Bathing beauty.

Als Nr. 1786 von 2000 grad im rechten Moment angekommen. Sind ja nur 6 Minuten mit dem Radl vom Freibad bis zum Fußballplatz.

Merke:

Läuft der FC Bayern am Birkenmoos ein, hast du’s Freibad für dich allein.

Ein Sommerferientag wie im Bilderbuch und wie ganz früher mal, als man noch im Badeanzug und mit nassen Haaren durch die Gegend radelte.

You better run you little wild heart.

Für Andrea & Pippa.

Vor ein paar Tagen las ich morgens, noch gemütlich mit dem schnarchenden Dackelfräulein im Bett kuschelnd, den neuesten Blogbeitrag meiner Freundin Andrea aus Braunschweig.

Dass Andrea neulich mit Mann und Labradoodle Bobby in Berchtesgaden eine Woche „Hundeurlaub“ gemacht hatte – genauer gesagt: an einem „Antijagdtraining“-Kurs teilgenommen hatte – war mir natürlich nicht mehr neu, denn wir hatten die drei direkt nach Kursende dort besucht und anderthalb schöne Tage miteinander verbracht. Bei einer gemeinsamen Wanderung hatte Andrea mir auch bereits ausgiebig von der Trainingswoche berichtet und wir konnten live zusehen, wie sie die Kursinhalte fleißig unterwegs übten.

Nun reichte sie noch ein Interview zu der Thematik nach, das sie im Anschluss an den Kurs mit der Hundetrainerin geführt hatte.
Beim Lesen blieb mir an einigen Stellen die Spucke weg und die gerade noch so gemütliche Morgenstimmung wandelte sich zu einem Gefühlsmix aus Beschämung und schlechtem Gewissen.

Etwas benommen stand ich auf und wurschtelte mich so durch den Tag, immer wieder mit einem mulmigen Gefühl an diesen Beitrag denkend.

Warum?

Nachdem ich das Ganze ein Weilchen habe sacken lassen, ist es mir klar geworden: Weil mir manche Antworten der Hundetrainerin die Augen für die momentanen Defizite in der Beziehung zu meinem Hund ebenso geöffnet hatten wie für ein paar lang gehegte Fehlinterpretationen (wie z.B. dass Buddeln auch zum jagdlichen Verhaltensrepertoire gehört), für Gedankenlosigkeiten (im Umgang mit dem Hund) und für den üblichen, leider immer wieder mal einreißenden Alltagsschlendrian in unserem Zusammenleben (kein Miteinander, sondern ein Nebeneinander).

Seit drei Monaten dreht sich hier fast alles nur noch um die neue Wohnung, die Renovierung derselben, etliche berufliche Dinge und das Abhaken von diversen Erledigungslisten. Der Gatte ertrinkt ebenfalls in Arbeit und schleppt sich tapfer und ziemlich überarbeitet durch sein Sommersemester.

Nun bin ich zwar gut im Organisieren und auch ein passabler Stressphasen- und Umzugs-Manager, bekomme daneben sogar noch ein gewisses Maß an Sozialleben und Freundschaftspflege auf die Reihe, dasselbe gilt fürs Schwimmen und etwas Bewegung überhaupt.
Aber vor lauter Gewurschtel und Geplane ist Pippa im Laufe der Wochen ganz unmerklich zu einem Pflichtprogramm geworden, das ich zwar diszipliniert in den Tag einbaue wie alles andere Notwendige oder zu Erledigende auch, nur ließ die Freude an der Zeit miteinander, ein echtes Aufeinander-Bezogensein, die Intensität unserer Bindung mehr und mehr nach.

