Schneeschwimmen.

Nach kurzem Duschen den langen Gang bis zum Ausgang laufen.
Sich mit der Glastür gegen den Wind stemmen, um ins Freie zu gelangen.
Wie viele Meter mögen es sein bis zum Beckenrand? 30, 40?
Im wilden Schneetreiben vorsichtig losgehen, bloß nicht -rennen, Rutschgefahr.
Einen Blick über die Schulter werfen, zur rot leuchtenden Digitalanzeige.
Minus 4 Grad. 21:56 Uhr. 17.01.18 (einen Tag später und es hätte perfekt ausgesehen).

Eisige kleine Schneeflocken krallen sich in die Wimpern, aus Trotz, weil sie auf der nassen Haut verdampfen.
Das Flutlicht, das bei Dunkelheit das Schwimmstadion beleuchtet, dringt kaum durch die dichten Schneeflocken.
Am Schwimmbecken angekommen mit klammen Händen schnell Schwimmbrille und Flossen anziehen.
Springen. Alles fühlt sich warm an, zumindest wenn man weit genug unter die Oberfläche taucht.
Nach dem Einschwimmen haben die obersten Wasserschichten ihre Anfangskälte verloren.
Ab dann zwei Genusszustände im Wechsel, einer schöner als der andere.

Bei der Kraulbahn landen die herabfallenden Flocken auf den Schultern und auf den Wangen.
Flocke links und Luftholen, zackzackzack, Flocke rechts und Luftholen, zackzackzack.
Wenden und auf dem Rücken zurück. Schnee fällt auf die Schwimmbrille, auf Hals und Gesicht.
Arm im Warmen durchziehen, raus ins Kalte, 180°C und wieder rein ins Wohltemperierte.

Der nachtschwarze Himmel, der watteweiße Schneesturm, das filmkulissenfahle Stadionlicht.
Rückenschwimmend ist keine Sichtanlage mehr zu erkennen, man muss nach und mit Gefühl schwimmen.
Oben Schwarzweißflimmern wie bei alten Fernsehern. Unten türkise Kacheln und der schwarze Balken.
Verstärkt das Monotone nur noch. Atem und Bewegung im völligen Einklang. Immer so dahin, hin und zurück.

Raus aus dem Becken.
Die Badeschlappen sind auf dem Boden festgefroren.
Drinnen wartet die heiße Dusche.
Ich liebe diese Winternächte in meinem Warmfreibad.

Bestzeit.

„I feel most at home in the water. I disappear. That’s where I belong.“ (Michael Phelps)

Als ich die Umkleide betrat und in den Gang einbog, in dem ich mir üblicherweise ein Garderobenschränkchen nehme, stand sie splitternackt vor mir und wir guckten einander ziemlich verdutzt an.

Zuletzt hatte ich A. vor ungefähr drei Jahren gesehen. Damals war unsere gemeinsame Zeit als Kolleginnen in der IT-Abteilung gerade zu Ende gegangen. A. ging mit 60 in Frührente und sah dabei aus wie 42, ich fühlte mich wie 60 und quittierte mit 42 den langjährigen Dienst, den ich hinterm Monitor und vor mehr oder minder lernfreudigen Seminarteilnehmern verbracht hatte. Bald verloren wir einander aus den Augen, wie das leider oft so ist, wenn sich Menschen in einen neuen Lebensabschnitt aufmachen.

Seit einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch vor vielen Jahren war A. eine Art Vorbild für mich. Damals schluckte ich eine Menge Wasser, weil ich ständig zu ihrer Bahn rüberschielte, um ihren Schwimmstil zu studieren und dabei vor lauter Staunen völlig aus dem Takt geriet. Diese Geschmeidigkeit, diese Kraft, diese Anmut! Fast 20 Jahre älter als ich schwamm sie schneller, technisch besser, insgesamt eleganter sowie mit mehr Leichtigkeit und weniger Widerstand. Und zugleich wirkte sie dabei nie wie verbissen trainierend oder überhaupt auf irgendein Ziel hinarbeitend.
Für mich war sofort klar: Das wollte ich auch können, und wenn ich mir darüberhinaus etwas wünschen dürfte für mein Leben in 20 Jahren, sähe es exakt so aus wie A. beim Rückenschwimmen. Ein Bild, das ich unauslöschbar in mir trage und das zu einer der hoffnungsfrohen Überschriften wurde für das, was man Zukunft nennt.

