Melius est pedibus mori quam genibus vivere.

In der Nacht zum Ostermontag erschließt sich mir gegen 1 Uhr endlich, mehr als drei Jahrzehnte nach Erreichen des großen Latinums, die Bedeutung dieses altbekannten Aphorimus‘. Jawohl, wie wahr: Es ist besser, aufrecht stehend zu sterben, als auf Knien zu leben.
Zumindest auf mein lädiertes, rechtes Knie trifft das derzeit voll und ganz zu.

Nach Durchlaufen der gesamten limnischen Farbpalette gibt das mittlerweile zwar einigermaßen abgeschwollene, aber immer noch arg angeschlagene Knie nun neue Rätsel auf.
Was ist das für ein hässlicher, eiförmiger, wabbeliger Knubbel mitten auf der Patella?
War die krasse Kante, die darunter tastbar ist, eigentlich schon immer da?
Was hat der stechende Schmerz am Übergang zum Wadenbein zu bedeuten?
Und warum tut das Anziehen des Sockens deutlich mehr weh als das Ausziehen?

Das Internet spuckt dazu die wildesten Theorien aus, Sie wissen bestimmt, was ich meine: hochspekulatives Symptomgegoogel, noch dazu im Dunkel der Nacht, führt ja in den seltensten Fällen zu Erleuchtungen, und erst recht nicht zur Aufhellung der Stimmung.
Um diesem Spu(c)k ein Ende zu setzen, buche ich um 2 Uhr einen Termin bei einem Sportmediziner, der den beunruhigenden Untertitel „Orthopäde und Unnfallchirurg“ trägt, aber haufenweise gute Bewertungen hat.
Super Sache, Doctolib macht’s möglich, dass man sich für sowas nicht mehr werktags ans Telefon hängen muss.

Die Praxis ist ums Eck, endlich mal wieder ein Vorteil dieser innenstadtnahen Wohnlage (die derzeit ansonsten mehr Nachteile hat, allein wegen der dreimal pro Woche stattfindenden Autokorso-Demos diverser Quermeiner in unserem erweiterten Vorgarten), denn hier ist fast jeder Facharzt ums Eck und auch jegliche Art von Klinik. Schon morgen kann ich zum letzten freien Termin am Nachmittag da hinhumpeln, um Antworten zu bekommen.
Meine Wunschantwort wäre: „Es ist nix ernsthaft kaputt in Ihren Knie, aber zur Ausheilung dieser üblen Geschichte müssen Sie ab sofort täglich zum Aquajogging und Schwimmen gehen, da führt kein Weg dran vorbei / Hier haben Sie ein Rezept für die ersten 4 Wochen, über eine meiner Einschätzung nach absolut sinnvolle Verlängerung sollten wir spätestens in 2 Wochen sprechen / Leider liegt die einzige Reha-Einrichtung mit einem geeigneten 50m-Therapie-Schwimmbecken in Bad Reichenhall, weshalb ich Ihnen auch eine Verordnung für den stationären Aufenthalt in der Orthopädischen Klinik vor Ort mitgeben muss / Für Kurgäste gibt es übrigens auch eine Sondervereinbarung mit der örtlichen Therme, da sich begleitende Saunabesuche, Dampfbäder und Massagen als ausgesprochen heilungsfördernd für Kontusionen herausgestellt haben / Hoffentlich stört es Sie nicht, dass es sich um eine Klinik handelt, in der die Mitnahme von Haustieren gestattet ist, das ist ja nicht jedermanns Sache“ .
Drücken Sie mir die Daumen, dass das in etwa so ausgeht!

Die Nächte sind also momentan noch kürzer als sie es wegen der Gelenkschmerzen eh schon waren. Die beiden Facharzttermine zur diesbezüglichen Abklärung (übernächste Woche!) werde ich hoffentlich noch wahrnehmen können, bevor ich mein Köfferchen für Bad Reichenhall packe, um mit meinem Hündchen dort bis Ende Mai den Aquafreuden zu frönen und ausgewählte Sequenzen des Zauberbergs nachzuspielen.

Als ich um 3 Uhr immer noch wachliege – als routinierte und beflissene Gattin legt man ja gedanklich sofort etliche Listen an, was vor einer längeren Abwesenheit des Hausvorstands noch alles zu bedenken und zu erledigen ist – studiere ich Testberichte zu Geschirrspülmaschinen.
Aus der unseren (das Glump, das wir vom Vormieter überteurt ablösen mussten) tritt seit Neuestem nämlich unten etwas Wasser aus, womit ihr nun endgültig der Haushaltsgerätefriedhof droht, da dieser Defekt das i-Tüpfelchen (bzw. -Tröpfelchen) auf all den anderen Mängel ist, über die wir schon seit Monaten fluchen, allen voran über jenes Ärgernis, dass der Reiniger auf jeglichen Gegenständen im oberen Spülkorb einen unangenehmen Film hinterlässt, der a) dem Morgenkaffee eine Bitternis verleiht, die gerade in Zeiten wie diesen, die eh schon bitter genug sind, als nicht hinnehmbar bezeichnet werden muss (obwohl es ein Bio-Reiniger ist) und b) dazu führt, dass wir entweder gleich das meiste von Hand spülen oder eben dem mangelhaften Haushaltsgerät ständig hinterherputzen und -polieren.