Bei Spaziergängen warf ich ein paarmal pflichtschuldig den Ball, ließ sie buddeln oder das Ufergebüsch durchstöbern, weil ich dann nicht weiter gefordert war, sie zu beschäftigen. Stand unbeteiligt daneben. War froh, einfach mal eine Weile irgendwo rumzustehen und irgendeinen Punkt zu fixieren: das Loch, das sie grub, die Stelle auf der Wiese, in der sie sich wälzte, ihr wackelndes Hinterteil, wenn sie vor mir her lief. Viel mehr ist zwischen uns in den letzten Wochen nicht passiert. Ich war einfach zu erschöpft – von den Wohnungsdingen, von manch zwischenmenschlichen Strapazen, von viel Arbeit mit einem kaputten Ellenbogen.

Es reicht, merkte ich plötzlich. Und zwar reicht’s mit Einigem (wovon heute nicht die Rede sein soll und vielleicht auch überhaupt nicht hier).
Manchmal braucht’s ja diesen Schubs von außen, damit man kapiert: Zeit wird’s, wieder in ein anderes Fahrwasser zu kommen. Höchste Zeit! Und genau diesen Impuls gab mir Andreas Beitrag.

Noch bevor nächste Woche das Bad renoviert wird und man wieder vor lauter Sägespänedunst, der den Handwerksfreund und mich hier Woche für Woche umgibt, kaum noch erkennen kann, welcher Wochentag eigentlich ist, habe ich beschlossen, ab sofort mein Dackelmädchen nicht mehr wie einen Programmpunkt zu behandeln und draußen überwiegend ermüdende Pflichtrunden abzuspulen, sondern schleunigst wieder zu der Beziehung zurückzukehren, die wir den Großteil unserer sechseinhalb gemeinsamen Jahre über hatten und die mich immer so froh gemacht hat (beinahe hätte ich gesagt: auf die ich immer so stolz war, aber mit Stolz und so Sachen hab‘ ich’s nicht so).
Zwei, die nacheinander gucken, die aufeinander achten, die miteinander durch die Welt und durchs Leben gehen – und sich dabei aneinander freuen.

Es gibt so viele Gelegenheiten dazu, man muss sie nur ergreifen und zulassen – und genau damit habe ich heute wieder begonnen.

Die Tour:
Traubling – Golfplatz Tutzing – Deixlfurter Weiher – Ilkahöhe – Forsthaus – und über Obertraubling und Monatshausen zurück. 12 Kilometer. Passables Wetter. Nicht überlaufen, kaum störende Mountainbiker, keine Wildschweine oder Rehe.
Schöne Einkehr mit Weitblick aufs Alpenvorland und auf der Terrasse sogar herrlich Ruhe gehabt, weil das lärmende Sonntags-Familienvolk von einer dichten Hecke abgeschirmt nebenan im Biergarten tobt. Kostet nicht mal 2€ mehr, den Imbiss im Bedienbereich einzunehmen, das war’s wert.

Unterwegs kein stumpfsinniges Bällchenschießen, kein gedankenloses Buddelnlassen, stattdessen gemeinsam durchs mannshohe Schilf gekämpft, unwegsamste Wege ausprobiert, zweimal verlaufen, Schlangen bestaunt, auf wackligen Stegen herumgeturnt, Seerosen beschnuppert, im Moorsee gebadet, auf urwaldähnlichen Sumpfpfaden im Morast versunken (der Dackelpopo danach wie in Tonerde eingebacken, im nächsten Weiher gleich abgewaschen), über Bachläufe gesprungen, einen toten Fuchs gefunden, auf umgefallenen Riesenbäumen herumgeklettert, von Golfspielern angepöbelt worden und zusammen zurückgemotzt – und nach vielen Stunden müde und zufrieden wieder am Auto angekommen.

