Wien (5): Äußerln & Innerln – ein Dankeschön.

Nachdem wir nun unwürdige lokale Gegebenheiten wie diese…

Ein Gackerlplatz, übersät von Hundstrümmerln, in der Mittn der Soachbaam: das Fräulein würde keine Pfote in solch ein Areal setzen!

…ausgiebig ausstalliert haben, ist es höchste Zeit für einen expliziten Dank.

Der gilt unserer Freundin S., die uns den wunderbaren Schwarzenbergpark gezeigt hat, wo man mit de Hunderl ned nur kurz äußerln gehn kann, sondern wo sie tatsächlich ohne Leine geduldet werden und sich endlich mal bewegen können.

Liebe S., die dreistündige Tour unter deiner kundigen Führung hinauf zum Hameau und hinüber zum Roan, wo uns dann die herrlichen Marillenpalatschinken erwarteten, hat uns nicht nur den Highscore der in Wien an einem Tag gelaufenen Kilometer beschert, sondern große Freude gemacht.

Und nicht nur ein schönes Äußerln hast du uns organisiert, sondern durchs zuverlässige Innerln (wie man das in Innenräumen stattfindende Dogsitting in Wien ab sofort zu nennen pflegt) hast du uns einen sehr entspannten Abend im Burgtheater ermöglicht – vielen Dank für alles & bis bald wieder!

Wien (4): Erlustigungen und Befrustigungen.

Nach dem gestrigen Schwimmausflug weiter in die Leopoldstadt, dort über den Karmelitermarkt und durchs Grätzl geschlendert.

Anschließend in den Augarten.

Im Hundereiseführer angepriesen als eine der größten Parkanlagen, in denen Hunde „mitgeführt werden dürfen“. An der Leine, versteht sich. Aber der Augarten wirbt ja damit, dass er über zwei „Hundeauslaufzonen“ verfügt. Das schaut dann in der Praxis so aus:

Vollkommen trostlos. Wir gehen hinein in das öde, eingezäunte Platzerl mit erdig-sandigem Boden. Pippa guckt uns irritiert an, so ein „Was sollen wir denn hier?“- Blick. Wissen wir auch nicht. Denken wir im Augarten-Café bei einem Törtchen drüber nach (meine Güte: die Kuchen und Torten und Mehlspeisen hier, die sind dermaßen lecker), mit Blick auf den Flakturm (Codename „Peter“).

Nachdem wir uns diesen Erlustigungen gewidmet haben, für die der Park ja auch vorgesehen ist…

…marschieren wir über die Aspernbrücke (ach, die Urania dort am Donaukanal, das erinnert mich an den Kinoabend mit K., vor gefühlt 100 Jahren, als Johnny Depp, der die Hauptrolle in dem Film damals spielte, noch so wunderschön war im Vergleich zu dem Schatten, der er heutzutage ist) rüber in den ersten Bezirk und von dort nachhause.

Nur 14 km diesmal. Nur 1 Std Ruhe, dann weiter zur nächsten Erlustigung, diesmal ohne jede Befrustigung.

Dieses Bauwerk, diese Pracht, diese Flure, dieser rote Samt in den Logen, diese Bühne, dieser Text, diese Sprache, dieser Mann – ein Wahnsinn.

Und sogar Freunde gefunden, beim Anstehen an der Theatergarderobe. Solche wie damals in Eppan. Aber das ist eine andere Geschichte.

Satz des Tages: „Bitte sich festzuhalten.“

Wien (2): Staad.

Wort des Tages: kalmieren.

Wien (1): Hinter- und Verlassenschaften.

Wort des Tages: „Verlassenschaft“. Dicht gefolgt von: „Wuchtl“.

Die Wieden.

Gute Infrastruktur. Höfliche Menschen. Kontrastreicher Bezirk. Super Kaffeehaus. Hohe Mistkübeldichte. Wahnsinnsfassaden.

Sonne, Wolken, Wind. Passt schon, für Ende März. Der Magnolienbaum vor dem Wohnzimmerfester blüht schon.

Noch etwas üben, bis man das „Baba“ beim Verabschieden wieder lässiger rausbringt.

Allein sprachlich ist das ja hier immer wieder eine Reise wert, als Bayer hat man sogar ein paar Vorteile beim dialektalen Akklimatisieren.

Und das Fräulein hat sich beim Morgengassi an der Schlossmauer schon mit einem einheimischen Strizzi angefreundet.