Um 4 Uhr ordere ich schließlich online ein sensationelles Schnäppchen von BOSCH (mit Besteckschublade und Auto-Open-Funktion, aber ohne anheimelnde Innenbeleuchtung und saucoole Steuerung via Bluetooth, denn mein technisch wenig verwöhntes Hausfrauenherz schlägt bereits bei so einer wunderbar ordnungsfördernden Schublade hörbar höher) und bin hellauf begeistert, dass mir als Liefer- und Montagetermin bereits der kommende Donnerstag angeboten wird, womit ich mich sofort einverstanden erkläre.
Das ist ja wirklich mal zum Niederknien schön, wie man so sagt, selbst wenn man derzeit nicht zu den Glücklichen gehört, die das auch tun können.
Dass ich mich dermaßen über die Bestellung eines neuen Geschirrspülers freue, gibt mir zwar ein wenig zu denken, da es aber zwischenzeitlich 4:17 Uhr ist, erwäge ich nicht ernsthaft, zur Untersuchung dieses Übels einen weiteren Arzttermin via Doctolib zu vereinbaren, sondern lasse ich mich stattdessen für dreieinhalb Stunden in Morpheus‘ Arme fallen.

Den Ostermontag widme ich dem Vorbereiten und Durchführen der Demontage des Altgeräts, denn falls ich die helfende Gattenhand hierfür benötigen würde, wäre Eile geboten, morgen reist er nämlich dienstlich (das neue Codewort für „haussegenstabilisierende Maßnahmen in Seuchenzeiten„) für einige Tage in seine Universitätsstadt und unseren Hausmeister, der seine speckige Maske stets schwerschnaufend und knapp unter dem Riechkolben trägt, will ich in dieser Angelegenheit lieber nicht bemühen, außerdem hat der auch Knie, wie er mir neulich berichtete.

Um es abzukürzen: Es war ein ziemliches Gefummel und auch ein Mordsdreck, die Details erspare ich Ihnen, jedenfalls war ich (bis auf 1x kurz Hochhebenhelfen) ganz ohne Männerhände erfolgreich und das zur Entsorgung präparierte Altgerät steht jetzt auf dem gottseidank noch nicht voreilig bei den ersten Frühlingssonnenstrahlen vom großstädtischen Winterschmutz befreiten Balkon.

Ich werde Ihnen hier kein Foto zumuten, auf dem Sie erkennen könnten, was Vormieter und Zahn der Zeit so alles unter der alten Spülmaschine gehortet oder hinterlassen haben, schließlich möchte ich Ihnen keinesfalls das Feiertagsfestmahl verderben.

Stattdessen erlaube ich mir, den Heimwerker/innen unter Ihnen die Frage zu stellen, ob Sie vielleicht einen Rat für mich hätten, wie ich den Spülmaschinen-Ablaufstutzen am Siphon (oder wie auch immer man das nennt – halt das Teil, auf das der grüne Pfeil in der nachfolgenden Abbildung zeigt) bis Donnerstag so abdichten oder verschließen kann, dass ich halbwegs angstfrei oben drüber den Abwasch machen kann und die Nachbarn unten drunter nicht gefährdet werden.

Bitte fragen Sie nun nicht Ihrerseits zurück, ob ich irgendwelches Rohrzubehör, Dichtmaterial oder Spezialwerkzeug daheim rumliegen habe, das ist selbstverständlich nicht der Fall, es muss also eine kreative, hausfrauenfreundliche, männerhilfeunabhängige und einfache Lösung sein, die zumindest ein klein wenig stabiler daherkommt als diese hier.

Ich danke Ihnen schon im Voraus für Ihre Unterstützung, lade Sie als Dankeschön für Ihren Rat in der Post-Seuchen-Ära, falls es die je geben wird, gern mal auf einen Kaffee aus einem rückstandsfrei gereinigtem Haferl zu mir ein, sende Ihnen nun mit hochgelagertem Knie nochmals herzliche Ostergrüße von der heimischen Couch und werde mir jetzt (etwas früher als üblich) mein Feierabendbier öffnen, bei dem ich sowohl Zu- als auch Ablauf noch bestens unter Kontrolle habe.

But it’s so hard to dance that way when it’s cold and there’s no music.

[aus: „Hold on“ von Tom Waits – einem jener 10 Songs, die ich mitnähme, wenn ich auf eine einsame Insel verbannt würde und nur 10 Songs dorthin mitnehmen dürfte – er quillt schier über vor Zeilen, an denen ich extrem hänge, nicht nur in lyrischer Hinsicht, und zu seinem Refrain schlüge ich die Kokosnusshälften rhythmisch aneinander, wenn ich hüftwippend, so es die Gelenke noch hergäben, am Sandstrand dem Sonnenuntergang entgegenschwankte.]

