Das Kopfende oder: Wie es eigentlich NICHT gedacht war.

Der Hund von Baskerville.

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Im Traum lag ich aufgebahrt und mit einem Hüftgurt auf einer Liege festgeschnallt in einem kahlen, kalten Raum, die Decke schmutziggrau, links und rechts mintgrün gekachelte Wände, vor mir eine schwere Metalltür, hinter der ich Stimmen vernahm, so schwach, entfernt und verschwommen allerdings, dass ich nichts verstand, so sehr ich mich auch bemühte.

Auch sonst verstand ich nichts: warum ich dort lag, warum so seltsam fixiert, und warum mit diesen höllischen Schmerzen im rechten Arm. Hinter mir, in der einzigen Wand, die ich nicht sehen konnte, weil es unmöglich war, den Kopf so weit zu drehen, schien sich eine weitere Tür zu befinden, denn auf einmal hörte ich, wie dort eine Klinke heruntergedrückt wurde.

Ein Mensch betrat den Raum, näherte sich mir von hinten, beugte sich über mein Gesicht, so dass ich das seine nur als Fratze wahrnahm. Die Mimik verkehrtherum betrachtend musste ich erstmal überlegen, ob der Ausdruck nun als uklig oder unheimlich zu interpretieren sei. Ich fand es nicht mehr heraus, denn plötzlich pustete mir die Fratze unerwartet einen Satz ins Gesicht.

Der Fremde sagte: Wir können Sie heut nicht drannehmen. Ich fragte: Drannehmen wofür? Die Stimme antwortete: Das darf ich Ihnen nicht mehr sagen, Ihr Ausweis ist ungültig.
Mich durchfuhr ein Schauer, denn an irgendetwas erinnerte ich mich diffus, als das Wort „Ausweis“ fiel. Der fremde Mensch und seine Stimme kamen mir noch näher, bedrohlich sanken sie fast hinab auf meine Stirn, hinter der es wie wild dachte und suchte und nichts fand. Ich wollte meinen rechten Arm heben, um dazwischenzugehen, zwischen diesen fremden Schädel und meinen, aber der Arm ließ sich nicht heben, der Schmerz war zu groß.

Woher kam dieser Schmerz nur, woher? Ich hob den Kopf, bog den Hals weit nach rechts, wo mein Arm lag und sah mitten in meiner Armbeuge eine kleine halbmondförmige Platte stecken. Damit war mein Arm an der seitlichen Außenkante der Liege fixiert worden, quasi aufgespießt worden, jede Bewegung führte dazu, dass sich die Platte tiefer in mein Fleisch bohrte.
Blut war erstaunlicherweise keines zu sehen (überhaupt träumte ich in meinem Leben bislang nur einmal von Blut oder erinnere alle anderen Male nicht). Der Fremde atmete mir nun unangenehm in den Nacken, schwieg und ich spürte, dass er mich beobachtete.

Instinktiv wusste ich, dass mir nicht viel Zeit bliebe. Mit dem linken Arm fuhr ich blitzschnell nach rechts, riss den metallenen Halbmond aus meiner Armbeuge heraus (wieder kein Blut, nirgends!), und hielt ihn mir vor die Augen. „Du bist jetzt mein Land“ stand darauf. In Schriftart Baskerville war der Satz in die Mitte des Metallstücks eingraviert.

Ich begriff in der Traumwelt offenbar sofort, was es mit dieser Botschaft auf sich hatte, meine Schläfen pochten vor Aufregung, zugleich war ich wild entschlossen, nahm all meinen Mut zusammen und fuhr mit der linken Hand, in der sich noch immer der scharfkantige Halbmond befand, schnell nach hinten und stach den Fremden nieder.

Es gab ein dumpfes Geräusch, als er zu Boden fiel. Das kleine Plättchen, das ihn niedergestreckt hatte, löste sich wohl aus der Einstichstelle, denn ich hörte, wie es mit einem leisen Klirren irgendwo auf dem Steinboden aufkam, noch ein wenig vibrierte und dann verstummte. Totenstille herrschte in dem Raum.

In dem Moment öffnete sich die große Metalltür vor mir und ein Arzt, der mir bekannt vorkam, lächelte mir zu.
„Sie sind wieder gesund“, rief er mit einer Heiterkeit in der Stimme, die ich ihm beinahe übelnahm, und fuhr fort: „Sie dürfen jetzt erstmal nachhause gehen.“

*****

Um 6 Uhr wendet das städtische Räumfahrzeug quietschend im Hinterhof und schiebt den nächtlichen Neuschnee knirschend Richtung Einfahrt.
Ich wache auf.
In meinem rechten Arm schläft das eingekringelte Dackelfräulein. Die Dornschließe ihres Halsbands, das ich ihr nachts vor lauter Müdigkeit ausnahmsweise abzunehmen vergessen hatte, drückt ein wenig auf meine Armbeuge. Ich drücke einen Kuss auf ihre kleine Hundestirn, spüre ihr warmes Köpfchen und denke: Wo wir so zusammen sind, dort muss Zuhause sein.

