Auferstanden oder: Notate zur Osternacht.

Der wegen der Megaprellung am Knie verschobene Geburtstagsausflug des Gatten führt uns erst dienstags an die Osterseen, was wir ohnehin für geschickter halten, als dort am Wochenende aufzukreuzen. In dieser Annahme (sowie in unserem schon vor Corona praktizierten Konzept, beliebte Ausflugsziele samstags und sonntags zu meiden) fühlen wir uns direkt beim Eintreffen auf dem Parkplatz doppelt und dreifach bestärkt. Auf der weitläufigen Runde verläuft es sich zwar gottseidank ziemlich, die meisten gehen eh nicht die kompletten 10 Kilometer. Mein verunfalltes Knie plädiert für ein eher gemächliches Tempo, das Fräulein begrüßt das ebenfalls, weil so mehr Zeit und Gelegenheit für Pferdeäpfeldegustationen und Pfotenabkühlungen bleibt. So vergeht ein halber Tag mit Wandern, Schauen, Rasten, Essen und Trinken, sonnensatt kehren wir in die Stadt zurück, in der am frühen Abend das Leben tobt, als gäbe es kein Corona oder kein Morgen.

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Tags drauf bekommt das Fräulein ihre jährliche Impfung, die Tierärztin tastet zuvor nochmal den gesamten Dackelunterboden ab, an dem Ende letzten Jahres plötzlich zwei Knötchen zu spüren (und auch zu sehen) waren, und findet – genau wie wir – nichts mehr.
Schon klar, dass damit das Thema Mammatumoren leider nicht für alle Zeiten vom Tisch ist, aber diese Erfahrung, dass sich etwas, bei dem zwei Tierärzte mit ernster Miene den Verdacht auf ein Karzinom in den Raum stellten, schlussendlich als das seltene Phänomen einer Milchverkapselung entpuppt, lässt einen einfach nur aufatmen.
Dass man das durchgestanden hat: das Abwarten, das Bangen, das Hoffen darauf, dass das Ganze doch noch eine positive Wendung nehmen würde… Meine Güte, so ein Glück!

Der Tegernsee erscheint mir nach diesem Termin gleich noch glitzernder als sonst, die Zitronentarte, die ich mir auf Gut Kaltenbrunn gönne, weil das teure Parkticket dort zu 100% auf den Verzehr einer Togo-Köstlichkeit angerechnet wird (mia verschenkn nix!), schmeckt nach Frühling und nach Leichtigkeit, obwohl sie sicher ordentlich Kalorien hat. Wurscht!

Die Freude über den Gesundheitszustand des kleinen Hundes tunkt den gesamten Tag in zitronengelb, lindgrün und azurblau, die 50er-Sonnencreme im noch von der letzten Bergtour ramponierten Gesicht duftet bereits verheißungsvoll nach Sommer, der freilich noch auf sich warten lassen wird, denn auf den Bergen am südlichen Seeufer fahren sie schließlich noch auf Skiern bis ins Tal hinab.

Pippa plantscht vergnügt im See, verbuddelt ihren Ball im Sand, ich fotografiere sie, den See, den Gutshof und schicke die Bilder der Schweizer Freundin, die vor langer Zeit, als mein petrolfarbenes Kleid mit dem Paisleymuster noch halbwegs modern war, hier am Vorabend ihrer Hochzeit herumpolterte, wenn ich mich recht erinnere, denn ich kam erst am Tag drauf zum Standesamt nach Wiessee.

Eine ähnliche Erleichterung beschert mir eine Neuigkeit, die der Papa mir mitteilt: er hat seinen Impftermin erhalten. Und freut sich, dass ich gleich vorbeikomme, damit wir gemeinsam darauf anstoßen können. Es ist der erste Nachmittag in diesem Jahr, den wir auf der Terrasse verbringen können, mit Shorts, Sonnenschirm und Sorbet.

Und es ist auch der erste Abend in diesem Jahr, an dem der Papa wieder Lust hat, selbst ein tolles Essen zu kochen. Wir machen das allererste gemeinsame Selfie unseres Lebens, müde lächelt er in die Linse, ich recke mein blaugrünschillerndes Bein ins Bild, die Dackelnase zwängt sich auch noch mit hinein und vor uns lachen uns die Pappardelle (sic!) mit Garnelen in Estragonsauce entgegen.