Ganz richtig: kalt ist es wieder geworden. Auf den Schwingen eisiger Winde reitet der Winter nun hoffentlich ein letztes Mal durch die Lande.
Wir folgen seinen Spuren, was soll man auch sonst tun, außer die meteorologischen Launen so zu nehmen, wie sie nunmal daherkommen, ein klein wenig irritiert sind wir halt, dass wir binnen einer Woche gleichermaßen intensive Begegnungen mit Sister Spring und Väterchen Vrost zu verzeichnen haben.
Auf der neu entdeckten Privat-Alm in den Garmischer Bergen, auf der der hübsch Bewimperte und ich eben noch leichtbekleidet in die Sonne blinzelnd unsere Kuchenstückchen verzehrten, frieren der Gatte und ich uns bloß wenige Tage später ziemlich den Hintern ab, was aber auch damit zu tun haben mag, dass wir, verschwitzt wie wir nach zwei Stunden Bergtour sind, unsere Ersatzpullover nicht selbst anziehen, sondern das Dackelfräulein damit umwickeln, damit wir wenistens eine kurze Rast einlegen können ohne dass die Hundedame zu zittern anfängt.

Und, um nochmal auf das Waits-Zitat zurückzukommen: die live genossene Musik, sie fehlt mir, und wie, schließlich futtert man ja auch sonst nicht gern dauerhaft Konservenkost.
Wobei ich mich momentan gelegentlich mit Waits zudröhne oder am Willy DeVille berausche (während ich diesen Absatz tippe, höre ich beispielsweise zum wiederholten Mal „The Way We Make A Broken Heart“ – welch göttliche Diktion, und überhaupt: was für ein cooler, begabter Typ mit so einem Mordsorgan, leider braucht man auf seine Live-Auftritte ja nicht mehr zu hoffen).

Kunst im Café Kustermann.

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Vor einem Jahr, wir befanden uns gerade mitten in den Nachwehen der wasserschadenindizierten Badsanierung und kurz vor dem Antrittsbesuch der Vorhut einer zähen Psocopterapopulation, wurde der erste Lockdown verkündet.
Krass, ein Jahr Pandemie, und ein Ende noch immer nicht absehbar. Hat niemand hören wollen, als Wissenschaftler das damals genauso voraussagten („Eine Pandemie dauert üblicherweise zwei Jahre.“ )
Als Rückschau sei Ihnen diese vortreffliche Zusammenfassung auf einem benachbarten Blog wärmstens empfohlen, ich hoffe, der Verfasser führt seine gelungene Chronik auch in 2021 fort, ich schätze seinen Schreibstil ebenso sehr wie viele seiner Sichtweisen.

Mittlerweile haben wir nicht nur eine neue Sprache sowie die Kunst der Selfmade-Überbrückungsfrisur erlernt, sondern uns auch die Füße wundspaziert (oder -gejoggt), die Finger wundgekocht (oder -gebacken) und haben einander ungefähr in jenem Maß viel zu selten gesehen, in dem wir einander demnächst oder bereits jetzt viel zu verzeihen haben (wer auch immer die Beteiligten des „einanders“ sein mögen). Kleine oder größere Zerwürfnisse schleichen sich im Schlepptau der Seuche ja auch im Privaten ein – ich möchte wetten, jede/r von Ihnen ist irgendwo in ihrem/seinem näheren Umfeld schon mit einem Virusverharmloser oder Querquengler konfrontiert gewesen.

