Himmel der Bayern (43): Aussichten.

…und während man da so saß und nach fast 1.200 Hm Aufstieg bei einem der schönsten Rundumblicke, die Oberbayern zu bieten hat, etwas ausdampfte, da flatterte unbemerkt eine Email herein, eine Einladung von einem österreichischen Tourismusverband, die einen alsbald nach Tirol führen wird.

Das Dackelfräulein und ich werden eine Pressereise machen! Inklusive Besuch einer Bellness-Oase – allein der Name der Lokalität tröstet darüber hinweg, dass das Beauty-Treatment dort nicht mir zuteil wird.

Dafür darf ich bestimmen, ob wir in den Tuxer Alpen wandern möchten oder im Karwendel oder beides und wann & wo man uns die Brettl-Jause kredenzen darf. Es gibt wahrlich unangenehmere Dienstreisen!

(@Tourismusverband Nord-Jütland: Anfang September hätt‘ ich wieder freie Kapazitäten – das Dackelfräulein dürstet es seit Langem danach, die Strände bei Skagen zu erkunden und kostenlos umzugraben, meldet euch einfach!)

Wuthering heights oder: Bajuwarische Freizeitgestaltung.

Die erste Nacht in der Jachenau war kurz.

Durch das gekippte Fenster hörte man das Rauschen des Baches dermaßen laut und um 2 Uhr kam die vorletzte Stechmücke der Saison hereingesurrt… Natur verzückt nicht immer!

Das Dackelfräulein schläft weiter, während ich um 7:50 Uhr zum Frühstück wanke. Eine unfreundliche Alte in Tracht knurrt mich an, dass es erst ab 8 Uhr Buffet gäbe, bringt mir dann aber gnädigerweise schon ein Kännchen Kaffee. Die 12-köpfige Motorradfahrer-Gang, die den Nebentisch im Beschlag nimmt, verjagt mich bereits um 8:20 Uhr durch ihr Gegröle.

Um 10 Uhr passieren wir die Brücke über den Sylvensteinstausee, einem meiner Lieblingsorte im Tölzer Land. Der Schafreuter winkt uns bereits entgegen (Berg mit flach abfallender Gipfelkante, in Bildmitte hinten).

Vom Parkplatz Kaiserhütte kurz hinter der Tiroler Grenze starten wir den Aufstieg zum Schafreuter.
Der farbenprächtige Bergwald gibt immer wieder den Blick auf den Mahnkopf und die Lalidererwände frei…

…und in der Halbzeitpause, wenn man die Baumgrenze hinter sich gelassen hat, liegt einem beinahe das gesamte Karwendelgebirge zu Füßen.

Was die kitschigen Bergfotos und der kackblaue Himmel allerdings völlig verschleiern: Mangels Schutz des Bergwaldes ist es ab 1.600m ziemlich windig (siehe abhebende Dackelohren im Bild!). Xavier ist im Anmarsch.

Nutzen Sie auch heute wieder das linke Dackelohr: ziehen Sie von dort aus eine Diagonale zur linken oberen Bildecke – unterhalb des letzten Liniendrittels erkennen Sie die Tölzer Hütte!

Kurz vor der Einkehr orientieren wir uns hinsichtlich der weiteren Expeditionsoptionen…

…aber mittlerweile bläst es dermaßen, dass wir uns lieber schnell zur Hütte flüchten. In den klitschnassen Klamotten friert man verdammt schnell, wenn man rumsteht (alles Lüge, dieser Hightech-Atmungsaktiv-Membran-Quatsch, es hilft nur Umziehen).

Trotz der garstigen Orkanböen beharrt die schwäbische (!) Hüttenwirtin darauf, dass Hunde nicht in die Stube hineindürfen und befiehlt mir, Pippa allein (!) auf der Terrasse anzubinden, was natürlich nicht in Frage kommt.

An der Hauswand ist es einigermaßen windgeschützt und die bessere Aussicht hat man sowieso.

Wenig später befehle ich mir, es als ausgleichende Gerechtigkeit, über die kein Wort verloren werden muss, zu betrachten, dass sich die schwäbische Hütten-Xanthippe beim Abkassieren meines kleinen Bergmenüs ganz unschwäbisch, nämlich extrem zu meinen Gunsten, verrechnet.

Während die Spinatknödel wohlig sacken, beschließe ich, den Gipfelaufstieg bleiben zu lassen. Eine weitere Stunde bei Sturmböen von 85km/h und mit einigen ausgesetzten Stellen, zudem noch mit angeleintem Dackeltier (zu viele Gemsen!), und alles wieder retour – das ist mir zu riskant. Und die knapp 1.000Hm bis hierher stecken uns ja auch schon in den Knochen.

