Song des Tages (39).

Old habits die hard…

Langjährige Freunde erkennt man daran, dass sie sich auch vier Jahrzehnte nach Freundschaftsbeginn, wenn sie abends müde und erschöpft in Amsterdam durch den Duty-free-Shop stolpern, beim Anblick des Chocoladehagel-Kartons von De Ruijter, der erfreulicherweise immer noch so aussieht wie vor vier Jahrzehnten (bis auf den „Ausgießer“, der jetzt umweltfreundlich aus Pappe ist und nicht mehr aus Metall), sofort daran erinnern, dass das doch jenes Zeug war, das die Freundin immer so gern mochte und Jahr für Jahr aus den Vrouwenpolder-Sommerurlauben mitbrachte, dann sicherheitshalber beide Varianten kaufen (hell und dunkel), weil sich die Geschmacksvorlieben ja in vierzig Jahren evtl. mal geändert haben könnten (stimmt, ich mag mittlerweile beide Sorten), danach noch die Original-Holland-Butterwaffeln dazupacken, die auch immer noch in der gleichen Dose angeboten werden wie damals (so funktioniert langjährige Kundenbindung!), und am Tag drauf mit all diesen Köstlichkeiten im Gepäck nach München fahren und für einen Abend zu Besuch kommen – selbstverständlich nicht ohne vorher im heimatlichen Zürich noch eine Leckerei für das Dackelfräulein besorgt zu haben.

Gut, auch wir haben uns nicht lumpen lassen, und ein 3-Gang-Menü serviert, das offenbar gemundet hat, zumindest ist kein Krümelchen übrig geblieben.

Das geschah erst beim Frühstück, als doch glatt ein paar Chocoladehagelstückchen über den Brotrand kullerten (trotz der Spachtelmasse auf dem Brot), die Technik der möglichst lückenlosen Schichtung (es muss knirschen, wenn man reinbeißt) saß schon mal besser, aber wir haben ja nun zwei Kartons zum Üben (und überdies mit Freude zur Kenntnis genommen, dass die Freundin demnächst wieder eine Dienstreise nach Amsterdam unternehmen muss).

Danke, liebe H., für den schönen Abend gestern, gute Heimreise in die Schweiz & hier kommt für dich der Song zum heutigen Frühstücksbrot:

Old habits die hard
And old soldiers just fade away
Old habits die hard
Harder than November rain

Nie war Jude Law, der übrigens unser Jahrgang ist, schöner als in „Alfie“ – und ich mir so sicher wie du in Amsterdam mit dem Schokokarton, dass du das ganz genauso siehst 🙂

Et ici? Kaka de Kiki!

Schön hier, trotz der seltsam ohrlosen Hunde mit pinken Halsbändern.

Maybe everything that dies someday comes back.

Fridolin ist wieder da.
Ich habe ihn sofort erkannt, als ich ihn letzte Woche beim Morgengassi entdeckte. In Gestalt einer Krähe saß er auf einem Gartenzaun, putzte sein glänzendes Gefieder und hüpfte anschließend auf die Wiese hinab. Es war ein spezielles Hüpfen, nämlich das eines Vogels, der einen gelähmten Fuß hat. Exakt so hüpfte auch Fridolin.

Mein 2012 in sehr hohem Wellensittichalter verstorbener Gefährte hatte ein verkrüppeltes Füßchen, seit er im Jahre 2002 bei einer missglückten Landung meiner damaligen Dogsharing-Dackeldame Hummel in den Fang geraten war. Die hervorragenden Ärzte der Münchner Vogelklinik, in der wir bange Stunden wartend, hoffend und staunend zwischen Fasanen, Hühnern, Enten und anderem Geflügel zubrachten, haben ihm seinerzeit das Leben gerettet, indem sie sein streichholzdünnes, gebrochenes Beinchen kunstvoll geschient haben (eine teure Angelegenheit, aber die Versicherung von Hummels Herrchen hat alles bezahlt).

Wie ein humpelnder Pirat sah er aus, mein kleiner Vogel, aber er war zäh und tapfer, und hat den schlimmen Unfall überstanden. Der Bruch heilte, nur seine Zehen blieben lebenslang gelähmt, weshalb die hintere Zehe so nach vorn gebogen war, dass er nur alle vier Zehen als taubes Bündel auf der Stange aufsetzen konnte. Mit der Zeit lernte er, trotz seiner Behinderung das Gleichgewicht zu halten, sicher auf seinem Vogelbaum zu landen und mit Hilfe seines Schnabels und des intakten anderen Fußes genauso gut zu klettern wie zuvor mit zwei gesunden Füßen.

