Nicht baden gehen.

Wenn mich mal wieder die Angst beschleicht, baden zu gehen, rettet es mich stets, eine Runde zu schwimmen.

Der Starnberger See war heute etwas frisch…

… aber die paar Sommertage vor der nächsten Regenphase muss man nutzen.

Zumal ich nicht gut bin im Warten auf die Entscheidungen anderer, da ist jede Ablenkung in Form von Bewegung wohltuend.
Der alte Drahtesel läuft in seinem 18. Jahr noch wie geschmiert, in 38 Minuten von daheim bis ans Seeufer!

Möge die weitere Woche ebenso laufen.

Es grüßt euch herzlich

Die Kraulquappe.

It’s raining cats and dogs.

Den dritten Tag in Folge ist alles grau in grau, nasskalt, verregnet. Keinen Hund möchte man da vor die Tür scheuchen (und sich selbst erst recht nicht).

Perfektes Steuererklärungswetter, da ich aber in einer zurückliegenden Regenphase schon vorgearbeitet hatte, ging das nun erstaunlich flott.

Ideale Witterung auch für Freibadbesuche während der bayerischen Sommerferien – man kann im menschenleeren Becken ausgiebig an der Technik feilen, wenn das Thermometer nur schlappe 13 Grad anzeigt.

Ebenfalls eignet sich so eine Auszeit, die der Sommer sich mal wieder nimmt, hervorragend zum Ausprobieren neuer Herbstrezepte: die Kürbis-Mangold-Lasagne gestern war ein Traum. Und zwar ein so großer, dass wir ihn nach der Rückkehr des Gatten vom DFB-Pokal-Glotz-und-Besprech-Nachmittag beim Nachbarn gleich weiterträumen werden, bevor wir dann zur 4. Abendsitzung in Folge auf die Couch sinken, um uns ganz „Elementary“ hinzugeben (nein, kein erotikbefeuerndes Spiel für Paare, sondern unser aktueller Serien-Favorit, in der 3. Staffel).

Oder man liest die Geschichten, die man selbst erlebt und verfasst hat…

…als einen noch die Sommersonne auf der Haut kitzelte und die Bergluft durch Haar und Fell blies.

Die neue WUFF wartet sogar schon mit Herbst- und Winterthemen auf…

… so dass sich die Lektüre auch für all jene lohnt, die an einem verregneten Wochenende gern mal die Stricknadel schwingen (oder Perücken basteln). Cuique suum.

Herzlich grüßt euch

Die Kraulquappe.

Up up and away.

Am Donnerstagabend hab ich den Gutschein vom Gatten doch noch gefunden!

Samstags wurden die Taschen gepackt…

…die neuen Schuhe geschnürt und los ging’s…

…ins Wochenende am Kochelsee.

 Für die Menschen: 1. Room with a view

2. Cruise with a view

3. Walk with a view

Für den Dackel: 1. Machtspiele mit Einheimischen.

2. Flugspiele mit Herrchen.

3. Ohrenspiele im Wind.

Morgen noch Berg oder Baden oder Tretboot. 45 sein ist bislang echt ok.

Einen schönen Sonntagabend wünscht – Die Kraulquappe.

That ragged, jagged melody still clings to me like a leech. Zum 13. Juli 2017.

Jetzt hab‘ ich’s doch weitestgehend so gemacht, wie ich’s oft mache, am 13. Juli.

Nach dem Aufstehen erstmal das Telefonkabel wieder eingesteckt: Der Papa ruft sonst um 7 Uhr an, um der Erste zu sein. So ist er um 8 Uhr immer noch der Erste, sofern man den Hund nicht mitzählt, aber der begrüßt einen ja sowieso jeden Tag als wär’s ein Feiertag.

Morgengassi: Die Münchner Boulevardpresse begegnet meinem Altern mit Zuckerbrot und Peitsche.

Hurra – auch in 5 Jahren besteht noch Hoffnung.

Öha! Wie gut, dass ich mich aktuell etwas schone.

Frühstück: Kaffee und Müsli mit Quark und Heidelbeeren, das erinnert an Schweden. Dabei Päckchen ausgepackt und Post gelesen. Jedes Jahr ein Mix aus Überraschungen und Vertrautem, das finde ich gut.

