Kleines Daumenkino oder: So eine Art Wochenrückblick.

Die Tage am Tegernsee waren nicht ganz unanstrengend.
Zum einen wegen der Tiefschneestapferei bergauf- und abwärts, über die wir natürlich nicht ernsthaft jammern wollen, weil das herrliche Wetter und das Tagestouristenverbot, das ja nun schon wieder aufgehoben wurde, einmalige, ach was sag ich: geradezu paradiesische Rahmenbedingungen für diese Ausflüge schufen.

Allein auf weiter Flur, das Fräulein putzmunter auf der Piste, problemlos stundenlang ohne Mantel, ich meist ohne Mütze/Handschuhe/Jacke hinterher, Mittagsrast in der Sonne, mit Krapfen und Knackwürstchen, bei einem der Abstiege kamen uns bereits die ersten Einheimischen in kurzen Hosen und Hemden entgegengehikt, ein Hauch von Frühlingsgefühlen umflatterte einen im gleißenden Glitzerlicht der Spätnachmittagssonne, den restlichen Abend flatterten dann allerdings die Beine von dem Surfen im sulzigen Schnee.

Zum anderen war’s anstrengend aufgrund der pandemie- und parkinsonbedingten Lage des Papas und der Lebensgefährtin.
Gelinde gesagt spitzen sich die diversen Schwierigkeiten, die freilich schon in der alten Normalität vorhanden waren, dort aber noch nicht gar so ins Gewicht fielen, im (Zusammen-)Leben der beiden allmählich zu. Der Papa nimmt nur noch die nötigsten Therapien wahr (das Angebot wurde wg. Corona eingeschränkt) und hat darüberhinaus irgendwie die Motivation verloren, sich ernsthaft für eine Verbesserung seiner Situation zu engagieren („Die Treppengeherei hier im Haus strengt mich schon genug an!“ ) und sieht als Betriebswirt auch nach dem Ende des Coronawinters noch so viel Düsternis und Kahlschlag nahen, dass er sich einem gewissen Grundpessimismus anheimgibt („Das wird da draußen in der Welt eh alles nix mehr!“ ). Die Lebensgefährtin muss alle Besorgungen des Alltags alleine bewältigen, weil der Papa seinen Radius recht konsequent auf die paar Meter zwischen Sofa, Küche und Esstisch beschränkt. Ihre Canastarunde, ihre Tennisstunden und das wöchentliche Freitags-Damenkaffeekränzchen – nichts davon findet mehr statt. Die Enkel kommen aus Sicherheitsgründen auch nicht mehr vorbei. Freunde sowieso nicht.
Nur ich, ab und zu, und das fällt für die Lebensgefährtin nicht gerade unter die Rubrik „Highlights“, soweit hat es noch nicht mal der wochenlange Lockdown gebracht (unser Verhältnis wird in diesem Leben nicht mehr über das einer befriedeten Koexistenz hinausgehen, in etwa vergleichbar mit der von Katz‘ & Hund, die nicht von kleinauf aneinander gewöhnt wurden, sondern zwangsweise lernen mussten, gelegentlich auf demselben Hof zu leben und in den Zeiten solcher Zusammentreffen Zank und Zwist aus Gründen der Ressourcenschonung so gut es geht zu vermeiden).
Da der Input der Außenwelt nicht mehr aus Begegnungen/Reisen/Kultur besteht, sondern Post und Nachrichten das Einzige sind, was derzeit noch von draußen hineindringt zu den beiden, gibt es während meines Besuchs neben der nicht endenwollenden Pandemie und der gottseidank beendeten Präsidentschaft Trumps nicht allzu viele Gesprächsthemen. „Es passiert ja nichts mehr bei uns“ , klagen beide, alles fühle sich an wie in diesem Film mit dem Murmeltier, ein Tag gleiche dem anderen.
Leider haben die beiden sich – womöglich um das Alltagseinerlei zu durchbrechen? – angewöhnt, sinnlose Streitereien über Kleinkram zu führen, kleinlichste Klärungen von Schuldfragen werden auf einmal ganz groß ausgefochten und selbst das Ergebnis dieser Fehden ist genauso wie der Murmeltiertag: beliebig, austauschbar, ermüdend.
Für den Papa ist es sichtlich schön, dass das Dackelfräulein und ich für ein paar Tage im Haus sind, das beschert seinem Tag eine andere Struktur und bringt neue Aufgaben mit sich („Hast du einen Wunsch, was du essen möchtest?“). Jeder Handgriff in der Küche geht quälend langsam vonstatten, helfen lassen will er sich nicht (nicht aus falschem Ehrgeiz heraus, sondern weil er es – genau wie ich – hasst, wenn ihm jemand in der Küche reinredet oder reinpfuscht, unter Teamplayern wird das Mithelfen genannt und ist stets gut gemeinter Terror), sein Bemühen um die Mahlzeiten rührt mich, vermischt sich aber spürbar mit einer schweren Sorge: Wie lange schafft er das noch? Und wenn er’s mal nicht mehr schafft – was ist dann?

