Dichtung und Wahrheit.

Das alte Lebensjahr geht nun doch noch ordentlich und gepflegt zu Ende.

Eine Punktlandung war das: Die Dichtung der neuen Duschtrennwand – gestern um 18:07 Uhr vom Handwerksfreund fertig montiert und silikoniert – lässt beim morgendlichen Testduschen tatsächlich keinen Wasserschwall (ja nicht mal mehr einen Tropfen!) über den Wannenrand rinnen. Hurra & nochmals herzlichen Dank ins Allgäu!

Das Auslaufen beschränkte sich daher heute ausschließlich auf 14km Wasserwanderweg.
Ich hatte dem Dackelfräulein, das in den letzten Tagen arg zu kurz kam und kaum eines ihrer Hobbies ausüben durfte, fest versprochen, dass wir uns heute fern aller Silikonreste und Styroporbrösel, die daheim noch die Böden dekorieren, einen richtigen Ausflug gönnen werden.

Man muss ja einfach mal wieder weiter gucken als bis zum Badewannenrand!

Das Fräulein findet ein verfaultes Ei und freut sich!

Und ich finde Ruhe – und freue mich.

Aber die Ruhe ist nur von kurzer Dauer, denn als nächstes findet Pippa einen Kugelfisch-Rahmen.

Also muss ich das Ding 20x in den See werfen, bis der Seehund einigermaßen Ruhe gibt.

Dann bin ich dran: einsamer Steg im Schilf, ab ins Wasser!

Nächste Pause in der nächsten Bucht oder: Nimm mich mit, Kapitän, auf die Reise!

Überhaupt machen wir heute auffallend viele Pausen – erfreulich, wenn die Lokalitäten derart durchdacht konzipiert sind: Zufluss neben Abfluss – ideal!

Nach 14 etwas mühsamen Kilometern ist es Zeit, länger die Füße hochzulegen. Hinweis: Wenn Sie vom „Zeigezeh“ meines rechten Fußes aus, der sich – Obacht! – im Bild links befindet, eine schnurgrade Linie gen Himmel ziehen, landen Sie direkt auf dem Heiligen Berg bzw. in der Klosterkirche. Das wollte ich Ihnen nicht vorenthalten!

Wieder ein Jahr vorbei.

Ich lasse es Revue passieren und blicke zurück auf eine beachtliche Menge Anstrengung, Kämpfe, Abschiede, Tränen, Wohnungen, Makler, Kartons und Sägespäne. Aber es gab auch viel Schönes, Neues, Wegweisendes, Bewegung, Freundschaft und Liebe.

War es rückblickend ein überwiegend gutes Jahr oder eher ein schwieriges? Oder hielt es sich die Waage? Was folgt daraus? Sollte ich was verändern oder darf es so weitergehen?

Die Wahrheit ist: Ich bilanziere seit ein paar Jahren nicht mehr.
Ich gucke mir das Vergangene nur noch an, wie eine Landkarte: Wo möchte ich wieder hin, wo hat es mir gar nicht gefallen, wohin möchte ich unbedingt mal, um zu sehen und zu spüren, wie es da so ist?

Gelegentlich besorge ich mir auch neue Landkarten.
Ist schon immer eine Leidenschaft gewesen: am Frühstückstisch sitzen und beim Morgenkaffee Landkarten angucken.

Für den morgigen Tag werd‘ ich die allerdings nicht brauchen, weil ich mich da überwiegend auf Lieblingswegen und in Lieblingsgewässern aufhalten werde, mit Lieblingsmenschen und Lieblingsmusik, versteht sich.

Ich wünsche mir ein Frühstück mit einer Breze vom Neulinger, einen nicht zu frühen Anruf vom Papa, einen Sack voll Sonne, freien Eintritt im Freibad – danke an D. für den klasse Vorschlag, dass wir uns dort treffen: du erkennst mich am roten Zinken (hatte heut die Sonnencreme vergessen) und den gelben Flossen!

Danach darf mich der Gatte zum See kutschieren, unterwegs hören wir Shirley Jean oder Bobby Jean, wenn wir da sind, ziehen wir die Jeans aus und hüpfen ins Wasser. Vom Tretboot aus, wenn möglich.

Vielleicht finden wir sogar eines mit Rutsche.
Und mit Sonnendach, damit das Dackelfräulein keinen Hitzschlag bekommt (und mein Zinken nicht noch mehr verbrennt).

So ungefähr jedenfalls.
Und die Lücken im Tagesplan füllen wir einfach mit Streuselkuchen auf.

