Eine Nachlese oder: Fröstelnd sitz‘ ich auf der Couch und blättere.

Eine Sitzordnung hatte er sich überlegt. Das gab’s noch nie, aber gut war’s.
Denn wohldurchdacht war sie, diese Sitzordnung, da die Egozentriker und Plärrer ebenso wie die Kinder unter 3 Jahren einigermaßen weit von mir entfernt saßen, den Gatten hatte ich schräg gegenüber, so dass man sich bei Bedarf (akute Anstrengung, sporadische Fluchtüberlegungen, temporärer Ekel ob der schier unglaublichen Fleischmengen auf den Tellern) unkompliziert per Blick über die Gefühlslage verständigen konnte, rechts neben mir den Jubilar höchstselbst (sehr schön, mal wieder so lang und nah nebeneinander zu sitzen) und zu meiner Linken den langjährigen, beruflichen Weggefährten des Papas (einen pensionierten Oberstudienrat aus Passau mit einem poltähnlichen Humor und seiner so warmherzigen Klugheit), der mich fast ebenso lang kennt wie der Papa.

Die beiden waren über 40 Jahre in beruflichem Kontext sowas wie ein eingespieltes Ehepaar, der Niederbayer in seiner Funktion als ehrenamtlicher Vorstand, der Papa in seiner hauptberuflichen Tätigkeit als Geschäftsführer, alles Wichtige gemeinsam erlebt, entschieden und umgesetzt, zig Dienstreisen rund um den Globus, von all den Weihnachtsfeiern, Grundsteinlegungen und Jubiläen gar nicht erst zu reden.
Über alle Maßen gerührt war ich, sie nun einmal als befreundete ältere Herren zu erleben. Sie umarmen sich jetzt zur Begrüßung und duzen sich sogar seit dem gemeinsam vollzogenen Eintritt ins Rentenalter – und im Laufe des Abends trug Herr W. auch mir in seiner unverwechselbaren, niederbayrischen Direktheit an, ich möge ihn doch fortan beim Vornamen nennen: „Mia zwoa dean jetzd a amoi Du sogn: I bin da Otto!“.
Nach über 40 Jahren ist das schon ein Schritt und ich gebe zu, dass es für mich völlig ok gewesen wäre, wenn die Duzerei weiterhin einseitig geblieben wäre und ich weiterhin „Herr W.“ hätte sagen können. Aber mei, nun eben „Otto“, der Papa strahlte als er’s mitbekam und daher soll’s mir recht sein.

Ich sitz‘ da also so den lieben langen Geburtstagsfeierabend über zwischen den zwei alten Männern, fühle mich zeitweise, wenn ich sie beide mal nicht ansehe und sie nur so über meinen Kopf hinweg reden höre, zurückversetzt in uralte Zeiten, an die ich auf diese Weise ewig nicht mehr dachte. Stimmen ändern sich ja meist nur wenig oder gar nicht im Laufe eines Lebens: Herr W. Otto hört sich an wie eh und je und die Stimme des Papas wird nur ab und an vom Parkinson etwas gebremst und in Einzellauten zerquetscht. Wie oft ich das Duett dieser Stimmen in meinem Leben hörte, schon als Kind!

Am späteren Abend, die gehaltvolle Bayrisch Creme lässt allmählich auch jenen Teil der Gäste spürbar in die Sitzgelegenheiten sinken, der dort noch nicht dank des Veltliners oder Zweigelts hineingesunken ist, tippt mich der Papa am Unterarm an, drückt mir unterm Tisch und beinahe verstohlen seinen Autoschlüssel in die Hand und raunt mir zu: „Hinterm Fahrersitz, da liegt was für dich, geh mal raus und nimm es an dich.“.
In meinem viel zu dünnen Kleidchen (ich besitze keine Auswahl an „Festgarderobe“, muss daher Jahreszeiten ignorieren) trete ich hinaus in die klare, eiskalte Herbstnacht und öffne den Wagen. Auf der Fußmatte hinter dem Fahrersitz liegt ein großes, schweres Fotoalbum. Noch im schwachen Licht der Parkplatzbeleuchtung klappe ich es auf und sehe an der Widmung: Es ist das Album, das man ihm nach 44 Jahren gebastelt und mit in den Ruhestand gegeben hatte.
Ein ganzes (Berufs-)Leben, zwischen in dunkelrotes Leinen eingebundene Albumdeckel geklebt.

