Destination Gotland: Letzter Gruß aus München & eine Einladung für Sie.

Pack‘ ma’s! – wie der Bayer zu sagen pflegt. Auf geht’s Richtung Norden!

Gestern ein letztes Mal im Liebslingsbad gewesen. 2.000m lang „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gespielt. Das Ergebnis daheim in die Tat umgesetzt. Und noch ein bisschen ergänzt. Dann die letzte meiner Listen zerrissen.
Anschließend dem Gatten eine neue Liste in die Hand gedrückt. Ein totales Novum. Nicht die Liste selbst, aber ihre Länge. Seit wir uns kennen und ich gelegentlich allein verreise ist es die erste, die nur eine Seite lang ist – er konnte es kaum glauben, war aber sichtlich begeistert, was man ihm mittlerweile so alles zutraut. Nach nur 13 Jahren 😉

Die paar Sachen… (und bevor Sie fragen: nein, der Stuhl bleibt hier!)

Jetzt ist es endlich soweit: alles gepackt und eingeladen, die kleine Zwei-Frauen-Crew fit, munter und startklar, der Himmel der Bayern zum Abschied herrlich blau und die Speicherkarte ganz frisch für die Fahrt mit einer Mischung aus 678 Musiktiteln bestückt.
iTunes sagt, die musikalische Datenmenge reicht für zwei Tage pausenlose Beschallung, also dürfte es auf der zweitausend Kilometer langen Fahrt bis zum Fährhafen in Schweden damit nicht langweilig werden (und ich bin ja eh kein Dauerhörer), wenngleich 342 der 678 Songs… (naja, lassen wir das, Sie können sich’s ja denken).

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen und reisen Sie zahlreich mit uns!
Virtuell, versteht sich, denn real haben wir nicht mehr wirklich ein Platzerl für Sie frei in unserer kleinen Kutsche. 2 Kartons Hundeverpflegung (gemäß der Erfahrung: Gibt’s auf Reisen das gewohnte Futter, sind die Geschäfte täglich in Butter), 15 Kauknochen (jeden zweiten Tag einen), 3 Pfotenhandtücher (eine Waschmaschine sehen wir allerfrühestens in zwei Wochen), 1 Hundekörbchen (mehr als Alibi oder für Lokalbesuche), 1 Kasten Schneider Weiße TAP7 (das Bier in Schweden schmeckt entweder nicht oder ist sauteuer oder beides), 1 Rucksack mit Schwimmsachen (immer griffbereit, da essentiell für Leib und Seele), 1 große Tasche mit Technik-Geraffel (absurd eigentlich: allein fünf verschiedene Ladekabel sind dabei) und Literatur (zur Orientierung, Wissenserweiterung und Erbauung), 1 Tagesrucksack (mit dem sogenannten Nötigsten drin – Sie wollen nicht wissen, was das alles ist, aber ich schwöre: es ist nötig), und schließlich die Lücken zwischen den Kartons, Kästen und Rucksäcken äußert gut mit allerhand Klamottenkisten gefüllt (denn vom Hochsommer in den Weinbergen und der Lüneburger Heide über den Spätsommer auf Gotland und Farö bis hin zum Frühherbst in Stockholm, Malmö und der deutschen Nordseeküste müssen wir für alles gerüstet sein).

Und hier kommt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Link, unter dem Sie sich Ihren „Mitreiseplatz“ reservieren können:

https://destinationgotland.travel.blog

Sie können uns als WordPress-Follower, als Email-Follower oder als nicht verfollowbarer Leser und/oder Kommentator begleiten, indem Sie als blinder Passagier unterwegs sind und einfach still und heimlich die Blog-URL aufrufen.
Vergessen Sie bitte nicht: fürs Kommentieren müssen Sie keinen WordPress-Account haben und auch kein registrierter Follower sein, sondern Ihrem Kommentar lediglich einen (echten oder fiktiven) Namen und eine Mailadresse beigeben, die niemand außer mir und dem Dackelfräulein sehen kann und wird.