Auf der Heimfahrt wählt die Shuffle-Funktion des CD-Players aus der Musiksammlung das hier aus:

You make up your mind, you choose the chance you take
You ride to where the highway ends and the desert breaks
Out on to an open road you ride until the day
You learn to sleep at night with the price you pay
(…)
Now they’d come so far and they’d waited so long
Just to end up caught in a dream where everything goes wrong
Where the dark of night holds back the light of the day
And you’ve gotta stand and fight for the price you pay
(…)

Als Springsteen bei der Zeile „So let the games start, you better run you little wild heart“ angekommen ist, halte ich gerade an einer Ampel in Starnberg. Nutze die Gelegenheit, drehe mich um und gucke zu Pippa, die friedlich auf der Rückbank schläft. Ihre Pfötchen zucken ein bisschen, vermutlich träumt sie.

Ich verrenke mir den Arm, greife nach hinten und streiche über ihren kleinen Kopf.
My little wild heart, sage ich zu ihr – let the games start again!

(Dies, liebe Andrea, als Antwort auf deine Frage aus der Mail von heute Mittag.)

Himmel der Bayern (39): Ozapft is.

Noch nie zuvor im Leben einen ersten Arbeitstag gehabt mit a) 66km Anreise zu einem Herzensort, b) ausgelatschten Trekkingsandalen an den Füßen und c) einer Kiste voller Sport- und Arbeitsklamotten für die kommende Saison im Kofferraum.

Das Tölzer Land empfängt mich gestern – entgegen der frühmorgendlichen Wetterprognose! – mit blauweißem Bayernhimmel über der Benediktenwand…

…und am vertrauten Wanderparkplatz ist erstmals keine Gebühr zu zahlen…

…sondern ein Zettel hinter die Windschutzscheibe zu legen, der mich als Mitarbeiterin der Berghütte ausweist.

Die Wirtin nimmt mich und mein ganzes Glump von dort aus mit nach oben. Der Dienst beginnt quasi mit dem Zuschlagen der Jeeptür, denn ab da geht’s los mit dem Input und den zahlreichen Infos.

Mein Personalkammerl, das ich nach Ankunft beziehen darf, ist vergleichsweise luxuriös…

…und sogar mit eigenem Bad (samt warmer (!) Dusche) ausgestattet.

Die Einarbeitung dauert keine 15 Minuten und besteht aus dem Satz „Am besdn is lörning bei duing, des hod si hier herobn allwei bewährt“, einer Ultrakurzeinführung in die Bedienung der zwei Spülmaschinen und einem Blitzrundgang durch die gesamte Hütte.

Dann sind wir auch schon mittendrin im Arbeitsmarathon – und ich bin saufroh, durch die Umzugswochen bereits einigermaßen trainiert zu sein…

…weil so eine Großküche, die fordert einen scho gscheid und als allzu verzärtelter Städter hätt‘ man da eher schlechte Karten.

Nach etwa einer Stunde sitzt die Geschirreinschichttechnik…

…und man hat kapiert, warum in der Küche geschlossene Schuhe mit gutem Profil das einzig Wahre sind.

Für Zimperlichkeiten ist hier ohnehin weder Raum noch Zeit…

… – der Schweinsbraten muss um 18 Uhr resch und in einer Stückzahl aus dem Rohr kommen, dass es einem zunächst ein Rätsel ist, wie das eigentlich parallel zu all dem anderen Gewurschtel gelingen soll.

Die knappen Pausenzeiten richten sich ganz nach Witterung und Gästeandrang (@Hr. Speed: nix 5x am Tag Fäschprr nach Belieben oder gar mit a paar Minuten Kontemplation inklusive!), und man lernt extrem fix, die wenigen Lücken effizient zu nutzen, weil sonst verhungert man nämlich…

…während sich die Gästeschar drumherum spinatknödelrund frisst.

Was einem als Mitarbeiter aber schon auch passieren könnte, da man jederzeit Zugriff auf die frisch gebackenen Kuchen hat…

…daher dreh ich dem Süßkram lieber schnell den Rücken zu und erarbeite mir einen Platz am Ausschank.

