So that was Christmas (II).

Am Morgen nach dem Fest.
White Christmas in the Valley of Kreuth (near Sevenhuts).
Man beachte den dezenten Partnerlook.
Wildbad Kreuth: Jahrzehntelang die Tagungsklause der CSU, demnächst ein „Mental Retreat“.
(Merke: Willst Du über 200€ fürs Zimmer verlangen, muss Dein Hotel einen englischen Namen bekommen
oder einen Artikel davor oder einen Punkt dahinter.)

Nach dem Winterspaziergang geht’s zurück in die Stadt.
Auto ausladen, alles in Nullkommanix aufräumen. Feldsalat waschen. Erwähnte ich hier, glaube ich, noch gar nicht, dass ich seit Wochen süchtig bin nach Feldsalat. 3x die Woche eine Riesenportion davon, mindestens! Ich begrüße und bestaune diesen Trend, denn Zeit meines Lebens war ich ausschließlich süchtig nach Nahrungsmitteln, die zu fettig, zu salzig, zu süß oder aus anderen Gründen ungesund sind.
Wahrscheinlich bin ich jetzt erwachsen oder vernünftig oder sonstwie auf dem absteigenden Ast.
Der Gatte macht lecker Nudeln dazu und hat endlich mal Urlaub.

Nach dem Essen beginnt unser persönliches Weihnachtsfest.
Wir sinken zum Serienmarathon tief in die Couch, und ich freue mich, dass ich den neuen Smart-TV tatsächlich zum Laufen gebracht habe (der alte Fernseher gab doch glatt vier Tage vor Weihnachten den Geist auf, einen dämlicheren Zeitpunkt hätte er sich wirklich nicht aussuchen können, was sich der DHL-Bote auch gedacht haben wird, als er das neue Monster bis zu unserer Tür schleppte).

Song des Tages (47).

Gestern noch ziemlicher Trubel in der Wohnung: Lolek und Bolek sind auf die ersten gravierenderen Probleme gestoßen (ich erspare Ihnen die Details). Weder Franek noch Miroslav, die flugs hinzugezogen werden, können wirklich helfen. Also ein bisserl umdisponieren hier und dort, den Vermieter anrufen, den Hausmeister verständigen usw.
Wurscht. So ist Handwerk, das ist Baustelle. Ich hatte damit gerechnet.
Als ich mich vom Acker mache, hat Lolek wieder alles im Griff.

Punkt 17 Uhr sitze ich in einem Ledersessel, lasse mir von einem coolen, langhaarigen Kerl den Kopf kraulen und eine Stunde später steige ich mit dem frisch gekürzten Kurzhaarschnitt todmüde ins Auto (drei Nächte in Folge beschissen geschlafen), 52 Minuten drauf lasse ich mich beim Papa in den nächsten Ledersessel fallen (und die Lebensgefährtin dröhnt in meinen Ohren).
Früh zu Bett, weil fix und fertig, und wirklich jedes Geräusch zu laut.

Erster Morgenblick aus dem Fenster: Neuschnee.
Nicht nur oben auf dem Wallberg, sondern auch unten im Garten. Toll!
Leider wieder schlecht geschlafen, daher doch nicht ganz so toll, der Schnee. Auf dem Weg zum Bäcker (beste Landbrezen ever!) fast auf die Fresse gefallen und das lag nicht etwa am Hund, der an der Leine gezerrt hätte, denn der Hund zerrt beim Morgengassi nur in eine Richtung: heimwärts, wo der Napf steht.
Ich bin einfach unausgeschlafen, gerädert, auch nervlich ein bisserl derangiert und daher wacklig auf den Beinen.

Vormittags alles ausgepackt, mich eingerichtet, fürs Abendessen eingekauft, alle Geräte mit dem WLAN verbunden, dem Papa am PC geholfen (heute: „Wie stornier‘ ich eine Bestellung bei Amazon“ und „Wie geht das mit den neuen QR-Codes beim Online-Banking“). Schwupps ist der Vormittag rum, die türkische Zugehfrau schellt an der Tür und traut sich kaum ins Haus rein, weil ein Dackelfräulein freudig wedelnd im Flur steht.
Ich flüchte. Ist sowieso Zeit für die Hunderunde.

Rüber nach Kreuth, wo’s ollawei an Schnee hod, mehr als in den see-nahen Orten des Tegernseer Tals, die Stiefel geschnürt und los. Die momentan hormongebeutelte, streckenweise lethargische Hundemadame taut plötzlich auf, hat Lust zu hüpfen und zu graben (doch, Schnee ist schon was Tolles!) und ist sogar zu kleinen Spielchen aufgelegt.

