Song des Tages (67).

Passend zur Nummer 67 dieser Serie ein Song aus dem Jahre 1967:

Und hier dasselbe Lied gleich nochmal, in der für mich relevanteren Version aus dem Jahre 2021:

So eine Maschine hätt‘ ich ja auch mal gern gehabt (oder halt jemanden, der so eine hat), damals, als ich noch blutjung und unversehrt war, mich meist in gitarrespielende Motorradfahrer verliebte, die entweder planlose Zivildienstleistende waren oder Jura oder Medizin studierten (und verlobt oder verheiratet waren), bis auf den einen, der Schreiner und Kajaklehrer gewesen ist, das schönste Bike von allen hatte, am Isarstrand abendfüllend Dylan spielen konnte (aber leider ungebunden bleiben wollte).
Naja, wenigstens hab ich nicht so viele Haare auf den Beinen wie der Kerl in dem Clip, da verteilt sich das Voltarengel auch viel einfacher.

Mit 17 hatte man noch solche Träume.

Der Orthopäde und Unfallchirurg, der gestern mein Knie von allen Seiten durchleuchtete, entließ mich mit der Diagnose Schleimbeutelentzündung (was ja für sich genommen schon widerlich genug klingt) und obendrein der Empfehlung, ich solle vernünftigerweise in den nächsten Wochen nicht auf die Zugspitze steigen, sondern im Flachland flanieren, und bei guter Führung dürfe ich alle 7 Tage mal testen, ob vielleicht ein kleines Läufchen schmerzfrei möglich ist. Aber ein Schwimmbadbesuch zum Rücken- oder Kraulschwimmen, das sei durchaus erlaubt (subversiver Sportmedizinerhumor in Seuchenzeiten).

Der See hat zwischenzeitlich wieder winterliche 6 Grad, vor Anfang Mai ist also nicht mit neoprentauglichen Badetemperaturen zu rechnen.

Frühlingsspaziergang am 7. April.

Deprimierende Aussichten, mal abgesehen von dem wunderbaren Poster aus meinem Geburtssommer, das im Praxisflur gegenüber des Röntgenraumes hing.

Überhaupt: die ganze Bude voll mit schönen Sportbildern. Empathie ist des Orthopäden Sache nicht.

Am besten besuch‘ ich dieser Tage nochmal den Papa und überbrücke dort den Brücken-Lockdown oder was auch immer da in Kürze auf uns zukommt (ich bin sicher, bis zur MPK wird ein klangvoller, neuer Begriff geboren sein), da gäbe es wenigstens einen Liegestuhl mit Bergblick.

Tegernseer Tal am 7. April.

Ihnen noch eine erfreuliche Woche – und bitte stürzen Sie nicht.
Weder in Verzweiflung noch auf ihr Knie.

Auferstanden oder: Notate zur Osternacht.

Der wegen der Megaprellung am Knie verschobene Geburtstagsausflug des Gatten führt uns erst dienstags an die Osterseen, was wir ohnehin für geschickter halten, als dort am Wochenende aufzukreuzen. In dieser Annahme (sowie in unserem schon vor Corona praktizierten Konzept, beliebte Ausflugsziele samstags und sonntags zu meiden) fühlen wir uns direkt beim Eintreffen auf dem Parkplatz doppelt und dreifach bestärkt. Auf der weitläufigen Runde verläuft es sich zwar gottseidank ziemlich, die meisten gehen eh nicht die kompletten 10 Kilometer. Mein verunfalltes Knie plädiert für ein eher gemächliches Tempo, das Fräulein begrüßt das ebenfalls, weil so mehr Zeit und Gelegenheit für Pferdeäpfeldegustationen und Pfotenabkühlungen bleibt. So vergeht ein halber Tag mit Wandern, Schauen, Rasten, Essen und Trinken, sonnensatt kehren wir in die Stadt zurück, in der am frühen Abend das Leben tobt, als gäbe es kein Corona oder kein Morgen.

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Tags drauf bekommt das Fräulein ihre jährliche Impfung, die Tierärztin tastet zuvor nochmal den gesamten Dackelunterboden ab, an dem Ende letzten Jahres plötzlich zwei Knötchen zu spüren (und auch zu sehen) waren, und findet – genau wie wir – nichts mehr.
Schon klar, dass damit das Thema Mammatumoren leider nicht für alle Zeiten vom Tisch ist, aber diese Erfahrung, dass sich etwas, bei dem zwei Tierärzte mit ernster Miene den Verdacht auf ein Karzinom in den Raum stellten, schlussendlich als das seltene Phänomen einer Milchverkapselung entpuppt, lässt einen einfach nur aufatmen.
Dass man das durchgestanden hat: das Abwarten, das Bangen, das Hoffen darauf, dass das Ganze doch noch eine positive Wendung nehmen würde… Meine Güte, so ein Glück!

Der Tegernsee erscheint mir nach diesem Termin gleich noch glitzernder als sonst, die Zitronentarte, die ich mir auf Gut Kaltenbrunn gönne, weil das teure Parkticket dort zu 100% auf den Verzehr einer Togo-Köstlichkeit angerechnet wird (mia verschenkn nix!), schmeckt nach Frühling und nach Leichtigkeit, obwohl sie sicher ordentlich Kalorien hat. Wurscht!

Die Freude über den Gesundheitszustand des kleinen Hundes tunkt den gesamten Tag in zitronengelb, lindgrün und azurblau, die 50er-Sonnencreme im noch von der letzten Bergtour ramponierten Gesicht duftet bereits verheißungsvoll nach Sommer, der freilich noch auf sich warten lassen wird, denn auf den Bergen am südlichen Seeufer fahren sie schließlich noch auf Skiern bis ins Tal hinab.

Pippa plantscht vergnügt im See, verbuddelt ihren Ball im Sand, ich fotografiere sie, den See, den Gutshof und schicke die Bilder der Schweizer Freundin, die vor langer Zeit, als mein petrolfarbenes Kleid mit dem Paisleymuster noch halbwegs modern war, hier am Vorabend ihrer Hochzeit herumpolterte, wenn ich mich recht erinnere, denn ich kam erst am Tag drauf zum Standesamt nach Wiessee.

Eine ähnliche Erleichterung beschert mir eine Neuigkeit, die der Papa mir mitteilt: er hat seinen Impftermin erhalten. Und freut sich, dass ich gleich vorbeikomme, damit wir gemeinsam darauf anstoßen können. Es ist der erste Nachmittag in diesem Jahr, den wir auf der Terrasse verbringen können, mit Shorts, Sonnenschirm und Sorbet.

Und es ist auch der erste Abend in diesem Jahr, an dem der Papa wieder Lust hat, selbst ein tolles Essen zu kochen. Wir machen das allererste gemeinsame Selfie unseres Lebens, müde lächelt er in die Linse, ich recke mein blaugrünschillerndes Bein ins Bild, die Dackelnase zwängt sich auch noch mit hinein und vor uns lachen uns die Pappardelle (sic!) mit Garnelen in Estragonsauce entgegen.