Mal sehen, wo die Reise im nächsten Jahr hingeht. Ahoi!

Kontextuell.

Wir liegen in den letzten Zügen, der Handwerksfreund und ich.

Der Flur stinkt nach Paketklebeband und Styropor. Eine halbe Stunde lang haben wir die demontierte, brutal schwere, undichte Duschtrennwand (erst vor 2 Wochen gekauft und montiert) gemeinsam in den Karton der neuen, heute gekauften und hoffentlich dichten Duschtrennwand gezwängt. Styropor zum Abpolstern der Glasscheiben, meterweise Klebeband zum Verzurren der Retoure.

Gezwängt, weil die neue Trennwand 10cm kürzer ist als die bisherige. Da muss man tricksen: unterm Bett schlummern noch ein paar Umzugskartons, flugs wird das Teppichmesser gewetzt und ein Deckel daraus geschnitzt. Wie eine Mumie lehnt das Trum nun im Treppenhaus, bis Hermes, der Götterbote, es in ein paar Tagen abholt.

Der persönliche Orbit ist zusammengeschrumpft auf 1300cmx1400cm, glasklar, dreiteilig, zweifach faltbar, angeblich bruchsicher.

Aber wenn nun alles gut geht, kann ich bereits an meinem Geburtstag überschwemmungsfrei duschen. Was könnte man sich zum 46. sehnlicher wünschen? Dank des geschrumpften Orbits fällt mir da nichts weiter ein.

Fertig. Bald sind wir fertig.

Beim müden Entlangsschlurfen am Rande der Lindenallee, die die Theresienwiese säumt, fällt mein Blick auf die Lehne einer Parkbank. „Sense“ steht darauf. Ja, mit dem ganzen Gewerkel ist jetzt bald Sense, denke ich, und schlurfe weiter. „Fuck“ steht auf der Lehne der Parkbank daneben. Jawoll.

Erst auf dem Rückweg, als wir erneut an den beiden Parkbänken vorbeikommen, kommt mir der Gedanke, dass „sense“ ja auch „Sinn“ bedeuten könnte. Vor allem, wenn nebenan in derselben Sprayfarbe und Schriftart „fuck“ zu lesen ist.

Kontextuelle Wahrnehmung, nach 7 Wochen Wohnungsrenovierung.

Fucking sense & time to have a refreshing shower.

Die 8 Kulanzgesten oder: Pharmacie d’été.

Sonntag, 11 Uhr. Wohnungsübergabetermin in Suburbia.

Schon im Vorfeld ein schwieriges Unterfangen: Die Eigentümerin will uns zu einem dreistündigen Termin verdonnern, worauf wir uns nicht einlassen. Nicht bei einer Neubauwohnung, die wir 371 Tage lang bewohnt haben und die nun top-gepflegt und renovierter als nötig zurückgegeben wird. Die Küche sieht aus wie nie benutzt, das Bad ist besser aufpoliert als in jedem 4-Sterne-Hotel. Die Böden weit entfernt von „besenrein“, stattdessen so, dass die Nachmieter sofort ihre Kleinkinder nackt drüberkrabbeln lassen könnten. Alle Dübellöcher vom Handwerksfreund bestens verspachtelt und farblich dem restlichen Strukturputz angepasst. Was wären wir als Mieter froh, jemals eine Wohnung in dem Zustand übernehmen zu dürfen.

Aber hilft alles nix, denn gleich zu Beginn wird’s noch schwieriger, als uns die Eigentümerin nach eisiger Begrüßung mit noch eisigerer Miene ein „Ich werde jetzt bestimmen, wie das hier abläuft“ entgegengeschleudert. Sappralott, und sowas hat mal an der Uni unterrichtet, sogar im sprachwissenschaftlichen Bereich, wo man meinen möchte, dort müsse ein gewisser Nuancenreichtum in Sachen Formulierungsgeschick zur Grundausstattung gehören.