Jetzt Rucksack packen und mit der Bim 1x quer durch die Stadt zum Treffpunkt, den die Freundin uns genannt hat. Drücken Sie die Daumen, dass wir das ohne Beißkorb gedeichselt kriegen!

Ich bin ja auch kein Hund, ich bin ein Dackel!

(frei nach Karl Valentin: „Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin ein Bayer!“)

Da schau’n Sie sich das an, wie das heut‘ zugegangen ist in München:

Hunderte Dackel aller Couleur samt ihren Besitzern (ebenfalls aller Couleur) patroullierten pünktlich ab 14 Uhr und bei bestem Wetter vom Deutschen Museum hinüber zum Isartor.

Die Polizei hatte die Straßen zu diesem Behufe ordentlich abgeriegelt, schließlich gab es ja nebenher noch eine Demo mit Schildern in Wurst- und Knochenform, und auch der Trojanische Dackel, der den Zug anführte, bedurfte eines Geleitschutzes.

Am Zielort angelangt gab es eine kleine Kundgebung, keine Ahnung, was deren Inhalt war, man hat es vor lauter Trubel, Bellen und Humtata der Musikkapelle nicht verstehen können, aber eh wurscht: Die ganze Aktion hat einfach Spaß gemacht, es gab so viel zu gucken und zu lachen, Jung und Alt kamen ins Gespräch, natürlich auch die Viecherl untereinander – und nicht zu vergessen: das Münchner Urviech unter den Dackelbesitzern war ebenfalls mit von der Partie, logisch!

Beim großen Abschlussfoto für die Presse spontan und mit einem fixen Sprung just neben diesen Herrn platziert (zoomen Sie sich den unbedingt ran, sonst entgehen Ihnen die Kini-Clips im Bart!), man hat da ja eine gewisse Übung (so als Musik-Fan und Konzertgängerin mit Groupie-Gen) und auf Nachfrage hieß es, morgen oder spätestens übermorgen dürfte das wohl gedruckt werden, „wenn das Foto was hergibt“.

Und ich bin sicher, dass es das tut, weil dieser Parade-Bayer schon x-mal im Fernsehen und in Magazinen zu sehen war, auch in meiner eigenen Reportage über Dackeltouren durch München wollte ihn die Redaktion damals unbedingt drin haben, weil irgendwie müssen sie ja gepflegt werden, diese Klischees.

Also: Wenn Sie das Dackelfräulein ausnahmsweise mal auf Zeitungspapier haben wollen und mit stilistisch schlechtem Text daneben, dann kaufen’S morgen und übermorgen – und so eine Empfehlung wird’s in diesem Blog vermutlich nur ein einziges Mal geben! – die BILD-München oder gleich die ganze Münchner Boulevardpresse 1x querbeet, denn wer weiß, vielleicht hat uns noch ein anderer Fotograf erwischt auf der Parade.

Der vom Spiegel jedenfalls nicht. Was aber auch nicht schad‘ ist, weil de ham ja ned amoi d’Überschrift hikriagt (es hoaßt Wadl, ned Wadel, ihr Preißn!).

Das war also unser sonntägliches Highlight…

…und jetzt legen wir hier wohlverdient alle Füße und Pfoten hoch, denn wir sind gscheid gschafft nach dem gestrigen 22km-Stadtrundgang mit dem Besuch aus der Hauptstadt und heut‘ gleich nochmal 14km Latscherei, weil nach der Parade, da wollte das Fräulein selbstverständlich mal richtig sausen, ohne Leine und dieses Verwandtschaftgschwerl um die Ohren.

Wir wünschen der Leserschaft einen schönen Sonntagabend und verlosen unter all denen, die uns die korrekte Anzahl der Dackelfräulein-Fotos in diesem Beitrag nennen können, einen Freilaufgutschein für einen Flussmarsch mit dem Fräulein und meiner Wenigkeit noch in diesem Frühjahr.

Teilnehmen dürfen alle Leserinnen und Leser, die halbwegs gut zu Fuß sind, einen Ball werfen oder schießen können, ein Freundschaftsanbahnungswürstl mitzubringen gewillt sind, die Kosten für ihre An- und Abreise selbst tragen und nicht herummosern, wenn sie nach der Tour dreckige Schuhe oder Hosenbeine haben.
Der Gewinner der privaten Pippa-Parade wird Ende März bekannt gegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Gegenwart.

 

Womöglich sagte ich es schon mal: Ich liebe diese Stadt.

