Gib ihnen noch drei südlichere Tage…

Drei Bayern in Südtirol.

Tag 1.

Kleine Bergtour zum Hexenbödele (klingt schwäbisch, war aber in den Sarntaler Alpen und schön dort) und große Almenwanderung mit Erdpyramidenbesichtigung. Am späten Mittag ein Teller Schlutzkrapfen, ein Schälchen Salat und ein Schluck Weißbier (wieso gibt’s hier ausschließlich Weihenstephaner?). Das Fräulein keift die italienischen Rüden an, ist ansonsten aber guter Dinge. Wir auch – die Aussicht auf Schlern und Latemar und das Wandern durch die kleinen Dörfer mit den hübschen Kirchen sind ein so unerwartetes Geschenk (und wir immer noch so überrascht von uns selbst, dass wir überhaupt hier sind). Abends spartanische Jause (Resteessen aus den Münchner Kühlschränken) in der kleinen Küche, die zu unserem unglaublich günstigen Zimmerchen in dem hübschen 700 Jahre alten Hof gehört (merke: je preiswerter das Zimmer und je älter das Gebäude, in dem es sich befindet, desto mehr Käfer sitzen in der Duschwanne und desto besser ist es insgesamt, die Brille daheim vergessen zu haben).

Tag 2.

Wir wollen nach Bozen. Autofahrt über schmale Sträßchen nach Oberbozen. Keinen Parkplatz gefunden. Von drei kleinen Parkplätzen darf auf zweien nur für 60 Minuten geparkt werden, der dritte Parkplatz ist rappelvoll. Nur 1 Stunde Zeit für Bozen ist natürlich völliger Käse, daher das Schicksal herausgefordert und auf einem der 60-Min-Parkplätze die Parkscheibe auf eine fiktive Ankunftszeit gestellt, die uns mit etwas Glück (oder gutmütiger Politesse) 4 bis 6 Stunden Aufenthalt in Bozen erlaubt. Hat geklappt. Genauso wie das Dackelfräulein in der Seilbahn, die uns von Oberbozen nach Bozen befördert, als Schoßhund (!) zu deklarieren – denn nur die dürfen dort ohne Maulkorb und Fahrschein mitreisen. Bozen empfängt uns mit T-Shirt-Wetter, zahlreichen maskierten Italienern und kaum Grashalmen (geschweige denn Wiesenfleckerln), so dass wir dem Fräulein zuliebe alsbald an den Stadtrand ausweichen, wo sich ein wahres Arboretum befindet, in dem auch ein paar italienische Rüden herumspazieren, deren Interesse auf keinerlei Gegenliebe stößt. Die hormonelle Situation ändert sich schlagartig gegen 17 Uhr, als uns in den Gassen der Altstadt (wir haben zwischenzeitlich fünf Stunden con bassotto a Bolzano hinter uns) ein unscheinbarer, zahnloser Malteserrüde begegnet. Das Fräulein ist nun paarungsbereit und wie immer sind Alter, Aussehen, Rasse, Benehmen und Bildungsstand egal. Nix wie zurück zur Seilbahn! Wir schweben hinauf nach Soprabolzano, erstehen dort noch ein paar Lebensmittel in einem winzigen Laden, fahren zu unserem Quartier zurück und feiern das Leben und dass wir dem biglietto entgangen sind.

Tag 3.

Laut Wetterbericht letzter Spätsommersonnentag. Wir sitzen müde beim Frühstück. Die Nacht war schwierig, weil das hormongepeitschte Teckelhirn stündlich Impulse zu ungewöhnlichem Verhalten sendete. Um 3 Uhr büxte sie aus meinem Bett aus, stürzte sich zu D. ins Bett und umarmte sie so heftig und innig, dass an entspanntes Atmen oder gar Schlafen nicht mehr zu denken war. Trotzdem will dieser Tag ausgekostet werden. Während D. an ihrem Teetässchen nippt, wälze ich die Wanderkarte. Noch einmal in diesem Jahr die 2.000m-Grenze überschreiten, das ist die Idee – wir setzen sie auf dem Rittner Horn um. Gute Entscheidung, denn der Hundumblick könnte besser nicht sein – schließlich will man der vierbeinigen Gefährtin ja was bieten am Welthundetag (erst recht, wenn sie schon nicht einen der vier Rüden haben darf, denen wir im Laufe des Bergtages begegnen). Sechs Stunden später noch ein letzter italienischer Kaffee kurz vor dem Parkplatz, der Schlern ist mittlerweile in dichte Wolken gehüllt, das war’s dann wohl mit der Nachspielzeit, die wir dem Sommer abgerungen haben. Um 20 Uhr fallen die ersten dicken Tropfen auf den Sims unseres Küchenfensters, beim Nachtgassi pfeift mir ein eisiger Sturm um die Ohren und das Einzige, was morgen, wenn wir (aller Voraussicht nach) bei leichtem Schneefall über den Brenner heimwärts fahren werden, noch an den Sommer 2020 erinnern dürfte, sind die Autoreifen.

