Domestikation oder: Ideen, auf die man kommt, wenn einem der Nikolaus nix bringt.

Tür geöffnet: Nix!
Nur die schmutzigen Stiefel vom gestrigen Marsch am See.

Raus zum Gassi. Im Treppenhaus bemerkt, was so alles in den Stiefeln der Nachbarskinder steckt. Holla, die Glücklichen!
An früher gedacht. Nikolaus, das war der Tag, an dem der Vortag, also der Geburtstag der Mutter, noch nachwirkte, das konnte die beste Lindt-Schokolade nicht übertünchen und Santa Claus konnte sich die Rute getrost sparen.
So gesehen war’s wurscht, was im Stiefel steckte oder nicht, denn die Granatenenttäuschung der Mutter steckte uns ja noch in den Knochen, obwohl wir uns die Hacken ausgerissen hatten für diesen Jubeltag und seine Würdigung.

Ich hätte da also nikolaustechnisch irgendwie einen Nachholbedarf, obwohl mir dieses ganze Advents- und Weihnachtsgedöns an sich ja egal ist. Denk ich mir so, als ich wieder hochkomme in die Wohnung.

Der Hund will spielen, ich auch. Prima, spielen wir also.

„Sind Sie vom Nikolaus eigentlich auch so enttäuscht wie ich?“

Der Hund hat sich das Spiel anders vorgestellt.
Aber für ein paar Hirschbröckerl ist es mir gestattet, die Spielregeln vorzugeben.

Hohoho!

Meine Laune ist jetzt besser.

Tipp des Tages: Sollten Sie’s irgendwie an der Seele haben oder gar zu Depressionen neigen, dann holen Sie sich doch einen Dackel ins Haus. Das ist wie ein Dauerrezept für ein Spitzen-Anti-Depressivum, weitgehend nebenwirkungsfrei, freilich nicht preiswert und auch in der täglichen Dosierung und Anwendung manchmal durchaus herausfordernd, aber Ihre Gesundheit und die Stabilität Ihres Nervenkostüms – speziell in der Vorweihnachtszeit – sollte Ihnen ja was wert sein.

Einen frohen Nikolaustag und -abend wünschen wir Ihnen!
Bleiben Sie locker, trotzen Sie der Domestikation, vor allem, wenn Sie ein Hund sind oder ein Rentier.

 

Herzlichst,
Ihre Kraulquappe.

PS: Ganz besondere Grüße gehen hiermit an die liebe B. aus O., die sich dieser Tage nichts sehnlicher wünschte als ein frontales, fröhliches Pippa-Foto und solche Wünsche nimmt der Nikolaus immer sehr ernst!

Heart and soul. Zum 18. September 2018.

„No one you have been and no place you have gone ever leaves you. The new parts of you simply jump in the car and go along for the rest of the ride. The success of your journey and your destination all depend on who’s driving.“
[Bruce Springsteen: „Born to run“, 2016.]

In diesem Sinne wünsche ich dir, liebe S., für deine Reise durchs neue Lebensjahr immer den richtigen Chauffeur, allzeit die passende Geschwindigkeit, in heiklen Kurvenlagen ausreichend Stabilität und gute Bremsen – und vor allem viel Vergnügen auf all deinen Wegen!

Von Fan zu Fan ist es ja die allergrößte Herausforderung, einen adäquaten Geburtstagssong aus dem riesigen Werk unseres Meisters herauszufischen. „Glory Days“, das du ja sehr magst, war mir zu retrospektiv, „The ties that bind“, das dir sehr viel bedeutet (mir auch!), ist für dich ja arg speziell „besetzt“, ein paar Songs, die ich gern genommen hätte, waren mir zu beach-beer-summer-shalalala-mäßig und so vertiefte ich mich schließlich in die Rubrik „songs that matter through all my life“ und durchforstete sie gründlich .
Dort lagert das, was ich üblicherweise eher selten rauslasse, weil: zu melancholisch, zu sperrig, zu persönlich, zu unspektakulär, zu erinnerungsbeladen, zu unzugänglich oder musikalisch/poetisch einfach zu unbedeutsam.
Aber wenn das überhaupt jemand versteht, dass man an genau solche Songs sein Herz für immer verlieren kann, dann wohl du!

Und so widme ich dir heute einen meiner heart&soul-Songs, in dem es nebenbei passenderweise auch um eine längere Fahrt geht (wenngleich ich dich ebenso wenig wie mich für eine passionierte Schuhkäuferin halte), in dem es aber vor allem diese beiden Worte sind, die mich wieder und wieder erschaudern lassen (hier, in der wunderbaren Version aus Göteborg, bei 6:14 zu hören):

„(through the wind, through the rain, the snow, the wind, the rain),
girl, you’ve got my love, heart and soul!“

 

Zehn Minuten und achtzehn (!) Sekunden aus einer schwedischen Sommernacht (begeistert er dich eigentlich im Profil genauso wie mich?) hier und heute für dich mit meinen herzlichsten Glückwünschen und lieben Grüßen aus München, wo wir uns ja in Kürze wiedersehen werden!

