In der Not.

Vorgestern im Ammergebirge.

Der Oktober ist bislang recht golden, fast könnte man meinen, er wolle so gut als möglich Trost dafür spenden, dass Blog-Weggefährten ihre geliebten Hunde verlieren oder man nach Jahren den Ex-Freund im Krankenhaus mit einer Krebs-Diagnose wiedersieht und auch sonst manches nicht so läuft wie man sich das noch im Sommer erhofft hatte.

Also laufe ich. So oft ich kann.
Hoch & runter, vor & zurück, weiter & weiter.

Ganz neuer Tourentipp: Von Oberammergau auf den Pürschling.
Seit Jahren laufe ich immer von Unterammergau auf den Pürschling, dank des Dackelfräuleins Abneigung gegen Forststraßen suche ich nun stets Alternativen mit so vielen Bergsteigen wie möglich. Die neue Route ist viel schöner, etwas länger und fast komplett mountainbikerfrei.

Start: Parkplatz Kolbensattellift in Oberammergau.
Rummel rund um den Event-Kram an der Talstation ignorieren und gleich linkerhand auf den Wanderweg Richtung Kolbensattel/Pürschling einklinken.

Erste Etappe: Kolbenalm (1.040m) mit beachtlich gräuslicher Fassaden-Deko…

… inklusive tiefer Lebensweisheit.

(Ergänzender Hinweis: Bier tut’s auch. Entscheidend ist, dass man ist weder Tod noch tot ist.)

Kurz nach der Kolbenalm links halten und statt der Forststraße den Bergpfad wählen, der sich in Serpentinen bis zum Kolbensattel hinaufschlängelt.
Ohne Rast auf der Kolbensattelhütte (1.270m) und ohne Umweg über Zahn und Sonnenspitz geht’s auf einsamem Waldpfad weiter gen Osten…

…gemeinsam rascheln wir durchs bunte Laub bergan…

…und zumindest ich genieße die Aussicht zum benachbarten Estergebirge…

…und talwärts Richtung Ettal – das Dackelfräulein ist mehr an Ausgrabungen am Wegesrand interessiert.

Nach kurzer Rast auf dem August-Schuster-Haus (1.554m, DAV-Hütte, fast ganzjährig geöffnet), von wo aus sich eine schöne Sicht aufs Graswangtal vor der Kulisse des Wettersteins bietet, geht’s wieder zurück.

Pippa kann mit der Hüttenhündin nicht, ich kann mit den Bellanfällen unter dem kritischen Blick der anderen Gäste nicht – und so ein Weißbier ist nach 2 Stunden Aufstieg ja eh schnell getrunken.

Beim Kolbensattel (auch so eine überflüssige Event-Arena in den Bergen, mehr Spielplatz als Alm!) nochmals kurze Einkehr auf eine heiße Schokolade…

…und auf dem Anstiegsweg hinunter nach Oberammergau…

…wo der Bergausflug endet, wie er immer endet: mit einem gut gefüllten Napf.

An diesem Wochenende schließen die allermeisten Hütten und Almen, die Oktobersonne gibt hingegen nochmal Vollgas, voraussichtlich noch bis Mitte nächster Woche.

Bewegung ist Leben.
Man steigt den grünen Berg des Lebens hinauf, um oben auf dem Eisberge zu sterben (sagte ein Pädagoge).

Es war ein guter Bergsommer und -herbst, es ist ein schönes Saisonende.

Sonnige & bewegte Tage wünscht euch
Die Kraulquappe.

Wuthering heights oder: Bajuwarische Freizeitgestaltung.

Die erste Nacht in der Jachenau war kurz.

Durch das gekippte Fenster hörte man das Rauschen des Baches dermaßen laut und um 2 Uhr kam die vorletzte Stechmücke der Saison hereingesurrt… Natur verzückt nicht immer!

Das Dackelfräulein schläft weiter, während ich um 7:50 Uhr zum Frühstück wanke. Eine unfreundliche Alte in Tracht knurrt mich an, dass es erst ab 8 Uhr Buffet gäbe, bringt mir dann aber gnädigerweise schon ein Kännchen Kaffee. Die 12-köpfige Motorradfahrer-Gang, die den Nebentisch im Beschlag nimmt, verjagt mich bereits um 8:20 Uhr durch ihr Gegröle.

Um 10 Uhr passieren wir die Brücke über den Sylvensteinstausee, einem meiner Lieblingsorte im Tölzer Land. Der Schafreuter winkt uns bereits entgegen (Berg mit flach abfallender Gipfelkante, in Bildmitte hinten).

Vom Parkplatz Kaiserhütte kurz hinter der Tiroler Grenze starten wir den Aufstieg zum Schafreuter.
Der farbenprächtige Bergwald gibt immer wieder den Blick auf den Mahnkopf und die Lalidererwände frei…

…und in der Halbzeitpause, wenn man die Baumgrenze hinter sich gelassen hat, liegt einem beinahe das gesamte Karwendelgebirge zu Füßen.

Was die kitschigen Bergfotos und der kackblaue Himmel allerdings völlig verschleiern: Mangels Schutz des Bergwaldes ist es ab 1.600m ziemlich windig (siehe abhebende Dackelohren im Bild!). Xavier ist im Anmarsch.

Nutzen Sie auch heute wieder das linke Dackelohr: ziehen Sie von dort aus eine Diagonale zur linken oberen Bildecke – unterhalb des letzten Liniendrittels erkennen Sie die Tölzer Hütte!

Kurz vor der Einkehr orientieren wir uns hinsichtlich der weiteren Expeditionsoptionen…

…aber mittlerweile bläst es dermaßen, dass wir uns lieber schnell zur Hütte flüchten. In den klitschnassen Klamotten friert man verdammt schnell, wenn man rumsteht (alles Lüge, dieser Hightech-Atmungsaktiv-Membran-Quatsch, es hilft nur Umziehen).

Trotz der garstigen Orkanböen beharrt die schwäbische (!) Hüttenwirtin darauf, dass Hunde nicht in die Stube hineindürfen und befiehlt mir, Pippa allein (!) auf der Terrasse anzubinden, was natürlich nicht in Frage kommt.

An der Hauswand ist es einigermaßen windgeschützt und die bessere Aussicht hat man sowieso.

Wenig später befehle ich mir, es als ausgleichende Gerechtigkeit, über die kein Wort verloren werden muss, zu betrachten, dass sich die schwäbische Hütten-Xanthippe beim Abkassieren meines kleinen Bergmenüs ganz unschwäbisch, nämlich extrem zu meinen Gunsten, verrechnet.