Strapaza del Sole.

Zweite Etappe des Heimwegs: Nirgendwohin. Wir bleiben in Goisern.
Ein Frevel wär’s, so eine geschenkte Nacht (samt dazugehörigem Tag) auszuschlagen. Oder wie sehen Sie das?

Bei 30 Grad und wolkenlosem Himmel bleibt heute nur die Wahl zwischen dolce far niente und strapaza del sole. Wir wählen beides.

Erst gibt’s eine gemächliche Flusswanderung durch die Traun, danach eine kleine, gerecht geteilte Brettljause.

Anschließend sind meine Notunterkunfts-Gemächer in der Sauna bezugsfertig, so dass sich das Fräulein in seiner neuen, kühlen Höhle schlafen legen und ich mich auf den Sole-Wanderweg zum Trailrunning begeben kann.

Ist trotz Schatten eine ziemliche Strapaze, aber ohne Schweiß kein Eis, zumindest keines mit Sahne obendrauf, und außerdem mag ich diese kleinen Bergläufe auch, wenn keine Belohnung winkt.
Nach einer guten Stunde bin ich zurück in meiner Sauna. Erst unter die Dusche und dann ab in den Liegestuhl zum Lufttrocknen. Bald drauf ruft die Eisdiele. Das Dackelfräulein ist mittlerweile auch wieder ausgeschlafen, gestärkt und startklar.

Wir verlassen unseren Wellnessbereich und auf dem Weg in den Ort denke ich: All das Spontane und wie sich eins aus dem andern ergibt und man es einfach annimmt, das fühlt sich an wie zu Studentenzeiten. Wie der brüllheiße Sommer im vorletzten Semester vor dem Diplom, in dem ich mir den Wilhelm Meister und seine Lehr- und Wanderjahre vorknöpfte und mich inspiriert vom Protagonisten des Romans von hier nach da treiben ließ (freilich auch an der Abschlussarbeit schrieb) und einem gefühlt noch die ganze Welt offenstand.

Was für Hundstage, was für ein Hundeleben, nicht wahr?

Sollten Sie jetzt Lust aufs Salzkammergut bekommen haben – die Pritsche neben uns wär noch frei. Nur an züchtige, ruhige Nicht-Schnarcher zu vergeben. Eh klar.
Sonst quartieren wir Sie sofort ins Dampfbad aus oder ins leere Tauchbecken.

Wieder hoam (erste Etappe: von Graz nach Goisern).

Kurzentschlossen die 430 Kilometer lange Heimfahrt auf zwei Etappen aufgeteilt. Keine Lust, die Strecke mehr oder weniger am Stück und an einem 30°C-Hochsommertag mit Dauerklimaanage runterzureißen. Solche Fahrten versauen einem immer jedes Gefühl von Urlaubgehabthaben, was ich eh erst seit gestern so empfinde. Dem gestrigen Ferientag also noch einen hinzugefügt.

Von Graz über die Landstraßen – meine Güte, ist das schön in der Steiermark! – nach Altaussee. Wollte sowieso schon seit Jahren mal wieder hierher.
Unvergessen, diese Pfingsttage damals an diesem Ort (wie lang mag das her sein? 15 Jahre? länger?): Brandauers Heimat einatmen. Geliebtes Endstationsgefühl. Tägliche Seeumrundung. Auf den Loser. In den See. Den Kirchhoff gelesen. Wichtige Briefe geschrieben. Rote Gauloises auf dem Balkontischchen.

Alles sofort wiedererkannt. Und doch ist alles so anders.
Es gibt nun mehrere riesige Parkplätze mit teuren Tagestickets. Halb Wien tummelt sich hier in der Sommerfrische, dazwischen ein paar Porsches mit Salzburger Kennzeichen. Und so viele andere, dass kein einziger Stellplatz mehr frei ist.
Die Zugangswege zum See und in den Ort sind nun perfekt beschildert, die Touristenströme werden geleitet. Ein megaschickes Wellness-Resort (oder Hideaway oder wie der Quatsch auch heißen mag) neben der Seevilla. Jedes zweite Haus vermietet Ferienwohnungen. Kein Quadratmeter mehr ungenutzt.
Ich muss an den Horror am bayrischen Königssee oder Eibsee denken: beides wunderschöne Seen umgeben von traumhafter Bergkulisse, aber heillos überlaufen, ein Alptraum. Kann man nur noch an nicht-sonnigen Wochentagen in der Nebensaison aufsuchen, außer man liebt es, sich in Kolonnen am Ufer entlangzuschieben.