Seit Monaten treffe ich beispielsweise B. nicht mehr, und das nicht nur, weil man derzeit die Kontakte reduzieren soll, sondern weil B. sehr eng mit Menschen zusammenlebt, die sich nach wie vor fröhlich mit Gleichgesinnten zum Singen oder zu Kaffeekränzchen versammeln, ungern Maske tragen, aber gern unmaskiert und distanzlos zu Protestmärschen gehen.
Er sieht das zwar durchaus kritisch, im Falle des Falles würde mir sein Stirnrunzeln aber nicht viel helfen, außerdem gehört er, wie ich erst jetzt erfuhr, weil wir uns in den zwanzig Jahren unserer Freundschaft schändlicherweise nie übers Impfen unterhalten hatten (wozu auch?), zu denen, die allen Impfungen gegenüber gewisse Vorbehalte (um nicht zu sagen: eine kritische Distanz) hegen, wenn auch nicht wegen Mr. Gates und seinen Mikrochipmachenschaften. Wir gerieten daher im Januar ein klein wenig aneinander, was die jeweilige Bereitschaft zur Injektion eines Vakzins (und den möglichen Konsequenzen daraus) anging, Stichwort: Impfzwang kommt zur Hintertür herein.
Bestenfalls könnten wir nun versuchen, unsere Unstimmigkeiten draußen ausdiskutieren (denn B. mag längeres Telefonieren noch weniger als ich), aber mal ehrlich: Spazierengehen mit anderthalb Metern Abstand haut in den allermeisten Fällen doch eh nicht hin, wenn man sich lange und gut kennt, die wenig frequentierten Wege schmal sind, einem ein kalter Wind um die Ohren pfeift und man normal reden und einander nicht anbrüllen möchte.
In einer Email habe ich ihm meine Haltung erläutert, einiges zu der seinen nachgefragt und meinem Unmut über sein umgangserschwerendes Umfeld Luft gemacht, jetzt schlummert seit 14 Tagen seine ungelesene Antwort in meinem Postfach. Als ich die vierzeilige Textvorschau im Handy erblickte, ärgerte ich mich nämlich so sehr, dass mir die Lust aufs Weiterlesen augenblicklich verging. Ich verschob es auf den nächsten Tag, dann auf den übernächsten und so weiter.
Dabei fiel mir der Freund ein, der kein Freund war: der las manchmal seine Emails monatelang nicht, manche wahrscheinlich sogar nie (und zwar auch solche, die gar keine Antwort auf etwas waren, sondern einfach so eintrudelten). Ich hielt das damals für reichlich bekloppt und paranoid, aber siehe da – nun bin ich auch mal an diesem Punkt angekommen.
Mein Pensum an Coronacolloquien dieser Couleur ist längst erreicht und ich habe gelernt: ab einem gewissen Grad der Meinungsverschiedenheiten oder des Aneinandervorbeiredens kann man sich die Worte sparen und zieht sich besser darauf zurück, dass ja eh noch Kontaktbeschränkung herrscht.
Warten wir also (m)eine Impfung ab oder gleich das Ende der Pandemie, wobei die beiden Ereignisse (wahrscheinlich und hoffentlich) zeitlich einigermaßen zusammenfallen dürften.

Die KoCo19-Studie der Uni München geht gerade in die dritte Runde, auch hier ist kein Ende absehbar. Was insofern gut ist, als ich eh noch etwas üben muss, um mir den Piekser nicht jedes Mal zu tief in die Fingerbeere zu rammen. Ich praktiziere das exakt auf die Weise, in der ich mir als Kind die Pflaster von den Knien abgerissen habe: ratzfatz & mit einem schnellen und festen Ruck, damit es nicht unnötig schmerzt. Bei Blutentnahmen aus der Fingerbeere scheint das aber keine ideale Technik zu sein: diesmal habe ich stundenlang nachgeblutet und die Fingerkuppe tat Tage später, als ich den umfangreichen Fragebogen zur aktuellen Studienrunde ausfüllte, immer noch weh.

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Der Papa ist zwischenzeitlich vollends zum Pandemiepessimisten mutiert, der auf jede düstere Prognose von Wieler, Drosten & Co. stets noch eine Schippe drauflegt, natürlich nicht in virologischer oder epidemiologischer Hinsicht, sondern in wirtschaftspolitischer, womit er sich nach wie vor auszukennen glaubt, und ich fürchte (mich an seine Aussagen vom Frühjahr 2020 erinnernd), mit so manchem wird er wohl auch weiterhin richtig liegen.
Morgen werde ich ihn, sofern der Schnelltest nichts Gegenteiliges anordnet, am tief verschneiten Tegernsee besuchen und ihm endlich die Fondant-Eier mitbringen, die er so liebt und die ich neulich in einer Confiserie in Tölz für ihn mitgenommen habe.
Diesmal habe ich mir fest vorgenommen, die Themen Parkinson, Treppenlift & Co. nicht von mir aus anzusprechen, nachdem wir uns unlängst am Telefon in die Haare bekommen haben als er mir die Schnapsidee unterbreitete, sich nun doch nicht bei einer Seniorenresidenz auf die Warteliste setzen zu lassen, weil er (und die Lebensgefährtin) ja dann, wenn es im Haus gar nicht mehr ginge, erstmal in ein Hotel oder in eine Ferienwohnung umziehen könnten, um dort (unter Zuhilfenahme einer Zugehfrau und anderer externer Dienstleister) die Wartezeit auf einen Platz im Altenheim zu überbrücken. Gerade rund um den Lago di Bonzo ist das wirklich ein ausgesprochen cleverer Einfall, der eigentlich sehr gegen eine ökonomische Expertise des Papas spricht.

Der Begriff Pandemiepessimist ist übrigens auf meinem Mist gewachsen, schließlich möchte auch ich mal einen Beitrag zum Seuchensprachschatz leisten, nachdem solche Kracher wie Impfneid oder Masken-Raffke bedauerlicherweise anderen schon eher eingefallen sind als mir.
In dem Kontext ist auch die „atmende Öffnungsmatrix“ (Markus Söder, am 4. März 2021) ganz unbedingt erwähnenswert, nicht zuletzt deshalb, weil ich just an jenem Tag, an dem ich erstmals von diesem Neologismus las, meine persönliche „nicht-atmende Isolationsmatrix“ geordert hatte.