Ich fragte sie seinerzeit nach Strich und Faden über ihre Schwimmbiographie aus, wir verabredeten uns ein paarmal im Freibad, unternahmen auch mal eine Bergtour (ihre andere große Leidenschaft neben dem Wasser, auch das eine schöne Parallele zwischen uns), bei der sie mir nicht davonwieselte, denn zu Land konnte ich besser mit ihr mithalten als im Wasser, was meine Hoffnung nährte, dass das auch schwimmend irgendwie machbar sein müsste.

Schließlich schenkte sie mir Flossen und zeigte mir den effektivsten und knieschonendsten Beinschlag. Mit meinen neuen gelben Turbogummis an den Füßen ging es ganz gut voran. Zwei Kraulkurse besuchte ich noch, übte und übte, ließ mich von einem ehemaligen Deutschen Meister im Lehrbecken der TU München instruieren, filmen und analysieren, übte weiter bis eines Tages die Technik endlich saß, was man daran spürt, dass die Anstrenung nachlässt und der Genuss zunimmt.
Ich dachte noch oft an A., wenn eine dieser besonders beglückenden Schwimmstunden gelang, in denen alles harmoniert, in denen ich eins werde mit dem fließenden Element, in den Dialog mit ihm abtauche, um anschließend vollständig erfrischt wieder aufzutauchen (all das leider nicht nur eine Frage des Könnens oder Wollens, sondern von etlichen anderen Faktoren im Innen und Außen abhängig).

Gestern gingen A. und ich also nach Jahren mal wieder zusammen zum Schwimmbecken, legten unsere Flossen an, zogen die Brillen auf, guckten kurz auf die Stadionuhr, sprangen ins Wasser und legten los. Zugegeben: ich war gespannt, sehr gespannt sogar und das, obwohl mir jegliche Wettkampfmentalität schon immer abging. Nach 300m stellte ich fest, dass A. und ich noch auf gleicher Höhe schwammen. Und das ohne jede Anstrenung! Damals wäre sie längst eine halbe Bahn vor mir gewesen.
Ich freute mich wie ein Kind darüber und verspürte auf einmal, dass ich Lust bekam, das Tempo etwas anzuziehen. Nach 1.000m guckte ich erneut zur Bahn neben mir: A. war nicht mehr zu sehen. Als ich nach 2.000m am Beckenrand anhielt und zur Uhr blickte, war ich meine persönliche Bestzeit auf diese Distanz geschwommen.

Wenig später tauchte A. neben mir auf und zwickte mich lachend in die Seite. Nun müsse ich mir wohl ein neues Vorbild suchen, meinte sie – oder sie müsse beim nächsten Mal ihre Flossen über das Einschwimmen hinaus anbehalten.

Tja.
So viel zu Vorbildern, Bestzeiten, Gegenwart und Zukunft.

 

Jahresanfang oder: Brachia plastica.

Da sind wir also nun in 2018. Bislang läuft’s so leidlich. 

Hormone hier, Hormone dort. Das Dackelfräulein hat beschlossen, pünktlich läufig zu werden. Nämlich dann, wenn der Gatte nächste Woche für 11 Tage nach Frankfurt muss und wir Frauen hier ganz unter uns sind. Das bedeutet: 33x alleine Schutzhöschen an- und ausziehen. Ein Volltreffer, eine Punktlandung. Hurra.

