Turning torsi & final fika.

Hier kommt er, der auf jeder Reise ebenso unsägliche wie unerträgliche und unumgängliche Hunde-Beitrag!
Alle finden das schrecklich, und jedes Mal ist es der Beitrag, der die meisten „Gefällt mir“-Klicks abstaubt…, also sei’s drum: Jetzt belle ich!

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Und es wird höchste Zeit, dass ich hier mal zu Wort komme. Vorgestern wurde nämlich der internationale „Tag des Hundes“ schmählich ignoriert – und das in einem Blog, der vorgibt, den Hund und seine Bedürfnisse tendenziell einigermaßen ernst zu nehmen.
Kein Knochen, kein Kommentar, keine Extra-Kraulung – nichts, nada, niente, nothing, ingenting. Pah!

Ich fand das so daneben, dass ich dann gestern das erste Mal auf dieser Reise gekotzt habe. Dafür musste ich in den Dünen für nur zwei Minuten ins Dickicht abhauen und einen Haufen Mist fressen, zwei Stunden später hab‘ ich dann gezittert und Bauchkrämpfe gehabt, so dass ihnen Angst und Bange wurde – und schwupps, kam der ganze Mist wieder raus.
Der Welthundetag wird bei uns daheim nie wieder ausfallen, da bin ich sicher.

Heute Morgen dann der nächste Schock. Der stellvertretende Oberhund holt den Koffer aus dem Flur, stellt ihn ins Wohnzimmer, zieht sein Bett ab und legt die Bettwäsche hinein. Das verheißt nichts Gutes. Als kluger Hund legt man sich da sofort drauf, denn nur so läuft man keine Gefahr, dass sie einen vergessen und zusätzlich kann man den Morgen auf herrliche Düfte gebettet – die die Menschen „Schmutzwäsche“ nennen (?) – verdösen.

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Gegen 11 Uhr wurde es noch unruhiger im Haus. Ich wurde unsanft aus meinem Schmutzwäschebett gehoben und auf den Fußboden (!) gesetzt. Jetzt hieß es absolut achtsam sein, dass sie sich nicht ohne einen aus dem Staub machen.
Ich sprang daher aufs Sofa, legte mir ein Kissen unter, damit ich die Szenerie gut und auch bequem im Blick hatte und spitzte die Ohren. Um 11:13 Uhr fiel das entscheidende Wort: „Mit“. Ich durfte also mit! Damit war alles in Butter und ich wusste: Es wird ein guter Tag.

Nach 45 Minuten Autofahrt stiegen wir alle zusammen am Ribersborgsstrand in Malmö aus. Nun stand endlich mal Sausen und Buddeln auf dem Programm – das letzte Mal war ja schon wieder fast 24 Stunden her.

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Malmö gefiel mir sofort! Ein riesig langer Hundestrand, der in eine noch riesigere Hundewiese übergeht, auf der man immer jemanden zum Spielen findet…

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…was die Menschen dann durch ein paar olle Geschicklichkeitsübungen,…

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…die ja allesamt sowas von simpel waren, meinten unterbrechen zu müssen.

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Aber wenn’s ihnen so viel Freude macht, dann spring‘ ich halt durch blaue Osso buccos, ist schon ok, denn sie gaben sich heute echt Mühe, den Tag so zu gestalten, dass ich mich nicht langweilte.

Warum sie dann allerdings minutenlang auf diese Brücke am Horizont starrten, verstand ich gar nicht.

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Gottseidank lagen auf dem Hundrastplats interessantere Sachen rum,…

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… so dass ich genug zu tun hatte, während meine Menschen immer noch andächtig geradeaus guckten.

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Anschließend gingen wir durch den Schlosspark, in dem ich erstmals in meinem Hundeleben, in dem ich wirklich schon viel gesehen habe, ein Reh traf, das sich bei meinem Anblick vor Angst im Boden verstecken wollte. Dabei war ich an der Leine! Aber die schwedischen Rehe sind offenbar genauso wenig weltgewandt wie die meisten Hunde, denen man hier so begegnet.

