Nachtrag zum 6. Januar: Für D.

…und so begab es sich am letzten der vielen Feiertage, dass die heiligen drei Königinnen den in der Wintersonne glitzernden See umrundeten, das Ende der Rauhnächte mit Honigkuchen be- und versiegelten und mit Almdudler auf das neue Jahrzehnt anstießen, über allerhand Anfänge und Enden sprachen, über Scheiterhaufen und andere Hexenwerke lachten sowie einen Ausritt in die Bergwelt zum Garten der Perchta beschlossen, in dem man schon länger mal ein besonders winterfestes Plänzchen aussäen und mit dem wilden Fräulein durch die Höhlen wandern wollte.

Schöne Aussichten.

Tickticktick.

Es könnte der letzte Frühlingstag in diesem Jahr gewesen sein…

…und nach dem gestrigen Abend ist uns sowieso nach Auslüften zumute, also laufen wir von St. Quirin (an dem man immer nur vorbeifährt, zu Unrecht!) über Gmund (Hundestrand, Thomas-Mann-Skulptur) nach Gut Kaltenbrunn (seit einiger Zeit in der Hand vom Käfer)…

…wo sie auf der Terrasse des Cafés tatsächlich nochmal Gartenpolster auf ein paar Stühle und Bänke gelegt haben…

…so dass sich das Dackelfräulein genüsslich auf den Holzplanken in der Sonne ausstreckt und eine Mütze Schlaf nimmt und ich mich mal wieder in der Kunst des Geradeausguckens übe, der Blick also nach Wiessee hinüberschweift, und sehe ich Wiessee, denke ich unweigerlich an H., die dort geheiratet hat, und ich überlege, wie lange das nun eigentlich schon her ist, 14 Jahre müssten es sein, meine Güte, was sind die Jahre schnell verflogen, damals allein im grünen Seidenkleid zu der Hochzeitsfeier gegangen, weil der U. mal wieder einen Totalausfall hatte, also lieber allein als mit ihm im Schlepptau, hätte H. nur noch ein Jahr gewartet mit ihrer Eheschließung, hätte ich mit einem vernünftigen Begleiter kommen können, aber was soll’s, alles Schnee von gestern, sowieso unzählige Erinnerungen an diesen See und sein bergiges Umland, weil der Haubau der Lebensgefährtin vom Papa ja bereits 17 Jahre her ist, so lange fahre ich nun schon regelmäßig hier raus, um die 200 Mal dürften es locker schon gewesen sein bislang, obwohl’s nie mein Liebslingstal und auch nicht mein Lieblingssee werden wird, aber manche Weichen stellt man eben nicht selbst, denn wenn’s nach mir gegangen wäre, hätte der Papa sein Altersdomizil ein Tal westlicher wählen sollen, in dem zwar der See fehlt, aber die Bergwelt die schönere ist, und während ich die Gedanken von A wie Abwinkl bis Z wie Zenettihäusl kreisen lasse, beiße ich auf eine matschige, große Rosine, obwohl ich den Kellner sogar zweimal fragte, ob sich in dem Apfelstreuselkuchen auch ganz sicher keine gedemütigten Weintrauben befänden, weil mir sein wackliges Ja beim ersten Mal nicht so geheuer war, fast immer wird man in puncto Rosinen beschissen, vor allem, wenn Apfel mit im Spiel ist, dann wird’s unseriös, und beim Herausfieseln der Rosine aus dem Mund, um sie am Tellerrand abzustreifen, denke ich an den Papa und dass Rosinen zu den Dingen gehören, in denen unsere Vorlieben konträrer nicht sein könnten, und dass es eigentlich eh immer eine Menge solcher Dinge gab und gibt, bei denen wir uns massiv unterscheiden oder uneins waren, es ist gut, dass einem sowas auch mal wieder ein- und auffällt, denn je älter er wird und je gebrechlicher, desto verklärter und friedvoller betrachte ich ihn und uns, erst heute Vormittag wieder eine Aufwallung größter Rührung, als wir zusammen am PC sitzen, weil er einige Fragen hat, er, der früher nie Fragen an die Tochter hatte, außer vielleicht Wann kommst du heim? oder Wie alt ist der Knilch? und plötzlich hagelt es nun Fragen, weil er mit der Technik nicht klarkommt und beispielsweise die Speicherkarte die Fotos nicht rausrückt, ich sehe ihm zu, wie seine zittrige Parkinsonhand die Maus bewegen will, gefühlt dauert es eine Ewigkeit, bis der Zeigefinger endlich den Klick ausführt und noch eine weitere Ewigkeit, bis er mir sein Problem vorgeführt hat, unterm Tisch liegt das Dackelfräulein und leckt ihm den großen Zeh ab, was ihn freut, so wie ihn überhaupt die Gegenwart des kleinen Hundes unglaublich erheitert, dann überlässt er mir Maus und Tastatur, und ich helfe ihm, lege Ordner an, kopiere 352 Russlandfotos an zwei verschiedene Stellen, tippe ihm eine Anleitung für zwei weitere Probleme, und er sitzt da neben mir auf dem Stuhl in seinem Morgenmantel, staunt und guckt, was ich da mache und dass ich Antworten habe, kindlich wirkt er, immer kindlicher, auch morgens kicherte er heute wie ein Kind, als ich das Fräulein zu ihm ins Schlafzimmer ließ, sie mit Anlauf in sein Bett sprang und schwanzwedelnd über ihn herfiel, ihm die Ohren polierte, was ihn so kitzelte, dass er sich zur Seite rollte und kicherte, wie ich ihn lang nicht mehr kichern hörte, sich das Kissen über den Kopf hielt, was natürlich einen waschechten Teckel keinesfalls von seinem Tun abhalten kann und so ging das Gebalge weiter, bis ich den Hund wieder aus seinem Bett klaubte und auf den Boden zurücksetzte und beide noch ein Weilchen erschöpft hechelten, aber ziemlich glücklich wirkten, kostbare Momente, und immer kostbarer wird ja die Zeit, wenn da auf einmal eine Uhr tickt, die vormals vierzig Jahre oder länger eine solch geräuschlose Existenz führte, dass man nie dran erinnert wurde, dass diese Uhr überhaupt Zeiger hat, die sich – tickticktick – bewegen und auf etwas zuschreiten, ja, da naht etwas, das spüre ich deutlich, ein Advent der anderen Art, dieses Nahen, denn wenn es angekommen sein wird, ist keine Geburtstagsfete angesagt, so viel ist klar.

