Domestikation oder: Ideen, auf die man kommt, wenn einem der Nikolaus nix bringt.

Tür geöffnet: Nix!
Nur die schmutzigen Stiefel vom gestrigen Marsch am See.

Raus zum Gassi. Im Treppenhaus bemerkt, was so alles in den Stiefeln der Nachbarskinder steckt. Holla, die Glücklichen!
An früher gedacht. Nikolaus, das war der Tag, an dem der Vortag, also der Geburtstag der Mutter, noch nachwirkte, das konnte die beste Lindt-Schokolade nicht übertünchen und Santa Claus konnte sich die Rute getrost sparen.
So gesehen war’s wurscht, was im Stiefel steckte oder nicht, denn die Granatenenttäuschung der Mutter steckte uns ja noch in den Knochen, obwohl wir uns die Hacken ausgerissen hatten für diesen Jubeltag und seine Würdigung.

Ich hätte da also nikolaustechnisch irgendwie einen Nachholbedarf, obwohl mir dieses ganze Advents- und Weihnachtsgedöns an sich ja egal ist. Denk ich mir so, als ich wieder hochkomme in die Wohnung.

Der Hund will spielen, ich auch. Prima, spielen wir also.

„Sind Sie vom Nikolaus eigentlich auch so enttäuscht wie ich?“

Der Hund hat sich das Spiel anders vorgestellt.
Aber für ein paar Hirschbröckerl ist es mir gestattet, die Spielregeln vorzugeben.

Hohoho!

Meine Laune ist jetzt besser.

Tipp des Tages: Sollten Sie’s irgendwie an der Seele haben oder gar zu Depressionen neigen, dann holen Sie sich doch einen Dackel ins Haus. Das ist wie ein Dauerrezept für ein Spitzen-Anti-Depressivum, weitgehend nebenwirkungsfrei, freilich nicht preiswert und auch in der täglichen Dosierung und Anwendung manchmal durchaus herausfordernd, aber Ihre Gesundheit und die Stabilität Ihres Nervenkostüms – speziell in der Vorweihnachtszeit – sollte Ihnen ja was wert sein.

Einen frohen Nikolaustag und -abend wünschen wir Ihnen!
Bleiben Sie locker, trotzen Sie der Domestikation, vor allem, wenn Sie ein Hund sind oder ein Rentier.

 

Herzlichst,
Ihre Kraulquappe.

PS: Ganz besondere Grüße gehen hiermit an die liebe B. aus O., die sich dieser Tage nichts sehnlicher wünschte als ein frontales, fröhliches Pippa-Foto und solche Wünsche nimmt der Nikolaus immer sehr ernst!

Every Saga ends oder: Weihnachten ist jetzt schon geritzt.

Der Gatte, in einem seiner Nebenjobs Serienbeauftragter, hat soeben die frohe Kunde überbracht: Saga Norén kommt zurück!

Das jähe Ende der 9 Staffeln „24“ hab ich mittlerweile verwunden (bzw. durch Kiefer live in concert ersetzt), der Tod von Peter Quinn ist hingegen für immer und ewig unverdaulich und unverzeihlich, aber wenigstens ist er mittlerweile 9 Monate her und die Zeit heilt doch so manche Wunde (der Serienbeauftragte teilte mit, dass er auch die neue Homeland-Staffel bereits vorbestellt hätte – nun gut).

Pünktlich zu Weihnachten werden wir also Saga Norén in der 4. Staffel von „Die Brücke“ wiedersehen und auch wenn’s wohl definitiv die letzte sein soll (Untertitel: „Every Saga ends“) – ich freu mich!

Von Unschuld und Liebe oder: Die vierte der zwölf Rauhnächte.