Richtig rührselig wird es schließlich in zwei Momenten.
Der eine: als ich mir abends das Akkordeon schnappe und meine bisherigen La-Paloma-Versuche zum Besten gebe – da hat er Tränen in den Augen und lobt mich (beides eine absolute Ausnahmeerscheinung). Wir besprechen, welches Repertoire ich mir noch aneignen könnte, damit es dereinst im Pflegeheim genug zu singen gibt. Lili Marleen wünscht er sich sehr, ebenso Hey Jude und Wir lagen vor Madagaskar, und ich bestelle mir sofort die Noten.
Der andere: die Telekom schreibt ihm, dass sein Uralt-Handy ab dem Zeitpunkt der Abschaltung des 3G-Netzes nicht mehr funktionieren wird und offeriert einen neuen Vertrag samt neuem Gerät, natürlich ein Smartphone, was er aber für seine letzten Lebensjahre unbedingt vermeiden wollte. Mit zittriger Hand reicht er mir das Schreiben und fragt, was er denn nun tun solle und gesteht mir im selben Atemzug, er habe noch so einen blöden Brief bekommen, nämlich von seiner Bank, die ihn darauf einstimmt, dass er die fürs Online-Banking benötigte TAN künftig von einer App generieren lassen müsse („…und App, das heißt doch dann auch wieder Smartphone, oder?“ ).

Beide sind wir noch immer recht ungeübt in diesem Rollentausch, obwohl der sich an manchen Punkten eh längst vollzogen hat, der Startschuss dazu fiel ja schon vor fünfeinhalb Jahren auf unserer letzten gemeinsamen Reise, nämlich am Abreisemorgen in dem kleinen, hektischen Hotel mitten in Helsinki, in dem sie nur Finnisch, Schwedisch, Russisch oder Englisch sprachen, was den Papa sichtlich überforderte, so dass er zum allerersten Mal die Abwicklung des Auscheckens und das Ordern des Taxis, das uns zum Flughafen bringen sollte, mir überließ, und ich fast ins Stottern geriet, als ich mit der Rezeptionistin sprach und ihn währenddessen mit etwas verlorenem Blick neben unseren Koffern in der Lobby sitzen sah, er, der mir bis zu diesem Augenblick jahrzehntelang das Gefühl gegeben hatte, immerzu alles im Griff zu haben und geregelt zu bekommen – und nun war plötzlich ich an der Reihe…

