But I’m absolutely sane.

Eine größere Sache heute zuende gebracht, danach gleich die nächste angepackt.
Immer noch bleierne Müdigkeit, beinahe ganztags. Und dieser Ausschlag. Und häufiges Frösteln und so manches mehr. Zugleich ab und zu das Gefühl, das Medikament schlüge an und es ginge aufwärts.

Am späten Vormittag bereits Kuchen gebacken, D. hat sich den gewünscht, für morgen, für ihre große, runde Feier. Das Kuchenbacken doch noch nicht verlernt, schön. Sollte man wieder öfter machen, allein der Duft in der ganzen Wohnung ist ja ein Genuss!
Nebenher die Liste der mitzunehmenden Dinge für meinen großen Freund S. erstellt, der morgen die Ehre hat, für einige Stunden das Dackelfräulein zu hüten, nachdem ich Ds Feier beiwohnen werde und der Gatte in Frankfurt ein Wochenendseminar hält, so dass ein gutes Plätzchen gesucht werden musste.

Mittags Kopf, Körper und Hund ausgiebig an der Isar bei Schäftlarn ausgelüftet, um mal wieder von sauberem Weiß umgeben zu sein statt von schmutzigen Altschneeresten in der Großstadt.
Anschließend kommt die Braunschweiger Freundin kurz zu Besuch, seit Mai nicht mehr gesehen und dennoch war’s als wär‘ man gestern erst auseinandergegangen. Nachdem wir uns die Gesichter mit Krapfenmarmelade und -puderzucker verschmiert haben, fahre ich sie nach Schwabing, wo sie auf einen Geburtstag eingeladen ist.
Das hatten wir noch nie, dass wir zum Abschied sagen konnten: „Bis in drei Wochen!“ – dann reise ich zu ihrer Geburtstagsfeier. Auch ein runder Geburtstag. Ich mag Geburtstage ja, den meinen ebenso wie die der anderen.

Von Schwabing aus fahre ich weiter zum Lieblingsbad, fast eine Woche nicht mehr dort gewesen – ein Unding! – und heut‘ Abend versuch‘ ich’s einfach, trotz der null Grad da draußen (es ist ja ein Winter-Freibad, schön beheizt zwar, dennoch muss man 42 Schritte vom Gebäude durch die Eiseskälte bis zum Beckenrand laufen und der erste halbe Meter unter der Wasseroberfläche hat auch nicht gerade Badewannentemperatur), trotz der Müdigkeit und allem.
In der Bahn sind außer mir nur zwei roboterartige Kampfkrauler, man kommt einander also nicht in die Quere und es geht insgesamt erstaunlich gut.

Auf dem Heimweg mache ich etwas, das ich in meinem ganzen Leben noch nicht gemacht habe: ich fahre bei einer Tankstelle raus, um Bier zu kaufen.
Gruselige Assoziationen kommen da hoch: an den, der immer abends zur Tanke ging, um Bier zu kaufen. Und zwar jeden Abend. Und auch nicht nur eine Flasche.
Mit 46 fahre ich also erstmals nur zum Bierkauf an eine Tankstelle. Grund: Der blöde REWE hat seit über einer Woche die für mich einzig wahre Weißbiersorte nicht mehr im Regal stehen, angeblich Lieferschwierigkeiten.

Als ich mit dem Bier in der Hand zum Auto zurückgehe, fühle ich mich unwohl, muss an den Papa denken, der mich in meiner kurzen Phase als Raucherin immer ermahnte, bloß nicht draußen auf der Straße und schon gar nicht beim Herumlaufen zu rauchen, weil das Frauen nicht zu Gesichte stünde. Obwohl ich diese Regel schon damals für äußerst fragwürdig hielt, frage ich mich plötzlich, ob sie nicht für das offene Herumtragen einer Bierflasche ebenso gelten könne und fühle mich noch unwohler.
Ein Geschäftsmann im Lodenmantel steigt aus seinem blankpolierten BMW, unsere Blicke kreuzen sich für einen Moment. Eine Frau allein, am späteren Freitagabend, mit dreckigem Auto, in abgewetzter Jeans, uralten Bergstiefeln, mit nassen Haaren, die unter der Fleecemütze rausschauen (er wird sie wohl für strähnige, ungewaschene Haare halten, nicht für schwimmbadnasse) – wie sieht das aus? Ich bin froh, als ich wieder im Auto sitze und ärgere mich, dass es mich auf einmal beschäftigt, was irgendwer sich über mich denken könnte.