Also treten wir ohne Gipfelerlebnis den Abstieg an, dafür mit der erfreulichen Feststellung, dass zum ersten Mal seit langem wirklich keinerlei überflüssiges Glump im Rucksack mitgeschleppt wurde. Sogar die Windbreakerjacke und die Stormlockmütze kommen mal zum Einsatz (nicht zu vergessen: die roten Lindor-Kugeln, die der Lieblingsnachbar einem geschenkt hat als er zur Apfelstreuselkuchenschlacht kam)!

Pünktlich zur 16 Uhr-Fütterung der Madame sind wir wieder am Auto, eine halbe Stunde später schon auf der Sylvensteinbrücke.
Noch ein wehmütiger Blick zurück, denn vermutlich war’s für dieses Jahr der letzte Ausflug dorthin.

Im Dorfladen der Jachenau besorge ich mir einen Kornspitz und ein Wiener Würstchen als Abendimbiss im Sonnenuntergang auf Balkonien.

Das Dackelfräulein fläzt bereits friedlich schnarchend im Körbchen als ich noch schnell runtersause ins Restaurant, um mir ein Weißbier zu holen. So zur Abrundung dieses tollen Tages.

2 Minuten später betrete ich mit dem Bier in der Hand das Zimmer wieder und freue mich auf meine Brotzeit. Zu meinem Erstaunen liegt der Hund nicht mehr im Körbchen, sondern sitzt auf dem Bett, wirkt etwas krumm im Rücken, hält den Kopf gesenkt und guckt elend drein. Dann rülpst sie. Und guckt anschließend noch elender. Und dann schwant es mir!

Ganz genau. Mein Wiener Würstchen ist verschwunden. Heimtückisch gemopst (bzw. gedackelt) und vernichtet, in nur 2 Minuten – und aus dem Tiefschlaf heraus.

Das Papier, in das es eingewickelt war, liegt säuberlich aufgefaltet auf dem Tisch. Sowas hat sie in all den Jahren noch nie gewagt. Man darf wirklich nie denken, dass man einander zu 100% kennen würde und vertrauen könnte, nur weil man schon seit über 5 Jahren so eine innige Beziehung führt!

Während ich den trockenen Kornspitz mit dem Weißbier runterspüle und versuche, den Wurst-Diebstahl irgendwie zu vergessen, kommt mir ein Aushang im Entree des Gasthofs nochmal in den Sinn:

Ich meine, wie ich’s auch drehe und wende – ich check‘ dieses „Angebot“ einfach nicht.

Die Halbe (egal, welche) kostet hier 3,20€, also kosten 10 Halbe 32€ und 11 würden 35,20€ kosten. Wenn ich mir also diesen Pass ausstellen lasse, mir 11 Bier reinschütte und dafür 34€ blechen muss, dann hat mir der Gasthof für diese komatöse Aktion, nach der nicht nur der Bierpass voll ist, sondern vor allem ich, nur schlappe 1,20€ „geschenkt“?!?

Was wird hier beworben und worin besteht das Angebot? Oder spielt dieser knausrige Nachlass nach 11 Halben sowieso keine Rolle mehr? Und was zum Teufel soll der Hinweis auf Silvester und diese Verlosung? Oder hab‘ ich da was übersehen, so wie früher in der Schule? Hängen mir vielleicht immer noch diese 4 Punkte nach, mit denen ich vor einem Vierteljahrhundert das Fach Mathe abgewählt habe? Mit diesen fiesen Textaufgaben kam ich noch nie zurande!

In diesem Sinne:
1.) Niemals zum Bier holen verschwinden, wenn’s um die Wurst geht.
2.) Falls die Wurst bereits verschwunden ist, den Ärger mit 34 Bier runterspülen und über Goldfische und Palmen nachdenken – das lenkt hervorragend ab.

Einen schönen restlichen Abend ohne Sturmschäden und Wurstverlust wünscht
Die Kraulquappe.

And in the morning we’ll make a plan. Zum 23. September 2017.

Zum Frühstück dudelt auf Radio Tirol „Hungry heart“ durchs Restaurant. 😬
Dass Bruce Springsteen heute Geburtstag hat, hätte ich auch so gewusst, das Jersey-girl-Shirt hatte ich natürlich bereits an – das ist Pflicht am 23.09.!