Was man nicht so alles erinnern und denken kann, wenn man mal ein Dreiviertelstündchen dasitzt und den letzten Frühlingstag inhaliert und einen niemand vollquatscht oder anderweitig auf den Wecker geht.

Bierbichler-Country.

Nach vier seelosen (aber keinesfalls seelenlosen) Tagen wieder am See unterwegs: Ostufer – von Münsing über Reicherskam, Holzhausen, Oberambach und Weidenkam nach Ambach.

Dem Föhn sei Dank weht ein so mildes Lüftchen, dass man mit offener Jacke spazieren gehen kann, und nicht friert, wenn man alle 10 Minuten stehenbleiben muss, um die Himmelsfarben überm See oder der Alpenkette zu bewundern oder sich auf dem Aussichtsbankerl vor der Holzhausener Kirche niederlässt und sein Käsebrot isst.

Dann sogar noch ein Plätzchen im Bierbichler-Gasthof bekommen, auf ein Unertl, eine leichte Frühnachmittagsweiße, im Wirtshausflur hängt das Interview mit dem Spruch des Hausherrn: „Ich hacke Holz, damit ich nicht joggen muss.“

Nette Münchner mit am Tisch, Blick auf den See, eine angeregte Unterhaltung ergibt sich und weil’s dann bei Aufbruch glatt schon ein wenig dämmert, nehmen sie das Dackelfräulein und mich ein Stück im Auto mit, da wir die anderthalb Stunden zurück zum Auto definitiv nicht mehr im Hellen geschafft hätten.