Speedball (dreaming of).

Bis nach 3 Uhr wachgelegen, dafür in den wenigen Stunden Schlaf danach ein wahrer Reigen an Highlights.

Am Geburtstagsmorgen von Rumpeln im Wohnzimmer erwacht: Mit kindlicher Neugier auf leisen Sohlen in den Flur geschlichen und durch den Türspalt gelinst. Ein Kicker! Der Gatte, nicht so der Passionierteste unter den Handwerkern, mit Bohrmaschine in der Hand, das schwere Fußballgerät im Boden befestigend, damit es beim Spielen auch was aushält, den einen oder anderen trotzigen Tritt ebenso wie triumphierendes Trommeln. Wohlgemerkt: im nagelneuen Parkettboden der Mietswohnung verankert. Einfach so reingebohrt. Stuff it!
Ich bin entzückt. Ein Kicker, für mich!

Nächstes Traumbild: Am Kicker stehend, schon nicht mehr im Nachtgewand. In irgendeiner Art Saloon. Ein paar Gestalten am Tresen, ein paar am Billardtisch, Grüppchen um die beiden Kickertische. Dunkel, hölzern, verraucht, fast schon verrucht.
Neben mir U., der mittlerweile krebskranke Ex-Freund, mit dem ich es zu gemeinsamen Firmenzeiten mal recht weit gebracht hatte, nicht in Sachen Beziehung etwa, dafür aber als Team „Argentinien“, damals im großen Turnier gegen den Rest der Firmenfußballwelt.
Gegenüber der Gatte und der verstorbene Freund wie alte, verschworene Kameraden, alle sind wir in Rage und sowas von bei der Sache, die gegnerische Mannschaft führt knapp.

Und plötzlich höre ich es, was schon die ganze Zeit über aus den Lautsprechern dröhnt: „(…) he could throw that speedball by you, make you look like a fool“, der uralte Song aus Schulzeiten, von H. und mir, die wir „holidays“ statt „glory days“ hörten – und, zack!, semmelt U. den anderen einen geschickt angekurbelten Ball dermaßen speedy ins Tor rein, dass es nur so scheppert. Wir haben gewonnen!
Der Song ist mittlerweile ein paar Strophen weiter, ich singe lauthals mit, obwohl ich den Song heutzutage wenig leiden kann, wie so Einiges aus der Ära der Knackarsch-auf-USA-Flagge-Platte.

Yeah, just sitting back
Trying to recapture
A little of the glory of
Well, the time slips away
Leaves you with nothing, mister
But boring stories of
Glory days
They’ll pass you by
Glory days

Am Tresen schließt man sich meinem Jubel an, jemand ruft mit rauer Stimme durch den Raum: „Next round’s on me, guys!“, ich drehe mich um, um zu sehen, wer der edle Spender ist, und da steht Bruce Springsteen himself, im Holzfällerhemd mit hochgekrempelten Ärmeln, schön unrasiert und mit Out-of-bed-Frisur, so wie sich das gehört für einen anständigen Frauentraum.

So dann vor lauter Freude aufgewacht, das hab‘ ich auch nicht alle Tage, what a glory day.
Wenn das grundsätzlich der Preis wäre, fürs späte Einschlafen, dann wäre ich jederzeit gern bereit, ihn zu bezahlen.

Einen erfreulichen Mittwoch wünscht
Die Kraulquappe.

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Nachtrag 45 Min nach Veröffentlichung des Beitrags:
Freundin H., jene, mit der ich „Glory days“ zuerst sang, whatsappte nach der Traumlektüre sogleich ein Foto aus der schönen Schweiz.

Hätte sie das mal eher geschickt! Wenn ich gewusst hätte, was der Zürichsee auch zur kalten Jahreszeit zu bieten hat, hätte ich das mit dem Besuch dort nicht schon 2x verschoben. Im Frühjahr dann aber! Und wehe, der graue Teppich rutscht.

Die Nasenkongestion.

Heute habe ich ein neues Wort gelernt.

Statt zu sagen „Meine Nase ist zu“ oder „Ich bin verschnupft“ kann man auch von einer „Nasenkongestion“ sprechen.
Das klingt distinguierter, weil es sozusagen weniger rotzig daherkommt.

Diese kleine Erweiterung meines Wortschatzes bescherte mir Amazon, genauer: Eine Produktbeschreibung auf Amazon. Noch genauer: Die Produktbeschreibung zu einem Seitenschläferkissen.