Ein Blick in die „Außerfern“-Wanderkarte…

…und der Plan für den sonnigen Samstag war gefasst: Vom tirolerischen Pflach wollen wir hinauf aufs Säulinghaus – als würdigen Abschluss unserer Frauentage.


Das Dackelfräulein flotter unterwegs als ich, denn steile Pfade sind ganz nach ihrem Geschmack, Forststraßen hingegen öden sie an.

Von dort oben nochmal eine herrliche Aussicht ins Lechtal, auf die Tannheimer Berge (die Große Schlicke, vorgestern im Schnee erklommen, nun wieder abgetaut) und die Allgäuer Alpen…

…sowie genug Zeit, die müden Haxn hochzulegen, derweil den Gösser-Muskel zu trainieren…

…und sich sogar 1x in diesen ansonsten so erfreulich ruhigen Tagen zu etwas Sozialkontakt aufzuschwingen (samstags auf Hütten ist das unvermeidbar).

Auf dem Heimweg dann die Speicherkarte mit dem Gesamt-Œuvre des Typen aus New Jersey auf Zufallswiedergabe gestellt und München mit diesem Ohrwurm erreicht:

(…) and in the morning we’ll make a plan
Well, if you can’t make it
Stay hard, stay hungry, stay alive
If you can
And meet me in a dream of this hard land

In diesem Sinne:
Happy birthday, Bruce, und meinen beiden Berliner Freunden für den morgigen Sonntag einen guten Lauf & langen Atem!

Die Quinntessenz (non curatur, qui curat).

St. Rochus-Kapelle vor Zugspitzkulisse.

Eine Gemse rennt von rechts über den steilen Wandersteig. Der Hund sieht zunächst nichts, hetzt aber Sekunden später mit Spurlaut los, nach links den Hang hinunter. Äste knacken, Geröll löst sich, der Hund ist nicht mehr zu sehen, von weit unten dringen seine Laute noch heiser und dünn den Bergwald hinauf. Ich schreie ihren Namen, dazwischen setze ich die Hundepfeife ein, alles ohne Erfolg. Starr vor Angst stehe ich auf dem Weg und blicke nach unten, Panik steigt in mir hoch, Tränen schießen mir in die Augen – was tun? In dem Moment kommt ein Mountainbiker bergab geprescht, bremst scharf, kommt neben mir zum Stehen und fragt, was los sei. „Mein Hund, da unten, die Gemse…“ stottere ich, den Blick hangabwärts gerichtet, erst dann wende mich ihm zu und erkenne: es ist Peter Quinn. Er spricht mit österreichischem Akzent, was mich nicht weiter überrascht, nur die Sportbrille, die er trägt, irritiert mich ziemlich. Quinn wirft sein Rad an den Wegrand und stürzt sich den Berghang hinab, ruft mir zu, er werde den Hund finden, er verspreche es mir. Äste brechen, Steine rollen, ich plärre ihm hinterher, dass es ein Dackel sei, der schönste und liebste auf der Welt! – aber ich kann Quinn bereits nicht mehr erspähen. Mit zittrigen Knien hebe ich sein Fahrrad hoch, steige auf und lasse mich abwärts rollen. Ich hasse Mountainbiken, weiß aber, dass ich mich beeilen muss, um möglichst schnell die 500m tiefer gelegene Alm zu erreichen, um dort evtl. Hilfe holen zu können. Das Rad rast nur so dahin, spitze Steinchen fliegen mir schmerzhaft um die Beine, ich wage es kaum, zu bremsen, obwohl ich panische Angst vor einem Sturz kopfüber habe. Irgendwann erreiche ich die Alm, sie ist menschenleer, da geschlossen, ich werfe das Mountainbike in die Wiese und renne so schnell ich kann zu dem Wald hinüber, in dem ich Hund und Quinn vermute. Schreie nach meinem Hund, stolpere mehrfach, erreiche endlich den Wald, da kommt mir der Held zerschunden und mit blutigem Oberkörper entgegen, trägt den Dackel in seinen Armen, hat dessen Hinterlauf mit seinem Hemd umwickelt, blutrot sickert es durch den Stoff, aber ich sehe sofort: der Hund lebt! Atemlos und weinend laufe ich auf die beiden zu und umarme sie…

Die frostige Nacht in Biberwier ging damit zuende, dass ich im kuschlig warmen Bett vom fröhlichen Schwänzchentrommeln des Dackelfräuleins aus meinem Peter Quinn-Heldentraum gerissen wurde. Ich träume gottseidank selten so angstvoll und blutig (und leider nie von Quinn).