Als ich mich am späten Mittwochabend vom Tegernsee auf dem Heimweg mache, bin ich vergleichsweise selig.
Vergleichsweise, weil Besuche beim Papa seit Langem nicht mehr gänzlich seligmachend sind, sei es, weil die Lebensgefährtin das verhindert oder weil Mr. Parkinson neue Zuckungen zeigt, die mich – so wie diesmal – ziemlich erschrecken. Drauf angesprochen guckt mich der Papa groß an, will selbst rein gar nichts von der Veränderung bemerkt haben und das erschreckt mich gleich noch mehr.
Abgesehen von diesen Eindrücken ist der Mittwoch ein Spitzentag gewesen.

Bei einem noch Beinahe-Vollmond fahre ich also selig durchs nächtliche Oberland gen München, bleibe auf der Musik-Speicherkarte fast 40 km lang bei Suzi Quatro hängen, offen gestanden sogar bei Suzi Quatro und Chris Norman (Wherever you go, whatever you do / You know these reckless thoughts of mine are following you / I’m falling for you, whatever you do / ‚Cause baby you’ve shown me so many things that I never knew / Whatever it takes, baby, I’ll do it for you).
An Tagen wie diesen ist das Lenor in meinen Ohren, das darf auch mal sein, denke ich, üblicherweise habe ich musikalisch und auch sonst ja eher nicht viel mit Weichspüler am Hut.

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In einem Artikel der ZEIT wird am Gründonnerstagmorgen behauptet, dass sich ein Großteil der Bevölkerung „härtere Maßnahmen zur Eindämmung der dritten Welle“ wünschen würde. Der Gatte merkt kaffeetrinkend an, dass es sinnvoller wäre, dieser angeblich so große Teil der Bevölkerung würde sich nicht mit dem Wünschen begnügen, sondern sich einfach entsprechend verhalten. Warum auf Politiker warten, wenn doch jeder imstande ist, selbst etwas dazu beizutragen, um dem Virus die Verbreitung zu erschweren: keine Einkaufstrips zu Hauptgeschäftszeiten, keine Ausflüge in überlaufene Gegenden, keine ständig wechselnden Kontakte, keine Kaffeekränzchen in geschlossenen Räumen, keine zurechtgeschnitzten Ausreden mehr (hierzu empfehle ich wärmstens diesen Artikel aus dem Tagesspiegel).
Aber lassen wir das, zumindest hier in Bloghausen, die Gemüter sind ja schon erhitzt genug und ich will wahrlich keine Diskussion anzetteln.

Pünktlich zum Osterfeste zieht München, das schon am Mittwoch „die 100er-Inzidenz gerissen hat“ nach dem heutigen „Puffertag“ nun die „Notbremse“, wieder solche Vokabeln aus dem sich fortwährend füllenden Pott des Pandemiepalavers: die Querdenker-Demo findet trotzdem statt, heute sogar gleich zweifach, die Museen und viele Geschäfte schließen wieder, Hellabrunn hat die Ostereier für morgen umsonst gekauft, die Feiernden müssen zwischen 22 Uhr und 5 Uhr die Parkbänke geräumt haben und was Friseursalons und Gartencentern droht oder nicht droht, habe ich bislang noch nicht mitbekommen,allmählich verliert man den Überblick.

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So richten wir den Blick immer mehr aufs Naheliegende (oder bestenfalls mal auf die Bergkette am Horizont), jedes weitere In-die-Ferne-Schweifen verkneifen wir uns.
Als der hübsch Bewimperte und ich mit unseren beiden Hundedamen die allwöchentliche Gassirunde absolvieren, beißt mich, während wir kuchenessend an einem kleinen, versteckten See irgendwo im schönen Togoland sitzen und über Gott und die Welt das Leben und die Liebe sprechen, eine Ameise in den Nacken, sofern diese Krabbeltiere beißen (ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass sie einem eher so eine Art Säure auf die Haut spritzen, auf die Menschen wie ich hernach hochgradig allergisch reagieren und dann zwei Wochen lang mit einer juckenden Quaddel herumlaufen, die noch mehr juckt, je mehr man dran rumkratzt).

Abends gucke ich mir den Tatort der Ameisenattacke nochmal mit Hilfe des aufklappbaren Badezimmerschrankspiegels an und mache bei der Gelegenheit eine entsetzliche Entdeckung: auf meinem Rücken ist zum ersten Mal seit wahrscheinlich 20 Jahren keinerlei Badeanzugkreuz mehr vorhanden. Nicht mal mehr ein Hauch der zwei schmalen Streifen, die die Träger stets hinterlassen, ist zu sehen, geschweige denn der leicht gebräunte, ganzjährig sichtbare Kreis im Übergang vom Brust- zum Lendenwirbelbereich.
Eine einzige, gleichmäßig trostlose und bleiche Fläche starrt mich an, keine Spuren der Schwimmerbiographie mehr, nirgends.

Auch die demnächst beginnende Ära des Kraulens im Ganzkörperkondom wird daran logischerweise nichts ändern, es dürfte also Juli oder August werden, bis meiner Rückseite wieder das vertraute Muster eingraviert ist. Und wenn sich mein Ganzjahresfreibad im Herbst immer noch im Lockdown befinden sollte, wird das vertraute Ornament bis Weihnachten schon wieder verschwunden sein.

Der Starnberger See misst heute 9,8 Grad, noch 2 Grad mehr und ich wage es. Leider soll es nach Ostern schneien, was mein Vorhaben erneut verzögern wird.
Bleibt zu hoffen, dass wenigstens das Knie alsbald wieder schnee- und bergtauglich ist, ein erster Testlauf im dank des Puffertages leergefegten Park war diesbezüglich einigermaßen vielversprechend.

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(c) M.M. [Wir danken für das wunderbare Osternest & wünschen ertragreiche Eiersuche!]

Mit dem Voltar_Engel durchs Wochenende.