Die Wassertaufe der Ausrüstung für das zwangsweise neue Hobby muss noch etwas warten, zum einen, weil (wie eingangs erwähnt) der Winter wieder zurückgekehrt ist, zum anderen, weil ich die 30-tägige Rückgabefrist voll ausnutzen möchte, um mir darüber klar zu werden, ob die Gummihaut wirklich so sitzt wie sie soll (an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön an den Blognachbarn & Neoprenexperten, der mich so geduldig berät), und falls ich das Teil behalte, muss ja noch weiteres Equipment bestellt werden, weil man auch Kopf, Hände und Füße im 10-12 Grad warmen kalten See irgendwie bedecken sollte, bevor man da drin einen oder zwei Kilometer ohne Zähneklappern schwimmen kann.

Ob die Frühlingsschur bis dahin halten wird? Ob ich meinen Friseur in 8 Wochen wohl erneut aufsuchen kann? Das Wiedersehen nach vier Monaten war letzte Woche – so weit ist es schon gekommen! – tatsächlich ein kleines Highlight. Auch für den Friseur, weil der sich über jeden Kunden gefreut hat, der mit einem ähnlich dämlichen Gag wie dem meinigen seinen Salon betrat (eine Kundin kam wohl mit Lamettaperücke, eine andere mit Sturmhaube verhüllt, ich kam komplett maskiert und mit umgehängten Identifikationsschild).

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Am vergangenen Wochenende fällt nicht nur einen Tag lang das warme Wasser im Mietshaus aus, sondern auch die neuen Nachbarn gestatten sich ihren ersten Ausfall. Zwei Nächte in Folge ordentlich Krach, bis nachts um 2 Uhr. Wüsste man nicht, dass es Franzosen sind, man würde sie für ein Rudel Italiener halten, so laut, durcheinander und schnell wie die quasseln können.
Ich ringe 36 Stunden mit mir, verfasse dann aber doch ein für meine Verhältnisse überfreundliches (und zugleich sehr direktes) Schreiben und lege es auf die hässliche, ebenfalls recht unfranzösische Fußmatte der Wohnung über uns.
Ja, ich weiß, man sollte reden in solchen Fällen, immer und überall wird einem dazu geraten: man muss reden.
Ganz bewusst habe ich mich diesmal dagegen entschieden zu reden, weil ich nämlich nicht Gefahr laufen möchte, womöglich redend in einer Diskussion mit mir wildfremden Menschen zu landen, die zufällig seit 7 Wochen über uns leben, mit Bodenblick durchs Treppenhaus huschen ohne sich ihrerseits mit den Nachbarn bekannt zu machen und die mir nun zwei Nächte in Folge kolossal auf den Keks gegangen sind.
Da gibt es nix zu diskutieren, sondern lediglich etwas mitzuteilen und eine Bitte zu äußern (und dank Corona hat man ja derzeit einen handfesten Grund, längeres Gerede im Treppenhaus noch mehr zu meiden als ich das eh schon immer tat).
Zur Zeit rede ich ohnehin schon viel mehr als mir lieb ist, aus Gründen, über die ich mich hier nicht näher auslassen möchte, weil das einer mir nahestehenden Person gegenüber zu indiskret wäre.
Jedenfalls bin ich in Sachen Reden momentan am Anschlag, da brauch ich nicht auch noch ein Problempalaver mit französischen Nachbarn italienischen Temperaments.

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Nicht nur mit den Nachbarn ist es gelegentlich ein Kreuz, man hat ja auch noch sein innerfamliäres Kreuz zu tragen.
Kommt der Gatte neulich vom MRT-Termin nachhause, die 240 Bilder von seinem Schädel auf einer CD mit im Gepäck, und aus Neugier stecken wir den Datenträger gleich ins Laufwerk, klicken einfach mal irgendwo hinein in diesen schwarzweißwinzigen Kästchensalat, weil vielleicht erkennt man ja irgendwas, auch wenn man außer längst verstaubten Schulwissensresten nicht mehr viel parat hat zum Thema Gehirn.
Ein Doppelklick öffnet das jeweilige Bildchen und vergrößert es sofort bildschirmfüllend. Beim zwanzigsten Klick erkennen wir plötzlich etwas, erschrecken und finden es dann doof, dass es bis zur Besprechung der Aufnahmen mit der Neurologin noch über eine Woche dauert.

Unverantwortlich von dem Radiologen, einen mit so einer Horrorsache heimzuschicken, erst recht in Zeiten wie diesen, finden Sie nicht auch?
(Um das gleich auflösen: inzwischen gab es Entwarnung. Unsere Interpretation war blanker Unsinn und im Oberstübchen des Gatten befindet sich nichts, was dort nicht auch sein sollte, zumindest aus neurologischer Sicht.)