1974 in München-Bogenhausen: Gefeiert hat er früher sehr gern, der Herr Vater.

Wieder in der warmen Gaststube angekommen frage ich den Papa, wieso er mir das vermachen möchte, es sei doch sein Erinnerungsalbum an sein Berufsleben.
„Du bist in dem Album auch mit drin“, antwortet er, „Du warst da ja immer viel mit dabei“ und außerdem sei er seit einiger Zeit dran, sich von vielem zu trennen, was er eh nicht mit ins Grab nehmen könne und Ausmisten müsse man schließlich, so lange man noch alle Tassen im Schrank und zwei einigermaßen gesunde Arme habe. Und außer mir würde dieses Album ja sowieso in ein paar Jahren niemanden mehr interessieren – deshalb gäbe er es mir eben jetzt.
Momente, in denen ich nicht nur zweimal schlucken muss bevor ich wieder einen Ton rausbringe, sondern auch gefährdet bin, mir meine Unterlippe mal wieder blutig zu beißen – es ist jenes Phänomen „Eine altbekannte Wunde durch eine andere toppen“, damit’s in dem Augenblick lieber anderswo weh tut als dort, wo es eigentlich schmerzt, vielleicht kennen Sie das ja auch (ich kannte mal jemanden, der sich die Daumenkuppe blutig biss und einen anderen, der sich eine Narbe im Nacken aufpulte, in diesen Sekunden oder Minuten akut drohenden inneren Zerberstens).

Ich beginne, es durchzublättern, Herr W. Otto und der Papa gucken mir links und rechts über die Schultern und rufen ein paarmal abwechselnd „Oh!“ und „Meine Güte, weißt du noch…?“ und „Ach, das war ja damals in … mit … und …!“ (Herr W. Otto alle paar Seiten in Original-Polt-Manier noch ein „Ja mei, schau, der Ding, der is a scho lang nimmer da!“).
Der Papa sagt zu mir „Guck, das bist du, bei der Faschingsfeier im Büro!“ und ich sehe mich gar nicht vor lauter Starren auf seine Maskerade damals, er ging als Gespenst und ich erinnere mich an die Mutter, wie sie ihn so toll zurechtschminkte, er auf einem Hocker im Bad sitzend, sie auf dem Wannenrand vor ihm, und sehe das weiße Gewand, das sie genäht hatte für diesen einen Abend, der noch in einer Zeit lag, in der alles noch in Ordnung war oder zumindest noch nicht sichtbar in Unordnung, so unendlich lang ist das alles her!, ein paar Seiten später bin ich schon als semesterferienjobbende Studentin zu sehen, das rupft er sich raus, das Bild, ganz spontan will er das doch noch behalten.

Eine Zeitreise durch 40 Jahre, in etwa auf ebenso vielen Seiten, wir reisen nicht bis zum Ende, sondern steigen mittendrin aus, ich klappe nämlich das Album zu bevor wir zu dem Foto aus Mittenwald gelangen könnten, das die Einladungskarte zu seinem Ausstand zierte und von dem ich sicher bin, dass es nicht fehlen wird in dieser Sammlung: der korpulente Mann mit weißen Löckchen auf den dortigen Buckelwiesen stehend, mit dem noch korpulenteren Karwendelgebirge im Hintergrund (und natürlich dem Herrn W. Otto an seiner Seite).
Keine Ahnung, warum ich das Bild an dem Abend auf keinen Fall sehen möchte, aber irgendwie meine ich zu spüren, dass es den beiden Herren neben mir ähnlich ginge.

Szenen einer Ehe: links Otto, rechts Papa (im Hintergrund das Karwendel), 2008.