Obwohl’s hier nicht immer einfach ist (und der Himmel nicht jeden Tag so blau, das Licht so schön und der Skyr-Kuchen noch nicht ausverkauft).

Himmel der Bayern (38): West of Wiesn.

München, Samstagmittag. 22 Grad, blauer Himmel und Sonne satt.

Alles fährt raus aus der Stadt, wir fahren rein (merke: immer antizyklisch unterwegs sein, das erspart einem sehr viel Nervensalat!).

Und gucken uns mal ein bisschen um im künftigen Westflügel der neuen Heimat.

Über die menschenleere Theresienwiese geht es hinauf zur Münchner Freiheitsstatue…

…danach hinter der Ruhmeshalle vorbei…

…in den Bavariapark hinein…

…in dem nicht nur schöne Männer zu finden sind…

…sondern – fast ebenso wichtig – auch schöne Biergärten.

Und im angrenzenden Viertel – noch wichtiger – sogar eine schöne Eisdiele, in wir uns das erste Zitroneneis des Jahres holen…

…und das Waffel-Endstück zehn Minuten später seiner einzig wahren Bestimmung zuführen.

Vom Westend dann in großem nördlichen Bogen von der Theresienhöhe wieder hinab auf die Wiesn, wo man sich über die unbewusst sehr geschickte Wahl des Umzugstermins freut (knapp nach Ende des Frühlingsfestes)…

…und nebenbei auf seltene, in der Bergwelt leider noch nie angetroffene Almen stößt.

Nebenan kraxeln ein paar Möchtegern-Alpinisten unbeholfen herum.

Wieder an der Ostkante der „Wiese“ angekommen, schnappt das Dackelfräulein zwei bärtigen Kerlen geschickt den Tischtennisball weg…

…und saust davon, stolz wie Oskar, und als ich sie wieder einfange, sieht der Ball aus wie ein zerdeppertes Frühstücksei.

Aber das Tolle an so einem Dackelfräulein ist, dass ihm quasi nie jemand etwas übel nimmt: die Jungs lachen und nehmen gelassen ihren Zweitball.

Ich glaube, das wird gut werden, dort und überhaupt.

On the catwalk.

Seit dem 28. November keinen Stadtspaziergang mehr gemacht – der Trip nach Braunschweig, der voralpenländische Wintertraum und etlicher Alltagsmist/-frust kamen dazwischen – aber gestern hat’s endlich wieder geklappt.

Am U-Bahnhof Odeonsplatz geht’s bei bestem Wetter los…

Noch fix dem Fielmann-Köter einen Schluck gemopst.

…vorbei am sonnenanbetenden, latte- und weißbierschlürfenden Tambosi-Volk…

Auch bei 5 Grad: Sehen & Gesehenwerden.

…zum Schaulaufen und Meet&Greet in den nahezu leergefegten Hofgarten…

Auch ich in Arkadien! (P. aus B. gewidmet)

Suchbild: „Finde alle Dackel!“ (Advanced Level: „Finde Pippa!“)

Das Dackelfräulein vor der Bayerischen Staatskanzlei.

Aus der Reihe „Liebeserklärungen, die ich nicht bekommen möchte“.

…und von dort ist es nur ein Sprung hinüber in den Englischen Garten.

Am Ufer des Köglmühlbachs hinter dem Haus der Kunst.

Die Brücke über den Eisbach.

Mein Hund, der Außenseiter (#metoo).

Beliebtester Kiffer-Tempel Münchens: Für 830.000€ renoviert und mit vom künftigen Ministerpräsidenten vergoldeter Inschrift 😦

Über eine Stunde haben wir uns treiben lassen, Bälle geschossen und gejagt, die Sonne genossen und trotzdem gefroren, den schönsten aller Stadtparks durchwandert – gäbe es eine Seele, so hätte sie gebaumelt.
[Dabei an Springsteens Autobiographie gedacht: „There is no evidence of the soul except in its sudden absence. A nothingness enters, taking place where something was before.“]

Ach ja. Ein Ziel hatten wir natürlich auch. Ich wollte endlich mal wieder nach Bogenhausen, in die Straße, in der sich das Büro meines Vaters befand, in dem ich so viel Lebenszeit verbracht habe.

Die passende Einkehr gab’s dort auch, wobei ich etwas verärgert darüber war, dass sie Pippa keinen roten Teppich ausgelegt hatten, sondern eine schwarze Gummimatte…

Nach dem Dogwalk zum Catwalk.