Mein persönliches Highlight des Tages: Nach einigen Stunden Durchschuften steh‘ ich dann irgendwann tatsächlich allein an den 7 Zapfhähnen, der bräsige Hüttenhund Tessa vom Nibelungenblut liegt zu meinen Füßen (oder besser gesagt: mitten im Weg), bediene eigenständig einige Gäste sowie die Kasse, fülle ohne Überschäumen drei Russn in Maßkrüge ab und aus dem Küchenradio dröhnt Bruce Springsteen hierüber.

Ja, das war ein prima Gefühl! So konkret und unmittelbar: einfach Dastehen und Machen – und kein langes Gefasel und Gegrübel!

Der Wirt ist recht zufrieden mit meiner rasanten Karriere und weil eh grad zwei Fässer leer sind, weiht er mich gleich noch ins Ozapfn ein und bekräftigt dabei zum x-ten Mal, dass ich keine Hemmungen haben solle, mich am Faß zu bedienen („…wannsdes verdrogst“).

Aber schon kurz drauf komm‘ ich wieder an meine Grenzen, als die Stamperl mit dem Hochprozentigen befüllt werden sollen (eine neue Begriffswelt tut sich auf: „Gebirgsenzian“, „Hirschkuss“, „Willi“ u.v.m.)…

…es gibt also noch viel zu lernen da herobn.

Hoff‘ ma nur, dass der Ellbogen es auch mitmacht!

[6:30 Uhr, am Tag nach dem Einstand: Wenn da Hahn kräht aufm Mist, woaßt, dass’s Zeit zum Aufstehn ist.]

Hund haben (11).

Wenn es draußen minus 11 Grad hat und einem Nase und Kinn nach spätestens einer Viertelstunde einfrieren, kürze man den Spaziergang radikal ab, nehme drinnen in der warmen Wohnung ein Kirschkernkissen zur Hand, binde ein Stück Kletterseil dran…

…locke das gelangweilt schlummernde Fräulein aus dem Haifisch – dem peinlichsten ihrer Körbchen! – hervor…

…animiere sie zu einem munteren Kissenparkour quer durch die Wohnung…

…erweitere die Übung durch Hinzunehmen der Hunde-Rampe vor Sofas und Betten…

…und lobe & belohne das Dackelchen wie wild, wenn das Kirschkernkissen schließlich auf dem Bett landet!

Mit besonders herzlichen Grüßen an den derzeit in Frankfurt weilenden Gatten, der durch unermüdliches Üben und viele didaktische Kniffe den soliden Grundstein legte für „Zieh!“ und „Rampe!“ (und die Kombination von beidem).

Zum „Tag des Eisbären“ die wärmsten Wünsche –
Die Kraulquappe, auf dem Weg ins Winterwarmfreibad.

Münchner Freiheit.

Fit for Fasching (bavarian style): An nur einem Nachmittag zum Six-Pack!

Helau, werte Herren der Schöpfung! Hauen Sie rein, bis Ihnen Nutella und Vanillecreme nur so aus den Mundwinkeln tropfen und Sie sich den Puderzucker von der Stirn wischen müssen. Es lohnt sich!

Sport wird ja generell überbewertet (und zu der Krapfensache an sich muss demnächst auch dringend nochmal was gesagt werden).

Ein schönes Wochenende wünscht

Die Kraulquappe.

Bestzeit.

„I feel most at home in the water. I disappear. That’s where I belong.“ (Michael Phelps)

Als ich die Umkleide betrat und in den Gang einbog, in dem ich mir üblicherweise ein Garderobenschränkchen nehme, stand sie splitternackt vor mir und wir guckten einander ziemlich verdutzt an.

Zuletzt hatte ich A. vor ungefähr drei Jahren gesehen. Damals war unsere gemeinsame Zeit als Kolleginnen in der IT-Abteilung gerade zu Ende gegangen. A. ging mit 60 in Frührente und sah dabei aus wie 42, ich fühlte mich wie 60 und quittierte mit 42 den langjährigen Dienst, den ich hinterm Monitor und vor mehr oder minder lernfreudigen Seminarteilnehmern verbracht hatte. Bald verloren wir einander aus den Augen, wie das leider oft so ist, wenn sich Menschen in einen neuen Lebensabschnitt aufmachen.