Als ob Weihnachten einen nicht schon genug strapazieren würde. Mitten in diesem großen Familien-, Feier- und Fress-Spektakel beginnen auch noch die Rauhnächte. Zwölf an der Zahl und mythologisch recht aufgeladen, da für unsere Vorfahren jede dieser Rauhnächte (inkl. des dazugehörigen Tages) stellvertretend für einen Monat des folgenden Jahres stand und kräftig zum Deuten und Oraklen herhalten musste.
Alles wurde beobachtet: das Wetter, die Träume, das Befinden, die Bekömmlichkeit der Mahlzeiten, kleine Probleme, große Sorgen.
Alles hatte Bedeutung, und wer in der Lage war, diese herauszulesen oder hineinzulegen, der konnte für den dazugehörigen Monat des bevorstehenden neuen Jahres so kluge und hilfreiche Prognosen treffen wie: „im Januar führt einen jemand aufs Glatteis“ oder „der April wird ein regenreicher Monat“ oder „im Juni droht Durchfall“ oder „im Oktober erschlägt man die Nachbarin aus dem 2.OG“.

Dem 28.12. kommt innerhalb der Rauhnächte eine besondere Bedeutung zu: Es ist der Tag der unschuldigen Kinder.
Und es ist Pippas Geburtstag. Zwei Tatsachen, die nicht wirklich harmonieren.

Wer das Dackelfräulein beispielsweise gestern in den Wäldern gesehen hätte, wüsste sofort wieso, weil er/sie dann miterlebt hätte, wie der kleine Raubauz ins Unterholz abgehauen ist, um sich dort an einem halb verwesten Rehschädel zu laben (ja, da war immer noch ein bisschen was Leckeres zum Abnagen dran!), dass es nur so knusperte.
Bis Sie da hinterher kommen, um Ihrem Hund – der natürlich in solchen Augenblicken von Spontan-Taubheit befallen wird – am Tatort ein Stück Rehunterkiefer aus dem Maul zu fischen, rieseln Ihnen im Unterholz nur so die Tannennadeln zum Mantelkragen hinein, und während Sie dann grad versuchen, sich die stinkenden, klebrigen Finger abzuputzen, um sich im Anschluss daran die Jacke und den Pullover ausklopfen zu können (so Tannennadeln am Rücken pieken ganz ordentlich!), sehen Sie auch schon aus den Augenwinkeln, dass sich Ihr Hund in diesen 15 Sekunden hinterrücks nochmal ans Buffet gepirscht hat, um sich ein Dessert zu schnappen. Sie verbrauchen ca. fünf Taschentücher für die ganze Sauerei (Hund, Hände), ziehen für den Rückweg Ihre Handschuhe wegen eventueller Aasrückstände lieber nicht mehr an und marschieren fluchend und mit eiskalten Händen heimwärts, vor Ihnen schleicht Ihr Hund mit angelegten Ohren und hängender Rute übers Trottoir, dreht sich alle paar Meter zu Ihnen um und wirft Ihnen einen Blick der unterwürfigsten, leidvollsten, erbärmlichsten und treuherzigsten Sorte zu. Es geht nämlich auf 16 Uhr zu, Futterzeit am heimischen Napf, und da will man schon mal rechtzeitig beschwichtigen und sich wieder gut stellen mit dem Dosenöffner, der grad aus unerklärlichen Gründen so todbeleidigt herumschnaubt und grantig dreinschaut.

Das war nur ein Beispiel für die vielen freudigen Momente, die das Hundehalterjahr ebenso treu begleiten wie Zeckenpulen, Zähneputzen und Zyklusprobleme (um noch ein paar weitere zu nennen). Von Unschuld der am 28.12. Geborenen kann also keine Rede sein (handelt es sich zusätzlich um einen Dackel, gibt’s sogar „ab Werk“ noch das kostenlose Schlawiner-Upgrade obendrauf, Glückwunsch!).

Früher, so las ich, gab es am 28. Dezember den Brauch, dass Kinder den Erwachsenen lustige Streiche spielen durften, vereinzelt soll das in manchen Gegenden Bayerns und Österreichs noch heute der Fall sein. Aha.
Weil sich so ein Rauhaardackel um Rauhnächte genauso wenig schert wie um Brauchtum, Kirchentage und Jubiläen aller Art, spielt er einem ganzjährig lustige Streiche, tanzt einem mal mehr, mal weniger auf der Nase herum, versucht immer wieder hartnäckig, einem den Platz auf dem Chefsessel streitig zu machen oder einen wenigstens davon zu überzeugen, dass zwei Stunden im Regen aufregender sind als gemütlich daheim im Sessel zu hocken (ganz gleich, in welchem).