Am Morgen nach der Feier fröstele ich.
Zunächst schiebe ich es auf das Morgengassi, das einem erstmals nach einem gefühlt ewigen Sommer und ausgehnten Spätsommer nun bei gruseligen null Grad sehr unangenehm in die Knochen kriecht.
Als wir Richtung München fahren und das Frösteln trotz Sitzheizung nicht nachlässt, verdächtige ich die zu kurze Nacht und das zu fettige Essen. Zuhause wird es dann noch schlimmer.

Mittlerweile läuft in allen Zimmer die Heizung und ich friere dennoch.
Es sind nicht nur die kalten Finger und Füße, nein, es ist ein inneres Zittern und Bibbern. Es ist dieses Album, das ich mir zwischenzeitlich viermal alleine und in aller Ruhe angesehen habe, das Betrachten dieses ganzen langen Lebens meines Vaters, und das Gefühl, tatsächlich so gut wie alle seine Stationen miterlebt zu haben und dieses Wissen, dass nicht mehr allzu viele Stationen folgen werden (der Papa pflegt seit Jahren bei Neuanschaffungen zu witzeln: das ist jetzt die letzte Matratze vor dem Heim / das ist der finale Langstreckenflug vor der Pflegestation).

Fröstelnd sitz‘ ich auf der Couch und blättere.
So wärmend und wunderbar viele dieser Erinnerungen auch sind, so klamm und kalt kleben sie da zwischen all diesen Seiten eines gelebten Lebens, von dem ich ein Teil war und bin und immer sein werde, und an dem ich Anteil hatte und nehme und das weiterhin tun werde, bis es eines Tages eben vorüber sein wird.

Manche Farben auf den Bildern leuchten noch, andere wirken vergilbt und unwirklich. Alles ist vergangen und zugleich ist alles noch da.
Mein Gedächtnis ein Elefant, den ich gelegentlich zu gern mit einem gezielten Speerhieb erlegen würde (und doch auch wieder nicht).

Als ich das Album ins Regal stellen will, rutscht aus dem hinteren Einband plötzlich ein lose hineingestecktes Foto heraus und fällt zu Boden. Er muss es dort für mich platziert haben, denn zufällig ist es da nicht gelandet und es kann auch nicht dem Fundus seiner Mitarbeiter entstammen, die ihm das Album gebastelt haben.
Ich hebe es auf und betrachte es lange. Es zeigt den Papa mit einer sehr selten an ihm gesehenen, so versonnenen und verzückten Miene (über das Leopardenleiberl wollen mir mal hinwegsehen, das ist unwesentlich!), und er hält etwas ungelenk eine Frau im Arm.
Nein, es ist nicht die Mutter, die da im Kölner Karneval mit gesenkten Lidern und so hübsch beschleift neben ihm sitzt, sondern es ist die Studienfreundin. Meine Patentante.

So war das also, irgendwann in den späten 1960er Jahren im Rheinland.

Für einen Augenblick weicht das Frösteln einer herzenswärmenden Aufwallung:
Glücklich war er also doch manchmal, auch außerhalb des Berufs, wie schön.

[Jetzt hat es sich dann auch erstmal ausgepapat, ich verspreche es Ihnen, ehrlich: Sie müssen jetzt nicht fortwährend diese Rührstücke ertragen, obwohl der erste Herbststurm, der hier gerade durch die Ludwigsvorstadt fegt und sich so aufführt, als wolle er die Lindenallee vor meinem Fenster heute noch komplett entlauben, durchaus imstande wäre, noch ein paar weitere Rührstücke an die Oberfläche zu befördern, aber zumindest an der Papa-Front und für heute lassen wir’s mal gut sein und lenken uns nun mit deutlich emotionsloseren Arbeiten rund um die Renovierung der Türen und Türrahmen hier im neuen Heime ab und versuchen, den heute begonnenen türlosen Tagen irgendwie ein Gefühl von Behaustheit abzuringen, morgen eine Mittagseinladung zum Italiener, übermorgen vielleicht und hoffentlich ein Besuch und am Freitag kommen die Türen ja auch schon wieder nachhause.]