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Es folgte ein kurzer, öder Part des Tages namens „Altstadt“. Kopfsteinpflaster ist doof. Und unsere Interessen divergieren bei „Altstadt“ immer am meisten. Für mich sind ausschließlich Mülleimer, Laternenpfähle und Hausecken spannend. Der Oberhund pflegt neben seiner seltsamen Begeisterung für Brücken einen nicht minder kuriosen Enthusiasmus für Läden mit geruchlosen Auslagen. Nun ja.

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Immerhin gingen wir diesmal nicht rein, weil respektiert wurde, dass es für mich dort viel zu laut ist. Ein paar Straßen weiter – der Oberhund musste mehrfach in sein komisches Leuchtbrett gucken, das ihm den Weg zu weisen schien – blieben wir schließlich vor einer Tür mit diesem Schild stehen.

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All you need is love & a dog. Wau! Da hat doch glatt mal so ein Schwede gecheckt, worauf’s im Leben ankommt.

Drinnen gibt’s nette Wand-Deko für Mensch…

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…und Hund. Wobei ich den Kollegen Snoopy in seinem Einfluss auf die Weltläufte verglichen mit dem des Antikapitalismus‘ deutlich zu klein geraten fand!

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Das Café Knus – eine Schwedin mit Hund gab dem Oberhund vor zwei Wochen diesen Tipp – präsentiert sich auf den ersten Blick als wunderbarer Ort. Der Boden ist beheizt, die Bedienung krault einen, was ja auch das Mindeste ist, denn „Knus“ ist schließlich das dänische Wort für „Umarmung“, und eine Wurst bekomme ich auch.

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Leider stimmen auch hier die Größenverhältnisse wieder kein bisschen. Meine Wurst ist 10cm kurz und 1cm dünn, also eher ein schlechter Witz als eine anständige Wurst.

Die Menschen hingegen futtern sich so richtig voll mit spätem Mittagessen und fika. Fika ist eine der wichtigsten kulturellen Gepflogenheiten hier in Schweden und wird mindestens 3x am Tag praktiziert.

Neiiiiin, keine Bange, ich hab‘ auch erst gedacht, alter Schwede, oho, was geht denn da ab, und wieso in öffentlichen Cafés und so. Aber es handelt sich dabei einfach nur um Rumsitzen, Reden, braune Brühe schlürfen und Süßkram spachteln. Bis auf Letzteres also komplett uninteressant für Hunde!

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Aber so ist das eben. Wenn die Menschen erstmal Rumsitzen und Essen und ins Reden kommen, schaut man als Hund meist mit dem Ofenrohr ins Gebirge – oder unter die Sitzbänke. Wo sich bestenfalls mal eine runtergefallene Krume oder ein trostloses Salatblatt findet.

Tja. Ich hab‘ gelernt, dass man hier in Schweden verdammt froh sein kann, wenn man nicht im kalten Auto warten muss, während die Menschen ihre Fressorgien feiern. So gesehen kann ich das Café Knut in Malmö insgesamt dann doch empfehlen.

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Immer mit allen Vieren auf dem Boden der Tatsachen stehend grüßt euch
Eure Pippa.

PS: Muss jetzt leider aufhören und vom Sofa aus das Kistenpacken überwachen. Es scheint schon wieder was im Gange zu sein.

Wo Akka das Land verließ oder: Aufbruch.

Bei immer herbstlicherer und stürmischerer Witterung winken wir von Smygehuk aus…

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Südlichster Punkt Schwedens: Smygehuk.

… den letzten Zugvogelschwärmen nach, die eilig das Land verlassen und ihre Reise in den Süden antreten.

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Das kleine Denkmal für die große Akka von Kebnekaise.

Auch wir nähern uns allmählich der Rückreise in den Süden (in dem es aktuell leider noch kälter ist als hier). Bloß noch ein Tag an der Südküste, danach ein weiterer in Malmö – bis der Gatte abends zurückfliegt.

Und vielleicht bedurfte es dieser Abschiedsstimmung und des rauen Klimas, um endlich gemeinsam mit Pippa in einem Café Einlass gewährt zu bekommen.

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Nach der Nachsaison & bei 11 Grad: Cafés öffnen ihre Türen.

