Vom Suchen und Finden.

Liebe A.,

kurz bevor du in deinen Urlaub entschwunden bist, hatten wir ja mal begonnen, uns übers Suchen und Finden auszutauschen, und du erinnerst dich sicher: unser Gespräch dazu war noch lange nicht zu Ende.
Es kam mir heute wieder in den Sinn, was kein Zufall war, sondern daran lag, dass ich beschlossen hatte, einfach mal deinen Geburtsort aufzusuchen (auch das kein Zufall heute) und dort einen Spaziergang zu machen. Daher warst du mir beim Gehen und Schauen die meiste Zeit präsent und so fiel mir dieses Thema wieder ein.
Da zunächst der Nebel und später dichter Schneefall den Blick auf die Berge nicht freigab, die Felder aber dafür umso mehr Mäuselöcher boten, die Pippa fesselten, hatte ich zwischendurch mauselochweise Zeit, meinen Gedanken nachzuhängen.

Du wirktest ja erstaunt und interessiert zugleich, als ich dir sagte, dass ich mich nicht als Suchende bezeichnen würde, sondern mehr als Findende sehe. Ich möchte das nochmal genauer zu erklären versuchen, was ich damit gemeint habe.

Es wird ja unendlich vieles gesucht: Das wahre Ich, das große Ganze, der Sinn des Lebens, das Glück, die Wahrheit, der Traumpartner, der Traumjob, die gesündeste Lebensweise, das wirksamste Heilsversprechen, die Erfüllung im Glauben oder Aberglauben, um spontan nur ein paar Objekte der menschlichen Suchbegierde zu nennen.
Vor ungefähr 10 oder 15 Jahren (bis dahin war ich auch eine Suchende!) habe ich allmählich eingesehen, dass das nichts für mich ist: Brauch‘ ich nicht, glaub‘ ich nicht dran, hilft mir nicht, macht mich nicht froh, dieses Rumsuchen. In die eine oder andere Richtung hab‘ ich natürlich schon mal reingeschnuppert – hier ein bisschen Zen, dort ein Achtsamkeitsretreat, anderswo ein wenig Körperarbeit oder irgendeine kluge „Predigt“, der ich lauschen wollte. Mit dem Ergebnis, dass ich nirgends dabei geblieben bin, nichts davon intensiver oder länger verfolgt habe.
Es gab Zeiten, da hab ich mich fast mies gefühlt, weil ich nicht zu der Heerschar der Suchenden gehörte! Hätte auch gerne etwas gehabt, wonach ich unbedingt suchen könnte, denn wenn die meisten um einen herum mit brennendem Eifer suchen und geradezu abtauchen in ihre ewigen Suchgründe, steht man schon etwas blöd da als bekennender Nicht-Sucher. Man wird oft schief angeguckt: Spinnt die? Meint die etwa, sie hätte schon gefunden? Was hat die denn schon vorzuweisen? Hält die sich etwa für „fertig“? Oder ist die einfach nur faul, borniert oder arrogant (oder alles auf einmal)?

Nichts von alledem trifft zu. Weder hielt ich mich je für erleuchtet, noch für hinreichend erkennend, schon gar nicht für all_wissend, und ebensowenig für eine, die einen Jackpot nach dem anderen knackt oder der es glückt, ein superduper Leben zu führen. Ich habe Fragen ohne Ende: an mich und andere, an die Welt, die Geschichte, die Wissenschaft, ich bin meistens aufgeschlossen, vielem gegenüber neugierig und ständig damit beschäftigt, Ideen auszubrüten, zu verfolgen, auszuprobieren und zu verwerfen. Aber ich habe auch etliche Phasen, in denen es mich nach keinerlei Optimierung oder Erneuerung dürstet, und das nicht etwa deshalb, weil alles so perfekt wäre, sondern weil ich vielleicht einfach mit dem zufrieden bin, was gerade da ist – ganz egal, ob das „viel“ oder „wenig“ ist (nach wessen Maßstäben auch immer) – und tatsächlich zu müde oder lustlos bin, mich um „anders“ oder „mehr“ zu bemühen und dabei auch keinerlei Leidensdruck empfinde. Wir leben ja leider in Zeiten, in denen man sowas nicht zu laut sagen darf: so ein müßiggängerisches, gemütliches „passt scho“, ohne resignierten Unterton, aber auch ohne Drang nach der nächsten „challenge“ oder „task“.