Als ich mich am späten Mittwochabend vom Tegernsee auf dem Heimweg mache, bin ich vergleichsweise selig.
Vergleichsweise, weil Besuche beim Papa seit Langem nicht mehr gänzlich seligmachend sind, sei es, weil die Lebensgefährtin das verhindert oder weil Mr. Parkinson neue Zuckungen zeigt, die mich – so wie diesmal – ziemlich erschrecken. Drauf angesprochen guckt mich der Papa groß an, will selbst rein gar nichts von der Veränderung bemerkt haben und das erschreckt mich gleich noch mehr.
Abgesehen von diesen Eindrücken ist der Mittwoch ein Spitzentag gewesen.

Bei einem noch Beinahe-Vollmond fahre ich also selig durchs nächtliche Oberland gen München, bleibe auf der Musik-Speicherkarte fast 40 km lang bei Suzi Quatro hängen, offen gestanden sogar bei Suzi Quatro und Chris Norman (Wherever you go, whatever you do / You know these reckless thoughts of mine are following you / I’m falling for you, whatever you do / ‚Cause baby you’ve shown me so many things that I never knew / Whatever it takes, baby, I’ll do it for you).
An Tagen wie diesen ist das Lenor in meinen Ohren, das darf auch mal sein, denke ich, üblicherweise habe ich musikalisch und auch sonst ja eher nicht viel mit Weichspüler am Hut.

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In einem Artikel der ZEIT wird am Gründonnerstagmorgen behauptet, dass sich ein Großteil der Bevölkerung „härtere Maßnahmen zur Eindämmung der dritten Welle“ wünschen würde. Der Gatte merkt kaffeetrinkend an, dass es sinnvoller wäre, dieser angeblich so große Teil der Bevölkerung würde sich nicht mit dem Wünschen begnügen, sondern sich einfach entsprechend verhalten. Warum auf Politiker warten, wenn doch jeder imstande ist, selbst etwas dazu beizutragen, um dem Virus die Verbreitung zu erschweren: keine Einkaufstrips zu Hauptgeschäftszeiten, keine Ausflüge in überlaufene Gegenden, keine ständig wechselnden Kontakte, keine Kaffeekränzchen in geschlossenen Räumen, keine zurechtgeschnitzten Ausreden mehr (hierzu empfehle ich wärmstens diesen Artikel aus dem Tagesspiegel).
Aber lassen wir das, zumindest hier in Bloghausen, die Gemüter sind ja schon erhitzt genug und ich will wahrlich keine Diskussion anzetteln.

Pünktlich zum Osterfeste zieht München, das schon am Mittwoch „die 100er-Inzidenz gerissen hat“ nach dem heutigen „Puffertag“ nun die „Notbremse“, wieder solche Vokabeln aus dem sich fortwährend füllenden Pott des Pandemiepalavers: die Querdenker-Demo findet trotzdem statt, heute sogar gleich zweifach, die Museen und viele Geschäfte schließen wieder, Hellabrunn hat die Ostereier für morgen umsonst gekauft, die Feiernden müssen zwischen 22 Uhr und 5 Uhr die Parkbänke geräumt haben und was Friseursalons und Gartencentern droht oder nicht droht, habe ich bislang noch nicht mitbekommen,allmählich verliert man den Überblick.

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So richten wir den Blick immer mehr aufs Naheliegende (oder bestenfalls mal auf die Bergkette am Horizont), jedes weitere In-die-Ferne-Schweifen verkneifen wir uns.
Als der hübsch Bewimperte und ich mit unseren beiden Hundedamen die allwöchentliche Gassirunde absolvieren, beißt mich, während wir kuchenessend an einem kleinen, versteckten See irgendwo im schönen Togoland sitzen und über Gott und die Welt das Leben und die Liebe sprechen, eine Ameise in den Nacken, sofern diese Krabbeltiere beißen (ich meine, irgendwo gelesen zu haben, dass sie einem eher so eine Art Säure auf die Haut spritzen, auf die Menschen wie ich hernach hochgradig allergisch reagieren und dann zwei Wochen lang mit einer juckenden Quaddel herumlaufen, die noch mehr juckt, je mehr man dran rumkratzt).

Abends gucke ich mir den Tatort der Ameisenattacke nochmal mit Hilfe des aufklappbaren Badezimmerschrankspiegels an und mache bei der Gelegenheit eine entsetzliche Entdeckung: auf meinem Rücken ist zum ersten Mal seit wahrscheinlich 20 Jahren keinerlei Badeanzugkreuz mehr vorhanden. Nicht mal mehr ein Hauch der zwei schmalen Streifen, die die Träger stets hinterlassen, ist zu sehen, geschweige denn der leicht gebräunte, ganzjährig sichtbare Kreis im Übergang vom Brust- zum Lendenwirbelbereich.
Eine einzige, gleichmäßig trostlose und bleiche Fläche starrt mich an, keine Spuren der Schwimmerbiographie mehr, nirgends.

