Melius est pedibus mori quam genibus vivere.

In der Nacht zum Ostermontag erschließt sich mir gegen 1 Uhr endlich, mehr als drei Jahrzehnte nach Erreichen des großen Latinums, die Bedeutung dieses altbekannten Aphorimus‘. Jawohl, wie wahr: Es ist besser, aufrecht stehend zu sterben, als auf Knien zu leben.
Zumindest auf mein lädiertes, rechtes Knie trifft das derzeit voll und ganz zu.

Nach Durchlaufen der gesamten limnischen Farbpalette gibt das mittlerweile zwar einigermaßen abgeschwollene, aber immer noch arg angeschlagene Knie nun neue Rätsel auf.
Was ist das für ein hässlicher, eiförmiger, wabbeliger Knubbel mitten auf der Patella?
War die krasse Kante, die darunter tastbar ist, eigentlich schon immer da?
Was hat der stechende Schmerz am Übergang zum Wadenbein zu bedeuten?
Und warum tut das Anziehen des Sockens deutlich mehr weh als das Ausziehen?

Das Internet spuckt dazu die wildesten Theorien aus, Sie wissen bestimmt, was ich meine: hochspekulatives Symptomgegoogel, noch dazu im Dunkel der Nacht, führt ja in den seltensten Fällen zu Erleuchtungen, und erst recht nicht zur Aufhellung der Stimmung.
Um diesem Spu(c)k ein Ende zu setzen, buche ich um 2 Uhr einen Termin bei einem Sportmediziner, der den beunruhigenden Untertitel „Orthopäde und Unnfallchirurg“ trägt, aber haufenweise gute Bewertungen hat.
Super Sache, Doctolib macht’s möglich, dass man sich für sowas nicht mehr werktags ans Telefon hängen muss.

Die Praxis ist ums Eck, endlich mal wieder ein Vorteil dieser innenstadtnahen Wohnlage (die derzeit ansonsten mehr Nachteile hat, allein wegen der dreimal pro Woche stattfindenden Autokorso-Demos diverser Quermeiner in unserem erweiterten Vorgarten), denn hier ist fast jeder Facharzt ums Eck und auch jegliche Art von Klinik. Schon morgen kann ich zum letzten freien Termin am Nachmittag da hinhumpeln, um Antworten zu bekommen.
Meine Wunschantwort wäre: „Es ist nix ernsthaft kaputt in Ihren Knie, aber zur Ausheilung dieser üblen Geschichte müssen Sie ab sofort täglich zum Aquajogging und Schwimmen gehen, da führt kein Weg dran vorbei / Hier haben Sie ein Rezept für die ersten 4 Wochen, über eine meiner Einschätzung nach absolut sinnvolle Verlängerung sollten wir spätestens in 2 Wochen sprechen / Leider liegt die einzige Reha-Einrichtung mit einem geeigneten 50m-Therapie-Schwimmbecken in Bad Reichenhall, weshalb ich Ihnen auch eine Verordnung für den stationären Aufenthalt in der Orthopädischen Klinik vor Ort mitgeben muss / Für Kurgäste gibt es übrigens auch eine Sondervereinbarung mit der örtlichen Therme, da sich begleitende Saunabesuche, Dampfbäder und Massagen als ausgesprochen heilungsfördernd für Kontusionen herausgestellt haben / Hoffentlich stört es Sie nicht, dass es sich um eine Klinik handelt, in der die Mitnahme von Haustieren gestattet ist, das ist ja nicht jedermanns Sache“ .
Drücken Sie mir die Daumen, dass das in etwa so ausgeht!

Die Nächte sind also momentan noch kürzer als sie es wegen der Gelenkschmerzen eh schon waren. Die beiden Facharzttermine zur diesbezüglichen Abklärung (übernächste Woche!) werde ich hoffentlich noch wahrnehmen können, bevor ich mein Köfferchen für Bad Reichenhall packe, um mit meinem Hündchen dort bis Ende Mai den Aquafreuden zu frönen und ausgewählte Sequenzen des Zauberbergs nachzuspielen.