So habe ich mir das nicht vorgestellt. Enttäuscht lege ich den Rückwärtsgang ein und will den staubigen Parkplatz wieder verlassen, da sehe ich eine Heckklappe aufspringen. Ein Paar nähert sich, wirft die Badesachen in den Kofferraum, ich lasse das Fenster runter und frage, ob sie etwa im Aufbruch seien. Was sie sind. Ich stelle den Motor ab und warte. Der Mann kommt zu mir ans Fenster und schenkt mir seinen Parkschein: „Hier, das ist ein Ganztagesticket, nehmen Sie’s bitte gern!“.In Ortsnähe wie befürchtet ein Strandbadwahnsinn vom Feinsten. Corona? War da was? Hatte nicht Österreich angeblich irgendwelche zu früh gelockerten Maßnahmen wieder verschärft? Was versteht man hier unter Verschärfung?

Auf dem 7 km langen Rundweg trennt sich glücklicherweise bald die Spreu vom Weizen und das gute Aerosol vom womöglich bösen Aerosol. Eltern wollen die Leiterwagen mit dem ganzen Badegeraffel drin nicht so weit ziehen, Kinder wollen nicht so weit laufen um endlich ins Wasser dürfen, adipöse Rentner schaffen es eh nur bis zur Terrasse des See-Cafés, Sportlern ist es zu eng zum Sporteln, bis auf die Wassersportler, aber die sind ja im Wasser und verstopfen den Weg nicht.

Nach 2 km wird es immer leerer, nicht mehr jede Bucht ist belegt, das Dackelfräulein darf längst frei laufen und wir suchen uns ein schattiges Plätzchen am Ufer, wo wir ungestört sind. Auf Baden war ich nicht eingestellt, aber im Rucksack ist gottseidank ein Hundehandtuch, das als Unterlage für eine Einkehr gedacht war, weil manchmal passt der Untergrund dem Fräuleini nicht (zu heiß, zu staubig, zu was weiß ich was) und dann ruht Madame lieber auf so einem Stück Frottee. Nun dient es eben der Trocknung des Menschen nach dem Bade, was ja eh sein eigentlicher Zweck ist.

Auf der anderen Seite des Sees angelangt, kehren wir ein und erwischen einen Tisch mit Rasen drunter, ideal fürs Fräulein. Der Gugelhupf ist leider schon ausverkauft. Ich ringe mit der Entscheidung zwischen fünf offerierten Strudelsorten, da bringt mir die Bedienung, eine charmante steirsiche Version von Annie Lennox, den „Verschnitt“ aller Gugelhüpfe des Tages. Gratis! Ja so ein Glück!

Die restlichen 4 km verläuft der Weg auf sehr sonniger Strecke, weshalb wir alle Viertelstunde die Haxn zur Kühlung in den See halten. Pippas Verband habe ich abgenommen, ob das Sprühpflaster wirklich wasserdicht ist, wage ich zu bezweifeln. Da der See Trinkwasserqualität hat, wird der verletzten Daumenkralle schon nichts passieren.

Der Rundweg um den Altausseer See ist paradiesich, weil gänzlich unverbaut. Vom Nordufer guckt man bis ins schneebedeckte Dachsteinmassiv, östlich auf den Trisselkogel und westlich auf den Loser. Damals mit dem weltbesten Kaiserschmarrn oben auf der Hütte, auch unvergessen.

Im Ortsteil Fischerndorf besuchen wir noch den Friedhof, der eine Lage hat, die wirklich zum Sterben schön ist. Der Loser, passenderweise einer der Ausläufer des Toten Gebirges, wacht dort über die Toten und zur anderen Seite hin können sie auf den See gucken, wenn sie nachts aus ihren Gräbern kommen.

Nach viereinhalb Stunden sind wir zurück am Parkplatz. Noch 20 km Fahren, dann haben wir das Tagesziel erreicht: Bad Goisern.
Mit Müh und Not das letzte Einzelzimmer im Ort erwischt. Hätte nicht unbedingt das kleine Hotel sein müssen, in dem mich M., der Gymnasiallehrer, vor weit über 20 Jahren mit Verlobungsringen überraschte. Hat er geschickt gemacht damals, mich in so einem Bergurlaub, in dem ich der Euphorie stets arg nahe bin, mit sowas zu überrumpeln.
Zwischenzeitlich hat das Hotel einen Anbau und ist gar nicht mehr klein, aber unter den Balkonen rauscht immer noch der Bach vorbei.