Beim 94. Lauf seit Pandemiebeginn ereilt mich gestern das Gefühl, dass ich den Park nun in- und auswendig kenne. Bald werde ich sowohl die Eichhörnchen anhand ihrer Schneidezähne auseinanderhalten können als auch die Rufnamen aller dort regelmäßig ausgeführten Hunde auswendig kennen, inklusive ihrer Kosenamen. (Man möchte es übrigens kaum für möglich halten, wie rasseübergreifend und größenunabhängig die diversen „Mäuschen“ herbeizitiert oder für die Verrichtung ihrer Geschäfte gelobt werden).
Den alten Mann mit dem einäugigen Hund grüße ich zwischenzeitlich ebenso selbstverständlich wie den ausgeleierten Herrn im gleichermaßen ausgeleierten Cordsakko mit seinem graunasigen Whippet-Rüden oder die Frau, die mit ihrer nussbraun-ondulierten Welsh-Springer-Spaniel-Hündin ungeachtet jeglicher Friseurgeschäftsschließung in Sachen Haarkleid im Dauerpartnerlook unterwegs ist.
Den adipösen Jogginghosenträger, der seinen angeleinten Dackelmischling fahrradfahrend hinter sich herzerrt, grüße ich hingegen niemals, stattdessen erwäge ich diverse Befreiungsaktionen des armen Hundes, der nirgendwo in Ruhe schnüffeln oder seine Duftmarken setzen darf. Dasselbe gilt für die dämliche Tussi, die Gassigehen so auffasst, dass sie telefonierend (oder anderweitig in ihr Handy vertieft) herumsteht oder -sitzt und der Hund für eine Dreiviertelstunde (so lange dauert mein Lauf – was vorher oder nachher geschieht, entzieht sich meiner Kenntnis) sich selbst überlassen wird, irgendwo hinkackt, Mülleimer leerfrisst, Eichhörnchen jagt oder aus Langeweile einen Artgenossen anfällt. Diese Pseudotierfreunde habe ich mindestens so dick wie die Parkvermüller, die von Woche zu Woche mehr zu werden scheinen (oder aus Frust mehr futtern und deshalb mehr Müll hinterlassen, man weiß es nicht).

Dieser 94. Lauf wird für eine Weile mein letzter gewesen sein, denn das Schicksal (oder Laufgott Asicius?) verordnet mir noch am Nachmittag desselben Tages überraschend eine Pause.
Ich hätte es ja netter gefunden, das wäre sanfter eingeleitet worden als mit so einem herben Sturz auf eine Steinplatte, offenbar war es aber anders vorgesehen (fairerweise möchte ich ergänzen, dass mir zuvor noch ein sonniger Spaziergang samt ausgiebiger Rast am geheimen Bootshaus vergönnt war).
Die Uferböschung ist eigentlich durch zwei simple Schrittchen zu überwinden, hinunter gelang mir das auch noch einwandfrei, als ich dem Fräulein folgte, nur hinauf sollte es nicht mehr klappen. Die schmale Steinkante, auf die ich den rechten Fuß aufsetzte zu Schritt Nr. 1, war leider nur noch lose in der Böschung verankert, lockerte sich beim Drauftreten, kippte mir auf die Schuhspitze und hernach kippte ich um.
Fiel mit der Kniescheibe frontal auf einen anderen Stein und knickte dann komplett zur Seite um, plumpste hinein in den einzigen Dornenbusch an diesem Uferstück.

Kaum zu glauben, wie deppert man fallen kann, und noch kaumer zu glauben, dass man den ganzen zähen Winter über selbst die abenteuerlichsten Bergstrecken ohne jedwede Blessur gemeistert hat, erst vorgestern noch stundenlang knietief durch den Schnee gestapft, nix passiert einem da, nirgends, stattdessen semmelt’s einen auf einem seichten Abhang von 70cm Länge dermaßen hin…
Dank des ersten T-Shirt-Wetter-Tages 2021 (gestern: 18 Grad und Sonnenschein am See) konnte der ausgehungerte Strauch gleich eine ordentliche Fleischmahlzeit zu sich nehmen – seine gierigen Fangzähne steckten überall in meinem Arm, als ich mich mühsam wieder hochgerappelt hatte (versuchen Sie das mal: sich mit Knieschaden im Dornenbusch liegend ohne Einsatz der Hände und unversehrt aus jenem zu befreien) und benommen vor Schmerz auf den Weg zurücktaumelte.
Das Dackelfräulein sofort zur Stelle und im Krankenschwestermodus: Wunden verarzten, nicht von der Seite des Patienten weichen und unterwegs aufpassen, dass das wacklige Frauchen beim Anlehnen an einen Zaun nicht noch von dessen Latten aufgespießt wird.
Im Schneckentempo und humpelnd den Steilweg zum Hochufer zurück, wo das Auto geparkt steht. Die Heimfahrt nicht allzu lustig, weil der Wechsel des Beines zwischen Gas- und Bremspedal nur unter Zuhilfenahme des Armes zu bewerkstelligen ist, aber was will man machen, irgendwie muss man ja nachhause kommen.

Den Freitagabend dann mit reichlich Ibuprofen, einer Kältekompresse und dem Voltar_Engel (sein Nachname: Forte, was ja schon mal hoffnungsfroh stimmt) auf der Couch gesessen. Der Gatte sorgt mit einem feinen Bierbichler-Film für mentale Ablenkung und stellt sich schon mal drauf ein, dass alle weiteren Beinarbeiten am Wochenende wohl an ihm hängenbleiben werden, was nicht schön ist, da er seinen zweiten Coronazeitengeburtstag eigentlich ausfliegend mit dem Fräulein und mir verbringen wollte, woraus jetzt nichts wird bzw. was auf Montag verschoben wurde, in der Hoffnung, dass der Monsterbluterguss bis dahin wieder einen längeren Ausgang erlaubt.
Sogar die Geburtstagsfrühstückssemmeln und -brezen, die grundsätzlich von dem zu besorgen sind, der nicht Geburtstag hat, muss er sich diesmal selbst beim Bäcker holen, eine äußerst grausame Änderung der üblichen Verhältnisse an einem solchen Jubiläumsmorgen, die mir zutiefst leid tut und die auch das ewig leuchtende Licht des Stern des Südens auf dem Gabentisch nur bedingt wettzumachen vermag.


Als Zeichen meines guten Willens meiner Tapferkeit & meiner unendlichen Liebe schleppe ich mich nach dem Frühstück immerhin noch zum Blumenstand um die Ecke und hole dem Gatten ersatzweise ein bisschen blühendes Leben ins Haus, bevor ich mir den Zinkleimverband ums bläulich-pralle Knie kleistere, auf die Reservebank sinke und Sie, liebe Leserinnen und Leser, mit diesem Invalidenbericht zutexte, den ich nun jäh abkürzen muss, weil soeben der Paketbote klingelt und ich noch rechtzeitig zur Wohnungstür gelangen möchte (was hinkend etwas dauert), bevor er die letzte Lieferung, die mir zur Vervollständigung meines Neoprensortiments für eine gelenkentlastende Bewegungszukunft im Wasser noch fehlt (die Handschuhe nämlich), wieder mitnimmt oder womöglich bei den falschen Nachbarn abgibt.

Kleines Daumenkino oder: So eine Art Wochenrückblick.

Die Tage am Tegernsee waren nicht ganz unanstrengend.
Zum einen wegen der Tiefschneestapferei bergauf- und abwärts, über die wir natürlich nicht ernsthaft jammern wollen, weil das herrliche Wetter und das Tagestouristenverbot, das ja nun schon wieder aufgehoben wurde, einmalige, ach was sag ich: geradezu paradiesische Rahmenbedingungen für diese Ausflüge schufen.

Allein auf weiter Flur, das Fräulein putzmunter auf der Piste, problemlos stundenlang ohne Mantel, ich meist ohne Mütze/Handschuhe/Jacke hinterher, Mittagsrast in der Sonne, mit Krapfen und Knackwürstchen, bei einem der Abstiege kamen uns bereits die ersten Einheimischen in kurzen Hosen und Hemden entgegengehikt, ein Hauch von Frühlingsgefühlen umflatterte einen im gleißenden Glitzerlicht der Spätnachmittagssonne, den restlichen Abend flatterten dann allerdings die Beine von dem Surfen im sulzigen Schnee.