Als ich um 3 Uhr immer noch wachliege – als routinierte und beflissene Gattin legt man ja gedanklich sofort etliche Listen an, was vor einer längeren Abwesenheit des Hausvorstands noch alles zu bedenken und zu erledigen ist – studiere ich Testberichte zu Geschirrspülmaschinen.
Aus der unseren (das Glump, das wir vom Vormieter überteurt ablösen mussten) tritt seit Neuestem nämlich unten etwas Wasser aus, womit ihr nun endgültig der Haushaltsgerätefriedhof droht, da dieser Defekt das i-Tüpfelchen (bzw. -Tröpfelchen) auf all den anderen Mängel ist, über die wir schon seit Monaten fluchen, allen voran über jenes Ärgernis, dass der Reiniger auf jeglichen Gegenständen im oberen Spülkorb einen unangenehmen Film hinterlässt, der a) dem Morgenkaffee eine Bitternis verleiht, die gerade in Zeiten wie diesen, die eh schon bitter genug sind, als nicht hinnehmbar bezeichnet werden muss (obwohl es ein Bio-Reiniger ist) und b) dazu führt, dass wir entweder gleich das meiste von Hand spülen oder eben dem mangelhaften Haushaltsgerät ständig hinterherputzen und -polieren.

Um 4 Uhr ordere ich schließlich online ein sensationelles Schnäppchen von BOSCH (mit Besteckschublade und Auto-Open-Funktion, aber ohne anheimelnde Innenbeleuchtung und saucoole Steuerung via Bluetooth, denn mein technisch wenig verwöhntes Hausfrauenherz schlägt bereits bei so einer wunderbar ordnungsfördernden Schublade hörbar höher) und bin hellauf begeistert, dass mir als Liefer- und Montagetermin bereits der kommende Donnerstag angeboten wird, womit ich mich sofort einverstanden erkläre.
Das ist ja wirklich mal zum Niederknien schön, wie man so sagt, selbst wenn man derzeit nicht zu den Glücklichen gehört, die das auch tun können.
Dass ich mich dermaßen über die Bestellung eines neuen Geschirrspülers freue, gibt mir zwar ein wenig zu denken, da es aber zwischenzeitlich 4:17 Uhr ist, erwäge ich nicht ernsthaft, zur Untersuchung dieses Übels einen weiteren Arzttermin via Doctolib zu vereinbaren, sondern lasse ich mich stattdessen für dreieinhalb Stunden in Morpheus‘ Arme fallen.

Den Ostermontag widme ich dem Vorbereiten und Durchführen der Demontage des Altgeräts, denn falls ich die helfende Gattenhand hierfür benötigen würde, wäre Eile geboten, morgen reist er nämlich dienstlich (das neue Codewort für „haussegenstabilisierende Maßnahmen in Seuchenzeiten„) für einige Tage in seine Universitätsstadt und unseren Hausmeister, der seine speckige Maske stets schwerschnaufend und knapp unter dem Riechkolben trägt, will ich in dieser Angelegenheit lieber nicht bemühen, außerdem hat der auch Knie, wie er mir neulich berichtete.

Um es abzukürzen: Es war ein ziemliches Gefummel und auch ein Mordsdreck, die Details erspare ich Ihnen, jedenfalls war ich (bis auf 1x kurz Hochhebenhelfen) ganz ohne Männerhände erfolgreich und das zur Entsorgung präparierte Altgerät steht jetzt auf dem gottseidank noch nicht voreilig bei den ersten Frühlingssonnenstrahlen vom großstädtischen Winterschmutz befreiten Balkon.

Ich werde Ihnen hier kein Foto zumuten, auf dem Sie erkennen könnten, was Vormieter und Zahn der Zeit so alles unter der alten Spülmaschine gehortet oder hinterlassen haben, schließlich möchte ich Ihnen keinesfalls das Feiertagsfestmahl verderben.

Stattdessen erlaube ich mir, den Heimwerker/innen unter Ihnen die Frage zu stellen, ob Sie vielleicht einen Rat für mich hätten, wie ich den Spülmaschinen-Ablaufstutzen am Siphon (oder wie auch immer man das nennt – halt das Teil, auf das der grüne Pfeil in der nachfolgenden Abbildung zeigt) bis Donnerstag so abdichten oder verschließen kann, dass ich halbwegs angstfrei oben drüber den Abwasch machen kann und die Nachbarn unten drunter nicht gefährdet werden.

Bitte fragen Sie nun nicht Ihrerseits zurück, ob ich irgendwelches Rohrzubehör, Dichtmaterial oder Spezialwerkzeug daheim rumliegen habe, das ist selbstverständlich nicht der Fall, es muss also eine kreative, hausfrauenfreundliche, männerhilfeunabhängige und einfache Lösung sein, die zumindest ein klein wenig stabiler daherkommt als diese hier.