Einen wohligwarmen Abend wünscht Ihnen –
Die Kraulquappe.

Dichtung und Wahrheit.

Das alte Lebensjahr geht nun doch noch ordentlich und gepflegt zu Ende.

Eine Punktlandung war das: Die Dichtung der neuen Duschtrennwand – gestern um 18:07 Uhr vom Handwerksfreund fertig montiert und silikoniert – lässt beim morgendlichen Testduschen tatsächlich keinen Wasserschwall (ja nicht mal mehr einen Tropfen!) über den Wannenrand rinnen. Hurra & nochmals herzlichen Dank ins Allgäu!

Das Auslaufen beschränkte sich daher heute ausschließlich auf 14km Wasserwanderweg.
Ich hatte dem Dackelfräulein, das in den letzten Tagen arg zu kurz kam und kaum eines ihrer Hobbies ausüben durfte, fest versprochen, dass wir uns heute fern aller Silikonreste und Styroporbrösel, die daheim noch die Böden dekorieren, einen richtigen Ausflug gönnen werden.

Man muss ja einfach mal wieder weiter gucken als bis zum Badewannenrand!

Das Fräulein findet ein verfaultes Ei und freut sich!

Und ich finde Ruhe – und freue mich.

Aber die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn als nächstes findet Pippa einen Kugelfisch-Rahmen.

Also muss ich das Ding 20x in den See werfen, bis der Seehund einigermaßen Ruhe gibt.

Dann bin ich dran: einsamer Steg im Schilf, ab ins Wasser!

Nächste Pause in der nächsten Bucht oder: Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!

Überhaupt machen wir heute auffallend viele Pausen – erfreulich, wenn die Lokalitäten derart durchdacht konzipiert sind: Zufluss neben Abfluss – ideal!

Nach 14 etwas mühsamen Kilometern ist es Zeit, länger die Füße hochzulegen. Hinweis: Wenn Sie vom „Zeigezeh“ meines rechten Fußes aus, der sich – Obacht! – im Bild links befindet, eine schnurgrade Linie gen Himmel ziehen, landen Sie direkt auf dem Heiligen Berg bzw. in der Klosterkirche. Das wollte ich Ihnen nicht vorenthalten!

Wieder ein Jahr vorbei.

Ich lasse es Revue passieren und blicke zurück auf eine beachtliche Menge Anstrengung, Kämpfe, Abschiede, Tränen, Wohnungen, Makler, Kartons und Sägespäne. Aber es gab auch viel Schönes, Neues, Wegweisendes, Bewegung, Freundschaft und Liebe.

War es rückblickend ein überwiegend gutes Jahr oder eher ein schwieriges? Oder hielt es sich die Waage? Was folgt daraus? Sollte ich was verändern oder darf es so weitergehen?

Die Wahrheit ist: Ich bilanziere seit ein paar Jahren nicht mehr.
Ich gucke mir das Vergangene nur noch an, wie eine Landkarte: Wo möchte ich wieder hin, wo hat es mir gar nicht gefallen, wohin möchte ich unbedingt mal, um zu sehen und zu spüren, wie es da so ist?

Gelegentlich besorge ich mir auch neue Landkarten.
Ist schon immer eine Leidenschaft gewesen: am Frühstückstisch sitzen und beim Morgenkaffee Landkarten angucken.

Für den morgigen Tag werd‘ ich die allerdings nicht brauchen, weil ich mich da überwiegend auf Lieblingswegen und in Lieblingsgewässern aufhalten werde, mit Lieblingsmenschen und Lieblingsmusik, versteht sich.

Ich wünsche mir ein Frühstück mit einer Breze vom Neulinger, einen nicht zu frühen Anruf vom Papa, einen Sack voll Sonne, freien Eintritt im Freibad – danke an D. für den klasse Vorschlag, dass wir uns dort treffen: du erkennst mich am roten Zinken (hatte heut die Sonnencreme vergessen) und den gelben Flossen!

