Ge_danke_n 2018 (11).

Das vorletzte Dankeschön in diesem Jahr gebührt demjenigen, der mich am häufigsten und intensivsten er_tragen darf/muss/kann – und diese Aufgabe seit zwölf Jahren zumeist heldenhaft schultert: dem Gatten.

Als uns die Standesbeamtin einst zum „schönsten Tag unseres Lebens“ beglückwünschte, schworen wir uns, diesen Wunsch auf keinen Fall Realität werden zu lassen – ohnehin hat es an dem Tag in Strömen geregnet.
Stattdessen wählten wir ein anderes Motto: Wir wollten am Ende des gemeinsamen Weges mal sagen können „Ein Tag war schöner als der andere!“, wohl wissend, dass das blanker Unsinn irgendwo zwischen Unvermögen und Utopie ist, zugleich aber eine erfrischende und gute Formel und etwas, woran zu orientieren sich mit einer ordentlichen Portion Humor im Nacken durchaus lohnt.
Und auch eine Art Mantra für Regentage oder andere Misthaufen, die einem das Leben, auch das gemeinsame, so vor die Füße wirft.

Danke für dieses Weihnachtsgeschenk!

Ich danke Dir für Deine Liebe, Dein Da-Sein und Deine Zuverlässigkeit, Deine Klugheit und Deinen Humor, Dein Engagement für Tiere…

…für Dein unvergleichliches Mandarinenmannlachen und Deinen ebenso unvergleichlichen Grant, für Dein Mich-Lassen-Können in den Dingen, die nur für mich wichtig sind, aber nicht für Dich (was ja gar nicht mal so wenige sind 😉 ), für Deinen ganzjährigen Einsatz an der Erwerbsarbeitsfront in Mainhattan, um hier unsere Brotkörbe und Näpfe zu füllen und dafür, dass Du morgen mit mir an den Ort fährst, an dem eines der drei Bücher, die ich vielleicht oder hoffentlich noch schreiben werde, sein Ende finden würde, wenn es denn endlich mal seinen Anfang fände.

Von Verlässlichkeit, Fortpflanzungstrieb und Gerichtspflege.

„Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenns ihm gut geht, und eine, wenns ihm schlecht geht. Die letztere heißt Religion.

Der Mensch ist ein Wirbeltier und hat eine unsterbliche Seele, sowie auch ein Vaterland, damit er nicht zu übermütig wird.

Der Mensch wird auf natürlichem Wege hergestellt, doch empfindet er dies als unnatürlich und spricht nicht gern davon. Er wird gemacht, hingegen nicht gefragt, ob er auch gemacht werden wolle. (…)

Der Mensch hat neben dem Trieb der Fortpflanzung und dem, zu essen und zu trinken, zwei Leidenschaften: Krach zu machen und nicht zuzuhören. Man könnte den Menschen gradezu als ein Wesen definieren, das nie zuhört. Wenn er weise ist, tut er damit recht: denn Gescheites bekommt er nur selten zu hören. Sehr gern hören Menschen: Versprechungen, Schmeicheleien, Anerkennungen und Komplimente. Bei Schmeicheleien empfiehlt es sich, immer drei Nummern gröber zu verfahren als man es grade noch für möglich hält.

Der Mensch gönnt seiner Gattung nichts, daher hat er die Gesetze erfunden. Er darf nicht, also sollen die andern auch nicht.

Um sich auf einen Menschen zu verlassen, tut man gut, sich auf ihn zu setzen; man ist dann wenigstens für diese Zeit sicher, daß er nicht davonläuft. Manche verlassen sich auch auf den Charakter.

Der Mensch zerfällt in zwei Teile:

In einen männlichen, der nicht denken will, und in einen weiblichen, der nicht denken kann. Beide haben sogenannte Gefühle: man ruft diese am sichersten dadurch hervor, daß man gewisse Nervenpunkte des Organismus in Funktion setzt. In diesen Fällen sondern manche Menschen Lyrik ab.

Der Mensch ist ein pflanzen- und fleischfressendes Wesen; auf Nordpolfahrten frißt er hier und da auch Exemplare seiner eigenen Gattung; doch wird das durch den Faschismus wieder ausgeglichen.

Der Mensch ist ein politisches Geschöpf, das am liebsten zu Klumpen geballt sein Leben verbringt. Jeder Klumpen haßt die andern Klumpen, weil sie die andern sind, und haßt die eignen, weil sie die eignen sind. Den letzteren Haß nennt man Patriotismus.

Jeder Mensch hat eine Leber, eine Milz, eine Lunge und eine Fahne; sämtliche vier Organe sind lebenswichtig. Es soll Menschen ohne Leber, ohne Milz und mit halber Lunge geben; Menschen ohne Fahne gibt es nicht.

Schwache Fortpflanzungstätigkeit facht der Mensch gern an, und dazu hat er mancherlei Mittel: den Stierkampf, das Verbrechen, den Sport und die Gerichtspflege.

Menschen miteinander gibt es nicht. Es gibt nur Menschen, die herrschen, und solche, die beherrscht werden. Doch hat noch niemand sich selber beherrscht; weil der opponierende Sklave immer mächtiger ist als der regierungssüchtige Herr. Jeder Mensch ist sich selber unterlegen.

Wenn der Mensch fühlt, daß er nicht mehr hinten hoch kann, wird er fromm und weise; er verzichtet dann auf die sauern Trauben der Welt. Dieses nennt man innere Einkehr. Die verschiedenen Altersstufen des Menschen halten einander für verschiedne Rassen: Alte haben gewöhnlich vergessen, daß sie jung gewesen sind, oder sie vergessen, daß sie alt sind, und Junge begreifen nie, daß sie alt werden können.

Der Mensch möchte nicht gern sterben, weil er nicht weiß, was dann kommt. Bildet er sich ein, es zu wissen, dann möchte er es auch nicht gern; weil er das Alte noch ein wenig mitmachen will. Ein wenig heißt hier: ewig.

Im übrigen ist der Mensch ein Lebewesen, das klopft, schlechte Musik macht und seinen Hund bellen läßt. Manchmal gibt er auch Ruhe, aber dann ist er tot.

Neben den Menschen gibt es noch Sachsen und Amerikaner, aber die haben wir noch nicht gehabt und bekommen Zoologie erst in der nächsten Klasse.“

{Kurt Tucholsky: „Der Mensch“. Aus: Gesammelte Werke in zehn Bänden. Band 9, Reinbek bei Hamburg 1975, S. 230-231.]