Wer hat hier eigentlich Geburtstag?

Mit den Danksagungen dauert’s diesmal etwas. Dass da bitte niemand beleidigt ist. Ich darf nämlich übers Wochenende verreisen. Zumindest hat der Gatte das so durchklingen lassen.

Das Geschenk (Hotelgutschein? Bahnticket? Kreuzfahrt?) sollte ich suchen, er hatte es vor seiner Abreise in der Wohnung versteckt, aber der einzige Tipp, der mich zum Versteck hätte lotsen können, war dieses lausige Foto, das er mir frühmorgens whatsappte.

Galvanisierter Fahrradsattel auf Bernsteinbrei.

Dieser Ort liegt angeblich innerhalb unserer Wohnung! Mir war nicht klar, was für scheußliche Winkel es bei uns daheim gibt. Offenbar übersehe ich die selbst beim Putzen.

Nach 1 Stunde mühseliger Detektivarbeit unter Zuhilfenahme des Werkzeugkastens habe ich frustriert aufgegeben. Die Bude liegt jetzt in Schutt und Asche, schließlich hab ich gründlich gesucht. Soll er dann aufräumen. Schließlich hat mich diese Aktion um das Weißwurstfrühstück gebracht, das ich mir eigentlich gegen 11 Uhr gönnen wollte.

Zum Trost ins geliebte Schwimmbad: Ausweis vorgezeigt, freier Eintritt, wie immer mit diesem Kindheitsgefühl. Spind 137 war auch frei, nix los an so ’nem Donnerstag. 2.000m geschwommen, bei Sonnenschein.

Mittags das geliebte Dackeltier eingepackt und mit Lieblingsmusik rausgefahren an den Lieblingsort im Umland.

Odel und Jodel zwischen Jägersbrunn und Maising.

Anderthalb Stunden Seeumrundung, 2x Anti-Brumm nachgesprüht, dann im Seehof eingekehrt, auch hier nix los. Den tollen Streuselkuchen und eine leichte Weiße bestellt, mit mir selbst angestoßen und mir das Allerbeste gewünscht. Man muss gut sein zu sich. Ist besser als drauf zu warten, dass die anderen einem das abnehmen. Erkenntnisse aus dem therapeutischen Begleitprozess zu der Zeit als ich den Dienst zu quittieren wagte.

Same procedure as every year.

Freunde tauchen auf, bleiben, tauchen ab, verschwinden, kommen wieder oder auch nicht, manchmal versteh‘ ich’s, manchmal auch nicht. Ich glaube weniger als früher an diese Konstanten, obwohl’s doch ein paar davon gibt, um die ich froh bin. Immerhin ich bleibe mir erhalten, aller Voraussicht nach.

Jetzt noch ein bisschen geradeaus gucken, die Madame darf derweil im Schilf herumkruscheln, irgendwann dann heimwärts fahren, unter die Dusche und danach – mal sehen.

Der Gatte kommt heute extra früher aus Frankfurt heim. Entweder koche ich selbst ein Lieblingsessen, weil das eh besser schmeckt als im Lokal oder ich fahre über Zwischenstopp Hauptbahnhof in die alte Gegend zum Lieblingsitaliener (@Gatte im ICE: jawoll, ich weiß es immer noch nicht, aber irgendwo werden wir was essen).

Danke, liebe D., da ist wirklich alles drauf!

Ich mag diesen Tag, so mitten im Sommer. Sogar mich mag ich an diesem Tag, meistens.
Das allein kann man durchaus ein bisschen feiern – und nebenbei auch das Ende dieser Geburtstagsserie.

Denn ein Jahr ist rum bzw. vor dem Geburtstag von meinem großen Freund S. , mit dem die Serie begann, gibt’s niemanden mehr, den ich beehren könnte oder wollte, daher bilde ich nun selbst das Schlusslicht.

 

That ragged, jagged melody still clings to me like a leech.

In diesem Sinne: Ein Prosit auf das Leben, den Streuselkuchen, den Sommer und die Musik!
Die Kraulquappe.