Es gibt so Träume, die einen den ganzen Tag über verfolgen. Auf der heutigen Tour zur Upsspitze witterte ich überall Gemsen, erschrak bei jedem vorbeikullernden Steinchen und knackenden Geräuschen, die aus dem Wald drangen. Das Gefühl, besonders gut auf den Hund achten zu müssen, war während der gesamten Tour präsent. Ich trug sie über steile Stufen, im Schneefeld zwang ich sie, hinter mir zu laufen, auf dem Gipfel leinte ich sie an.

Und das Ende vom Lied?

Nach knapp 5 Stunden Gehzeit, 1.200 Höhenmetern rauf und wieder runter, rutschte ich eine halbe Stunde vor Erreichen des Parkplatzes auf dem Forstweg aus – und stürzte. Je älter man wird, desto dämlicher fällt man ja. Grad, dass ich mir nicht noch den Teleskopstock ins Kinn gerammt habe.

Und wer war sofort zur Stelle?
Natürlich nicht Peter Quinn, sondern mein kleines, heldenhaftes Dackelmädchen, das sich sofort rührend um mein blutiges Knie kümmerte und auf den letzten zwei Kilometern bis zum Auto nicht mehr von meiner Seite wich.

Derweil der Gatte seinen Vortrag zum Thema „Sorge“ erfolgreich hinter sich gebracht, die Tagung im Ruhrgebiet verlassen und den Zug nach München bestiegen hatte.

Wie doch irgendwie alles mit allem zusammenhängt.

Quartier in Biberwier – im Hintergrund die Upsspitze und der Daniel.

Zugspitzort Ehrwald.

Dackel beim Hundumblick.

Verschnaufpause auf der Tuftlalm.

Bewohner der Tuftlalm bei der Siesta.

Kleiner Hund vor Deutschlands größtem Berg.

Außerfern.

Momentan bin ich für zwei Tage im Außerfern.

Das Außerfern gehört zu den Regionen, deren Namen ich ebenso sehr mag wie Montafon, Napfbergland, Paznauntal, Karwendelgebirge und Hiddensee (ganz zu schweigen von Orten wie Tomelilla, Lummelunda, Wolkenstein, Mittenwald, Helsinki, Kirkkonummi, Himmelreich und Grundlsee).

Die Region hier wirbt mit: „Außerfern – alles außer fern“. Stimmt, sind keine 2 Stunden von München aus. Aber auch ohne diesen Slogan und den Namen, hätt’s mich hierher verschlagen.
Zum einen, weil das Innere mir zu nah war und das Außen zu fern – es zog mich dringend raus aus der Stadt in Richtung Berge.
Zum anderen, weil mir und dem Dackelfräulein das Schicksal gewogen war und die einzige „Hundesuite“ des Alpenvereins ausnahmsweise mal frei war.

Dieses Kleinod auf der Otto-Mayr-Hütte in den Tannheimer Bergen ist quasi die gesamte Saison durchreserviert. Nun hatte jemand abgesagt (in weiser Wetter-Voraussicht), also haben wir sofort zugeschlagen, es soll ja mal ein Beitrag draus werden.

Gestern Aufbruch in München bei 9 Grad und Dauerregen. Beim Passieren der Grenze nach Tirol ist es bereits Schneeregen. Mir wird immer mulmiger. Kurz hinter Reutte am Straßenrand eine Werbetafel: „Servus im Tiroler Wanderherbst“. Österreichischer Humor eben.

Wir parken bei 5 Grad (im Tal, wohlgemerkt) auf dem Wanderparkplatz Bärenfalle. Als ich die Bergstiefel schnüre, hört immerhin der Regen auf, Handschuhe und Mütze sind dennoch unerlässlich. Den wie immer zu schweren Tourenrucksack auf die Schultern gewuchtet. Es geht los.

Die Musauer Alm.

Das Tolle an meiner Dackeldame ist, dass sie a) fast immer gute Laune hat und b) bei jedem Wetter gern rausgeht. Immer vornweg, immer mit aufmunterndem „Wo bleibst du denn?“-Blick auf mich wartend.

Gut, denke ich mir, betrachtest du das Ganze halt als beruflich motivierte Winterwanderung, auch wenn ich mich vor lauter innerem und äußerem Nasskaltgrau wirklich sehr nach etwas Sonne gesehnt hatte. Wenigstens blieb es den gesamten Aufstieg über trocken.

Kurz vor dem Ziel.

Angekommen.