Ich habe also eines Tages aufgehört, mich zu denen zugehörig zu fühlen, die sich ständig für defizitär halten und meinen, wenn sie denn nur dies oder jenes gefunden hätten, wäre ihr Leben endlich schön, richtig und frei von Last und Leid, und die sich so lange verteufeln oder zumindest nicht mögen können, bis sie das erreicht haben. Also nahezu immer. Denn abgesehen von den wenigen Erleuchteten oder erfolgreich die Suche abgeschlossen Habenden halten sich die meisten vermutlich für (noch) nicht dauerhaft fündig geworden – und damit taugt das Ganze zum Lebensprogramm (worüber ich kein Urteil fällen möchte, sondern nur für mich feststelle, dass das lifelong searching eben nicht mein Programm ist).
Was folgt daraus? Es wird fleißig weitergesucht, denn der Glaube daran, dass die Suche doch zu was führen muss, vielmehr: dass es überhaupt etwas zu finden gäbe!, der ist unerschütterlich. Genauso wie die Überzeugung, dass es an einem selbst läge, wenn man nicht fündig wird oder sich mit dem Gefundenen gar nicht wie erhofft langfristig besser fühlt oder endlich näher dran ist an sich, dem Glück, der Wahrheit, dem Sinn oder an was auch immer.
Das Fazit ist immer dasselbe: Diese Erfahrung, (mal wieder) nichts gefunden zu haben, wird nicht einfach entspannt abgehakt wie z.B. ein fades Essen oder ein bedeutungsloser Film, sondern man bauscht die Sache auf, hält sich für (vorerst) gescheitert oder gleich für einen Versager, und beschließt sodann, weiter zu suchen, gründlicher zu suchen, gezielter zu suchen. Irgendwann muss es doch klappen, andere schaffen es ja auch (mit einem Schielen hinüber zum Mitmenschen, von dem man ja gern denkt, er hätte es besser erwischt als man selbst) – also weiter geht’s.

Ich suche also tatsächlich nach gar nichts außer nach Antworten, aktuell nach einer Wohnung, manchmal nach einem Job und gelegentlich nach Parkplätzen und Wegen. In der Fülle der Argumente, Begriffe und Worte, in der teuersten Stadt der Republik, als Neuling in einem Berufsfeld oder an den überlaufenen Ausflugszielen ist das ja schon zäh genug.
An diesen Suchen bleib‘ ich aber dran! Was die Antworten angeht, bestimmt mein Leben lang, was das Übrige angeht, so hartnäckig ich eben kann, manchmal auch entmutigt und ohne jeden Elan, aber dennoch mach‘ ich weiter und versuche, nicht zu resignieren. Und genau das ist’s übrigens auch, was ich am Suchen nie leiden konnte: dieses Zähe.
Die einzigen Suchen in meinem Leben, die ich als spielerisch und schön erlebt habe, sind das Ostereiersuchen (die Roten von Lindt), das Muschelnsuchen am Strand und das Pilzesuchen im Wald. Da ging’s nie um die Wurst, eigentlich ging’s um gar nichts, es gab keine Gewinner und Verlierer – und das hat mir immer Spaß gemacht.

Alles andere finde ich (oder es findet mich) oder eben auch nicht.
Mal freu ich mich, wie es läuft, mal bin ich verzweifelt darüber, mal gelingt mir was, mal hab ich das Gefühl, alles verkackt zu haben und wünsche ich mich weit, weit weg. Manchmal rackere ich mich ab und erreiche trotz Wollens und Könnens gar nichts, manchmal zahlen sich Einsatz und Beharrlichkeit aus. Ein ewiges Auf und Ab, Hin und Her, Vor und Zurück, Links und Rechts, Für und Wider, Plus und Minus, Top und Flop. Das Leben ist kein Wunschkonzert, das Glück ist einem nicht immer gewogen, das Pech aber gottseidank auch nicht.

[Und beileibe kann niemand umfassend oder überhaupt seines Glückes Schmied sein, denn manch einem fehlt das Werkzeug oder die Kraft oder die Kenntnis der Schmiedekunst oder schlicht das Geld fürs Eisen. Vor langer Zeit habe ich mal einen humorvollen, durchaus klugen und wohlhabenden Mann ziemlich abrupt verlassen, weil er mir ganz locker-flockig in einer Diskussion über das berufliche Auf-der-Stelle-Treten eines gemeinsamen Bekannten (der gut ausgebildet war und sich brav abmühte, was aber aufgrund ungünstiger Umstände leider nichts brachte, im karrieristischen Sinne) diese Losung als seine Quintessenz zu derlei Lebenssituationen in den Nacken blies. Wir gingen damals passenderweise gerade treppabwärts, um den Müll wegzubringen. Nachdem er den Tonnendeckel zugeklappt hatte, ließ ich ihn in seinem schwarzen Audi von dannen ziehen, zurück in seine eingebildete Glückschmiede, trug fortan meinen Mist wieder allein die Stiegen hinunter und schmiedete neue Pläne.]