Seit einem gemeinsamen Schwimmbadbesuch vor vielen Jahren war A. eine Art Vorbild für mich. Damals schluckte ich eine Menge Wasser, weil ich ständig zu ihrer Bahn rüberschielte, um ihren Schwimmstil zu studieren und dabei vor lauter Staunen völlig aus dem Takt geriet. Diese Geschmeidigkeit, diese Kraft, diese Anmut! Fast 20 Jahre älter als ich schwamm sie schneller, technisch besser, insgesamt eleganter sowie mit mehr Leichtigkeit und weniger Widerstand. Und zugleich wirkte sie dabei nie wie verbissen trainierend oder überhaupt auf irgendein Ziel hinarbeitend.
Für mich war sofort klar: Das wollte ich auch können, und wenn ich mir darüberhinaus etwas wünschen dürfte für mein Leben in 20 Jahren, sähe es exakt so aus wie A. beim Rückenschwimmen. Ein Bild, das ich unauslöschbar in mir trage und das zu einer der hoffnungsfrohen Überschriften wurde für das, was man Zukunft nennt.

Ich fragte sie seinerzeit nach Strich und Faden über ihre Schwimmbiographie aus, wir verabredeten uns ein paarmal im Freibad, unternahmen auch mal eine Bergtour (ihre andere große Leidenschaft neben dem Wasser, auch das eine schöne Parallele zwischen uns), bei der sie mir nicht davonwieselte, denn zu Land konnte ich besser mit ihr mithalten als im Wasser, was meine Hoffnung nährte, dass das auch schwimmend irgendwie machbar sein müsste.

Schließlich schenkte sie mir Flossen und zeigte mir den effektivsten und knieschonendsten Beinschlag. Mit meinen neuen gelben Turbogummis an den Füßen ging es ganz gut voran. Zwei Kraulkurse besuchte ich noch, übte und übte, ließ mich von einem ehemaligen Deutschen Meister im Lehrbecken der TU München instruieren, filmen und analysieren, übte weiter bis eines Tages die Technik endlich saß, was man daran spürt, dass die Anstrenung nachlässt und der Genuss zunimmt.
Ich dachte noch oft an A., wenn eine dieser besonders beglückenden Schwimmstunden gelang, in denen alles harmoniert, in denen ich eins werde mit dem fließenden Element, in den Dialog mit ihm abtauche, um anschließend vollständig erfrischt wieder aufzutauchen (all das leider nicht nur eine Frage des Könnens oder Wollens, sondern von etlichen anderen Faktoren im Innen und Außen abhängig).

Gestern gingen A. und ich also nach Jahren mal wieder zusammen zum Schwimmbecken, legten unsere Flossen an, zogen die Brillen auf, guckten kurz auf die Stadionuhr, sprangen ins Wasser und legten los. Zugegeben: ich war gespannt, sehr gespannt sogar und das, obwohl mir jegliche Wettkampfmentalität schon immer abging. Nach 300m stellte ich fest, dass A. und ich noch auf gleicher Höhe schwammen. Und das ohne jede Anstrenung! Damals wäre sie längst eine halbe Bahn vor mir gewesen.
Ich freute mich wie ein Kind darüber und verspürte auf einmal, dass ich Lust bekam, das Tempo etwas anzuziehen. Nach 1.000m guckte ich erneut zur Bahn neben mir: A. war nicht mehr zu sehen. Als ich nach 2.000m am Beckenrand anhielt und zur Uhr blickte, war ich meine persönliche Bestzeit auf diese Distanz geschwommen.

Wenig später tauchte A. neben mir auf und zwickte mich lachend in die Seite. Nun müsse ich mir wohl ein neues Vorbild suchen, meinte sie – oder sie müsse beim nächsten Mal ihre Flossen über das Einschwimmen hinaus anbehalten.