Auf diese Kissenkonstruktion bin ich gestoßen, weil ich seit Wochen nach etwas suche, das meine nächtlichen Schulter-Rücken-Nacken-Kiefer-Beschwerden lindert. Wenn ich mich umdrehen möchte, wache ich vor lauter Schmerzen auf, morgens bin ich wie gerädert. An eventuelle psychosomatische oder präklimakterielle Einflüsse soll an dieser Stelle mal kein Gedanke verschwendet werden. Ich habe nämlich beschlossen, es ist in erster Linie ein orthopädisches Problem – und zwar keines von mir, sondern von meiner Schlafstatt.

Erst haben der Gatte und ich die Matratzen getauscht, weil ich der Ansicht war, die meine sei zu weich und der Gatte hätte es besser, weil fester, erwischt. Fehlanzeige. Testweise habe ich dann eine Nacht auf der Gästecouch verbracht, die das härteste Stück Bett ist, das es in unserem Haushalt gibt (nach 2-3 darauf verbrachten Nächten reist selbst der Tapferste freiwillig wieder ab). Hat auch nichts gebracht.

Anschließend habe ich „Schlafen ohne Hund“ ausprobiert, da dieser eine nicht unerheblich große Fläche des Bettes zu okkupieren imstande ist, wenn Herrchen/Frauchen nur tief genug schläft. So ein Dackeltier, ab dem menschlichen Steißbein (irgendeine Kontaktstelle muss stets gegeben sein) im 90°-Winkel komplett ausgestreckt liegend, benötigt gut einen Meter Spannbreite bis zur Bettkante, man selbst quetscht sich dann etwas verhutzelt auf einen 40cm breiten Restmatratzenstreifen an die Wand. Auch die hundelosen Nächte brachten keine Verbesserung.

Der nächste Verdacht fiel auf meine Kissen (40×40 und 80×40), mit denen ich nachts tatsächlich oft herumhantiere, um die schmerzende Schulter abzupolstern oder den ganzen Arm etwas erhöht legen zu können oder den Nacken einigermaßen bequem zu betten oder sie ganz beiseite zu legen. Nicht ideal, dieses Umschichten und Herumstopfen mitten in der Nacht. Immer verrutscht was. Vielleicht ist also die Kissensache die Wurzel des ganzen Übels?

Ich machte mich auf die Suche nach einer Alternative. Und stieß auf nie geahnte Möglichkeiten: Es gibt Kissen in H-Form, in I-Form, in J-Form und in U-Form. Nach einigen Recherchen fiel meine Wahl auf ein U-förmiges Seitenschläferkissen für Schwangere (die Dinger sind allesamt für werdende Mütter, aber was soll’s). Die sollen hervorragend entlasten, wenn einen Rücken, Nacken und Schultern plagen, man kann sich an allen nur erdenklichen Stellen abpolstern und sie versprechen Komfort in jeder Position (vermutlich möchte man sie nach kürzster Zeit auch tagsüber permanent um und mit sich haben).

In Kürze werde ich also meine Schlafversuche in diesem wattierten Rahmen starten, der mich sanft umarmen und stützen wird, werde dabei wie hingegossen und wie engelsgleich in einer Wolke schlummernd aussehen (sofern das weiße Nachtkleidchen mit Rüschenborten in der Lieferung enthalten ist).
Noch dazu spart man mit diesem Kissen 52%, und in seinen herrlichen Maßen von 130x70cm sind sogar alle meine Lieblingszahlen enthalten – das nenn‘ ich Fügung!

Ach ja, zurück zur Nasenkongestion, diesem wunderbaren Begriff, den ich bei der näheren Beschäftigung mit diesem Produkt kennenlernen durfte.

Das Seitenschläferkissen kann nämlich eine ganze Menge:

Dieses Wunderkissen beugt somit auch Beschwerden vor, die ich noch gar nicht hatte: Nächtliches Sodbrennen wird mich nun niemals heimsuchen, ebensowenig Genosse Ischias, und stets wird ein Licht am Ende des Karpaltunnels aufscheinen, so viel ist gewiss. Und auch Nasenkongestionen hätten keine Chance, mir meine Nächte zu verderben. Für diesen vierten Prophylaxe-Punkt musste ich Wikipedia bemühen und erfuhr, dass es sich hierbei um Verstopfungen der Nase handelt. Nie mehr morgendliches Nasefreiputzen und womöglich überhaupt nie mehr einen Schnupfen?!

Ein Kissen für oder gegen nahezu alles. Das wäre ja was.
Die Unbilden des Alltags und des Lebens verschnupfen mich nämlich schon genug, da erspare ich mir gerne jeden unnötigen Rotz. Dazu ein andermal. Jetzt freue ich mich erstmal auf meinen neuen Bettgefährten.

Allzeit beste Nachtruhe und ein schönes Wochenende wünscht euch
Die Kraulquappe.

Schläft immer und überall problemlos: Das Dackelfräulein.

Englische Sprichwörter, gründlich widerlegt.

Heute: „The sun doesn’t shine on a sleeping dog’s ass.“

Quelle des Sprichworts (bei 1:51):

Ein sonniges Wochenende wünscht

Die Kraulquappe.