt sie auf der Stelle und pickt mit großer Mühe auf dem kalten Asphalt nach fiktiven Krumen, sucht nach irgendetwas Fressbaren. Es schnürt mir das Herz zu, weil ich begreife, dass ihr Schicksal längst besiegelt ist. Ihr Picken gleicht dem Ticken einer Uhr, die Zeit läuft gegen sie, das letzte Stündchen ist nicht mehr weit (ob sie um die Sinn- und Ausweglosigkeit ihrer Existenz wohl weiß?).

Ich zwinge mich weiterzugehen (der Zahnarzttermin!), drehe mich aber noch zweimal nach der Taube um. Wie kläglich sie da sitzt, wie verzweifelt und wie schwach. Zwei annähernd gleich starke Impulse in meiner Brust: In die nächste Bäckerei gehen und ihr eine Semmel kaufen, nur für sie allein! – oder sie umgehend erlösen von diesem Leben, das keines mehr ist und auch nie mehr eines sein wird. Für das eine fehlt mir die Zeit, für das andere der Mut.

Im Wartezimmer angekommen ist mir nach Weinen zumute, aber auch daraus wird nichts, da S., die professionelle Zahnreinigerin, mich unmittelbar nach meiner Ankunft ins Behandlungszimmer zitiert.

*****

Die nette Tierärztin geht den langen Klinikflur entlang und nähert sich dem Wartezimmer.
Weil sie auf einem Auge nach außen schielt und man von Termin zu Termin leider stets wieder vergisst, welches das schielende Auge ist, weiß man nie, wann man sich von ihrem Blick nun gemeint fühlen soll oder nicht.
Ich bilde mir ein, sie schaut längst zu uns herüber. Und sie blickt ernst drein, womöglich sogar sehr ernst. Das Herz rutscht mir in die Hose, das zitternde Hündchen (so klein zusammengerollt wie sonst nie!) auf meinem Schoß haltend, der Gatte neben mir zwar ein Ruhepol, aber das hilft jetzt rein gar nichts. Nicht in einem Moment eines vermeintlich ernstes Blickes einer Tierärztin, die uns gleich den histologischen Befund mitteilen wird.

Sie begrüßt uns und fordert uns auf, ihr zu einem Behandlungszimmer zu folgen. Als ich aufstehe, hat eines ihrer Augen offenbar die Herpesinvasion auf meiner Oberlippe erspäht und das andere mein blasses Gesicht registriert. Sie lächelt mich an und sagt: „Es ist alles in Ordnung!“

Das Dackelfräulein hat eine virale Plaque und eine Warzenneigung. Die Narbe verheilt gut, den Verband muss sie nicht länger tragen und in Kürze darf der Hinterlauf auch wieder das tun, was ein Dackelhinterlauf tun will: Sich abstoßen, um zu sausen, sich fest ins Erdreich stemmen, wenn mit den Vorderpfoten gegraben wird, durchs Wasser strampeln, um die Frisbeescheibe aus dem Fluss zu herauszufischen, morgens rüpelhaft gegen meine Rippen treten, um sich unter der Decke besser umdrehen zu können.

Es ist alles in Ordnung.

Als wir 20 Minuten später durch die Schiebetür ins Freie treten, bricht eine Tränenlawine aus mir heraus, das ganze verdammte Warten donnert hinab auf die Pflastersteine vor dem Klinikeingang.

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Wie auferstanden fühle ich mich.

Frohe Ostern wünscht Euch –
Die Kraulquappe.

Ausruhen.

Das Daumendrücken hat geholfen!

Foto: Andrea Itze vom Blog „Anwolf“ (vielen Dank nochmal!)

Das Dackelfräulein hat Narkose und OP soweit gut überstanden…

– nun schnaufen wir erstmal durch, warten auf baldige Heilung der Wunde und den hoffentlich harmlosen Befund.

Hier ist jetzt also Ruhe angesagt sowie Fokussierung auf anderes, das vor lauter Rissen im Nervenkostüm und emotionalen Achterbahnfahrten doch etwas auf der Strecke blieb.

Wir verabschieden uns daher bis zum Monatsende in die Rekonvaleszenz und Schreibklausur.
Euch allen herzlichen Dank für die große Anteilnahme und eine gute Zeit bis zum Wiederlesen/-sehen/-hören!