Während die Spinatknödel wohlig sacken, beschließe ich, den Gipfelaufstieg bleiben zu lassen. Eine weitere Stunde bei Sturmböen von 85km/h und mit einigen ausgesetzten Stellen, zudem noch mit angeleintem Dackeltier (zu viele Gemsen!), und alles wieder retour – das ist mir zu riskant. Und die knapp 1.000Hm bis hierher stecken uns ja auch schon in den Knochen.

Also treten wir ohne Gipfelerlebnis den Abstieg an, dafür mit der erfreulichen Feststellung, dass zum ersten Mal seit langem wirklich keinerlei überflüssiges Glump im Rucksack mitgeschleppt wurde. Sogar die Windbreakerjacke und die Stormlockmütze kommen mal zum Einsatz (nicht zu vergessen: die roten Lindor-Kugeln, die der Lieblingsnachbar einem geschenkt hat als er zur Apfelstreuselkuchenschlacht kam)!

Pünktlich zur 16 Uhr-Fütterung der Madame sind wir wieder am Auto, eine halbe Stunde später schon auf der Sylvensteinbrücke.
Noch ein wehmütiger Blick zurück, denn vermutlich war’s für dieses Jahr der letzte Ausflug dorthin.

Im Dorfladen der Jachenau besorge ich mir einen Kornspitz und ein Wiener Würstchen als Abendimbiss im Sonnenuntergang auf Balkonien.

Das Dackelfräulein fläzt bereits friedlich schnarchend im Körbchen als ich noch schnell runtersause ins Restaurant, um mir ein Weißbier zu holen. So zur Abrundung dieses tollen Tages.

2 Minuten später betrete ich mit dem Bier in der Hand das Zimmer wieder und freue mich auf meine Brotzeit. Zu meinem Erstaunen liegt der Hund nicht mehr im Körbchen, sondern sitzt auf dem Bett, wirkt etwas krumm im Rücken, hält den Kopf gesenkt und guckt elend drein. Dann rülpst sie. Und guckt anschließend noch elender. Und dann schwant es mir!

Ganz genau. Mein Wiener Würstchen ist verschwunden. Heimtückisch gemopst (bzw. gedackelt) und vernichtet, in nur 2 Minuten – und aus dem Tiefschlaf heraus.

Das Papier, in das es eingewickelt war, liegt säuberlich aufgefaltet auf dem Tisch. Sowas hat sie in all den Jahren noch nie gewagt. Man darf wirklich nie denken, dass man einander zu 100% kennen würde und vertrauen könnte, nur weil man schon seit über 5 Jahren so eine innige Beziehung führt!

Während ich den trockenen Kornspitz mit dem Weißbier runterspüle und versuche, den Wurst-Diebstahl irgendwie zu vergessen, kommt mir ein Aushang im Entree des Gasthofs nochmal in den Sinn:

Ich meine, wie ich’s auch drehe und wende – ich check‘ dieses „Angebot“ einfach nicht.

Die Halbe (egal, welche) kostet hier 3,20€, also kosten 10 Halbe 32€ und 11 würden 35,20€ kosten. Wenn ich mir also diesen Pass ausstellen lasse, mir 11 Bier reinschütte und dafür 34€ blechen muss, dann hat mir der Gasthof für diese komatöse Aktion, nach der nicht nur der Bierpass voll ist, sondern vor allem ich, nur schlappe 1,20€ „geschenkt“?!?

Was wird hier beworben und worin besteht das Angebot? Oder spielt dieser knausrige Nachlass nach 11 Halben sowieso keine Rolle mehr? Und was zum Teufel soll der Hinweis auf Silvester und diese Verlosung? Oder hab‘ ich da was übersehen, so wie früher in der Schule? Hängen mir vielleicht immer noch diese 4 Punkte nach, mit denen ich vor einem Vierteljahrhundert das Fach Mathe abgewählt habe? Mit diesen fiesen Textaufgaben kam ich noch nie zurande!

In diesem Sinne:
1.) Niemals zum Bier holen verschwinden, wenn’s um die Wurst geht.
2.) Falls die Wurst bereits verschwunden ist, den Ärger mit 34 Bier runterspülen und über Goldfische und Palmen nachdenken – das lenkt hervorragend ab.

Einen schönen restlichen Abend ohne Sturmschäden und Wurstverlust wünscht
Die Kraulquappe.

And in the morning we’ll make a plan. Zum 23. September 2017.

Zum Frühstück dudelt auf Radio Tirol „Hungry heart“ durchs Restaurant. 😬
Dass Bruce Springsteen heute Geburtstag hat, hätte ich auch so gewusst, das Jersey-girl-Shirt hatte ich natürlich bereits an – das ist Pflicht am 23.09.!

Ein Blick in die „Außerfern“-Wanderkarte…

…und der Plan für den sonnigen Samstag war gefasst: Vom tirolerischen Pflach wollen wir hinauf aufs Säulinghaus – als würdigen Abschluss unserer Frauentage.


Das Dackelfräulein flotter unterwegs als ich, denn steile Pfade sind ganz nach ihrem Geschmack, Forststraßen hingegen öden sie an.

Von dort oben nochmal eine herrliche Aussicht ins Lechtal, auf die Tannheimer Berge (die Große Schlicke, vorgestern im Schnee erklommen, nun wieder abgetaut) und die Allgäuer Alpen…

…sowie genug Zeit, die müden Haxn hochzulegen, derweil den Gösser-Muskel zu trainieren…

…und sich sogar 1x in diesen ansonsten so erfreulich ruhigen Tagen zu etwas Sozialkontakt aufzuschwingen (samstags auf Hütten ist das unvermeidbar).

Auf dem Heimweg dann die Speicherkarte mit dem Gesamt-Œuvre des Typen aus New Jersey auf Zufallswiedergabe gestellt und München mit diesem Ohrwurm erreicht:

(…) and in the morning we’ll make a plan
Well, if you can’t make it
Stay hard, stay hungry, stay alive
If you can
And meet me in a dream of this hard land

In diesem Sinne:
Happy birthday, Bruce, und meinen beiden Berliner Freunden für den morgigen Sonntag einen guten Lauf & langen Atem!

Die Quinntessenz (non curatur, qui curat).

St. Rochus-Kapelle vor Zugspitzkulisse.

