Reiseträume oder: A long, long time ago.

A long, long time ago, I can still remember how that island used to make ears fly…

Schweden ist ja derzeit nicht gerade eine der Top-Destinationen in Sachen Ferien, aber falls Sie mal ein bisschen träumen wollen von Zeiten, in denen das wieder anders sein wird, oder Sie sich einfach nur reif für die Insel fühlen, oder Sie die Verlagsbranche und ihre Autoren ein wenig unterstützen wollen, oder Sie ein aufrichtiger und treuer Pippa-Fan sind, dann spazieren Sie doch dieser Tage mal zu einem gut sortierten Kiosk und schlagen Sie zu:

25 Seiten Dackelfräulein für nur 5,90€, das wird Ihnen nicht mal auf diesem Blog hier geboten!

Und das ist ja nur die Kurzfassung unserer letztjährigen Reise ans Ende der Welt…

…die Sleepless-Nights-Edition finden Sie unter dieser Internetadresse (geschätzte Lesedauer: 13 Stunden).

Gönnen Sie sich also nach Belieben Ihre persönliche Prise Gotland – und zwischendrin ist natürlich auch mal ein Nickerchen erlaubt.

Frau Kraulquappe & Fräulein Pippa wünschen allseits ein schönes Sommerwochenende; bereits in Kürze melden wir uns mit neuen Sensations-Storys aus der nächsten Staubl_Auszeit – diesmal selbstverständlich wieder in trauter Zweisamkeit (nachdem bei der Mittenwald-Serie ja schon Kritik laut wurde, wo denn der Dackel geblieben sei)!

Theorie und Praxis: Verschlusssachen.

Gestern Abend eine längere theoretische Unterweisung zur Vorbereitung auf den beruflichen Part der Skandinavienfahrt im Spätsommer.

Der Physiker hat seine Systemkamera in die Kneipe mitgebracht und hält mir eine 3 Getränke und 1 große Mahlzeit überdauernde Vorlesung zu Brennweiten, Verschlusszeiten, Schärfentiefen, Bildsensoren sowie Grenzen und Möglichkeiten eines Reisezooms, das er mir – etwas verblendet von seinen drei Gläsern Riesling – schlussendlich sogar zum Geburtstag spendieren möchte, sofern mir zuvor der Papa den entsprechenden Body gesponsert haben würde (denn ohne Gehäuse braucht man auch kein Objektiv, so viel habe ich am Ende des Abends bereits gelernt ;-)).

So schön Beschenktwerden ist – man sollte mit dem Geschenk ja idealerweise auch was anfangen können, und als mein Blick beim konzentrierten Zuhören auf das Bordbuch fiel, das der Physiker während seiner Ausführungen neben sich und seiner SONY liegen hatte, wurde mir etwas schwummrig, denn der für meine Profession zwar sicher überfällige und sinnvolle, aber doch enorme und nahezu quantensprungartige Wechsel von einer alten, ausgeleierten Kompaktkamera zu so einem Schwergewicht von Systemkamera samt Zubehör, erschien mir doch nicht ganz so simpel in Übergang und Handhabung wie es der Physiker ebenso begeistert wie mutmachend darzustellen versuchte.
(Schenke man mir bitte ein Fass voll Geduld, dazu ein nett illustriertes Kinderbuch à la „Conny lernt knipsen“ und später ein begleitendes Manual in Comic-Form!)

Heute dann ohne fremde Hilfe die erste praktische Reisevorbereitung getroffen: das wichtigste Kraulquappen-Utensil für den privaten Part des Aufenthalts in Schweden ist besorgt worden!

In skandinavischen Schwimmbädern gibt es nämlich nirgends Spinde mit Münzeinwurf, Schlüsselbändchen, Chip-Armbändern oder sonstigen hierzulande möglichen oder unmöglichen Verschluss-Varianten, sondern jeder muss sein Schloss selbst mitbringen. (Der Plural von „Spind“ hört sich ungewohnt bis gruselig an, stimmt aber.)

Auf der letzten Schwedentour hatte ich ein ausrangiertes, kleines Kellertürschloss dabei, das neben seiner Schwergängigkeit (klemmte wie blöd) und Hässlichkeit (Leukoplastbraun mit Platzwunden) vor allem zwei gravierende Nachteile hatte: entweder war der Bügel zu eng und das Umkleideschränkchen ließ sich damit gar nicht absperren oder der notdürftig an einem Gummiband befestigte Schlüssel kratzte mich während des gesamten Schwimmens am Hand- oder Fußgelenk.

Nun für 12€ die Profi-Version erstanden: Größeres U des Bügels und damit hoffentlich alle Schranktürschlossmodelle Schwedens mühelos umgreifend sowie kein doofer, pieksender und verlustanfälliger Schlüssel, sondern eine frei wählbare Zahlenkombination, die man – mit Bedacht gewählt – niemals verlieren wird, weil man sie schon ein Leben lang mit sich herumträgt.