Der traumhafte Schnee komplett weggeschmolzen, dafür traumhaft neue Lekis erstanden, sogar mit Wintertellern dran. Jetzt muss es nur wieder schneien, sonst wirkt man albern mit den Dingern.

Den verregnetsten Tag der Woche für einen ersten Ausflug mit meinem großen Freund S. an den Starnberger See genutzt. Angepeiltes Café hatte spontan geschlossen. Das Grau des Ufers ging nahtlos in das Grau des Sees und jenes in das des Himmels über. Aber tolle Gespräche führten wir, so ganz und gar unabgelenkt von schönen Ausblicken und Kuchenstücken.

Beim Schwimmen dachte ich heut‘: Eine Typologie der Typen und Typinnen im Wasser, die gehört dringend mal geschrieben. Vielleicht sogar nach Jahreszeiten (oder Monaten) sortiert. 

Der Januar (maximal das erste Quartal) steht ganz im Zeichen der Qualle. Feiertagsfrieda und Vorsatzvroni ziehen in dauerratschender Schieflage ihre Bahnen bis zur Nackenstarre oder bis ihnen kühl wird, denn wir sind zwar im Winterwarmfreibad (großzügig beheizt), aber bei Schneckentempo wird’s einem mit Wind um die Ohren und die plappernden Münder halt doch irgendwann frisch. Wuchten sich nach 300m in 30 Minuten die Stufen aus dem Becken hinaus und watscheln unter die warme Dusche, wo weitergeratscht wird (nun doppelt so laut, da das Wasserplätschern ja übertönt werden muss). 

Sie müsse nun dringend Abnehmen, meint Feiertagsfrieda zur sofort zustimmend nickenden Vorsatzvroni, und Schwimmen sei da ja so ideal, weil so gelenkschonend. Man wolle jetzt mindestens 2x die Woche das Bad aufsuchen. Oh Gott. 

Da aber die Leiber das Fasten eh lieber dem Hirn überlassen würden, kann getrost abgewartet werden, bis der Februar kommt oder spätestens der März, dann ist die Saison der Quartalsquallen nämlich wieder rum.

Die Münchner Abendzeitung, sonst wahrlich nicht meine Lieblingspostille, weiß um die Qual(l)en der Leibesertüchtigung und empfiehlt als ebenso kluge wie ressourcenschonende Altenative:

Das soll sogar (!) leichter gehen als Abnehmen. Eine wirklich gute Idee: Plastikmüllvermeidung statt Schwimmbeckenverstopfung.

Nur Rewe, den ich sowieso nicht mag, hat davon noch nichts mitbekommen und offeriert just zum Auftakt ins neue Jahr dem rundum auf Reduktion gepolten Kunden ein heimisches Grundnahrungsmittel in neuem Gewand: 

Butterbreze in Plastikschale mit Plastikfolie drüber. 😨😨😨

Hirnfasten für Fortgeschrittene.

Einen gelungenen Jahresbeginn gehabt zu haben – das wünscht Euch

Die Kraulquappe.

PS: Und danke, liebe Abendzeitung, dass Du in derselben Ausgabe gleich noch den Polt erklären lässt, was Humor ist. Der wird, so wie ich das kommen sehe, wohl auch dieses Jahr vonnöten sein.

Himmel der Bayern (17): Dante.

Steh wie ein fester Turm, dem nimmermehr die Spitze schwankt in sturmbewegten Tagen.
(Dante Alighieri, hoffentlich im Jahre 1307.)

Ich versuch’s ja.

Spitzen und Fixpunkte: Turm, Stadionscheinwerfer, Thermometer.
20 Grad zeigt es, man muss 4 abziehen für die Hauswand, sagt der Bademeister, aber auch dann sieht’s ja noch nach Frühling aus.

Beim Reingehen.

 

Beim Rückenschwimmen.

 

Beim ersten Barfußlauf über die Wiese.

 

Beim Blick aufs Thermometer (exakt in Bildmitte, neben dem „Restaurant“).

