Bruchstücke einer Biographie.

Gerade im Treppenhaus gesichtet – und sofort eine recht präzise Vorstellung der dazugehörigen Biographie gehabt…

…und ab sofort die Lauscher aufstellend, ob hier im Haus bald irgendein windiger BWLer unter den Nachbarn sein Ränzlein schnürt und Frau und Kind (und überhaupt alles) hinter sich lässt. Und das vor Weihnachten!!!

(„Biographie“ gehört übrigens zur Liste meiner persönlichen Unworte des Jahres 2018, dazu aber demnächst in aller Ruhe, wenn wir uns den üblichen Rückblicken widmen.)

Zeichen erkennen.

Schulds(ch)ein für 1€.

(Ja um Himmels Willen, dann aber mal nix wie weg hier!)

See la vie.

(Ostufer Starnberger See, am 01.02.2018]

„Zukunft – das ist jene Zeit, in der auf Freunde Verlass sein wird, das Glück gesichert ist und die Geschäfte gelingen“, meinte heute ein junger Mann zu mir, mit dem ich am trostlos grauen Seeufer bei Berg ins Gespräch kam, während wir beide einem Stand-Up-Paddler zusahen.

So jung war er, dass ich ihn in dem Glauben lassen wollte.

Get your own idea.

Meldung des Tages:

  • a)

  • b)

  • c) ???

Song des Tages (6).

Das Meiste mündet doch in die ewig gleichen Fragen: Warum, wohin, wie, wann, mit wem – und was man währenddessen am besten hören könnte.

Das Wohin fand ich dieser Tage wunderbar beantwortet, von Gerhard Polt.

Heute, genervt und gehetzt im Stau zwischen Pasing und Neuhausen stehend, fiel mir der Polt sofort wieder ein, als mir ein Radiosender den Ohrwurm des Tages einpflanzte:

The river it touches my life like the waves on the sand
And all roads lead to Tranquillity Base
Where the frown on my face disappears
Take me down to my boat on the river
And I won’t cry out anymore

Wenn ich das ganze Gewurschtel hinter mir habe, hock‘ ich mich allein an den See und stell‘ mir das mal konkreter vor: So ein Dasein als Bootsverleiher. Die Ruhe, das Wasser, die Zeitung, eine Wurst dazu – und alle Störungen mit einem gekonnten Tritt beseitigen. Sehr verlockend (and the frown on my face disappears). Vielleicht fahr‘ ich auch gleich morgen an den See raus.

Mit den besten Wünschen für eine gute Nacht –
Die Kraulquappe.

Vorstellungen.

Alle paar Monate läuft mir eine Ausschreibung für eine Teilzeit-Stelle über den Weg, die zunächst so klingt als ließe sie sich gut mit meiner schreibenden, freiberuflichen Tätigkeit verbinden, weshalb ich mich entschließe, eine Bewerbung abzuschicken.

Meist gibt es aber einen Haken an der Sache, der sich im Vorstellungsgespräch offenbart, so dass aus der Idee, kontinuierlich und ohne Klinkenputzen etwas dazuzuverdienen, dann doch nichts wird.

Bei dem gestrigen Termin, der mit einer Abteilungsleiterin und der Gleichstellungsbeauftragten des Unternehmens stattfand, waren es gleich 3 Haken.

  1. Gewünscht wird eine Art ultraflexible Teilzeit, quasi nach Bedarf und auf Zuruf spontan ganztags, sonst halbtags. Ganztags bedeutet für mich, dass ich meine Dackeldame mitnehmen müsste, da ich sie nicht 8 Std. alleine lassen kann – was ich grundsätzlich auch offen anspreche.
  2. Es gab im Unternehmen irgendwann mal einen Vorfall (das Wort mit einem Grienen ausgesprochen und in einer Betonung, die mich irritiert, wieso nicht Klartext: Rottweilerbiss oder kotzender Mops – oder was?) mit einem Hund, seitdem sind die Vierbeiner tendenziell unerwünscht, aber: „Wenn mal jemand mit Hund vorbeikommt, um jemanden abzuholen, der hier arbeitet, ist das schon ok für uns.“. Wow, das ist ja toll. Der Gatte dürfte also glatt mit Pippa an der Leine im Foyer aufkreuzen, um mich von der Arbeit abzuholen!
  3. So ganz zum Schluss des an sich ganz netten Gespräch, bei dem ich mich freundlich, kompetent und sozial unauffällig verhalten habe, kacke ich schließlich völlig unerwartet ab – bei der Frage der bis dahin qua ihres Amtes nur dabeisitzenden und zuhörenden Gleichstellungsbeauftragten, die da lautete: „Wie stehen Sie als Bewerberin und als Frau zu der Tatsache, dass genderkonforme Kommunikation in unserem Unternehmen nicht nur eine Empfehlung, sondern eine Vorschrift ist?“. Als Mensch (und sogar als Menschin) rollen sich mir bei dem Thema leider meine unlackierten Zehennägel auf, ein Vorgang, der sich in meiner Mimik vermutlich nicht ganz verbergen ließ.

Als ich das Gebäude nach gut einer Stunde etwas desillusioniert und zergendert wieder verlasse, fällt mein Blick auf eine der wenigen Ingredienzen des Angestelltendaseins in großen Firmen, die ich schmerzlich vermisse.

Ein verwaister, sehnlichst auf SpielerInnen wartender Kicker im Foyer eines Münchner Unternehmens.

Eigentlich ist es überhaupt das Einzige, was ich vermisse, wenn ich an meine 17 Berufsjahre in der großen Forschungseinrichtung zurückdenke (*).
Die wenigen wichtigen Menschen und Erfahrungen aus der Zeit sind ja geblieben, aber der Kicker und die großen Turniere, die Zeiten, in denen sie mich dort total genderkonform Olivia Kahn (oder Jennifer Lehmann) nannten, das fehlt mir immer noch.

Erinnerungen an das Sommermärchen 2006: Argentinien beim Elfmeterschießen. Gute Handykameras gab’s damals noch nicht.

Wenn man das mal ernst nimmt, sollte man auch an einem Regentag wie diesem, an dem der Altschnee sich in braune Ströme auflösend durch die grauen Straßen der Stadt schiebt, nicht griesgrämig darüber sein, zu einem zweistündigen Mittagsspaziergang mit dem Hund aufbrechen zu müssendürfen und danach in aller Ruhe an den heimischen Schreibtisch zurückkehren zu können, um dort ungestört seinem Tagwerk nachzugehen oder gar bei einem Nachmittagstee mal darüber nachzudenken, wo und wie man in dieser schönen Stadt einen Kicker-Kreis ins Leben rufen könnte.

Eine gute und möglichst unverregnete (und unverhagelte) Woche wünscht euch –
die Kraulquappe.

 

(*) Stimmt nicht ganz. Ich habe auch immer gern auf der jährlichen Weihnachstsfeier eine unserer Betriebsrätinnen (?) beim Klau der Deko-Mandarinen und -Walnüsse, die auf den Stehtischen lagen, beobachtet. Dinge/Situationen, die so ritualisiert wiederkehren, mag ich nämlich sehr.