Hund haben (16).

Wie könnte ein Dienstag schöner beginnen!?

Direkt aus dem Nachthemd in die Regenmontur gestiegen. Hund liegt noch im Bett, hebt ein Augenlid und guckt einen ungläubig an. Man fragt dann höflich, ob er, resp. sie, einen freundlicherweise begleiten würde, weil man unbändige Lust hätte, einen schönen Morgenspaziergang zu machen. Hund gähnt, räkelt und erhebt sich, dehnt sich ausgiebig und fällt beim Zweitgähnen seitlich um. Offenbar keine Lust.
Bevor man in der Ganzkörpergoretexhülle zu schwitzen beginnt, beschleunigt man das Ganze etwas, hebt den Hund aus dem Bett und trägt ihn zur Wohnungstür, legt ihm das Halsband an, was nicht so einfach ist, weil der Hund sich schon wieder zur Seite umfallen lässt. Dann steigt man in die wasserdichten Schuhe und verlässt die Wohnung, schiebt den Hund aus der Wohnung raus ins Treppenhaus. Hund sitzt nun wie ein Pflock auf dem Fußabstreifer und guckt einen groß an, schlurft nach dem dritten Rufen gnädig zum Aufzug rüber, der uns nach unten befördert.

Draußen dann zwei Meter durch die Pfützen gestakst. Igitt. Wie ungemütlich, das alles. Schnüffeln an den unteren Ästchen der Hecke vorgetäuscht (worum es eigentlich geht: unter der Hecke liegt ein aufgeweichtes Stück Breze). Erster kleiner Disput.

Zweiter Disput hundert Meter weiter, als – noch vor dem ersten Morgengeschäft – der asoziale Husky im Dackelterritorium aufkreuzt und das Fräulein vor lauter Wut abhebt (kennen Sie das: wenn sich der Hund bellenderweise so echauffiert, dass er vor lauter Bellen ein kleines Stück vom Boden abhebt?).

Dritter Disput drüben auf der Allee: Unterschiedliche Interpretations- und Umgehensweise mit einem halbleeren Pizzakarton, der unter einer Parkbank liegt.
Stimmung droht zu kippen. Der nette Beagle von Hausnummer 30 rettet die Situation. Große Begrüßung, Schwanzwedeln, Spielversuch mitten im Batz. Gute Sache – lockert den morgenmüden Körper, was den Geschäftsvorgängen dann sehr zuträglich ist.

Nach 7 Minuten wieder daheim, trotzdem triefnass und dreckig. Im Treppenhaus aus den Regenklamotten schälen, an der Tür den graubraune Sauce tropfenden Hund ins Handtuch wickeln und dem Gatten in den Arm drücken – ab in die Wanne.

Dezente Vorfreude auf weitere 48 Stunden bei ebendieser Wetterlage (nur ohne Duschassistenz).

Und die bange Frage, ob der Wonnemonat Mai wenigstens noch einen foto-freundlichen Tag beinhalten wird, da man allmählich dringend das Bildmaterial braucht für den nächsten euphemistischen Artikel über das Unterwegssein mit Hund.

Ab morgen am Kiosk: die neue Dog&Travel.

Schlagen Sie zu, wenn Sie – mit oder ohne Teckel – nach Tirol wollen. Und am besten auch, wenn Sie keinen Teckel haben oder da nicht hinwollen – denn vom Fortbestand solcher Magazine hängt ja auch unsere kleine Existenz ein Stück weit ab.

Lesen Sie ab Seite 18 von unseren großartigen Abenteuern im mittelalterlichen Hall und beim Kraxeln im Karwendel.
Leider haben wir es nicht auf den Großen Bettelwurf geschafft, auch nicht auf den kleinen. Dabei gibt es so Berge, die man allein aufgrund ihres Namens als bergsteigender Hundebesitzer eigentlich nicht auslassen darf (immerhin querten wir ein Kar unterhalb des Hundskopfes, leider ohne es fotografisch festhalten zu können, man geriet in ein Unwetter und es verhagelte einem die Ambitionen).

Außerdem lesenswert: der Artikel ab Seite 80 übers SUP, zusammen mit dem Vierbeiner.
Passt gerade gut. Ist einer meiner Geburtstagswünsche, neben zahlreichen anderen. Halt ein klassischer Kraulquappen-Wasserwunsch (und auch schon etwas zurechtgestutzt, da der Gatte mein „Ich würd‘ gern mal Surfen gehen“ mit einer ebenso amüsierten wie rüden Bemerkung abtat, irgendwas mit Alter und so, ich hab’s gleich wieder verdrängt).

Eigentlich wünsch ich mir, das SUP ohne Hund auszuprobieren, weil das in meinen Augen wenig Spaßpotenzial für den Hund birgt, aber wer weiß: das Dackelfräulein ist ja auch eine Wasserratte und in dem Beitrag ist von Hunden die Rede, die das wohl durchaus gern mitmachen.

Ansonsten drücken Sie uns bitte die Daumen, dass wir es hier bald mal wieder ein paar Tage am Stück (!) trocken und sonnig haben, damit Sie auch Ende August wieder in Dog&Travel von uns lesen können!

Kurz vor dem nächsten Gassi durch die Sintflut grüßt Sie herzlich –
Die Kraulquappe.