Nur Schwimmen, nichts denken. Wenn’s klappt, ist’s prima.

Kraulquappenkindheit oder: Bubbles, grün-blau.

Während der Kombi heute Morgen beim Service war, bin ich zum Duschen gegangen. Man kann sich das schon angewöhnen, nicht mehr daheim, sondern im Schwimmbad zu duschen. Selbst wenn’s zuhause wieder ginge. Das Auto kann man auch ungeduscht abgeben.

Die Service-Zeit musste überbrückt werden und ich hatte keine Lust, sie mit Wochenendeinkäufen zu verbringen. Sondern ich wollte nach über 30 Jahren dem Schwimmbad meiner Kindheitstage einen Besuch abstatten, weil das in der Nähe liegt. Das will ich schon ewig machen!

Das 70er-Jahre-Moosgrün ist an nahezu allen Stellen durch ein modernes Dunkelrot ersetzt worden. Schön. Ein architektonisches Glanzstück ist es dadurch trotzdem nicht geworden.

Was 1978 noch „Familienumkleide“ hieß, ist heutzutage patchwork-konform unterteilt in „Vater-Kind“- und „Mutter-Kind“-Umkleide.

Und wie fast immer, wenn ich fremde Bäder aufsuche, ist MEIN Spind belegt und wie ebenfalls fast immer sind links und rechts davon mindestens 10 Spinde frei. Aber ich bin geübt darin, mir 3 Ziffern zu merken.

Nach dem Duschen ab in die Schwimmhalle. Ich kann Hallenbäder eigentlich nicht ausstehen, mir ist Frischluft beim Schwimmen einfach lieber. Und 25m-Becken sind auch nicht mein Ding. Heute mache ich mal eine Ausnahme. Wobei die Halle wirklich hässlich ist, dafür ist die Belüftung besser als vermutet.

Hier, in diesem Becken, und zwar auf den Bahnen im linken Bereich des Beckens, hat die Kraulquappe das Schwimmen gelernt. So zwischen 1976 und 1978. Der Hallenhimmel ist immer noch blau und vernetzt.

Aber das Beste ist, …

… dass die Bubbles noch da sind! In den Originalfarben auf den Originalkacheln meiner Originalkindheit!
Damals habe ich in dem Gesamtgebubble immer ganz klar die Umrisse von Elliot, dem Schmunzelmonster erkannt.

Heute wirkt es auf mich wie grüne und blaue Kreise, bestenfalls wie das Modell einer chemischen Reaktion (was wird man doch einfältig).

Als ich so schwimme und nach 20 Minuten wie immer am Beckenrand meine Flossen anlege, überkommt mich die stärkste aller Erinnerungen.
Ich greife an den Beckenrand, meine Hand spürt diesen rauen, leicht geriffelten Rand, und erinnert sich sofort, wie oft sie dieses Material schon angefasst hat (bewusst hätte man das nie erinnern können, aber im Körpergedächtnis ist’s noch wie in Stein gemeißelt da!) und ich fühle mich um 40 Jahre zurückversetzt.

Das Kind, sich an den Beckenrand klammernd, weil 25 Meter damals so unendlich weit schienen, und weil man ihm die Schwimmflügel abgenommen hatte, fieserweise auch noch auf der tiefen Seite des Beckens, damit es nicht schummeln und sich hinstellen konnte.
Der Papa, ein paar Meter vor dem Kind im Wasser paddelnd und die Arme ausbreitend, mit allerhand Lockrufen und Pommes- oder Steckerleisversprechen, damit sich das Kind, das ja längst schwimmen konnte, auch ohne Schwimmflügel die 3 Meter bis zum Papa wagt: „Komm, du kannst das! Schwimm, du gehst nicht unter, ich bin doch da!“.
(Dann hat er geschummelt, ist heimlich ein paar Meter zurückgewichen, damit ich weiter und weiter schwimme.)