Greetings from tramp to tramp with all my heart and soul –
Deine Natascha

Bright spots.

Schöne Aussichten tun sich auf und verschwinden ebenso plötzlich.
Gefrieren in weißgrauer Kälte über Nacht zur Erinnerung.
Oder nehmen – gerade noch im Fluss und voller Dynamik – während ihres langsamen Zerrinnens die Gestalt eines Eiszapfens an.

So warten wir aufs Frühjahr, wenn es wieder zu tauen und zu fließen beginnt, wenn Temperatur und Licht den Widerfahrnissen einen anderen Anstrich geben.

Ein jahreszeitlich passendes Zitat aus dem ZEIT-Magazin fällt mir da ein:

*****

Immerhin doch drei gute Gefühle/Zustände in dieser Woche:
1. die Heimfahrt mit Musik
2. ins Wasser eintauchen und schwimmen
3. die warme Mahlzeit samt kühlem Hopfengetränk

[Höre plötzlich die längst verblichene Mutter, wie sie zu sagen pflegte: „Hopfen ist gut für die Nerven, heiße Milch mit Honig ist gut für den Schlaf, Lindenblütentee ist gut gegen Erkältung“ – nur Ersteres konnte ich ohne Würgereiz an- und übernehmen.]

*****

Heimat, das ist dort, wo sich der Anblick eines am Straßenrand vorbeihuschenden Landkreis-Schildes (durch Witterung und abblätternde Farbes so verblichen wirkend) anfühlt wie ein warmes, beruhigendes Streicheln über deine müden, geröteten Wangen.

Du passierst diese unsichtbare Grenze, durchbrichst die äußerste Schicht deiner Zwiebel, spürst sofort den Trost im Schoße dieser Landschaft, die schon immer dein Zuhause war und es immer sein wird, denn mein Radius ist überschaubar – nicht jeder ist dafür gemacht, „in der Welt zuhause zu sein“.

Tränen schießen dir in die Augen und verschleiern deinen Blick auf die winterliche Straße (mehr als es deine abgewetzten Wischerblätter erlauben).

Was für ein guter Moment – trotz allem anderen, was gerade ist oder nicht ist oder viel zu vage ist.

Noch 30km bis nachhause, du wechselst die CD, hörst zum vielleicht 100. Mal in den letzten Wochen diesen Song, von dem du die Finger ebenso wenig lassen kannst wie von warmem Toast mit Nutella als Seelenpflaster in trüben Phasen, weil sich die Lyrics so schön mitsprechen lassen, ein bisschen monoton, einem kindlichen Auszählreim gleich (und noch verstärkt durch den simplen Takt): „you were the only one I ever had, the only bright spot in a life that went bad“.
Vor allem fühlt sich das so weich an, auf der Zunge und den Lippen (sprechen Sie’s mal nach, am besten mehrfach), eben wie samtweiches Nutella am Gaumen (das oder die Nutella? Wurscht.).

Und ein paar Strophen später dann „when they flip the switch I hope all I can see“ und wie sich’s zu dem schlichten, anrührenden Jahrmarktmusikgeplätscher auflöst in „is you in my arms dancing with me“
So weich, das alles, obwohl hier ein Todgeweihter seine letzten Verse von sich gibt.

Werde das vielleicht noch 100x mitsprechen müssen, bis ich mit dem Lied und dem Gefühl, das es erzeugt oder an dem es sich abarbeitet (denn wer weiß das schon, was zuerst da war), fertig bin und es zum normalen Repertoire der SD-Speicherkarte „Automusik“ gehören wird.

Vielleicht komme ich auch nie über diese Zeilen hinweg, so dass „baby, tie your hair back in a long white bow, meet me in the fields out behind the dynamo“, „I got this guitar and I learned how to nake it talk“, „and if you say hide, we’ll hide“ und „with charcoal eyes and Monroe hips she went and took that California trip“ (und an was man halt sonst noch so hängengeblieben ist nach fast 4 Jahrzehnten Hinhören & Rückenschauern) weitere Gesellschaft bekommen.

Ach, diese Zeilen aus Songtexten, die wegen ihrer Betonung oder ihres Rhythmus ein Leben lang so zuverlässig eine Gänsehaut bescheren, wie es früher, in den Studienjahren, stets der Anblick des Olympiaturms vor der föhnigen Alpenkulisse vermochte – an dieser einen Stelle auf der A9, von Würzburg nach München heimfahrend, um das Wochenende oder die Semesterferien beim Papa oder in dem kleinen Haus am Moorsee zu verbringen (wo manche der geliebten Tiere unter Begleitung der passenden Musik zu ihrer letzten Ruhe gebettet wurden).