…dafür war’s dann innen sehr schön und lecker – und wie immer unter 10€ machbar.

Tipp: Mittagskarte gilt bis 15 Uhr, also geradezu ideal für Frührentner, Tagelöhner und andere Lebenskünstler.

Sonstiges: Hundefreundliche Böden (Holz), Kellner (charmant) bringt frisches Wasser für den Hund, keine laute Musik, keine Katzen/Miezen (trotz des Lokalnamens), vorzüglicher Begleitkeks (auf Cappucino-Untertasse).

Das „Catwalk“ von innen: Beinahe-Blick auf die Isarauen.

Der Catwalk im „Catwalk“.

Nach einem kontemplativen Stündchen gesättigt zurück in den Englischen Garten, rüber nach Schwabing und vom U-Bahnhof Giselastraße heimwärts gefahren.

Als nächstes aber mal so richtig nach Bogenhausen (an Leserin P.: ich meld mich dann!).
Überhaupt, die diversen -hausens stehen noch auf dem Programm.

Es grüßt euch herzlich –
Die Kraulquappe.

Eine Schwäche für Bäche.

…lautet das Motto unseres Stadtspaziergangs Nr.6, der wie so oft hundegerecht an der Isar startet (dem Bach Nr.1 dieser Tour 🙂 ).

Beim Verlassen des U-Bahnhofs in Thalkirchen irritiert uns eine neue Werbung, die wir trotz des ansprechenden Logos links liegen lassen…

…und uns direkt auf den Weg durch die Isarauen und über den Flauchersteg Richtung Norden begeben.

Die Strecke ist ein Paradies für Hundebesitzer – es findet sich immer jemand zum Spielen, zugleich gibt es genug Platz, um einander auszuweichen und zig Wegvarianten, zwischen denen man je nach Wetter und Matschigkeitsgrad des Untergrunds wählen kann (Fotos siehe hier und hier).

Im Fokus stehen aber heute mal nicht die Isarauen, sondern die Stadtbäche.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts wurde München von einem dichten Netz an Bächen und Kanälen durchzogen, die meisten davon fielen dem Bau der Kanalisation und innerstädtischer Verkehrswege zum Opfer. Von dem ursprünglich rund 300 Kilometer umfassenden Bachsystem wurde beinahe die Hälfte trockengelegt oder in den Untergrund verbannt. Übrig geblieben sind nur ihre Namen, Stadtviertel oder Straßen sind nach ihnen benannt, wie z.B. das Glockenbachviertel oder die Dreimühlenstraße.
Erst in jüngster Zeit mehren sich die Bestrebungen, Teile der alten Stadtbäche wieder an die Oberfläche zu verlegen, und ich wünsche mir, die neu rauschenden Bäche noch in Gesellschaft des Dackelfräuleins, das ja Wasser so liebt wie ich, erleben zu dürfen.

Wir spazieren den Isarwerkkanal entlang, bis dieser in den Großen Stadtbach übergeht…

…der etwas dürftig und graubraun vor sich hinsuppt, da hier gerade Reinigungsarbeiten anstehen.

An Stellen, wo wir den Pesenbach im Untergrund vermuten, wird sogleich intensiv gesucht…

… aber trotz dachshundtypischer Hartnäckigkeit müssen wir irgendwann aufgeben und uns mit dem nebenan liegenden, sichtbaren Westermühlbach begnügen…

… der durch das Glockenbachviertel plätschert und stellenweise makabre Schneisen zieht zwischen Saturiertheit und Armut. Auf der einen Bachseite hausen Menschen in der kalten, miefenden Unterführung, das andere Ufer zieren Geschäfte mit schnuckeligen Namen wie „Schmatz“ (Biomarkt) oder „Dear goods“ (vegane, urbane Mode).

Pippa interessiert sich der herben Gerüche wegen natürlich brennend für die Unterführungsbewohner und so kommen wir mit einer Frau ins Gespräch, die dort mit ihrem alten Schnauzerrüden Luigi lebt. Seit 2 Jahren. Mir bleibt die Spucke weg als sie davon erzählt.
Ich gebe ihr 5€ und alle Würstchen, die ich meinem Rucksack finden kann – und habe damit für den restlichen Ausflug bei meinem Hund verschissen.