PS: Und eines schwör‘ ich, spätestens im nächsten Leben treff‘ ich die richtige Berufswahl: erst Byzantinistik und dann…

Hund haben (6).

[Gestern.]

Hat man einen ausgewachsenen Hund, der einigermaßen sozialverträglich ist, darf man gelegentlich an Welpensozialisierungs-Events teilnehmen. Welpenbesitzer freuen sich dann, wenn sie ihren Kleinen mal unter Aufsicht eines Großen frei laufen lassen können. Und man selbst freut sich, weil junge Hunde nun mal entzückend sind, erst recht beim Spielen.

Hier um die Ecke wohnt die Mutter einer Schulfreundin und die hat seit 4 Wochen einen kleinen Norwich-Terrier, 13 Wochen alt ist der Kerl. Paco heißt er.

Pippa sauste zwei Runden mit Paco, stellte aber fest, dass sie viel schneller ist und ging dann Mauselöcher schnüffeln. Der Kleine wich ihr nicht von der Seite, unternahm permanent Überzeugungsversuche, dass man doch mit ihm spielen solle. Irgendwann hat sie sich dann breitschlagen lassen. Rumbalgen, Wälzen, Ohrennagen, Lefzenlecken – das volle Programm.

Und was war der Dank dafür?

Der Kleine ging nahtlos über zum ersten Erproben seiner männlichen Identität!
Mannomann. Reichst du den Kerlen eine Pfote, nehmen sie gleich die ganze Hundedame.

[Heute.]

Das Thermometer klettert schon vormittags über die 30°C-Marke. Als Gassirunde kommt nur ein Wassermarsch in Frage.

Von Schäftlarn nach Icking gelaufen, zu unserer geheimen Bucht, in der selbst an Wochenenden nichts los ist, wenn sie am Flaucher Handtuch an Handtuch liegen. So eine Idylle aber auch.

Doch der Schein trügt.

Was man auf den Fotos nicht sieht: Ich stinke von oben bis unten nach Anti-Brumm, weil in den Isarauen die Bremsen in Scharen unterwegs sind. Die mitgenommene Brotzeit lockt Wespen an, der Hund bricht in Panik aus. Nach einem Bad in der Isar übergieße ich mich erneut mit Anti-Brumm. Dann üben wir 30 Minuten lang „Ruhe geben“. Kein Plantschen, kein Buddeln, keine Uferinspektion, sondern einfach nur Daliegen und Ruhe geben. Nach 15 Minuten kapiert der Hund, dass es mir ernst damit ist und quetscht sich – nass und dreckig wie er ist – zu mir aufs Handtuch. Das lockt nach ein paar Minuten die ersten Fliegen an, der Hund bricht erneut in Panik aus. Also dann doch mal zusammengepackt.

Im Stechschritt, um nicht gestochen zu werden, durch die Auwälder zurück nach Schäftlarn marschiert. Dort wartet das Auto, mit einer Innentemperatur von ca. 65°C. Also erstmal alle 4 Türen aufreißen und die Hitze rauslassen. Pippa muss vor dem Auto warten. Wieder surren Viecher herum. Hund bricht abermals in Panik aus. Schnappt nach einer Biene oder Wespe. Erwischt sie beim zweiten Mal auch. Jetzt breche ich in Panik aus, ein Stich in den Rachen kann gefährlich werden. Ich reiße dem Hund das Maul auf, die Biene kommt mir entgegen und sticht mich in die Fingerkuppe. Mit den Schneidezähnen ziehe ich den Stachel raus, dann schmeiße ich alle 4 Autotüren wieder zu und wir rennen zum nahgelegenen Kloster. Nicht, weil ich denke, Gott könne mir jetzt helfen, sondern weil ich davon ausgehe, dass die in einer dermaßen beliebten Ausflugsregion für solche Fälle vorgesorgt haben. Kalter Schweiß klebt mir auf meiner von Anti-Brumm eh schon verklebten Stirn, die Hand ist bereits dick geschwollen, am Arm sind die ersten Quaddeln.

Im Kloster haben sie alles da. Erst bekomm ich Cortison, dann ein Kühlgel, abschließend noch ein Anti-Histaminikum, ganz wie gewünscht. Auf den medizinischen Cocktail folgt ein Kloster-Weißbier, für die Nerven und überhaupt.