Ich danke Ihnen schon im Voraus für Ihre Unterstützung, lade Sie als Dankeschön für Ihren Rat in der Post-Seuchen-Ära, falls es die je geben wird, gern mal auf einen Kaffee aus einem rückstandsfrei gereinigtem Haferl zu mir ein, sende Ihnen nun mit hochgelagertem Knie nochmals herzliche Ostergrüße von der heimischen Couch und werde mir jetzt (etwas früher als üblich) mein Feierabendbier öffnen, bei dem ich sowohl Zu- als auch Ablauf noch bestens unter Kontrolle habe.

Wortwechsel zum Wochenende.

Die neuen Laufschuhe in dezentem Petrol (um ein Haar hätte ich sie, in einem Anflug von Frühlingssonnenübermut, in Knallorange bestellt) sind so gut gefedert und so herrlich unausgelatscht, dass ich noch eine Extrarunde drehe vor lauter Begeisterung über dieses viel leichtere und bessere Sprintgefühl.
Zugleich kam mir ihr Eintreffen (genau genommen: bereits der Online-Kauf) vor, als hätte ich damit die Verlängerung des Schwimmshutdowns für mindestens ein weiteres Quartal besiegelt. Das ist albern und irrational, aber bei Weitem nicht der einzige Seelensektor, in den sich mittlerweile ein paar Verschiebungen (um nicht zu sagen: Verrückungen) eingeschlichen haben.
Nach vier Monaten ohne jede Bewegung im Wasser (vom Räkeln in der Badewanne abgesehen) hat sich dort, wo sich seit Jahrzehnten (m)eine Nixenflosse befand, ein anderes Körperteil formiert, für das ich noch keinen Namen habe und das sich immer noch nicht so ganz zu mir gehörig und fremd anfühlt.
Zu diesem Mutationsprozess passen die nächtlichen Gelenkschmerzen, die mir seit Monaten regelmäßig den Schlaf rauben, eigentlich recht gut. Einziger Trost: dieses Ziehen und Stechen in allen Gelenken ist ein reiner Ruheschmerz (was für ein äußerst seltsames Kompositum: Ruheschmerz), d.h. tagsüber bzw. in Aktion tut mir nichts weh, aber die Lösung kann ja wohl kaum darin bestehen, dass ich mich 24 Stunden am Stück dauerbewege und den Nachtschlaf an den Nagel hänge.

Internet, Fachliteratur und der gesunde Menschenverstand ordnen die Beschwerden nur in sehr geringem Maß der seuchenbedingten Schwimmbadschließung zu, sondern vielmehr den Wechseljahren. Ein Begriff, den ich übrigens als pure Zumutung empfinde und ich erläutere Ihnen gern, weshalb.
Über dreißig Jahre allmonatlich von einer zeitlich viel kleiner klingenden Einheit, nämlich den Tagen (oder, auch das klingt noch überschaubar: der Monatsblutung) terrorisiert-traktiert-traumatisiert, da seit TeenagerTagen (sic!) mit einer Krankheit namens Endometriose umgehend, die immer noch kaum bekannt ist oder zu oft tabuisiert wird, – zusammengerechnet dürfte ich so um die 1000 Tage innerhalb der Tage mit übelsten Schmerzen zugebracht haben, die dank zweier Operationen in manchen Monaten nur 36 Stunden statt (vor den OPs) 72 Stunden anhielten, und nun, da diese periodische Plage endlich mal abflaut, wird medizinisch und sprachlich noch eine Schippe draufgelegt und statt Tagen (oder dem Monatswasweißichwas) ist für das nun Bevorstehende diesmal gleich von Jahren (!) die Rede.
Nein, echt nicht, das mach‘ ich nicht mit (genauso wie ich mich seit jeher konsequent von den Fellnasen, diesem verbalverhätschelnden Vierbeinersynonym, fernhalte, die einem etwas vorgaukeln, das der realen Erscheinung gar nicht entspricht), ich lasse mir nicht schon zu Beginn dieses Fruchtbarkeitsfinales (lustig: aus Versehen tippte ich zunächst Furchtbarkeitsfinale und erwog, das einfach so stehenzulassen) suggerieren, dass einen die diversen Begleiterscheinungen dieser großartigen neuen Phase im Frauenleben ja nicht unentwegt piesacken, sondern eher stunden- oder tage-/nächteweise, also keinesfalls 365 Tage im Jahr und das womöglich auch noch jahrelang.
Die Kurzform Wechsel geht schon gleich gar nicht, das hat was von Geldgeschäft oder Tauschhandel, und Klimakterium ist mir rein etymologisch auch nicht sympathischer, ich werde wohl noch weiterschauen müssen, ob mir was Passendes einfällt oder vielleicht lasse ich diese Phase auch einfach namenlos vorüberziehen, denn in Sachen Gynäkologie hab ich jedes normale Pensum an Drüberredenwollen und Michdamitbefassenmüssen eh schon weit überschritten.