Tja.
So viel zu Vorbildern, Bestzeiten, Gegenwart und Zukunft.

 

Palm positive (if thinking is too complicated).

Der Schwimmsport ist ja an sich ein recht preiswertes Hobby. Equipment und Eintrittspreise halten sich verglichen mit den meisten anderen Sportarten absolut im Rahmen: Eintritt zwischen 3,50 und 7,60€ pro Besuch, alle 2 Jahre einen neuen Badeanzug und eine neue Schwimmbrille, alle 3 Jahre neue Badelatschen und anderer Kram wie Flossen, Pull-buoy, Pull-kick und Handtuch halten sogar noch länger (um das gleich vorwegzunehmen: diesen unaussprechbaren Pull-Kram hab‘ ich zwar, nutze ihn aber selten!).

Da ich seit Jahresbeginn meine Distanzen im Wasser etwas gesteigert habe, dachte ich mir, ich könnt‘ mir mal etwas Schickschnack gönnen, um dem Ganzen auch ein bisschen neuen Schwung (=Tempo) zu verleihen.

Kaum mit kaputten Füßen aus Ruhpolding zurück, waren sie auch schon eingetroffen: meine ersten Paddles. Für 17,95€, das ist schon mal drin!

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Mir gefiel zwar nicht, dass die Dinger von der Marke „Finis“ sind (so wie auch meine ebenfalls gelben Trainingsflossen), denn als ehemalige Lateinschülerin weckte das nicht die besten Assoziationen (warum kann die Marke nicht „principium“ oder „velocitas“ heißen?). Was mir aber sofort gefiel, war dieses aerodynamische Design und das patentierte neue „strapless“-Prinzip. Und wenn dann noch auf der Packung ein schmissiger Satz wie „Learn to stay palm positive“ steht, den ich mir zwar nur rudimentär erschließen kann, aber der ja sowas von gut klingt, hat man mich als Kunden sofort in der Tasche.

Um meinen Langlaufmuskelkater zu zähmen und weil ich mit den zwei 1€-Stück-großen Blasen an den Fersen eh keinen anderen Sport ausüben könnte, hab ich mich heute Vormittag sofort zum Schwimmbad aufgemacht.

Was soll ich sagen? Dieses Schwimmerlebnis kam einer Revolution gleich!

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Zwar ist es zunächst etwas gewöhnungsbedürftig, mit diesen nur durch den hindurchgesteckten Daumen an der Hand befestigten Paddles zu schwimmen, zumal man sie bei jeder technischen Unschärfe zu verlieren droht (dummerweise saufen sie auch noch ab!), aber wenn man sich erst mal drauf eingelassen hat, jeden Armzug in jedem Schwimmstil korrekt auszuführen, dann ist es ein Dahingleiten ungeahnter Geschmeidigkeit und Geschwindigkeit.
Ein toller flow, ein swimmer’s high quasi! Das muss es sein, was mit „learn to stay palm positive“ gemeint ist!

Gönnt man sich dann noch für die Hälfte der Zeit zusätzlich Trainingsflossen, ist man (resp. ich) erstmals auch jenseits der 40 in der Lage, locker mit den kraulenden Sportstudenten mitzuhalten und springt nach dem Stündchen wie ein junger HighHai aus dem Becken. Vergessen der Muskelkater, vergessen die schmerzenden Fersen!