Alles, was mir im Leben etwas bedeutet hat oder noch von Bedeutung ist, habe ich nicht gesucht, sondern eines Tages gefunden.
DAS war es, liebe A., was ich neulich gemeint habe, und da wir leider noch nicht allzu bald wieder bei Birnen- und Käsestückchen nebst Weißbier (für dich: Weizenbier) an deinem Tisch sitzen werden, um bis tief in die Nacht zu diskutieren, habe ich dir diesen Nachtrag zu unserem Thema nun hier notiert, so als Absacker nach deinen diversen Geburtstagsdrinks oder als Zeitvertreib während du dir den Ostseesand aus den Haaren kämmst (oder dem großen Braunen den Seetang zwischen den Zehen herauspulst) oder als Einschlafhilfe, falls die Brandung vor eurem Fenster so verflixt laut tost.

Das war’s dann für heute.
Mein Glas ist leer, das Dackelfräulein muss raus und es hat 10cm Neuschnee in der Stadt.

Einen schönen Ausklang deines Tages wünscht dir
Deine Natascha.

PS: Für den Fall, dass du völlig entnervt bis hierher runtergescrollt hast und enttäuscht warst, nichts als Buchstaben vorgefunden zu haben (nicht mal einen Ton von Bruce!),  kommt hier – in wilder Reihenfolge – noch was fürs Auge:

Ein Gruß aus deiner Heimat.

Startpunkt meiner Penzberger Rundtour: Die Huberweiher. Grau, zugefroren und gänzlich unspektakulär.

Erstes Highlight am Wegesrand: Der Penzbär. (Wie ich solche Wortspiele liebe!)

Wir haben natürlich gleich die Schuhe ausgezogen und sind barfuß weitermarschiert.

Und auch sonst tobt hier der (Penz-)Bär, wie du siehst (sind die nicht mega-debil, die vier?!).

Im Café mit dem schönen Namen „Freudenberg“ gibt’s sogar Windbeutel (mein Magen war aber noch nicht fit genug für den Test).

Und direkt gegenüber vom Café wurde deine Geburt heute vor xx Jahren beurkundet.

Hätte ich mehr als 10€ dabei gehabt, hätte ich dir ein Andenken gekauft. Ehrlich!

Gedenkminute vor dem ehemaligen Elektrogeschäft, in dem mir der Papa vor 30 Jahres mein erstes Bügeleisen kaufte (heute ein Kamingeschäft).

Wärst du geblieben, hätte es tolle Möglichkeiten der Freizeitgestaltung gegeben, aber du wolltest ja raus in die weite Welt!

Zum Abschluss haben wir noch ein kleines Gebet für dich gesprochen, bei minus 4 Grad. Amen.

Kvinnan med tax oder: Schwedische Hunde-Hysterie.

Eigentlich war das ein Tag, der es verdient hätte, einzig mit einer ehrfürchtigen und stillen Fotoserie gefeiert zu werden: Gut geschlafen, tolles Wetter, beste Stimmung zwischen Mensch und Hund, wunderbarer Ausflug auf eine traumhaft schöne Insel, Picknick in der Natur usw..

Sätze, die mit „eigentlich“ beginnen, schreien natürlich nach einem „aber“. Gleich kommt es, das ABER, ich versuche dennoch, mich damit so kurz zu fassen wie es geht (es wird eher nicht gehen) und den Fokus überwiegend auf das Erfreuliche zu richten.

Als wir am Vormittag in Hällevik eintrafen, hätte mir das Ortschild schon eine Warnung sein müssen, dass die Schweden, heidnisch verbrämt wie sie offenbar sind, nicht alle Tassen im Schrank haben. Stattdessen hielt ich erfreut an, schoss ein Foto von dem lustigen Schild …

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… und fuhr weiter Richtung Fischereihafen Hällevik.
Wieder einer dieser hübschen Orte an der Südküste, die nach Saisonende ganz der Natur und den Tieren zurückgegeben werden.

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Nur die Räucherei (hier hat man sich auf Aalfang spezialisiert) hat Museum und Verkaufsstube offen, was aber bloß Pippa interessiert, denn ich vertrage Fisch wegen des hohen Histamingehalts leider nicht so gut.