Vorgelegt wird uns dann ein 5-seitiges, selbstgebasteltes Übergabeprotokollformular, in dem sich Rubriken finden wie: „Schimmelverdacht ja/nein“ (für alle Zimmer), „Fenster geputzt ja/nein“, „Fettrückstände in der Küche“, „Funktionstest Spülmaschine (1x laufen lassen)“ und „Badewanne gereinigt und desinfiziert ja/nein“. Ich versuche krampfhaft, nicht an meinen netten Berater vom Mieterverein zu denken, der sich kaputtlachen würde über diesen Vordruck, derweil deponiert die Eigentümerin ein Thermometer im Gefrierfach, um zu überprüfen, ob wir den nagelneuen Gefrierschrank in dem einem Jahr nicht vielleicht doch so ruiniert haben, dass er nicht mehr exakt die Soll-Temperatur aufweist. Bei diesem Mieterpack weiß man halt nie, da muss man schon sehr genau hinschauen (Mail von vorgestern: „Verstehen Sie bitte, dass wir nach einer kurzen Mietdauer von nur 1 Jahr alles besonders gründlich nachsehen wollen.“).

Aus der in den nächsten 105 Minuten folgenden Serie an Highlights möchte ich – obwohl eines kabarettreifer als das andere war – nur ein einziges schildern. Die Abnahme der Badewanne.
Blitzblank sauber, die Vermieterin beugt sich zur Inspektion hinein, jedes ihrer Barthaare spiegelt sich im grellweißen Emaille der Wanne, sie fährt mit ihrer Hand kritisch über die Oberfläche und – huch! – fühlt einen Kratzer, stöhnt entsetzt auf und notiert diesen Kratzer sofort im Protokoll. Ich eile hinzu, da ich den Gatten mit ihr diskutieren höre und knöpfe mir den „Kratzer“ – eine hauchfeine, 5cm lange Linie – vor. Es handelt sich um einen winzigen Wasserrand, eine homöopathische Dosis Münchner Kalk, der sich mit dem Fingernagel ohne jede Anstrengung wegschaben lässt.
Und so ging es dahin, 105 Minuten lang, bei schönstem Sommerwetter (ab und an flüchtete einer von uns kurz auf den Balkon, weil es drinnen nicht auszuhalten war und man einfach mal Luft holen musste oder sich in den Arm kneifen, um sich zu vergewissern, dass das grad tatsächlich live&echt ist, was man da erlebt). Aber irgendwann waren die Unterschriften drunter, unter diesem unsäglichen Protokoll. Bei „Sonstiges“ ein Schrägstrich, schade eigentlich, hier wäre ein schönes Freitextfeld gewesen für die Notiz: „Vor der Neuvermietung bitte unbedingt in die Vermieterrolle hineinwachsen und mit den gesetzlichen Bestimmungen, was angemessen/verhältnismäßig ist, gründlich vertraut machen.“

Zum Nimmerwiedersehen Abschied drückt sie uns ein von ihr unterschriebenes Papier in die Hand und guckt dramatisch. Es sei ihr wichtig, uns diese Seite noch mitzugeben. Wir nehmen den Zettel entgegen und überfliegen ihn. Es handelt sich um ein Geleitwort für unseren weiteren Lebensweg als Mieterpack, das einfach keinen Anstand besaß (und z.B. über die Böden ging und nicht schwebte) und die Gnade, in dieser Wohnung wohnen zu dürfen, niemals zu schätzen wusste („Ich habe Ihnen einen Neubau überlassen“ – äh, ja, das ist richtig, und wir haben Ihnen jeden Monat pünktlich einen Batzen Geld überlassen für die Anmietung dieser Wohnung).
Schließlich lesen wir das Papier genauer durch. Es sind 8 Punkte darauf notiert, eine Art „Minima Moralia“ für Münchner Mietmaden, die im Speck lebten und dafür nicht entsprechend Dank zu zollen wussten.

Sofort fallen mir diese glutamatverseuchten Chinarestaurants der 1990er Jahre (und wahrscheinlich auch noch weit darüber hinaus) ein, in denen sich auf der Speisenkarte stets ein Gericht mit dem verheißungsvollen Namen „8 Kostbarkeiten“ fand. Was man erhielt, war ein Teller Undefinierbares, ein Potpourri an Gruseligkeiten, die die Küche so hergab.
Genauso verhielt es sich auch mit diesem „Vermieterseitige Kulanzgesten“ übertitelten DIN A4-Blatt: die damenbärtige Eigentümerin mit der Großgrundbesitzerattitüde hatte dort erbsenzählerisch und haarklein jede ihrer acht selbstdefinierten Heldentaten notiert, die sie uns hatte zuteil werden lassen.

Wir schütteln ein letztes Mal den Kopf, wünschen viel Erfolg mit den nächsten Mietern, klemmen uns unseren Dackel unter den Arm, gehen die Treppe hinunter und kehren Suburbia für alle Zeiten den Rücken.

Daheim angekommen sofort Erste-Hilfe-Maßnahmen ergriffen, die Pharmacie d’été hat ja gottseidank auch sonntags offen.