Zum anderen war’s anstrengend aufgrund der pandemie- und parkinsonbedingten Lage des Papas und der Lebensgefährtin.
Gelinde gesagt spitzen sich die diversen Schwierigkeiten, die freilich schon in der alten Normalität vorhanden waren, dort aber noch nicht gar so ins Gewicht fielen, im (Zusammen-)Leben der beiden allmählich zu. Der Papa nimmt nur noch die nötigsten Therapien wahr (das Angebot wurde wg. Corona eingeschränkt) und hat darüberhinaus irgendwie die Motivation verloren, sich ernsthaft für eine Verbesserung seiner Situation zu engagieren („Die Treppengeherei hier im Haus strengt mich schon genug an!“ ) und sieht als Betriebswirt auch nach dem Ende des Coronawinters noch so viel Düsternis und Kahlschlag nahen, dass er sich einem gewissen Grundpessimismus anheimgibt („Das wird da draußen in der Welt eh alles nix mehr!“ ). Die Lebensgefährtin muss alle Besorgungen des Alltags alleine bewältigen, weil der Papa seinen Radius recht konsequent auf die paar Meter zwischen Sofa, Küche und Esstisch beschränkt. Ihre Canastarunde, ihre Tennisstunden und das wöchentliche Freitags-Damenkaffeekränzchen – nichts davon findet mehr statt. Die Enkel kommen aus Sicherheitsgründen auch nicht mehr vorbei. Freunde sowieso nicht.
Nur ich, ab und zu, und das fällt für die Lebensgefährtin nicht gerade unter die Rubrik „Highlights“, soweit hat es noch nicht mal der wochenlange Lockdown gebracht (unser Verhältnis wird in diesem Leben nicht mehr über das einer befriedeten Koexistenz hinausgehen, in etwa vergleichbar mit der von Katz‘ & Hund, die nicht von kleinauf aneinander gewöhnt wurden, sondern zwangsweise lernen mussten, gelegentlich auf demselben Hof zu leben und in den Zeiten solcher Zusammentreffen Zank und Zwist aus Gründen der Ressourcenschonung so gut es geht zu vermeiden).
Da der Input der Außenwelt nicht mehr aus Begegnungen/Reisen/Kultur besteht, sondern Post und Nachrichten das Einzige sind, was derzeit noch von draußen hineindringt zu den beiden, gibt es während meines Besuchs neben der nicht endenwollenden Pandemie und der gottseidank beendeten Präsidentschaft Trumps nicht allzu viele Gesprächsthemen. „Es passiert ja nichts mehr bei uns“ , klagen beide, alles fühle sich an wie in diesem Film mit dem Murmeltier, ein Tag gleiche dem anderen.
Leider haben die beiden sich – womöglich um das Alltagseinerlei zu durchbrechen? – angewöhnt, sinnlose Streitereien über Kleinkram zu führen, kleinlichste Klärungen von Schuldfragen werden auf einmal ganz groß ausgefochten und selbst das Ergebnis dieser Fehden ist genauso wie der Murmeltiertag: beliebig, austauschbar, ermüdend.
Für den Papa ist es sichtlich schön, dass das Dackelfräulein und ich für ein paar Tage im Haus sind, das beschert seinem Tag eine andere Struktur und bringt neue Aufgaben mit sich („Hast du einen Wunsch, was du essen möchtest?“). Jeder Handgriff in der Küche geht quälend langsam vonstatten, helfen lassen will er sich nicht (nicht aus falschem Ehrgeiz heraus, sondern weil er es – genau wie ich – hasst, wenn ihm jemand in der Küche reinredet oder reinpfuscht, unter Teamplayern wird das Mithelfen genannt und ist stets gut gemeinter Terror), sein Bemühen um die Mahlzeiten rührt mich, vermischt sich aber spürbar mit einer schweren Sorge: Wie lange schafft er das noch? Und wenn er’s mal nicht mehr schafft – was ist dann?

Richtig rührselig wird es schließlich in zwei Momenten.
Der eine: als ich mir abends das Akkordeon schnappe und meine bisherigen La-Paloma-Versuche zum Besten gebe – da hat er Tränen in den Augen und lobt mich (beides eine absolute Ausnahmeerscheinung). Wir besprechen, welches Repertoire ich mir noch aneignen könnte, damit es dereinst im Pflegeheim genug zu singen gibt. Lili Marleen wünscht er sich sehr, ebenso Hey Jude und Wir lagen vor Madagaskar, und ich bestelle mir sofort die Noten.
Der andere: die Telekom schreibt ihm, dass sein Uralt-Handy ab dem Zeitpunkt der Abschaltung des 3G-Netzes nicht mehr funktionieren wird und offeriert einen neuen Vertrag samt neuem Gerät, natürlich ein Smartphone, was er aber für seine letzten Lebensjahre unbedingt vermeiden wollte. Mit zittriger Hand reicht er mir das Schreiben und fragt, was er denn nun tun solle und gesteht mir im selben Atemzug, er habe noch so einen blöden Brief bekommen, nämlich von seiner Bank, die ihn darauf einstimmt, dass er die fürs Online-Banking benötigte TAN künftig von einer App generieren lassen müsse („…und App, das heißt doch dann auch wieder Smartphone, oder?“ ).

Beide sind wir noch immer recht ungeübt in diesem Rollentausch, obwohl der sich an manchen Punkten eh längst vollzogen hat, der Startschuss dazu fiel ja schon vor fünfeinhalb Jahren auf unserer letzten gemeinsamen Reise, nämlich am Abreisemorgen in dem kleinen, hektischen Hotel mitten in Helsinki, in dem sie nur Finnisch, Schwedisch, Russisch oder Englisch sprachen, was den Papa sichtlich überforderte, so dass er zum allerersten Mal die Abwicklung des Auscheckens und das Ordern des Taxis, das uns zum Flughafen bringen sollte, mir überließ, und ich fast ins Stottern geriet, als ich mit der Rezeptionistin sprach und ihn währenddessen mit etwas verlorenem Blick neben unseren Koffern in der Lobby sitzen sah, er, der mir bis zu diesem Augenblick jahrzehntelang das Gefühl gegeben hatte, immerzu alles im Griff zu haben und geregelt zu bekommen – und nun war plötzlich ich an der Reihe…

Zurück zur vergangenen Woche.
Die letzten beiden Stunden meines Besuchs am Tegernsse verbringe ich also damit, den Herrn Vater zu beruhigen, dass der Wechsel von seinem Nokia 3310 auf ein Smartphone nicht den Weltuntergang einläuten wird, sondern er auch mit „so einem Scheißgerät“ weiterhin ganz normal würde telefonieren können, ohne Verwendung „fürchterlicher Apps“ , denn die bräuchte er nur für ein paar wenige andere Dinge. Er guckte grantig, hörte mir aber geduldig zu, fuhr nebenbei mit dem Zeigefinger seiner nicht-parkinson-betroffenen Hand unaufhörlich und Rille für Rille des vor ihm liegenden Tischsets ab und nickte ab und zu stumm. Schwer zu sagen, ob er das Tun seines eigenen Fingers abnickte oder meinen Vortrag über die Vorzüge eines Smartphones, ich tippe eher auf Ersteres.
Bevor ich mich ins Auto setze, um nachhause zu fahren, verspreche ich ihm, mich daheim in München bald um die Vertragsänderung zu kümmern.
Mal langsam!“ , interveniert er, das müsse man doch jetzt nicht überstürzen, das liefe einem ja nicht davon und da wolle er schon noch ein Weilchen selbst den Daumen drauf haben.
Und damit beschloss er das Thema.