In den überschaubaren Schlafphasen zwischen den nächtlichen Gelenkschmerzattacken träume ich derzeit viel und intensiv, leider nur selten verständliche oder vollständige Geschichten, es handelt sich eher um einzelne Episoden ohne richtiges Ende. So träume ich beispielsweise von einem weiteren Wasserschaden in unserer Wohnung, der meinen gesamten Kleiderbestand ruiniert, generell kommt häufig irgendwas mit Wasser vor, aber auch von nebligen Gassen in Bad Gastein, in denen ich etwas finde, von dem ich gar nicht wusste, dass ich es überhaupt suche, träume ich. Oder von grünen Holzbooten mit Hundekörbchen im Heck sowie von der leicht zernäselten Stimme Karl Lauterbachs, die mir im Radio eine Parabel von Kafka vorliest während ich Rosenkohl putze und von einer Begegnung mit einem feschen Fremden, der aussieht wie Johnny Depp zu jenen Zeiten, als Johnny Depp noch so aussah wie Johnny Depp und nicht wie ein trauriges, verdörrtes, bleiches Nachtschattengewächs.

Tagsüber rede ich zu viel, schreibe zu wenig, und komme insgesamt nur bedingt zu dem, wozu ich kommen möchte oder sollte, die Alltagsroutinen leiden aber nicht allzusehr darunter.
Das Akkordeon ruht im Augenblick, ich war an einem Punkt angelangt, an dem ich neuen Input und Unterricht bräuchte, aber mein Lehrer mit dem schönen bayrischen Namen sitzt gelockdownt irgendwo an der Grenze zur niederbayrischen Provinz und alleine schaffe ich das mit Lili Marleen nicht.
Einmal pro Woche geht’s nach Möglichkeit auf einen Berg und ebenfalls einmal geht’s auf die Yogamatte. Dazwischen die üblichen Runden im Park, zur Abwechslung gestern sogar mal in entgegengesetzter Richtung. Und kaum ändert man etwas, da rächt sich das auch sogleich, denn indem ich eine der Parkbänke mal aus anderer Perspektive sehe, kann ich zwangsläufig erkennen, wer auf ihr sitzt. Und das ist ausgerechnet R., einer der fünf Männer in meinem Leben, die meinten, mich heiraten zu wollen, was freilich – und ich sage das ohne jede Koketterie – nicht nur grob fahrlässig, sondern ein grober Irrtum war bzw. spätestens nach Umsetzung des Vorhabens sich als ein solcher erwiesen hätte (und es 1x auch hat), zumindest bei vieren von ihnen (am absurdesten seinerzeit der Antrag von U.: der kam zwei Jahre nach dem Ende unserer katastrophalen Beziehung mitten in eine schon länger andauernde Funkstille hinein, und das auch nur, weil ihm zu Ohren gekommen war, dass der Gatte auf der Matte stand).
Glücklicherweise sieht R. mich nicht (oder tut so als ob er’s nicht täte), er starrt stur in seine To-go-Lunch-Box, ich denke noch kurz, wie alt er doch geworden ist (7 Jahre nicht gesehen) und ändere umgehend meine Laufrichtung.
Abends essen wir nach wie vor gut und reichlich, sogar ein paar neue Gerichte bereichern zwischenzeitlich den Speiseplan.
Zu fortgeschrittener Stunde stürzen wir uns meist auf unsere derzeitige Serie „Better call Saul“ , Staffel 4, glaube ich, der Gatte wüsste es genauer, weil das ja sein Metier ist. Dieses Kleingangstermilieu lässt mir wie schon so oft das Herz aufgehen, ich gestehe, dass mich gewaltfreies Ganoventum wirklich anspricht und manche der gelungenen Gaunereien gehen mir danach noch tagelang durch den Kopf. In jedem Fall ist die Serie ein wunderbarer Kontrapunkt zur vorherigen, die „In Therapie“ hieß und nach der ich beinahe auf ungute Weise süchtig war und häufig schlecht oder wirr träumte.
Ab und an sehe ich mir abends auch Natur- oder Tierfilme an, der Anblick sich an den Westküstenstränden Irlands paarender Kegelrobben oder ausgedehnte Adlerflüge über die Walliser Alpen bescheren mir wenigstens ansatzweise das, was früher mal ein Saunabesuch bewirken konnte, sofern kein Frauenratschclub in den Schwitzkammern schwatzte: Ruhe, Tiefenentspannung, Regeneration.

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Der Kalender offenbart heute noch ein weiteres Jubiläum, das wesentlich feiernswerter ist als der Jahrestag des Virus‘ oder des Lockdowns Nr. 1: Am 17. März vor neun Jahren fuhren wir aus einem kleinen Dorf im Landkreis Erding bei strahlendem Sonnenschein (und ebensolchen Gesichtern) mit einem fast frisch geschlüpften, total entzückenden Minihund auf dem Schoß nachhause.

Und der Alltag wurde ein ziemlich anderer als zuvor – so viel haben sie dann immerhin doch gemeinsam, diese beiden heutigen Jahrestage.

Wortwechsel zum Wochenende.