Und jetzt ist man da, ganz allein, am Beckenrand und im Wasser, 1 Stunde lang, ohne Angst, ohne Sich-Überwindenmüssen.
Aber eben auch ohne die Aussicht auf die genoppte blau-weiße 70er-Jahre-Badekappe des Papas und auf Pommes und Steckerleis.

Erwachsensein heißt: Freiwillig ins Wasser gehen, ohne Hilfsmittel, zur Leibesertüchtigung, danach einen gesunden, frisch gepressten Saft trinken und das Auto vom Service abholen.

Schade, dass einem das damals keiner gesagt hat, man wär‘ glatt Kind geblieben.

Wünsche allseits ein schönes Wochenende,
Eure Kraulquappe.

Song des Tages (1).

 

Ein Top-Song!

Spiegelt in Text, Farben, Rhythmus und Intonation exakt meine Stimmung wider. War nämlich auch ein Top-Tag.

  • 7:00 Uhr, für unsere Verhältnisse früh aufgestanden. Um richtig was zu schaffen.
  • Entdeckung: Warm ist außer dem Morgenkaffee nichts. Heizung kalt, Wasser kalt. Ich dann auch kalt.
  • In Wolldecke gehüllt und mit Heizkissen unterm Hintern mit der Arbeit begonnen.
  • Um Punkt 8 Uhr Hausverwaltung zusammengefaltet.
    (Das mit den Stadtwerken war eine Lüge. Seit Montag wissen sie, dass der Gasbrenner der Heizungsanlage irreparabel defekt ist, am Dienstag lügen sie einen an, schieben alles auf die Stadtwerke und vertrösten einen, gestern ist der geizigen Hausbesiterin dann klar geworden, dass man den Brenner nicht mehr reparieren kann, also hat sie den billigsten Ersatzbrenner auftreiben lassen, der seit heute Morgen um 9 Uhr von einem Stümper eingebaut werden soll. Stümper deshalb, weil der Typ entweder Pause macht und raucht oder zum Baumarkt fährt, weil irgendein Teil fehlt.)
  • Kurze Konsultation des Tierarztes als Kreislauf-In-Schwung-Bringer eingeschoben, da sich gestern im Wald eine kleine Katastrophe ereignet hatte, deren Nachwirkungen ich dann doch lieber den Fachmann begutachten lassen wollte.
  • 10:30 Uhr, genug gefroren, als Eiszapfen zum Schwimmbad gefahren. Unter der Dusche aufgetaut, geschwommen, nochmal heiß geduscht. Danke, Stadtwerke!
  • 12:30 Uhr, Aufbruch zum großen Gassi. Mit großem Rucksack, um groß einzukehren, irgendwo, wo’s warm ist.
  • 13:30 Uhr, Mittagsmenü in der Menterschwaige. Beilage ist nur lauwarm, ich beschwere mich, denn meine Geduld für falsch Temperiertes ist heute bereits überstrapaziert.
  • Nach dem Essen einfach sitzengeblieben, Sachen aus dem Rucksack geholt – Lammfellmatte für Pippa, Laptop für mich – und dort ein bisserl gearbeitet. Kellner spendiert einen Kaffee, als Entschuldigung für das laue Gemüse. Kaffee ist sogar warm.
  • 15:00 Uhr, weiter an der Isar entlang. Nachbarin eine WhatsApp geschickt, ob die dämliche Heizung wieder läuft. Nein. Im Keller herrscht Ruhe, antwortet sie. Der Stümper ist vermutlich beim Zigarettenholen, denke ich. Ich warne den Papa vor, dass ich vielleicht heute noch zu Besuch komme.
  • 15:30 Uhr, Ankunft im Café Isarfräulein, wo das Dackelfräulein Stammgast ist. Matte und Laptop wieder ausgepackt. Tee bestellt. Dackelfräulein knurrt, weil der Rüde der Cafébesitzerin dauernd lüstern rüberschaut. Das Gezicke beende ich, indem ich verfrüht die Futterbox aus dem Rucksack hole. Hab‘ alles dabei – zur Not können wir über Nacht hier campieren.
  • 16:15 Uhr, WhatsApp von der Nachbarin. Die Heizung sei nun lauwarm. Wir packen langsam zusammen. Nochmal 30 Min Fußmarsch bis zum Auto. Dann stehen wir im Stau. Aber mit Sitzheizung. Und Tom-Waits-CD.
  • 17:30 Uhr, Ankunft daheim. Die Heizung läuft. Bis der Gatte nachher aus Frankfurt heimkommt, wird’s warm sein in der Bude.
  • Richtig was geschafft heute, wirklich.