Ich bin Ihnen allerdings auch nicht gram, wenn Sie die Wochen unserer Abwesenheit nutzen möchten, um sich Ihrerseits ebenfalls zu absentieren und wir uns dann erst im Oktober hier im üblichen Kraulquappen-Blog wiedersehen.
In diesem Fall jammern Sie aber bitte nachträglich nicht herum, dass Sie nichts von einer der schönsten Regionen Schwedens und einem noch viel schöneren, im Meer badenden und sandburggrabenbuddelnden Dackelfräulein gesehen haben sowie von all den Begegnungen, Verständigungsproblemen, Mückenstichen, Unterkünften, Schwimmbädern und Kuchenstücken auf unserer Reise nichts mitbekommen haben und Ihnen nebenbei auch noch ein paar Perlen aus dem glorreichen Œuvre des Herrn Springsteen entgangen sind.

Ganz unabhängig davon , ob Sie uns nun nach Schweden folgen möchten oder nicht: Sie können die nächsten Wochen auch damit überbrücken, dass Sie morgen einen gut sortierten Zeitschriftenkiosk aufsuchen und sich die neue Dog&Travel besorgen und sich mal angucken, wo wir das ganze Jahr über so herumstrawanzen.

Wie dem auch sei – wir sind dann mal weg.

Auf ein baldiges Wiedersehen (hier oder dort) & machen Sie’s gut!
Herzlich,
Ihre Kraulquappe.

Alle Zeit der Welt oder: Es hängt.

Ein schwieriger und seltsamer Tag heute.

Im Grunde fing’s schon gestern an, mit der Zitterpartie im Innenstadtklinikum (je älter, desto verspannter vor und bei speziellen Arztterminen), der Hagebuttenkrapfen im Anschluss und der überfällige Erstbesuch der Buchhandlung hier im Viertel haben’s kurzfristig ein bisserl rausgerissen…

Das „Buch & Bohne“, endlich mal aufgesucht.

…abends folgte noch das wöchentliche Zähneputzritual mit dem Dackelfräulein, ein die Nerven aller Beteiligten stets ziemlich strapazierendes Unterfangen, dessen Durchführung uns die Tierärztin täglich anriet, was absolut undenkbar ist.
Danach ein niederschmetternder Austausch mit einem, der in eine Nachfrage ein Urteil hineininterpretierte, seinerseits aber nicht nachfragte, ob er damit richtig läge, sondern brüskiert zu dem Schluss kam, ich hätte ihn extrem missverstanden – und auch dabei blieb (was soll man da noch tun, sagen, denken?).

*****

Heut Morgen dann früh raus und – wie in alten, vertrauten Springsteen-Vorverkaufsbeginn-Zeiten – mit Kaffee und Kreditkarte bewaffnet an den Schreibtisch gesetzt, vor fünf Browserfenstern wartend, vermeintlich gewappnet für alles, trotz begleitender gastrointestinaler Symptome (wie immer bei solchen Anlässen konstatierend: zu dünnhäutig und zu wenig robust, für so vieles), sich nach 15 Minuten gefragt, warum man sich diesen Mist eigentlich antut (man möcht‘ so gern einfach wo anrufen oder hingehen und sagen: „Guten Morgen, ich hätt‘ gern zwei Karten für…“), denn es kommt, wie es kommen musste, sobald der Online-Vorverkauf freigeschaltet wird: das erste Fenster hängt sich wegen Überlastung des Servers auf, das zweite bricht kurz vor dem Bezahlvorgang ab, das dritte verkündet, man sei bereits eingeloggt und könne sich nicht erneut einloggen, das vierte zeigt eine Sanduhr und im Hintergrund verschwommen den Warenkorb und das fünfte schafft ums Verrecken den Bildaufbau der Saalplanmaske nicht.

Also alles wieder von vorne, parallel auch noch alles auf dem Laptop – und nach 45 Minuten sind tatsächlich zwei Theaterkarten bestellt, für den Geburtstag des Gatten. Darauf einen Nutella-Toast!
Das eigentliche Geschenk ist ja in solchen Fällen sowieso der Buchungsvorgang, nicht etwa der Theaterbesuch (denn der Gatte wäre allein wohl gar nicht bis zu diesem Punkt gekommen, weil der hat’s nicht so mit den Widrigkeiten der Technik).