Am Donnerstag brechen wir unsere Zelte hier auch ab, und nach langem Hin und Her, Für und Wider, Planen, Verwerfen und Neu-Planen steht die Reiseroute seit heute endlich fest: Keine Fähre mehr, sondern Brücken über Brücken (über den Öresund und den Großen Belt).

Außerdem: In aller Ruhe nach München zurück, 4-5 Tage Zeit lassen, kein Kilometerabspulen, sondern langsam reisen und unterwegs gleich noch ein paar Wünsche realisieren.

Die da wären:

– in Betten mit festen Matratzen und ohne wabbelige schwedische Hygieneauflagen schlafen
– Frühstück mal nicht selber machen
– in eine Scheibe heimisches Vollkornbrot beißen
– ungesalzene Butter auf dieses Brot streichen
– abends nicht den Kochlöffel schwingen
– Pippa ins Restaurant mitnehmen ohne dass irgendwer krumm guckt
– nach fast 4 Wochen endlich wieder in einem 50m-Becken schwimmen
– die Kieler Förde anschauen
– einmal im Leben im selben Hotel übernachten wie Bruce Springsteen (nur leider nicht zeitgleich)
– Pippa zu einem Date mit einem feschen Rüden begleiten, den sie übers Bloggen kennengelernt hat

Das sind schöne Aussichten – ganz egal, bei welchem Wetter.
Aufbruch!

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Reminiszenz an den Sommer: Statue vom bekannten Künstler Axel Ebbe am Hafen von Smygehuk (Modell stand die Großmutter von Uma Thurman).

Tschechow meint: Wer – wie die Zugvögel – durch Ortswechsel Rettung sucht, findet sie nicht.

Ich meine: Wer durch Ortswechsel bloß Abstand und Ruhe, neue Impulse und Perspektiven sucht, kann da schon mehr Glück haben.

In der Hoffnung auf ein gutes letztes Viertel der Reise grüßt euch
Die Kraulquappe.

Wünsch‘ dir was. Fotoserie für den Stern des Südens.

Lieber Stern des Südens,

wahrscheinlich konntest du es bereits kaum noch erwarten: Hier kommen sie endlich, die Bilder, die du dir gewünscht hast!

Die Reihenfolge ist willkürlich und spiegelt nicht meine persönlichen Prioritäten wider. Gar nicht. Denn es fiel mir schon schwer genug, überhaupt eine Auswahl zu treffen.

Aus persönlichen Gründen – und auch um die anderen Leser nicht zu sehr zu nerven oder gar zu vertreiben – umfasst deine Premium-Selektion allerdings nur 13 Fotos.

Ich weiß, das ist verdammt wenig. Trotzdem viel Spaß damit!

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Natürlich war es eine Ehrensache, dir als Dank für die wirklich phänomenale Rezension von Richard Ford zu Bruce Springsteens soeben erschienener Autobiografie (mit dem unglaublich kreativen und überraschenden Titel „Born to run“), die du mir postwendend auf meinen vor 3 Tagen in die Welt ausgestoßenen Hilfeschrei hin besorgt, eingescannt und zugeschickt hast, dein Wunschthema „Fotoserie von Pippa am Strand“ zu erfüllen.

Aber mal im Ernst: Diese Fotosessions am Strand haben mein meniskusoperiertes Knie (und auch das gesunde) in den letzten Tagen ganz schön strapaziert. Zudem hatte ich kiloweise Sand in den Schuhen (und Socken), in den Augen, in den Haaren und zwischen den Zähnen („Schau mal“-Rufen ist nämlich besonders sand-und-wind-ungünstig). Ganz zu schweigen von den bergeweise Leckerli, die ich mitschleppen musste, um das Model bei Laune zu halten.

Tiere zu fotografieren ist harte Arbeit, auch (oder gerade) wenn man kein Fotoprofi ist. Aber ich hab‘ mein Bestes versucht und den Auftrag gründlich abgearbeitet.

