Song des Tages (28).

Nachts unterhalb der Bavaria getroffen:

Einen echten Schneehasen (lepus timidus verus).

Was nur das „timidus“ im Namen soll? Mit einer Größe von fast 2 Metern wirkte er so völlig unerschrocken…

(Muss ich gleich an eine uralte Kassette denken. Jefferson Airplane – White rabbit. Eine gruselige Aufnahme von einem Freund: drei Minuten lang einfach das Mikro seines Kassettenrecorders vor den Lautsprecher seines Plattenspielers gehalten, im Hintergrund pfiff der Kanarienvogel – oder war’s seine bekiffte Schwester?)

When logic and proportion have fallen sloppy dead
And the white knight is talking backward
And the red queen, she’s off with her head
Remember what the dormouse said
Feed your head, feed your head, feed your head!

Fast fertig.

Vier Tage am Stück mit dem Handwerksfreund. Und ich muss sagen: Die Zusammenarbeit lief wie am Schnürchen!

Das erste Stimmungshighlight war die Entfernung eines Waschbeckens und einer Armatur, deren Anblick ich Ihnen erspare, das Drumherum dürfte schon genügen:

Es war eine Wonne, die zerkratzte, viel zu wuchtige Arbeitsplatte in kackbraun endlich in mehrere Teile zersägt zum Wertstoffhof zu fahren und eigenhändig in den Container zu pfeffern!

Am Mittwochnachmittag, während Deutschland die WM vergeigte, verneigte sich der Handwerksfreund ein letztes Mal vor dem Siphonregal im Baumarkt – derweil ich auf einer Werkbank saß, Effi-Briest-mäßig mit den Beinen baumelte (wenn schon die Seele derzeit nix zu baumeln hat) und 20 Minuten zur freien Verfügung genoss.

Einen sauguten Tipp hätte ich da übrigens für Sie, falls Sie auf Männersuche sind. Wenn Sie gern einen hätten, dem Fußball wurscht ist und der trotzdem ein echter Kerl ist Ihnen stattdessen die Terrasse neu fliest oder Ihre Küche schick umbaut, dann gehen Sie einfach an einem solchen Nachmittag (Achtelfinale WM oder sowas in der Art) in den Baumarkt. In sehr übersichtlicher Atmosphäre (auch Parken ist da kein Problem) können Sie dort die in Frage kommenden Kandidaten in aller Ruhe beobachten. Es sind nicht viele, aber das erleichtert das ganze Wählen & Entscheiden ja sogar, wenn das Angebot mal nicht ausufert, sondern gleich aufs Wesentliche eingedampft ist.

Der Geburtstag kann jedenfalls kommen, denn das neue Bad (= der Einbau einer schönen Sanitärkeramik samt Wasserhahn, Handtuchhalter und Waschtisch), das ich mir gewünscht habe, ist nun fertig. Es plätschert so fein aus dem Perlator auf den Handrücken, dass man mit dem Händewaschen gar nicht mehr aufhören mag! Der Gatte wird Augen machen, wenn er von seiner Tagung heimkehrt!

Überm Esstisch hängt jetzt die Pendelleuchte, überm Sideboard endlich wieder wie eh und je der Lump vom Pablo, das neue Küchenregal hat an allen relevanten Stellen Kantenschutzleisten bekommen, auf dem Wannenrand thront eine neue Duschtrennwand ohne Schimmel und verranzte Plastikkanten und schließlich knöpfte sich der Handwerksfreund noch intensiv den Balkon vor, seinen Hauptarbeitsraum der letzten sechs Wochen.
Dort lagen so viel Sägespäne rum, dass man den Holzboden nur noch schemenhaft erkennen konnte (wenigstens wurden die diversen Überbleibsel der Vormieter – Zigarettenstummel, Kronkorken, Wattestäbchen etc. – entsprechend gut darunter begraben).

Diese Elendsarbeit war wirklich kaum mit anzusehen, da ich aber das Dackelfräulein zu einem Arzttermin kutschieren musste, konnte ich mich zeitweise im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machen. Unterwegs dann sogar die Bestätigung, dass das so schon alles seine Richtigkeit hat…

…und man mal ohne schlechtes Gewissen Kundin sein sollte.