Aber jetzt haben wir ihn in der Tasche, den Ofczarek – für drei Stunden diese Stimme, diesen Dialekt und diese Wien-Visage der Extraklasse!

*****

Auch der weitere Tagesverlauf passt zu den fünf Browerfenstern am Morgen: er hängt.

Alles hängt, auch das, von dem man dachte, es würde jetzt voran- oder vorübergehen (muss man hier nicht im Einzelnen notieren, denn es geht ja auch vorüber, nur eben nicht heute).
Das Dackelfräulein nicht gut in Form: die Hormone mal wieder, bald wird sie Mutter, meint sie, und schaltet schon mal um auf den Omi-Schlurf-Modus, damit sie bis zur fiktiven Niederkunft möglichst ressourchenschonend über die Runden kommt (ein minimal zu strenges Wort und schon hängen die Ohren bis zum Trottoir hinunter und dazu ein Blick, als hätte man ihr ohne Anästhesie die Milz rausgerissen).
Mittags ein kurzer Besuch von dem, der sich missverstanden fühlte: ich bemühe und erkläre mich, und er meint schließlich, er glaubt mir nicht (was soll man da noch tun, sagen, denken?).
Danach ein Anruf vom Papa: dass die beiden neuen Parkinsontherapien ihn irgendwie überfordern und er nicht wisse, ob er da weiter hingehen solle, wolle, könne.
Irgendwann zwischendurch trudelt ein trostloses Foto ein, vom Gatten aufs Handy geschickt: darauf ein trostloses Hotel in einer trostlosen Stadt, eine Vortragsreise, gottseidank morgen schon wieder vorbei.
Vor dem Supermarkt schließlich ein uralter Hund: die Pfote verbunden, mit leerem Blick geduldig wartend, ein vorbeigehender Prolet pöbelt ihn an, weil der Hund ein wenig im Weg sitzt, woraufhin ich so tue, als wäre es mein Hund, zu ihm gehe, um so den Pöbler zu vertreiben, was auch gelingt und sogleich von einem schwachen Wedeln quittiert wird, aber ich (kurz vor dem Losheulen) flüchte schnell in den Laden.

*****

Am Abend ganz unerwartet ein Umschwung.
Bis dahin aber bereits so gerädert, dass man sich gar nicht gleich so richtig freuen kann, wenn eines der beruflichen Projekte sich plötzlich genau so fügt, wie man’s haben wollte, nahezu mit allen Details. Das ist doch was (hätte man’s nur morgens schon gewusst, dass das noch kommen würde).

Darauf einen Grünen Veltliner!
Und dem Papa eine Mail geschrieben, dass er doch bitte nicht so früh die Flinte ins Korn werfen solle, was die neuen Behandlungsmethoden beträfe, und dass ich ihm dankbar sei, weil er mich schon als Kind dazu ermutigt habe, immer offen zu artikulieren, was ich gern hätte und was nicht („Andere können nicht riechen, was du möchtest, das musst du ihnen schon sagen!“ / „Mehr als Nein sagen kann der andere ja nicht!“).

Meine Kindheit war keine allzu lustige oder schöne, aber dieser Appell, der war wirklich gut für mich.

*****

Fertig.

Erster Blogpost am neuen PC – hurra!

Erschöpftes Spätabendfoto unterm Tisch bei mieser Beleuchtung und verdreckter Linse.

Fünf Tage mehr oder weniger zwischen Datenrettung, Datensicherung und Datenübernahme verbracht (neben dem Alltag als Alleinerziehende). Der alte Inspiron hat sich mit letzten Kräften gewehrt, vor allem als er die 80 GB Musikbibliothek rausrücken sollte. Die externe Festplatte hat ganze Nächte durchgerödelt. Immer wieder Systemabstürze. Der nächtliche Gang zum Klo war stets mit Nachgucken, Ärgern und Neustart verbunden.

Schließlich hat’s geklappt, alles ist gesichert, alles überspielt. Sogar die Nickname-Datei aus Outlook 2007 ex- und in Outlook 2016 importiert.