Die neuen Laufschuhe in dezentem Petrol (um ein Haar hätte ich sie, in einem Anflug von Frühlingssonnenübermut, in Knallorange bestellt) sind so gut gefedert und so herrlich unausgelatscht, dass ich noch eine Extrarunde drehe vor lauter Begeisterung über dieses viel leichtere und bessere Sprintgefühl.
Zugleich kam mir ihr Eintreffen (genau genommen: bereits der Online-Kauf) vor, als hätte ich damit die Verlängerung des Schwimmshutdowns für mindestens ein weiteres Quartal besiegelt. Das ist albern und irrational, aber bei Weitem nicht der einzige Seelensektor, in den sich mittlerweile ein paar Verschiebungen (um nicht zu sagen: Verrückungen) eingeschlichen haben.
Nach vier Monaten ohne jede Bewegung im Wasser (vom Räkeln in der Badewanne abgesehen) hat sich dort, wo sich seit Jahrzehnten (m)eine Nixenflosse befand, ein anderes Körperteil formiert, für das ich noch keinen Namen habe und das sich immer noch nicht so ganz zu mir gehörig und fremd anfühlt.
Zu diesem Mutationsprozess passen die nächtlichen Gelenkschmerzen, die mir seit Monaten regelmäßig den Schlaf rauben, eigentlich recht gut. Einziger Trost: dieses Ziehen und Stechen in allen Gelenken ist ein reiner Ruheschmerz (was für ein äußerst seltsames Kompositum: Ruheschmerz), d.h. tagsüber bzw. in Aktion tut mir nichts weh, aber die Lösung kann ja wohl kaum darin bestehen, dass ich mich 24 Stunden am Stück dauerbewege und den Nachtschlaf an den Nagel hänge.

Internet, Fachliteratur und der gesunde Menschenverstand ordnen die Beschwerden nur in sehr geringem Maß der seuchenbedingten Schwimmbadschließung zu, sondern vielmehr den Wechseljahren. Ein Begriff, den ich übrigens als pure Zumutung empfinde und ich erläutere Ihnen gern, weshalb.
Über dreißig Jahre allmonatlich von einer zeitlich viel kleiner klingenden Einheit, nämlich den Tagen (oder, auch das klingt noch überschaubar: der Monatsblutung) terrorisiert-traktiert-traumatisiert, da seit TeenagerTagen (sic!) mit einer Krankheit namens Endometriose umgehend, die immer noch kaum bekannt ist oder zu oft tabuisiert wird, – zusammengerechnet dürfte ich so um die 1000 Tage innerhalb der Tage mit übelsten Schmerzen zugebracht haben, die dank zweier Operationen in manchen Monaten nur 36 Stunden statt (vor den OPs) 72 Stunden anhielten, und nun, da diese periodische Plage endlich mal abflaut, wird medizinisch und sprachlich noch eine Schippe draufgelegt und statt Tagen (oder dem Monatswasweißichwas) ist für das nun Bevorstehende diesmal gleich von Jahren (!) die Rede.
Nein, echt nicht, das mach‘ ich nicht mit (genauso wie ich mich seit jeher konsequent von den Fellnasen, diesem verbalverhätschelnden Vierbeinersynonym, fernhalte, die einem etwas vorgaukeln, das der realen Erscheinung gar nicht entspricht), ich lasse mir nicht schon zu Beginn dieses Fruchtbarkeitsfinales (lustig: aus Versehen tippte ich zunächst Furchtbarkeitsfinale und erwog, das einfach so stehenzulassen) suggerieren, dass einen die diversen Begleiterscheinungen dieser großartigen neuen Phase im Frauenleben ja nicht unentwegt piesacken, sondern eher stunden- oder tage-/nächteweise, also keinesfalls 365 Tage im Jahr und das womöglich auch noch jahrelang.
Die Kurzform Wechsel geht schon gleich gar nicht, das hat was von Geldgeschäft oder Tauschhandel, und Klimakterium ist mir rein etymologisch auch nicht sympathischer, ich werde wohl noch weiterschauen müssen, ob mir was Passendes einfällt oder vielleicht lasse ich diese Phase auch einfach namenlos vorüberziehen, denn in Sachen Gynäkologie hab ich jedes normale Pensum an Drüberredenwollen und Michdamitbefassenmüssen eh schon weit überschritten.

Wo wir gerade bei Frauenangelegenheiten sind: Beim Frühstück einen selten dämlichen Artikel aus dem aktuellen SPIEGEL über Frauen um die 50 (so auch dessen Überschrift) gelesen, den mir der Gatte (in seinem Nebenjob als häuslicher Pressespiegelbeauftragter) auf meinen Lektürestapel gelegt hat, um anschließend mit mir gemeinsam über diesen Blödsinn lästern zu können, allein der Untertitel („Die beste Zeit unseres Lebens ist jetzt“) und das damit verbundene Glücklicherdennje-Geseiere vergällt einem fast den samtigsüssen Geschmack der Marillenmarmelade auf dem Ersttoast. Ich verlinke diesen Beitrag hier nicht, weil er online (gottseidank) nur dem erlauchten Abonenntenkreis zugedacht ist und Sie somit nur die ersten paar Zeilen lesen könnten (wobei das auch genügen würde).