Dran.

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Seit Sonntag starke Schwankungen bei der Heizung und dem Warmwasser.
Heute Morgen ging dann gar nichts mehr, also kalte Katzenwäsche und mit noch kälteren Füßen am Schreibtisch gesessen und versucht zu arbeiten.

Unsere reizende Hausverwaltung, bei deren Angestellten eine innerhalb einer Firma selten hohe Dummschwätzer-, Idioten- und Verweigererquote erzielt wird, ist von rund 10 Mietern im Haus seit 8 Uhr behelligt worden.

Gegen 10:45 Uhr dann der trostspendende Rückruf: Man sei mit Hochdruck an der Sache „dran“. (Mit Hochdruck sind die angeblich auch schon seit April 2016 an den gemeldeten Mängeln hier in unserer Wohnung „dran“. Passiert ist bislang gar nichts.)

Aber (und es gibt immer ein „aber“, egal, um was es geht): Der Installateur hätte schon gesagt, die Pumpe wäre erst im Dezember überprüft worden, also daran könne es kaum liegen, vermutlich seien die Stadtwerke schuld und bis man dort mal jemanden erreichen würde, das könne dauern.
Und schließlich: „Ja schaun’S, in unserer Wohnanlage in der Bajuwarenstraße, da warten die Mieter seit 1 Woche auf Warmwasser, nicht erst seit heute Morgen.“.

Achso, na, wenn das so ist, bin ich natürlich sofort still und friere, niese und miefe demütig weiter. Das dauernde Niesen geht eh nichts aufs Konto einer nahenden Erkältung, sondern kommt vom Haselflug. Da darf man nix vermischen und muss fair bleiben.

Hilfsangebote wie warme Wannenbäder am Abend oder Duschasyl am Morgen – bevorzugt im Münchner Westen – werden dennoch gerne unter kraulquappe@web.de entgegen genommen. Herzlichen Dank!

Die Kraulquappe.

Palm positive (if thinking is too complicated).

Der Schwimmsport ist ja an sich ein recht preiswertes Hobby. Equipment und Eintrittspreise halten sich verglichen mit den meisten anderen Sportarten absolut im Rahmen: Eintritt zwischen 3,50 und 7,60€ pro Besuch, alle 2 Jahre einen neuen Badeanzug und eine neue Schwimmbrille, alle 3 Jahre neue Badelatschen und anderer Kram wie Flossen, Pull-buoy, Pull-kick und Handtuch halten sogar noch länger (um das gleich vorwegzunehmen: diesen unaussprechbaren Pull-Kram hab‘ ich zwar, nutze ihn aber selten!).

Da ich seit Jahresbeginn meine Distanzen im Wasser etwas gesteigert habe, dachte ich mir, ich könnt‘ mir mal etwas Schickschnack gönnen, um dem Ganzen auch ein bisschen neuen Schwung (=Tempo) zu verleihen.

Kaum mit kaputten Füßen aus Ruhpolding zurück, waren sie auch schon eingetroffen: meine ersten Paddles. Für 17,95€, das ist schon mal drin!