Die Otto-Mayr-Hütte empfängt uns mit spiegelglatter Terrasse (Eis!), Schneeresten (5cm hoch!), einem defekten Außenthermometer (gut so!) und den einzigen paar Wolkenlücken des Tages (ein kurzer Spuk!). In der warmen Gaststube empfängt uns ein miefender Männertrupp (mia san scho drei Dog unterwegs!) und die freundliche Hüttenwirtin (ah, da Dackl is do!).

Draußen zieht es zu. Es gibt Spinatknödel in Parmesanbutter und ein Bier dazu. Draußen fängt es an zu schütten. Zum Dessert gönne ich mir eine heiße Schokolade und eine Münze für 3 Minuten warm Duschen. Draußen schneit es nun.

Das Benno-Helf-Hüttle.

Anschließend führt uns die Wirtin in den Anbau einer Nebenhütte – dort befindet sich die „Hundesuite“.

Die Hundesuite.

Das Benno-Helf-Hüttle ist leider nicht beheizt.
Mitten in der Nacht, als ich unter vier Decken und mit Mütze und Schal im Schlafsack immer noch leicht bibbere, muss ich es in Bello-Hilf-Hüttle umtaufen. Entgegen aller Hüttenvorschriften hole ich mir meine 1 Meter lange, fellummantelte Heizwurst ins Bett – sofort geht es uns beiden besser, warm wird es dann auch endlich und sogar ein paar Stündchen Schlaf (vielleicht auch nur Schockfrostung?) sind drin.

Die Entschädigung für diese etwas spezielle Nacht kommt mit dem Aufwachen – einen Moment lang halte ich den Ausblick aus dem Fenster für eine Fata Morgana.

Blick vom Benno-Helf-Hüttle hinüber zur Füssener Hütte.

Nach dem Frühstück geht’s ohne jegliches Gepäck hinauf auf die Große Schlicke. Die letzten 200 Höhenmeter durch den Schnee. Aber in der Sonne!

Wieder bei der Otto-Mayr-Hütte angekommen, nochmal eine kleine Stärkung für jede von uns…

…bevor wir uns von der hundefreundlichen Berg-Unterkunft verabschieden müssen.

Servus, Hundesuite!

Durch zauberhafte Morgennebelschwaden wandern wir auf menschenleeren Wegen wieder talwärts.

Fazit:

  • Man darf sich einfach nicht so oft vom Wetter abschrecken lassen und der Zimperlichkeit nachgeben.
  • Ab September künftig den Iso-Schlafsack mitnehmen, für Pippa nach einem Dackelschlafsack suchen.
  • Tee bei 5 Grad Außentemperatur in einer Thermoskanne mitnehmen, nicht in Aluflaschen.
  • Sonnencreme einpacken, auch wenn es bei der Abreise noch regnet.

Morgen noch den östlichen Teil vom Außerfern bewandern und belichten: Von Lermoss über die Tuftlalm und – sofern Füße und Pfoten uns so weit tragen wollen – hoch auf die Upsspitze – allein der Namen wegen!

Aus Biberwier grüßt –
Die Kraulquappe.

Evidenzerlebnis.

Nach 15 Jahren war ich gestern endlich wieder am Plansee, nur einen Steinschlagwurf hinter dem oberbayrischen Ammerwald gelegen, grad so in Tirol.

Was für eine Traumgegend, ich kam aus dem „Aha“- und „Öha“-Sagen bzw. -Fühlen gar nicht mehr heraus.

Erst einmal hatte ich diesen herrlichen Bergsee gesehen, mit 30 und als Sozia auf einer Oldtimer-BMW unterwegs. Leider war es nur ein kurzes Päuschen, das mir am Plansee vergönnt war: In sengender Mittagshitze gab’s ein Eis und einen Kaffee, der Schweiß lief einem in den dicken Motorradklamotten hinunter, trotz geöffneter Reißverschlüsse, aber man fand sich richtig cool bei so einem Wochenendausritt über Alpenpässe und Bergstraßen.

Damals schwor ich mir: Hier kommst du mal unverschwitzt her – und mit Zeit im Gepäck. Und wochentags.

Selbstverständlich hatte ich gestern meine kleine, treue Sozia dabei…

…die der Panoramarundweg genauso begeisterte wie mich.

Auf 18 Kilometern führt der mal schmalere, mal breitere Wanderweg durch abwechslungsreiche Vegetation: Bewaldete Hanglagen, urwaldartige Uferzonen oder in hügeligem Auf und Ab am Fuße sonniger Schotterkare entlang, fast immer mit Seeblick oder direkt am See.

Überall hübsche Badebuchten, Bänke und Spielgelegenheiten – der Tag verging wie im Flug!

