Song des Tages (27).

Ist jemand da, wenn dein Flügel bricht
Der ihn für dich schient, der dich beschützt
Der für dich wacht, dich auf Wolken trägt
Für dich die Sterne zählt, wenn du schläfst

 

(Beim nächtlichen Abspülen Radio gehört. Meine Güte. „Dort und hier“. Grönemeyer. Dass der mich nach 15 Jahren nochmal kurz packt, hätt‘ ich nicht gedacht. War eine schöne, milde Sommernacht, damals auf den Main-Wiesen, mit Blick auf die beleuchtete Festung Marienberg, zu viert, in dieser absurden Konstellation, nachts dann Stau fast bis Bad Kissingen, offene Fenster und nochmal drei Stunden Musik. Lang her, gefühlt ein anderes Leben, und wohl doch meins.)

Hund haben (2).

Es ist mal wieder so weit: Die drei Ausnahme-Wochen des Jahres haben begonnen und wir haben schon fast ein Viertel davon überstanden.
Das Dackelfräulein ist läufig (bzw., wie der Gatte zu sagen pflegt: „hat ihre Tage“). Diesmal haben wir uns sogar gefreut, als es losging. Allerdings nur aus dem schlichten Grund, weil es seit Wochen überfällig war.

Alle 10-11 Monate ziehen wir Pippa drei Wochen lang mindestens 3x am Tag, wenn wir nach den Spaziergängen in die Wohnung zurückkehren, ein Schutzhöschen an. Diese Dinger sind allesamt eine Fehlkonstruktion. Entweder sie verrutschen oder sitzen zu eng oder sind kompliziert anzulegen. Oder alles auf einmal.
Innen haben sie eine doppelte Stoffschicht eingenäht, deren obere Lage eine Öffnung hat. Zwischen die Stoffschichten soll man ein Taschentuch schieben, das scheint dann durch die Öffnung und darauf soll dann das Blut landen. Das klappt nie, absolut nie! Das Blut landet überall, aber niemals auf diesem Taschentuchkreis.

Also wurden preiswerte Slipeinlagen ohne Duftstoffe und Plastikbestandteile im Großpack besorgt. Davon schneiden wir zu Beginn einer neuen Läufigkeit 30 Stück in der Mitte durch, das reicht so in etwa. Die ganz billigen taugen nichts, da sie schlecht kleben, die mittelpreisigen funktionieren halbwegs. Die pappen wir innen in das Läufigkeitshöschen, an eine von uns durch genaue Beobachtung ermittelte, passende Stelle. Bei jedem Höschen-Ausziehen wird das Ding rausgezupft, entsorgt und ein frisches reingeklebt. Klappt echt super.

Solides Schutzhöschen mit halbierter „Jessa“.

Am Ende der Läufigkeit waschen wir alle Höschen und beten, dass keiner der Nachbarn die Dinger auf der Leine im Wäschekeller näher betrachtet und/oder blöde Fragen dazu stellt.

Bleibt nur noch das Gefummel beim Anziehen. Hund hinstellen, Höschen mit halbierter Slipeinlage drin bereitlegen, dann Rute durch das Loch fädeln, anschließend Höschen am Hund positionieren, Gürtelband durch die Schlaufe fädeln, die befindet sich schwer einsehbar unten am Bauch des Hundes und dabei rutscht garantiert die Rute wieder aus der vorgesehenen Öffnung – und man beginne von vorn. Meistert man diese Hürde im dritten Anlauf, muss das Ende des Gürtelbands nur noch in den Klemmverschluss geschoben werden. Auch hierfür bedarf es meist mehr als eines Versuchs. Hat man auch das geschafft, wird das Höschen nur noch festgezurrt, so dass es gut sitzt, aber nirgends kneift, und man klappt den Verschluss um und wischt sich genervt über die Stirn. Fertig. Die Konstruktion hält dann für Stunden.

Tanga-Modell für den Hochsommer: Ein Hauch von nichts.

 

Robustes Einsteiger-Modell in Schottendesign mit Klettverschluss: Easy to fix, verrutscht aber total.

Nachteil der wenigen gut sitzenden Höschen: Die Hündin kann sich nicht mehr selbst putzen, also zwischendurch mal das Höschen abnehmen, um das natürliche Bedürfnis des Tieres nicht zu lange zu unterbinden, dann das Teil wieder anziehen.

Auch innerhalb der Partnerschaft bringt das ganz neue Impulse: Mal flucht der eine, mal der andere, mal hilft man einander und steht einträchtig über den Hund gebeugt, einer hält, der andere wurschtelt und fädelt herum, denn die ganze Aktion geht mit vier Händen doppelt so schnell über die Bühne, dauert also gemeinsam nur 2 Minuten statt 4 oder 5. Gute Teamarbeit schweißt ja immer zusammen.

Man muss das einfach mal so beschreiben, denn ein Rüdenhalter oder ein Nicht-Hundehalter oder ein Nichts-von-Tieren-Halter macht sich da ja keine Vorstellung davon!
Auch ich habe an solche Tätigkeiten & Utensilien nicht im Entferntesten gedacht, als wir vor sechs Jahren mit dem Gedanken schwanger gingen, uns einen Hund zuzulegen.
Und das ist ja nur einer der Indoor-Aspekte, die so eine Läufigkeit mit sich bringt. Ein weiterer ist die größere Anhänglichkeit des Dackelfräuleins, tagsüber, nachts, immer. Ebenso eine höhere Sensibilität gegenüber Geräuschen, Wortgefechten, ach, eigentlich gegenüber allem. So eine Art Langzeit-PMS, nur nicht vorher, sondern währenddessen.

Außerhalb der Wohnung müssen wir jetzt noch mehr mit anderen Hundehaltern sprechen: Man muss „Ist das ein Rüde?“ auf 100m Entfernung plärren und anschließend ggf. höflich, aber nachdrücklich ein „Könnten Sie ihn bitte anleinen, unsere Hündin ist läufig!“ nachschieben. Parallel dazu schirmt man den eigenen Hund ab so gut es geht, je nach Zudringlichkeit der Rüden hilft Pippa dabei hervorragend mit und ist sehr zickig zu den teils dreisten Aspiranten, die ihr mit den Nasen am Hinterteil kleben.

Demnächst folgen noch die 3-4 Tage, an denen Pippa nicht mehr zickig ist, sondern ihrerseits Interesse an der Männerwelt hätte, wenn man sie ließe. An den Tagen heißt es von der Wohnung aus direkt in die Garage flüchten, um den hinreißenden Duft nicht zu sehr in den Rüdennasen der näheren Umgebung zu verteilen, und die an Orten spazieren gehen, an denen man möglichst niemanden trifft. Da fährt man dann schon mal mehr als 20 Minuten, um die Hündin ungestört ihre Geschäfte erledigen zu lassen.

Nach 18 bis 21 Tagen ist alles überstanden. Naja, fast alles. Ungefähr 9 Wochen später, zum fiktiven Wurfzeitpunkt, geht’s nochmal weiter: Mit der Scheinträchtigkeit- und mutterschaft. Häufig eine sehr verzwickte Phase, in der die Hormone erneut alles auf den Kopf stellen…

Zu dem Thema melden wir uns dann im Wonnemonat Mai wieder.
Womit keinesfalls gesagt sein soll, dass die Beiträge auf diesem Blog bis dahin hundefrei bleiben 😉

Einen schönen Sonntagabend ohne lästiges Gepfriemel mit Tier-„Dessous“ wünscht euch
Die Kraulquappe.