Apropos Daumen. Hat irgendwer von Ihnen in den Wintermonaten vielleicht auch diese Probleme mit einreißenden Fingerkuppen? Und verwendet zur heilenden und schützenden Abdichtung solche Spezialpflaster (konkret: Compeed für Fingerkuppen)? Kriegen Sie das hin? Klappt das bei Ihnen?
Ich plage mich seit zwei Wochen mit deren Anwendung herum und wäre äußerst dankbar für jedweden Tipp zum zügigen, korrekten und vor allem zerstörungsfreien Anbringen jener Heilmittel auf kaputte Daumenkuppen.

Bis vor einigen Jahren nannte ich diese allwinterliche Daumenkuppendauerverletzung noch meinen „Langlaufdaumen“ , weil das Phänomen damals nur auftrat, wenn ich nach ein paar Stunden in der Loipe meine trotz dieses strapaziösen Sports immer noch dauereiskalten Finger aus den etwas zu starren und nicht optimal sitzenden Handschuhen entließ.
Manchmal blutete die Daumenkuppe sogar schon im Handschuh und wenn es besonders blöd lief, verklebte die Wunde noch während des Sports mit dem Stoff und das Abziehen des Handschuhs war dann ziemlich schmerzhaft.
Der Riss im Daumen wuchs während der Wintermonate nie so richtig zu, weil immer wieder ein neuer Langlaufausflug dazwischen kam und das Ganze damit wieder von vorne begann. Auch neue Handschuhe schufen keine Abhilfe, herkömmliche Pflaster sowieso nicht und diese Superdinger von Compeed gab es damals noch nicht.
Mittlerweile betreibe ich keinen Langlauf mehr (neben Gassigehen, Bergtouren und Joggingrunden habe ich definitiv keine Lust auf eine weitere Bewegungsvariante, die per pedes ausgeübt wird), nur der Langlaufdaumen, der ist mir geblieben bzw. kehrt zuverlässig Winter für Winter zurück.
Dafür gibt es zwischenzeitlich eine immense Erweiterung der Pflaster-Palette von Compeed, die ich zunächst zur Anwendung am zerschundenen Wanderstiefelfuß kennen- und schätzen lernte (simple Anwendung, tolle Wirkung), dann für lästigen Lippenherpes (schon nicht mehr ganz so simple Anwendung, falls es aber gelingt: gute Wirkung) und nun auch gern meinem winterwunden Däumchen angedeihen lassen würde, wenn ich denn in der Lage wäre, das blöde Teil so anzubringen, dass es dort haften bliebe und wirkte.

Und wo wir gerade bei den Gebrechen sind: Nach langer Suche habe ich ein Online-Yoga-Portal gefunden, das mich weder zu sehr mit spirituellem Beiwerk belastet noch in eine Community hineinzwängt, sondern mir einfach und für wenig Geld ermöglicht, meinen schwimmbadschließungsbedingten Schulter- und Nackenbeschwerden entgegenzuwirken und generell ein wenig an der ohnehin längst verlorengegangenen Geschmeidigkeit zu arbeiten.
Ja, ich formuliere das bewusst so: zu arbeiten. Denn Spaß ist das (noch) nicht, wenn man in mancher Haltung statt fünf Atemzügen nur zwei schafft oder bereits mit dem Erreichen der Haltung wie ein Mehlsack, der Schlagseite bekommen hat, auf seiner Matte umkippt, und dabei noch dazu von den Homeoffizieren im Haus gegenüber beobachtet werden könnte.
Nicht alles wird ja während so eines Lockdowns reduzierter oder distanzierter, im Gegenteil: manches enthemmt und entgrenzt sich geradezu schamlos, sind ja schließlich alle daheim und haben Fenster (und wer arbeitet oder trainiert schon bei heruntergelassener Jalousie oder zugezogenen Vorhängen).
Jedenfalls ist der Onlinekurs recht erträglich, vor allem sprachlich gefällt er mir, weil etliche der Lehrer, die einen schinden, Österreicher sind. Da klingt manches gleich viel charmanter und selbst wenn mal ein „Ommmm“ gebrummt wird, schwingt da viel mehr Gutturales mit, als es ein hochdeutsch sprechender Yogi je zustande bekäme.

Sonst ist alles murmeltiermäßig.
Die Konturen dieser Winterwochen verschwimmen allmählich. Ich schreibe wieder, auf einmal fließt es wieder, erfreulich ist das. Zwei Begegnungen pro Woche, 1x mit dem hübsch Bewimperten, 1x mit D., wie gehabt. Drei- bis viermal Sport oder sowas in der Art. Einmal wöchentlich ein Wannenschaumbad, bevorzugt nach dem Wochenendlauf im Park. Natur und Berge so oft es die Verpflichtungen erlauben. An fünf von sieben Abenden wird eine Dreiviertelstunde auf dem Akkordeon geübt. An ebenso vielen Abenden trifft sich das gesamte Rudel gegen 20:30 Uhr auf der Couch zum Serie-Gucken, mittlerweile sind wir in einem Alter, in dem man nach 8-10 Jahren dieselbe Serie glatt ein zweites Mal ansehen kann und sich genauso gruselt wie beim ersten Mal. Die Krapfensucht hat ihren Zenit noch nicht überschritten, obwohl ich ihr nun in Woche 2 nahezu täglich fröne, dummerweise ist die Konditorei Kustermann fußläufig nur drei Minuten von unserem Home & Office entfernt und macht die besten Hagebuttenkrapfen der Stadt (unfettig, schön groß, sehr luftig, mit nicht zu süßer, eher dunkler Hagebuttenmarmelade befüllt, die – wichtig! – nirgends raustrieft, wenn man den ersten Bissen nimmt und vor allem: die leckeren Dinger sind – so gehört sich das! – ausschließlich mit Puderzucker bestäubt, und zwar nicht zu dick – mit diesen lackierten Trümmern, womöglich noch mit Farbe im Lack, können Sie mich jagen, mit den diversen Füllungsvarianten erst recht).