Zur Ankunft drückt mir die Rezeptionistin eine Kurkarte und eine Freikarte fürs Freibad in die Hand. Wir lassen ja hier nix anbrennen, also noch schnell ein paar Bahnen richtig geschwommen. Danach Abendessen auf der Terrasse mit Bergblick, das Bächlein plätschert, das Fräulein liegt friedlich im Körbchen unterm Tisch. Nur Weißbier können sie hier nicht, schon wieder dieses mittelmäßige Edelweiss.

Die Abendsonne taucht den Predigtstuhl, den Goiserer Hausberg, in kupfernes Licht. Die Gäste am Nebentisch erzählen von einem Konzert, das morgen hier stattfindet. Beides wirkt verlockend.
Ich frage den Hotelchef, ob das Zimmer eventuell noch eine Nacht länger zu haben wäre, was er verneint. Sie sind komplett ausgebucht hier, wie überall in der Region.

Nach einer Weile kommt er nochmal raus auf die Terrasse, beugt sich zu mir hinunter und macht mir mit gedämpfter Stimme ein Angebot: „Also wenn Sie möchten, dann könnten wir Ihnen und Ihrem Hund die Sauna herrichten. Die ist ja wegen Corona nicht in Betrieb. Wir stellen Ihnen ein Bett in den Ruheraum, Dusche usw. haben Sie dort eh und absperren können Sie die Räume auch. Mehr als den Preis fürs Frühstück kann ich Ihnen dafür allerdings nicht berechnen. Überlegen Sie sich’s einfach bis morgen Früh.“

Na dann schlafen wir da mal drüber 🙂

Irish Passion.

Man kann ja über Facebook meckern, so viel man will: gezielt genutzt kann diese Plattform wirklich manchmal von Vorteil sein (und im Geiste danke ich dem, der mich vor gar nicht allzu langer Zeit überzeugt hat, mich da doch mal einzuklinken).

Nicht nur, dass man dort so gnadenlos gut ausgekundschaftet wird, dass man niemals eine Hunderampenwerbung für Doggen erhält, sondern exakt die für Dackel tauglichen Modelle empfohlen bekommt, genauso wie das lifehack-Filmchen zum korrekten Schälen einer Mango (oder Paprikaschote), oder dass Facebook einen über nahezu jeden Pups, den irgendein Mitglied der E Street Band gelassen hat (oder lassen könnte) in Echtzeit informiert – nein, man kann noch viel mehr Nutzen aus diesem Buch mit den vielen Gesichtern ziehen.

So auch am vergangenen Wochenende: nur wenige Stunden vor Beginn eines Glen Hansard-Auftritts noch eine Karte dafür zu ergattern, weil unter der auf Facebook kundgetanen Veranstaltung zahlreiche Kommentare herumgeistern. Da ist natürlich alles dabei von „Glen, I love you!“ über „Wie lange dauert das Konzert?“ und „Ich hasse die Akustik im Circus Krone!“ bis hin zu „Weiß jemand, ob es einen support act geben wird?“, aber mit etwas Zähigkeit findet man dort eben auch die eine oder andere Ticketofferte zu Nicht-Viagogo-Preisen.

C. aus dem Erzgebirge wurde am Samstag zum Beispiel sehr kurzfristig von jemandem versetzt und hatte nun ein Ticket abzugeben. Vor lauter Frust sogar um 50% günstiger, denn man weiß ja nie, ob man’s sonst loswird.
Da ich nicht nur im persönlichen Kontakt absolut zuverlässig bin, sondern auch unbekannterweise und schriftlich Zuverlässigkeit verströmen kann, wurden wir uns schnell einig, Uhrzeit und Treffpunkt für die Übergabe waren nach 5 Minuten via Messenger ausgemacht – und ein Konzert lang neben C. zu sitzen, auch das war ziemlich ok, denn der Dialekt hielt sich noch gerade so im Rahmen und bei Konzerten ratscht man ja sowieso nicht.

Glen Hansard war der Hammer, was ich allerdings auch genau so erwartet hatte, mir aber für 60€ nicht geleistet hätte, damals, als die Tickets in den Vorverkauf gingen und ich grad die Penunzen zusammenhalten musste für die große Nordlandfahrt.

Mein Erstkontakt mit Hansard war dieser hier:

Als ich das im Juli 2013 erstmals hörte, wusste ich: den musst du dir mal näher angucken! Und am besten auch mal solo & live erleben. Nun hat das also endlich geklappt!

Eine grandioses Stimmvolumen, und eine Inbrunst, mit der sich der Ire in jeden Song reinschmeißt – es war eine Freude, ihm zweieinhalb Stunden lang zuzuhören.

Und noch eine große Freude hielt dieser Abend bereit.