Eine Gemse rennt von rechts über den steilen Wandersteig. Der Hund sieht zunächst nichts, hetzt aber Sekunden später mit Spurlaut los, nach links den Hang hinunter. Äste knacken, Geröll löst sich, der Hund ist nicht mehr zu sehen, von weit unten dringen seine Laute noch heiser und dünn den Bergwald hinauf. Ich schreie ihren Namen, dazwischen setze ich die Hundepfeife ein, alles ohne Erfolg. Starr vor Angst stehe ich auf dem Weg und blicke nach unten, Panik steigt in mir hoch, Tränen schießen mir in die Augen – was tun? In dem Moment kommt ein Mountainbiker bergab geprescht, bremst scharf, kommt neben mir zum Stehen und fragt, was los sei. „Mein Hund, da unten, die Gemse…“ stottere ich, den Blick hangabwärts gerichtet, erst dann wende mich ihm zu und erkenne: es ist Peter Quinn. Er spricht mit österreichischem Akzent, was mich nicht weiter überrascht, nur die Sportbrille, die er trägt, irritiert mich ziemlich. Quinn wirft sein Rad an den Wegrand und stürzt sich den Berghang hinab, ruft mir zu, er werde den Hund finden, er verspreche es mir. Äste brechen, Steine rollen, ich plärre ihm hinterher, dass es ein Dackel sei, der schönste und liebste auf der Welt! – aber ich kann Quinn bereits nicht mehr erspähen. Mit zittrigen Knien hebe ich sein Fahrrad hoch, steige auf und lasse mich abwärts rollen. Ich hasse Mountainbiken, weiß aber, dass ich mich beeilen muss, um möglichst schnell die 500m tiefer gelegene Alm zu erreichen, um dort evtl. Hilfe holen zu können. Das Rad rast nur so dahin, spitze Steinchen fliegen mir schmerzhaft um die Beine, ich wage es kaum, zu bremsen, obwohl ich panische Angst vor einem Sturz kopfüber habe. Irgendwann erreiche ich die Alm, sie ist menschenleer, da geschlossen, ich werfe das Mountainbike in die Wiese und renne so schnell ich kann zu dem Wald hinüber, in dem ich Hund und Quinn vermute. Schreie nach meinem Hund, stolpere mehrfach, erreiche endlich den Wald, da kommt mir der Held zerschunden und mit blutigem Oberkörper entgegen, trägt den Dackel in seinen Armen, hat dessen Hinterlauf mit seinem Hemd umwickelt, blutrot sickert es durch den Stoff, aber ich sehe sofort: der Hund lebt! Atemlos und weinend laufe ich auf die beiden zu und umarme sie…

Die frostige Nacht in Biberwier ging damit zuende, dass ich im kuschlig warmen Bett vom fröhlichen Schwänzchentrommeln des Dackelfräuleins aus meinem Peter Quinn-Heldentraum gerissen wurde. Ich träume gottseidank selten so angstvoll und blutig (und leider nie von Quinn).

Es gibt so Träume, die einen den ganzen Tag über verfolgen. Auf der heutigen Tour zur Upsspitze witterte ich überall Gemsen, erschrak bei jedem vorbeikullernden Steinchen und knackenden Geräuschen, die aus dem Wald drangen. Das Gefühl, besonders gut auf den Hund achten zu müssen, war während der gesamten Tour präsent. Ich trug sie über steile Stufen, im Schneefeld zwang ich sie, hinter mir zu laufen, auf dem Gipfel leinte ich sie an.

Und das Ende vom Lied?

Nach knapp 5 Stunden Gehzeit, 1.200 Höhenmetern rauf und wieder runter, rutschte ich eine halbe Stunde vor Erreichen des Parkplatzes auf dem Forstweg aus – und stürzte. Je älter man wird, desto dämlicher fällt man ja. Grad, dass ich mir nicht noch den Teleskopstock ins Kinn gerammt habe.

Und wer war sofort zur Stelle?
Natürlich nicht Peter Quinn, sondern mein kleines, heldenhaftes Dackelmädchen, das sich sofort rührend um mein blutiges Knie kümmerte und auf den letzten zwei Kilometern bis zum Auto nicht mehr von meiner Seite wich.

Derweil der Gatte seinen Vortrag zum Thema „Sorge“ erfolgreich hinter sich gebracht, die Tagung im Ruhrgebiet verlassen und den Zug nach München bestiegen hatte.

Wie doch irgendwie alles mit allem zusammenhängt.

Quartier in Biberwier – im Hintergrund die Upsspitze und der Daniel.

Zugspitzort Ehrwald.

Dackel beim Hundumblick.

Verschnaufpause auf der Tuftlalm.

Bewohner der Tuftlalm bei der Siesta.

Kleiner Hund vor Deutschlands größtem Berg.

Außerfern.

Momentan bin ich für zwei Tage im Außerfern.

Das Außerfern gehört zu den Regionen, deren Namen ich ebenso sehr mag wie Montafon, Napfbergland, Paznauntal, Karwendelgebirge und Hiddensee (ganz zu schweigen von Orten wie Tomelilla, Lummelunda, Wolkenstein, Mittenwald, Helsinki, Kirkkonummi, Himmelreich und Grundlsee).

Die Region hier wirbt mit: „Außerfern – alles außer fern“. Stimmt, sind keine 2 Stunden von München aus. Aber auch ohne diesen Slogan und den Namen, hätt’s mich hierher verschlagen.
Zum einen, weil das Innere mir zu nah war und das Außen zu fern – es zog mich dringend raus aus der Stadt in Richtung Berge.
Zum anderen, weil mir und dem Dackelfräulein das Schicksal gewogen war und die einzige „Hundesuite“ des Alpenvereins ausnahmsweise mal frei war.

Dieses Kleinod auf der Otto-Mayr-Hütte in den Tannheimer Bergen ist quasi die gesamte Saison durchreserviert. Nun hatte jemand abgesagt (in weiser Wetter-Voraussicht), also haben wir sofort zugeschlagen, es soll ja mal ein Beitrag draus werden.

Gestern Aufbruch in München bei 9 Grad und Dauerregen. Beim Passieren der Grenze nach Tirol ist es bereits Schneeregen. Mir wird immer mulmiger. Kurz hinter Reutte am Straßenrand eine Werbetafel: „Servus im Tiroler Wanderherbst“. Österreichischer Humor eben.

Wir parken bei 5 Grad (im Tal, wohlgemerkt) auf dem Wanderparkplatz Bärenfalle. Als ich die Bergstiefel schnüre, hört immerhin der Regen auf, Handschuhe und Mütze sind dennoch unerlässlich. Den wie immer zu schweren Tourenrucksack auf die Schultern gewuchtet. Es geht los.

Die Musauer Alm.

Das Tolle an meiner Dackeldame ist, dass sie a) fast immer gute Laune hat und b) bei jedem Wetter gern rausgeht. Immer vornweg, immer mit aufmunterndem „Wo bleibst du denn?“-Blick auf mich wartend.

Gut, denke ich mir, betrachtest du das Ganze halt als beruflich motivierte Winterwanderung, auch wenn ich mich vor lauter innerem und äußerem Nasskaltgrau wirklich sehr nach etwas Sonne gesehnt hatte. Wenigstens blieb es den gesamten Aufstieg über trocken.