Einen erfreulicheren Wochenausklang gehabt zu haben – das wünsch‘ ich der geschätzten Leserschaft.
Und mindestens eine Kugel köstliches, erfrischendes Zitroneneis.

Herzlich grüßt Sie –
Die Kraulquappe.

Fast fertig.

Vier Tage am Stück mit dem Handwerksfreund. Und ich muss sagen: Die Zusammenarbeit lief wie am Schnürchen!

Das erste Stimmungshighlight war die Entfernung eines Waschbeckens und einer Armatur, deren Anblick ich Ihnen erspare, das Drumherum dürfte schon genügen:

Es war eine Wonne, die zerkratzte, viel zu wuchtige Arbeitsplatte in kackbraun endlich in mehrere Teile zersägt zum Wertstoffhof zu fahren und eigenhändig in den Container zu pfeffern!

Am Mittwochnachmittag, während Deutschland die WM vergeigte, verneigte sich der Handwerksfreund ein letztes Mal vor dem Siphonregal im Baumarkt – derweil ich auf einer Werkbank saß, Effi-Briest-mäßig mit den Beinen baumelte (wenn schon die Seele derzeit nix zu baumeln hat) und 20 Minuten zur freien Verfügung genoss.

Einen sauguten Tipp hätte ich da übrigens für Sie, falls Sie auf Männersuche sind. Wenn Sie gern einen hätten, dem Fußball wurscht ist und der trotzdem ein echter Kerl ist Ihnen stattdessen die Terrasse neu fliest oder Ihre Küche schick umbaut, dann gehen Sie einfach an einem solchen Nachmittag (Achtelfinale WM oder sowas in der Art) in den Baumarkt. In sehr übersichtlicher Atmosphäre (auch Parken ist da kein Problem) können Sie dort die in Frage kommenden Kandidaten in aller Ruhe beobachten. Es sind nicht viele, aber das erleichtert das ganze Wählen & Entscheiden ja sogar, wenn das Angebot mal nicht ausufert, sondern gleich aufs Wesentliche eingedampft ist.

Der Geburtstag kann jedenfalls kommen, denn das neue Bad (= der Einbau einer schönen Sanitärkeramik samt Wasserhahn, Handtuchhalter und Waschtisch), das ich mir gewünscht habe, ist nun fertig. Es plätschert so fein aus dem Perlator auf den Handrücken, dass man mit dem Händewaschen gar nicht mehr aufhören mag! Der Gatte wird Augen machen, wenn er von seiner Tagung heimkehrt!

Überm Esstisch hängt jetzt die Pendelleuchte, überm Sideboard endlich wieder wie eh und je der Lump vom Pablo, das neue Küchenregal hat an allen relevanten Stellen Kantenschutzleisten bekommen, auf dem Wannenrand thront eine neue Duschtrennwand ohne Schimmel und verranzte Plastikkanten und schließlich knöpfte sich der Handwerksfreund noch intensiv den Balkon vor, seinen Hauptarbeitsraum der letzten sechs Wochen.
Dort lagen so viel Sägespäne rum, dass man den Holzboden nur noch schemenhaft erkennen konnte (wenigstens wurden die diversen Überbleibsel der Vormieter – Zigarettenstummel, Kronkorken, Wattestäbchen etc. – entsprechend gut darunter begraben).

Diese Elendsarbeit war wirklich kaum mit anzusehen, da ich aber das Dackelfräulein zu einem Arzttermin kutschieren musste, konnte ich mich zeitweise im wahrsten Sinne des Wortes aus dem Staub machen. Unterwegs dann sogar die Bestätigung, dass das so schon alles seine Richtigkeit hat…

…und man mal ohne schlechtes Gewissen Kundin sein sollte.

Zumal man ja auch diesmal alles tat, um den fleißigen Handwerksburschen bei Laune und Kräften zu halten…

…eine Fäschprr jagte die nächste – warm, kalt, salzig, süß – alles geboten!