Auch die demnächst beginnende Ära des Kraulens im Ganzkörperkondom wird daran logischerweise nichts ändern, es dürfte also Juli oder August werden, bis meiner Rückseite wieder das vertraute Muster eingraviert ist. Und wenn sich mein Ganzjahresfreibad im Herbst immer noch im Lockdown befinden sollte, wird das vertraute Ornament bis Weihnachten schon wieder verschwunden sein.

Der Starnberger See misst heute 9,8 Grad, noch 2 Grad mehr und ich wage es. Leider soll es nach Ostern schneien, was mein Vorhaben erneut verzögern wird.
Bleibt zu hoffen, dass wenigstens das Knie alsbald wieder schnee- und bergtauglich ist, ein erster Testlauf im dank des Puffertages leergefegten Park war diesbezüglich einigermaßen vielversprechend.

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(c) M.M. [Wir danken für das wunderbare Osternest & wünschen ertragreiche Eiersuche!]

Saisonendesonnenbrand.

Ein letztes Mal noch knietief durch den Schnee stapfen und dabei Bergluft inhalieren, bevor die Ferien beginnen und die sogenannte „Osterruhe“ naht.

Nur wir zwei, das Fräulein und ich, in einer dackelbreiten Spur, vier Stunden auf sechs Beinen, unterwegs alles geboten von pulvrig über vereist bis sulzig, anstrengende 650 Höhenmeter, zumindest für mich, zwischendrin der Gedanke, dass die Grödel wohl so heißen, weil’s manchmal schon nah am Gerödel ist, aber spätestens die Aussicht dort oben streckt einen dann vollends nieder.

Was für eine Stille und Erhabenheit, befreit von Skizirkus und Seilbahntouristen atmet ja nicht nur die Natur auf, zum Heulen schön, diese Landschaft, an der man sich ein ganzes Leben lang nicht sattsehen wird, eine volle Stunde sitze ich nur da, Alpspitze, Zugspitze, Waxenstein vor meiner Nase – und die Sonne darauf.

(Das war’s dann für diese Saison mit den unzähligen Winterbildern, versprochen.)

Time of transition.

Wenn der Winter sich entschlösse, nicht nochmal zurückzukommen – ich wäre ihm nicht böse. So schön er auch war, so sehr wir das Weiße und die Weite auch genossen haben – einen dauerhaften Wechsel zu mehr Farbe und Wärme würde ich nun willkommen heißen.

Es ist still geworden hier.
Die vergangenen zwei Wochen innerlich ein Abbild des Wetters: von frostig bis frühlingshaft alles dabei. Teilweise war’s sogar schon Zeit für die sogenannte Übergangsjacke, bloß ärgerlich, dass es dieses Kleidungsstück nur für die äußere Hülle gibt.

Meine Krapfendiät neigt sich langsam ihrem Ende zu und hat keine nennenswerten Spuren hinterlassen. Ausreichend Bewegung und unzureichender Schlaf fallen offenbar mehr (bzw. weniger) ins Gewicht als wochenlanger Schmalzgebäckkonsum. Angereichert um ein paar gesundheitliche Beeinträchtigungen und die diesjährige Faschingsmaskerade – ein lumpiges Nervenkostüm -, hätten es vielleicht auch zwei Krapfen pro Tag sein dürfen. Bedauerlich, dass ich das nicht ausprobiert habe.

Der Tod des Vaters der Freundin beschäftigt nicht nur die Freundin sehr, sondern geht auch mir ziemlich nahe. Neben viel Mitfühlen und Mithelfen wohl vor allem deshalb, weil mir die mit diesem arg plötzlichen Abschied verbundenen Ereignisse und Emotionen vorkommen wie eine Vorschau zu einem in Kürze erscheinenden Film, bei dem dann ich in der ersten Reihe sitzen werde.
Dazu passt, dass ich während eines Telefonats mit dem Papa ganz beiläufig erfahre, dass er einen schweren Gichtanfall hatte und sich ein Wochenende lang nicht mehr von der Stelle rühren konnte.
Seit wann hast du Gicht?“ frage ich ihn reichlich verdutzt und er sagt mit derselben tonlosen Stimme, mit der er seit Wochen über nahezu alles spricht: „Ach, das war ja jetzt erst das zweite Mal.
Der von Mr. Parkinson eh schon sehr begrenzte Radius des Papas war vorübergehend auf Null geschrumpft: ein Gang ins Erdgeschoss des Hauses ein vormittagsfüllendes Vorhaben – da bleibt man besser gleich im Bett, was zwar naheliegend erscheint, aber letztlich nicht besser ist.
In Kombination mit der Tatsache, dass die Lebensgefährtin, die für ihr Alter bislang recht agil und aktiv war, auf einmal heftige Probleme mit Rücken und Hüfte hat, ist die Lage nicht wirklich rosig. Im Gegenteil: wenn das so weitergeht, bricht die Versorgung dort bald zusammen.