Zurück zur vergangenen Woche.
Die letzten beiden Stunden meines Besuchs am Tegernsse verbringe ich also damit, den Herrn Vater zu beruhigen, dass der Wechsel von seinem Nokia 3310 auf ein Smartphone nicht den Weltuntergang einläuten wird, sondern er auch mit „so einem Scheißgerät“ weiterhin ganz normal würde telefonieren können, ohne Verwendung „fürchterlicher Apps“ , denn die bräuchte er nur für ein paar wenige andere Dinge. Er guckte grantig, hörte mir aber geduldig zu, fuhr nebenbei mit dem Zeigefinger seiner nicht-parkinson-betroffenen Hand unaufhörlich und Rille für Rille des vor ihm liegenden Tischsets ab und nickte ab und zu stumm. Schwer zu sagen, ob er das Tun seines eigenen Fingers abnickte oder meinen Vortrag über die Vorzüge eines Smartphones, ich tippe eher auf Ersteres.
Bevor ich mich ins Auto setze, um nachhause zu fahren, verspreche ich ihm, mich daheim in München bald um die Vertragsänderung zu kümmern.
Mal langsam!“ , interveniert er, das müsse man doch jetzt nicht überstürzen, das liefe einem ja nicht davon und da wolle er schon noch ein Weilchen selbst den Daumen drauf haben.
Und damit beschloss er das Thema.

Apropos Daumen. Hat irgendwer von Ihnen in den Wintermonaten vielleicht auch diese Probleme mit einreißenden Fingerkuppen? Und verwendet zur heilenden und schützenden Abdichtung solche Spezialpflaster (konkret: Compeed für Fingerkuppen)? Kriegen Sie das hin? Klappt das bei Ihnen?
Ich plage mich seit zwei Wochen mit deren Anwendung herum und wäre äußerst dankbar für jedweden Tipp zum zügigen, korrekten und vor allem zerstörungsfreien Anbringen jener Heilmittel auf kaputte Daumenkuppen.

Bis vor einigen Jahren nannte ich diese allwinterliche Daumenkuppendauerverletzung noch meinen „Langlaufdaumen“ , weil das Phänomen damals nur auftrat, wenn ich nach ein paar Stunden in der Loipe meine trotz dieses strapaziösen Sports immer noch dauereiskalten Finger aus den etwas zu starren und nicht optimal sitzenden Handschuhen entließ.
Manchmal blutete die Daumenkuppe sogar schon im Handschuh und wenn es besonders blöd lief, verklebte die Wunde noch während des Sports mit dem Stoff und das Abziehen des Handschuhs war dann ziemlich schmerzhaft.
Der Riss im Daumen wuchs während der Wintermonate nie so richtig zu, weil immer wieder ein neuer Langlaufausflug dazwischen kam und das Ganze damit wieder von vorne begann. Auch neue Handschuhe schufen keine Abhilfe, herkömmliche Pflaster sowieso nicht und diese Superdinger von Compeed gab es damals noch nicht.
Mittlerweile betreibe ich keinen Langlauf mehr (neben Gassigehen, Bergtouren und Joggingrunden habe ich definitiv keine Lust auf eine weitere Bewegungsvariante, die per pedes ausgeübt wird), nur der Langlaufdaumen, der ist mir geblieben bzw. kehrt zuverlässig Winter für Winter zurück.
Dafür gibt es zwischenzeitlich eine immense Erweiterung der Pflaster-Palette von Compeed, die ich zunächst zur Anwendung am zerschundenen Wanderstiefelfuß kennen- und schätzen lernte (simple Anwendung, tolle Wirkung), dann für lästigen Lippenherpes (schon nicht mehr ganz so simple Anwendung, falls es aber gelingt: gute Wirkung) und nun auch gern meinem winterwunden Däumchen angedeihen lassen würde, wenn ich denn in der Lage wäre, das blöde Teil so anzubringen, dass es dort haften bliebe und wirkte.