Wo wir gerade bei Frauenangelegenheiten sind: Beim Frühstück einen selten dämlichen Artikel aus dem aktuellen SPIEGEL über Frauen um die 50 (so auch dessen Überschrift) gelesen, den mir der Gatte (in seinem Nebenjob als häuslicher Pressespiegelbeauftragter) auf meinen Lektürestapel gelegt hat, um anschließend mit mir gemeinsam über diesen Blödsinn lästern zu können, allein der Untertitel („Die beste Zeit unseres Lebens ist jetzt“) und das damit verbundene Glücklicherdennje-Geseiere vergällt einem fast den samtigsüssen Geschmack der Marillenmarmelade auf dem Ersttoast. Ich verlinke diesen Beitrag hier nicht, weil er online (gottseidank) nur dem erlauchten Abonenntenkreis zugedacht ist und Sie somit nur die ersten paar Zeilen lesen könnten (wobei das auch genügen würde).

Bevor ich mir nun, einigermaßen ausgedampft vom ausgiebigen Parklauf, die Badewanne einlassen werde, möchte ich noch die in einer der kurzen Schlafphasen zwischen den unruhigen Ruheschmerzepisoden der vergangenen Nacht geträumte Begebenheit notieren.
Ich war von meinem Arzt zu einer Vernissage eingeladen (real werde ich nie zu Vernissagen eingeladen) und fuhr in einem roten VW Käfer (herrlich!) zu der in der Einladung genannten Adresse. Es handelte sich um ein großes, weißes Haus in terrassierter Bauweise, schöne Hanglage mit grandiosem Weitblick über eine vom Hochsommer verdörrte Landschaft, die mich an die Steppe rund um Albuquerque erinnerte (zu viel „Breaking Bad“ geglotzt, wenn diese Szenerie nun schon in Träumen präsent ist). Augenblicklich fand ich mich zu schlecht gekleidet (weiße Sommerbluse mit hochgekrempelten Ärmeln, Jeans mit Loch am Knie, alte Ledersandalen), um ein solch nobles Grundstück betreten zu dürfen, gab mir dann aber einen Ruck und läutete.
Dr. T. holte mich am Gartentor ab, hieß mich willkommen und über etliche steile Treppen stiegen wir hangaufwärts in Richtung Haus. Ich war etwas eingeschüchtert von der überaus gepflegten Gartenanlage (üppige Palmen, blühende Kakteen, Zitronenbäume…!), sagte nichts und staunte stumm vor mich hin. Kurz bevor wir die Hauptterasse erreichten, wo sich wohl auch der Hauseingang befand, blieb er stehen, zeigte auf ein etwas abseits liegendes Areal seines Gartens und meinte: „Da hinten wäre etwas für Sie, wollen Sie mal gucken gehen?“. Ich nickte, ging alleine weiter, bog auf dem gekiesten Weg um eine Ecke und entdeckte etwas Blaues, das durch die Bepflanzung hindurchschimmerte. Vielleicht ein Pool?
Näherkommend sah ich: es waren drei riesige Schwimmbecken, blitzsauber, nagelneu und türkisblau gekachelt. Sie waren, genau wie das Haus, terassenartig angelegt und miteinander durch Rutschen verbunden (geschwungene, bunte Rutschen, wie in diesen Familienspaßbädern). In allen drei Pools glänzte die Oberfläche ruhig und glatt im Sonnenlicht, gänzlich unberührt lag das wunderbare Wasser vor mir, um die Becken herum keine Menschenseele weit und breit, und ich tat dann etwas, das ich im echten Leben so nicht tun würde, zumindest nicht auf einem mir fremden Privatgrundstück und in relativer Nähe um die Anwesenheit anderer Menschen wissend, die mich vielleicht sehen könnten: ich warf meine Klamotten ab und sprang splitternackt in den obersten der drei Pools, kraulte wie eine Irre hin und her, ließ mich von der Rutsche in den zweiten Pool befördern, die Nahtstücke der einzelnen Rutschenteile taten mir höllisch am Steißbein weh, zudem verschluckte ich beim Rutschen eine Menge Wasser, das nicht nach Chlor, sondern nach Bitter Lemon schmeckte, vielleicht sogar nach Wodka Lemon, dem Lieblingsgesöff meiner Jugendjahre, ich landete hustend und prustend in dem unteren Becken und wollte dort in Rückenlage weiterschwimmen, eher: weitertoben, drehte mich im Wasser liegend um, den Blick gen Himmel gewandt, der auf einmal nicht mehr strahlend blau war, sondern grau und wolkenverhangen, und nach wenigen Schwimmzügen prasselte mir Regen ins Gesicht, harte, spitze Tropfen, kurz noch der Gedanke „Verdammt, mit pitschnassen Klamotten kann ich mich nachher nicht auf der Vernissage blicken lassen…“ und dann sah ich den silbrigen Blitz, der so aussah wie ein Kind ihn malen würde (zickzackzickzack und unten eine Pfeilspitze dran) vom Himmel hinunterzucken, mitten in meine Brust hinein. Das tat nicht weh, das war auch nicht schlimm, nur ein bisschen unheimlich, im Grunde aber kurz und schmerzlos.
Mein Aufwachen mündete direkt in den Ruheschmerz, mein Nachspüren (dem Geträumten und dem Gelenkstechen in den Hüften) mündete ins Morgengrauen.