Noch dazu diese positive Farbgebung: je nach Lichteinfall sonnengelb strahlend bis gülden funklend, jedoch mit leicht herber, dezent warnender Senfnote im Abgang (wie ein unterschwelliges und hoffentlich wirksames „Finger weg von diesem Schrank!“).

Ich bin jedenfalls sehr zufrieden mit dieser Wahl.
Kann ich sagen: „Ich hab mir dieses Jahr zum Geburtstag ein Schloss gegönnt!“ (muss ich gleich an den chinesischen Studenten denken, der mal auf einen Gefallen hin, den der Gatte ihm erwiesen hatte, in seiner Dankes-Email schrieb: „Sie haben ein Gut bei mir.“, ein Schlitzohr, dieser Student, denn es blieb bei den großen Worten).
Ein Schloss! Das klingt doch nach was!

Lediglich die auf dem Schloss eingestanzte 145/30 irritiert mich ein bisschen: Was will mir dieser Code sagen, in einer so denkwürdigen Woche und Lebensphase?

Nun aber weiter mit der Arbeit, damit damit da noch im alten Lebensjahr was abgeschlossen wird!

Song des Tages (35).

Im Spätsommer dieses Jahres wird es fünf Jahre her sein, dass ich mich zusammen mit dem Dackelfräulein in Oskarshamn an der schwedischen Ostküste auf die große Fähre begab, die uns nach Gotland brachte.
Damals ging ich mit einer Menge Ballast an Bord: den Job gerade nach unendlich langem Anlauf gekündigt, kurz vor Abreise vom Hirntumor der Mutter in Kenntnis gesetzt worden, der Gatte völlig überraschend beruflich in der Bredouille – irgendwie das ganze Leben gefühlt im Umbruch oder sogar auf der Kippe – ich war wirklich reif für die Insel.

Und es war eine wichtige Reise für mich: allein bis dort oben zu fahren, allein auf dieser Insel unterwegs zu sein, auf die ich schon als Kind immer wollte, weil meine damalige Lieblingsserie dort gedreht wurde: Pippi Langstrumpf.
Ich habe Pippi geliebt und bewundert: wie sie allein ihr Leben stemmte, mit ihren beiden Tieren und einer Schatztruhe voller Goldmünzen, wie stark und fröhlich sie war, wie ihr immer für alles eine Lösung einfiel – und ich war in meiner Begeisterung sehr geneigt, am Papa deutliche Parallelen zu Kapitän Ephraim Langstrumpf erkennen zu wollen.

Das Original der Villa Kunterbunt steht heute noch an der Westküste Gotlands. Anschauen konnte ich sie mir damals nicht, weil der Vergnügungspark, der mittlerweile um sie herumgebaut wurde, leider (oder gottseidank: ein Horror, solche Parks) schon geschlossen hatte.
In Schweden, müssen Sie wissen, endet die Saison zeitgleich mit den schwedischen Sommerferien, also rund um den 20. August. Auf dem ja doch etwas abgelegenen Gotland hat dann außerhalb der Hauptstadt Visby fast nichts mehr geöffnet, was aber recht unerheblich ist, wenn Sie mit Hund dort herumreisen, weil Ihr Hund sowieso nahezu nirgendwo mit hineindarf, weshalb wir die Zeit auf der Insel damals auch recht autark in unserer kleinen, baufälligen Villa-Kunterbunt-Nachbildung verbrachten.

Nun werden wir Anfang September tatsächlich erneut übersetzen auf das Sylt Schwedens, diese einmalige Naturschönheit und geruhsame Sonneninsel, und zwar fast auf den Tag genau fünf Jahre später.
Diesmal von Nynäshamn aus, weil nur von dort aus die neue Flotte der Reederei ablegt, die das Dackelfräulein und mich zu dieser Reise eingeladen hat, um den Beweis anzutreten, dass Gotland auch mit Hund eine attraktive Destination sein kann (was wir gern ein zweites Mal genau unter die Lupe nehmen wollen, denn Schweden & Hund, das ist eher so ein Duo wie ich & die Stechmücke).

Der neue Luxuskreuzer hat nicht nur eine Pet-Lounge (quasi die Economy Class, wenn Sie mit Hund auf einer Fähre reisen), sondern eine Pet-Cabin (eine eigene Kabine, mit Liegegelegenheit für Frauchen & Wauwauchen), so dass wir diesmal in der Business Class und völlig unbehelligt von etwaigen seekranken Kaniden um uns herum nach Gotland hinüberschippern werden.

Es hat Monate gedauert, bis das alles im Detail geklärt war: Welcher Termin würde allen Beteiligten passen, was für Präferenzen gibt es auf unserer Seite, welche Unterkünfte kämen in Frage, welches Programm ist für Pippa geeignet, was wird alles gesponsert, was erwarten die von mir und dem Fräulein, und, nicht zu vergessen: wo ist das nächste Schwimmbad und wann hat es geöffnet?
Monate hat es auch deshalb gedauert, weil die Hamburger Agentur, die das alles im Auftrag der Reederei organisiert, gleich zu Beginn den Fehler gemacht hatte, mich explizit nach meinen Wünschen zu fragen und nach jedem Update (so reden die da) zu einer ehrlichen Rückmeldung aufzufordern (sorry, zu einem Feedback natürlich).