Auf dem Weg zur Dusche eine kleine Ernüchterung: „Mami, was hat die Frau da Ekliges an den Füßen?“, ertönt eine Piepsstimme hinter mir. Gemeint sind meine beiden monströsen, aufgequollenen Compeed-Blasenpflaster. Ich drehe mich um und beantworte die Frage des Knirpses: „Die Frau hat eklige Langlaufschuhe angehabt.“

In der Umkleide werde ich vollends aus meinem  flow gerissen. Fragt die Frau am Spind neben mir, die ich noch nie zuvor gesehen habe und die gerade mit dem Frottieren fertig geworden ist, als ich mich abzutrocknen beginne: „Könnten Sie mir bitte den Rücken eincremen?“
Ja geht’s noch?!?
„Nein“ entgegne ich knapp.
Sie: „Warum denn nicht?“
„Muss ich mich dafür wirklich rechtfertigen?“ will ich gerade sagen, muss dann aber losprusten…

Oder wie seht ihr das: schon mal jemand Wildfremden den Rücken eingecremt? Wie ist das so? Ist das gut, hab‘ ich was verpasst?

Wie dem auch sei: auch ohne näheren Körperkontakt war das ein durchweg positiver Tag, so frisch ge_palmt, mit den tollen Paddles – und überhaupt.

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Ohne Worte – gelungene Kommunikation zwischen Mensch und Hund. Selten, aber nicht unmöglich.

Das Hündchen ist dank der im Vergleich zu Ruhpolding fast tropisch anmutenden Temperaturen rasend schnell wieder genesen und Freundin D. trug mal wieder zur Entzerrung unserer kleinen Symbiose bei, indem sie uns beim Gassigehen begleitete.

Alles im Lot also. Und die Fersen werden schon wieder, wenn man sie nicht mit fiesen Bemerkungen beim Verheilen stört.

Einen guten Start ins Wochenende wünscht euch –
Die Kraulquappe.

Wieder daheim oder: Where’s the ball?

Nach 50 Stunden Blogpause wird es mal wieder Zeit für ein Lebenszeichen.

München empfing mich mit 16 Grad und Regen und einer – na, sagen wir’s mal so: etwas prekären Situation daheim. Derjenige von uns, der einige Tage bei überwiegend schlechtem Wetter alleinerziehend ist, hat dann immer ziemlich die Nase davon voll, 3x am Tag den Hund im Regen zu bespaßen, dreckige Pfoten sauber zu rubbeln und das eigene Regen-Outfit im Bad zum Trocknen aufzuhängen. Das schlägt einem ab dem dritten Tag immer etwas auf die Stimmung, was der Hund leider auch spürt, so dass man auch gemeinsam nicht mehr durchgehend in Top-Laune ist, sondern eine latente Gereiztheit auf beiden Seiten Einzug hält. Da ist dann die Freude über die Rückkehr des Partners wirklich besonders groß.

Prekär aber war die Situation daheim nicht nur deswegen, sondern weil wir just vor meiner Abreise nach Wien festgestellt hatten, was die wahre Ursache der bereits wochenlang andauernden Schlappheitssymptome unserer Dackeldame ist. Da wir beide der ausschließlichen Hormontheorie (Läufigkeit, Scheinträchtigkeit und eingebildete Welpenaufzuchtphase – alles in allem übrigens ein Zeitraum von über 3 Monaten am Stück, in dem die Hündin neben der Spur sein kann) sowie dem psychischen „Reset“ durch die Phosphorus-Heilwirkung misstrauten, sind wir nochmal alle Möglichkeiten und Beobachtungen durchgegangen, die jeder von uns in den letzten Monaten so gemacht hatte: Wann tritt die Schlappheit auf, wie lange hält sie an, wodurch verschwindet sie usw.. So kamen wir schließlich dahinter, dass sie nur draußen auftritt und auch nur, nachdem Pippa mit ihrem Bällchen spielen durfte oder aber auch, wenn wir Spaziergänge machten, bei denen das Bällchen nicht mit von der Partie war. Fazit: Die Schlappheit ist ziemlich sicher Ausdruck eines extremen Frusts, dass der Ball weg ist oder dass er gar nicht erst da war. Wir stöberten ins unseren Hundebüchern und im Internet zu diesem Phänomen – und wurden in unserer üblen Vorahnung schnell bestätigt: Unsere Pippa ist ball-süchtig geworden.