Daheim gleich die schon morgens vorbereitete Lasagne ins Rohr geschoben und alsbald verzehrt. Was will man mehr?

Vom langsamen, leicht umständlichen Heranpirschen an das Eigentliche einer Sache.

Drei Tage Arbeitsklausur am See.
Mich mit Ruhe und Bedacht und auf ein paar Umwegen an das Eigentliche herangepirscht.
Mit passablem Ergebnis: der Text ist jetzt zu 95% fertig. Finde ich zumindest heute Morgen.

Und sonst so?

Von allem was dabei gewesen:
Perfekter Seeblick vom Zimmerfenster aus, drumrum ein Ort der Inspiration, etwas sportliche Betätigung in den Morgenstunden, zäher Novembernebel, zähe Gedanken, absurde Wortfindungsstörungen, aber auch sprudelnde Ideen, beinahe ungeahnte Kreativitätsschübe, kalte Füße trotz warmer Socken, lauwarmes Rührei zum Frühstück, den Input an Nachrichten aus der Welt gering gehalten, immerhin 1x Musik gehört bei einem Morgenlauf, abends Stern-Weiße von Hacker-Pschorr (kommt gleich nach Schneider Weiße TAP7), ein krasser Sonnenuntergang in Lila-Orange-Magenta, wunderbar feste Matratze, entsprechend gut geschlafen, im Lokal 1x Schwaben am Nachbartisch („Ha noi, de Oggsebruschd is aus!“), dafür 2x in ebenjenem Lokal Horizont erweitert in Sachen OMG (once again: that doesn’t mean „Oh my God“ but Oskar Maria Graf, a famous Bavarian writer), sogar einige Gedichte gelesen, keinerlei überflüssige Wortwechsel mit überflüssigen Zeitgenossen, jeden Tag ein schwarzes Haar des Zimmermädchens im weißen Waschbecken, drei Herpes nebeneinander auf der Oberlippe (beinahe schaut’s aus wie die aufgespritzen Lippen eines Hollywoodstars, nur die Frisur passt nicht ganz dazu), eine angenehme Nachttischleuchte (schätzungsweise 2700 Kelvin, so muss das sein), resche Bratkartoffeln ohne blöden Kümmel oder ekligen Speck und endlich mal eine Rezeptionistin, die auf meine Bitte um eine ganz bestimmte Art von Zweitkopfkissen sofort sachkundig mit „Ah, Sie moana a Hansi?!“ reagiert.
Ja super! Genau, des moan i (mia song dahoam Hansipolster, oba bassd scho)!
Erlebt man ja leider verdammt selten in Hotels.

Wenn eines der wichtigsten Werke von Oskar Maria Graf nicht ausgerechnet mit „Das Leben meiner Mutter“ betitelt wäre, hätte ich das Trumm ja schon längst gelesen. Deshalb muss ich mich auch da ganz langsam heranpirschen, diese biografisch bedingte Barriere im Hirn wird aber wohl eines Tages noch einstürzen, das spür ich schon. Und bis dahin blättere ich eben durch die kleineren Werke wie die gesammelte Reden, Gedanken und Zeitbetrachtungen.

Darin finden sich wahre Highlights des Grafschen Sinnierens über unsere Landsleute und deren Humor:

Um einem nichtbayrischen Menschen unseren Humor auch nur halbwegs begreiflich zu machen,
dazu muß man im Erklären ein bißchen weitschweifig sein.
Weitschweifigkeit oder, besser, das langsame, leicht umständliche Heranpirschen
an das Eigentliche einer Sache gehört zu unserer Natur.
Alles Knappe, logisch scharf Umrissene ist uns zuwider.
Wir sind für das Kommode. ‚Kamott’, wie wir es aussprechen,
heißt soviel wie sich in allem gemütlich Zeit lassen
und das zuträglich Behagliche voll auskosten.
Meistens springt dabei sogar ein Vorteil für uns heraus, und wenn es auch nur der ist,
daß ein anderer Mensch sich darüber ärgert oder nervös wird.
Ein ‚kamotter’ Mensch mag das Durchdenken, das in heutigen Zeiten so beliebte Zu-Ende-Denken nicht,
er ist für das Betrachterische.
Das hängt vielleicht mit unserer weltberühmten Kunst,
dem ‚Bayrischen Barock’ zusammen, bloß, meine ich immer,
daß ‚barock’ überhaupt eine persönliche Veranlagung jedes einzelnen Bayern ist. [. . . ]

Bayrischen Humor gibt es allerdings zweierlei:
den, über welchen die Eingesessenen lachen
und jenen, den die Fremden an uns belachen.
Der erstere beruht auf unserer scheinbaren Unlogik und auf der Langsamkeit im Begreifen.
Bei der Beurteilung des letzteren bin ich nicht kompetent.

(Oskar Maria Graf, „Etwas über den bayrischen Humor“. In: „An manchen Tagen.“, 1961)

Da brauch ich keinerlei Tischgesellschaft, wenn ich sowas neben meinem dampfenden Blaukrautschälchen liegen habe und darin lesen kann.

Und am letzten Abend, im Hotelbett, schließt sich dann der Kreis, als ich das hier aus dem Netz fische:

Nun noch ein bisschen Herumdenken an den fehlenden fünf Prozent, meine Siebensachen zusammenpacken und gegen Mittag wieder nachhause zum Gatten und dem Dackelfräulein, die den Giardien hoffentlich bereits erfolgreich den Garaus gemacht haben.

Auf Wiederseen!

See_lenfrieden.

Eine überwiegend aufreibende, anstrengende Woche. Am Schreibtisch ebenso wie draußen – und überhaupt.

So ein Tierkliniktermin hängt mir tagelang nach, vor allem, wenn auch die Diagnosen erst Tage später eintreffen. Selbst, wenn man bewusst nicht wartet, so wartet man eben unbewusst doch.

Seit gestern wissen wir mehr. Giardien. Na super. Den Hundekundigen unter Ihnen ist klar, was das bedeutet. Den anderen empfehle ich, nicht nachzuschlagen. Immerhin ist nun die fünfwöchige Leidenszeit des Dackelfräuleins hinreichend erklärt.

Dann noch ein anderer Verdacht, aufgrund der Blutwerte. Gar nicht schön. Das bleibt hier aber so lange unerwähnt, bis es endgültig abgeklärt ist, denn ich bilde mir gelegentlich ein, dass man manchen Dingen durch ihr Nicht-Niederschreiben auch ihre Existenzgrundlage entziehen kann.

Überhaupt stand Fräulein Hund diese Woche etwas arg im Vordergrund. So lang war sie noch nie paarungswütig, so oft hab ich noch nie „Ist das ein Rüde?“ durch die Gegend geplärrt oder mein Bein trennend zwischen sich begegnende, hormongesteuerte Vierbeiner gestellt.

Und nebenher noch viele andere Dinge, die einen beschäftigen (zwischendurch den rechten Arm endlich dem Osteopathen anvertraut).

Deshalb bin ich jetzt mal kurz weg.
Auf Mutter-Kind-Kur quasi. Nur ohne Kind. Das ist daheim, beim treusorgenden Gatten.
Ich hab mal nachgerechnet: 2019 war ich bislang genau 4 Tage/Nächte als Individuum ohne Anhang unterwegs. Da schlag ich doch nun glatt nochmal zwei Tage obendrauf!

Muss mal für mich sein. Aber nicht irgendsoein Wellnesskörperpamperseeleaufweichprogramm (schade eigentlich), sondern eine kleine Arbeitsklausur. Ein Text möchte fertig werden. Bzw. überhaupt erstmal geschrieben werden. Ein wichtiger Text. Das erfordert Ruhe und Abstand – und einen geeigneten Ort fürs Anfangen.

