Geburtsdog.

Zur Spätnachmittagsstund‘ in Gmund: Das Fräulein erfreut sich am Hundestrand, ich mich am menschenleeren Nachsaison-See.

Nun weiter zum Papa, wieder einer dieser Wer-weiß-wie-viele-noch-Geburtstage.

Ein Geburtsdogstänzchen für den Opi (und eine Gedenkminute für P., der uns seinerzeit Hauptmanns „Und Pippa tanzt“ schenkte, zum Einzug des Dackelfräuleins).

Der Identitätsrausch oder: Lachende Hunde.

Dauerregen in München. 

12 Grad, ein leeres, bestens beschwimmbares Freibad, danach ein Saunagang, den die vom Berggang strapazierte Muskulatur dankbar annimmt. Ins Frotteetuch eingewickelt lesen.

Mit Tränen in den Augen muss ich die Lektüre beiseite legen.

„Gern, wenn ich, auf meinem Stuhl in der Mauerecke des Gartens oder draußen im Gras, den Rücken an einen bevorzugten Baum gelehnt, in einem Buch lese, unterbreche ich mich in meiner geistigen Beschäftigung, um etwas mit Bauschan zu sprechen und zu spielen. Was ich denn zu ihm spreche? Meist sage ich ihm seinen Namen vor, den Laut, der ihn unter allen am meisten angeht, weil er ihn selbst bezeichnet, und der darum auf sein ganzes Wesen elektrisierend wirkt – stachle und befeuere sein Ichgefühl, indem ich ihm mit verschiedener Betonung versichere und recht zu bedenken gebe, daß er Bauschan heißt und ist; und wenn ich dies eine Weile fortsetze, kann ich ihn dadurch in eine wahre Verzückung, eine Art von Identitätsrausch versetzen, so daß er anfängt, sich um sich selber zu drehen und aus der stolzen Bedrängnis seiner Brust laut und jubelnd gen Himmel zu bellen. Oder wir unterhalten uns, indem ich ihm auf die Nade stupse, und er nach meiner Hand schnappt wie nach einer Fliege. Dies bringt uns beide zum Lachen – ja, auch Bauschan muß lachen, und das ist für mich, der ebenfalls lacht, der wunderlichste und rührendste Anblick von der Welt. Es ist ergreifend zu sehen, wie unter dem Reiz der Neckerei es um seine Mundwinkel, in seiner tierisch hageren Wange, zuckt und ruckt, wie in der schwärzlichen Miene der Kreatur der physiognomische Ausdruck des menschlichen Lachens oder doch ein trüber, unbeholfener und melancholischer Abglanz davon erscheint, wieder verschwindet, um den Merkmalen der Erschrockenheit und Verlegenheit Platz zu machen, und abermals zerrend hervortritt… Aber ich will hier abbrechen und mich nicht weiter in Einzelheiten verlieren. Ohnedies macht der Umfang mir Sorge, den diese kleine Beschreibung ganz gegen mein Vorhaben anzunehmen droht.“

[Aus: Thomas Mann, „Herr und Hund. Ein Idyll.“]

Pippa meets Bauschan. Gmund am Tegernsee, im Juni 2017.

Lebensgeister.

Die alte Wohnung ist übergeben, die letzte Kiste ausgepackt, die Vorstellungsrunde bei den neuen Nachbarn absolviert. 

Einstandskekse für die Nachbarn.

Das Leben kann also endlich wieder vollständig fernab von Rumräumen und -werkeln weitergehen. 

Heute: Tegernsee-Tour, Teil 2. 

Drei Hundestrände besucht, zwei Panoramawege abmarschiert, eine Almwirtschaft leergetrunken (Schorle!). 

Den Großteil der gehfreien Zeit dagesessen und geschaut. 

Den Hund angeschaut – wie sie sich erfreut (die Wiesen, die Gerüche!), erfrischt (das Wasser, die Wellen!), echauffiert (der überflüssige, stylishe Chihuahua!). 

Sie ist mir so wertvoll, diese wunderbare Zeit mit dem Hund, „(…) die mich zerstreut und erheitert, die mir die Lebensgeister weckt und mich für den Rest des Tages, an dem noch manches zu leisten ist, wieder instand setzt.“

[Aus: Thomas Mann, „Herr und Hund. Ein Idyll.“]

Thomas-Mann-Skulptur an der Gmunder Mangfallbrücke.

Pippa beschnuppert Bauschan.

Komischer Köter, warum will der nicht spielen?

Schönes Fleckchen, da in Gmund, am Lago di Bonzo, wo man auch sehr preiswert mit der eigenen Brotzeitdose am Hundestrand im Kies rumlümmeln kann, mal ein Stöckchen wirft, mal eine Notiz anfertigt, mal ein paar Seiten liest.

„Für meine Person bekenne ich gern, (…) daß wahre Versunkenheit, wahres Selbstvergessen, die rechte Hinlösung des eigenen beschränkten Seins in das allgemeine mir nur in dieser Anschauung gewährt ist. Sie kann mich  (…) in einen Zustand so tiefer organischer Träumerei, so weiter Abwesenheit von mir selbst versetzen, daß jedes Zeitgefühl mir abhanden kommt (…), da Stunden in solcher Vereinigung und Gesellschaft mir wie Minuten vergehen.“

Und – schwupps! – ist er rum, der Tag. 

Noch schnell den Papa besucht, uns verköstigen lassen und so dem abendlichen Regenguss entkommen. 

Die von den 90 Umzugskartons etwas zerdrückten Lebensgeister sind wohl allmählich zurück.

Einen schönen Mai-Ausklang wünscht 

Die Kraulquappe.