Zumal man ja auch diesmal alles tat, um den fleißigen Handwerksburschen bei Laune und Kräften zu halten…

…eine Fäschprr jagte die nächste – warm, kalt, salzig, süß – alles geboten!

Und noch ein Tipp: Seien Sie stets gut zu Handwerkern, das zahlt sich absolut aus. Vor allem zu denen, die Sie länger an der Backe haben als ein Stündchen oder zwei.
So ein Streuselkücherl oder Südtiroler Schinkenbrettl zur rechten Zeit – und schon flutscht der Hobel wieder flott über die Holzfliesen und Sie haben nachher einen 1a-Balkonboden.
Kochen Sie Kaffee im Stundentakt, räumen Sie das große Gemüsefach Ihres Kühlschranks gleich vorweg aus und füllen Sie es mit 7 verschiedenen Biersorten, so dass immer eine Auswahl vorhanden ist (variieren Sie diese ruhig auch von Tag zu Tag, erst recht, wenn Sie in einer Hopfenhochburg leben).
Auch ein eigenes Handtuch für Genosse Handwerker ist kein Fehler, sofern Sie Wert drauf legen, Ihre Küchentücher frei von gelblichen Holzstaubstreifen oder Silkonresten zu halten. Und setzen Sie sich in den Pausen ruhig auch mal dazu, ein bisserl Ansprache und Gesellschaft tut dem schwer schuftenden Manne nach seinem einsamen Gewerk durchaus gut und ganz nebenbei können Sie dabei die nächsten Punkte Ihrer To-Do-Liste in entspannter Atmosphäre an- und besprechen (Männer hassen es, mitten in der Arbeit angesprochen zu werden, bei einem Stück Kuchen sind sie hingegen deutlich zugänglicher). Verweisen Sie überhaupt stets auf die nächste Mahlzeit, das motiviert und lässt auch den Blick auf die Uhr nicht in Vergessenheit geraten. Sonst wird’s nämlich schnell mal 22 Uhr bis die Silikonkartusche aus der Hand gelegt wird und Sie Ihre vier Wände dann nur noch ein Stündchen für sich haben, bevor Sie todmüde ins Bett kippen und es wenige Stunden später schon wieder an der Tür schellt, weil sie ja gern früh loslegt, diese Zunft.

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Wir verabschieden uns hiermit geschafft, aber hochzufrieden ins Wochenende, das wir mit der Endreinigung der alten Wohnung und dem nachfolgenden Übergabetermin derselben zubringen werden. Dem Himmel sei Dank, dass wir dann nur noch eine Wohnung in dieser schönen Stadt unterhalten müssen und dem Handwerksfreund sei Dank, dass diese mittlerweile wirklich wunderbar ausschaut und wir hier fast fertig sind.

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Bis dann in anderthalb Wochen zum Endspurt, lieber Herr Speed, erholen Sie sich gut und grüßen Sie Dr. Schmitt herzlich von uns, der hier ebenfalls – Sie werden’s vor lauter Gewurschtel vielleicht nicht mitbekommen haben!? – eine äußerst nette Zeit hatte, sowohl mit dem Dackelfräulein als auch mit dem Gustl (der übrigens ein Loch am Hals, ein Wackelauge und einen lockeren Fuß hat, das müsste mal repariert werden 🙂 ).

Lovely things.

Mit schwerem Rucksack und einer verheißungsvoll betitelten Tragetasche spazierte der Handwerksfreund gestern vom Münchner Hauptbahnhof zu seinem Einsatzort…

…drin aber nur ein neues Schrauben- und Dübelsortiment, sonst keine spannenden Mitbringsel für die Damen des Hauses.

Kurze Fäschprr (Vesper) und dann ab in den Baumarkt, wo ich mittlerweile kleine Aufgaben übertragen bekomme und eigenverantwortlich erledigen darf – gestern: Schleifpapier in 4 Körnungen besorgen. Eigentlich nichts weiter als ein fieser Trick, denn so wird man(n) die Frau für mindestens 20 Minuten los…

…und kann in Ruhe den ganzen Bretterkram besorgen.