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Der Ort hat neben netten Häuschen auch einen kleinen Leuchtturm zu bieten …

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… wir können uns aber nicht allzu lange dort umsehen, weil wir noch 3km bis zum Fährhafen im benachbarten Nogersund zu laufen haben.

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Von hier aus legen die Fähren Kutter zur Insel Hanö ab. Die Insel Hanö wird von meinem alten Reiseführer-Freund Rasso in seinem Südschweden-Buch als „Perle der Ostsee“ bezeichnet und bislang konnte ich Rasso immer vertrauen.

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Pünktlich sind wir am Anleger, gehen an Bord und – jetzt kommen wir zu dem ABER! – werden, als wir uns in den einzigen für Fahrgäste gedachten Raum begeben wollen, von der Kapitänsgehilfin angeraunzt. Höflich entgegne ich auf Englisch, dass ich sie nicht verstehe, woraufhin sie mir, nun ebenfalls auf Englisch, erklärt, ich dürfe mit Hund dort nicht hinein.

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Ich frage, wieso. Sie zeigt auf ein Hund-in-rot-durchgestrichen-Schild über der Tür. Ich frage nochmal, wieso Hunde dort verboten seien. Sie murmelt was von „some passengers have allergies“. Ich frage, welche anderen Passagiere sie meine. Sie zeigt auf ein schwedisches Ehepaar, das hinter mir den Kutter betreten hat. Ich erkläre ihr, dass dieses Paar nichts gegen meinen Hund hat, da es ihn bereits am Hafen ausführlich gestreichelt hatte und sich sogar am Ohr abschlecken ließ. Die netten älteren Leute bestätigen das. Sie sind außer mir die einzigen Fahrgäste.

Die Kapitänsgehilfin beharrt auf dem Hundeverbot und ergänzt, dass auf Hanö ein kranker Mann mit Allergien lebe, der diesen Kutter auch benutzt. Zwar nicht heute, aber gelegentlich. Aha. Sie deutet mir an, ich könne mit Pippa aufs Außendeck gehen oder im Vorraum stehenbleiben. Ich fluche auf Deutsch, zunächst ein „Verdammt nochmal, dass ich nicht auf Englisch oder – noch besser – auf Schwedisch fluchen kann!“, dann „Scheiß-Schweden!“.

Die haben hier echt landesweit eine bekloppte Hunde-Hysterie. In kein Lokal, in kein Café, in kein Hotelrestaurant (manchmal nicht mal ins Hotel!) kommt man mit Hund rein, zumindest nicht ohne hartnäckige Verhandlungen, und wenn es dann klappt, dann landet man an einem Katzentisch im hinterletzten Eck (und mal ehrlich: mit einem Hund am Katzentisch, das schlägt dem Fass doch den Boden aus!).

Dann klemme ich mir schnaubend meinen kleinen Hund unter den Arm und stapfe die Treppe zum Außendeck hoch.

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Da hocken wir nun. Auf den Stufen, nah an der Reling. Der Kutter startet. Die 30 Minuten nach Hanö sind ein Abenteuer, denn es hat so krassen Seegang, dass die Gischt aufs Deck spritzt, der Kutter schaukelt wie wild, der Wind pfeift uns um die Ohren, die Motoren dröhnen, der Diesel stinkt. Ich kann mich auf den Stufen sitzend nicht anlehnen, Pippa ist das Ganze nicht geheuer und als die beruhigende Hand nicht mehr hilft…

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… muss ich sie auf den Schoß nehmen und festhalten, was mir nach 20 Minuten schief sitzen und Wackelausgleichsversuchen üble Rückenschmerzen beschert.

Kurz vor Hanö kommt die Kapitänsgehilfin aufs Außendeck geschwankt und will das Geld für den Fahrschein kassieren. 68 Kronen für die Hin- und Rückfahrt, toller Nachsaisonpreis zwar, aber ich sag‘ ihr, dass ich das nicht voll bezahlen werde, weil ich hier oben nicht den vollen Komfort hatte. Ehrlich gesagt: ich hatte gar keinen. Es geht nochmal eine Weile hin und her, schließlich zahle ich den halben Preis für diese genussreduzierte „Vuxen rundtur“ durch das Gewässer im Land des Hexenkults.

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Genug gemotzt. Schweden hat großes Glück, dass es mir sonst so gut gefällt, dass ich auch weitere Male hierher reisen werde, aber in Sachen Hundefreundlichkeit kann man dem ganzen Land nur eine intensive Verhaltenstherapie verordnen (inklusive Aufklärungsarbeit über Gesundheitsrisiken durch Kontakt mit Hunden).