Kurz vor dem Ziel.

Angekommen.

Die Otto-Mayr-Hütte empfängt uns mit spiegelglatter Terrasse (Eis!), Schneeresten (5cm hoch!), einem defekten Außenthermometer (gut so!) und den einzigen paar Wolkenlücken des Tages (ein kurzer Spuk!). In der warmen Gaststube empfängt uns ein miefender Männertrupp (mia san scho drei Dog unterwegs!) und die freundliche Hüttenwirtin (ah, da Dackl is do!).

Draußen zieht es zu. Es gibt Spinatknödel in Parmesanbutter und ein Bier dazu. Draußen fängt es an zu schütten. Zum Dessert gönne ich mir eine heiße Schokolade und eine Münze für 3 Minuten warm Duschen. Draußen schneit es nun.

Das Benno-Helf-Hüttle.

Anschließend führt uns die Wirtin in den Anbau einer Nebenhütte – dort befindet sich die „Hundesuite“.

Die Hundesuite.

Das Benno-Helf-Hüttle ist leider nicht beheizt.
Mitten in der Nacht, als ich unter vier Decken und mit Mütze und Schal im Schlafsack immer noch leicht bibbere, muss ich es in Bello-Hilf-Hüttle umtaufen. Entgegen aller Hüttenvorschriften hole ich mir meine 1 Meter lange, fellummantelte Heizwurst ins Bett – sofort geht es uns beiden besser, warm wird es dann auch endlich und sogar ein paar Stündchen Schlaf (vielleicht auch nur Schockfrostung?) sind drin.

Die Entschädigung für diese etwas spezielle Nacht kommt mit dem Aufwachen – einen Moment lang halte ich den Ausblick aus dem Fenster für eine Fata Morgana.

Blick vom Benno-Helf-Hüttle hinüber zur Füssener Hütte.

Nach dem Frühstück geht’s ohne jegliches Gepäck hinauf auf die Große Schlicke. Die letzten 200 Höhenmeter durch den Schnee. Aber in der Sonne!

Wieder bei der Otto-Mayr-Hütte angekommen, nochmal eine kleine Stärkung für jede von uns…

…bevor wir uns von der hundefreundlichen Berg-Unterkunft verabschieden müssen.

Servus, Hundesuite!

Durch zauberhafte Morgennebelschwaden wandern wir auf menschenleeren Wegen wieder talwärts.

Fazit:

  • Man darf sich einfach nicht so oft vom Wetter abschrecken lassen und der Zimperlichkeit nachgeben.
  • Ab September künftig den Iso-Schlafsack mitnehmen, für Pippa nach einem Dackelschlafsack suchen.
  • Tee bei 5 Grad Außentemperatur in einer Thermoskanne mitnehmen, nicht in Aluflaschen.
  • Sonnencreme einpacken, auch wenn es bei der Abreise noch regnet.

Morgen noch den östlichen Teil vom Außerfern bewandern und belichten: Von Lermoss über die Tuftlalm und – sofern Füße und Pfoten uns so weit tragen wollen – hoch auf die Upsspitze – allein der Namen wegen!

Aus Biberwier grüßt –
Die Kraulquappe.

Evidenzerlebnis.

Nach 15 Jahren war ich gestern endlich wieder am Plansee, nur einen Steinschlagwurf hinter dem oberbayrischen Ammerwald gelegen, grad so in Tirol.

Was für eine Traumgegend, ich kam aus dem „Aha“- und „Öha“-Sagen bzw. -Fühlen gar nicht mehr heraus.

Erst einmal hatte ich diesen herrlichen Bergsee gesehen, mit 30 und als Sozia auf einer Oldtimer-BMW unterwegs. Leider war es nur ein kurzes Päuschen, das mir am Plansee vergönnt war: In sengender Mittagshitze gab’s ein Eis und einen Kaffee, der Schweiß lief einem in den dicken Motorradklamotten hinunter, trotz geöffneter Reißverschlüsse, aber man fand sich richtig cool bei so einem Wochenendausritt über Alpenpässe und Bergstraßen.

Damals schwor ich mir: Hier kommst du mal unverschwitzt her – und mit Zeit im Gepäck. Und wochentags.

Selbstverständlich hatte ich gestern meine kleine, treue Sozia dabei…

…die der Panoramarundweg genauso begeisterte wie mich.

Auf 18 Kilometern führt der mal schmalere, mal breitere Wanderweg durch abwechslungsreiche Vegetation: Bewaldete Hanglagen, urwaldartige Uferzonen oder in hügeligem Auf und Ab am Fuße sonniger Schotterkare entlang, fast immer mit Seeblick oder direkt am See.

Überall hübsche Badebuchten, Bänke und Spielgelegenheiten – der Tag verging wie im Flug!

Nur die Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs sind leider eher Touristenabzocke, aber mit eigenem Proviant im Rucksack waren wir weitgehend unabhängig und am Schluss erhielt ich sogar noch einen guten Einkehrtipp.
Das Dackelfräulein hatte nämlich gegen Ende der langen Tour und trotz diverser Sonderexkursionen, Holzarbeiten und Tauchgänge noch immer genug Energie, um mit dem Luis zu flirten.

Der junge, fesche und knackige Tiroler Bursche war der Jagdhund des Försters, also ging man ein Stück gemeinsam und unterhielt sich ein wenig…

…und so landeten wir schließlich noch (ohne Luis und den Förster) auf ein Bier in einer netten Alm.

Noch anderthalb Stunden einfach dagegessen, geradeaus geguckt, die Muster der Abendsonne auf dem See bestaunt, ein bisserl nachgedacht, ein paar Notizen gemacht für den nächsten Hundemagazin-Beitrag (Arbeitstitel: Mit dem Zamperl durch die Zugspitzregion.) und sehr zufrieden gewesen mit dem Ort, dem Tag und dass das alles stattgefunden hatte.

[Aus: Der große Polt. Ein Konversationslexikon.]

Ein wohltuendes Wochenende – garniert mit dem einen oder anderen „Öha“ – wünscht Euch
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (27): Auf einen Hupf zum Schlawinerschlupf.

Gestern hieß es den inneren Schweinehund überwinden, den echten Hund ins Auto packen und trotz Nieselregen in die Berge fahren. Kann ja nicht immer die Sonne scheinen.

Vom Wanderparkplatz bei Schloss Linderhof ging es los Richtung Brunnenkopf…

…an tosenden Wasserfällen entlang und durch die königlichen Jagdgründe hinauf…

…zu den Brunnenkopfhäusern, mit herrlichem Blick hinab ins Graswangtal (das ich überwiegend des Winters zu Langlaufzwecken aufsuche, ein Jammer)…

…und einer dank des schlechten Wetters menschenleeren Terrasse.