München versinkt seit gestern im Schnee. In den Isarauen und auf der Schneeresienwiese wird Langlauf gemacht, die homeschoolingmüden Kinder aus dem Viertel rodeln neben der Bavaria den Hang hinunter. Die Zamperln dieser schönen Stadt kriegen sich nicht mehr ein vor Freude an der weißen Pracht, das Dackelfräulein gräbt unter der Schneedecke einen großen Ast hervor und rastet anschließend aus wie zu Welpentagen.

Himmel der Bayern (90): Flughunde und Blumenmädchen.

Frisch eingezuckert liegt uns das Lieblingstal zu Füßen, über uns strahlt der weiß-blaue Himmel – und so sagen wir „Servus, 2020!“

Nach zwei Monaten Lockdown kneift die Hose allmählich wieder. Nicht etwa wegen Virusfrustvöllerei, sondern weil das Laufen die Schwimmfigur zerstört hat. Aber was soll man anderes tun in diesen Zeiten, als sich einen halbwegs erträglichen Ersatzsport zu suchen, und wahrlich gibt es momentan größere Probleme als Beinkleider, die sich etwas straffer als üblich über die Oberschenkel spannen.

Das Jahr 2020, über das ich persönlich nicht klagen möchte, weil allerorten schon genug geklagt wurde (ja, bisweilen auch hier) und weil es für mich durchaus viele schöne Wochen und Augenblicke hatte, ist in ein paar Stunden vorüber. Viele sind froh darüber, manchen graut es vor dem kommenden Jahr, mir hingegen entlockt der Jahreswechsel heuer keine besonderen Emotionen.
In den letzten Wochen fließen die Worte nicht wie gewohnt, weshalb ich mich dagegen entschieden habe, ein längeres Schlusswort zum Seuchenjahr Nr. 1 zu verfassen. Schließlich begleitet uns das alles sowieso noch in 2021, zudem dominiert derzeit das Gefühl, dass alles schon zigfach gesagt wurde und man die Wortsuppe momentan nicht mehr durchzurühren braucht, nur um ihr hernach eine Kelle voll Wiedergekäutem abzuschöpfen.
Und all das Erfreuliche, das war und ist, nochmal aufzuwärmen, reizt mich gerade ebenso wenig, außerdem haben Sie das ja eh während der vergangenen 12 Monate eifrig hier mitgelesen und Anteil daran genommen, wofür ich Ihnen an dieser Stelle herzlich danken möchte.

Die vergangenen Tage bestanden aus aktiv wie passiv genossener Musik, aus guten und gesunden Mahlzeiten, aus ausgiebigen Märschen durchs verschneite Oberland und aus Muskelkater im Oberkörper. Letzteres ging weder aufs Konto des Laufsports noch der Bergtouren, sondern verdankt sich einigen Verrenkungen an einem Hightech-Gerät namens „Mammomat Inspiration“ – ein Ding, das in etwa so viel mit Inspiration zu tun hat wie die „WC-Ente“ mit einem Teich.

Ich bin ein Freund positiver Bilanzen und so bin ich 2020 nicht für das gram, was nicht möglich war, sondern nehme erfreut zur Kenntnis, was so alles drin war in diesem Jahr – trotz Corona.
56x Schwimmen ist für ein Pandemiejahr ja so übel nicht und mit 44 Bergbesteigungen bin ich sogar äußerst zufrieden. Dass es 80 Läufe geworden sind, naja, Schwamm drüber – aber bevor das in 2021 so weitergeht, kaufe ich mir wohl doch noch einen Neoprenanzug oder imitiere Schwimmbewegungen mit einem Theraband, das ich an der Türklinke befestige.

Vorsätze fürs kommende Jahr? So gut wie keine!
Höchstens: Der viele Feldsalat soll bleiben. Der fiese Knoten vom Dackelfräulein soll abhauen, die Querdenker vor unserer Haustür bitte ebenso.
Und ich möchte „La Paloma“ auf dem Akkordeon spielen können, gern auch „Lili Marleen“. (Falls der Papa mal in einem Pflegeheim landet, werde ich an seinem Bett sitzen und ihm beides vorspielen und er wird sich freuen und an früher erinnern, und ich werde glücklich sein, dass wir ein Stück gemeinsamer Geschichte bis zu dieser Bettkante hinüberretten konnten.)

Der heutige Tag begann mit einem Bild, das vor meinem inneren Auge entstand, als ich eine nicht ganz kurze Sprachnachricht des hübsch Bewimperten auf meinem Handy abhörte. Es begleitete mich durch den gesamten Tag, dieses Bild, und ich habe es nun stimmungsmäßig zu meiner inneren Kompassnadel für 2021 auserkoren: der Freund erwähnte in einem Kontext, den zu erläutern hier jetzt viel zu weit führen würde, dass er mich, wenn er denn jemals noch heiraten würde, gern als sein Blumenmädchen an seiner Seite hätte.
Sofort sah ich mich in einem lindgrünen, flatternden Kleidchen, und mit einem Weidenkorb voller Rosenblätter in der Armbeuge, einen gekiesten Weg entlanghüpfen und fröhlich all das zarte Bunt in den Sommerhimmel werfen. Diese Allegorie gefällt mir, weil ich auf den ersten (und offen gestanden auch auf den zweiten) Blick herzlich wenig mit dem gemein habe, was ich mir unter Blumenmädchen vorstelle, es mir aber genau deshalb erstrebenswert erscheint, mich, was Leichtigkeit und Frohsinn angeht, ein Stück weit davon leiten zu lassen.

Bevor es nun gleich gebratene Maultaschen an oder mit (um die 2020 am meisten verwendete Präpositionskonstruktion hier endlich auch mal unterzubringen) Feldsalat (!) gibt und später, vermutlich so zwischen Episode 2 und 3 von Staffel 4 der aktuellen Suchtserie, noch eine kleine Pannacotta mit Himbeermark, wollte ich es nicht versäumt haben, Ihnen allen einen guten und gesunden Sprung ins neue Jahr zu wünschen…

…mit sanfter Landung, versteht sich!

Hygienekonzepte oder: Vorüberlegungen zur Anschaffung eines Neoprenanzugs.

Zwar steht der große Tag seit einer Woche amtlich fest – am Montag, den 8. Juni, öffnen die ersten Münchner Freibäder wieder, bis dahin werden es 12 lange und zähe Wochen ohne Schwimmen gewesen sein (so sehr ich Sätze mit Futur II-Konstruktionen auch liebe, so ätzend finde ich diesen hier inhaltlich)! -, aber nach und nach werden jetzt die Details zur Ausgestaltung der chlorreichen Zukunft bekanntgegeben, allen voran die sogenannten Hygiene-Konzepte und deren Umsetzung.
Und das trübt die Vorfreude nun doch ein wenig, und stellt die subjektive, bisherige Definition des Begriffs „Hygiene“ gehörig auf den Kopf (fairerweise muss man sagen, dass dieses subjektive Verständnis schon immer an der eigentlichen Bedeutung des Wortes vorbeiging, aber Bill Gates Corona rückt auch das nun gerade: der Hygienebegriff entfernt sich momentan von Woche zu Woche mehr von seiner umgangssprachlichen Interpretation und kehrt allmählich zu seinem Bedeutungsursprung zurück).