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Mir gefiel zwar nicht, dass die Dinger von der Marke „Finis“ sind (so wie auch meine ebenfalls gelben Trainingsflossen), denn als ehemalige Lateinschülerin weckte das nicht die besten Assoziationen (warum kann die Marke nicht „principium“ oder „velocitas“ heißen?). Was mir aber sofort gefiel, war dieses aerodynamische Design und das patentierte neue „strapless“-Prinzip. Und wenn dann noch auf der Packung ein schmissiger Satz wie „Learn to stay palm positive“ steht, den ich mir zwar nur rudimentär erschließen kann, aber der ja sowas von gut klingt, hat man mich als Kunden sofort in der Tasche.

Um meinen Langlaufmuskelkater zu zähmen und weil ich mit den zwei 1€-Stück-großen Blasen an den Fersen eh keinen anderen Sport ausüben könnte, hab ich mich heute Vormittag sofort zum Schwimmbad aufgemacht.

Was soll ich sagen? Dieses Schwimmerlebnis kam einer Revolution gleich!

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Zwar ist es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, mit diesen nur durch den hindurchgesteckten Daumen an der Hand befestigten Paddles zu schwimmen, zumal man sie bei jeder technischen Unschärfe zu verlieren droht (dummerweise saufen sie auch noch ab!), aber wenn man sich erst mal drauf eingelassen hat, jeden Armzug in jedem Schwimmstil korrekt auszuführen, dann ist es ein Dahingleiten ungeahnter Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit.
Ein toller flow, ein swimmer’s high quasi! Das muss es sein, was mit „learn to stay palm positive“ gemeint ist!

Gönnt man sich dann noch für die Hälfte der Zeit zusätzlich Trainingsflossen, ist man (resp. ich) erstmals auch jenseits der 40 in der Lage, locker mit den kraulenden Sportstudenten mitzuhalten und springt nach dem Stündchen wie ein junger HighHai aus dem Becken. Vergessen der Muskelkater, vergessen die schmerzenden Fersen!

Auf dem Weg zur Dusche eine kleine Ernüchterung: „Mami, was hat die Frau da Ekliges an den Füßen?“, ertönt eine Piepsstimme hinter mir. Gemeint sind meine beiden monströsen, aufgequollenen Compeed-Blasenpflaster. Ich drehe mich um und beantworte die Frage des Knirpses: „Die Frau hat eklige Langlaufschuhe angehabt.“

In der Umkleide werde ich vollends aus meinem  flow gerissen. Fragt die Frau am Spind neben mir, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die gerade mit dem Frottieren fertig geworden ist, als ich mich abzutrocknen beginne: „Könnten Sie mir bitte den Rücken eincremen?“
Ja geht’s noch?!?
„Nein“ entgegne ich knapp.
Sie: „Warum denn nicht?“
„Muss ich mich dafür wirklich rechtfertigen?“ will ich gerade sagen, muss dann aber losprusten…

Oder wie seht ihr das: schon mal jemand Wildfremden den Rücken eingecremt? Wie ist das so? Ist das gut, hab‘ ich was verpasst?

Wie dem auch sei: auch ohne näheren Körperkontakt war das ein durchweg positiver Tag, so frisch ge_palmt, mit den tollen Paddles – und überhaupt.

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Ohne Worte – gelungene Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Selten, aber nicht unmöglich.

Das Hündchen ist dank der im Vergleich zu Ruhpolding fast tropisch anmutenden Temperaturen rasend schnell wieder genesen und Freundin D. trug mal wieder zur Entzerrung unserer kleinen Symbiose bei, indem sie uns beim Gassigehen begleitete.

Alles im Lot also. Und die Fersen werden schon wieder, wenn man sie nicht mit fiesen Bemerkungen beim Verheilen stört.

Einen guten Start ins Wochenende wünscht euch –
Die Kraulquappe.

Winterluxusglück.

Wochenbeginn. Einkaufen gehen. Wäsche waschen. Hundefutter bestellen. Arbeitsplan für die Woche festlegen. Papierkram erledigen. Mailverkehr mit der Hausverwaltung ohne Wutausbruch über die Runden bringen.

Alltag eben.