Bloggerkollegin Anna aus Göteborg war an dem Abend auch im Circus Krone, und weil der support act (eine nette, aber musikalisch belanglose Irin) so fad war, schrieb sie mir sehr bald per Messenger: „Ich hol mir jetzt ein Bier. Mag die Vorband nicht.“, und da es mir genauso ging, marschierte auch ich zur Bar, wo Anna bereits anstand.
So haben wir uns tatsächlich mal live gesehen, zusammen eine Halbe gezischt, uns unterhalten und die Zeit bis zum Auftritt von Glen Hansard bestens überbrückt.

Es war eine dieser schönen Begegnungen aus der Rubrik „Springsteen-Fans aller Länder, vereinigt euch!“, denn in der Blogosphäre war natürlich Bruce der Grund, wieso wir uns überhaupt „gefunden“ haben 🙂

Deutsch-schwedisches Bloggertreffen!

Das nächste Bier geht auf mich, Anna, und ich hoffe, dein erster München-Trip hat dir gefallen!

Von dem Konzertabend zehre ich noch heute, und das ist auch recht hilfreich so, weil wir uns zwischenzeitlich längst wieder in anderen Sphären befinden, da das sich schon seit fünf Wochen mit kurzen Unterbrechungen dahinziehende Kränkeln des Dackelfräuleins uns nun erneut in die Klinik führte, die Finanzamtfragen noch immer nicht alle beantwortet sind und der Installateur den Austausch der Badewannenarmatur nun schon mindestens so lange nicht hinbekommt, wie das Fräulein morgens vor lauter Übelkeit Gras frisst.

Ich sagte es ja, glaube ich, schon: der November, das ist mein Monat nicht.

Songdog.

Nach dem gestrigen Geburtsdog heute ein Songdog!

Bzw. gleich mehrere, denn im Lindwurmhof rockte vorhin ein ganzes Rudel ab… – Carl Carlton & The Songdogs waren im STROM zu Gast.
(Gucken Sie sich einfach die verlinkte 3:49-Kurzdoku an, dann wissen Sie Bescheid, und hören Sie unbedingt ab 2:34 für 20 Sekunden besonders gut hin, an der Stelle musste ich am meisten schmunzeln. Cool & völlig klar: Familienurlaub hat immer Vorrang, der Boss versteht sowas!)

Da lobt man sich doch mal wieder die Großstadt und den eigenen Standort in derselben: Direkt umme Ecke – was ja stets wichtig ist, damit das Fräulein nicht lang zuhause allein bleiben muss – eine prima Location, die auch dem ostfriesischen Haudegen zu taugen schien.

Ein fetziges Konzert, häufig dachte man wirklich, bei den Stones gelandet zu sein.
Vor allem aber versank ich immer wieder im Gitarrenspiel von Moses Mo, quasi der Nils Lofgren der Songdogs, vor allem, was die Statur angeht (und die Unterlippe und das Grinsen). Überhaupt waren die fünf Jungs auf der Bühne klasse: so perfekt eingespielt auf- und miteinander, so gut drauf, so voller Elan und so weit entfernt von jeglichen Starallüren.

Was rührend und ein bisschen putzig war: Carl Carlton sortiert sich nach jedem Gitarrenwechsel das schüttere Haar, das ellenlange, gezwirbelte Bärtchen von Moses Mo muss auch gelegentlich aus Verhakelungen befreit werden und auch Wyzard, der Bassist, ist immer wieder damit beschäftigt, seine monströse Kopfbedeckung zu richten.

Was mir ab und zu aufstieß: das viele Geschwafel zwischen den Songs. Das waren manchmal durchaus nette Anekdoten, zu oft drifteten sie mir aber Richtung Palaver oder Klamauk ab und dieser Eindruck wurde noch verstärkt durch die dialektale Assoziation: denn wenn der wirklich äußerst sympathische Herr Buskohl (wie Carlton mit bürgerlichem Namen heißt) länger in deutscher Sprache was erzählte, erinnerte er mich unweigerlich an Otto Waalkes (beinahe lauerte ich schon auf das glucksende Lachen, auf den Hoppelgang über die Bühne oder ein kleines „Dänen lügen nicht“-Intro).