Mein Fundus an „Pippa am Strand“-Fotos ist um ein Hundertfaches größer als diese kleine, poplige Auswahl, die du hier gesehen hast. Wenn du also noch Bedarf hast (was ich absolut verstehen könnte): Ich kann jederzeit noch was nachreichen! Vielleicht auch zu Weihnachten einen Kalender „365 Tage mit Pippa am Strand“ – wie wär’s?

Im Gegenzug fände ich es angemessen, du würdest auch weiterhin die Süddeutsche und alle anderen Zeitungen in Deutschland, also eigentlich die gesamte Presselandschaft der Republik, dieser Tage ganz präszise beobachten und mir jeden Schnipsel, den du zu meinem Herzensthema findest, umgehend zukommen lassen.
Es wäre ein Jammer, ich würde eine vergleichbare Liebeserklärung wie jene von Richard Ford verfasste, verpassen. Einverstanden?

Herzliche Grüße sendet dir die Kraulquappe.
PS: Für alle anderen Leser ein hundefreies Schmankerl: „Die drei Weisen aus dem Morgenland.“ (Vorgestern waren sie noch zu zweit. Erstaunlich, wie sich doch alles täglich verändert.)

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Nachbarschaft.

Sauber, sog i!

Gestern Früh, beim Blaubärmüsli mit kvarg (eine der schwedischen Vokabeln, die recht eingängig sind, wie ich finde), war der Himmel noch blau und wolkenlos. Wenig später, ich kam gerade aus der Dusche, war er wolkenverhangen und grau.

Just als ich das Haus verließ, spendierte er einen Begrüßungstrunk (immerhin: nur ein leichter, perlender Prosecco, nichts Härteres).

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Snorkfräulein, grantig. Mumin, gelassen.

Dennoch verwarf ich meinen Fahrrad-Ausleih-Plan und ging ins Museum für Moderne Kunst.

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11:01 Uhr. Erster!

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11:05 Uhr. Immer noch Erster. (Ich mag unberührte Szenerien. Und Symmetrien.)

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Alles hat zwei Seiten.

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Auch Erster sein.

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Nobody’s here. It’s just me, all alone (but not new).

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Zugeständnisse? Nicht nötig, so allein.
Video-Installationen sind eh besser, wenn keiner rumhustet, in den Taschen kruschelt oder sich kratzt.

Laufschuh-Installationen ebenfalls.

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Beim Rausgehen erneute Vokabelfreude…

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…bin statt paraply auch mit regnkappa sehr zufrieden (weil: Hände frei, für Kamera und Stadtplan).

Es folgt: ein Shoppingversuch. Zu viele Verlockungen!

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Dachshund, enlightened.

Und immer bleibe ich bei denselben Themen hängen!

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Kindheitserinnerungen: Tiere vom dänischen Designer Kaj Bojesen. Gemein: Ich hatte den Affen, nicht den Dackel.

Selbst im dritten Geschäft.

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„Folk å Rock“ in Malmö. Musikladen wie aus „High fidelity“.

Meine Vorlieben kommen mir manchmal vor wie Schallplatten…

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…die allesamt hängengeblieben sind. Endlosschleifen, Endloslinien.

Dementsprechend endete der Donnerstag auch: Im Wasser.

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Hylliebadet. 2015 erbaute Top-Schwimmhalle mit 50m-Becken.

Vor dem Schwimmen muss man sich aber erst noch in der Umkleide anpöbeln lassen…

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Die fünf Duscha-Zonen der Frau.

… – habt ihr sie noch alle?! (Wenn schon: und was ist mit dem Popo? Vergessen, oder wie?)

Am Samstag geh‘ ich da nochmal hin. Nicht nur zum Schwimmen.
Ich muss mir einfach das Pendant in der Männerumkleide angucken. Und wehe, der Mann hat nicht ebenfalls fünf signalrot umkringelte Schmutzbereiche!

Einen sauberen Freitag wünscht euch
Die Kraulquappe.

Growin‘ up. Zum 16. August 2016.