Danach darf mich der Gatte zum See kutschieren, unterwegs hören wir Shirley Jean oder Bobby Jean, wenn wir da sind, ziehen wir die Jeans aus und hüpfen ins Wasser. Vom Tretboot aus, wenn möglich.

Vielleicht finden wir sogar eines mit Rutsche.
Und mit Sonnendach, damit das Dackelfräulein keinen Hitzschlag bekommt (und mein Zinken nicht noch mehr verbrennt).

So ungefähr jedenfalls.
Und die Lücken im Tagesplan füllen wir einfach mit Streuselkuchen auf.

Mal sehen, wo die Reise im nächsten Jahr hingeht. Ahoi!

For you.

[Same question as every year: Wohin mit dem Dackelfräulein (und uns) an Silvester?
Gerne wären wir in irgendeine stille Lodge in die Berge verreist (zu teuer),
beinahe hätten wir uns mit Freunden in der feuerwerksfreien Zone einer Kleinstadt einquartiert (zu spät dran),
spontan dachten wir noch an eine Nacht im Hilton Munich Airport (zu wenig Grün)
– und letztlich bleiben wir nun doch zuhause.]

Gerade bin ich vom letzten Schwimmausflug des Jahres zurückgekehrt. Der Schwimmsport ist ja, so übers Jahr oder die Jahrzehnte betrachtet, ein Abbild des Lebens im Allgemeinen wie im Besonderen. Manchmal ein friedliches, genussvolles Dahingleiten, mal ein ambitioniertes, beständiges Vorankommen, mal ein energisches, verzweifeltes Herumrudern. Mal liegt man entspannt auf dem Rücken und guckt in den weißblauen Bayernhimmel, mal zieht man an allen anderen ohne jede Anstrengung vorbei, mal haut einem der Nebenmann seine Flossen in die Fresse, dass einem der Atem stockt und entschuldigt sich nicht mal. Schwimmen ist wie das Leben, nur chlorreicher. Bemerkenswert ist übrigens, dass sich bei den diversen Varianten die Zeiten pro Kilometer kaum unterscheiden – auch hier ist eine gewisse Analogie zum Leben außerhalb des Wassers feststellbar: wie oft könnt‘ man sich das ganze Gezappel sparen, weil schlussendlich eh vieles aufs Gleiche hinausläuft.

Im Becken war es heute erwartungsgemäß voll:  All diejenigen, die noch die persönliche Sportbilanz frisieren, sich die Weihnachtspfunde wegschwimmen oder den Frust über den binnen 24 Stunden komplett weggeschmolzenen Winterzauber rauskloppen wollen. Oder die, die sich vor der Silvesterparty nochmal was Gutes tun möchten sowie die, die eh immer sonntags zum Schwimmen gehen – plus ein Schwung Väter, von daheim rausgeworfen mit den Worten „Jetzt mach du halt auch mal was mit den Kindern!“. Urlaubszeit, Schulferien, Sonne und milde 13 Grad locken an einem Silvestersonntag leider viel zu viele ins Schwimmbad.

Dennoch war heute unterm Strich noch der bessere Schwimm-Tag als Neujahr, wenn das Becken überquillt vor lauter guten Vorsätzen, die dann erfahrungsgemäß bis Anfang Februar die Bahnen nicht nur zu den beliebten Zeiten sehr unangenehm verstopfen.

Der Gatte bespaßt gerade da draußen in den ruhigen Wäldern das Dackelfräulein, bevor wir am Spätnachmittag dann die Schotten dichtmachen, damit Pippa die Hundehorrornacht des Jahres einigermaßen gut übersteht.
Wir wagen uns erst wieder nach draußen, wenn der ganze Krach vorüber, die letzte Rakete erloschen und das sinnlose Blei vergossen ist.

Diese Ruhe vor dem Sturm möchte ich nutzen, um auch den Kraulquappen-Blog noch in den Reigen der Jahresrückblicke einzureihen.