Für Pippa holt die Wirtin gegrillten Fisch und abgekochtes Rindfleisch, eine große Portion, umsonst, versteht sich.
Weil „Da arme Waki wär ja beinah stochn wordn!“. Oh mei oh mei.

Es lebe der Hund, resp. der Dackel.

[Morgen.]
Hundefrei. Der Gatte darf übernehmen. 🙂

Piep, piep oder: Skizzen aus der Blogpause.

Piep, piep.

Ich hänge meine Bettdecke über das Balkongeländer vor meinem Zimmer und gucke eine Weile ins Grün des Nachbargrundstücks. Die im großen Garten liegende Eingangstür des 8-Parteien-Mietshauses gegenüber öffnet sich. Eine Frau, deren graue Haarsträhnen ähnlich wirr wirken wie ihr Geisteszustand, tritt heraus und ruft „Piep, piep. Piep, piep!“

Morgens, mittags, abends. Manchmal gibt’s auch noch eine Sonderschicht am Nachmittag.

Piep, piep. Immer in derselben Tonlage, immer 2×2 Pieper, immer dieselbe schmuddeligweiße Schlabberhose an. Nach dem ersten Piep-Piep schüttet sie den Inhalt einer kleinen Plastikschüssel in ein Vogelhäuschen, tritt zurück, blickt in den Garten, hinauf zu den Baumkronen. Ruft erneut ein fast mahnendes zweites Piep-Piep, meist mit geschlossenen Augen, und geht wieder ins Haus zurück. Sekunden später schlagen sich die ersten Meisen um die Leckereien, Meisen erkenne ich zweifelsfrei auch auf einige Entfernung. Danach tummelt sich hellbeiges bis braunes Geflatter in dem Häuschen. Wenn der Buntspecht anrückt, ziehen sie Leine, die Kleinen.

Man fixiert sich schnell auf das tägliche Piep-Piep. Wartet fast schon darauf. Nach ein paar Wochen ist bereits klar: Es würde zu den Ritualen gehören, die einem fehlen würden, blieben sie plötzlich aus. Ich würde rübergehen, bei der Frau mit den wirren Haaren klingeln und nach dem Rechten sehen.

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Die neue Gegend.

Tja. Vor- und Nachteile, wie überall. Neulich beim Laufen im Wald eine erste Zwischenbilanz gezogen. Ist wie Listenschreiben, und da ich seit Beendigung des Umzugsprojekts keine Listen mehr schreiben muss (außer Einkaufslisten), bilanziere ich jetzt wieder so vor mich hin. Sofern nicht doch noch umzugsbezogene Arbeiten nachklappern wie Rechnungen bezahlen, Reklamationen mitteilen, Mängel anzeigen und nicht zu vergessen: die Fahrten zum Wertstoffhof. So oft war ich da, dass ich beim letzten Mal (vorgestern!) schon dachte, jetzt ist’s so weit, jetzt hast du Halluzinationen und siehst Raubtiere auf den Containern hocken.

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Also, die neue Gegend.

Pro: Mehr Natur (schier unendlicher Wald!), mehr Vögel (nicht nur wegen Piep-Piep, sondern: wann sah man zuletzt einen Stieglitz in der Stadt?), mehr Wohnung (+ 10m²), schönere Wohnung (alles neu), mehr Balkon (+ 2m²), mehr Luft (vor allem bessere), mehr Stil (das Bad hat was von einem SPA, das Parkett was von einer Villa, zumindest für uns Ausstattungs-Entwöhnte), super Nachbar (wie bereits berichtet), bis Benediktbeuern nur noch 25 Minuten (endlich in die Berge fahren ohne Pipipause unterwegs).

Contra: Mehr Technik (Fensterlüfter mit 4 Stufen, Fußbodenheizung, High-Tech-Türsprechanlage, Jalousien, Wäschetrockner), mehr Fliegen (Pippa am Rande des Nervenzusammenbruchs), mehr Katzen (Pippa am Rande der Heiserkeit), DM weiter weg als zuvor (dafür Biomarkt und Pfister näher), sonst eher Großmärkte mit großen Parkplätzen davor (was ich noch nie mochte).