Nur die Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs sind leider eher Touristenabzocke, aber mit eigenem Proviant im Rucksack waren wir weitgehend unabhängig und am Schluss erhielt ich sogar noch einen guten Einkehrtipp.
Das Dackelfräulein hatte nämlich gegen Ende der langen Tour und trotz diverser Sonderexkursionen, Holzarbeiten und Tauchgänge noch immer genug Energie, um mit dem Luis zu flirten.

Der junge, fesche und knackige Tiroler Bursche war der Jagdhund des Försters, also ging man ein Stück gemeinsam und unterhielt sich ein wenig…

…und so landeten wir schließlich noch (ohne Luis und den Förster) auf ein Bier in einer netten Alm.

Noch anderthalb Stunden einfach dagegessen, geradeaus geguckt, die Muster der Abendsonne auf dem See bestaunt, ein bisserl nachgedacht, ein paar Notizen gemacht für den nächsten Hundemagazin-Beitrag (Arbeitstitel: Mit dem Zamperl durch die Zugspitzregion.) und sehr zufrieden gewesen mit dem Ort, dem Tag und dass das alles stattgefunden hatte.

[Aus: Der große Polt. Ein Konversationslexikon.]

Ein wohltuendes Wochenende – garniert mit dem einen oder anderen „Öha“ – wünscht Euch
Die Kraulquappe.

Alpine Anmut oder: Der Hundsarsch.

Die Bergwelt bietet ja zahlreiche Highlights, auch im sprachlichen Bereich.
Bei der Planung des allwöchentlichen alpinen Ausflugs hatte ich diesmal eigentlich eine Tour ins Auge gefasst, die ich beruflich hätte nutzen können. Südlich von Füssen, was ja von München aus schnell erreicht ist, wollte ich in die Tannheimer Berge gehen, also ins bayrisch-tirolerische Grenzgebiet und zwar auf die Otto-Mayr-Hütte, die – man halte sich fest! – als vermutlich einzige Hütte des Alpenvereins eine „Hundesuite“ anbietet. Man wäre einmal das leidige Hoffen auf die Gnade, zusammen mit seinem Vierbeiner wenigstens in den verwanzten Winterraum verbannt zu werden, los (ebenso das, gar ein Zweierkammerl zu ergattern, in dem man gemeinsam nächtigen darf). Wau!

Eine Hundesuite!
Laut Schilderung der Hüttenwirtin handelt es sich um ein eigenes Häuschen mit Doppelbett und großem Hundekörbchen, Holzboden und Kleiderablage, Fenster und Vorhang (und bestimmt auch einem Kruzifix an der Wand). Sofort dachte ich mir: „Da gehst du hin und machst einen Beitrag draus!“. Was ich auch weiterhin vorhabe, nur eben nicht diese Woche umsetzen kann, da die Suite leider ausgebucht ist. Muss man mit mehr Vorlauf planen, denn der einzige Hort der Hundefreundlichkeit im bayrisch-tirolerischen Alpenland ist natürlich sehr begehrt und wird bereits wochenlang im Voraus reserviert.

Schade dennoch, denn das Wetter hätte in den nächsten Tagen gut gepasst, Mr. Speedhiking hätte uns begleitet und gemeinsam hätte man glatt noch einen spektakulären Abstecher zum in 1.600m Höhe gelegenen Hundsarschjoch einbauen können, mindestens aber zur Hundsarschalpe (ich empfehle, diese Worte mehrfach hintereinander laut zu sprechen, sie gewinnen mit jedem Mal an erquickendem Wohlklang).
Des Dackelfräuleins knackiger Popo, wie er die letzten, felsigen Meter zum Hundsarschjoch hinaufwetzt – ich sah das Foto schon vor mir!

Nun denn, hoffentlich klappt es in den nächsten Wochen noch mit dieser Unternehmung.

Das hoffe ich wirklich, denn auch ein anderes Vorhaben, die Watzmann-Besteigung, fällt leider ins Wasser. Es herrscht generelles Hundeverbot auf dem Watzmannhaus seit letztem Jahr – wegen schlechter Erfahrungen (keine Bürste/Handtuch dabei, überall Dreck, Hundekot im Zimmer, vor der Hütte etc.). Immer ein paar Deppen, die ihren Hunden kein Benehmen beibringen, selbst auch keines haben, und es mit den daraus resultierenden Generalverboten allen anderen versauen.
Mittelfristig plane ich ein Ehrenamt als Hütten-Botschafterin für Hunde zu bekleiden, um mit allen Mitteln diesen unsäglichen Missstand zu bekämpfen (an beiden Fronten, versteht sich).