Und noch ein Tipp: Seien Sie stets gut zu Handwerkern, das zahlt sich absolut aus. Vor allem zu denen, die Sie länger an der Backe haben als ein Stündchen oder zwei.
So ein Streuselkücherl oder Südtiroler Schinkenbrettl zur rechten Zeit – und schon flutscht der Hobel wieder flott über die Holzfliesen und Sie haben nachher einen 1a-Balkonboden.
Kochen Sie Kaffee im Stundentakt, räumen Sie das große Gemüsefach Ihres Kühlschranks gleich vorweg aus und füllen Sie es mit 7 verschiedenen Biersorten, so dass immer eine Auswahl vorhanden ist (variieren Sie diese ruhig auch von Tag zu Tag, erst recht, wenn Sie in einer Hopfenhochburg leben).
Auch ein eigenes Handtuch für Genosse Handwerker ist kein Fehler, sofern Sie Wert drauf legen, Ihre Küchentücher frei von gelblichen Holzstaubstreifen oder Silkonresten zu halten. Und setzen Sie sich in den Pausen ruhig auch mal dazu, ein bisserl Ansprache und Gesellschaft tut dem schwer schuftenden Manne nach seinem einsamen Gewerk durchaus gut und ganz nebenbei können Sie dabei die nächsten Punkte Ihrer To-Do-Liste in entspannter Atmosphäre an- und besprechen (Männer hassen es, mitten in der Arbeit angesprochen zu werden, bei einem Stück Kuchen sind sie hingegen deutlich zugänglicher). Verweisen Sie überhaupt stets auf die nächste Mahlzeit, das motiviert und lässt auch den Blick auf die Uhr nicht in Vergessenheit geraten. Sonst wird’s nämlich schnell mal 22 Uhr bis die Silikonkartusche aus der Hand gelegt wird und Sie Ihre vier Wände dann nur noch ein Stündchen für sich haben, bevor Sie todmüde ins Bett kippen und es wenige Stunden später schon wieder an der Tür schellt, weil sie ja gern früh loslegt, diese Zunft.

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Wir verabschieden uns hiermit geschafft, aber hochzufrieden ins Wochenende, das wir mit der Endreinigung der alten Wohnung und dem nachfolgenden Übergabetermin derselben zubringen werden. Dem Himmel sei Dank, dass wir dann nur noch eine Wohnung in dieser schönen Stadt unterhalten müssen und dem Handwerksfreund sei Dank, dass diese mittlerweile wirklich wunderbar ausschaut und wir hier fast fertig sind.

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Bis dann in anderthalb Wochen zum Endspurt, lieber Herr Speed, erholen Sie sich gut und grüßen Sie Dr. Schmitt herzlich von uns, der hier ebenfalls – Sie werden’s vor lauter Gewurschtel vielleicht nicht mitbekommen haben!? – eine äußerst nette Zeit hatte, sowohl mit dem Dackelfräulein als auch mit dem Gustl (der übrigens ein Loch am Hals, ein Wackelauge und einen lockeren Fuß hat, das müsste mal repariert werden 🙂 ).

Manchmal ist’s schon ein Kreuz!

Ermittlung der Mitte oder: Das Kreuz mit der Esstischlampenaufhängung.

Hell oder Dunkel: Das Kreuz mit der Wahl des Beruhigungshopfens.

Aus alt und verfallen mach neu und geräumig: Das Kreuz mit der Runderneurung des Flurschranks.

Jawohl – 3 Kreuze & 1 Amen!

So war sie, die Woche 5 an der Werkelfront (plus diverser „Kleinigkeiten“, die sich meist läppisch lesen, aber summa summarum ein Haufen Arbeit sind, vor allem, wenn es 30 Grad hat oder saumäßig schwül ist).

Jedenfalls wieder ein paar Ideen in Form gebracht (auch wenn man schon mal besser in Form war).
Großen Dank an den Handwerksfreund, der zur Mitternacht daheim im Allgäu aufschlagen wird!

Nächste Woche dann noch das Bad.
Endlich rückt eine normale Körperhaltung beim Zähneputzen in greifbare Nähe (und zugleich eine normale Badästhetik).
Sie werden noch sehen, was ich meine.

Und was machen Sie so zu Sommeranfang?
Hoffentlich nur das Beste!

Vom Bohrstaub ergraut grüßt herzlich
Die Kraulquappe.

Auf ein Isarkindl!

Spätnachmittags auf der Wiesn.

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Beim morgendlichen Weg zum Wochenend-Waldlauf bemerke ich, dass nach Langem mal wieder ein dunkler VW Touran vor mir herfährt. Dieses Modell mit den noch leicht eckigen Rücklichtern sieht man mittlerweile nur noch selten. Es war das letzte Auto, das N. fuhr (einer italienischen Prostituierten müsse es gehört haben, behauptete er stets, weil es innen auch noch zwei Jahre, nachdem er es gekauft hatte, penetrant nach billigem, süßem Parfüm roch) und das – genauso wie N. – nirgends mehr zu sehen sein wird, da sein Sohn es kurz nach Ns Tod gegen einen Zaun gesetzt hatte.