Die gescheiterte Wasserratte

Liebe Freunde, Familie, Stamm-Leser und Follower in spe,

mein dritter Blog sollte eigentlich im Frühjahr starten und „Haselflug“ heißen, passend zum Beginn der Pollensaison 2016. Dann aber war ich zu verschnupft vom Heu, vom Job, vom Leben im Allgemeinen, von zwei Todesfällen im Besonderen, von einem Basaliom, von einer Kalkschulter, von Ärger mit der Hausverwaltung und von der Fertigstellung der Steuererklärung.
Kaum näherten sich die aufgezählten Widrigkeiten und Ereignisse ihrer Bewältigung (zumindest so halbwegs) oder gar ihrem Abschluss (was lediglich für den Heuschnupfen und die Steuererklärung gilt), setzte ich mich ans Laptop, öffnete WordPress und wollte einen neuen Blog beginnen. Aber ganz so einfach und schnell sollte es nicht klappen…

Der erste hierfür nötige Schritt ist die Wahl eines „Themes“. Allein damit kann man schon mal einen ganzen Abend verplempern, selbst wenn man sich nur auf die kostenlosen Themes beschränkt. Das eine ist zu nüchtern, das andere zu floral oder zu verspielt, das nächste erinnert zu sehr an Comichefte oder an Profi-Fotografen-Websites. Ein paar technische Dinge gibt es bei den diversen Themes auch zu beachten, manche lassen sich nicht gut an mobile Geräte anpassen oder bieten im Bild-Bereich zu wenig oder zu viel Flexibilität.
Schließlich bin ich bei „Adelle“ gelandet (ich gebe zu, ein bisschen auch wegen des Namens, der mich an einen Hund erinnert, den ich sehr mochte).

Als nächstes fordert einen WordPress etwas ikea-mäßig auf: „Finden wir eine Domain.“.
Den Blog-Namen „Haselflug“ hatte ich bereits ad acta gelegt und mich stattdessen auf „Wasserratte“ eingeschossen – um meiner Schwimmleidenschaft ein Denkmal zu setzen (und weil ich beabsichtige, von Erlebnissen, Beobachtungen etc. unter und über Wasser zu berichten).
Zu guter Letzt wollte ich unbedingt eine Kongruenz zwischen der URL/Adresse des Blogs und dem Blog-Titel haben.

Dann folgte die große Ernüchterung: https://wasserratte.wordpress.com war bereits vergeben.

Unbenannt

So eine Frechheit! Das warf mich um Tage zurück!

Ich ersann alle möglichen und umöglichen Alternativ-Namen rund ums Thema Schwimmen und Wasser, alle halbwegs tauglichen Adressen waren schon belegt (hätte nicht gedacht, dass so viele Wasserfreunde bloggen!). Ich durchforstete Listen zu Amphibien, Listen zu Wassersportgeräten und anderes, bis ich genervt – und bevor die Namenssuche vollends krampfhaft zu werden drohte – eine Pause einlegte, da ich zu dem Schluss kam: „Wenn ich nicht auf einen passenden Blognamen komme, dann muss ich eben warten, bis der Blogname zu mir kommt.“.

Wieder vergingen Tage. Nichts kam zu mir, außer einer fetten Erkältung und der niederschmetternden Entdeckung, dass unser Bio-Supermarkt meine Lieblingsmarmelade (Annes Feinste, Hagebutte) ohne jedwede Vorankündigung aus dem Sortiment genommen hatte (unfassbar, wo ich doch rund 53 Gläschen davon pro Jahr gekauft habe).

Wie so oft tauchte die Lösung a) völlig unerwartet und b) bei einem Spaziergang mit meinem Hund auf.
Wir marschierten an einem Tümpel entlang, Pippa sprang hinein, um sich zu erfrischen und einen Schluck zu trinken. Ich stand am Ufer, wartete, guckte ins trübe Wasser, das mir trüber denn je vorkam, bis ich sah, dass die Ursache der Eintrübung riesige Knäuel von Froschlaich waren, die am Rand des Tümpels vor sich hin waberten.

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Erinnerungen an meine Kindheit kamen hoch: meine Eltern, ich und ein großer Eimer, abends am Froschteich bei Leutstetten, wir schöpften Froschlaich in den Eimer, die pädagogische Maßnahme dahinter hieß „Auch das Stadtkind soll mal sehen, woher der Frosch kommt“. Den Eimer mit Froschlaich beherbergten wir dann auf dem Balkon, bis die Kaulquappen schlüpften, dann wurde die ganze Horde zum Teich zurückgefahren und „ausgewildert“. Ich war begeistert von der ganzen Aktion, am meisten von dem Gewusel der unzähligen schwarzen Punkte mit Schwänzchen in dem Eimer.

Während ich da so stand, mich an glückliche Kindheitstage erinnerte, dem herumdümpelnden Froschlaich zusah und dachte, was für ein nettes Wort Kaulquappe doch ist, dauerte es nur noch einen kurzen Moment und auf einmal war die Kraulquappe geschlüpft.

Dass diese Adresse noch frei sein würde, war mir völlig klar.
Here we are!

Wie immer freue ich mich auf Euer Feedback, Mitlesen und -schreiben.

Eure Kraulquappe

PS: Ein kleiner etymologischer Exkurs ist hier unerlässlich. Woher kommt eigentlich das nette Wort?

Das mittelniederdeutsche quappe, quabbe bedeutet wahrscheinlich „schleimiger Klumpen, wabbeliges Tier, Froschlaich“ und gehört damit zur Wortgruppe „quabbeln, wabbeln, schwabbeln“. Der Wortteil Kaul- bedeutet „Kugel, dicker Kopf“, abgeleitet vom Früh-Neuhochdeutschen Kaule (siehe auch: Kaulbarsch, Kaulkopf [= Groppe] und das sächsische Gericht Quarkkäulchen).
[Quelle: Wikipedia]

PPS: Habe mich für den Wikipedia-Eintrag entschieden, da mich diese Grafik ratlos zurückließ…

etym kaulquappe

Unter sächsichen Quarkkäulchen kann man sich ja noch was vorstellen, aber was um alles in der Welt ist eine Kauliflorie, ein Kauri, ein Kaumazit oder eine Kaupelei?