Für meinen großen Freund S., (der zur Zeit in Italien weilt)

Lieber S.,

wusstest Du eigentlich, dass heute der „Erzähl-einen-Witz“-Tag ist? Nein? Na gut, schließlich ist ja heute auch der Geburtstag von Charles Bukowski und Madonna (die mir aber beide eher egal sind, weshalb ich nicht näher darauf eingehe), der Todestag von Elvis (dessen Musik der Grund war, weshalb sich Bruce Springsteen seine erste Gitarre kaufte) und der 40. Jahrestag der Veröffentlichung von ABBAs „Dancing Queen“ (was man nur vor Ort entsprechend würdigen kann, weshalb ich nun auf dem Weg nach Schweden bin). Da kann der „Erzähl-einen-Witz“-Tag schon mal untergehen. Sollte er aber nicht, wie ich finde.

Also habe ich mich auf die Suche gemacht nach einem für Dich und heute passenden Witz. Hier ist er:

Warum sind die Italiener so klein?
– Weil ihre Mütter ihnen immer gesagt haben „Wenn ihr groß seid, müsst ihr arbeiten!“

Was sagst du dazu? Jetzt kennen wir endlich den Grund, wieso Du so viel arbeitest: Du bist einfach so groß!
Es konnte gar nicht anders kommen, denn schließlich wurdest Du nicht von einer italienischen Mutter großgezogen. Fazit: Bei deutscher Erziehung und einer Größe von 198cm ist eine 50 Std-Woche leider völlig normal.

Deine Mutter hat Dir vielleicht prophezeit, dass Du groß und stark wirst, wenn Du Deinen (Spinat-)Teller aufisst. Entweder bist Du dem brav gefolgt, oder Du hast die mütterlichen Empfehlungen ignoriert und bist einfach gewachsen und gewachsen, weil Du den geheimen Plan verfolgtest, Dir irgendwann die Welt und den ganzen Zirkus hier unten lieber mit etwas Abstand aus luftiger Höhe anzugucken. Und weil Du ahntest, dass Dir das weitere seltene Privilegien einbringen würde, wie z.B. vorgebliche Saubermänner oder -frauen mit einem einzigen Fingerstreich als kleine Schmutzfinken zu entlarven (erinnerst Du Dich: so hast Du meine vordergründig blitzblanke Wohnung vor vielen Jahren flugs als Staubhölle enttarnt, zumindest oben an allen Türrahmen…).

Was bin ich froh, dass Dich diese neue und zugleich ernüchternde Erkenntnis zum Thema „Arbeit“ in Italien und an einem arbeitsfreien Tag erreicht. Du könntest diesen kleinen, faulen Italienern einfach mal auf den Kopf spucken, wenn Dir danach wäre! Wonach Dir aber vermutlich gar nicht ist, da Du Besseres zu tun hast als Dich mit derlei Fisimatenten abzugeben (warum schreibt man die eigentlich nicht mit „ie“?).

Zumal heute, an Deinem Geburtstag, zu dem ich Dir herzlich gratuliere und Dir wünsche, dass Du lässig und mit guter Lektüre auf der Luftmatratze fläzt und im Pool hin und her schwupperst, dazwischen sorgenfrei in den azurblauen Himmel blinzelst und mit Pasta, Vino und Deinen Lieben das Dolcefarniente genießt – und das nicht nur heute, sondern auch an möglichst vielen Tagen in Deinem neuen Lebensjahr!

Zu Deinem Ehrentag bringt Bruce Dir noch ein Ständchen – nun, da er das ja wagen kann, weil er nicht mehr unter „der Proll aus New Jersey“ firmiert, sondern Du ihn in Dein großes Herz geschlossen hast.

Es ist DER Song übers Großwerden!

Da der Gute immer wieder so nuschelt oder Du vor lauter Meeresrauschen und Adriano-Celentano-Gedudel aus der Hotelbar vielleicht nicht jede Zeile verstehen kannst, hier die entscheidenden Verse aus „‚Growin‘ up“:

Well, my feet they finally took root in the earth but I got me a nice little place in the stars
And I swear I found the key to the universe in the engine of an old parked car

Und das ist mein Herzenswunsch für Dich, lieber S.: Dass Du Dir Deinen Platz in den Sternen immer bewahrst, um dort zu träumen und Dich mit einer Schicht aus Sternenstaub zu imprägnieren gegen die harten Zeiten im Job, im Leben, im Alltag.
Sollte diese Schutzhülle mal abblättern, dann vergiss nicht: Alternativ findest Du den Schlüssel zum Universum auch in einer alten Karre!