Bevor ich mir nun, einigermaßen ausgedampft vom ausgiebigen Parklauf, die Badewanne einlassen werde, möchte ich noch die in einer der kurzen Schlafphasen zwischen den unruhigen Ruheschmerzepisoden der vergangenen Nacht geträumte Begebenheit notieren.
Ich war von meinem Arzt zu einer Vernissage eingeladen (real werde ich nie zu Vernissagen eingeladen) und fuhr in einem roten VW Käfer (herrlich!) zu der in der Einladung genannten Adresse. Es handelte sich um ein großes, weißes Haus in terrassierter Bauweise, schöne Hanglage mit grandiosem Weitblick über eine vom Hochsommer verdörrte Landschaft, die mich an die Steppe rund um Albuquerque erinnerte (zu viel „Breaking Bad“ geglotzt, wenn diese Szenerie nun schon in Träumen präsent ist). Augenblicklich fand ich mich zu schlecht gekleidet (weiße Sommerbluse mit hochgekrempelten Ärmeln, Jeans mit Loch am Knie, alte Ledersandalen), um ein solch nobles Grundstück betreten zu dürfen, gab mir dann aber einen Ruck und läutete.
Dr. T. holte mich am Gartentor ab, hieß mich willkommen und über etliche steile Treppen stiegen wir hangaufwärts in Richtung Haus. Ich war etwas eingeschüchtert von der überaus gepflegten Gartenanlage (üppige Palmen, blühende Kakteen, Zitronenbäume…!), sagte nichts und staunte stumm vor mich hin. Kurz bevor wir die Hauptterasse erreichten, wo sich wohl auch der Hauseingang befand, blieb er stehen, zeigte auf ein etwas abseits liegendes Areal seines Gartens und meinte: „Da hinten wäre etwas für Sie, wollen Sie mal gucken gehen?“. Ich nickte, ging alleine weiter, bog auf dem gekiesten Weg um eine Ecke und entdeckte etwas Blaues, das durch die Bepflanzung hindurchschimmerte. Vielleicht ein Pool?
Näherkommend sah ich: es waren drei riesige Schwimmbecken, blitzsauber, nagelneu und türkisblau gekachelt. Sie waren, genau wie das Haus, terassenartig angelegt und miteinander durch Rutschen verbunden (geschwungene, bunte Rutschen, wie in diesen Familienspaßbädern). In allen drei Pools glänzte die Oberfläche ruhig und glatt im Sonnenlicht, gänzlich unberührt lag das wunderbare Wasser vor mir, um die Becken herum keine Menschenseele weit und breit, und ich tat dann etwas, das ich im echten Leben so nicht tun würde, zumindest nicht auf einem mir fremden Privatgrundstück und in relativer Nähe um die Anwesenheit anderer Menschen wissend, die mich vielleicht sehen könnten: ich warf meine Klamotten ab und sprang splitternackt in den obersten der drei Pools, kraulte wie eine Irre hin und her, ließ mich von der Rutsche in den zweiten Pool befördern, die Nahtstücke der einzelnen Rutschenteile taten mir höllisch am Steißbein weh, zudem verschluckte ich beim Rutschen eine Menge Wasser, das nicht nach Chlor, sondern nach Bitter Lemon schmeckte, vielleicht sogar nach Wodka Lemon, dem Lieblingsgesöff meiner Jugendjahre, ich landete hustend und prustend in dem unteren Becken und wollte dort in Rückenlage weiterschwimmen, eher: weitertoben, drehte mich im Wasser liegend um, den Blick gen Himmel gewandt, der auf einmal nicht mehr strahlend blau war, sondern grau und wolkenverhangen, und nach wenigen Schwimmzügen prasselte mir Regen ins Gesicht, harte, spitze Tropfen, kurz noch der Gedanke „Verdammt, mit pitschnassen Klamotten kann ich mich nachher nicht auf der Vernissage blicken lassen…“ und dann sah ich den silbrigen Blitz, der so aussah wie ein Kind ihn malen würde (zickzackzickzack und unten eine Pfeilspitze dran) vom Himmel hinunterzucken, mitten in meine Brust hinein. Das tat nicht weh, das war auch nicht schlimm, nur ein bisschen unheimlich, im Grunde aber kurz und schmerzlos.
Mein Aufwachen mündete direkt in den Ruheschmerz, mein Nachspüren (dem Geträumten und dem Gelenkstechen in den Hüften) mündete ins Morgengrauen.

Schwimmen bezeichnet ja das Nicht-Untergehen eines Körpers in einer Flüssigkeit. So steige ich nun in das Schaumbad, schließe die Augen und könnte mir einbilden, ich würde schwimmen. Phantasiereisen dieser Art waren noch nie mein Ding, ich habe wenig Talent zum Tagträumen, erfreulicherweise gibt es immer noch und immer wieder Tage, deren Erleben selbst traumhaft genug ist.

Die Bildergalerie der Woche widme ich M. (aka der hübsch Bewimperte) und danke ganz herzlich für 1x Bergausflug und 1x Spaziergang samt Streuselkuchen & Shopping mit unseren beiden Mädels in unser beider Lieblingsgegend.