Zwischen all den Pflichten mein Montagmittaghighlight: Eine ganze Stunde schwimmen.

Zur Traumzeit, zu der die Rentner weg und die Lehrer noch nicht da sind (die Feierabendschwimmer erst recht noch nicht). Nur ein paar kälteresistente Studenten, Freiberufler, Arbeitslose.

Bei Traumwetter – wildes Schneetreiben! – die paar Meter durchs Freie laufen, dem nur schemenhaft zu erkennenden Becken entgegen, die Schneeflocken auf der nackten Haut spüren, zu Frieren beginnen, dann der Sprung ins warme Freibad. Losschwimmen.

Brust, Kraul, Rücken – den ganzen Trainingsplan ungestört absolvieren können, keine Nervensäge, nirgends, kein Ausweichenmüssen oder Überholen.
Schwimmend staubt Schnee auf Gesicht und Arme-Schultern-Nacken.

Weil man vor lauter Schneefall keine zwei Meter weit gucken kann, schalten sie ausnahmsweise tagsüber die Stadionbeleuchtung ein, die ihr milchig-vernebeltes Traumlicht bis auf den Beckengrund aus Edelstahl schickt und es dort mit Hilfe der Wasserbewegung psychedelische Girlanden zeichnen lässt. Gibt es eigentlich ein Swimmer’s High?

Jedenfalls: Nicht zu toppen, das Ganze. Inklusive Chaffeurdienst hin und zurück, da der Gatte zur selben Zeit im Park den schneeverrückten Dackel bespaßt (quasi funsharing).

Wieder daheim erfrischt und zufrieden weitergewerkelt. Montag kann toll sein.

Einen schönen Start in die Woche wünscht euch
Die Kraulquappe.

86 / 1.800 / -2

Da rafft man sich 1x auf, den Morgenschwimmertarif zu nutzen, d.h. im Halbschlaf zum Schwimmbad zu fahren, die Nacht also mit einer Erfrischung zu beenden und in fließender Bewegung den Morgen zu begrüßen – und dann DAS.

Ein Zettel begrüßt einen mit dem Hinweis auf eine „technische Störung“…

… naja, denkt man sich, ist bestimmt nur halb so schlimm, 26 Grad klingt doch eigentlich ganz kuschelig und außerdem steht ja „behoben“ dabei.

Nur bedenkt man nicht mit, dass es sich um ein sehr großes Schwimmbecken im Freien handelt, in dem man sich ja nicht am Boden des Beckens, sondern knapp unter der Wasseroberfläche aufhält, wo es natürlich bei Minus 2 Grad Außentemperatur, durch die man zähneklappernd zum Beckenrand eilte, keine 26 Grad hat, sondern gefühlte 16 Grad, was zwar Einbildung sein mag, aber sich eben so anfühlte.

Vorteile: Nix los, keine Rentnergymnastik in den Sportbahnen, keine 3-Bahnen-belegenden Ratsch-Frauen, sondern 20 Bahnen zur freien Wahl, Rückenschwimmen theoretisch auch diagonal möglich, praktisch aber unmöglich, da die Minus 2 Grad am Bauch und im Gesicht sowas von unangenehm sind, also doch lieber Kraul und Brust im Wechsel, in der Hoffnung, es mögen sich keine Eiszapfen an den Ellenbogen bilden, denn die Schnellste bin ich ja nicht. Größter Vorteil: persönliche Jahres-Bestzeit auf 1.800m, da einem sonst einfach nicht warm würde.

Nachteil: Macht keinen Spaß das Ganze, schon gar nicht zur frühen Morgenstund‘ an diesem 13. Dezember bei Eiseskälte. Die 2.000m daher nicht geschafft und das beim 86. Schwimmen in diesem Jahr, das nun zu plötzlich und zu früh endet, um noch auf die 100 zu kommen.

Statt Bade-Spaß eher Adé Spaß. Immerhin bin ich jetzt wach.

Taufrische Grüße von
Der Kraulquappe.