Schwimmen bezeichnet ja das Nicht-Untergehen eines Körpers in einer Flüssigkeit. So steige ich nun in das Schaumbad, schließe die Augen und könnte mir einbilden, ich würde schwimmen. Phantasiereisen dieser Art waren noch nie mein Ding, ich habe wenig Talent zum Tagträumen, erfreulicherweise gibt es immer noch und immer wieder Tage, deren Erleben selbst traumhaft genug ist.

Die Bildergalerie der Woche widme ich M. (aka der hübsch Bewimperte) und danke ganz herzlich für 1x Bergausflug und 1x Spaziergang samt Streuselkuchen & Shopping mit unseren beiden Mädels in unser beider Lieblingsgegend.

Hund haben (21).

Gestern, nach einem in vielerlei Hinsicht aufwühlenden und anstrengenden Tag, gibt man sich abends um Viertel vor Acht noch einen Ruck und chauffiert das Dackelfräulein bei endlich moderaten Temperaturen zum Spazierengehen und Baden an den Starnberger See.

Wunderschöne, kleine Bucht gefunden. Geschwommen und gespielt.

Den Sonnenuntergang genossen. Durch- und aufgeatmet.

Bei Einbruch der Dunkelheit die Sachen zusammengepackt. Eine putzmuntere Pippa rennt im ufernahen Wäldchen übermütig ein paar Achter. Man freut sich des Lebens.

Und plötzlich hinkt der Hund und leckt sich wie wild die Pfote. Ameisen? Ein Dorn? Ich kann nichts ertasten. Die ganze Heimfahrt über wird ununterbrochen die Pfote abgeleckt. Es schwant einem deshalb allmählich (und auch aufgrund der Uhrzeit, denn – die Hundehalter unter den Lesern werden es mir bestätigen – die Dinge, wegen denen man zum Tierarzt muss, widerfahren einem meist spätabends, am Wochenende oder im Urlaub), dass da was passiert ist.

Zuhause, mit Brille und bei gutem Licht, wird die Pfote untersucht.

Es hat die Daumenkralle erwischt. Sie ist zu zwei Dritteln abgebrochen und der Rest ist eingerissen und das sogenannte Leben schaut heraus und blutet.

Es ist mittlerweile 22:15 Uhr. Wir desinfizieren die Wunde mit Betaisodona und legen einen Verband an, fixieren diesen mit Leukoplast und freuen uns auf die Nacht. Die auch entsprechend unruhig wird.

Nach dem Frühstück in die Tierklinik, erst lange Wartezeit, dann herzzerreißendes Gejammer auf dem Behandlungstisch (wegen kleiner Beinrasur und großer Untersuchung) und schließlich die Botschaft, dass es mit Salbe, Desinfektion und täglichem Verbandswechsel schon gehen müsste und die Reise nach Graz angetreten werden könne, freilich ohne Badespaß in der Steiermark, man kann also nur hoffen, dass es dort nicht allzu heiß wird. Und falls sich der Zeh doch noch entzünden sollte, gibt es auch in Graz ein paar Tierärzte, die sich auskennen, man ist ja nicht in der Wildnis oder auf Hüttentour.

Schlussendlich muss ich zwischen fünf Verbandsfarben wählen, nehme kurzentschlossen die Vereinsfarben des Gatten, die zugleich die der österreichischen Flagge sind, und verlasse schweißgebadet und erleichtert zugleich die Tierklink.