6 Jahre geht das nun schon so – und ungeachtet all der Gaunereien und Rangeleien gehören diese Jahre zum Besten, was mir je passiert ist: die Dosis an Freude & Liebe sowie an Naturerleben & Bewegung ist unübertroffen!

Dafür danke ich Dir, meine liebe Pippa, von ganzem Herzen und koche Dir, obwohl Du gestern im Wald schon Rehbraten hattest, für heute eine große Portion Hühnchenfilet.

Auf Dich, Deinen 6. Geburtstag & noch viele gemeinsame Jahre da draußen & hier drinnen!

Pippa, draußen (Hirschberg).

Pippa, drinnen (Haifisch).

A merry doggy christmas oder: Es reicht!

Ja is‘ denn heut‘ schon Weihnachten?!

Gary Larson hat es einst auf den Punkt gebracht, was Hunde von diesem Zirkus halten:

Nichtsdestotrotz hab‘ ich’s durchgezogen…

…und erst aufgehört, bevor die Stimmung endgültig zu kippen drohte…

…was ich dann doch nicht riskieren wollte, denn schließlich is‘ heut‘ ja Weihnachten.

Wir wünschen Euch allen – Menschen & Hunden & anderen Tierchen – gemütliche und erholsame Feiertage, allseits volle Schüsseln und Näpfe sowie viel Zeit zum Kuscheln und Kraulen, wenn Ihr von Winterspaziergängen oder strapaziösen Familienbesuchen heimkehrt!

Eure Kraulquappe & das Dackelfräulein.

Männer beim Einkaufen.

Heute Nachmittag im vorweihnachtlichen Trubel.
Ein zur „Brotmanufaktur“ geschickter und von vermutlich diversen vorangegangenen Einkäufen bereits reichlich strapazierter Familienvater (Anfang 50) vor mir in der Schlange. Zettel in der Hand, ganz klar von der Frau geschrieben (man erkennt das an den vielen Zusätzen, gelegentlich habe ich solche Männer schon bzgl. der korrekten Interpretation all der Zusätze beraten).

Es steht an: Brot-Hamsterkauf für die Groß-Sippe nebst 16 Semmeln zum Einfrieren (Sorten sind detailliert aufgeführt) und – Obacht! – einem von der Frau recht offen formuliertem Listeneintrag „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“.
Familienvater kommt dran. Brot- und Semmel-Order verläuft reibungslos. Dann aber: Familienvater begutachtet Gebäcksortiment, man kann ihm ansehen, dass das Sortiment (ca. 12 verschiedene Plunderteilchen, Schnecken, Krapfensorten, Hefestückchen etc.) ihn völlig überfordert und er am liebsten 8x irgendwas kaufen würde. Aber auf seinem Zettel steht „versch. Gebäck, insges. 8 Stück“, puh!

Die Bäckereifachverkäuferin (Typ Mehlmade: bleich, hefige Optik, etwas verschwitzt, spröde im Ton und schon recht müde vom langen Tag) will genau wissen, was denn jetzt und wieviel wovon. Da die Schilder fehlen, deutet der Familienvater verzweifelt mit dem Finger auf die gewünschten Stücke. Mehlmade kann den Fingerzeig nicht genau erkennen und verlangt nach dem Produktnamen. Familienvater ist genervt, aber in Gottes Namen, dann versucht er’s eben: „2 Quarktaschen, 2 Krapfen, 2 Nussschnecken und 2 von denen da in der Mitte“.

Verkäuferin ist noch mit den Zwischenlegpapierchen zur Trennung der klebrigen Quarktaschen von den Nussschnecken beschäftigt und fragt nach: „Welche da in der Mitte?“ (was in der Tat schwierig ist, da es bei den 4 Sorten direkt vor ihrer Nase keine Mitte gibt, wenn man die Sache sortenrechnerisch betrachtet, räumlich – wie es vom Familienvater natürlich gemeint war -, gäbe es die sehr wohl).