Bevor’s dann so richtig losgeht, wird die Kundin noch mit zwei lang ersehnten Haken ruhiggestellt…

…und schon beginnt das Dauergesäge.
Abends steht dann der Sockel und die Arbeitsplatte darf bereits probeweise auf der Konstruktion nächtigen.

Mittwochmorgen.

Seit kurz nach 8 Uhr jault die Säge wieder vor sich hin, ich schleppe die Tagesration Getränke und Verpflegung ins Haus. Am Vormittag ersucht der Handwerksfreund um einen zweiten Baumarktbesuch – er braucht ein anderes Sägeblatt. Teures Teil, aber einen super Namen hat’s: „Craftomat“. Überhaupt haben sie dem Werkzeuggeraffel ja tolle Namen verpasst: „Herkules“, „Wolfcraft“ usw., soll ja schließlich den Käufer auch emotional ansprechen.

Tut es auch, er strahlt übers ganze Gesicht. Spontan schenken wir ihm das funklende Silberstück vorweg zum Geburtstag. Darauf erstmal ein „Jever fun“ (zur Zweit-Fäschprr)!

Die Tiere machen ebenfalls ein Päuschen und ich verzieh‘ mich jetzt ins Schwimmbad, da ich hier eh nur störe.

Dr. Schmitt bewacht die Konstruktionsskizzen und die To-Do-Listen.

Das Dackelfräulein bewacht die Sägestation auf dem Sonnenbalkon.

Kann man jetzt nicht meckern: die Männer arbeiten und man selbst schwimmt mal ein bisschen im güldenen Wasser des geliebten Freibads ein paar Erholungsrunden.
Trotz der vielen Planung, Arbeit und Ausgaben irgendwie eine durchaus erfreuliche Lebensphase!

Dr. Schmitt in der Landeshauptstadt.

Lieber Herr Speed,

als der Gatte heut‘ Ihre Renovierungsarbeiten in Suburbia besichtigt hat (Sie wissen schon: der Endergebnis-Test, den wir vereinbart hatten), kam ihm in der alten Wohnung ein leicht hospitalisiertes Haserl entgegengehoppelt: der werte Dr. Schmitt!

Er habe genug vom Stadtrand und auch vom Forstenrieder Park mit all den Keilern und Bachen, meinte er, und er wolle unbedingt mit in die City fahren (und wer überhaupt auf die Schnapsidee gekommen sei, ihn da draußen im Vorort zu parken, für vier lange Tage, und was das denn solle – nicht mal der Möhrenvorrat habe gereicht).

Den Wunsch hat ihm der Gatte natürlich nicht abschlagen können und so hat Ihr Begleiter noch ein nettes Nachmittags- und Abendprogramm in der bayerischen Landeshauptstadt erleben dürfen.

Wir können Ihnen versichern: es hat ihm sehr gefallen.
Übermütige Haken hat er geschlagen auf der Theresienwiese – die Stadtkarnickel kamen aus dem Staunen nimmer raus! – und ihm wurde kein Löffel gekrümmt. Im Gegenteil, er hat neue Freunde gefunden, im Schatten der Paulskirche und der Patrona Bavariae.

Nun ratzt er zufrieden neben einer seiner neuen Freundinnen mitten in Ihrem Werkzeugsortiment und freut sich auf Ihre morgige Ankunft.

In diesem Sinne: ruhen auch Sie wohl und bis morgen!

Himmel der Bayern (22): Gipfeltreffen.

Und gleich das nächste blind date – heute: Mr. Speedhiking, WordPress-Weggefährte seit ungefähr anderthalb Jahren und Top-Kommentator auf meinem Blog (bis dato 136 Kommentare, nur 1 weiterer fehlt noch zu meiner Lieblingszahl!).

„There’s no debate, we need a date“, kommentierte er flugs, kaum war das Kraulquappe-meets-hikeonart-Wochenende vorüber.

Gesagt, getan.

So kam’s dann heute, bei besten Bedingungen unter dem Bayernhimmel (sehr heiß, aber gottseidank ein Lüftchen und ein paar Wolken dazu), zum Gipfeltreffen in den Ammergauer Alpen.