Und wo wir gerade bei den Gebrechen sind: Nach langer Suche habe ich ein Online-Yoga-Portal gefunden, das mich weder zu sehr mit spirituellem Beiwerk belastet noch in eine Community hineinzwängt, sondern mir einfach und für wenig Geld ermöglicht, meinen schwimmbadschließungsbedingten Schulter- und Nackenbeschwerden entgegenzuwirken und generell ein wenig an der ohnehin längst verlorengegangenen Geschmeidigkeit zu arbeiten.
Ja, ich formuliere das bewusst so: zu arbeiten. Denn Spaß ist das (noch) nicht, wenn man in mancher Haltung statt fünf Atemzügen nur zwei schafft oder bereits mit dem Erreichen der Haltung wie ein Mehlsack, der Schlagseite bekommen hat, auf seiner Matte umkippt, und dabei noch dazu von den Homeoffizieren im Haus gegenüber beobachtet werden könnte.
Nicht alles wird ja während so eines Lockdowns reduzierter oder distanzierter, im Gegenteil: manches enthemmt und entgrenzt sich geradezu schamlos, sind ja schließlich alle daheim und haben Fenster (und wer arbeitet oder trainiert schon bei heruntergelassener Jalousie oder zugezogenen Vorhängen).
Jedenfalls ist der Onlinekurs recht erträglich, vor allem sprachlich gefällt er mir, weil etliche der Lehrer, die einen schinden, Österreicher sind. Da klingt manches gleich viel charmanter und selbst wenn mal ein „Ommmm“ gebrummt wird, schwingt da viel mehr Gutturales mit, als es ein hochdeutsch sprechender Yogi je zustande bekäme.

Sonst ist alles murmeltiermäßig.
Die Konturen dieser Winterwochen verschwimmen allmählich. Ich schreibe wieder, auf einmal fließt es wieder, erfreulich ist das. Zwei Begegnungen pro Woche, 1x mit dem hübsch Bewimperten, 1x mit D., wie gehabt. Drei- bis viermal Sport oder sowas in der Art. Einmal wöchentlich ein Wannenschaumbad, bevorzugt nach dem Wochenendlauf im Park. Natur und Berge so oft es die Verpflichtungen erlauben. An fünf von sieben Abenden wird eine Dreiviertelstunde auf dem Akkordeon geübt. An ebenso vielen Abenden trifft sich das gesamte Rudel gegen 20:30 Uhr auf der Couch zum Serie-Gucken, mittlerweile sind wir in einem Alter, in dem man nach 8-10 Jahren dieselbe Serie glatt ein zweites Mal ansehen kann und sich genauso gruselt wie beim ersten Mal. Die Krapfensucht hat ihren Zenit noch nicht überschritten, obwohl ich ihr nun in Woche 2 nahezu täglich fröne, dummerweise ist die Konditorei Kustermann fußläufig nur drei Minuten von unserem Home & Office entfernt und macht die besten Hagebuttenkrapfen der Stadt (unfettig, schön groß, sehr luftig, mit nicht zu süßer, eher dunkler Hagebuttenmarmelade befüllt, die – wichtig! – nirgends raustrieft, wenn man den ersten Bissen nimmt und vor allem: die leckeren Dinger sind – so gehört sich das! – ausschließlich mit Puderzucker bestäubt, und zwar nicht zu dick – mit diesen lackierten Trümmern, womöglich noch mit Farbe im Lack, können Sie mich jagen, mit den diversen Füllungsvarianten erst recht).

München versinkt seit gestern im Schnee. In den Isarauen und auf der Schneeresienwiese wird Langlauf gemacht, die homeschoolingmüden Kinder aus dem Viertel rodeln neben der Bavaria den Hang hinunter. Die Zamperln dieser schönen Stadt kriegen sich nicht mehr ein vor Freude an der weißen Pracht, das Dackelfräulein gräbt unter der Schneedecke einen großen Ast hervor und rastet anschließend aus wie zu Welpentagen.

Nebeneffekte der Pandemie.

Das Dackelfräulein profitiert ja ziemlich davon, dass der Gatte den Großteil des Sommersemesters 2020 homeoffizierend in München verbracht hat.

Einladung zu einer Joggingrunde!

Lust auf ein bisschen zerebrales Workout?
Dann kommen Sie doch mit auf eine Runde Gehirnjogging (oder sagt man Brainjogging?)!

Und das geht so:

Von meinem coronaren City-Walk (heut heißt ja alles irgendwie auf Englisch, keine Sau sagt mehr Stadtspaziergang oder so) durch die Hood (mein neuestes Hass-Wort) hab ich Ihnen ein paar Pics mitgebracht, zufällig 13 an der Zahl, die echt zu schade für diesen Insta-Quark sind, weshalb ich sie zu einem Quiz verarbeitet habe.
Und zwar extra für Sie, meine lieben vom vielen #stay-at-home geplagten Leserinnen und Leser!