Aus manchen Vorgärten der Einfamilienhäuser ertönt nun zum Samstagsgrillen Andreas Gabalier oder die Spider Murphy Gang. In der alten Gegend wurden wir von der Mariachi-Mucke der spanischen Eckkneipe oder dem Italo-Pop des Freaks im 5. Stock des Hauses gegenüber beschallt. Schwer zu sagen, welches Grauen das größere ist. Beides jedenfalls ein Grund, die eigene Anlage lauter aufzudrehen. Wenn man denn eine vernünftige hätte.

Statt Trambahnquietschen hört man nun morgens um 5 Uhr die Autobahn in einiger Entfernung rauschen. Offene Fenster? Mal wieder Fehlanzeige bzw. nur mit Ohrstöpseln drin. Leider hört man dann nicht mehr, wenn der Hund sich anschickt zu kotzen oder sich die Flanke wegen einer Zecke blutig beißt und man helfen müsste.

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Überhaupt, die Geräusche.

Wie man doch plötzlich feststellt, an Geräuschen zu hängen, wenn sie erstmal fehlen. Da lese ich die Tage zufällig im Netz, dass Depeche Mode im Olympiastadion war – und die Info trifft mich, sticht mir ins Herz, ganz unvermittelt. Ich hasse Depeche Mode, aber ich liebte es, wenn der Sommerwind die Klangfetzen der Open Airs auf unseren Balkon wehte. Dann wusste man: „Igitt, Depeche Mode ist mal wieder da“ oder der Grönemeyer jammerte vor sich hin oder Axl Rose war mal wieder zu hacke, um die Töne zu treffen.
Alle paar Jahre kam  Springsteen vorbei, und ich war sowas von happy, da hinradeln oder -laufen zu können. Für 1 Konzert alle 3 Jahre muss man wirklich nicht in Stadionnähe wohnen, rational betrachtet, da tut’s auch die U-Bahn (zumal die von hier direkt zum Olympiapark fährt). Aber es hatte was. Jetzt liest man’s in der Zeitung, welches Open Air man nicht rübergeweht bekam und wird sentimental.
So war ich schon immer gestrickt, ich brauche ewig, um irgendwo anzukommen.
Wahrscheinlich bin ich deshalb auch der Typ, der gern mehrfach an denselben Ort reist. Am liebsten fahre ich nach Wien. Da steige ich aus dem Zug aus und bin da und verliere keine Zeit mit Ankommen.

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Zeitgefühl.

Ja, das Ankommen. Binnen 14 Tagen muss man sich umgemeldet haben. Dazu braucht man seit irgendeiner Änderung im Bundesmeldegesetz vor ein paar Jahren eine „Wohnungsgeber-Bestätigung“, zumindest dann, wenn man ein Mietersklave ist. Als Wohnungsnehmer bittet man dann den Wohnungsgeber höflich, ein solches Formular auszufüllen, das beim Amt vorgelegt werden muss. Ein paar Stempel und Formulare später klebt ein Fitzelchen Amtspapier mit der neuen Adresse auf dem Personalausweis.
Bei der Gelegenheit erstmals seit Jahren einen genauen Blick auf diese Ausweisscheckkarte geworfen. Das blonde Wesen darauf hat eigentlich nicht mehr viel mit mir zu tun. Als Ablaufdatum ist der 02.06.2024 eingestanzt – und kurz habe ich das Gefühl, dass dieses Datum auch nicht mehr viel mit mir zu tun hat. Der in der ebenfalls wegen des Wohnsitzwechsels geänderten Zulassungsbescheinigung eingetragene TÜV-Termin fühlt sich anders an, aber der ist ja auch schon im nächsten Mai.

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Laufen und Schwimmen.