Ex umbra in solem!

Ablenken.

Zwei Tage bestes Ablenkungsprogramm!

Die Freundin hat nochmal die Nähnadel geschwungen und aus dem Billig-Babyhöschen einen feinen Dackelpyjama für die Nächte nach der OP fabriziert, aus dem sich das Fräulein hoffentlich nicht herauswinden kann.

Probetragen des Dackelhinterbein-OP-Schutzes…

…mit justierbaren Hosenträgern. Passt!

„Nettes Gewand für nur 8€“, denkt sich der Mensch.
„Was soll jetzt dieser Unsinn?“, fragt sich der Hund (macht aber für ein paar Stückerl Kärntner Bergkäse alles brav mit).

Das beim Medizinischen Fachhandel für malade Haustiere bestellte Teil für 18€ hat hinten und vorne nicht gepasst und ist schon wieder auf dem Weg retour. Es geht einfach nix über ordentliche Handarbeit & Maßanfertigungen.

Gestern dann, pünktlich zum Frühlingsbeginn im schönen Oberbayern, ganztags in die Berge zum Durchlüften.

Die Tannen auf 1.000 Metern Höhe verschneiter als an Weihnachten…

… und nach den zapfigen Stunden im Freien mit der Graseck-Gondel wieder hinab ins Tal.

„Die Phantasie ist ein ewiger Frühling.“ (Friedrich Schiller)

Viel Liebe, Freundschaft und Zuspruch von außen (ganz herzlichen Dank dafür!).

Zur Frühstücksbreze heute die erfreuliche Botschaft, dass der fesche Kiefer sich im Juni die Ehre gibt (und hoffentlich seinen dämlichen Cowboyhut daheim lässt) und kurz danach noch ein überaus nettes und lustiges Telefonat mit einer niedersächsischen Dame vom Kundenservice der Krankenkasse. Mein Orthopäde hat mir ein Tensgerät verordnet, das sei „so eine Art Vibrator für den Ellenbogen“, also ein „echt cooles Teil“, wie mir die Niedersächsin von der BARMER mit ihrer wunderbaren Sabine-Töpperwien-Stimme erläutert – „da werden Sie schon Spaß mit haben“ (uns beiden rutscht ein kurzes, dreckiges herzhaftes Lachen raus). Na dann!

Summa summarum nehme ich das mal als gutes Omen, hoffe auf ein paar Stunden Schlaf heute Nacht und einen reibungslosen Ablauf des für morgen Anstehenden.

Hund haben (12).

Nach 6 Jahren und 5 Tagen innigen und relativ sorglosen Zusammenlebens wird es nun nächsten Donnerstag soweit sein: Das Dackelfräulein muss operiert werden.
Ihre erste Vollnarkose, für anderthalb Stunden…

Drei ominöse, dunkle Flecken am Hinterlauf sind nun doch zu groß geworden, sollten lieber früher als später herausgeschnitten und histologisch unter die Lupe genommen werden.

Neben diversen Sorgen und Ängsten, die so ein bevorstehendes Ereignis schürt, wollen auch praktische Aspekte der Post-OP-Phase bedacht werden. Als die Ärztin in der Tierklinik was von „10 Tagen Trichter“ faselt, wagen der Gatte und ich es kaum, uns anzusehen.

Trichter? Ja, schon klar, damit das Fräulein nicht an der frisch genähten Wunde nagt. Mal abgesehen davon, dass eh fast alle Hunde diesen sperrigen Plastikkragen hassen wie die Pest: wie soll das denn nachts gehen, unter einer gemeinsamen Bettdecke, mit Hund und Trichter? Fragen wir natürlich nicht die Tierärztin, sondern diskutieren das anschließend diskret im Auto.

Meine Freundin Andrea, die ich sofort kontaktierte, gibt mir den Tipp, bei medpets nach einem Hinterbein-OP-Schutz zu schauen. Manchmal muss man ja überhaupt erstmal wissen, wie das Zeug heißt, nach dem man suchen könnte! Haben wir sofort bestellt. Ebenso eine vielgepriesene Trichter-Alternative: Comfy-Collar zum Aufblasen, mit verstellbarem Klettverschluss.

Was es nicht alles gibt!

