Der September ist die Zeit, Gedichte zu machen, und aus dem Leben ein Gedicht.

[Überschrift des Blogbeitrags frei nach Wilhelm Raabe]

Jagdhund auf dem Jägerkamp.

Eine überaus ereignisreiche und bewegte Woche liegt hinter uns.
3 Schwimmbadbesuche, 2 Läufe, 1 Bergtag (letzterer sogar mit dem kompletten Rudel, denn ab und zu nimmt der Gatte ja doch mal einen ganzen Tag frei), 1 Ausflug mit dem hübsch Bewimperten (schließlich verlangte die Zeit in Pretty Prättigau noch eine gemeinsame Nachbetrachtung), 1 Wiedersehen nach vielen Monaten mit dem Berliner Freund, 1 Sonntagsteeplausch mit D., 1 große Vorfreude auf die nächsten Wochen (u.a. weil sich überraschend noch hoher Blogfreunde-Besuch angesagt hat), und nicht zuletzt 1 passabler Plan für den nahenden Herbst und die Winterzeit.

Unzugänglich schien der Gipfel
Nun begehn wir ihn so leicht.
Fern verdämmern erste Wege,
Neue Himmel sind erreicht.

Urgebirg und offne Länder
Schweben weit, in Eins verspielt.
Städte, die wir nachts durchzogen,
Sind ein einfach-lichtes Bild.

Helle Wolken streift herüber
Uns umweht ihr Schattenlauf.
Große blaue Falter schlagen
Sich wie Bücher vor uns auf.

[Alpinlyrik von Hans Carossa, den im Tölzer Land Geborenen, über den ich vor langer Zeit mal referieren durfte.]

Schauen Sie genau hin: Über dem Herrn Jesus gibt’s noch jemanden!

Nur gut, dass ich mir noch die Zeit nahm, die Tage im Dunstkreis der Drusenfluh ausgiebig zu würdigen, denn morgen machen das Dackelfräulein und ich uns erneut für ein Weilchen aus dem Staub, und das, obwohl es ja gar keinen Staub gibt da herin.
Und auch die nach diesem nicht existenten Staube benannten Mitbewohner gibt es nicht mehr, will heißen, dass wir mittlerweile hier in München endlich wieder psocopterafrei wohnen bzw. leben können, weil – ich wage es mal ganz vorsichtig, das auszusprechen – die kleinen Fieslinge auch nach dem Ende der großen Hochsommerhitze nicht wiedergekehrt sind.

Was ich ebenfalls kaum auszusprechen wage, aber heute Morgen, auf dem Weg zum Postamt, dem bleich dreinblickenden Laternenpfahl, der mich so direkt danach fragte, antwortete: Uns geht’s gerade wirklich gut.

Trotz Corona ist das ein wunderbarer Sommer geworden und der Herbst lässt sich bislang auch gut an. Ja, wer hätte das gedacht?!?

Nehmen wir es dankbar an, werten es als angemessenen Ausgleich für die mehrmonatige Wasserschaden-und-Badsanierungs-Ära (zzgl. diverser Nacharbeiten und dem den Nacharbeiten nachfolgenden Schädlingsbefall), genießen es und behalten im Hinterkopf, dass das Glück ja eh ein Vogerl ist.

So mein Handyvertrag oder ein funktionierendes WLAN in der Fremde es wollen, hören wir uns dann gern von unterwegs.

Machen Sie’s gut & haben Sie eine erfreuliche Woche!

Himmel der Bayern (29): Saisonende mit dem Wilden Fräulein.

Wieder mal: Der Himmel der Bayern.

Da nennt man seinen Blog „Kraulquappe“, weil man sich eigentlich überwiegend als Schwimmerin sieht und auf einmal wird’s ein alpines Tagebuch… Ja mei.
Ganz unerwartet hat sich das diesen Sommer so ergeben. Aber wenn die Landschaft demnächst im grauen Novemberregen versinkt, kommt hier auch wieder anderes. Versprochen.

Vor noch nicht mal einem Monat haben das Dackelfräulein und ich uns den Arsch bei Minusgraden in den Tannheimer Bergen abgefroren (wir berichteten hier), ich schlief mit Mütze und bin auf dem nächtlichen Weg zum Klo fast erfroren – und plötzlich kommt ein Oktober daher, bei dem man morgens in Shorts und T-Shirt auf der Hüttenterrasse frühstücken kann.

Ein besseres Saisonende hätt‘ ich mir nicht vorstellen können.

Gestern Vormittag: Vom Schliersee aus über den Spitzingsattel…

 

…ist die Schönfeldhütte bald erreicht…

 

…und nach kurzer Stärkung geht’s weiter zum Highlight des Tages.

 

Auf fast weglosem Gelände steigen das Dackelfräulein und ich hoch…

 

…zum Wilden Fräulein!

 

Kurz ruhen die beiden Fräuleins dicht beieinander…

 

…danach geht’s auf einem schmalen Jägersteig mit etwas beängstigenden Felsstürzen zur Rechten…

 

…dafür umso schönerem Blick über die Schulter…

 

…durch Latschenkiefern hinüber zum zweiten Gipfel des Tages.

 

Auf dem Jägerkamp bläst’s ordentlich – das Dackelfräulein fürchtet sich…

 

…und ist sichtlich froh, als wir nach dem Abstieg wieder die Hütte erreicht haben…

 

…Rucksack und Schuhe endgültig abgestellt werden…

 

…und der gemütliche Teil des Tages beginnt.

 

In der Nachsaison werden die Hüttenwirte so gnädig…

 

…dass wir sogar eine schnuckelige Koje mit Waschgelegenheit auf dem Zimmer bekommen!

