Bierbichler-Country.

Nach vier seelosen (aber keinesfalls seelenlosen) Tagen wieder am See unterwegs: Ostufer – von Münsing über Reicherskam, Holzhausen, Oberambach und Weidenkam nach Ambach.

Dem Föhn sei Dank weht ein so mildes Lüftchen, dass man mit offener Jacke spazieren gehen kann, und nicht friert, wenn man alle 10 Minuten stehenbleiben muss, um die Himmelsfarben überm See oder der Alpenkette zu bewundern oder sich auf dem Aussichtsbankerl vor der Holzhausener Kirche niederlässt und sein Käsebrot isst.

Dann sogar noch ein Plätzchen im Bierbichler-Gasthof bekommen, auf ein Unertl, eine leichte Frühnachmittagsweiße, im Wirtshausflur hängt das Interview mit dem Spruch des Hausherrn: „Ich hacke Holz, damit ich nicht joggen muss.“

Nette Münchner mit am Tisch, Blick auf den See, eine angeregte Unterhaltung ergibt sich und weil’s dann bei Aufbruch glatt schon ein wenig dämmert, nehmen sie das Dackelfräulein und mich ein Stück im Auto mit, da wir die anderthalb Stunden zurück zum Auto definitiv nicht mehr im Hellen geschafft hätten.

Daheim gleich die schon morgens vorbereitete Lasagne ins Rohr geschoben und alsbald verzehrt. Was will man mehr?

Himmel der Bayern (66): Im Moos nix los.

Mittwochsmeditationsmarsch bei Murnau. Kein Mensch unterwegs.

Ein heimatliches Paradies, diese Gegend hier. Das Licht, die Herbstfarben! Und ein zufriedener Ende-der-Saison-Rundumblick auf all die Berge, auf denen man so war, und auch auf die, die man in diesem Jahr nicht bestiegen hat. Kommt ja hoffentlich wieder eine neue Saison, dann wird das nachgeholt.

Lästigen Schreibtischvormittag hinter mir, lustigen Abend mit befreundetem Rudel vor mir.

Stimmige Tagesbilanz.

(Wenn ich nur die Bergschuhe für morgen nicht daheim vergessen hätte. Kruzifix, muss man sich allmählich echt jeden Handgriff notieren? Na wird schon trotzdem gehen…)

I come from down in the Valley oder: Ausflug zum Mangfallknie.

Während sich halb München an den Seen oder in den Bergen tummelt und sich mit den vielen Urlaubern um einen freien Platz am Seeufer oder auf der Hüttenterrasse kloppt: einfach mal ins Mangfalltal verschwinden!

Lange, erfrischende Flusswanderung zwischen Hohendilching und Kleinhöhenkirchen hinauf zum Schlossbräu nach Valley. Menschenleere, schattige Wege, teils ungeahnt hügelig.

In Valley dann ein hübsches Schloss mit Brauerei und Biergarten daneben.
Für Kulturinteressierte ein Orgelmuseum und für Gebräuinteressierte eines der wenigen bernsteinfarbenen Weißbiere der Region.

Auf dem Hin- und Rückweg unzählige Spiel- und Badegelegenheiten.
Sehr zu des Fräuleins Freude, die ganze Unternehmung.

Zum Schluss noch ein Skulpturenpark und eine Prise Petrichor.
Sommer ist etwas Wunderbares!

Voll schön, dass es dich gibt.

My hometown ❤

Himmel der Bayern (57): It’s all about soul.

Wal(l)difahrt zum Heiligen Berg, beruflich quasi.

Lange Wanderung zu einem der touristischen Hotspots im Münchner Umland, dort Fotoshooting mit dem Fräulein, Material sammeln, das man demnächst in einer Reportage hundegerecht verwurschten (sic!) wird.
Muss jetzt alles recherchiert, marschiert, fotografiert und ausprobiert werden.

Schenk ich mir selbst zum Geburtstag, dieses Projekt, denn Aufwand und Ertrag stehen selbstredend in keinerlei vernünftigem Verhältnis, nicht mal dann, wenn es neben dem Honorar noch einen Sack begeisterte Leserbriefe gäbe. Das gedruckte Wort ist einfach nicht mehr viel wert, leider.
Egal, die Sache an sich tut dem grad etwas geschundenen Körper und dem derzeitigen Nervenkostüm wirklich gut:
Die Bewegung, der Hund, die Natur, die Heimat (die Seelenlandschaft!).