Dickes Plus fürs Laufen – jedes Mal eine andere Runde, nur noch Waldboden, herrliche Ruhe. Aber ein Minus fürs Schwimmen – der Weg zum geliebten Bad hat sich zeitlich verdreifacht, 15 Minuten statt 5, wenn man gut durchkommt. Was ist man doch verwöhnt. Ebenfalls entfällt das sommerliche Heimradeln mit nassen Haaren.
Alternativ könnte ich das Freibad der Kindheit und Jugend aufsuchen, das wär‘ jetzt wieder schön nah, aber das läuft bei den Einheimischen immer noch unter „Maria-Neipiesel“ (korrekter Name: Maria-Einsiedel) und ich seh mich da noch vorm Kiosk anstehen, 20 Pfennig fest umschlossen in der Kinderhand, um zwei weiße Mäuse zu kaufen, und dann bin ich endlich dran und der Junge vor mir hat mir die letzte Maus weggekauft (ich hab dann diese gelb-pinken Speckrollen genommen, nicht halb so gut). Die Radtaschen hätten sie uns da auch fast vorm Schwimmbadeingang weggeklaut, wenn der Papa nicht damals den Dieb bis auf den Thalkirchner Campingplatz verfolgt und ihn so beeindruckend am Schlawittchen gepackt und geschüttelt hätte, dass der die Radtaschen (echt gute aus Holland) wieder rausrückte. Alles in allem nicht so die beste Erinnerung. Also lieber ins Auto und zum Dantebad.

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Arbeit und Struktur.

Zäh wie Kaugummi war das zuletzt. Vor allem deshalb auch die Blogpause. Jetzt ist eine Sache endlich mal fertig und die nächste wartet schon. Und die, die mir am Wichtigsten gewesen wäre, hat sich erstmal zerschlagen. Dabei hatte ich da schon manches drauf abgestimmt.
Dafür neue Ideen, auch schön. Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing, mit dem Dackelfräulein. Oder mal wieder nach Wien. Oder auf die Ålandinseln. Oder in die Dolomiten. Oder an den Zürichsee, endlich H. besuchen. Mal sehen. Vorher sinnvollerweise Kassensturz und: die Steuererklärung, die Bayern haben da ja bis Ende Juli Aufschub. Paralell dazu den ganzen Wohnungskram abheften, neue Ordner anlegen. Eigentlich mach‘ ich sowas lieber im November.

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Hundstage.

Nein, nicht die des aufgehenden Sirius ab Ende Juli. Sondern Hundedamenhormonirrsinn. Völlig überraschend hat Pippa beschlossen, ihre durch den Umzugstrubel erfreulicherweise vereitelte Scheinschwangerschaft bzw. -mutterschaft noch nachzuholen. Nicht dass uns das mal eine Saison erspart bleibt!
Seit ein paar Tagen wird viel geweint, des nachts unruhig umhergewandert, immer auf der Suche nach den nicht vorhandenen Kindern. Tagsüber kläglich unters Sofa gezwängt, um den Kummer zu ersticken. Die übrige Zeit anhänglich wie eine Klette und verfressen wie zehn Bären nach dem Winterschlaf. Draußen wie eine Omi unterwegs, man muss sich schließlich schonen, um alle Kräfte für die Aufzucht der Kinder aufzusparen. Der Wäschekorb muss ebenso als Wurfkistenersatz herhalten wie die Decke auf dem Sofa des Nachbarn.
In zwei, drei Wochen dürften wir das Gröbste hinter uns haben. Wer einen imaginären Welpen haben möchte, bitte melden. Ende Juni geben wir sie ab, nur in gute Hände versteht sich.

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Da bin ich also wieder.

Song des Tages (9).

Warmmachen für den nächsten Beitrag.

Arbeitstitel: Was hat der Lago di Bonzo urlaubenden Hunde zu bieten?

Hurra – ein ganzes Ufer für mich allein!

In einem der saubersten Seen Bayerns plantschen, während sich Herrchen und Frauchen an der Wiesseer Skulpturen-Promenade von der Muse küssen lassen?

Nicht ganz wie Kopenhagens Kleine Meerjungfrau, aber mei!

Auf eine Chance hoffen, dem Ex-Captain des FC Bayerns das Leder abzujagen? Einen norddeutschen Pudelrüden aufreißen, der auf Besuch bei Frauchen im Medical Park ist?
Unter einem der schattigen Tische im Bräustüberl geduldig aushaaren, bis man ein Stück Bierbratl ergattert?