Bei der kleinen, urigen Alpenvereinshütte handelt es sich um einen Stützpunkt, der Mensch und Hund gleichermaßen gerecht wird…

…denn hinter der Hütte gibt es eigens einen Schlawinerschlupf…

…zwar falsch geschrieben, aber immerhin ohne zusätzlich falsches Apostroph (das ja bei solchen Gelegenheiten selten fehlt: „Schlawiener’s Schlupf“)…

… wobei es den Schlawiner nicht lange im Schlupf hielt, bei der für Dackelnasen so interessanten Nachbarschaft!

Nach heißer Schokolade und Apfelkuchen (der Herbst ist definitiv da!) war der Gipfelsprint dann auch noch drin…

…auf dem Rückweg dann nochmal kurzer Hütten- und Trinkstop…

…und anschließend wieder recht flott hinuntergehüpft ins Tal (der kleine Hund, so fit!).

Unten dann, beim Schuhwechsel, die Frage gewälzt, wann man eigentlich zum letzten Mal das Gelände von Schloss Linderhof betreten haben könnte: Bei den Langlauftouren gibt’s hier immer einen heißen Kakao im Schlosscafé, aber das zählt nicht, also vermutlich zu Schulzeiten oder mit dem Herrn Papa, von dem man seinerzeit halb beruflich, halb pädagogisch bedingt durch Oberbayern geschleift wurde.

Daher spontan ein kleiner Streifzug, wenigstens durch den königlichen Schlosspark, was nach 4 Stunden Bergtour auch ohne Leine ganz problemlos klappt, sogar die Aufseher drücken beide Augen zu (natürlich herrscht Leinenzwang auf dem gesamten Gelände).

Japanerinnen kichern und quietschen vor sich hin, wenn Pippa vorbeidackelt, bitten um ein Gruppenfoto (das ich dann schießen darf, schließlich geht es um den Dackel) und quietschen danach noch mehr, weil die Hundedame ihnen mal fix die Knöchel abgeleckt hat.

Glück und Wonne zu empfinden ist ja manchmal so kinderleicht!

Tipps zur Tour:

  • Keinesfalls am Wochenende nach Linderhof, ebensowenig bei zu gutem Wetter in der Hauptsaison, außer man ist sehr kontaktfreudig und dazu aufgelegt, Englisch zu sprechen (bzw. überhaupt zu sprechen).
  • Keinesfalls im Schlosscafé einkehren, dort oben auf der Brunnenkopfhütte ist es viel leckerer und auch günstiger (und außerdem sandalentourismusfrei).
  • Aufstieg vom Parkplatz zum Brunnenkopf: 818 Hm, vermutlich 2 Stunden, bis zur Hütte ca. 20 Min weniger. Abstieg auf demselben Weg.
  • Für Hundehalter: Ein Abstecher zur Linder (150m ab Parkplatz) lohnt sich, hier kann der Hund nach der Tour ungestört baden.
  • Das nächste Mal eine Mütze mitnehmen (frischer Wind da oben) und noch weiter bis zur Klammspitze (plus 2 Std).

Einen gemütlichen Abend wünscht
Die Kraulquappe.

Du sollst nicht Gipfel fressen. Ein Tourbericht.

Die Überschrift ist gemopst und entstammt Luis Trenkers 1. Bergsteigergebot.

Weiter heißt es in jenem Gebot:

„Du sollst keine Bergfahrt unternehmen, der du nicht gewachsen bist.
Du musst dem Berg überlegen sein und nicht der Berg dir!
Du sollst dir Zeit lassen und nicht mit dem Minutenzeiger um die Wette laufen.“

Ganz ehrlich: Ich war der Tour auf den höchsten Gipfel des Bayrischen Voralpenlandes grad so gewachsen – weder hab‘ ich den Krottenkopf gefressen, noch er mich. Dennoch: Es hätt‘ kein Meter mehr sein dürfen, vorgestern, an diesem sonnigen, heißen Dienstag.
Aber der Reihe nach!

Überpünktlich brachen Mr. Speedhiking und ich am Eschenloher Parkplatz bei bestem Bergwetter zum langen Anstieg auf den 2.086m hohen Krottenkopf auf. Die Tourenrucksäcke wurden geschultert, ein letzter Blick in die Karte und eine kleine Stärkung in den Rachen geworfen – und los ging’s.

Nach kurzem Warmmarschieren auf der Forststraße wählten wir – voller Tatendrang, ja fast schon Übermut – den Hahnbichlsteig mit dem verlockenden, das Sportler-Ego streichelnden Zusatz „nur für Geübte“.

Schließlich trug ich an dem Tag ein Shirt, das der Verkäufer im Sportgeschäft seinerzeit mit dem Kommentar „für die ambitionierte Hikerin“ mühelos an den Mann bzw. die Frau hat bringen können. Und auch Herr Speed (im Weiteren leserfreundlich mit „S.“ abgekürzt) wollte seiner frisch genähten Berghose mehr bieten als läppische Forststraßen. In flottem Tempo ging es also auf schmalem Pfad den bewaldeten Hang knackig steil hinauf.

Bis der Steig auf einmal endete und die Bedeutung der Redewendung „Ich glaub, ich steh im Wald“ erlebbar werden ließ. Vom Abenteuer Hörnle-Abstieg der letzten Woche noch immer recht beseelt, wurde schnell beschlossen, meinem Orientierungssinn und meiner Erinnerung an die letzte Krottenkopf-Tour zu folgen („der Sonne entgegen“ / „gefühlsmäßig müssen wir weiter nach links“) und so schlugen wir uns in einem Linksbogen weiter bergauf durch den Wald. Zunächst wurde dabei noch fröhlich blödelnd ein gemeinsames Buchprojekt aus der Taufe gehoben (Arbeitstitel: „Weglos durch die Münchner Hausberge“), bis nach einem extrem anstrengenden Viertelstündchen das Gescherze jäh endete und der Einsicht wich: Mit solch schwerem Gepäck auf dem Rücken stapft man nicht einfach so den Steilhang irgendwo unterhalb des Elferköpfls hinauf und vertraut auf Sonne und Gefühl (wobei ich zu meiner Ehrenrettung sagen muss: es war korrekt erinnert). Also umgedreht, durch wegloses Gelände wieder bergab geeiert, bis man auf den Hahnbichlsteig traf, den man nie bewusst verlassen hatte. Kräftezehrende Sequenz.