Allein die Fahrt durch diese seit Urzeiten vertrauten Gefilde.

Perchting. Ich denke an H., wie wir noch zu Schulzeiten dort im Dorfladen einkauften, für eine unserer Partys da draußen am Moorsee, in dem Häuschen, das der Papa uns vertrauensvoll überlassen hatte und das wir – Party hin oder her – stets blitzblank geputzt zurückgaben. Erinnere mich daran, wie bei einer Vollbremsung – H. hatte den Führerschein noch nicht lang und den Toyota ihrer Mutter ausgeliehen – die Bierflaschen aus der Kiste, die wir kreuzdämlich auf die Rückbank gestellt hatten, geschossartig und mit wildem Schäumen nach vorne flogen – eine unglaubliche Sauerei. Hatten wir noch mehr zu putzen.

Zwischen Landstetten und Frieding an der Einmündung zu dem Feldweg vorbeigekommen, wo ich mit 18 Fahrübungen im Mercedes des Papas machen durfte musste, zur Vorbereitung auf die Prüfung (Damit du mit der Pflichtstundenzahl hinkommst!).
Diese doofe Feststellbremse, die nur mit der linken Hand zu lösen war, irgendwo da unten neben dem Lenkrad. Der schnaufende, schwitzende und schimpfende Papa neben mir (Ja kruzifix, is‘ denn das so schwierig?!), als ich die Karre beim Berganfahren dreimal hintereinander abgewürgt habe, weil das halt mit dieser blöden Handbremsenkonstruktion nicht besser ging. Erst recht nicht auf einem Schotterweg. Geduld war nicht des Papas größte Tugend. Naja, war halt auch der Dienstwagen.

Und ich denke an unsere Radtouren hier in der Gegend, damals, als er noch der Bewegungsfreudigere und Unternehmungslustigere von uns beiden war. Den Frühstückstisch bereits mit Radkarten tapeziert, er frisch und munter, ich müde und muffig, dann ging es los, meist mit mehreren Zielen: See, Biergarten, Kirche, Eisdiele, Kloster, Wildgehege.
Er, der mir alles hier im Oberbayrischen gezeigt hat, dem es unermüdlich darum zu tun war, ans Töchterchen weiterzugeben, was er eben von diesem kleinen Ausschnitt der Welt wusste.

Ich staune heute manchmal, was doch so alles hängengeblieben ist, denn wenn ich zurückdenke an diese Jahre, dann seh‘ ich uns eher im Auto zanken: sein Vortrag über das von Konrad Lorenz gegründete Institut in Seewiesen (weil man grad dran vorbeifuhr und sich diese Lektion anbot) gegen meine Manie, den Sendersuchlauf dreimal rauf und dreimal runter zu betätigen (Musik interessierte mich! – und nicht Verhaltensforschung).

Kloster Andechs. Jahrzehntelang ein beliebtes Ziel solcher Ausflüge. Verhasst war mir das Krippeanguckenmüssen. Der Papa war nie gläubig, aber an Weihnachten meinte er, das Kind müsse nun eine Krippe zu Gesichte bekommen, obwohl das Kind lieber daheim den Baum geschmückt, Plätzchen gefuttert und Seidenpapiersterne auf die Fenster geklebt hat.

Geliebt habe ich hingegen die sommerlichen Besuche in Andechs: da gab es (bis ca. 10) ein Aufess-Armband vom Kiosk bzw. (ab der Teenagerzeit) eine Riesenbreze ganz für mich alleine und später (ab der Studienzeit) konsumierten wir dann tatsächlich mal eine zeitlang dasselbe.

Man staunt ja auch immer wieder, wer so alles tagsüber an einem gewöhnlichen Dienstag unterwegs ist und mit wem man die wenigen Premiumplätze an der sonnigen Klosterbiergartenmauer teilen muss (hat NRW immer noch Ferien oder wat machen die alle hier?).
Jedenfalls: der Kölner am Nebentisch mampft unter großem Gelabere und mit noch größerem Genuss eine Blutwurst und freundet sich währenddessen – der Kölner an sich ist ja freundlich und offen – mit dem Dackelfräulein an, die noch nie zuvor ein Stück Blutwurst gegessen hat, aber spontan sichtlich angetan davon ist und gern noch ein zweites nimmt.
Hast du einen Hund, musst du Menschenkontakt haben, sogar Blutwurstmenschenkontakt.