Der neue Extensa mit seinem i5-Prozessor der 7. Generation ist genauso flüsterleise wie der neue Staubsauger.
Schön. Ruhe kann endlich wieder einkehren in diesem Haushalt.

Drei Kreuze, dass diese Technikwoche ein Ende hat und sogar noch der Sonntag übrig ist, bevor es am Montag mit dem anderen Großprojekt „Wie man die Hausverwaltung zur Mängelbeseitigung zwingt“ weitergeht.

Was man nicht alles Tolles und Wildes mit 10 Tagen anstellen kann, in denen der Gatte wegen einer Tagung und anderen Verpflichtungen ausgeflogen ist!

Darauf ein Hopf im Störtebeker-Säbelglas. Prosit.
Die Kraulquappe.

Sound of Silence oder: Game over (not yet).

wp-1480887415665.jpg

Leider bin ich der klassische Fall für gelungene, lebenslange Markenbindung. Leider hat das manchmal weit weniger mit erfülltem Qualitätsanspruch zu tun als ich mir einreden möchte. Sondern vielmehr mit Gewohnheit und Veränderungsresistenz.

Ich bin in einem MieleWamslerSiemens-Haushalt aufgewachsen. Jedes größere Elektrogerät trug einen dieser Markennamen, die in den 1970er Jahren noch für solide Qualität made in Germany standen. Der Prozess der Markenbindung – so behaupten Forscher – setzt bereits im Alter von 3 Jahren ein. Da ist schon was dran, zumindest in meinem Fall. Das erste Wort, das ich mit knapp 4 Jahren lesen und schreiben konnte, war SIEMENS.

Daran war nicht nur unser technisches Equipment schuld. Wir wohnten nicht weit entfernt von den im Münchner Süden angesiedelten Siemenswerken, so dass überall in der Gegend die weißen Autos mit dem damals noch dunkelblauen Schriftzug herumfuhren und als Kind der 70er Jahre guckte man bei Autofahrten ja noch keine DVDs auf an der Rückseite der elterlichen Sitze montierten Tablets, sondern aus dem Fenster.

Spielte ich auf dem Küchenboden, war ich umgeben von WAMSLER und SIEMENS, im Flur konzipierte ich meine riesigen Playmobil-Landschaften so, dass noch Schneisen für die Einsatzfahrten des MIELE-Staubsaugers frei blieben und in der Badewanne planschte ich mit meinem aufziehbaren Wal herum (der Wasser speien konnte!), während die MIELE-Waschmaschine vor sich hin blubberte und trommelte.

Fast 20 Jahre später war mein erster eigener Kühlschrank von SIEMENS und mein erster Staubsauger von MIELE. Andere Studenten jobbten, um die Welt zu bereisen oder sich Auslandssemester zu finanzieren, ich steckte das Geld in mein kleines Würzburger Apartment, Musik, Bücher, gutes Essen, französische Zigaretten und Sprit für den Ford Fiesta. Nur eine vernünftige Waschmaschine war nicht mehr drin, da ärgerte ich mich jahrelang mit einem Billig-Glump von Neckermann herum.

Je erwachsener ich wurde, desto mehr emanzipierte ich mich von dem Markenuniversum meiner Eltern. Nur der MIELE-Staubsauger ist mir immer geblieben. Der erste hielt 12 Jahre, der zweite 10 Jahre. Ich mag die Bauweise, ich mag das integrierte Zubehörfach, ich mag die Haptik und am meisten mag ich, dass sich an dem Teil seit meiner Kindheit nichts Wesentliches verändert hat. Hatte man sich einmal an die Bedienung gewöhnt und war mit all den durchdachten Funktionen vertraut, konnte man 10 Jahre blind vor sich hin saugen und sich auch beim nächsten Staubsauger darauf verlassen, nicht groß umlernen zu müssen.  Außerdem sahen die Dinger nie aus wie R2-D2, präsentierten sich niemals in abgespacten Joggingschuhfarben und bekamen durch all die Jahrzehnte auch nie alberne Modellbezeichnungen wie „Vampyr“ oder „Dirt Devil“ verpasst.