Statt einer Hüttentour, die mir momentan aufgrund immer noch zu überbrückender Wartezeit auf Entscheidungen, die sich meinem Einfluss entziehen, als Ablenkung sehr gut gepasst hätte, backen wir diese Woche also etwas kleinere Bergbrötchen und marschieren morgen aufs Hörnle.
Dies erfreulicherweise ebenfalls mit Herrn Speed und mit Einkehr auf einer Hütte, aber eben ohne Übernachtung. Das Hörnle stand ja sowieso auf der To-hike-Liste 2017. Schöne Rundtour mit 2,5 Gipfeloptionen.

Und der Hüttenwirt Seppi Schwinghammer bietet zumindest namentlich einen halbwegs würdigen Ersatz für die Hundsarschalpe unterhalb des Hundsarschjochs.

Jetzt ein bisschen die Pfoten hochlegen bis morgen Früh und hoffen, dass die einzige plötzlich verschollene Wanderkarte in meinem Bestand (Murnau/Kochel) sich noch wiederfindet.

Einen angenehmen Dienstagabend wünscht –
Die Kraulquappe.

Keine 30 mehr. Ein Tourbericht.

Ob ich’s wohl auf das Dackeltier schieben soll?

Oder wäre es schlicht Selbstbetrug, sich vorzugaukeln, ein gutes Kilogramm Hundegepäck (Trinkflasche, Futter, Bürste, Schlafsack) würde so viel ausmachen?

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Die Weggefährten Cammino und Nuluensis.

Vor genau 14 Jahren, im August 2002, war die gestrige Tour meine erste Etappe einer 10-tägigen Alpenüberquerung: Von der Mittenwald-Scharnitzer Grenze hoch auf den Halleranger.

Damals hat es den gesamten Aufstieg über wie aus Kübeln gegossen, ich sah von der Gegend: nichts. Diesmal: Sonne satt.
Damals war ich in knapp fünf Stunden oben. Gestern hab‘ ich fast sieben Stunden gebraucht. Was will mir das nun sagen?

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Der Kraxeldackel im Karwendel.

War ich etwa mit 30 fitter als heutzutage?!?

Eine der beiden Zusatz-Stunden schiebe ich jedenfalls auf das Dackelmädchen. Es war viel zu heiß gestern und heute, zudem kaum Schatten unterwegs.
Alle 30 Minuten musste ich die Kleine zum Fluss schicken oder in Viehtränken heben. Im Übrigen: so ein Dackel hat Idealmaße für Viehtränken, es würden glatt zwei Dackel reinpassen. Schön hintereinander, versteht sich.

Am Ursprung der Isar machten wir gestern eine Mehrfach-Fluss-Rast sowie das obligatorsiche „Wir waren hier“-Foto…

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Am Isarursprung im Hinterautal.

… wenig später stromerten wir durch eine beachtliche Steinmandl-Siedlung …

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Erst verbellt und dann doch neugierig beschnuppert.

… und Stunden später näherten wir uns dem Ziel. Der kleine Hund hat die Tour tapfer durchgehalten. Ich auch so einigermaßen – den schweren Tourenrucksack bin ich nicht mehr gewohnt.

Auch die Hitze setzt mir mehr zu als früher. Und man muss ja immer noch eine kleine Kraftreserve haben, falls der Hund schlapp macht, denn dann heißt es: Tragen!

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Die Halleranger-Alm – traumhaft schön gelegen.

Oben angekommen ein kleiner Schock: Die Leine war mir auf der einzig bewirtschafteten Alm unterwegs – die nun 500 Höhenmeter unter uns lag – aus dem Deckelfach des Rucksacks gerutscht!

Wie sollte das jetzt klappen, mit Hund auf der Hütte oder Terrasse, während des Duschens, Essens oder Rumsitzens?

Ein Stoßgebet auf Knien gen Himmel gerichtet half sogleich …

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Die Kapelle auf dem Halleranger. Gebete werden wegen Himmelnähe umgehend erhört.

… – der Wirt hatte eine liegengebliebene Leine für uns! Da verzeih‘ ich ihm sogar, wie er unseren Hund nannte. Pippa heißt auf Tirolerisch „Bibba“ (… na Oida, do leggst mi am Oarsch…).

Dank der Hundebefestigung konnte ich in Ruhe Duschen gehen (eiskälter als eiskalt, aber immerhin: eine Dusche) und Pippa derweil auf der Terrasse lassen. Als ich zurückkam, hatte sie bereits eine Menge Freunde gefunden, in deren Kreis ich gnädigerweise auch noch aufgenommen wurde.