Versuchen Sie Ihr also Glück – ach was: stürzen Sie sich in die Challenge! – und ordnen Sie den 13 Fotos die 13 Begriffe korrekt zu, teilen Sie mir die Lösung (in der Schreibweise: 1g / 2a / 3d usw.) per Kommentar hier im Blog mit (oder, für die „No way! – Ich zeig mich doch hier nicht öffentlich!“-Fraktion, per Mail unter kraulquappe@web.de) und gewinnen Sie – sofern Sie alle 13 richtig haben, versteht sich – einen von drei sensationellen Preisen (denn auch wir nutzen die Pandemie zum Ausmisten, und da sind einige treasures zum Vorschein gekommen, aber hallo), die viel zu schade sind für den Wertstoffhof (der hier in München ab morgen wieder geöffnet hat, zu Zeiten, die nach Endziffer des Autokennzeichens gestaffelt werden, und wer kein Auto hat, der kommt evtl. gar nicht rein, ich muss nochmal nachlesen, wie die sich das genau vorstellen…).

Hier kommen die 13 Bild-Kandidaten:

1.

2.

3.

4.

5.

6.

7.

8.

9.

10.

11.

12.

13.

Und hier die 13 den Bildern zuzuordnenden Begriffe, zeitgemäß im to-x-Style and in English, for sure:

a) to give up understanding

b) to look amol

c) to clean up

d) to fake swimming

e) to keep one Springsteen of space

f) to stick together

g) to have no restraint

h) to give up everything

i) to get sth. hot and desired

j) to keep away

k) to stay young and beautiful

l) to dump the to-go’s

m) to kick Corona

*****

Das gesamte Team der Kraulquappen-Redaktion wünscht Ihnen ein helles Köpfchen beim Kombinieren
und ein flinkes Händchen beim Tippen – und überdies natürlich einen schönen Sonntagabend!

Der Rusticus (1).

Unser Beitrag zum heutigen „Spiel-im-Sand-Tag“.
Mit Erläuterungstext aus der längst vergangenen Dackelausstellung im Münchner Valentin-Musäum (und leiser Vorfreude auf den recht wahrscheinlich hierzu folgenden Kommentar meiner Freundin A. aus B. von der Anti-Jagd-Trainingsfront 😉 )

Zivilisatorisch unberührt? Unbeeindruckt von dekadenter Schmeichelei? Hm. Ungeheurer Eifer und Draufgänger – aber ja doch!

Wir wünschen einen schönen, verspielten Sonntag!

You better run you little wild heart.

Für Andrea & Pippa.

Vor ein paar Tagen las ich morgens, noch gemütlich mit dem schnarchenden Dackelfräulein im Bett kuschelnd, den neuesten Blogbeitrag meiner Freundin Andrea aus Braunschweig.

Dass Andrea neulich mit Mann und Labradoodle Bobby in Berchtesgaden eine Woche „Hundeurlaub“ gemacht hatte – genauer gesagt: an einem „Antijagdtraining“-Kurs teilgenommen hatte – war mir natürlich nicht mehr neu, denn wir hatten die drei direkt nach Kursende dort besucht und anderthalb schöne Tage miteinander verbracht. Bei einer gemeinsamen Wanderung hatte Andrea mir auch bereits ausgiebig von der Trainingswoche berichtet und wir konnten live zusehen, wie sie die Kursinhalte fleißig unterwegs übten.

Nun reichte sie noch ein Interview zu der Thematik nach, das sie im Anschluss an den Kurs mit der Hundetrainerin geführt hatte.
Beim Lesen blieb mir an einigen Stellen die Spucke weg und die gerade noch so gemütliche Morgenstimmung wandelte sich zu einem Gefühlsmix aus Beschämung und schlechtem Gewissen.

Etwas benommen stand ich auf und wurschtelte mich so durch den Tag, immer wieder mit einem mulmigen Gefühl an diesen Beitrag denkend.

Warum?