Dieser Ort ist hier. Am See. Mit Blick auf den See. Grau sieht er aus, im November, aber das passt prima.

Nebenan das Bootshaus, vor dem in den Kindheitsommern der S. saß, der immer mit der Mutter flirtete (und sie mit ihm), wenn wir bei ihm ein Ruderboot ausliehen, um rauszufahren auf den See.

Unverändert steht es da, das Bootshaus. Ich kann das Knarzen der Holzplanken noch hören, wenn die Mutter über den Steg lief, um trockenen Fußes das Boot besteigen zu können (es ging wohl eher drum, sich von S. ins Boot hineinhelfen zu lassen, denn er hielt sie immer an der Hand, sobald sie die erste Sprosse der Leiter betrat, die vom Steg ins Wasser hinunterragte).

Kann das Knirschen und Klackern der Uferkiesel noch hören, über die ich in dem türkisen Jerseykleidchen mit dem Segelbootmuster (die Basttasche über der Schulter und die Sandalen in meiner Rechten) ins Wasser hineinging, um von dort aus ohne helfende Hand in das Boot zu klettern, in dem die Mutter bereits saß und selten selig vor sich hin lächelte.

Der S. wohnt im oberen Ortsteil, ist nun 79 und längst nicht mehr Bootsverleiher, bestimmt aber immer noch so braungebrannt wie 1979.

Haben Sie ein schönes Wochenende & bis demnächst!

Geburtsdog.

Zur Spätnachmittagsstund‘ in Gmund: Das Fräulein erfreut sich am Hundestrand, ich mich am menschenleeren Nachsaison-See.

Nun weiter zum Papa, wieder einer dieser Wer-weiß-wie-viele-noch-Geburtstage.

Ein Geburtsdogstänzchen für den Opi (und eine Gedenkminute für P., der uns seinerzeit Hauptmanns „Und Pippa tanzt“ schenkte, zum Einzug des Dackelfräuleins).

Vergessene Berge.

Treffpunkt: Kochel am See. 16 Grad, Nebel, ein feuchtkühler Herbstsamstag.

Mit seiner alten BMW biegt B. auf den Parkplatz ein, steigt ab und hält mir die Wanderkarte unter die Nase. Sein erster Vorschlag ist die Sonnenspitz, ich studiere kurz die Karte und willige ein. Denn das sieht exakt nach der Art von Tour aus, die das Dackelfräulein am meisten liebt: null Forststraße, null Asphalt, ausschließlich schmale Bergpfade.

Wir gehen die 700 Höhenmeter auf die Sonnenspitz (die sich heute Mittag leider überwiegend in Wolken hüllt) sehr flott hoch. Und das nicht etwa, weil wir Lust auf einen Bergsprint haben (ganz im Gegenteil: B. steht kurz vor seiner zweiten Hüft-OP und ich spüre noch die Tour vom Donnerstag in den Waden, außerdem ist es das erste Wiedersehen seit Wochen, so dass es viel zu erzählen gäbe).

Nein! Wir gehen so zügig da hinauf, weil Pippa so freudig und vital vorauswieselt wie seit Monaten nicht mehr. Den Spaß will ich ihr unbedingt lassen, also hecheln wir hurtig hinter ihr her und staunen, wie sie in dem wild zugewachsenen Bergwald überall sofort den richtigen Pfad findet – was gar nicht so einfach ist, denn die Zustiege auf die Sonnenspitz werden seit ein paar Jahren nicht mehr gepflegt, weil die Berge drumrum (Herzogstand, Heimgarten, Jochberg) allesamt beliebter sind als die etwas schroffe, steile Sonnenspitz. Man ist x-mal an ihr vorbeigefahren und hat ihr nie Beachtung geschenkt, geschweige denn, dass man auf sie hinaufgestiegen wäre. Zu Unrecht!