Reiße ich mich also zusammen, dem Hund zuliebe, und mache aus der mittellangen doch eine große Runde, gute zehn Kilometer werden’s (und danach hat man wenigstens allen Grund, sich wieder hinzulegen, ein Stünderl wenigstens, bis man wieder aufsteht und die ganze Familie bekocht, so zum Auftakt und Dank für die Zeit des Asyls).

Unterwegs im Schnee und bei guter Luft endlich zur Ruhe und auch mal wieder zum Denken (einem, das über den Fliesenrand hinausgeht) gekommen, und als wir das Schild nach Siebenhütten passieren, spontan auch zum Dichten.

Manchmal betrittst die Wohnung lieber ohne Blick
Manchmal wünschst dir nur ein ruhig’s Zuhaus‘ zum Glück
Manchmal bricht des Nachbarn Rohr im Nu
Manchmal gießt s’Schicksal dir die Bude völlig zu

Manchmal fühlst dich alt und manchmal greis
Manchmal weißt auch kaum mehr wie du heißt
Meistens bist sogar schon mittags müd
Doch dann fährst du los mit deinem Jeep

Hoch nach Siebenhütten musst du gehn
Sieben dunkle Wochen übersteh’n
Siebzig Jahre lang wirst Mieter sein
Drunt in Minga kriagst koa Eigenheim

Und hier haben Sie den Ton dazu, nicht den Originalton, sondern den vom bayrisch-rumänischen Bruce-Springsteen-Pseudo-Plagiat:

Nach Siebenhütten noch ein Stück Richtung Schildenstein und Halserspitz hinauf, aber ohne Stöcke und Grödeln alsbald vernünftigerweise umgedreht und wieder hinab, an der Herzoglichen Fischzucht vorbei und hinüber nach Wildbad Kreuth.

Unterwegs begegnet einem die Herzogin höchstselbst in Begleitung ihres Jagdteckels (beide in den gleichen Loden gehüllt, beide dennoch eher von zerrupfter Optik), der Rüde verliebt sich sofort ins Fräulein, aber das will lieber den edlen Gebirgsschweißhund im nahegelegenen Gasthaus besuchen und vor lauter Schneegestapfe ist ihr der dann plötzlich auch einerlei (nicht so umgekehrt).

Erst als ich die Speisekarte zuklappe, check‘ ich das plötzlich, wo ich hier eigentlich gelandet bin, und dass es ja kaum einen passenderen Platz geben könnte für einen herzoglich-nachmittäglichen Windbeutel, der die gebeutelte Person, die ihn bestellt, also mich!, wieder aufpäppelt, während Lolek daheim in München die marode Sanitärzelle umbaut.

So begibt man sich vielleicht unbewusst auf genau jene Wege und an jene Orte, die das Alte abzuschließen helfen, es unter einer dicken SahneSchneeschicht begraben und den Blick aufs Neue, Kommende, Zukünftige freimachen.

Impfmüdigkeit.

Großer morgendlicher Arzttermin in Oberhaching, inklusive Jahresimpfung.

Es ist alles bestens: das kleine Dackelherz pumperlgesund, die momentane Scheinträchtigkeit in unbedenklicher Ausprägung, Beweglichkeit und Gewicht top, die Bisswunde ordentlich verheilt, der Zahnstatus viel besser als gedacht, wir erhalten sogar ein Lob für die gut gepflegten Beißerchen.

Bis auf einen kurzen Piekser kann also nichts weh tun, trotzdem zittert das Tier die gesamte Dreiviertelstunde über wie Espenlaub.

Hernach, weil man ja eh schon so nah an der A8 ist, gleich weiter gen Süden, ins Tegernseer Tal, den geräderten Hund bei einer Wanderung an der Weißach auf andere Gedanken bringen.

Aber das Fräulein hat heute nicht ihren sportlichsten Tag. Sie mag nicht. Gar nicht.

Weder Schwimmen noch Sausen noch Springen. Macht nichts. Bleibt sie halt mal innerhalb des Laubfroschradius‘.

Weltrekorde im Weitsprung sind ja eh allein schon wegen ihrer Seltenheit eine Rarität – wie es ein Sportjournalist mal so treffend sagte.

Die 9 km bis zum Alten Bad waren dann heut das absolute Maximum und nun betonieren wir die allgemeine Hormonlage einfach mit ein paar Kalorien zu und lassen uns später vom Papa abholen und zurückkutschieren, denn an Zurücklaufen ist nicht zu denken.

Frohe Ostern allerseits & dieses Gasthaus sei Ihnen streuselkuchentechnisch sehr ans Herz gelegt, sollten Sie mal in der Gegend sein – und die CSU tagt ja kaum noch hier, so dass nur die etwas aufdringliche Bracke vom Wirt ein bisserl stört.