Familienvater zeigt mit den Finger drauf und sagt etwas ungehalten: „Na zwei von diesen Busen-Dingern da!“ – und treibt damit der Mehlmade eine entzückende Schamesröte auf ihre ansonsten so blassen Bäckereifachverkäuferinnenbäckchen. Ihr entfährt sogar ein kleines Kichern, während sie zielsicher und beherzt nach den Busen-Dingern greift (und auch die nachfolgende Kundschaft schmunzelt vor sich hin ob dieser netten Unterbrechung der allgemeinen Vorweihnachtshektik).

Frohe Weihnachten all den tapferen Männern, die ihre Einkaufslisten ähnlich erfolgreich abgearbeitet haben
wünscht
Die Kraulquappe.

In dulci jubilo.

Liebe tz,

wie Du ja weißt, hadere ich immer wieder mit deinen Schlagzeilen und Artikeln, ebenso mit dem von Dir verwendeten Bildmaterial.

Klar, Hunde dürfen keine Schokolade essen, weil das darin enthaltene Theobromin schon in kleinen Mengen zu einer Vergiftung führen kann.
Aber: Welcher Hundehalter ist denn so deppert, seinem Vierbeiner diesen hässlichen Schoko-Nikolaus minderer Qualität auch noch samt Alufolie hinzuhalten? Und musste das canide Fotomodell unbedingt ein an endokriner Orbitopathie leidender Dalmatiner sein? Naja, Hauptsache, Frauchens Fingernägel sind tiptop.

Natürlich lässt man keinen Süßkram in Hundereichweite daheim herumliegen. Gut, vielleicht sind die Hundehalter in deiner Leserschaft so doof, dass sie das tatsächlich nicht wissen und Du es Ihnen sagen musst.

Ich möchte Dir jetzt mal zeigen, wie man das Problem „Schoko-Nikoläuse & verfressene Hunde“ auch elegant lösen kann.
So, dass weder Herr, noch Hund leer ausgehen, kulinarisch gut bedient werden und Waldi weder zu Nikolaus noch an Weihnachten irgendeine Lebensgefahr droht.

Was Du hier siehst, ist ein Münchner Zamperl, das am Nikolausabend zufrieden von einer alpinen Exkursion heimkehrt und zu seiner großen Freude und Überraschung vor der Wohnungstür auf Sankt Nikolaus trifft.

Zum einen ist der von einer Schweizer Schokoladenfirma und damit auch genießbar, zum anderen hat er – wie sich das gehört – ein Sackerl geschultert…

…in dem sich ein paar kleine Leckereien für das Dackelfräulein befinden, das den Braten natürlich sofort riecht und sich nicht mehr die Bohne um den ollen Schoko-Nikolaus schert.
Hier hat ein Nicht-tz-Leser – in dem Fall unser netter Nachbar Dr. T. – einfach seinen gesunden Menschenverstand eingeschaltet und dann das Richtige getan.

So simpel ist das, liebe tz!
Kurz Nachdenken und: Kein Futterneid, kein Schokoladenklau, keine Gefahr für niemanden!
Gern kann ich Dir die Fotos fürs nächste Mal zur Verfügung stellen. Speziell hier in München ist so ein Dackel eh der bessere Hingucker als ein Dalmatiner.

[An dieser Stelle nochmals ein herzliches Dankeschön an den Nachbarn, der das Dackelherz zwar längst erobert hatte, aber es kann definitiv nicht schaden, sich fortwährend dessen zu versichern.]

Womit Du allerdings recht hast, liebe tz: Weihnachten selbst ist verdammt gefährlich.
Aus dem Ruder laufende Zuckeraufnahme, grauenhafte Völlerei und tagelang anhaltendes Überfressenheitsgefühl drohen all jenen, deren Teller und Näpfe sowieso schon immer gut gefüllt sind. Um dem zu entkommen, verbringen wir die Feiertage überwiegend mit Homeland und anderen Serien sowie mit Winterwanderungen fernab jeglichen Familien- und Fress-Terrors. Die Vorbereitungen dazu beginnen bereits in der Adventszeit. Der Gatte weilt aktuell in der Hauptstadt und präpariert sich dort fürs anstehende xmas-binge-watching mittels Teilnahme am Symposium „Die Hungerkunst.“ Meinerseits verbringe ich den eiskalten Samstag recht spartanisch mit Suppekochen, Gassigehen, Kellerausmisten und am späteren Abend frische ich die letzte Homeland-Staffel nochmal auf.