In diesem Sinne: Happy birthday und lass es Dir gut gehen, mein großer Freund!

Deine Kraulquappe.

 

PS: Meine beiden Präsente vorweg in symbolischer Form:

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Geschenk 1: Streuselkuchen und Getränk deiner Wahl am See meiner Wahl.

 

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Geschenk 2: Die von dir so geschätzte Ohrwäsche von Pippa, zur Feier des Tages sogar für beide Ohren.

Last night on Lover’s Lane

Gestern Nacht in Dublin. Solo Piano unter blauem Himmel im Croke Park.
Was für ein Opener, was für ein seltenes Geschenk an die Fans!

Und wir saßen hier, bei heftigem Unwetter, brüteten über einer für uns unverständlichen Korrektur des Steuerbescheids von vor drei Jahren – immerhin beim Italiener, gemeinsam mit einem guten Freund, der zu Steuern berät! – und suchten Trost bei Wein und Tiramisu…

…während 1.735 km entfernt dieses Highlight stattfindet!

Goodnight, it’s alright, Jane
I’m gonna meet you tomorrow night on Lover’s Lane
We can find it out on the street tonight, baby
Or we may walk until the daylight, maybe

Hey Bruce, jetzt ist es „morgen“! Und ich wünschte, es wäre bereits weitere 18 Male „morgen“, dann treffen wir uns nicht in der Lover’s Lane (wo ist die eigentlich? wie kommt man da hin? oder meinst du das metaphorisch?), sondern im Olympiastadion.
Bitte setz‘ dich dann zu Beginn auch allein an den Flügel. Ich wünsch‘ mir „Jungleland“ oder „Jersey girl“ oder „For you“ oder gern auch „Incident“.

Und bitte fang‘ nie mehr mit „Who’ll stop the rain“ an, denn das hat schon beim letzten Mal ganz und gar nicht funktioniert.

München 2013. Quelle: Stonepony.

Die Schmutzblume oder: Zusammen alt werden.

Wenn man nach reiflicher Überlegung und anhaltender Liebe zu dem Entschluss kommt, den Bund der Ehe einzugehen, verbinden meist beide Bündnispartner damit auch die Perspektive (oder Hoffnung), „zusammen alt zu werden“ (wie man das immer so verklärt nennt, so lange man vom ernsthaften Altgewordensein noch ein geraumes Stück entfernt ist).

Der Mann, mit dem ich das Abenteuer Altwerden noch vor mir habe und seit ein paar Jahren verheiratet bin, ist inzwischen zum gemäßigten Springsteen-Fan geworden. Vielleicht ist es auch nur ein Deal: ich akzeptiere seine Liebe zum FC Bayern und er meine zu dem Kerl aus New Jersey. Jedenfalls geht er bei jeder Tournee zu einem der Konzerte mit (angeblich auch gern), kann den einen oder anderen Song tonsicher mitpfeifen, und ab und an versucht er sogar, bei ein paar Textpassagen ein bisschen mitzusingen.

So auch bei einem Song, den ich erst 2012 (nach bereits 27 Jahren Fansein) live in East Rutherford (ein Kaff in New Jersey, in dem man nicht gewesen sein muss, außer für diese Konzerte) kennelernen durfte: „Jole Blon“.

Ich gebe zu: es ist ein eher schlichter Song, mit eher geringem poetischen Gehalt oder inhaltichem Anspruch, letztlich eigentlich kaum mehr als ein kleines, fröhliches, musikalisch simples Liebesliedchen, das zudem nicht mal von Springsteen selbst stammt und das er seinerzeit zum Besten gab, weil sein alter, aus den Südstaaten stammender R&B-Buddy Gary U.S. Bonds, der mit „Jole Blon“ in den frühen 1980er Jahren einen großen Hit gelandet hatte, in East Ruhterford kurz mit auf die Bühne gehievt wurde.