Ich packe mein Käsebrot und die Tomaten aus und hole mir dazu an der Klosterschänke eine Maibock-Halbe.
Geradeaus guckend: die nun wieder tief verschneiten Alpen. Unter den Tisch guckend: der nun wieder tief zufriedene Hund.
Lese in einem Reiseführer, mache mir Notizen.
Schicke dem Papa eine Live-Foto von Fräulein Hund, Maibock und mir aus dem Klosterbiergarten.
Das freut ihn. War die Bildungsarbeit ja doch nicht umsonst, schreibt er.

Anschließend ein Rundgang durch die klösterlichen Anlagen.
Ein Fotoversuch hier und dort, aber ohne Assistenz ist das heute schwierig, Pippa hat keine Lust oder die Sonne steht ungünstig oder der Maibock ist schuld am Misslingen. Gehen wir halt demnächst nochmal hin.

In der Kapelle wie immer ein Kerzlein angezündet.
Ein Weilchen dort im Dunkeln gesessen, den warmen Wachsgeruch eingeatmet, ein bisschen den Gedanken nachgehangen. Auf einmal an ein Lied von Billy Joel gedacht, bekam die Strophen nicht mehr alle zusammen (dank YouTube kann man auf dem einsamen Weg zurück zum Auto dem Gedächtnis gleich auf die Sprünge helfen: meine Güte, auch schon wieder ein Vierteljahrhundert her, der Song).

It’s all about soul
It’s all about faith and a deeper devotion
It’s all about soul
‚Cause under the love is a stronger emotion
She’s got to be strong
‚Cause so many things getting out of control
Should drive her away
So why does she stay?

Und auf dem Rückweg gelingen uns doch noch ein paar Verrenkungen Zeckenaufklaubungen Übungen in den Frühlingswiesen mit dem Smartphone.

Exactly, it’s all about soul.

Wien (5): Äußerln & Innerln – ein Dankeschön.

Nachdem wir nun unwürdige lokale Gegebenheiten wie diese…

Ein Gackerlplatz, übersät von Hundstrümmerln, in der Mittn der Soachbaam: das Fräulein würde keine Pfote in solch ein Areal setzen!

…ausgiebig ausstalliert haben, ist es höchste Zeit für einen expliziten Dank.

Der gilt unserer Freundin S., die uns den wunderbaren Schwarzenbergpark gezeigt hat, wo man mit de Hunderl ned nur kurz äußerln gehn kann, sondern wo sie tatsächlich ohne Leine geduldet werden und sich endlich mal bewegen können.

Liebe S., die dreistündige Tour unter deiner kundigen Führung hinauf zum Hameau und hinüber zum Roan, wo uns dann die herrlichen Marillenpalatschinken erwarteten, hat uns nicht nur den Highscore der in Wien an einem Tag gelaufenen Kilometer beschert, sondern große Freude gemacht.

Und nicht nur ein schönes Äußerln hast du uns organisiert, sondern durchs zuverlässige Innerln (wie man das in Innenräumen stattfindende Dogsitting in Wien ab sofort zu nennen pflegt) hast du uns einen sehr entspannten Abend im Burgtheater ermöglicht – vielen Dank für alles & bis bald wieder!

Wien (2): Staad.

Wort des Tages: kalmieren.

Ich bin ja auch kein Hund, ich bin ein Dackel!

(frei nach Karl Valentin: „Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin ein Bayer!“)

Da schau’n Sie sich das an, wie das heut‘ zugegangen ist in München:

Hunderte Dackel aller Couleur samt ihren Besitzern (ebenfalls aller Couleur) patroullierten pünktlich ab 14 Uhr und bei bestem Wetter vom Deutschen Museum hinüber zum Isartor.

Die Polizei hatte die Straßen zu diesem Behufe ordentlich abgeriegelt, schließlich gab es ja nebenher noch eine Demo mit Schildern in Wurst- und Knochenform, und auch der Trojanische Dackel, der den Zug anführte, bedurfte eines Geleitschutzes.