Am Alten Südfriedhof entlang…

…vorbei an Locations mit hippen Namen, deren Bedeutung oder gar Witz sich mir spontan nicht erschließt…

…erreichen wir schließlich unser Einkehrziel des Tages, das den schönen Namen „Tabula rasa“ trägt.
Das passt prima zu meiner Gemütslage, die seit Wochen überschattet ist vom Zerbröseln einer fast 30 Jahre währenden Freundschaft, von denen ich die letzten zwei in Unwissenheit all dessen verbrachte, was die Freundin störte. Manche Menschen können ja sehr ausdauernd schweigen und packen erst dann aus, wenn das Kind bereits tief in den Brunnen gefallen ist und dort so viel Wasser geschluckt hat, dass Wiederbelebungsversuche schwierig bis unmöglich sind.

Das Café „Tabula rasa“ ist insofern ein echter Geheimtipp, weil es sich dem Geschniegelten, der Coolness und dem Preisniveau des Glockenbachviertels tapfer widersetzt. Hunde sind gern gesehen, und packt man an der Tür ein Pfotenhandtuch aus, strahlt die Besitzerin Margarete Vila übers ganze Gesicht und ist gleich noch freundlicher als sie es eh schon ist.

Hier wird täglich auf kleinstem Raum eine beachtliche Auswahl an Gerichten und Kuchen serviert, allesamt frisch und selbst gemacht – und so lecker, dass man gar nicht weiß, worauf man sich zuerst stürzen soll.

„Die selbstgesetzte Budgetgrenze von 10€ muss ich heute sprengen!“, schießt es mir beim Betrachten der Kuchentheke sofort durch den Kopf…

…“da ich ja bereits 5€ gespendet habe und mit dem Rest wohl kaum über einen großen Kaffee hinauskomme.“
Irrtum! Der Cappuccino kostet unter 3€ und Frau Vila verkauft auch halbe Kuchenstücke…

…aber ich muss zugeben, dass ich das nur im ersten Anlauf geschafft habe und es nicht dabei blieb.
Nicht bleiben konnte! Denn der große Vorteil von halben Stücken ist ja der, dass man in den Genuss von zwei verschiedenen Kuchen kommt (oder drei, oder vier?)!

Auch Pippa muss nicht darben und erhält ein Würstchen von der Köchin, die ein Erbarmen mit dem erbärmlich fiepsenden Hündchen unter meiner Sitzbank hat.

Nichts als Theater und Schlawi(e)nerei – aber die meisten gehen diesem Blick halt auf den Leim.

Habt einen schönen Abend und seid gegrüßt!

Pigmente, Panini, Paarhufer.

Unser heutiger, fünfter Stadtspaziergang hatte einen etwas ungewöhnlichen Startpunkt: die Seumestraße 3, in Obersendling.

Dort befindet sich das Zentrum für Kleintiermedizin, wo wir um 10:30 Uhr zu einem längeren Termin erscheinen mussten, weshalb ich eine Tour geplant hatte, die wir gleich im Anschluss gehen konnten, zur beiderseitigen Sofort-Auslüftung und -Ablenkung nach den Strapazen.

Die eine Pippa hat Panik vor der Hochzeit…

… die andere vor dem Gang zum Arzt.

Die Praxisräume verließen wir um 52€ ärmer und um ein paar Diagnosen/Informationen reicher: die Dermatologin hat sich die schwarzen Flecken an Pippas Flanke wirklich sehr gründlich angesehen und kommentiert. Jetzt heißt es Nachdenken, ob bzw. wann wir die Stellen operativ entfernen lassen.

Obersendling ist kein Viertel, sondern eine Gegend, wie ich feststellte. Viel Industrie, viele Neubauten, alles etwas lieblos hingespuckt, weiße, gesichtslose Projekte aus der Kategorie „München schafft Wohnraum“, vermutlich trotzdem oder gerade deshalb teuer verkauft oder vermietet.

Wir gehen der Sonne entgegen, überqueren die Siemensallee, die einst die nördliche Grenze meines kindlichen Lebensraums markierte, und stehen an einem der wenigen Felder aus Kindheits- und Jugendtagen, das bis heute Feld geblieben ist: ein grünes Quadrat hinter meinem ehemaligen Gymnasium, das ich bereits mit meinem ersten Dackeltier umrundete und das mir, wie so vieles in der Kindheit, damals riesig vorkam.

Das Marienstern-Feld (keine Ahnung, wie es heute heißt).