Nachdem ich das Ganze ein Weilchen habe sacken lassen, ist es mir klar geworden: Weil mir manche Antworten der Hundetrainerin die Augen für die momentanen Defizite in der Beziehung zu meinem Hund ebenso geöffnet hatten wie für ein paar lang gehegte Fehlinterpretationen (wie z.B. dass Buddeln auch zum jagdlichen Verhaltensrepertoire gehört), für Gedankenlosigkeiten (im Umgang mit dem Hund) und für den üblichen, leider immer wieder mal einreißenden Alltagsschlendrian in unserem Zusammenleben (kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander).

Seit drei Monaten dreht sich hier fast alles nur noch um die neue Wohnung, die Renovierung derselben, etliche berufliche Dinge und das Abhaken von diversen Erledigungslisten. Der Gatte ertrinkt ebenfalls in Arbeit und schleppt sich tapfer und ziemlich überarbeitet durch sein Sommersemester.

Nun bin ich zwar gut im Organisieren und auch ein passabler Stressphasen- und Umzugs-Manager, bekomme daneben sogar noch ein gewisses Maß an Sozialleben und Freundschaftspflege auf die Reihe, dasselbe gilt fürs Schwimmen und etwas Bewegung überhaupt.
Aber vor lauter Gewurschtel und Geplane ist Pippa im Laufe der Wochen ganz unmerklich zu einem Pflichtprogramm geworden, das ich zwar diszipliniert in den Tag einbaue wie alles andere Notwendige oder zu Erledigende auch, nur ließ die Freude an der Zeit miteinander, ein echtes Aufeinander-Bezogensein, die Intensität unserer Bindung mehr und mehr nach.

Bei Spaziergängen warf ich ein paarmal pflichtschuldig den Ball, ließ sie buddeln oder das Ufergebüsch durchstöbern, weil ich dann nicht weiter gefordert war, sie zu beschäftigen. Stand unbeteiligt daneben. War froh, einfach mal eine Weile irgendwo rumzustehen und irgendeinen Punkt zu fixieren: das Loch, das sie grub, die Stelle auf der Wiese, in der sie sich wälzte, ihr wackelndes Hinterteil, wenn sie vor mir her lief. Viel mehr ist zwischen uns in den letzten Wochen nicht passiert. Ich war einfach zu erschöpft – von den Wohnungsdingen, von manch zwischenmenschlichen Strapazen, von viel Arbeit mit einem kaputten Ellenbogen.

Es reicht, merkte ich plötzlich. Und zwar reicht’s mit Einigem (wovon heute nicht die Rede sein soll und vielleicht auch überhaupt nicht hier).
Manchmal braucht’s ja diesen Schubs von außen, damit man kapiert: Zeit wird’s, wieder in ein anderes Fahrwasser zu kommen. Höchste Zeit! Und genau diesen Impuls gab mir Andreas Beitrag.

Noch bevor nächste Woche das Bad renoviert wird und man wieder vor lauter Sägespänedunst, der den Handwerksfreund und mich hier Woche für Woche umgibt, kaum noch erkennen kann, welcher Wochentag eigentlich ist, habe ich beschlossen, ab sofort mein Dackelmädchen nicht mehr wie einen Programmpunkt zu behandeln und draußen überwiegend ermüdende Pflichtrunden abzuspulen, sondern schleunigst wieder zu der Beziehung zurückzukehren, die wir den Großteil unserer sechseinhalb gemeinsamen Jahre über hatten und die mich immer so froh gemacht hat (beinahe hätte ich gesagt: auf die ich immer so stolz war, aber mit Stolz und so Sachen hab‘ ich’s nicht so).
Zwei, die nacheinander gucken, die aufeinander achten, die miteinander durch die Welt und durchs Leben gehen – und sich dabei aneinander freuen.

Es gibt so viele Gelegenheiten dazu, man muss sie nur ergreifen und zulassen – und genau damit habe ich heute wieder begonnen.