Und sonst so?
Super Musikclub. Gute Belüftung. Kein Soundbrei. Dafür die falsche Weißbiermarke, zu teuer noch dazu. Links neben mir eine Endfünfzigerin, die es schafft, zwei Stunden am Stück mit dem Kopf Bewegungen wie ein Blässhuhn zu vollführen (nick-nick-nick) und dabei den Unterkiefer vorzuschieben wie ein Granatbarsch auf Beutefang. Rechts neben mir ein leicht abgehalfterter Cowboy (mit echtem Westernhut aus Leder), saunetter Typ aus dem Oberland, regt sich sehr bayerisch über die schräg vor uns ausflippenden Weiber auf („De ham wohl ihre Hormone nimmer beinand!“). Ja, schon krass, wie die sich gebärden, jenseits jedes Takt- und Rhythmusgefühls, aber mei, sie haben Spaß. Übrigens lang nicht mehr so viele Bonnie-Tyler-Mähnen gesehen, alles sehr blond und kaputtgefärbt (und ich bekomme sofort noch mehr Lust, das Haar künftig wieder sehr kurz zu tragen), ansonsten vom Publikum her ein Mix aus Studienräten, Vertretern der Harley-Davidson-Fraktion, Alt-Achtundsechzigern, Rockern, Musikfreaks, Bierliebhabern und anderen Unverwüstlichen. Bassd scho.

Alles in allem bei Weitem nicht diese Mega-Emotionskiste wie neulich in Wien (ertrüge ich vielleicht auch gar nicht, ist ja erst so kurz her und noch so präsent), auch null Winckelmann (im Sinne von „edle Einfalt“/“stille Größe“ und so), der heutige Gitarrengott optisch auch deutlich verlebter als der fesche Grazer (nur 7 Jahre Altersunterschied zwischen denen? -kaum zu glauben!) und rein stimmlich mindestens eine Liga drunter, dennoch ein prima Musikabend, so rockig und animierend, dass man die roten Stiefelchen etwas beansprucht hat und das Shirt anschließend in die Wäsche musste.

Ein großes Dankeschön an den geschätzten Mr. Spike für diesen grandiosen Hinweis zur Erweiterung meines (live-)musikalischen Horizonts – und meinerseits an dieser Stelle noch ein Hinweis retour: bitte zum nächsten Geburtstag vielleicht den eventim-Gutschein gleich ein bisserl höher ansetzen (es finden sich bestimmt noch weitere Sponsoren, die mit einsteigen), damit ich solche Fortbildungen demnächst noch unkomplizierter und zahlreicher besuchen kann.

Keep on rockin‘ & gute Nacht zusammen!

Freaked out.

Auf heute bezogen lautet die Antwort ganz klar: Nein danke!

Die E-Scooter flitzen seit einiger Zeit durch unsere Stadt.
Erwartungsgemäß tun sie das auch dort, wo sie nicht fahren dürften. Keine drei Wochen hat es gedauert seit Beginn der E-Scooter-Ära, bis uns so ein Vollpfosten vor die Füße fällt. Mitten auf der Allee hier vor der Haustür, alles reiner Fußgängerbereich, fett beschildert.

Kommt uns entgegengebraust, hat lässig eine Hand am Lenker, hält mit der anderen sein Smartphone fest, guckt auch auf selbiges und fährt fröhlich vor sich hin. Irgendwann beschließe ich, mich bemerkbar zu machen und rufe „He, Vorsicht!“, weil das Fräulein und ich wollen nicht in die Rabatten springen, um dieser Blindschleiche auszuweichen, die einen heftigen Linksdrall hat. Der Typ guckt auf und will nach rechts lenken, dabei verliert er erst das Smartphone und in der Sekunde danach die Kontrolle über den Roller – und stürzt. Direkt vor unsere Füße.

Lässt man den jetzt liegen und zeigt im Weitergehen auf das blaue Fußgängerschild, das zwei Meter neben ihm steht? Nein, macht man nicht. Und Pippa schon gleich gar nicht. Menschliches Aua bestürzt sie und aktiviert sofort ihren Krankenschwestermodus. Aus anatomischen Gründen ist sie als Erste am Unfallort, bemerkt das Blut (Schienbein aufgeschürft, nicht dramatisch) und verpasst dem Vollpfosten eine Ohrwäsche, die jeglichen Schock sofort vertreibt. Ich ziehe sie an der Leine von dem Gestürzten weg, beuge mich zu ihm herunter und frage: „Alles ok?“ und „Soll ich Ihnen beim Aufstehen helfen?“. Er bejaht das Erste und verneint das Zweite und rappelt sich etwas wacklig auf.
Der E-Scooter hat auch eine Schramme abbekommen, das Smartphone einen Displaybruch. Ich nicke dem Typen zu, nicht so genau wissend, was mein Nicken eigentlich ausdrücken soll, und gehe langsam mit Pippa weiter. Drehe mich nach ein paar Schritten im Gehen nochmal kurz um, um zu schauen, ob der Kerl wirklich so weit in Ordnung ist, dass auch er weitergehen (oder -fahren) kann. Kann er.