Erst bei meinem dritten MIELE-Staubsauger, den ich im Winter 2013 anschaffte, hatten sich die Anglizismen eingeschlichen und ich musste zwischen drei Produktlinien wählen – Classic, Eco oder Power –  innerhalb derer es etliche Untertypen gab, je nach Reinigungserfordernissen und Größe des Geldbeutels. In treuem Glauben, auch der dritte MIELE meines Lebens würde wieder eine Dekade lang an meiner Seite gegen den Schmutz und Staub des Alltags kämpfen, gab ich ein kleines Vermögen für den neuen Hausgehilfen in Obsidianschwarz aus.

wp-1480887415674.jpg

Heute ist er, nach nur 3 Jahren, verreckt.

Unsere Dackelmadame hat ihn als Erste kommen hören, seinen frühen Tod. Vor einigen Wochen begann sie urplötzlich die Flucht zu ergreifen, wenn der MIELE EcoSilence ihr zu nahe kam (zuvor konnte man ihr quasi die Knochenbrösel vor der Nase wegsaugen und sie zuckte nicht mit der Wimper). Ich hatte schon wieder die Hormone im Verdacht, aber eine Weile später vernahm ich es auch: ein neuartiges Röcheln, beim Ausschalten gar ein Heulen und Husten. Eine Untersuchung ergab: Saugschlauch in Ordnung, nichts verstopft, es war der Motor. Keiner hier im Haus kann und will einen Staubsaugermotor zerlegen. Auf einen vorübergehenden Infekt hoffend, wartete ich ab und beobachtete meinen Alltagshelfer mit steter Sorge. Sein Geröchel und Gekeuche nahm zu.

Am heutigen zweiten Advent hat er nun seinen letzten Atemzug getan – gar nicht im EcoSilence-Stil, sondern ziemlich laut und ungehobelt. Wenigstens erst im letzten Zimmer und am Ende des Wohnungsputzes. Aber es gibt nichts schönzureden: Ich bin maßlos enttäuscht. Er war ein MIELE und es waren nur 3 Jahre – das erschüttert das hausfräuliche Segment meines Weltbildes erheblich!

Es gibt Abschiede, bei denen man sich (anders als bei einer zerbrochenen zwischenmenschlichen Beziehung) keine Wut- oder Trauerphase erlauben kann, sondern sofort für Ersatz sorgen muss. Der des Staubsaugers gehört in diese Kategorie, zumal dann, wenn man mit Hund lebt und sich für die nächste Woche gleich 3x Besuch angesagt hat.
Nicht mal den Kundenservice von MIELE kann man an einem Sonntag beschimpfen, die sind erst montags wieder erreichbar, die wissen schon, warum. Aber was soll’s – die Garantie ist ohnehin abgelaufen und ich war sowieso kurz nach dem Ableben des EcoSilence wild entschlossen, mit dieser Marke für den Rest meines Lebens Schluss zu machen. Aus, Ende, Finito. So wenig Qualität für so viel Geld, das lass‘ ich mir nicht nochmal bieten.

Also verbrachte ich den gesamten Abend vor 6 parallel geöffneten Browserfenstern: 3 Testberichtseiten und 3 Versandhändler bzw. Elektrogroßmärkte. Ich wühlte mich durch Kundenrezensionen, studierte Produktdatenblätter, selektierte nach Energieeffizienzklassen, Preisspannen sowie nach allen namhaften Herstellern außer MIELE, guckte mir Dutzende „Bodenstaubsauger mit Beutel“ an – und war nach einiger Zeit völlig frustriert.