Wir kochen keinen Braten, backen keine Stollen, schreiben keine Weihnachtspost, besuchen keine Weihnachtsmärkte, schmücken keine Christbäume und verpacken keine 25 Präsente. Eine recht reduzierte Veranstaltung, das Ganze. Die DVDs der neuen Staffel liegen seit heute bereit, die neue Schneejacke auch (beides reduziert, versteht sich). Die Feiertage können kommen.

Aber für Dich, liebe tz, habe ich ungeachtet meiner persönlichen Weihnachtsabstinenz einen ganz besonderen Geschenktipp zum Christfest…

… der Deinen Redakteuren, die das ganze Jahr über diese meist unsäglichen, unkundigen Hundeartikel schreiben, an langen Winterabenden vielleicht die eine oder andere Erleuchtung bescheren möge.

Beste Grüße,
Deine Kraulquappe.

PS: Ach ja, fast hätt‘ ich’s vergessen. Das Pfützchen vor dem Zeitungskasten ist nicht von Pippa, so kläglich würde sie ihre Meinung nie kundtun.

So nicht. Oder: Das Nobelsofa.

Ein paar Tage zwischen Mängelbeseitigungsaufforderung, fruchtloser Korrespondenz mit der Hausverwaltung, Rechtsberatung beim Mieterverein, Vorsorgevollmachtstermin (den Papa betreffend), neuen Arbeitsaufträgen und sogar normalem Alltagskram hin und her geeiert, während Lkws in Weihnachtsmärkte rasen, der Tag naht, an dem mein im Januar gestorbener Freund nicht mehr 55 werden wird und mir vorhin die Nachbarin so ganz nebenbei im Treppenhaus berichtet, dass ihre beiden Kater am Wochenende aufs Nobelsofa von Ligne Roset gepinkelt haben („Das hat 5.000€ gekostet!“) und gestern auf die Marmorplatte der Kommode („Die sind vielleicht verhaltensgestört!“), weshalb sie nun eine Anzeige aufgegeben hat („So kann es unmöglich weitergehen!“), um die Kater abzugeben („Natürlich nur in gute Hände!“).

Die beiden sind 12 und die Nachbarin hat sie von klein auf. Da bleibt einem doch echt die Spucke weg.

Fast bin ich geneigt, ihr zu wünschen, dass man sie auch eines Tages abgibt, falls sie aus psychischen oder altersbedingten Gründen ins Bett pinkeln sollte. Aber vielleicht haben es die beiden, nachdem sie 12 Jahre stinklangweiliges Katzenleben allein in der Wohnung verbringen mussten, nie raus durften und während der zahlreichen dreiwöchigen Urlaube ihres Frauchens 1x am Tag von einem Katzensitter ihr Futter in die Schüssel geworfen bekamen, anderswo eh besser. Hoffentlich.

Und hoffentlich bringt sich die Nachbarin dann nicht ein neues Tier von einem dieser Urlaube mit, die sie gern mal in Länder wie Rumänien, den Irak oder die Türkei unternimmt („Da ist alles so schön, weil noch so ursprünglich!“), an dem sie dann ihre mehrfach lautstark kundgetane große Tierliebe („Ich hätte ja sooo gern ganz viele Tiere!“) ausleben könnte („Diese Straßenhunde sind ja so süß und so arm!“). Sie ist bewegungsfaul und fett korpulent, die Nachbarin, möge sie also bloß die Welpen verschonen.

Na gut, ich gebe es zu: Meine ohnehin schon angeknacksten Filter sind jetzt definitiv zu durchlässig geworden. Da brennt die Sicherung dann schneller durch als üblich.
Daher schließe ich mich nun doch den zahlreichen Bloggerkollegen an, die über Weihnachten die Schotten dicht machen.