Mich wieder nach vorn drehend denke ich „Blödes E-Scooter-Zeug!“ und „Hab ich’s mir doch gedacht, dass man mit denen kollidiert!“ und als ich mir gerade noch ausmalen will, wie sich das wohl entwickeln wird mit diesen neuen Verkehrsteilnehmern, sehe ich, wie auf dem Wiesenstreifen, der neben der Allee verläuft, ein schäferhundgroßer Mischling auf uns zuschießt. Im Laufen lässt er den Ball, den er in der Schnauze hält, fallen und die letzten Meter bis zu uns bestehen nur noch aus ein paar großen Sprüngen. Dann stürzt er sich direkt auf das Dackelfräulein, reißt sein Maul auf und fletscht die Zähne. Pippa duckt sich, jault laut und kann nicht flüchten, weil sie ja angeleint ist.

Ich lasse die Leine fallen und schreie panisch „Lauf!“ und tatsächlich rennt sie los. Der Angreifer will hinterher, ich springe dazwischen, stampfe mit dem Fuß auf und brülle den Hund an, fuchtle mit meinem Rucksack vor ihm herum. Dann entdecke ich endlich sein Frauchen, eine übergewichtige Trulla, Gothic-Style, Kippe in der einen, Smartphone in der anderen Hand. Behäbig über die Wiese watschelnd ruft sie „Timmy!“, aber Timmy schert sich nicht drum und Trulla ist leider zu unbeweglich, um einen Zahn zuzulegen und sich ihren Timmy zu schnappen. Ich plärre, sie solle sich beeilen und ihren Hund festhalten, weil der meinen um ein Haar gebissen hätte und ernte dafür ein dröges „Komm ja schon“, zwischenzeitlich ist Pippa wieder bei mir angekommen, sucht hinter mir Schutz, aber Timmy sieht sie und will erneut auf sie losgehen.

Da platzt mir der Kragen und ich raste aus. Von irgendwo ganz tief in mir drin rollt eine Welle an Kraft und Energie heran, die mich völlig überrascht, weil a) ich heute zum einen stark erkältet und zusätzlich von Blutungen ziemlich entkräftet bin und b) der Tag bis hierhin sowieso schon gelinde gesagt eher schwierig war und das nicht etwa nur wegen der gesundheitlichen Beeinträchtigungen.
Was dann geschah, schreibt man vielleicht besser nicht in so einen Blog rein.

Jedenfalls ist Pippa nichts geschehen, ihre letzte Bisswunde ist ja grad mal drei Monate her, und auch mir ist nichts passiert. Und auch sonst gab es keine Verletzten oder Toten.
Beim Nachhauselaufen denke ich innerlich wie äußerlich noch ziemlich zitternd über den Vorfall nach und auch darüber, wie man nur plötzlich solche Kräfte entwickeln kann und woher dieses Begleitvokabular kommt und warum das alles binnen Bruchteilen von Sekunden einfach da ist und so fix abläuft wie ein Film im Daumenkino.

Und ich denke auch an den Running Gag zwischen dem Gatten und mir, den wir seit ein paar Jahren pflegen.
Wenn einer von uns mal in eine dieser Ausnahmesituationen geraten ist, in der er/sie sich nur mit Müh und Not beherrschen konnte, um nicht total die Fassung zu verlieren, also zumindest nicht so, dass dabei Sach- oder Personenschäden entstehen, und man dem anderen danach von dieser Ausnahmesituation und ihrer Bewältigung berichtet, beenden wir solche Berichterstattungen meist mit dem natürlich scherzhaft gemeinten Satz: „Ich bin gespannt, wer von uns den anderen zuerst aus der U-Haft abholen muss.“

Seit zwei Stunden bin ich mir nicht mehr sicher, ob es sich meinerseits wirklich noch um einen Scherz handelt.
Aber wenigstens hätte es der Gatte nicht weit. Die nächste Polizeidienststelle ist in der Beethovenstraße und der Weg dorthin wirklich sehr idyllisch, sofern einen auf der schönen Allee keine E-Scooter anfahren oder Hunde anfallen.

Jetzt versuche ich mal, meinen Arbeitstag fortzusetzen und öffne mir ein Fläschchen Hopfengetränk, zur Nervenberuhigung.

Prosit!
Auf einen ruhigen Abend & betrachten Sie diesen Beitrag bitte in erster Linie als eigentherapeutische Maßnahme.

Sozialtraining im Landkreis STA.

Fährt man für ein paar Sonnenuntergangsfotos, die man für den nächsten Magazinbeitrag braucht, zur Abendstunde nochmal raus an den noblen See.

Schloss Berg, Dampfersteg, Votivkapelle, Schlosspark – und natürlich die Stelle, wo der Kini ins Wasser ging.