Aus der Serie „Dackelbadewannen“. Hier: Vor dem Tegernseer Bräustüberl.

Pippa besucht am Tegernsee in erster Linie ihren Opi. Der schießt zwar keinen Fußball mehr, bietet aber stets genug Schatten, Schutz und Schmankerl. Aber das taugt nicht wirklich als Tipp für andere Hundehalter.

Pippa und ihr „Opi“.

Mir wird schon noch was einfallen. Nächste Woche, nächster Anlauf.

War jedenfalls ein schöner Tag mit meinem Papa. Vorgezogener Vatertag quasi, da uns so eine Katastrophe wie 2016 nicht mehr passieren wird: Völkerwanderung zur Alm, 45 Min Anstehen für 2 Stück Kuchen, lauter besoffene Mountainbikevätertrupps um uns herum.

Abends dann nach 10 Jahren regelmäßiger Aufenthalte am Tegernsee zufällig festgestellt, dass es dort ein Freibad mit 50-Meter-Becken gibt. Wie konnte mir das entgehen? Blind vor lauter Vorurteilen („Das haben die bei dem Altersdurchschnitt eh nicht“)? Hätte man da nicht 1x in 10 Jahren wirklich gründlich recherchieren können? Unfassbar! Schönste Sportschwimmerbahnen, nix los, Wallbergblick beim Rückenschwimmen, ja toll!

Leider komme ich bislang weder einen Tag lang in Ruhe zum Arbeiten, noch ausreichend zum Fotografieren oder Nachdenken. Dafür hat mir der Handwerker, der hier gestern 7 Stunden geschuftet hat (unter anderem haben wir jetzt Licht!), am Ende des gemeinsamen Arbeitsmarathons die Hand gedrückt und gemeint, er nähme mich jederzeit als Assistenz mit. Denselben Satz habe ich doch schon vor 4 Wochen vom Schreiner gehört…?

Vielleicht wäre das ja eine Karriereoption. Am Ende des Tages zu sehen, was man geschafft hat – das hat schon was. Genug Bewegung hätte man dabei auch. Und abends den Kopf so leer, dass einem eh nicht mehr einfiele, was man sonst noch so wollte oder wollen könnte, wenn man nicht so dermaßen müde und geschafft wäre.

Erleuchtet und erschöpft grüßt
Die Kraulquappe (beinahe fertig mit dem Projekt „Umzug“).

Alles verboten.

Jawohl: Hunde! (ursprünglich: Schlossparkverbot)

Gelegentlich muss man sich als Hundehalter über alle Schilder hinwegsetzen, die Waldi&Co. allerorten zur persona non grata degradieren, sonst könnte man zwischen 15. Mai und 15. September keine Pfote mehr in Seenähe setzen…

Badeverbot.

Strandverbot.

Wiesenverbot.

Restaurantverbot.

… – vor allem, wenn hier außer uns niemand läuft, schwimmt, brütet oder frisst.

Himmel der Bayern (17): Dante.

Steh wie ein fester Turm, dem nimmermehr die Spitze schwankt in sturmbewegten Tagen.
(Dante Alighieri, hoffentlich im Jahre 1307.)

Ich versuch’s ja.

Spitzen und Fixpunkte: Turm, Stadionscheinwerfer, Thermometer.
20 Grad zeigt es, man muss 4 abziehen für die Hauswand, sagt der Bademeister, aber auch dann sieht’s ja noch nach Frühling aus.

Beim Reingehen.

 

Beim Rückenschwimmen.

 

Beim ersten Barfußlauf über die Wiese.

 

Beim Blick aufs Thermometer (exakt in Bildmitte, neben dem „Restaurant“).

Nur Schwimmen, nichts denken. Wenn’s klappt, ist’s prima.

Kraulquappenkindheit oder: Bubbles, grün-blau.

Während der Kombi heute Morgen beim Service war, bin ich zum Duschen gegangen. Man kann sich das schon angewöhnen, nicht mehr daheim, sondern im Schwimmbad zu duschen. Selbst wenn’s zuhause wieder ginge. Das Auto kann man auch ungeduscht abgeben.