*****

War nicht so meine Woche.
Insgesamt auch nicht mein Monat.
Aber zur Prognose oder Gesamtsumme sollte man’s jetzt auch nicht aufbauschen (erst recht nicht zur Bilanz), das lehrt die Lebenserfahrung.
Und der Gatte bekräftigt es auch, dass dem so sei.

Darauf vertrauend also weiter.
Vielleicht wirklich mal wieder einen Sprung ins kalte Wasser wagen?
Denn Schwimmen, das kann ich doch?!

Einen möglichst warmen Start ins wohl kälteste Wochenende des Jahres wünscht –
Die Kraulquappe.

Mukiku.

Viel Aufruhr in den letzten Wochen, in etlichen Lebensbereichen.
Ein bisserl viel und anstrengend war’s, wenngleich sich ein Trend zum Beflügelnden abzuzeichnen schien.
Dennoch: Der Akku muss jetzt ein bisschen aufgeladen werden, die Birne braucht Ruhe und neue Impulse, der Körper ebenso.

Wir sind dann mal für ein paar Tage weg – Richtung Berge, eine Art Crash-Mukiku (kurze Mutter-Kind-Kur) – und sollte uns danach sein, melden wir uns von unterwegs mal mit ein paar Ein- oder Aussichten (also einem Bild aus dem Schnee oder vor großen Kuchenstücken sitzend oder faul aus den Kissen hervorlinsend).

Bis bald & ein schönes restliches Wochenende!
Die Kraulquappe & das Dackelfräulein.

On the catwalk.

Seit dem 28. November keinen Stadtspaziergang mehr gemacht – der Trip nach Braunschweig, der voralpenländische Wintertraum und etlicher Alltagsmist/-frust kamen dazwischen – aber gestern hat’s endlich wieder geklappt.

Am U-Bahnhof Odeonsplatz geht’s bei bestem Wetter los…

Noch fix dem Fielmann-Köter einen Schluck gemopst.

…vorbei am sonnenanbetenden, latte- und weißbierschlürfenden Tambosi-Volk…

Auch bei 5 Grad: Sehen & Gesehenwerden.

…zum Schaulaufen und Meet&Greet in den nahezu leergefegten Hofgarten…

Auch ich in Arkadien! (P. aus B. gewidmet)

Suchbild: „Finde alle Dackel!“ (Advanced Level: „Finde Pippa!“)

Das Dackelfräulein vor der Bayerischen Staatskanzlei.

Aus der Reihe „Liebeserklärungen, die ich nicht bekommen möchte“.

…und von dort ist es nur ein Sprung hinüber in den Englischen Garten.

Am Ufer des Köglmühlbachs hinter dem Haus der Kunst.

Die Brücke über den Eisbach.

Mein Hund, der Außenseiter (#metoo).

Beliebtester Kiffer-Tempel Münchens: Für 830.000€ renoviert und mit vom künftigen Ministerpräsidenten vergoldeter Inschrift 😦

Über eine Stunde haben wir uns treiben lassen, Bälle geschossen und gejagt, die Sonne genossen und trotzdem gefroren, den schönsten aller Stadtparks durchwandert – gäbe es eine Seele, so hätte sie gebaumelt.
[Dabei an Springsteens Autobiographie gedacht: „There is no evidence of the soul except in its sudden absence. A nothingness enters, taking place where something was before.“]

Ach ja. Ein Ziel hatten wir natürlich auch. Ich wollte endlich mal wieder nach Bogenhausen, in die Straße, in der sich das Büro meines Vaters befand, in dem ich so viel Lebenszeit verbracht habe.

Die passende Einkehr gab’s dort auch, wobei ich etwas verärgert darüber war, dass sie Pippa keinen roten Teppich ausgelegt hatten, sondern eine schwarze Gummimatte…

Nach dem Dogwalk zum Catwalk.

…dafür war’s dann innen sehr schön und lecker – und wie immer unter 10€ machbar.

Tipp: Mittagskarte gilt bis 15 Uhr, also geradezu ideal für Frührentner, Tagelöhner und andere Lebenskünstler.

Sonstiges: Hundefreundliche Böden (Holz), Kellner (charmant) bringt frisches Wasser für den Hund, keine laute Musik, keine Katzen/Miezen (trotz des Lokalnamens), vorzüglicher Begleitkeks (auf Cappucino-Untertasse).

Das „Catwalk“ von innen: Beinahe-Blick auf die Isarauen.

Der Catwalk im „Catwalk“.

Nach einem kontemplativen Stündchen gesättigt zurück in den Englischen Garten, rüber nach Schwabing und vom U-Bahnhof Giselastraße heimwärts gefahren.

Als nächstes aber mal so richtig nach Bogenhausen (an Leserin P.: ich meld mich dann!).
Überhaupt, die diversen -hausens stehen noch auf dem Programm.

Es grüßt euch herzlich –
Die Kraulquappe.