Offenbar gibt es auch Hunde zum Aufblasen: Siehe Aufkleber auf der Hinterbeinschutz-Tüte.

Für die Nächte brauchen wir aber was großflächiger Abdeckendes ums Bein herum. Und da so ein Dackel ja ähnliche Maße hat wie ein Baby, komme ich mit meinen 45 Jahren glatt noch in den späten Genuss, die Babyklamottenabteilung im Kaufhaus zu durchstöbern. Natürlich mit Spickzettel (alle Maße des Fräuleins gründlich notiert) und Maßband in der Jackentasche.

Eine Verkäuferin eilt herbei, als sie mich mit einem zartrosafarbenen Strampelanzug und dem Maßband herumhantieren sieht.

Sie: „Kann ich Ihnen helfen? Was suchen Sie denn?“
Ich: „Einen Strampelanzug ohne Ärmel, aber mit geschlossenen Beinen.“

Sie: „Ich nehme an, es ist ein Mädchen?!“ (deutet auf das rosa Teil in meinen Händen)
Ich: „Äh, ja. Aber Farbe und Design sind trotzdem völlig egal.“

Sie: „Wie alt ist das Mäuschen denn?“

Tja, an der Stelle muss ich Farbe bekennen und antworte, dass es sich um ein sechsjähriges Rauhaardackelmäuschen handelt.

Da ich an eine professionelle Verkäuferin geraten bin, entsteht keine Sekunde der Peinlichkeit und das Verkaufsgespräch geht nahtlos weiter.
Die Dame legt sich nun richtig ins Zeug: Es käme gar nicht so selten vor, dass sowas für Hunde nachgefragt würde, sagt sie, und lässt sich meinen Notizzettel mit den Maßen zeigen.

Wenig später ist klar, dass wir Größe 92 bräuchten, was die Länge des Stramplers angeht, nur passt dann der Umfang überhaupt nicht mehr (zu viel Stoffgeschlabber). Die Verkäuferin meint, dass es geschickter sei, eine Hose mit offenem Bein zu nehmen, ungefähr in Größe 80, so dass sie etwas besser an der Dackeltaille anläge und der Wunde an der Schenkelinnenseite ausreichend Schutz böte. Zudem würde der Hund nicht im Ganzkörperdress schwitzen oder sich zu eingeengt fühlen. Die offenen Beinenden müssten natürlich zugenäht werden, damit Pippa die Schnauze nicht durch diese Öffnung zwängt, um an der Wunde herumzubeißen. Und ein Loch fürs Schwänzchen muss noch hineingeschnitten werden – dann sollte alles passen.

Nach etlichem Herummessen und -suchen breitet die Verkäuferin schließlich 5 Hosen vor mir aus, die alle meiner Vorgabe „möglichst unter 10€“ entsprechen:

  • Die pinke mit glitzernden Prinzessinnenapplikationen lege ich sofort beiseite – der Gatte würde mich erschlagen!
  • Das winterliche Modell aus Nickistoff scheidet auch aus – viel zu warm für nachts unter der Decke.
  • Eine Frotteehose in Ringel-Optik behagt nun mir nicht – erinnert mich an Pyjamas der Grundschulzeit.
  • Am Schluss muss ich wählen zwischen zwei im Grundton grauen Modellen. Das eine mit lustigen Kolibris und Schmetterlingen drauf, das andere mit maritimen Motiven.

Obwohl ich ein großer Vogelfreund bin und die Verkäuferin meint, dass das Bunte für ein Mädchen ja vielleicht „frischer und netter“ wäre, nehme ich die andere Hose. Anker, Boot und Schiffssteuer sind als regelmäßiges Muster aufgedruckt (ich mag eh keine wirren Muster). 7,99€, faire Sache.
Das Teil ist langweilig und beruhigend zugleich. Genau das, was ich für so einen Anlass brauche. Und außerdem steht dem Dackelfräulein das Nautische definitiv näher als das Ornithologische oder Lepidepterologische. Sie ist nunmal ein Wander- und Wasserhund – da kriegste beim besten Willen nicht die Kurve zu Kolibris und anderem Geflatter.

Jetzt üben wir schon mal ein bisschen „Schlafen mit Halskragen“.

Post-OP-Vorübung: Schlafen mit Halskragen (Stofftier als Kinnstütze).