Die Service-Zeit musste überbrückt werden und ich hatte keine Lust, sie mit Wochenendeinkäufen zu verbringen. Sondern ich wollte nach über 30 Jahren dem Schwimmbad meiner Kindheitstage einen Besuch abstatten, weil das in der Nähe liegt. Das will ich schon ewig machen!

Das 70er-Jahre-Moosgrün ist an nahezu allen Stellen durch ein modernes Dunkelrot ersetzt worden. Schön. Ein architektonisches Glanzstück ist es dadurch trotzdem nicht geworden.

Was 1978 noch „Familienumkleide“ hieß, ist heutzutage patchwork-konform unterteilt in „Vater-Kind“- und „Mutter-Kind“-Umkleide.

Und wie fast immer, wenn ich fremde Bäder aufsuche, ist MEIN Spind belegt und wie ebenfalls fast immer sind links und rechts davon mindestens 10 Spinde frei. Aber ich bin geübt darin, mir 3 Ziffern zu merken.

Nach dem Duschen ab in die Schwimmhalle. Ich kann Hallenbäder eigentlich nicht ausstehen, mir ist Frischluft beim Schwimmen einfach lieber. Und 25m-Becken sind auch nicht mein Ding. Heute mache ich mal eine Ausnahme. Wobei die Halle wirklich hässlich ist, dafür ist die Belüftung besser als vermutet.

Hier, in diesem Becken, und zwar auf den Bahnen im linken Bereich des Beckens, hat die Kraulquappe das Schwimmen gelernt. So zwischen 1976 und 1978. Der Hallenhimmel ist immer noch blau und vernetzt.

Aber das Beste ist, …

… dass die Bubbles noch da sind! In den Originalfarben auf den Originalkacheln meiner Originalkindheit!
Damals habe ich in dem Gesamtgebubble immer ganz klar die Umrisse von Elliot, dem Schmunzelmonster erkannt.

Heute wirkt es auf mich wie grüne und blaue Kreise, bestenfalls wie das Modell einer chemischen Reaktion (was wird man doch einfältig).

Als ich so schwimme und nach 20 Minuten wie immer am Beckenrand meine Flossen anlege, überkommt mich die stärkste aller Erinnerungen.
Ich greife an den Beckenrand, meine Hand spürt diesen rauen, leicht geriffelten Rand, und erinnert sich sofort, wie oft sie dieses Material schon angefasst hat (bewusst hätte man das nie erinnern können, aber im Körpergedächtnis ist’s noch wie in Stein gemeißelt da!) und ich fühle mich um 40 Jahre zurückversetzt.

Das Kind, sich an den Beckenrand klammernd, weil 25 Meter damals so unendlich weit schienen, und weil man ihm die Schwimmflügel abgenommen hatte, fieserweise auch noch auf der tiefen Seite des Beckens, damit es nicht schummeln und sich hinstellen konnte.
Der Papa, ein paar Meter vor dem Kind im Wasser paddelnd und die Arme ausbreitend, mit allerhand Lockrufen und Pommes- oder Steckerleisversprechen, damit sich das Kind, das ja längst schwimmen konnte, auch ohne Schwimmflügel die 3 Meter bis zum Papa wagt: „Komm, du kannst das! Schwimm, du gehst nicht unter, ich bin doch da!“.
(Dann hat er geschummelt, ist heimlich ein paar Meter zurückgewichen, damit ich weiter und weiter schwimme.)

Und jetzt ist man da, ganz allein, am Beckenrand und im Wasser, 1 Stunde lang, ohne Angst, ohne Sich-Überwindenmüssen.
Aber eben auch ohne die Aussicht auf die genoppte blau-weiße 70er-Jahre-Badekappe des Papas und auf Pommes und Steckerleis.

Erwachsensein heißt: Freiwillig ins Wasser gehen, ohne Hilfsmittel, zur Leibesertüchtigung, danach einen gesunden, frisch gepressten Saft trinken und das Auto vom Service abholen.

Schade, dass einem das damals keiner gesagt hat, man wär‘ glatt Kind geblieben.

Wünsche allseits ein schönes Wochenende,
Eure Kraulquappe.