Die Stunden auf Hanö entschädigten mich allerdings für den Ärger bei der Überfahrt mehr als reichlich.

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Der Hafen von Hanö.

 

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Auf dem Weg durch den winzigen Ort.

 

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Herbst auf Hanö. Fußballsaison für Pippa.

 

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Auf dem Weg zum Fyren, dem höchstgelegenen Leuchtturm der Ostsee.

 

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Auf 74 Meter Höhe: Der Hanö Fyn.

 

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Eine Skulptur auf dem Weg zum Englischen Soldatenfriedhof.

 

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Achso, das ist gar nicht Kunst, sondern eine David-Bowie-Gedenkstätte!

 

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Der Engelska kyrkogarden. Viele Soldaten waren’s ja nicht.

 

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Wanderung bis an die Nordspitze der Insel, zur Landzunge Brönsäcken, die von Wind und Wellen ständig umgeformt wird.

 

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Zurück zum Hafen an der Westküste entlang.

 

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Ohne Worte.

Nach 3 Stunden sind wir geschafft wieder am Hafen und nehmen den Nachmittagskutter zurück nach Nogersund. Die Kapitänsgehilfin knurrt kurz, als wir das Boot betreten, sie sagt was zum Kapitän, und rechnet nicht damit, dass ich einen kleinen Satzfetzen verstehe, weil ich den nun schon öfter gehört habe, im Café, im Hotel, im Klostergarten: „(…) kvinnan med tax (…)“.

Genau, das bin ich! Kvinnan med tax. Die Frau mit dem Dackel.
Wir knurren zurück, trollen uns aufs Außendeck, lassen uns zurückschunkeln und von den ollen Hundehysterikern auf keinen Fall unser schönes Leben vermiesen.

Einen guten Abend wünscht
Die Kraulquappe, vom Winde verweht.

Postskriptum.
Gerade trifft eine Email vom Gatten aus der fernen Heimat ein, die einen Absatz enthält, den ich gleich in diesen Beitrag einfügen und auch beantworten möchte.
Der Gatte schreibt, wie immer anteilnehmend und interessiert an meinem Schicksal, folgende Worte:

"(...) Die Insel sieht wirklich nett aus. 
Hab sogar auf Wikipedia nachgelesen und zu meinem Entsetzen festgestellt, 
dass es im Ort einen krassen Bevölkerungsschwund gibt: 
Im Jahr 2000 gab es 39 Einwohner, 2008 aber nur noch 33!!! 
Aktueller ist Wikipedia nicht, aber wenn das kontinuierlich so weitergegangen ist, 
dann waren es heute, 26.09.2016, nur noch 27! Hast du die alle getroffen?(...)"

Lieber Gatte,
Wikipedia ist wirklich gar nicht mehr auf dem Laufenden. Ich hatte heute, am Nachmittag des 26.09.2016, nur noch das Vergnügen, 8 Einwohner der Insel Hanö zu treffen! In zwei Häusern in Hafennähe sah es zudem so aus, als säßen jeweils Rentner beim Apfelschälen in der Küche. Also lass es 10 sein. Falls der Kapitän und seine Gehilfin auch noch dazugehören, was ich aufgrund der miesen Stimmung zwischen der Besatzung und mir nicht klären konnte, sind es maximal 12.
Wenn es, wie du korrekt berechnet hast, weiterhin alle 8 Jahre zu einer Schrumpfung um 6 Einwohner kommt, ist Hanö im September 2032 leer. Das wär‘ doch dann was für uns! Sind wir da schon in Rente?
Ich vermutlich schon, denn ich rentiere ja jetzt schon vor mich hin, aber wie steht’s mit dir? Naja, zur Not nimmst du mal ein Sabbatical oder drei Forschungssemester am Stück.
Wobei ich zu bedenken gebe, dass Rasso in seinem Reiseführer schreibt: „Seit 1956 leben Damhirsche auf Hanö, zunächst 5, heute geschätzte 100 bis 200 Tiere.“ Nicht auszudenken, wie viele es sein mögen, bis die Insel menschenfrei ist. Das gäbe dann ein Problem mit unserem Hund. Heute konnten wir die Hirsche noch in die Flucht schlagen, aber wie viele Hunde müssen wir mitnehmen, um die riesige Population 2032 noch in Schach halten zu können? Rechnest du das bitte mal aus?
Ich wünsch‘ dir einen schönen Abend und küsse dich!

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Vor kvinnan med tax flüchtender Hirsch auf Hanö.