Ziemlich verschwitzt und geschafft erreichten wir zur Mittagszeit die wunderschöne Wiese bei der Pustertal-Jagdhütte, die sich für eine Pause und einen ersten Kistenblick anbot (Hohe Kiste, 1.922m, an der man beim Aufstieg vorbeikommt). Die vielen Bremsen, die hier noch durch meine Erinnerung schwirrten, blieben fern – vermutlich war es ihnen zu heiß. Schweigend verzehrte jeder seine Würstchen mit oder ohne Brot, triefende T-Shirts wurden gewechselt, geschundene Bandscheiben auf der Liegebank wieder zurechtgerückt.

Bevor wir aufbrachen, durfte ich Bekanntschaft mit dem 2. Trenkerschen Berggebot machen, das da lautet:

„Du sollst jede Bergfahrt sorgfältig vorbereiten.
Dein geistiges Rüstzeug sei ebenso vollkommen wie deine alpine Ausrüstung.
Du sollst nicht vergessen, dass die Berge voll Gefahren sind.“

 

Speedsches Alpin-Equipment: Notapotheke und Nähset immer dabei.

S. befestigte den mich seit Tourstart im Nacken kratzenden Haltegurt meines Rucksacks mit Hilfe einer Sicherheitsnadel so, dass er sich die nächsten zwei Tage nicht mehr vom Fleck rührte. (Im Gegenzug kam S. gut zwei Stunden später ebenfalls in den Genuss von Gebot Nr. 2, als er auf der Zielgeraden zur Weilheimer Hütte eine winzige Performanceschwäche zeigte und ich die von ihm kurz zur Belüftung abgelegte Schirmmütze vor dem Vergessen bewahrte.)

Nach der Rast im Pustertal stiegen wir durch latschenkieferngesäumte Serpentinen südlich in einen Karboden ein und schließlich in großen Kehren über zunehmend steiles Geröll bis unter die Gipfelfelsen der Hohen Kiste.

Blick von der Pustertal-Hütte hinauf zum Kamm des Estergebirges.

In Bildmitte oben: Die Hohe Kiste. In Falllinie darunter: Dr. Schmitt spielt Wegweiser.

Querung des Geröllfelds unterhalb der Hohen Kiste.

Ein Segen, dass just zu der Zeit, als wir in den Karboden einstiegen, das einzige Wölkchen des Tages etwas Schatten spendete, da ich mir ziemlich unsicher war, ob die 50er-Sonnencreme sich nicht längst rausgeschwitzt hatte.
Ebenfalls ein Segen, dass das Ausbüxen und Wiedereinfangen des Schneehasens mir immer wieder kleine Verschnaufpausen verschaffte.

Mountain hare on tour.

Letzter Blick gen Norden zu Heimgarten/Herzogstand, Walchensee und Simmetsberg (sic!).

Endlich war der Kamm erreicht! Vor uns lag nun – als Belohnung für all die Mühsal – der Bergkessel des Estergebirges in seiner ganzen Weite und Pracht, mit einer Fernsicht bis weit ins Karwendelgebirge hinein.
Rechts zweigte der Weg zur Weilheimer Hütte und dem Krottenkopf ab – die letzte Etappe brach an.

Panorama unterhalb der Hohen Kiste nach Osten.

Im Moment noch ein winziger Punkt am Horizont (sh. roter Pfeil): Die Weilheimer Hütte.

Die letzten Wasservorräte waren aufgebraucht, der Tourenrucksack schmerzte die eh schon lädierte Schulter, die Trittsicherheit war auch nicht mehr ganz die gewohnte, die Sonne brannte wieder vom Himmel und allmählich begann man sich wirklich nach einer Sitzgelegenheit und einem Kaltgetränk zu sehnen. So muss es sein auf den letzten Metern vor der Hütte.

In greifbare Nähe gerückt!

Ziel erreicht!

Weilheimer Hütte auf 1.956 Metern.

Idyllisch schmiegt sich das auch als Krottenkopfhütte bekannte Alpenvereinshaus in einen Wiesensattel zwischen Krottenkopf und Bischof. Rundherum hört man nichts außer dem Glockengebimmel der Schafe, die hier oben weiden. Ein kleines Paradies, vor allem, wenn man länger bleibt als die Tagesgäste und gegen Abend in den vollen Genuss des Bergfriedens kommt.

Ausgiebige Trinkpause auf der schattigen Hüttenterrasse.

Nach 6 Stunden Gehen und Schwitzen war erstmal Ausruhen angesagt. Beim kühlen Gehopften wurden die verbleibenden Programmpunkte des Tages – Mahlzeiten, Gipfelaufstieg, Zimmerbeziehen, Katzenwäsche, Fotowünsche – abgestimmt und priorisiert.

Vom Hüttenwirt ließen wir uns unsere Lagerplätze zuweisen, stellten die Rucksäcke vor den Stockbetten ab und machten uns auf zum Krottenkopf.

Anstieg zum Krottenkopf.

Herrliche 20 Minuten Bergaufgehen ohne jede Beschwernis, das war mindestens ebenso traumhaft wie das Gipfelpanorama.

Unten im Isartal die Ortschaft Krün, daneben der Barmsee, rechts die Ausläufer der Buckelwiesen vor Mittenwald – und all das vor der Kulisse des imposanten Karwendelgebirges.

Dort oben in über 2.000m Höhe ereignete sich einer der wenigen Sozialkontakte der ganzen Tour (ausgerechnet mit Schwaben!), zu dem man sich nur aufraffte, um der Nachwelt ein gemeinsames Gipfelfoto präsentieren zu können (ansonsten herrschte Einigkeit über das Abstandhalten zu jedweder Berghütten-Kumpanei à la „Und, wo kimmt’s ihr her?“).

Mr. Speedhiking & Mrs. Kraulquappe on top.

Wieder bei der Hütte angekommen stand der Gang in den Waschraum an (Waschbecken mit einem Rinnsal eiskalten Wassers), anschließend wurde die Hütten-Auszeichnung – das Gütesiegel „So schmecken die Berge“ – einer gründlichen Prüfung unterzogen.

DAV-Bergsteigeressen und -trinken.

Nach dem letzten Bissen und Schluck konnte das 6. Gebot Luis Trenkers getrost für überholt erklärt werden:

„Du sollst dich bescheiden. Du sollst die Schutzhütte würdigen, als wäre es dein Haus
und keine Ansprüche stellen, die nur ein Hotel befriedigen kann.“

Satt, zufrieden und wieder passabel bei Kräften wollte ich den Sonnenuntergang noch zu einem kleinen Fotoshooting nutzen (Zugspitzblick wird hier oben auch geboten!) und einen kleinen Abstecher ein paar Meter westwärts der Hütte machen.
S. hingegen plädierte dafür, sich doch „mal kurz hinzulegen“, nur mal einen Moment die Beine auszustrecken und danach nochmal loszuziehen. Nun gut, stiegen wir also ins Hüttenobergeschoss, packten die Schlafsäcke auf die Matratzen und legten uns mal kurz hin.