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Pippas Lebensmittelpunkt: das gelbe Bällchen.

Das hat sich schleichend entwickelt, letztlich über Jahre, wie sich Süchte eben so entwickeln. In einem langen Artikel eines erfahrenen Hundetrainers fanden wir alle Phänomene der Ballsucht ausführlich beschrieben und mussten uns eingestehen, dass sie alle auf unseren Hund zutreffen.
So verging der Tag vor meiner Abreise mit dem Studium der Therapiemöglichkeiten: Welche Maßnahmen sind zu ergreifen? Wie soll man am besten vorgehen? Womit soll sie alternativ draußen beschäftigt werden? Ist der Ball nun für alle Zeiten tabu? Empfiehlt sich eine Substitution (Frisbeescheibe etc.) oder ist der kalte Entzug der beste? Wie lange dauert der ganze Scheiß und gibt es irgendwo eine Selbsthilfegruppe für co-abhängige Hundeeltern, bei der man sich Unterstützung holen oder einfach mal ausheulen kann?

Die Empfehlungen wiesen alle in dieselbe Richtung: Den Ball komplett entziehen, sofort und für lange Zeit, vielleicht für immer. Stattdessen völlig neue Spiele einführen, die allesamt den Hund gleichermaßen geistig wie körperlich fordern, so dass er von seinem Apportier-Turbo-Trip runterkommt und dennoch rundum gut ausgelastet wird. Zusätzlich an der Mensch-Hund-Bindung arbeiten, indem die Objektfixierung aufgelöst wird und gemeinsame Beschäftigung mehr in den Vordergrund gerückt wird. Ach du meine Güte…

Ganz ehrlich, ich war nicht allzu unglücklich, mich unmittelbar vor dem Start dieses neuen Programms (und es ist völlig klar: das wird keine Sache von ein paar Wochen, sondern eher von einigen Monaten!) drücken konnte, indem ich mich nach Wien verkrümelt habe.

Neben langen Arbeitstagen, Selbstverpflegung und dem Regen hatte mein Mann also noch mit einem Hund zu kämpfen, der massiv unter Entzugserscheinungen litt und auf Spaziergängen das Gefühl vermittelte, sein Leben habe ohne den Ball jeglichen Sinn verloren.

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Zufällig im Museumsquartier in Wien entdeckt: Comic zu ballsüchtigen Hunden (immerhin: wir sind offenbar nicht allein mit dem Problem!)

 

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Zwischen Hoffnung und Enttäuschung: ewiges Warten auf das Highlight

Wieder daheim wurde ich dann umgehend instruiert, wie die neuen Abläufe beim Gassigehen aussehen, wie die Therapie bislang verlaufen ist, welche ersten kleinen Erfolge sie bereits zeitigt und wie der Hund gut abgelenkt werden kann, sobald ihr der Entzugsfrust anzumerken ist.

Damit werden wir uns nach meiner Einschätzung wohl bis zum Herbst konsequent befassen dürfen – was für Aussichten!

Sollte sich der therapeutische Weg, den wir nun eingeschlagen haben, als unpassend erweisen, gibt es noch zahlreiche Alternativen, die speziell parallel zur EM und wenn man den gesamten Freundeskreis ein bisschen mobilisiert, durchaus Event-Charakter haben können:

Entscheidend ist jedenfalls, dass wir nicht vorschnell die Flinte ins Korn werfen, wenn es kleine Rückschläge gibt, sondern das Anti-Sucht-Training mit Geduld und Konsequenz durchziehen (fast hätte ich gesagt: am Ball bleiben, aber genau das ist ja jetzt verboten).

Die ersten 90 Minuten sind ja bekanntlich die schwersten, aber vom Feeling her haben wir ein gutes Gefühl, dass wir das schon hinbekommen werden.

Ein schönes Wochenende und viele spannende Bälle wünscht euch Nicht-Süchtigen
die Kraulquappe