Das Dackelfräulein macht dort, wo sie als Model gefragt ist, recht gut mit.
Alles bestens also, nach einer guten Stunde sind die Fotos im Kasten. Zur Belohnung noch ein neues Wegerl: hoch in den oberen Ortsteil, über einen steilen Waldpfad. Sehr lauschig, noch nie dort gewesen, man tendiert ja immer nur zum Seeufer. Ein bisserl durch den Ort spaziert, ein Haus schöner als das andere, keine Bausünden im Toskana-Stil oder pseudo-griechische Säulen auf der Veranda. Der 911er steht hier heroben eher etwas versteckt hinter der Thujenhecke anstatt protzig mitten vorm Haus.

Weil nix los ist, läuft das Fräulein schon den ganzen Abend friedlich ohne Leine vor sich hin. Auch dort oben im Wohngebiet.
Bis sie dann den klopsigen Garfield dummerweise eine Sekunde vor mir entdeckt, wie er da bräsig in einer Einfahrt hockt und sich putzt. Was er dann sehr schnell bleiben lässt, als Pippa mit Vollgas und sirenenartigem Spurlautgeheul auf ihn zuprescht. Er flüchtet, so gut das halt in seiner Gewichtsklasse geht, durch ein offenes Gartentor in den dahinter liegenden Garten. Pippa hinterher. Und ich ebenfalls.

In einem fremden Garten zwischen Rhododendren stehend höre ich in einiger Entfernung meinen Hund wild jaulen. Renne dann durch den weitläufigen Garten, immer dem Gejaule nach, am Springbrunnen vorbei, am Gewächshaus vorbei, am japanischen Steingarten vorbei – bis ich vor einer Terrasse stehe.
Die Schiebetüren der idyllischen Villa stehen sperrangelweit offen. Drinnen sitzt bzw. saß ein gediegenes Paar beim abendlichen Glas Rotwein.
Garfield hat sich auf seinen Katzenbaum gerettet. Das Dackelfräulein steht davor und bellt, was das Zeug hält (und denken Sie bloß nicht, dass ein Dackel bellen würde wie andere kleine Hunde bellen, so blechbüchsenartig und hell und nicht weiter ernstzunehmen – nein, der Dackel hat eine Stimme wie ein Großer und er/sie fühlt sich auch so).

Was tun?
– Natürlich beherzt diese perfekte Gelegenheit für ein spontanes Sozialtraining ergreifen, sowas bietet sich an einem gewöhnlichen Dienstagabend um 21:23 Uhr ja eher selten!
Festen Schrittes und erhobenen Hauptes die Terrasse betreten, sich die vom Sprint etwas verrutschten Klamotten und die Frisur richten, andeutungsweise an die Glastür klopfen (die ja eh offen ist und man wurde ja eh längst gesehen, weil der Bewegungsmelder die gesamte Terrasse justament ausleuchtet wie eine Bühne), und freundlichst fragen, ob man hineinkommen dürfe, ja vielleicht gar solle.

Das ältere Paar übernimmt ebenso spontan die Gastgeberrolle wie ich die des Überraschungsbesuchs und bittet mich ohne Umschweife hinein.
Ich trete ein, gehe an der blütenweißen, ledernen Rolf-Benz-Eckcouch, vor der die beiden zur Begrüßung des Dackelfräuleins aufgesprungenen Eheleute etwas aufgeregt stehen und mit den Armen herumfuchteln, vorbei und tappe vorsichtig mit meinen Trekkingsandalen über das französische Eichenparkett in die hintere Ecke des riesigen Raumes, wo der Katzenbaum steht – und wo es so laut ist.

Es geziemt sich leider nicht, in solchen Momenten die Kamera zu zücken, um dies seltene Schauspiel festzuhalten, sondern sofortiges Handeln ist angesagt.
Hund zusammenstauchen, in möglichst distinguierter Wortwahl, versteht sich – man ist ja schließlich bei besseren Leuten eingekehrt -, Hund anleinen, dem dicken, fauchenden Kater ein paar tröstende Bemerkungen zurufen, sich dann mit dem angeleinten Hund umgehend wieder Richtung Terrasse bewegen.
Währenddessen mehrfaches Exkulpieren bei den Hausherren. Die das gottseidank locker nehmen und sich bereits an einem etwas gequälten Lächeln und ein paar lockeren Kommentaren versuchen: „kein Problem“ – „kann ja mal vorkommen“ – „ein Einbrecher wäre unangenehmer“ – „ist ja eigentlich ein recht hübscher Dackel“.

Wir danken Garfield und den Bewohnern der schönen Hütte in der Bäckerstraße in Berg für das gemeinsam erfolgreich absolvierte Sozialtraining und wünschen allseits eine gute Nacht!