Aber wie das eben oft so ist: in der Fremde sind manche Eindrücke, Klänge, Gerüche, Farben und Erlebnisse strahlender, heller, belebender, freundlicher – kurz: besser als sie es daheim je sein könnten, und so kehrte ich von dieser Reise damals mit „Jole Blon“ im Ohr und Gepäck nach München zurück und der Gatte musste für den Rest des Sommers diese neue Errungenschaft akustisch über sich ergehen lassen.
Irgendwann als er vermutlich gerade nichts Besseres zu tun hatte oder sich von dem eigentlichen Gedudel etwas ablenken wollte, muss er wohl mal genauer hingehört haben, was Bruce da sang.

Die Lyrics lauten wie folgt :

Jole Blon, Delta Flower
You’re my darling, you’re my sunshine
I love you and adore you
And I promise to be true

In the evening in the shadow
I’ll be waiting by the river
When I hear your sweet voice, I rejoice
I save my kisses for you

Sha la la, sha la la
Sha la la, sha la la
[ich verkürze an dieser Stelle ein wenig, ohne dass wichtige Bedeutungszusammenhänge verloren gehen würden]

When your hair turns to silver
I’ll still call you Delta flower
Pretty Blon I’ll still love you
And I will wait for you

[da es mit „sha la la“ weitergeht, kürze ich erneut ab, auch auf die letzte Strophe verzichte ich, weil sie nichts wesentlich Neues bringt]

Eines Tages, Jahre später, wir saßen gemeinsam im Auto, „Jole Blon“ shalalate nach Langem mal wieder vor sich hin, sang er zu meiner Überraschung ein bisschen mit, der Gatte.
Und während er sang „(…) when your hair turns to silver, I’ll still call you Dirty Flower (…)“ lächelte er zu mir hinüber und legte kurz seine Hand auf meine.

Ich war entzückt! Darüber, wie er mich beim Singen ansah und dass er Teile des Textes kannte. Noch mehr aber darüber, dass aus der von Bruce besungenen Delta Flower eine kleine Schmutzblume geworden war, der er versicherte, dass er sie immer noch lieben würde, auch wenn ihr Haar eines Tages grau geworden wäre.

Das hat mich zutiefst beruhigt. Als Dirty Flower lässt es sich recht ungeniert leben, den ersten grauen Haaren mit Gelassenheit begegnen und wahrscheinlich auch ziemlich entspannt gemeinsam alt werden.

In diesem Sinne wünsche ich euch ein ungezwungenes Leben, Lieben und Altern, und das nicht nur heute, zum Hochfest des Leibes!

Eure Kraulquappe.

Waiting on a sunny day

Nach dem Pokalsieg am Samstag war uns noch genau ein sonniger Tag vergönnt…20160522_173525… den wir wandernd mit Blick auf das Zuhause des Pokalsiegers und unsere Heimatstadt verbrachten …20160522_172859… und an dem Mann und Hund bereits voller Dynamik die Vor-Vorrunde der EM einläuteten.
20160522_175004(So dynamisch, dass man es kaum festhalten konnte)

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Seitdem heißt es wieder Frieren und Nasswerden.

Trost gegen das trübe Dauergrau?

  • Heute ist Tag 1 meines persönlichen Adventskalenders: in 24 Tagen kommt Springsteen nach über drei Jahren mal wieder hier vorbei (ok, als er zuletzt im Mai 2013 hier war, hatte es 5 Grad und hat sintflutartig geschüttet, der Gitarrist musste seine klammen Hände an der Teetasse auftauen…).
  • Das Freibad ist nahezu menschenleer. Renter bleiben wegen der Kälte fern, Studenten nutzen das schlechte Wetter zum Studieren, der Pfingstferientrubel hat sich auf wärmere Orte verlagert. Selten für 3,10€ so entspannt geschwommen.
  • Man kann nach zwei Stunden Gassigehen im strömenden Regen wieder ein Wannenbad nehmen, sich dann mit der Wolldecke aufs Sofa verziehen und ausgiebig der Niedertracht und dem Mobbing unter Top-Juristen widmen (aktuelle Serie: „Damages“).

Aus der Badewanne grüßt euch –
Die Kraulquappe

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