Lasse den Motor an, fädle mich wieder auf die Allee ein, hinter einen Porsche 911, der fast denelben Farbton hat wie der von Saga Norén, der mich aber nicht deswegen, sondern wegen seines Kennzeichens zusammenzucken lässt: M-HK 2108. Genau damit fuhr die Mutter einst herum, im orangefarbenen VW Käfer (der mit den netten, feinrändrigen Augen, nicht der mit den Glotzaugen). Ja gibt’s das?!
M-HK 2108 lebt also noch (und in mir denkt es: „maybe everything that dies someday comes back“, einer dieser Fetzen aus dem Lebenssoundtrack) und dabei ist sie jetzt bald drei Jahre unter der Erde.

Um nicht länger als nötig an den orangefarbenen Käfer und die Geschichten, die sich in ihm und um ihn rankten, zu denken, stelle ich das Radio an, den Sender, von dem man jahrzehntelang dachte, man würde ihn niemals hören (so wie man auch never ever an der Tankstelle Bier kaufen würde).
Ich lande mitten in der ersten Strophe eines Bowie-Songs: „(…) but I’m abolutely sane“.
Absolute beginners.
Sehe A. und mich im gleichnamigen Film sitzen (über 30 Jahre her), von dem ich nichts erinnere außer Bowie, der Zebrafrau und eben diesem Song. Am Tag danach sofort die Single gekauft. Im Jugendzimmer auf dem Boden sitzend, ans Klavier gelehnt, mit Blick auf das damals gerade neu erstandene Tunnel-of-love-Poster die Scheibe in Endlosschleife gehört.
Der größte Segen meines vom Zeitungsaustragesalär gekauften Plattenspielers war seine Repeat-Taste.

Sauber, sog i!

Gestern Früh, beim Blaubärmüsli mit kvarg (eine der schwedischen Vokabeln, die recht eingängig sind, wie ich finde), war der Himmel noch blau und wolkenlos. Wenig später, ich kam gerade aus der Dusche, war er wolkenverhangen und grau.

Just als ich das Haus verließ, spendierte er einen Begrüßungstrunk (immerhin: nur ein leichter, perlender Prosecco, nichts Härteres).

DSC01835

Snorkfräulein, grantig. Mumin, gelassen.

Dennoch verwarf ich meinen Fahrrad-Ausleih-Plan und ging ins Museum für Moderne Kunst.

DSC01793

11:01 Uhr. Erster!

DSC01805

11:05 Uhr. Immer noch Erster. (Ich mag unberührte Szenerien. Und Symmetrien.)

DSC01796

Alles hat zwei Seiten.

DSC01802

Auch Erster sein.

DSC01819

Nobody’s here. It’s just me, all alone (but not new).

DSC01813

Zugeständnisse? Nicht nötig, so allein.
Video-Installationen sind eh besser, wenn keiner rumhustet, in den Taschen kruschelt oder sich kratzt.

Laufschuh-Installationen ebenfalls.

DSC01816

Beim Rausgehen erneute Vokabelfreude…

DSC01804

…bin statt paraply auch mit regnkappa sehr zufrieden (weil: Hände frei, für Kamera und Stadtplan).

Es folgt: ein Shoppingversuch. Zu viele Verlockungen!

DSC01832

Dachshund, enlightened.

Und immer bleibe ich bei denselben Themen hängen!

DSC01750

Kindheitserinnerungen: Tiere vom dänischen Designer Kaj Bojesen. Gemein: Ich hatte den Affen, nicht den Dackel.

Selbst im dritten Geschäft.

DSC01827

„Folk å Rock“ in Malmö. Musikladen wie aus „High fidelity“.

Meine Vorlieben kommen mir manchmal vor wie Schallplatten…

DSC01828

…die allesamt hängengeblieben sind. Endlosschleifen, Endloslinien.

Dementsprechend endete der Donnerstag auch: Im Wasser.

DSC01842

Hylliebadet. 2015 erbaute Top-Schwimmhalle mit 50m-Becken.

Vor dem Schwimmen muss man sich aber erst noch in der Umkleide anpöbeln lassen…

DSC01845

Die fünf Duscha-Zonen der Frau.

… – habt ihr sie noch alle?! (Wenn schon: und was ist mit dem Popo? Vergessen, oder wie?)

Am Samstag geh‘ ich da nochmal hin. Nicht nur zum Schwimmen.
Ich muss mir einfach das Pendant in der Männerumkleide angucken. Und wehe, der Mann hat nicht ebenfalls fünf signalrot umkringelte Schmutzbereiche!

Einen sauberen Freitag wünscht euch
Die Kraulquappe.