SIEMENS kann man nicht kaufen: Die haben alle einen beschissenen Kabelaufrollmechanismus (am Kabel ziehen, dann rollt es sich ein – ja so ein Schmarrn), vielfach von ansonsten zufriedenen Kunden gerügt. ROWENTA und DYSON scheiden wegen der dämlichen (angeblich) ergonomischen Monstergriffe aus, da brech‘ ich mir ja das Handgelenk und den Möbelpinsel kann man zwar aufstecken, aber er passt nicht mehr in schmale Stellen des Regals. BOSCH hat nur miese Energieeffiienzklassen im Angebot oder für den Hund unzumutbare Dezibelwerte oder schlechte Kundenbewertungen. PHILIPS scheidet wegen der geriatrischen Optik seiner gesamten Produktpalette aus. AEG hat nur Bodendüsen zu bieten, mit denen man unter keinen Heizkörper kommt und zudem eine fragil wirkende AeroPro-3in1-Kombidüse als einziges Zubehör, der ich im Alltagseinsatz keine 3 Monate gebe. Ernüchtert forstete ich noch alle Billigmarken durch, mit ebenso ernüchterndem Ergebnis.

Kurz: Es gab trotz schier unendlicher Auswahl keinen einzigen Staubsauger, der über all das verfügte, was die drei MIELEs, die es bisher in meinem Leben gegeben hatte, wie selbstverständlich konnten oder hatten!

Wie die Sache ausging?

Nach drei (oder waren’s gar vier?) Stunden war ich dermaßen zermürbt vom Rumklicken, Lesen, Verwerfen, Suchen und Vergleichen, dass ich den zwar reduzierten, aber dennoch teuren „Compact C2 Excellence EcoLine“ in stinknormalblau bestellte. Er ist von MIELE.
Selbst wenn er wie sein Vorgänger nach nur 3 Jahren den Geist aufgeben und ich mich dann erneut wahnsinnig ärgern sollte, würde ich bis dahin zumindest wieder in aller Ruhe den Wollmäusen in unserer Wohnung den Garaus machen, sofern er so leise ist wie es der obsidianschwarze EcoSilence mal war, bevor seine Lungenentzündung begann.

Ja, verdammt! So schnell können Wut und Enttäuschung beiseite geschoben werden. Derlei Wankelmütigkeit fand ich immer schon zutiefst unsympathisch, das erinnert mich aufs Widerlichste an diese Paare aus der Studentenzeit, die sich wiederholt nach irrsinnigen Dramen lautstark und für immer trennten und wenig später schon wieder ein Herz und eine Seele waren. So war ich nie, so wollte ich nie werden – und nun geht es mir ganz ähnlich.
Angesichts des Angebots da draußen, in der freien Wildbahn der Staubvernichter, kehre ich fast schon reumütig zu meinem MIELE zurück, obwohl er mich so schmählich im Stich gelassen hat…
Wie gesagt: Ich bin ein Paradebeispiel für gelungene Markenbindung.

Wenn das so weitergeht, lade ich in 10 Jahren auch solche Videos in youtube hoch wie dieses hier, das User „Papa:-)E“ voller Inbrunst gedreht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat:

Diese Zeilen schreibe ich übrigens an unserem DELL-PC, während im Hintergrund eine mehrere Gigabyte große Datensicherung so vor sich hinrödelt. Da hatte ich ein bisschen Zeit. Die Daten müssen sorgsam auf eine externe Festplatte gepackt werden, da der Rechner seit über einem Jahr massive Probleme hat, denen auch mein versierter IT-Freund S. nicht mehr beikommen konnte, so dass sie mit der Zeit noch massiver wurden und nun parallel zum Siechtum des MIELE EcoSilence ein Ausmaß erreicht hatten, das mich das bevorstehende Ende erahnen ließ (von PCs verstehe ich mehr als von Staubsaugermotoren).
Da es mein erster DELL war und ich hier nicht auf Marken geprägt bin, weil es in meiner Kindheit noch keine PCs gab, war ich relativ flexibel und habe in nur 2 Stunden und noch vor der finalen Operation des Prozessors bereits Ersatz bestellt. Was für ein Wochenende!

Das war’s dann auch mit den Weihnachtsgeschenken bei uns. Hauptsache, wir sitzen an den Feiertagen nicht verstaubt und ohne Internet da. Nun aber wohl ohne das 18 Stunden und 16 Minuten umfassende Audiobook, das zu Nikolaus erscheint (und das ich mir eigentlich vom Gatten wünschen oder selbst schenken wollte) 😦

Gute Nacht & einen störungsfreien Wochenanfang wünscht euch
Die Kraulquappe.