Die Tour:
Traubling – Golfplatz Tutzing – Deixlfurter Weiher – Ilkahöhe – Forsthaus – und über Obertraubling und Monatshausen zurück. 12 Kilometer. Passables Wetter. Nicht überlaufen, kaum störende Mountainbiker, keine Wildschweine oder Rehe.
Schöne Einkehr mit Weitblick aufs Alpenvorland und auf der Terrasse sogar herrlich Ruhe gehabt, weil das lärmende Sonntags-Familienvolk von einer dichten Hecke abgeschirmt nebenan im Biergarten tobt. Kostet nicht mal 2€ mehr, den Imbiss im Bedienbereich einzunehmen, das war’s wert.

Unterwegs kein stumpfsinniges Bällchenschießen, kein gedankenloses Buddelnlassen, stattdessen gemeinsam durchs mannshohe Schilf gekämpft, unwegsamste Wege ausprobiert, zweimal verlaufen, Schlangen bestaunt, auf wackligen Stegen herumgeturnt, Seerosen beschnuppert, im Moorsee gebadet, auf urwaldähnlichen Sumpfpfaden im Morast versunken (der Dackelpopo danach wie in Tonerde eingebacken, im nächsten Weiher gleich abgewaschen), über Bachläufe gesprungen, einen toten Fuchs gefunden, auf umgefallenen Riesenbäumen herumgeklettert, von Golfspielern angepöbelt worden und zusammen zurückgemotzt – und nach vielen Stunden müde und zufrieden wieder am Auto angekommen.

Auf der Heimfahrt wählt die Shuffle-Funktion des CD-Players aus der Musiksammlung das hier aus:

You make up your mind, you choose the chance you take
You ride to where the highway ends and the desert breaks
Out on to an open road you ride until the day
You learn to sleep at night with the price you pay
(…)
Now they’d come so far and they’d waited so long
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong
Where the dark of night holds back the light of the day
And you’ve gotta stand and fight for the price you pay
(…)

Als Springsteen bei der Zeile „So let the games start, you better run you little wild heart“ angekommen ist, halte ich gerade an einer Ampel in Starnberg. Nutze die Gelegenheit, drehe mich um und gucke zu Pippa, die friedlich auf der Rückbank schläft. Ihre Pfötchen zucken ein bisschen, vermutlich träumt sie.

Ich verrenke mir den Arm, greife nach hinten und streiche über ihren kleinen Kopf.
My little wild heart, sage ich zu ihr – let the games start again!

(Dies, liebe Andrea, als Antwort auf deine Frage aus der Mail von heute Mittag.)

Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

Noch nie zuvor im Leben einen ersten Arbeitstag gehabt mit a) 66km Anreise zu einem Herzensort, b) ausgelatschten Trekkingsandalen an den Füßen und c) einer Kiste voller Sport- und Arbeitsklamotten für die kommende Saison im Kofferraum.

Das Tölzer Land empfängt mich gestern – entgegen der frühmorgendlichen Wetterprognose! – mit blauweißem Bayernhimmel über der Benediktenwand…

…und am vertrauten Wanderparkplatz ist erstmals keine Gebühr zu zahlen…

…sondern ein Zettel hinter die Windschutzscheibe zu legen, der mich als Mitarbeiterin der Berghütte ausweist.

Die Wirtin nimmt mich und mein ganzes Glump von dort aus mit nach oben. Der Dienst beginnt quasi mit dem Zuschlagen der Jeeptür, denn ab da geht’s los mit dem Input und den zahlreichen Infos.

Mein Personalkammerl, das ich nach Ankunft beziehen darf, ist vergleichsweise luxuriös…

…und sogar mit eigenem Bad (samt warmer (!) Dusche) ausgestattet.

Die Einarbeitung dauert keine 15 Minuten und besteht aus dem Satz „Am besdn is lörning bei duing, des hod si hier herobn allwei bewährt“, einer Ultrakurzeinführung in die Bedienung der zwei Spülmaschinen und einem Blitzrundgang durch die gesamte Hütte.

Dann sind wir auch schon mittendrin im Arbeitsmarathon – und ich bin saufroh, durch die Umzugswochen bereits einigermaßen trainiert zu sein…

…weil so eine Großküche, die fordert einen scho gscheid und als allzu verzärtelter Städter hätt‘ man da eher schlechte Karten.