An dieser Stelle komme ich um einen kleinen Exkurs nicht umhin.
Eines muss man nämlich mal klipp und klar sagen: Der Romantikfaktor alpiner Nächtigungen gehört zu den von Bergsteigern und ihren im Tal gebliebenen Angehörigen am meisten und gnadenlosesten überschätzten Phänomenen. Bis zu 16 mehr oder weniger stinkende, schnarchende, herumkruschelnde, sich im raschelnden Schlafsack umdrehende und bei jedem Klogang die Holzdielen zum Knarzen bringende Wanderer beiderlei Geschlechts in einem Raum mit nur zwei kleinen Luken zur Frischluftzufuhr und etlichen an Bettpfosten baumelnden Mobiles aus getragenen Socken, Shirts etc., das ist die Realität dort oben… – noch Fragen?!

Man kann bei so einer Hüttenübernachtung schon froh sein, wenn man Ohrstöpsel dabei hat, nicht unmittelbar neben dem übelsten Schnarcher des Saales liegt und wenigstens für ein paar Stunden ein Auge zutun kann. Bis vorgestern dachte ich, es ginge den meisten so wie mir. Aber ich lernte, dass andere in dieser Atmosphäre bestens schlafen, besser als daheim sogar, und ich lernte des Weiteren, dass „mal kurz hinlegen“ glatt ein Zeitfenster von 10 Stunden am Stück umfassen kann.

Den Sonnenuntergang habe ich mir dann alleine angeschaut, die vielen nächtlichen Störungen mit mir alleine ausgemacht und als ich um 6:30 Uhr schon wieder wach war, konnte ich mich einer leichten Beunruhigung nicht erwehren, weil S. immer noch schlief.
[Mein Tipp: Sollten Sie je mit Mr. Speedhiking persönlich zu tun haben, achten Sie genau auf seine Wortwahl. Wenn er Ihnen zuruft, er ginge mal kurz Rauchwaren holen (oder sich Hinlegen), seien Sie nicht irritiert, ihn erst einen halben Tag später wieder in personam (oder wach) anzutreffen. Gestalten Sie die freie Zeit nach eigenem Gutdünken und machen Sie sich derweil bloß keine Sorgen.]

Zum auf der Terrasse serviertem Morgenkaffee und Müsli mit frischem Obst (besser als in manchem Hotel!) traf man einander gegen 7:45 Uhr dann doch mal wieder.
S. munter und bestens erholt, ich noch reichlich dramhappad.

Morgenstimmung in den Bergen.

Auch die Schwaben vom Vorabend waren noch da, ebenfalls schon putzmunter, und boten mittlerweile sogar ungefragt ihre Fotografierkünste an.

Sonnenbank vor der Weilheimer Hütte.

Als auch ich einigermaßen in den Tag hineingefunden hatte, starteten wir den Abstieg in südlicher Richtung. Ein paar Gemsen turnten durch den morgendlich feuchten Hang und hielten genauso wie wir inne als man einander bemerkte, ein strahlend blauer Himmel versprach einen weiteren grandiosen Spätsommertag.

Mit Blick auf den Wank, den Garmischer Hausberg, und das hinter dem Hohen Fricken hervorlugende Wettersteingebirge ging es in gut 3 Stunden recht flott (von hinten drohte Gesellschaft, man musste sich also sputen) und ohne Pause (Proviant hatten wir ja keinen mehr) ins Tal zurück.

In Farchant fielen wir in sengender Mittagshitze in den schattigen Gastgarten der ersten Pizzeria am Ort ein, die eigentlich ganz hübsch am Loisachufer läge, wäre sie nicht aktuell umgeben von einer großen Baugrube.

Mittagsimbiss in Farchant – Idylle geht anders.

Hernach mit der Regionalbahn noch die zwei Stationen zurück nach Eschenlohe gefahren und auf dem Weg zum Parkplatz über die dritte gemeinsame Tour räsoniert.

Eschenlohe am Fuße des Estergebirges.

Fazit:
– Bergbegleitung war tadellos. Bis auf Schlafrhythmus und -dauer sowie die Haltung zu Butterbroten und Biersorten äußerst tourentaugliche Harmonie.
– Mit schwerem Tourenrucksack keine Albereien mehr in weglosem, steilen Gelände. Sich außerdem weiter in der Kunst des Kartenlesens üben.
– Keine überflüssigen Käsestücke mitschleppen, die am nächsten Tag geschmolzen sind und entsorgt werden müssen, stattdessen lieber einen Liter Flüssigkeit mehr einpacken, um unterwegs nicht zu delirieren (Wege sehen, wo keine sind usw.).
– Drei Flaschen Anti-Mücken-, Bremsen- und Zeckenspray sind zu viel des Guten für zwei Bergtage.
– Hässliche, alte Skiunterwäsche als Nachtdress ist völlig unproblematisch, sieht eh keiner.
– Ersatzakku oder Ladekabel fürs Handy mitnehmen, damit man auch am nächsten Tag den Angehörigen daheim noch einen guten Morgen wünschen kann oder Google Maps zur Wegsuche in fremden Talorten bemühen kann.
– Zusätzlichen Geldschein einstecken, um den Hüttenwirt zwecks Schlafstatt in Fensternähe bestechen zu können, falls man nicht der Erstankömmling im Zimmer ist.
– Zwei stabile Schönwettertage in Folge umgehend nutzen. Ehe man sich’s versieht, regnet’s schon wieder.
– Wem das hier noch nicht reicht: Die Allgäuer Betrachtungen zu dieser Tour werden über kurz oder lang mit Sicherheit hier nachzulesen sein.

Gute Nacht und einen passablen Septemberauftakt wünscht
Die Kraulquappe.

Kraulquappe goes Krottenkopf!

Ziemlich unerwartet ging heute meine Wartephase auf die Entscheidungen anderer in die nächste Runde.
Der Verlag, der ein Auge auf mich geworfen hat, weswegen ich teils kein Auge mehr zugetan habe, macht nun erstmal urlaubs- und entscheidungsschwierigkeitsbedingt die Augen zu und lässt mich weiter warten – bis Mitte Oktober!

Nun denn, somit startet auch mein PPA (=persönliches positives Ablenkungsprogramm) in eine Verlängerungsrunde.
Um die überraschende 6-wöchige Wartezugabe sacken zu lassen, empfiehlt es sich, erstmal intensiv durchzuatmen und sich die Sache gründlich rauszuschwitzen.

Außerdem ist nach 13 Touren das Fitnesslevel sowieso an einem Punkt angelangt, an dem alles nach einer neuen Herausforderung schreit.