Erst dachte ich an eine Rückschau in 12 Kapiteln, was ich wieder verwarf, als ich feststellte, dass sich 7 der 12 Kapitel zu sehr ähneln würden in Tat, Wort und Bild. Eine tabellarische Darstellung wäre auch fein gewesen, aber zugleich albern, da die drei vorzeigbaren Kennzahlen fix zu dokumentieren sind: 85-33-58 (und das sind nicht etwa meine Maße, sondern die Zahlen für Schwimmen-Bergtouren-Läufe).
Und auf anderes bezogen tracke ich mein Self oder die von ihm erreichten Ergebnisse/Nicht-Ergebnisse lieber gar nicht erst (wobei: die Gassigänge und die Weißbieranzahl könnten sich auch noch sehen lassen, wenn ich sie denn nicht nur genossen, sondern auch gezählt hätte).

Ebensowenig dürstet es mich nach einem Abgleich der vor genau einem Jahr gefassten Pläne mit der nun hinter ihnen liegenden Realität eines ganzen langen Jahres – das Fazit wär‘ wenig erbaulich. Mehr und mehr komme ich davon ab, überhaupt vorauszuplanen und hinterherzubilanzieren, weil sich das für den tatsächlichen Verlauf des Lebensweges als zu wenig hilfreich erwiesen hat.

Wider die überzogenen, unnützen Erwartungen. (Aus: „Der große Polt: Ein Konversationslexikon.“)

Stattdessen habe ich mich für eine bebilderte Retrospektive entschieden, mit der ich die schönen Augenblicke/Erlebnisse/Begegnungen/Entwicklungen/Impulse aus dem vergangenen Jahr Revue passieren lassen und denjenigen widmen möchte, die daran beteiligt waren.
Die Reihenfolge der Fotos sagt – von den ersten dreien mal abgesehen – nichts über ihren jeweiligen Stellenwert in meinem Leben/Herzen/Jahr aus, bestenfalls ist sie chronologisch, ansonsten aber rein zufällig.

Jubiläum am Tegernsee – mit dem Lieblingsmenschen und allem, was man(n) sonst noch so brauchen kann für eine kurze Auszeit.

Im Zugspitzland unterwegs – mit dem zweitwichtigsten Menschen in meinem Leben.

Zur beruflichen Fotosession auf den Wallberg – mit dem Papa, der Pippa & dem alten Cabrio.

Sommergenuss am Eibsee – mit S., seiner tollen lila Picknickdecke und Zugspitzblick.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wunderbares Geburtstags-Kunstwerk von H., der Paderborner Postkartenübermalerin.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – sonniges Saisonende mit D. im Karwendegebirge auf dem Weg zur Brunnsteinhütte.

Im Starnberger See – mit den langstrecken-bewährten Kraulquappenflossen auf den Spuren des Kinis.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wahlweise Karwendel- oder Wettersteinblick mit W. auf dem Krottenkopf, dem höchsten Gipfel im Voralpenland.

Mein zweitliebster Flügelflitzer (nach dem Dackelfräulein) – mit herzlichem Dank an den Lieblingsnachbarn für die (freudig verwackelte) Live-Aufnahme.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – mit Andrea für einen Brockenblick auf die winterlichen Rabenklippen im Harz.

Mit herzlichem Dank an Dr. T. für das Jahresabschlussgespräch über eingebildete Nadelöhre und geglückte Brückenschläge zwischen damals und heute.

Ich danke Euch allen für diese Augenblicke & Erlebnisse!

Diesen letzten Tag des Jahres 2017 möchte ich außerdem zum Anlass nehmen, um mich bei allen Leserinnen & Lesern, allen Freunden & Followern meines Blogs (und natürlich auch bei den vielen treuen Fans des Dackelfräuleins!) herzlich zu bedanken für die rege Anteilnahme, die wohlwollende Unterstützung, die vielen Kommentare und nicht zuletzt auch die wunderbaren Kontakte, die auf diesem Weg entstanden sind!

Danke dafür & kommt alle gut rüber ins neue Jahr!
Eure Kraulquappe.

PS: …and this one’s for you, Sori, pleased to meet you!