Herr Speed hatte sich vernünftigerweise schon gestern speedmäßig ausgetobt – denn der heutige Bergtag mit zwei Frauen an der Hacke (1x müde und mit Schulterschmerzen, 1x schlapper Hormonjunkie) und nur 700 Höhenmetern Tagesleistung wäre dafür nicht geeignet gewesen (gleichwohl als Trainingsgelände mehr als passend).
So konnte er sich voll und ganz auf seinen ersten Einsatz als Wurst-Lieferant und Träger eines scheinträchtigen Dackelfräuleins konzentrieren und diesen mit Bravour meistern.

Pünktlich zur vereinbarten Minute rollten die Autos einmal von Osten, einmal von Westen kommend auf den Parkplatz. Zur Begrüßung wurde die Box mit den Mini-Wiener geöffnet – die beste Eintrittskarte in ein Hundeherz! – danach fix die Schuhe geschnürt und los ging’s.

Schon nach wenigen Metern schien es, als solle mein Plan, den Pürschling via Schleifmühlenklamm zu besteigen, heimtückisch torpediert werden. Ein Schild verstellte uns den Weg: „Durchgang gesperrt – Erdrutsch und Brückenarbeiten.“ Vermutlich ein perfide arrangierter Versuch von Herrn Speed, a) meine Flexibilität oder Risikofreude zu testen oder b) die Unerlässlichkeit seiner eigens für diese Unternehmung besorgten topografischen Wanderkarte zu demonstrieren?

Er endete mit dem Ergebnis, dass wir uns von Erdrutsch und Brückenarbeiten nicht abschrecken ließen, ebenso wenig von den hinreichend bekannten Zeitungsmeldungen, die solchem Übermut ja gern folgen („Tragisches Ende eines Ausflugs: Kleine Wandergruppe in Schleifmühlenklamm gestürzt, da die Warnhinweise der Gemeinde ignoriert wurden“).
Spaß beiseite, man hätte jederzeit umkehren können, die Klamm ist ziemlich harmlos. Von Erdrutsch war nirgends etwas zu sehen. Und die Brückenarbeiten bestanden aus einem fehlenden Brückenbodenstück, an dessen seitlicher Einfassung balancierend man aber mühelos die 2 Meter große Lücke überwinden konnte.

Nach einigen Badepausen für das hechelnde Dackeltier erreichten wir das Josephskircherl.

Hier durften sich Herrn Speeds treuer Berggefährte Dr. Schmitt und Pippa erstmals beschnuppern und ausgelassen spielen. Zugegebenermaßen etwas zum Nachteil von Dr. Schmitt, dessen Kopfschmuck anschließend ein wenig derangiert wirkte, aber das ließ sich mit ein paar Handgriffen wieder richten.

Fast auf dem Pürschling angekommen nutzte Pippa unseren Abstecher zum Gipfelkreuz für eine schamlose Plünderung des Speedhikingschen Rucksacks (vermutlich handelte es sich bei der Beute um mindestens zwei weitere Mini-Wiener)…

… so dass wir die Beine und unser Gepäck unter den Arm nahmen und dem Winken der Himmel-der-Bayern-Fahne zur nahegelegenen Alpenvereinshütte folgten …

… um uns dort zu einer ausgiebigen Pause niederzulassen.

Mit Zugspitzblick genossen wir die Hopfengetränke…

… sowie das in Bayern stets unvermeidbare Lokalkolorit …

… und fütterten den vom Winde verwehten Schneehasen, der in Sachen Jause bisher mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen musste (immerhin ins Wettersteingebirge).

Satt, zufrieden, ausgepowert und mit Kletten übersät lümmelten die beiden dann einträchtig auf der Wiese herum…

… bis es schließlich „Kompanie, Marsch!“ hieß und wir wieder ins Tal abstiegen.

Alle anderen Details zum heutigen blind-date-mountain-trail wie neueste User Manuals zur Mechanik des Alpwesens, beeindruckende Excel-Tabellen mit unseren Gehzeiten, Anzahl der Badestopps inkl. Wassertiefe und -temperatur u.v.m. werden mit Sicherheit in Kürze hier nachzulesen sein.

Schee war’s!

Herzlichen Dank an Hr. Speed & Dr. Schmitt für den schönen gemeinsamen Wandertag!

(Man beachte den Untertitel! Schön, dass man da jetzt auch mal war.)