Als diese Vorstellung sich in mir zu einem opulenten, düsteren Wandgemälde verdichten will, ergreife ich sofort die Flucht nach oben. Was ich nicht wegschwimmen kann, das muss ich weglaufen, und damit’s vom Ergebnis her halbwegs dasselbe ist, muss es dabei möglichst bergauf gehen, wahrscheinlich, damit in Kopf und Körper dieser ganz besondere Rhythmus entsteht, der den vollgelaufenen Empfindungstank auf diese so wohltuende Weise klärt und leert.
Die Strecke erfordert zudem Einiges an Konzentration und Klamottenaktion: Frühlingsmilde auf der zum Berg führenden Forststraße (hochgekrempelte Fleecejacke, und sogar das noch viel zu warm), auf dem schattigen Weg durchs Hirschbachtal dann Anorak-Mütze-Handschuhe, kurz drauf die Grödeln über die Sohlen gezogen (dicke, spiegelglatte Eisschicht auf dem steilen Pfad), oben aus dem Bergwald tretend dann alles wieder ausgezogen (geschlossene Schneedecke, wolkenloser Himmel, Sonne satt), auf der pandemieleeren Hüttenterrasse sitzend schließlich noch Stiefel abgelegt, Hosenbeine abmontiert und ins T-Shirt geschlüpft (Sonnencreme vergessen, Gesicht nun passend zur Mützenfarbe).

Mehr und mehr spielt sich sowas wie ein Lockdownlebensrhythmus ein.
Zwischen Homeoffice und Haushalt immer wieder Ausflüge in die Berge, an Seeufer und ins Münchner Umland einflicken, abwechselnd alleine sowie in Begleitung des Gatten, der Freundin oder des hübsch Bewimperten, Letzterem neuerdings auch sonntags begegnend (ein handverlesenes Grüppchen kommt nun via Zoom zu einer vom Freund angeleiteten Yogastunde zusammen), regelmäßig Telefonate oder Textnachrichten mit all denen, die man nicht treffen kann – das näht die von der Seuche zerschnittenen Sphären wenigstens vorübergehend wieder (scheinbar) zusammen.
Durch das ständige Selbstkochen und Nirgends-mehr-Einkehren einiges an Geld gespart, auch die neue Friseurschere hat schon fast einen Hunderter wettgemacht. Das Fräulein und der Gatte können sich sehen lassen, zumindest so lange ich noch was sehe, denn an meinem Kopf hat sich bislang keiner ausgetobt, dort schaut’s aus wie ein Experiment namens „In drei Monaten vom Pixie-Cut zur Dixie-Hut“ , das kann jetzt nur noch ein Fachmann beheben.
Wobei ich nicht zu denen gehöre, die meinen, ein Friseurbesuch bedeute ein Stück Freiheit oder hätte was mit Würde zu tun.

Die Tasche für den heutigen Tag ist gepackt, das Fräulein sitzt startklar daneben. Machen wir uns also auf den Weg an den Tegernsee, während der einstündigen Autofahrt bleibt noch Zeit, sich weiter den Kopf zu zerbrechen über das, was dort zu tun, zu fragen und zu sagen ist.
Das Hirn will emsig Listen anfertigen (man muss was tun!), das Herz klopft an, um vor zu viel Aktionismus zu warnen (man kann das jetzt nicht alles planen!).

Eine Gemengelage, die dazu führen könnte, hastig eine Hypothek auf ein Haus aufzunehmen, das längst im Abriss begriffen ist.

Himmel der Bayern (91): Dass ich das noch erleben darf!

Auf Besuch beim Papa, in dem Landkreis, der zwar keine Tagestouristen mehr reinlässt, aber eine Tochter, die sich vor Ort um ihren Risikogruppenvater kümmert, darf zu „Handlungen zur Versorgung von Tieren“ dort natürlich schon noch vor die Tür.