Euch allen schöne und friedliche Feiertage, mit oder ohne Weihnachtsfest, mit oder ohne Familientrubel, mit oder ohne Geschenke.

Manchmal ist weniger ja mehr und Hauptsache, der Stress bleibt mal für eine Weile draußen vor der Tür (wie die Eiseskälte ja auch), so dass ihr es drinnen gemütlich und kuschelig warm habt, allein, mit euren Lieben und Haustieren. Das ist doch dann schon was.
Sogar verdammt viel, finde ich.

Gute Zeit für euch – wir hören und lesen uns wieder in alter oder neuer Frische ab dem 27.12.!
Eure Kraulquappe.

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(© Dorthe Landschulz)

Sound of Silence oder: Game over (not yet).

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Leider bin ich der klassische Fall für gelungene, lebenslange Markenbindung. Leider hat das manchmal weit weniger mit erfülltem Qualitätsanspruch zu tun als ich mir einreden möchte. Sondern vielmehr mit Gewohnheit und Veränderungsresistenz.

Ich bin in einem MieleWamslerSiemens-Haushalt aufgewachsen. Jedes größere Elektrogerät trug einen dieser Markennamen, die in den 1970er Jahren noch für solide Qualität made in Germany standen. Der Prozess der Markenbindung – so behaupten Forscher – setzt bereits im Alter von 3 Jahren ein. Da ist schon was dran, zumindest in meinem Fall. Das erste Wort, das ich mit knapp 4 Jahren lesen und schreiben konnte, war SIEMENS.

Daran war nicht nur unser technisches Equipment schuld. Wir wohnten nicht weit entfernt von den im Münchner Süden angesiedelten Siemenswerken, so dass überall in der Gegend die weißen Autos mit dem damals noch dunkelblauen Schriftzug herumfuhren und als Kind der 70er Jahre guckte man bei Autofahrten ja noch keine DVDs auf an der Rückseite der elterlichen Sitze montierten Tablets, sondern aus dem Fenster.

Spielte ich auf dem Küchenboden, war ich umgeben von WAMSLER und SIEMENS, im Flur konzipierte ich meine riesigen Playmobil-Landschaften so, dass noch Schneisen für die Einsatzfahrten des MIELE-Staubsaugers frei blieben und in der Badewanne planschte ich mit meinem aufziehbaren Wal herum (der Wasser speien konnte!), während die MIELE-Waschmaschine vor sich hin blubberte und trommelte.

Fast 20 Jahre später war mein erster eigener Kühlschrank von SIEMENS und mein erster Staubsauger von MIELE. Andere Studenten jobbten, um die Welt zu bereisen oder sich Auslandssemester zu finanzieren, ich steckte das Geld in mein kleines Würzburger Apartment, Musik, Bücher, gutes Essen, französische Zigaretten und Sprit für den Ford Fiesta. Nur eine vernünftige Waschmaschine war nicht mehr drin, da ärgerte ich mich jahrelang mit einem Billig-Glump von Neckermann herum.

Je erwachsener ich wurde, desto mehr emanzipierte ich mich von dem Markenuniversum meiner Eltern. Nur der MIELE-Staubsauger ist mir immer geblieben. Der erste hielt 12 Jahre, der zweite 10 Jahre. Ich mag die Bauweise, ich mag das integrierte Zubehörfach, ich mag die Haptik und am meisten mag ich, dass sich an dem Teil seit meiner Kindheit nichts Wesentliches verändert hat. Hatte man sich einmal an die Bedienung gewöhnt und war mit all den durchdachten Funktionen vertraut, konnte man 10 Jahre blind vor sich hin saugen und sich auch beim nächsten Staubsauger darauf verlassen, nicht groß umlernen zu müssen.  Außerdem sahen die Dinger nie aus wie R2-D2, präsentierten sich niemals in abgespacten Joggingschuhfarben und bekamen durch all die Jahrzehnte auch nie alberne Modellbezeichnungen wie „Vampyr“ oder „Dirt Devil“ verpasst.