Am Zielort angelangt gab es eine kleine Kundgebung, keine Ahnung, was deren Inhalt war, man hat es vor lauter Trubel, Bellen und Humtata der Musikkapelle nicht verstehen können, aber eh wurscht: Die ganze Aktion hat einfach Spaß gemacht, es gab so viel zu gucken und zu lachen, Jung und Alt kamen ins Gespräch, natürlich auch die Viecherl untereinander – und nicht zu vergessen: das Münchner Urviech unter den Dackelbesitzern war ebenfalls mit von der Partie, logisch!

Beim großen Abschlussfoto für die Presse spontan und mit einem fixen Sprung just neben diesen Herrn platziert (zoomen Sie sich den unbedingt ran, sonst entgehen Ihnen die Kini-Clips im Bart!), man hat da ja eine gewisse Übung (so als Musik-Fan und Konzertgängerin mit Groupie-Gen) und auf Nachfrage hieß es, morgen oder spätestens übermorgen dürfte das wohl gedruckt werden, „wenn das Foto was hergibt“.

Und ich bin sicher, dass es das tut, weil dieser Parade-Bayer schon x-mal im Fernsehen und in Magazinen zu sehen war, auch in meiner eigenen Reportage über Dackeltouren durch München wollte ihn die Redaktion damals unbedingt drin haben, weil irgendwie müssen sie ja gepflegt werden, diese Klischees.

Also: Wenn Sie das Dackelfräulein ausnahmsweise mal auf Zeitungspapier haben wollen und mit stilistisch schlechtem Text daneben, dann kaufen’S morgen und übermorgen – und so eine Empfehlung wird’s in diesem Blog vermutlich nur ein einziges Mal geben! – die BILD-München oder gleich die ganze Münchner Boulevardpresse 1x querbeet, denn wer weiß, vielleicht hat uns noch ein anderer Fotograf erwischt auf der Parade.

Der vom Spiegel jedenfalls nicht. Was aber auch nicht schad‘ ist, weil de ham ja ned amoi d’Überschrift hikriagt (es hoaßt Wadl, ned Wadel, ihr Preißn!).

Das war also unser sonntägliches Highlight…

…und jetzt legen wir hier wohlverdient alle Füße und Pfoten hoch, denn wir sind gscheid gschafft nach dem gestrigen 22km-Stadtrundgang mit dem Besuch aus der Hauptstadt und heut‘ gleich nochmal 14km Latscherei, weil nach der Parade, da wollte das Fräulein selbstverständlich mal richtig sausen, ohne Leine und dieses Verwandtschaftgschwerl um die Ohren.

Wir wünschen der Leserschaft einen schönen Sonntagabend und verlosen unter all denen, die uns die korrekte Anzahl der Dackelfräulein-Fotos in diesem Beitrag nennen können, einen Freilaufgutschein für einen Flussmarsch mit dem Fräulein und meiner Wenigkeit noch in diesem Frühjahr.

Teilnehmen dürfen alle Leserinnen und Leser, die halbwegs gut zu Fuß sind, einen Ball werfen oder schießen können, ein Freundschaftsanbahnungswürstl mitzubringen gewillt sind, die Kosten für ihre An- und Abreise selbst tragen und nicht herummosern, wenn sie nach der Tour dreckige Schuhe oder Hosenbeine haben.
Der Gewinner der privaten Pippa-Parade wird Ende März bekannt gegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Zugezwinkert.

Auge in Auge – und das mehr als nur einen kurzen Augenblick.
Mal hinunter zum Dackelfräulein gelurt, dann wieder hinauf zu mir.

Zu dritt dort auf der Aussichtskanzel innehaltend und dem Heimatfluss beim Plätschern zusehend.

Die Krähe lacht. Die Krähe weiß,
Was hinter Vogelscheuchen steckt,
Und dass sie nicht wie Huhn mit Reis
Und Curry schmeckt.

Die Krähe schnupft. Die Krähe bleibt
Nicht gern in einer Nähe.
Dank ihrer Magensäure schreibt
Sie Runen. Jede Krähe.

Sie torkelt scheue Ironie,
Flieht souverän beschaulich.
Und wenn sie mich sieht, zwinkert sie
Mir zu, doch nie vertraulich.

[Joachim Ringelnatz]