Und wie Sie sehen können, wurde das Tier ganz zu seiner Zufriedenheit versorgt:

Seit 20 Jahren habe ich die Neureuth noch nie an einem sonnigen Tag so unberührt und friedlich und leer gesehen wie heute. Normalerweise ist der gesamte Hang zertrampelt, zerrodelt und der Zustiegsweg zehnmal so breit. Heute ist er ein teckelgerechter Trampelpfad durch glitzernde, stille Schneefelder.

Ich betrachte das als unverhofftes Geschenk inmitten dieser langwierigen und anstrengenden Seuchenzeit, trinke allein auf dem Gipfelplateau in der milden Nachmittagsluft meinen Tee, beiße in den Hagebuttenkrapfen, die Blauberge grüßen aus der Ferne herüber und ich gucke dem vergnügten Dackelfräulein zu meinen Füßen bei ihren Rutsch- und Rodelversuchen zu.

Augenblicke, in denen alles wunderbar, ruhig und gut ist.
Zu denen man sagen möchte, sie mögen doch verweilen (eigentlich eines meiner Hasswörter), weil sie so schön sind (freilich nur ohne das im Originalzitat noch Folgende).

Im Tale taut es leider schon wieder kräftig, und auch sonst erwarten einen dort unten eher deprimierende Dinge.

Wenigstens konnte der zwirbelbärtige Marokkaner, den ich kurz vor Abreise in München noch schnell in seinem messiemäßigen Hinterhofbüro aufgesucht hatte, mein gestern mit einer hässlichen Fehlermeldung auf pechschwarzem Bildschirm abgeschmiertes Laptop binnen 25 Minuten wieder zum Leben erwecken, sonst könnte ich jetzt weder Bloggen noch die deprimierenden Dinge aus mir heraus- und in eine Datei hineinschreiben.

Song des Tages (64).

We rolled across the high plains
Deep into the mountains
Felt so good to me
Finally feelin‘ free…

Es gibt sie noch, diese wunderbaren Wintertage, an denen die Autobahn ebenso leer ist wie Parkplätze und Wanderwege.

An denen die Sonne vom bayerischen Himmel herunterlacht und man glatt mitlachen würde, wenn es einem nicht schon zu Tale bei minus 7 Grad den Kiefer eingefroren hätte.

Und Sie möchten nicht wissen, wie kalt es dann knapp 600 Meter höher war, oder in der schattigen Bergwaldpassage, die beim Abstieg zu durchqueren war.

Die Heldin des Tages ist das Dackelfräulein, und das keineswegs nur, weil sie die mehr als dreistündige Gehzeit, in der aus Temperaturgründen leider bloß eine ganz kurze Rast – einen Schluck trinken & weiter – drin war, hervorragend gemeistert hat, sondern auch, weil sie ungeachtet der Eiseskälte sofort zur Stelle war, um sich fürsorglichst meiner beim Anlegen der Grödeln nun zum x-ten Mal aufreißenden Wunde am Zeigefingerknöchel (einer Handwerksblessur, die ich mir dieser Tage beim semiprofessionellen Verfugen der Badewanne des hübsch Bewimperten zuzog) anzunehmen.
Wenigstens konnte ich mich später, auf dem dick verschneiten Steig, dafür revanchieren und der kleinen Madame die Eisklumpen zwischen den Zehen wegschmelzen, damit sie ungestört weitersausen konnte. Dummerweise blutete der Finger nach der Schmelzarbeit wieder – und so kümmert sich wechselweise die eine um die andere, so ist der Pakt und daran halten wir uns für immer und ewig.

Alles in allem ein Traumtag.
Den Muskelkater vom Yoga gehend wieder losgeworden (nach dem Silikonieren der Wannenfuge erteilte mir der Freund eine nächtliche Privatstunde zur Lockerung des verspannten Gestells).
Die Gedanken mal wieder weiter schweifen lassen als bis zur nächsten Hauswand (wir verbringen die Lockdown-Wochenenden ja strikt in der Stadt und überlassen die Schneehänge im Alpenvorland den Unbelehrbaren).
Das Fräulein so munter und tapfer – und überhaupt: wir beide momentan relativ erlöst von ein paar gravierenden Ängsten (demnächst mehr dazu).
Die zehn Kilometer überreich gepflastert mit grandiosen Ausblicken (ein derart beglückendes Gefühl, so ganz allein mitten im Paradies zu stehen, das sogar die klirrende Kälte erträglich ist), nur eine Handvoll Menschen getroffen, und einen weißen Riesen.

Möglicherweise eine erste Spur gefunden, in diesem neuen Jahr?

Nur über meine Leiche zieh‘ ich jemals aus dieser Gegend weg.