Ja, ich habe Verständnis dafür, dass man seine Eintrittskarte künftig online und mit 3-4 Tagen Vorlauf buchen soll, ebenso dafür, dass die Besucherzahl limitiert wird und der Bademeister penibel drauf achtet, dass in den einzelnen Bahnen des Sportbeckens nicht zu viel Andrang herrscht – mir persönlich kommt all das sogar entgegen, denn ich fand es eh oft viel zu voll im Becken und ich habe auch kein Problem damit, meine heiligen Schwimmzeiten vorab zu planen.

Was mich aber beschäftigt, ist der Punkt mit den Umkleiden und den Duschen: beides wird geschlossen bleiben.

Konkret bedeutet das: Ich dusche vorher daheim, ziehe am besten auch gleich meinen Badeanzug an, fahre dann zum Freibad, lege meinen Rucksack irgendwo auf dem Gelände im Gebüsch ab, gehe Schwimmen und anschließend habe ich die Wahl zwischen „ungeduscht und frisch gechlort heimfahren“ (um dann erneut daheim zu duschen) oder „eine der beiden immer schlecht funktionierenden Kaltwasserduschen am Beckenrand nutzen“ (freilich wird man sich dort nicht fröstelnd einshampoonieren oder den ganzen Körper einseifen, sondern nur kurz das Schwimmbadwasser von der Haut spülen).
Ja, spitze, man weiß gar nicht, wofür man sich da lieber entscheiden möchte!
An kalten oder verregneten Tagen dürfte das Vergnügen, sich auf der Wiese umzuziehen und sich nicht kurz warm duschen zu können, ganz besonders groß werden!

Doof, lästig, ungewohnt – natürlich trotzdem irgendwie zu bewerkstelligen, erfordert halt alles eine Umstellung der Gewohnheiten und etwas mehr Zeit und Aufwand, wozu uns die Pandemie und ihre Gefolgschaft, all die neuen Regularien, ja eh längst erzogen haben.

Was mir hingegen erst zeitversetzt (und nachdem ich die zentralen Fragen zum Wiedereinstieg ins Wasser für mich mal halbwegs beantwortet hatte) einfiel und mir einen kleinen Schauer über den Rücken jagte:
Wie groß wird wohl der Anteil derer sein, die vor dem Sprungs ins Wasser nicht daheim duschen werden, so wie bisher ja auch nicht, weil sie direkt von der Arbeit kamen und dann eben die Schwimmbaddusche vor Ort nutzten (so hoffte man es zumindest immer, stichprobenhaft durchgeführte Beobachtungen über einen Zeitraum von zwei Jahrzehnten nährten diese Hoffnung auch überwiegend)?
Werden die Stadtwerke dem Wasser künftig mehr Chlor zusetzen, damit nicht nur den eventuell mitschwimmenden pink-lilafarbenen Sars-CoV-2-Kugelfischen, sondern auch der erhöhten Zahl an Bakterien und Grindgrammeln der Garaus gemacht wird?

Ist das die neue Hygiene-Normalität? Und wenn ja, wie wird’s mir damit gehen?
(In der Hauptstadt hat man sich damit schon leidlich arrangiert, wie im aktuellen Beitrag aus der Serie „Angebadet“ im Magazin der ZEIT zu lesen ist – toller Themenschwerpunkt übrigens!)

Ist es dann nicht unter Umständen doch sinnvoller/preiswerter/hygienischer/angenehmer, über den Erwerb eines Neoprenanzugs nachzudenken und sich in Freigewässer zu begeben, selbstverständlich auch das möglichst an Tagen ohne zu viel Sonne/Menschen am Seeufer, damit man sich die Sonnencremeschlieren und das Kleinkindgewusel (und -gepiesel) in der Uferzone erspart und die Algen und Entenhäuflein vom prasselnden Regen schon ein wenig verwirbelt und verteilt wurden? Oder gleich umsteigen auf Bergseeschwimmerei, mit sauberem Wasser und sauberem Aufstieg vorweg, so dass das Schwimmen gar nicht mehr der körperlichen Ertüchtigung, dem in Stille gebetteten Abschalten von allen Unbilden des Alltags sowie der Seelenmüllkompostierung dienen braucht, sondern nur noch der Reinigung vom erwanderten Schweiße? Was kostet eigentlich so ein Neoprenanzug und worauf muss man beim Kauf achten? Kommt man überhaupt allein in so eine Wurstpelle rein und auch wieder raus? Wie schwimmt es sich damit und ist das noch dasselbe freie, leichte, selige Gefühl im Wasser?

Fragen über Fragen.
Und nur noch bis 8. Juni Zeit, Antworten zu finden und eine Entscheidung zu treffen, wie die eh schon verpatzte Schwimmsaison 2020 weitergehen wird.

Aber sie muss weitergehen und sie wird es auch, denn nach bald 30 Joggingrunden, von denen locker die Hälfte ausschließlich zur Kompensation des Schwimmmangels herhalten musste, ist eines klar: eine wirklich passionierte Läuferin wird aus mir nicht, ich bin eine Bewegungsdrang- und Vernunft-Läuferin und ohne Walkman ginge es schon gleich gar nicht und selbst mit Walkman ging es oft genug nur schleppend.

Laufen, das hat für mich meist nichts Leichtes, vom Runner’s High bin ich Lichtjahre entfernt, das Beste, was für mich beim Laufen herausspringen kann, ist eine danach als erfreulich empfundene Ganzkörperbeanspruchung, aber währenddessen…? Manchmal für Minuten ein freies Gefühl im Kopf oder ein Mini-Flow, wenn Musik und Muskeln momenthaft im selben Takt schwingen, aber im Wesentlichen besteht so eine Laufrunde für mich aus tapp-tapp-tapp, keuch-keuch-keuch, juck-juck-juck, stampf-stampf-stampf, hechel-hechel-hechel, pieks-pieks-pieks usw. usf. – Erlebnisse und Zustände, die ich in über 40 Wasserjahren niemals hatte.

Und außerdem mochte ich neben dem Schwimmgefühl auch meine Schwimmfigur viel lieber als meinen Laufkörper.
Als reine Empfindung skizziert ist der gefühlte Unterschied in etwa so groß wie der zwischen der Fortbewegungseleganz eines Delfins und der eines Kiwis (oder eines Albtros‘ beim Start), rein physiognomisch betrachtet ist’s wie Whippet versus Wombat.

For you.

[Same question as every year: Wohin mit dem Dackelfräulein (und uns) an Silvester?
Gerne wären wir in irgendeine stille Lodge in die Berge verreist (zu teuer),
beinahe hätten wir uns mit Freunden in der feuerwerksfreien Zone einer Kleinstadt einquartiert (zu spät dran),
spontan dachten wir noch an eine Nacht im Hilton Munich Airport (zu wenig Grün)
– und letztlich bleiben wir nun doch zuhause.]