 

Das Abendessen findet ohne Pippa, dafür unter dem wachsamen Blick des eigentlichen Hüttenchefs statt…

 

…aber zum Nachtgassi bei Mini-Alpenglühen (rechts oben auf dem Wilden Fräulein) sind wir wieder vereint.

 

Der neue Tag beginnt wie immer: Mensch ohne Decke am Bettrand, Hund und seine drei Decken in Bettmitte…

 

…immerhin darf der Mensch dann in trockene, warme Schuhe einsteigen…

 

…um die Kompanie hinab an den Schliersee zu geleiten…

 

…damit das Fräulein sich ausgiebig die Pfötchen kühlen kann.

Jetzt isses dann auch mal gut.
Viel gesehen, viel erlebt, viel Material gesammelt – nun ist es an der Zeit, das alles zu ver- bzw. bearbeiten.
Wo Geld raus geht, muss auch mal wieder welches reinkommen. Wenngleich ich erfreut feststelle, dass ich mit jeder Unternehmung sparsamer geworden bin, weniger konsumiere, ohne auch nur den Hauch einer Einschränkung oder eines Mangels zu spüren.
Ein ganz neues Gefühl von Freiheit, so wenig zu brauchen!
Solange eine warme Mahlzeit am Abend und ein Schlafplatz in der Hütte noch drin sind, bin ich rundum zufrieden.

Während ich gestern Mittag meinen mitgebrachten Obstquark löffelte und dazu meine Wasserflasche leerte, trafen mich die mitleidigen Blicke manch anderer Gäste (die sich einen üppigen Kaiserschmarrn reinschaufelten und becherweise Kaffee dazu schlürften). Jemand vom Nachbartisch fragte mich glatt, ob er mir einen Kaffee oder was anderes ausgeben dürfe. Unweigerlich musste ich an damals denken. An den Sommer 2002.

Ich überquerte alleine die Alpen, lief von Mittenwald nach Brixen, von Hütte zu Hütte, bergauf, bergab, 10 Tage lang. Hatte mir Urlaub dafür genommen, das Projekt lange geplant. Geld war kein Thema, ich war in nagelneuer Top-Ausrüstung unterwegs, hatte genug Bargeld dabei, um mich jeden Tag nach Lust und Laune vom Lunchpaket bis hin zum Kaiserschmarrn bestens zu verpflegen.
Einige Tage lang traf ich jeden Nachmittag bei Ankunft an der nächsten Hütte einen Mann mit Hund. Um die 50, schlank, sein Equipment, der Hund und auch er recht zerzaust wirkend.
Täglich kramte er seinen mitgeschleppten Proviant aus dem Rucksack hervor, schnitt Käse, Speck, Brot und Obst, mümmelte es am Rande der gut besuchten Terrassen in sich hinein, bestenfalls gönnte er sich mal ein Getränk. Er schlief im Schlafsack auf der Bank vor der Hütte oder im Keller, manchmal hat ihm der Hüttenwirt auch einen Platz in der Gaststube angeboten. Meist hat er abgelehnt, weil der Hund nicht mit hinein durfte. Spar-Schorsch oder Hunger-Hansl haben ihn manche genannt, und manchmal hat ihm einer was spendiert.

„Nein danke“, entgegnete ich dem Herrn vom Nebentisch, „ich bin wunschlos glücklich“.

Himmel der Bayern (25): Grüsse vom Thresen.

Während draußen ein düsteres Unwetter der Extraklasse wütet, erinnert es sich besonders gut an den gestrigen Bergtag.

Diesmal:
Von Fischbachau auf den Breitenstein. Gut 800Hm, schöne Rundtour. Reine Gehzeit knapp 4 Std, im Gipfelbereich etwas ausgesetzt und felsig.
Start am Parkplatz in Birkenstein, von dort über die Bucheralm auf den Breitenstein, Abstieg über Hubertushütte und Kesselalm zum Ausgangspunkt.

Besonderheiten:
a) der Gatte nimmt wochentags außer der Reihe frei und begleitet uns
b) wir fahren ausnahmsweise mal gen Westen, ins Mangfallgebirge
c) vom Gipfel toller Blick auf den Wendelstein und die Rotwand
d) eine Portion Käsebrot auf der Hubertushütte hätte auch für zwei gereicht
e) auf dem Heimweg Badestopp am Schliersee und Grillstopp beim Papa am Tegernsee

Blick nach Fischbachau und auf die Schlierseer Berge.

 

Erster Blick auf den Wendelstein.

 

Gipfelanstieg zum Breitenstein.

 

Das Dackelfräulein in luftiger Höh‘.

 

Da wollte noch wer aufs Bild 🙂

 

Hubertushütte, unterhalb des Breitensteins.

 

Klassischer Männerjob: Essen und Trinken holen.

 

Letzter Schatten vor dem Abstieg.

 

Rast auf der Kesselalm & Grüsse vom Thresen!

Nächste Ziele: Watzmann, Rotwand, Brecherspitz, Hirschberg, Kramer, Hörnle.
Watzmann rein beruflich (Arbeitstitel des Beitrags: „Mit Waldi auf den Watzmann“, kommt sicher gut), sofern mir das Glück hold ist und der Hüttenwirt den Dackel akzeptiert.

Hoffentlich reicht der Sommer noch für all das, dann wär’s eine Top-Saison gewesen. Und ein Top-Ersatz für den dank Umzug ausgefallenen Urlaub dieses Jahr.

Ein schönes Wochenende wünscht
Die Kraulquappe.