Mittlerweile ist die Sache im Kasten, besprochen, gebucht und meine Wünsche wurden nach einigem Hin und Her fast alle berücksichtigt (und die finale Version des Programms, die vor ein paar Tagen ins Mailpostfach flatterte, zierte die nette Überschrift Agenda for Mrs. Kraulquappe and her dog lady):

– keine Gruppenreise und überhaupt so wenig Menschen wie möglich
– die Hotels mit Grünflächen drumrum und Parkplatz davor
– Aufbruch nicht vor 9 Uhr morgens, damit Zeit für die diversen Geschäfte bleibt
– keine fettigen Mittagessen, die einem den Tag ruinieren
– Rücksichtnahme auf die gewohnten Gassizeiten des Fräuleins
– Abendessen möglichst früh und nur in Lokalen, in denen das Dackelfräulein ebenfalls willkommen ist
– stets abwechselnd einen Tag Programm und einen Tag zur freien Verfügung
– Privatführung durch die historische Altstadt von Visby inkl. Besuch eines hundefreundlichen Cafés
– Besichtigung einer Farm, auf der echte Gotlandschafe gezüchtet werden
– Baden in der legendären Blauen Lagune, je nach Temperatur nur das Fräulein oder aber wir beide
– zweitägiger Ausflug auf die Insel Fårö, auf der Ingmar Bergman gelebt und gedreht hat
– Besichtigung der Villa Kunterbunt, die die Wirkungsstätte von Pippilotta Viktualia Rollgardina Schokominza Efraimstochter Langstrumpf war.

Natürlich hat der riesige Vergnügungspark, in dem die Villa steht, auch diesmal geschlossen. Ist ja wieder September und Gotland somit von allen Touristenhorden verlassen.
Weil unsere private Führerin vom Gotlands Turistbyrå aber jeden Menschen und jedes Schaf auf der Insel kennt, kommen wir da nun auch außerhalb der Öffnungszeiten hinein.
Was bedeutet: Keine doofen Wartezeiten, keine kreischenden Kinder, keine anstrengenden Menschenmassen und vor allem kein Hundeverbot, an das man sich noch halten müsste.
Das Dackelfräulein wird also als erster (und vielleicht einziger) Hund ever die Villa Kunterbunt betreten!
Wer weiß, vielleicht bekommen wir sogar noch Zutritt zu dem Wasserpark, der Teil des Vergnügungsparks ist: sieben Pools, neun Wasserrutschen und den 160 Meter langen Shark River – und das alles für uns alleine. Hey, das wär‘ mal was, oder?

Dann wär’s nämlich genauso wie in dem Lied, das ich einst als Kind immer mitgesungen habe, wenn Pippi Langstrumpf auf dem Rücken vom Kleinen Onkel durch die Wiesenhügel hinter der Stadtmauer von Visby ritt und dabei trällerte:

2 x 3 macht 4
Widdewiddewitt
und Drei macht Neune
Ich mach‘ mir die Welt
Widdewidde wie sie mir gefällt

Gotland, wir kommen!
Und diesmal lässt du meine Hundedame in deine Cafés und Lokale rein und zwar ohne Murren und spendierst ihr die dickste Lachsforelle der Saison für die so schmähliche Behandlung bei unserem ersten Besuch…

Für mich ist das alles eine ziemlich große Sache, müssen Sie wissen, denn wenn ich fünf Jahre zurückdenke, an Gotland 1.0 im Jahre 2014, so hätte ich mir damals echt nicht träumen lassen, dass ich da je nochmal hinkommen würde, geschweige denn eines Tages als Autorin mit Hund dorthin eingeladen werde.

Ich würde mich deshalb sehr freuen, wenn Sie ab Ende August Zeit und Lust hätten, mich auf dieser Fahrt zu begleiten.
Für die Dauer der Reise dann nicht hier, sondern in einem anderen Blog, aber natürlich mit den altbekannten Protagonisten und Visagen: das Dackelfräulein & ich (und die Schwimmflossen & der Bruce sind selbstverständlich auch mit dabei). Statt dem ewigen Mix von Seen&Bergen bekämen Sie mal Meer&Rauken zu sehen und überhaupt so manches, was es im schönen Bayern nicht gibt.
Im Kraulquappen-Blog wird parallel Sendepause herrschen, d.h. Sie werden in Ihrem Reader oder Maileingang keinesfalls doppelt von uns beballert.
Also: Kommen Sie recht zahlreich mit uns in den hohen Norden!

Unsere Reiseadresse sowie Ihre Mitreiseformulare finden Sie rechtzeitig hier in diesem Blog.

In diesem Sinne & für heute:
God natt, sov gott och dröm sött!