Er war eine große Vogelseele, konnte ganz wunderbar gluckern und schimpfen, liebte „Jungleland“ und Hirsekolben, quittierte jedes aus dem Bad ertönende Nagelknipsgeräusch sowie das morgendliche Abklopfen des Portionierlöffels an der Kaffeedose mit einem Spezialpiepton, der ausschließlich diesen beiden Geräuschen vorbehalten war.
Von all den Wellensittichen, die ich in meinem Leben hatte, war er der, mit dem ich am innigsten verbunden war. Als ich ihn nach über zehnjährigem Zusammenleben gehen lassen musste, war ich untröstlich. Was habe ich seine Stimme vermisst, wie sehr haben mir sein schräg gelegtes Köpfchen mitsamt dem neugierigen Blick, mit dem er mir beim Arbeiten zuguckte, gefehlt!

Und nun hüpfte er durch die morgendlich gefrorene Wiese, dieser schwarze Wiedergänger von Fridolin, wir hatten mehrmals Blickkontakt und mir schossen Tränen in die Augen.
Daheim angekommen, informierte ich sofort den Gatten, dass unser Wellensittich als Krähe zurückgekommen sei und ob er nicht auch fände, dass er sich doch dadurch  – so rein ornithologisch betrachtet – verbessert hätte.

Seitdem begegnen wir uns öfter, ab und zu sitzt er sogar auf der Dachrinne des gegenüberliegenden Hauses, legt seinen Kopf schräg und blinzelt mir zu, mit seinen klugen, schwarzen Knopfaugen.

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Unsere Fußbodenheizung muss ihren ersten Winter stemmen und weiß noch nicht so recht, wie das geht. In einem Raum verhält sie sich vorbildlich, im anderen ist sie launisch, im dritten rauscht sie.

Gestern traf ich zufällig den Heizungsinstallateur im Keller, der vom Hausmeister zur Behebung eines kleinen Wasserschadens gerufen worden war.
Schön, dachte ich, dann müssen wir den nicht extra kontaktieren und er kann sich gleich mal die Probleme bei uns in der Wohnung ansehen, wenn er eh schon im Haus ist.
Als ich seine Stimme hörte, zuckte ich zusammen. Sie kam mir sofort vertraut vor, aber so mitten im Gespräch – ein Dialog mit Heizungsvokabular erfordert meine volle Konzentration! – konnte ich dem nicht nachspüren. Erst als er oben in unserer Wohnung stand, ich seine schlacksige Gestalt, die lässige Haltung, die Mir-sind-doch-Haare-egal-Frisur und seine Gesichtszüge in Kombination mit dem unterdrückt-bayrischen Klang seiner Worte wahrnahm, wusste ich es.
Niklas, der vor noch nicht mal zwei Jahren nach dem abendlichen Joggen einfach tot umgefallen war, stand bei uns im Flur, um 10 Jahre verjüngt!

Diesmal hatte ich ob des Wiedergänger-Gefühls keine Tränen in den Augen, sondern empfand Freude, die vertraute Stimme wiederzuhören und mich erinnern zu dürfen.

Im Unterschied zu Fridolin, der statt eines erneuten Daseins als Kleinpapagei einen Karrieresprung gemacht hat und unter die großen Rabenvögel gegangen ist, hat Niklas das Gegenteil getan und anstelle der Juristerei diesmal einen Handwerksberuf erwählt. Was sich stimmig anfühlt, denn das viele Rumsitzen im Büro hat ihn ja immer genervt.

Da lag er also nun, in unserem Flur vor dem geöffneten Technikkasten der Heizung, fummelte an den Ventilen herum, erzählte uns was von Küken, Pumpen und Motoren, und das alles in demselben Tonfall, in dem er früher über Abeitsrecht, Datenschutz und Betriebsvereinbarungen gesprochen hatte.

Schön, euch beide so unerwartet wiedergesehen zu haben!

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Everything dies baby that’s a fact
But maybe everything that dies someday comes back