Nach einem gemütlichen Abendessen mit einigen Österreichern und einem Paar aus Eckernförde bestaunten wir noch das Alpenglühen…

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Die unteren Übernachtungshütten der Halleranger-Alm.

… und danach hieß es bald „Ab in die Koje“, d.h. in unsere Mini-Holzkammer, die abseits der Haupthütte lag (da, wo die Hundemenschen schlafen dürfen, wenn der Wirt es ausnahmsweise gestattet).

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Zimmer 2, für 2. Und mit 2x Luxus: 1 Haken und 1 Bügel.

Nach einer unruhigen Nacht – Hundekollege im Nebenzimmer schüttelte sich stündlich, was jeweils ein Brummeln in meinem Zimmer nach sich zog – heute Morgen bei Sonnenaufgang gefrühstückt, anschließend das Fotoshooting erledigt…

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Zusammenpacken vor dem Abmarsch.

… und mit „Mochds eich a Hetz, Madln!“ um 9 Uhr verabschiedet worden. Daheim dann festgestellt, dass das kein Antreiber-Spruch war, sondern sowas wie ein „Viel Spaß“-Wunsch.
War eh wurschd. Wir waren waren ochi genauso langsam wie auffi.

Nur auf den letzten Kilometern waren wir schneller: der Dackel konnte nicht mehr, trotz mehrfacher Pausen und diverser Kühlversuche…

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Für dich geb‘ ich mein letztes nasses Handtuch!

… also sind wir per Anhalter im Jeep mit einem Almöhi das letzte Stück mitgeholpert über die steinigen Wege.

Schee war’s!

Mit müden Flossen früh zu Bett kriechend grüßen
Die Kraulquappe und der Kraxeldackel.

PS: Der Beitrag von gestern wurde mangels Netz erst heute veröffentlicht, wie ich bemerkt habe. Is a scho wurschd.

Himmel der Bayern (7): Kompanie, ein Lied!

Justament startet eine kleine, zähe Spezialeinheit des Gebirgsjägerbataillons 2508 bei bester Witterung und schönstem bayrischen Himmel am Grenzübergang Mittenwald-Scharnitz ihren Marsch durch das Hinterautal hinauf ins Karwendelgebirge.

Mit Hüttenübernachtung!
Ein großes Abenteuer, denn das Dackelmädchen hat noch nie in den Bergen genächtigt. Wir haben das seltene Glück gehabt, in einer Berghütte ein kleines Zimmerchen für uns beide reservieren zu können – und die Gelegenheit wollen wir beim Schopf packen.

Müssen wir auch. Denn nach dem ersten bahnbrechenden Erfolg mit einem Beitrag über unsere Heimatstadt in einem Reisemagazin für Hundemenschen (vorgestern erschienen!), arbeiten wir nun eifrig am nächsten Artikel für selbige Zeitschrift: „Mit dem Kraxeldackel ins Karwendel“ (oder so ähnlich).

Und der Bergsommer 2016 ist beileibe nicht der verlässlichste, so dass zwei aufeinanderfolgende Tage mit 25°C und 0% Regenwahrscheinlichkeit umgehend zum „Arbeiten“ genutzt werden müssen 🙂

Der Tourenrucksack ist gut bestückt mit ausreichend Proviant für den Tag, Schlafsäcken für die Nacht, Ersatzakku für die Kamera und – auf dem Aussichtsposten – natürlich mit Nuluensis, unserem Maskottchen, das bereits unternehmungslustig vor sich hin summt.
Dann also mal Abmarsch – und: Kompanie, ein Lied!

Es grüßen euch aufgeregt –
Kompaniechefin Kraulquappe und Gebirgsjägerin Pippa
(leider ohne unseren Obergefreiten G., der heute ins Ausland entflogen ist)

PS: Tourbericht folgt!

Himmel der Bayern (4): Sogar in Tirol.

4km jenseits der Grenze zum Freistaat:

Drei Tage zu dritt nachholen, was letzte Woche ins Wasser fiel. 

Kraxeln, Kühe, Kasnudeln. Karwendel eben.

Morgen: Falkenhütte.

Servus aus dem Rißtal, beim Warten aufs Alpenglühen –

Die Kraulquappe.

PS: Ein großes Dankeschön an unsere Trauzeugin D., die uns durchs Gießen der heimischen Balkonpflanzen den Verlängerungstag ermöglicht 🙂 !