Song des Tages bzw. Monats (14).

Der November geht zu Ende. Bislang gehörte dieser Monat allein wegen des Umschwungs von Herbst zu Winter nicht zu meinen bevorzugten Monaten. Diesmal hat er mir auch aus anderen Gründen zugesetzt: Das Schicksal spie mir nochmal einen großen Klumpen meines persönlichen Jahresthemas vor die Füße.

In 2016 ist Resonanz das wiederkehrende Thema gewesen, dieses Jahr ist es Täuschung.
Vertrauens- und Loyalitätsbruch von Menschen, denen ich das nicht zugetraut hätte.
Und auch im erweiterten Umfeld ein paarmal: Heuchelei statt Aufrichtigkeit, Rückzug statt Klärung, hintenrum statt gradheraus.

Nicht, dass die Menschen nicht reden könnten – das können sie sehr wohl: bei anderen wird das Herz ausgeschüttet oder gelästert, aber der, den’s betrifft, wird aus Feigheit umgangen bzw. „verschont“. Oder sie basteln sich im stillen Kämmerlein ihre „Wahrheiten“ zusammen, mixen sich ein Gebräu aus Unhinterfragtem und Unterstellungen, fällen Urteile. Bekommt man das Ganze eines Tages doch noch serviertt, staunt man nicht schlecht, fühlt sich gleichermaßen ratlos wie verraten.

Eine dieser Lebenserfahrungen, auf die ich hätte verzichten können, die aber natürlich nicht an meiner Schwelle Halt macht. Warum sollte sie auch. Wer weiß, wo und wie oft ich Vertrauen gebrochen habe, verurteilend oder illoyal war, ohne das zu wollen, es aber dennoch getan habe. Meist erfährt man das ja erst, wenn einen der Aufschrei des Verletzten erreicht. Manches Mal habe ich aufgeschrien in 2017, teils so ausgiebig, dass ich ganz heiser davon wurde.

Was hilft: Salbeitee mit Honig, die unverbrüchliche Treue einer Hundeseele, intakte Beziehungen und wuchtige Novembermusik.

Nothin‘ lasts forever
And we both know hearts can change
And it’s hard to hold a candle
In the cold November rain

I know it’s hard to keep an open heart
When even friends seem out to harm you
But if you could heal a broken heart
Wouldn’t time be out to charm you

(Nicht so leicht, eine Version zu finden, in der Axl Rose einigermaßen vollständig bekleidet und bei Stimme ist. Und keine Ahnung, was Elton John da am Zweitflügel verloren hat, aber er stört ja auch nicht.)

Ich verkrümel mich nun übers Wochenende nach Braunschweig, freu‘ mich drauf, und wünsche allseits einen verträglichen Novemberausklang ohne Husten und Heiserkeit.

Die Kraulquappe.

Wasted and wounded (it ain’t what the moon did).

In Neues, das sich gut anließ, zu viel Begeisterung und Hoffnung gesteckt.
In Bestehendem, auf das man vertraute, zu viel Erschütterung erfahren.
In Altem, das längst nicht mehr passte, zu viel Energie verloren.

Wo früher nachgefragt wurde, steht heute ein Punkt oder eine Unterstellung.
Wo einst geredet wurde, wird nun geschwiegen.
Wo Resonanz und Antworten fehlen, kann man entweder selbst mit dem Spekulieren beginnen und sich in einer Spirale aus Hoffen & Warten verheddern, oder sich darin üben, loszulassen, ohne zu verstehen.

Die Zukunft mal wieder nebulös und völlig offen.
Die Gegenwart so wechselhaft wie das Herbstwetter.
Die Vergangenheit etwas, das wider besseren Wissens verklärt wird oder unangemessen bedrückt.

Ich werde eine Schneise durchs Dickicht schlagen, über kurz oder lang.
Den Kahn wieder flott machen (oder ihn versenken, anstatt mit ihm zu versinken).
Die Septembersonne hinter den Wolken suchen und mich an ihr wärmen.
Mich auf meine Konstanten besinnen, umdrehen und andere Wege ausprobieren.

Es ist daher an der Zeit, hier eine Pause einzulegen.

Macht’s gut, trotzt euren Stürmen standhaft, habt schöne Herbsttage & bis bald wieder – hier oder dort.
Die Kraulquappe.

Waldgedanken.

Meine Themen des Jahres:

RESONANZ.

Zwischen dem Vernehmen klarer Töne und guter Schwingungen,…

… dem unermüdlichem Anklopfen, auf Verwertbares hoffend, …

… und völliger Stille.

STANDORTBESTIMMUNG.

Zwischen aufs Bekömmlichste verwurzelt, …

… aufs Ungenießbarste rumstehend und wartend, …

… und noch irgendwo da unten versteckt.

Und fast wären diese Einfälle auch noch hinfällig geworden durch Ausfälle. 

Nur gut, dass ich eine Notbanane und die Sigg-Flasche im Rucksack hatte.

Einen hellen Start in die Winterzeit wünscht 

Die Kraulquappe.