Erst bei meinem dritten MIELE-Staubsauger, den ich im Winter 2013 anschaffte, hatten sich die Anglizismen eingeschlichen und ich musste zwischen drei Produktlinien wählen – Classic, Eco oder Power –  innerhalb derer es etliche Untertypen gab, je nach Reinigungserfordernissen und Größe des Geldbeutels. In treuem Glauben, auch der dritte MIELE meines Lebens würde wieder eine Dekade lang an meiner Seite gegen den Schmutz und Staub des Alltags kämpfen, gab ich ein kleines Vermögen für den neuen Hausgehilfen in Obsidianschwarz aus.

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Heute ist er, nach nur 3 Jahren, verreckt.

Unsere Dackelmadame hat ihn als Erste kommen hören, seinen frühen Tod. Vor einigen Wochen begann sie urplötzlich die Flucht zu ergreifen, wenn der MIELE EcoSilence ihr zu nahe kam (zuvor konnte man ihr quasi die Knochenbrösel vor der Nase wegsaugen und sie zuckte nicht mit der Wimper). Ich hatte schon wieder die Hormone im Verdacht, aber eine Weile später vernahm ich es auch: ein neuartiges Röcheln, beim Ausschalten gar ein Heulen und Husten. Eine Untersuchung ergab: Saugschlauch in Ordnung, nichts verstopft, es war der Motor. Keiner hier im Haus kann und will einen Staubsaugermotor zerlegen. Auf einen vorübergehenden Infekt hoffend, wartete ich ab und beobachtete meinen Alltagshelfer mit steter Sorge. Sein Geröchel und Gekeuche nahm zu.

Am heutigen zweiten Advent hat er nun seinen letzten Atemzug getan – gar nicht im EcoSilence-Stil, sondern ziemlich laut und ungehobelt. Wenigstens erst im letzten Zimmer und am Ende des Wohnungsputzes. Aber es gibt nichts schönzureden: Ich bin maßlos enttäuscht. Er war ein MIELE und es waren nur 3 Jahre – das erschüttert das hausfräuliche Segment meines Weltbildes erheblich!

Es gibt Abschiede, bei denen man sich (anders als bei einer zerbrochenen zwischenmenschlichen Beziehung) keine Wut- oder Trauerphase erlauben kann, sondern sofort für Ersatz sorgen muss. Der des Staubsaugers gehört in diese Kategorie, zumal dann, wenn man mit Hund lebt und sich für die nächste Woche gleich 3x Besuch angesagt hat.
Nicht mal den Kundenservice von MIELE kann man an einem Sonntag beschimpfen, die sind erst montags wieder erreichbar, die wissen schon, warum. Aber was soll’s – die Garantie ist ohnehin abgelaufen und ich war sowieso kurz nach dem Ableben des EcoSilence wild entschlossen, mit dieser Marke für den Rest meines Lebens Schluss zu machen. Aus, Ende, Finito. So wenig Qualität für so viel Geld, das lass‘ ich mir nicht nochmal bieten.

Also verbrachte ich den gesamten Abend vor 6 parallel geöffneten Browserfenstern: 3 Testberichtseiten und 3 Versandhändler bzw. Elektrogroßmärkte. Ich wühlte mich durch Kundenrezensionen, studierte Produktdatenblätter, selektierte nach Energieeffizienzklassen, Preisspannen sowie nach allen namhaften Herstellern außer MIELE, guckte mir Dutzende „Bodenstaubsauger mit Beutel“ an – und war nach einiger Zeit völlig frustriert.

SIEMENS kann man nicht kaufen: Die haben alle einen beschissenen Kabelaufrollmechanismus (am Kabel ziehen, dann rollt es sich ein – ja so ein Schmarrn), vielfach von ansonsten zufriedenen Kunden gerügt. ROWENTA und DYSON scheiden wegen der dämlichen (angeblich) ergonomischen Monstergriffe aus, da brech‘ ich mir ja das Handgelenk und den Möbelpinsel kann man zwar aufstecken, aber er passt nicht mehr in schmale Stellen des Regals. BOSCH hat nur miese Energieeffiienzklassen im Angebot oder für den Hund unzumutbare Dezibelwerte oder schlechte Kundenbewertungen. PHILIPS scheidet wegen der geriatrischen Optik seiner gesamten Produktpalette aus. AEG hat nur Bodendüsen zu bieten, mit denen man unter keinen Heizkörper kommt und zudem eine fragil wirkende AeroPro-3in1-Kombidüse als einziges Zubehör, der ich im Alltagseinsatz keine 3 Monate gebe. Ernüchtert forstete ich noch alle Billigmarken durch, mit ebenso ernüchterndem Ergebnis.