De facto sind wir in knapp 20 Minuten einmal drumrum gegangen, nebenbei kommen wir an dem Türchen vorbei, durch das ich zu Schulzeiten immer zum verhassten Sportunterricht gehen musste, in den Siemens-Sportpark, den unser kleines Gymnasium mitnutzen durfte.

Es sieht verwittert aus, was daran liegen mag, dass das Gymnasium aufgelassen wurde bzw. der Flachbau mittlerweile als heilpädagogische Einrichtung fungiert.

Die am meisten verabscheute Tür meiner Schulzeit.

Mein ehemaliger Pausenhof, etliche Erinnerungen liegen dort unter Laub begraben (und da liegen sie gut).

Weiter geht es durch die Allescherstraße, stets in südlicher Richtung, durchs schöne, alte Solln mit den Villen und Gärten, in denen man schon als Kind gern gewohnt hätte und manchmal zu Gast war (legendär der riesige, verwilderte Garten von T., in dem es geburtstags Schokoladenfondue unter Lampions gab).

Die Sollner Kirche St. Johann Baptist.

Unser Ziel ist das Petit Café in der Grünbauerstraße 1.
Das ist jene Straße, in der die Kirche meiner Erst(und Letzt-)kommunion steht. Um die Ecke die Grundschule, in die ich vor 37 Jahren zum Klavierunterricht ging. Zwei Straßen weiter westlich der Bäcker, in dem der Papa samstags Semmeln und Brezen holen fuhr, zwei Straßen weiter östlich das Café, in dem er sonntags Kuchen für sechs kaufte, obwohl wir nur zu dritt waren.
Gegenüber immer noch das schaurige Modegeschäft von damals, in dem sich meine Mutter gelegentlich ein Oberteil aussuchte, während ich die Auslagen des Schreibwarengeschäfts nebenan inspizieren durfte, um nicht zu stören, die Markisen sehen noch aus wie damals. Es war das Schreibwarengeschäft, in dem mir die nette Verkäuferin 1982 das Rummenigge-Bildchen, das ich doppelt hatte, gegen den von mir so heiß ersehnten Littbarski eintauschte.

Auf einen Imbiss im petit-café, natürlich kleingeschrieben, wie alles, was vorgibt, einfach & gut zu sein.

Milde 17 Grad und Sonnenschein erlauben es, draußen zu sitzen. Während ich einen Kaffee und ein winziges Sandwich (resp. Panini) zu horrenden Münchner-Süden-Preisen zu mir nehme (und heute nur mit Mühe unter der 10€-Marke bleibe), hänge ich diesen und anderen Erinnerungen nach, blättere in der ausliegenden Abendzeitung, grusle mich angesichts des Artikels über den anhaltenden Irrsinn auf dem Münchner Mietmarkt, beobachte die edel bestiefelten, perfekt frisierten Sollner Mütter mit ihren rausgeputzten Doppelnamen-Kindern, denen die knapp 6€ teuren Smoothies eingeflößt werden, die die Mama der frisch manikürten Nägel wegen oder einfach aufgrund genereller Unlust, sich die Finger mit irgendwas schmutzig zu machen, nicht selbst zubereiten möchte.

Ein wenig gestärkt schlendern wir auf Umwegen – hier das Sträßchen, in dem einst der angebetete S. wohnte, der etwas hohl war und heute als L’Oréal-Model arbeitet, dort der Laden, in dem es die Songbooks mit den begehrten lyrics zu den aktuellen Hits gab, die heute jeder mit zwei Mausklicks im Internet nachgucken kann – zur südlichen Grenze dieses südlichsten Münchner Stadtteils.

Im Grunde passt der heutige Marsch überhaupt nicht in die Rubrik Stadtspaziergang. Denn Obersendling ist kein Viertel und Solln wiederum ist nicht mehr Stadt, sondern Stadtrand, zwar ein recht schönes Stück davon, aber nichtsdestotrotz Rand. Mit dem Vorteil, dass wir von dortaus keine U-Bahn mehr für den Heimweg benötigten, sondern eine weitere Stunde durch den Wald nachhause laufen konnten. Nach Tierarzttermin, gut 16.000 Schritten und ein paar davon mit heftigem Herzklopfen, weil einige Wildschweine links und rechts des Weges auftauchten, waren wir ziemlich bedient und froh, nicht auch noch städtischen Trubel erlebt zu haben.

Nächste Woche gibt’s wieder einen richtigen Stadtspaziergang!

Einen schönen Mittwochabend wünscht
Die Kraulquappe.