1.400 Höhenmeter wollen bezwungen werden – von Eschenlohe geht es in 5 Stunden über die Hohe Kisten hinauf zum Krottenkopf. Dessen Gipfel hat die die Form einer kauernden Kröte, im Dialekt der Einheimischen auch „Krout’n“ genannt, daher der Name. Aber hieße er Karottenkopf hätte ich ihn genauso erwählt. Schließlich ist er mit 2.086m der höchste Berg der Bayerischen Voralpen. Zuletzt war ich vor 4 Jahren da oben, als das linke Knie noch gesund und munter war. Mal sehen, wie es sich nun so geht.

Übernachtet wird auf der Weilheimer Hütte knapp unterhalb des Krottenkopfgipfels (denn die Zeiten, in denen man 1.400Hm rauf und auch wieder runter rannte, sind definitiv vorbei), in der Hoffnung auf viel Alpenglühen und wenig Schnarcher rundum, auf einen tollen Blick hinüber zur untergehenden Sonne hinter dem Zugspitzmassiv und eine weitere gelungene Expedition zusammen mit Mr. Speedhiking, der zu diesem Behufe die nicht ganz kurze Anreise ins Estergebirge auf sich nimmt (dafür aber wohl immer noch mit ungenähter Hose hikt – gut Ding will Weile haben).

@Hr. Speed: Karte liegt bereit, ebenso 4x Müsliriegel für den Steilhang.

Dem Gatten sei herzlich gedankt für die Betreuung des Dackelfräuleins mitten in einer vollen Arbeitswoche und das sogar unter Verzicht aufs Automobil, gottseidank bringt einen die U-Bahn von hier in nur 8 Minuten rüber an die Isarauen.

Hiermit verabschiede ich mich für die nächsten Tage und wünsche der treuen Leserschaft eine gelungene Woche ohne blöde Wartezeiten und mit viel Sonnenschein!

Breaking the branches.

Es gibt so Bergtage, an deren Ende man nur noch müde, zufrieden und mit glühenden Fußsohlen unter die Decke schlüpfen kann.

Ganz kurz zuckte noch ein erinnertes Gedicht von Morgenstern durch meine schläfrigen Gedanken – von einem, der sich im Gebirge verlief und glücklicherweise einen anderen traf, mit dem er den Weg hinaus- bzw. hinunter fand -, dann war ich auch schon eingeschlafen.

Aussicht vom Hinteren Hörnle auf Murnauer Moos und Staffelsee.

Eine tolle Tour war das, am gestrigen Mittwoch. Das Dackelfräulein und ich stiegen mit Mr. Speedhiking von Bad Kohlgrub hinauf aufs Hörnle…

…rasteten und ratschten auf der Hörndl-Hütte (die veraltete Bezeichnung!) und aßen dort leider zu wenig in Anbetracht dessen, was noch vor uns lag, wir aber hier noch nicht ahnten.

Von der Hütte ging’s weiter am Mittleren Hörnle vorbei Richtung Hinteres Hörnle, vor dem letzten Gipfelanstieg nochmal ein kleines Päuschen mit schönen Ausblicken Richtung Zugspitze und Ammergauer Alpen…

…während Dr. Schmitt, der Schneehase von Hr. Speed, sich lieber auf etwas Distanz hielt zum recht spielfreudigen und jagdlustigen Hund…

…und die Aussicht gen Norden genoss, bevor unsere kleine Seilschaft weiter zum Gipfelkreuz hochschnaufte.

Die beiden Speedhiker immer vorneweg!

Oben angekommen labten wir uns am Rundumblick – der von der Benediktenwand und Heimgarten über das Estergebirge bis ins Karwendel und die Mieminger Kette reichte -, …

…teilten die letzten in den Rucksäcken auffindbaren Kalorien und studierten die Karte für den Abstieg Richtung Großenast, den ich vor der Tour als herrlich menschenleer angepriesen hatte, da er etwas schwer zu finden sei.

Nun, wir fanden ihn gar nicht, und turnten also die gut 700 Höhenmeter durch einen definitiv menschenleeren, weitgehend weglosen, waldigen Steilhang bergab. Expeditionen, die man nicht mit jedem unternehmen, geschweige denn genießen kann! Man könnte auch sagen: Eine erste Bewährungsprobe unserer noch jungen Bergfreundschaft.

Pippa wieselte begeistert den schattigen Hang hinunter, auf Waldboden läuft sie stets zur Höchstform auf, manchmal wünscht man sich auch vier so bodennahe Beine, da müsste man sich weniger in die Stöcke krallen, um ja nicht ins Rutschen zu geraten und sich dabei womöglich das meniskusoperierte Knie zu verdrehen.

Als Pfadfinder bewährten sich Herr Speed und Frau Hund gleichermaßen, es herrschte konzentrierte Stille, unterbrochen nur von knappen Rufen wie „Hierher!“, „Geht’s?“ oder „Vorsicht, Ast!“. Letzterer erübrigte sich dann noch und wurde durch geräuschvolles Knacken ersetzt – Herr Speed brach einfach alle sich riskant auf Gesichtshöhe befindenden Äste ab, so dass ich freie Bahn hatte und unversehrt von dem abenteuerlichen Abstieg ins Tal gelangte.

Irgendwo zwischen Großenast und Bad Kohlgrub.

Überhaupt kann so eine versierte Bergbegleitung sehr vielfältig eingesetzt werden: Als Sherpa fürs Dackelfräulein, als Sonnenbrille-aus-dem-Rucksack-Holer, als Interpret topographischen Kartenmaterials, als Stockhalter, als Schattenspender für sonnengepeinigte Hunde oder Hasen und eben auch als Ästewegbrecher. Eine durchaus kommode Sache, natürlich nur, wenn’s auch sonst passt und man konditionell und kommunikativ harmoniert.

Die Oberschenkel brannten etwas vom Abstieg, oder schieben wir’s einfach darauf, dass man sich im Tal unten erneut verlief und im Ortskern landete, wo man gar nicht hinwollte. Nochmal schweißtreibener Gegenanstieg durchs Kurgebiet zum Wanderparkplatz, neben dem gottseidank ein Biergarten am Rande der Almwiesen lag und den Verbrauch letzter Kraftreserven auszugleichen wusste (der klägliche Müsliriegel war Stunden her).

Erschöpft-verwackeltes Festhalten der letzten Meter vor der Guggenberg-Alm.

In diesem Sinne : „Der Steig war steil, doch wagten wir’s gemeinsam…“
(Christian Morgenstern: „An den Andern“)…

…ich freu‘ mich auf weiteres Ästebrechen, Pfadefinden und Knödelessen unter dem Himmel der Bayern!