Der Reiz solch vergessener Berge besteht nämlich genau darin, dass sie vergessen wurden. Dass sie nicht gut genug waren für die Top Ten im Blauen Land, nicht spektakulär/hoch/aussichtsreich genug. Das hat zur Folge, dass sie nie überlaufen sind und ihre Wege unberührt wirken. Trifft man doch mal auf andere Bergsteiger, sind es Einheimische, Mountainbiker verirren sich gar keine hierher.

Das Beste: es herrscht völlige Ruhe auf einem vergessenen Berg. Und für die Hundenase herrschen paradiesische Zustände. Hier gibt es bereits mitten auf den Wegen die pure Natur (fast schon: Wildnis!) zu entdecken (anstatt von Bergstiefeln und Fahrradreifen zermalmte Böden). Wunderbare Tour, da waren wir sicher nicht zum letzten Mal!

Und als wir zufrieden und erschöpft wieder im Tal ankommen, trollt sich dann auch das letzte Wölkchen gen Osten, in die Jachenau oder ins Karwendel, so dass der Tag am Seeufer ausklingen kann, weil die Spätnachmittagssonne glatt noch die durchgeschwitzen Klamotten zu trocknen vermag.

Was für eine Woche, was für ein schöner Oktober!

Saisonende verpasst.

Kommt man heut an den Lieblingsort, hat doch glatt der Biergarten die Saison schon vor uns beendet…

Auch das Fräulein spürt’s: exakt hier fehlt unser Tisch!

…was wir natürlich wussten und weshalb wir selbst Proviant dabeihatten, ein bisserl fehlte die Jakobs-Weiße dann halt doch, aber man kann nicht alles haben: Konzert in Wien UND letztes Seebiergartenwochende mit Streuselkuchen und Weißbier und Sonnenschein, und so rascheln wir zufrieden durchs bunte Laub und freuen uns des Lebens und an dem, was wir haben und was vor unserer Nase ist – ohnehin mehr als genug, das alles.

Seeblick mit Zugspitze (wenn man genau hinguckt).

Die schöne Münchnerin oder: Ein Mäusefilm zum Weltkatzentag.

Öha – Weltkatzentag ist heut!

Und der Metzger packt auch noch aus, und das hiesige Traditions-Fotogeschäft verlost einen Workshop für schöne Münchnerinnen. Holla!

Hier ist unsere Antwort auf diesen spektakulären Schlagzeilen-Dreiklang der Abendzeitung:

1. Ab zum Choiffeur, damit man auf dem Bewerbungsfoto für den Workshop auch ausschaut wie eine schöne Münchnerin.

2. Nachfrage der Hundefriseuse bejahen: „Griaß di, Mausi, mogst a Wurschti?“ – Ja. Mausi mag jederzeit ein Wurschti. Auch zwei. Oder drei. Oder alle. Das sollte die liebe Sabine nach vier Jahren eigentlich langsam mal wissen.

3. Frisch getrimmt drehen wir dann einen MausiMäusefilm (*). Achten Sie bitte auf diese selten schöne Silhouette und die Geschmeidigkeit in den Bewegungen! Und bitte auch auf das inbrünstige Grunzgeräusch: das kriegt keine Katze niemals nicht hin.

Mit einem Prosit von unserer Beamtenrunde am See, die aus genau 7 Ritualen besteht (3x Wässerung, 2x Grabung, 1x Wälzung und 1x leichtes Weißbier nebst Streuselkuchen), in der immer gleichen Reihenfolge, worauf das Fräulein noch größeren Wert legt als ich, grüßen wir Sie recht herzlich und wünschen Ihnen einen sonnigen Feierabend 😎🐕👍

(*) Hinweis: Bei den Dreharbeiten kam kein einziges Lebewesen zu Schaden. Auch vorher und nachher nicht. Bestenfalls wurden ein paar Grashalme umgeknickt und das Erdreich hie und da etwas aufgelockert.

Song des Tages (37).

Like a bird on the wire
Like a drunk in a midnight choir
I have tried in my way to be free

Für D.
Danke für den gemeinsamen Tag.