Nach etwa einer Stunde sitzt die Geschirreinschichttechnik…

…und man hat kapiert, warum in der Küche geschlossene Schuhe mit gutem Profil das einzig Wahre sind.

Für Zimperlichkeiten ist hier ohnehin weder Raum noch Zeit…

… – der Schweinsbraten muss um 18 Uhr resch und in einer Stückzahl aus dem Rohr kommen, dass es einem zunächst ein Rätsel ist, wie das eigentlich parallel zu all dem anderen Gewurschtel gelingen soll.

Die knappen Pausenzeiten richten sich ganz nach Witterung und Gästeandrang (@Hr. Speed: nix 5x am Tag Fäschprr nach Belieben oder gar mit a paar Minuten Kontemplation inklusive!), und man lernt extrem fix, die wenigen Lücken effizient zu nutzen, weil sonst verhungert man nämlich…

…während sich die Gästeschar drumherum spinatknödelrund frisst.

Was einem als Mitarbeiter aber schon auch passieren könnte, da man jederzeit Zugriff auf die frisch gebackenen Kuchen hat…

…daher dreh ich dem Süßkram lieber schnell den Rücken zu und erarbeite mir einen Platz am Ausschank.

Mein persönliches Highlight des Tages: Nach einigen Stunden Durchschuften steh‘ ich dann irgendwann tatsächlich allein an den 7 Zapfhähnen, der bräsige Hüttenhund Tessa vom Nibelungenblut liegt zu meinen Füßen (oder besser gesagt: mitten im Weg), bediene eigenständig einige Gäste sowie die Kasse, fülle ohne Überschäumen drei Russn in Maßkrüge ab und aus dem Küchenradio dröhnt Bruce Springsteen hierüber.

Ja, das war ein prima Gefühl! So konkret und unmittelbar: einfach Dastehen und Machen – und kein langes Gefasel und Gegrübel!

Der Wirt ist recht zufrieden mit meiner rasanten Karriere und weil eh grad zwei Fässer leer sind, weiht er mich gleich noch ins Ozapfn ein und bekräftigt dabei zum x-ten Mal, dass ich keine Hemmungen haben solle, mich am Faß zu bedienen („…wannsdes verdrogst“).

Aber schon kurz drauf komm‘ ich wieder an meine Grenzen, als die Stamperl mit dem Hochprozentigen befüllt werden sollen (eine neue Begriffswelt tut sich auf: „Gebirgsenzian“, „Hirschkuss“, „Willi“ u.v.m.)…

…es gibt also noch viel zu lernen da herobn.

Hoff‘ ma nur, dass der Ellbogen es auch mitmacht!

[6:30 Uhr, am Tag nach dem Einstand: Wenn da Hahn kräht aufm Mist, woaßt, dass’s Zeit zum Aufstehn ist.]

Hund haben (11).

Wenn es draußen minus 11 Grad hat und einem Nase und Kinn nach spätestens einer Viertelstunde einfrieren, kürze man den Spaziergang radikal ab, nehme drinnen in der warmen Wohnung ein Kirschkernkissen zur Hand, binde ein Stück Kletterseil dran…

…locke das gelangweilt schlummernde Fräulein aus dem Haifisch – dem peinlichsten ihrer Körbchen! – hervor…

…animiere sie zu einem munteren Kissenparkour quer durch die Wohnung…

…erweitere die Übung durch Hinzunehmen der Hunde-Rampe vor Sofas und Betten…

…und lobe & belohne das Dackelchen wie wild, wenn das Kirschkernkissen schließlich auf dem Bett landet!

Mit besonders herzlichen Grüßen an den derzeit in Frankfurt weilenden Gatten, der durch unermüdliches Üben und viele didaktische Kniffe den soliden Grundstein legte für „Zieh!“ und „Rampe!“ (und die Kombination von beidem).

Zum „Tag des Eisbären“ die wärmsten Wünsche –
Die Kraulquappe, auf dem Weg ins Winterwarmfreibad.