Gerade bin ich vom letzten Schwimmausflug des Jahres zurückgekehrt. Der Schwimmsport ist ja, so übers Jahr oder die Jahrzehnte betrachtet, ein Abbild des Lebens im Allgemeinen wie im Besonderen. Manchmal ein friedliches, genussvolles Dahingleiten, mal ein ambitioniertes, beständiges Vorankommen, mal ein energisches, verzweifeltes Herumrudern. Mal liegt man entspannt auf dem Rücken und guckt in den weißblauen Bayernhimmel, mal zieht man an allen anderen ohne jede Anstrengung vorbei, mal haut einem der Nebenmann seine Flossen in die Fresse, dass einem der Atem stockt und entschuldigt sich nicht mal. Schwimmen ist wie das Leben, nur chlorreicher. Bemerkenswert ist übrigens, dass sich bei den diversen Varianten die Zeiten pro Kilometer kaum unterscheiden – auch hier ist eine gewisse Analogie zum Leben außerhalb des Wassers feststellbar: wie oft könnt‘ man sich das ganze Gezappel sparen, weil schlussendlich eh vieles aufs Gleiche hinausläuft.

Im Becken war es heute erwartungsgemäß voll:  All diejenigen, die noch die persönliche Sportbilanz frisieren, sich die Weihnachtspfunde wegschwimmen oder den Frust über den binnen 24 Stunden komplett weggeschmolzenen Winterzauber rauskloppen wollen. Oder die, die sich vor der Silvesterparty nochmal was Gutes tun möchten sowie die, die eh immer sonntags zum Schwimmen gehen – plus ein Schwung Väter, von daheim rausgeworfen mit den Worten „Jetzt mach du halt auch mal was mit den Kindern!“. Urlaubszeit, Schulferien, Sonne und milde 13 Grad locken an einem Silvestersonntag leider viel zu viele ins Schwimmbad.

Dennoch war heute unterm Strich noch der bessere Schwimm-Tag als Neujahr, wenn das Becken überquillt vor lauter guten Vorsätzen, die dann erfahrungsgemäß bis Anfang Februar die Bahnen nicht nur zu den beliebten Zeiten sehr unangenehm verstopfen.

Der Gatte bespaßt gerade da draußen in den ruhigen Wäldern das Dackelfräulein, bevor wir am Spätnachmittag dann die Schotten dichtmachen, damit Pippa die Hundehorrornacht des Jahres einigermaßen gut übersteht.
Wir wagen uns erst wieder nach draußen, wenn der ganze Krach vorüber, die letzte Rakete erloschen und das sinnlose Blei vergossen ist.

Diese Ruhe vor dem Sturm möchte ich nutzen, um auch den Kraulquappen-Blog noch in den Reigen der Jahresrückblicke einzureihen.

Erst dachte ich an eine Rückschau in 12 Kapiteln, was ich wieder verwarf, als ich feststellte, dass sich 7 der 12 Kapitel zu sehr ähneln würden in Tat, Wort und Bild. Eine tabellarische Darstellung wäre auch fein gewesen, aber zugleich albern, da die drei vorzeigbaren Kennzahlen fix zu dokumentieren sind: 85-33-58 (und das sind nicht etwa meine Maße, sondern die Zahlen für Schwimmen-Bergtouren-Läufe).
Und auf anderes bezogen tracke ich mein Self oder die von ihm erreichten Ergebnisse/Nicht-Ergebnisse lieber gar nicht erst (wobei: die Gassigänge und die Weißbieranzahl könnten sich auch noch sehen lassen, wenn ich sie denn nicht nur genossen, sondern auch gezählt hätte).

Ebensowenig dürstet es mich nach einem Abgleich der vor genau einem Jahr gefassten Pläne mit der nun hinter ihnen liegenden Realität eines ganzen langen Jahres – das Fazit wär‘ wenig erbaulich. Mehr und mehr komme ich davon ab, überhaupt vorauszuplanen und hinterherzubilanzieren, weil sich das für den tatsächlichen Verlauf des Lebensweges als zu wenig hilfreich erwiesen hat.

Wider die überzogenen, unnützen Erwartungen. (Aus: „Der große Polt: Ein Konversationslexikon.“)

Stattdessen habe ich mich für eine bebilderte Retrospektive entschieden, mit der ich die schönen Augenblicke/Erlebnisse/Begegnungen/Entwicklungen/Impulse aus dem vergangenen Jahr Revue passieren lassen und denjenigen widmen möchte, die daran beteiligt waren.
Die Reihenfolge der Fotos sagt – von den ersten dreien mal abgesehen – nichts über ihren jeweiligen Stellenwert in meinem Leben/Herzen/Jahr aus, bestenfalls ist sie chronologisch, ansonsten aber rein zufällig.

Jubiläum am Tegernsee – mit dem Lieblingsmenschen und allem, was man(n) sonst noch so brauchen kann für eine kurze Auszeit.

Im Zugspitzland unterwegs – mit dem zweitwichtigsten Menschen in meinem Leben.

Zur beruflichen Fotosession auf den Wallberg – mit dem Papa, der Pippa & dem alten Cabrio.

Sommergenuss am Eibsee – mit S., seiner tollen lila Picknickdecke und Zugspitzblick.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wunderbares Geburtstags-Kunstwerk von H., der Paderborner Postkartenübermalerin.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – sonniges Saisonende mit D. im Karwendegebirge auf dem Weg zur Brunnsteinhütte.

Im Starnberger See – mit den langstrecken-bewährten Kraulquappenflossen auf den Spuren des Kinis.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – wahlweise Karwendel- oder Wettersteinblick mit W. auf dem Krottenkopf, dem höchsten Gipfel im Voralpenland.

Mein zweitliebster Flügelflitzer (nach dem Dackelfräulein) – mit herzlichem Dank an den Lieblingsnachbarn für die (freudig verwackelte) Live-Aufnahme.

Geführte und gefühlte Touren 2017 – mit Andrea für einen Brockenblick auf die winterlichen Rabenklippen im Harz.

Mit herzlichem Dank an Dr. T. für das Jahresabschlussgespräch über eingebildete Nadelöhre und geglückte Brückenschläge zwischen damals und heute.

Ich danke Euch allen für diese Augenblicke & Erlebnisse!

Diesen letzten Tag des Jahres 2017 möchte ich außerdem zum Anlass nehmen, um mich bei allen Leserinnen & Lesern, allen Freunden & Followern meines Blogs (und natürlich auch bei den vielen treuen Fans des Dackelfräuleins!) herzlich zu bedanken für die rege Anteilnahme, die wohlwollende Unterstützung, die vielen Kommentare und nicht zuletzt auch die wunderbaren Kontakte, die auf diesem Weg entstanden sind!

Danke dafür & kommt alle gut rüber ins neue Jahr!
Eure Kraulquappe.

PS: …and this one’s for you, Sori, pleased to meet you!