Kurz: Es gab trotz schier unendlicher Auswahl keinen einzigen Staubsauger, der über all das verfügte, was die drei MIELEs, die es bisher in meinem Leben gegeben hatte, wie selbstverständlich konnten oder hatten!

Wie die Sache ausging?

Nach drei (oder waren’s gar vier?) Stunden war ich dermaßen zermürbt vom Rumklicken, Lesen, Verwerfen, Suchen und Vergleichen, dass ich den zwar reduzierten, aber dennoch teuren „Compact C2 Excellence EcoLine“ in stinknormalblau bestellte. Er ist von MIELE.
Selbst wenn er wie sein Vorgänger nach nur 3 Jahren den Geist aufgeben und ich mich dann erneut wahnsinnig ärgern sollte, würde ich bis dahin zumindest wieder in aller Ruhe den Wollmäusen in unserer Wohnung den Garaus machen, sofern er so leise ist wie es der obsidianschwarze EcoSilence mal war, bevor seine Lungenentzündung begann.

Ja, verdammt! So schnell können Wut und Enttäuschung beiseite geschoben werden. Derlei Wankelmütigkeit fand ich immer schon zutiefst unsympathisch, das erinnert mich aufs Widerlichste an diese Paare aus der Studentenzeit, die sich wiederholt nach irrsinnigen Dramen lautstark und für immer trennten und wenig später schon wieder ein Herz und eine Seele waren. So war ich nie, so wollte ich nie werden – und nun geht es mir ganz ähnlich.
Angesichts des Angebots da draußen, in der freien Wildbahn der Staubvernichter, kehre ich fast schon reumütig zu meinem MIELE zurück, obwohl er mich so schmählich im Stich gelassen hat…
Wie gesagt: Ich bin ein Paradebeispiel für gelungene Markenbindung.

Wenn das so weitergeht, lade ich in 10 Jahren auch solche Videos in youtube hoch wie dieses hier, das User „Papa:-)E“ voller Inbrunst gedreht und der Allgemeinheit zugänglich gemacht hat:

Diese Zeilen schreibe ich übrigens an unserem DELL-PC, während im Hintergrund eine mehrere Gigabyte große Datensicherung so vor sich hinrödelt. Da hatte ich ein bisschen Zeit. Die Daten müssen sorgsam auf eine externe Festplatte gepackt werden, da der Rechner seit über einem Jahr massive Probleme hat, denen auch mein versierter IT-Freund S. nicht mehr beikommen konnte, so dass sie mit der Zeit noch massiver wurden und nun parallel zum Siechtum des MIELE EcoSilence ein Ausmaß erreicht hatten, das mich das bevorstehende Ende erahnen ließ (von PCs verstehe ich mehr als von Staubsaugermotoren).
Da es mein erster DELL war und ich hier nicht auf Marken geprägt bin, weil es in meiner Kindheit noch keine PCs gab, war ich relativ flexibel und habe in nur 2 Stunden und noch vor der finalen Operation des Prozessors bereits Ersatz bestellt. Was für ein Wochenende!

Das war’s dann auch mit den Weihnachtsgeschenken bei uns. Hauptsache, wir sitzen an den Feiertagen nicht verstaubt und ohne Internet da. Nun aber wohl ohne das 18 Stunden und 16 Minuten umfassende Audiobook, das zu Nikolaus erscheint (und das ich mir eigentlich vom Gatten wünschen oder selbst schenken wollte) 😦

Gute Nacht & einen störungsfreien Wochenanfang wünscht euch
Die Kraulquappe.