Manchmal gingen wir mittags nicht zum Italiener in dem Viertel, in dem unsere Firma lag, sondern fuhren an den Stadtrand zu einem anderen italienischen Lokal. Weil man dort garantiert keine Kollegen treffen würde.
N. sagte dann immer: „Dort können wir mal ganz in Ruhe über Persönliches reden!“. Wir stiegen jeder in sein Auto, um den durch einen gemeinsamen Aufbruch in einem Fahrzeug entstehenden Bürotratsch zu vermeiden (dazu muss man sagen: wir waren stets über 2 Stunden außer Haus, was alle Mittagspausengepflogenheiten sprengte und daher schon genug Fragen aufwarf) und trafen uns meist kurz nach Verlassen der Firmentiefgarage draußen auf der Straße. Er fuhr dann vor mir her, daher haben sich mir die Rücklichter seines Tourans so eingeprägt. Sie passten zu ihm. So unzeitgemäß und eckig (und dennoch so weich wirkend, durch die kleineren runden Lichtkreise in ihrer Mitte).

Saßen wir schließlich bei dem Stadtrand-Italiener und waren völlig ungestört, kam es entgegen Ns Ankündigungen niemals zu besonders persönlichen Gesprächen.
N. nahm sich nämlich selbst nicht so wichtig, und wenn er mal kurz (und womöglich sogar ungefragt) von sich sprach, dann auf eine bescheidene, zurückhaltende Weise, obwohl es durchaus Einiges gegeben hätte, worüber zu klagen oder gar zu verzweifeln gewesen wäre. Es war seine Sache nicht, in den immer lauter werdenden Ich-Ich-Ich-Kanon der Zeitgenossen drumherum einzustimmen, im Gegenteil. Seine Haltung war die, nicht aus jeder Seelenregung, Kränkung oder Belastung eine Nabelschau oder ein Drama zu machen, sondern auch mal von sich abzusehen und den Blick bewusst nach außen zu wenden. Ihn auf ein Tun zu richten oder auf andere Menschen (oder auch bloß auf das Fußballspiel am Feierabend oder auf die Natur, durch die er bei seinen Runden an der Isar streifte).

Wie sehr ich diesen Zug an ihm mochte!, denke ich, als der Touran vor mir abbiegt und auf Nimmerwiedersehen im Dunkel des Luki-Tunnels verschwindet.

*****

Neulich erzählt mir der Papa am Telefon, dass ein gemeinsamer Bekannter von uns (den wir jetzt einfach mal so nennen wollen, obwohl wir eigentlich keine „Bekannten“ zu haben pflegen, weder der Papa, noch ich, aber „Freund“ wäre wiederum übertrieben, und leider gibt’s für die Nähegrade dazwischen ja irgendwie keinen treffenden Begriff) an Krebs erkrankt sei.

Schlagartig wird mir klar, wieso ich so lange nichts von dem Bekannten gehört habe. Ich ringe einige Tage nach den passenden Worten und dem passenden Zeitpunkt (und da er bald Geburtstag hat, eilt es, denn der Geburtstag ist mit Sicherheit nicht der passende Zeitpunkt). Vor ein paar Tagen, in der Abendsonne an der Theresienwiese sitzend, finde ich dann Sätze, die mir einigermaßen angemessen erscheinen und ich schicke sie ihm aufs Handy, was sich ein kleines Bisserl absurd anfühlt, da er ja dort drüben auf der anderen Seite der Theresienwiese wohnt, sofern er da grad überhaupt wohnt und nicht in einer Klinik ist.

Letzteres ist der Fall, wie ich heute erfuhr, als mir mein Handy seine Antwort überbrachte.
Die John-Lennon-Frisur fiel der wochenlangen Chemo zum Opfer, die anschließende OP habe er halbwegs gut überstanden, schreibt er. Und dass er sich freue, so unverhofft von mir zu hören und jetzt gern zur Motivation vor seiner Reha fest ausmachen würde, dass wir noch diesen Sommer (weil das sei dann mal eine konkrete Aussicht!) zusammen nach Lenggries fahren und aufs Seekar oder Demeljoch steigen. Oder sogar auf den Scharfreuter, wenn er es packen würde.

Aber natürlich machen wir das!, schreibe ich sofort zurück, und dabei fällt mir eine Passage aus einem Glattauer-Roman ein, bei der ich mich seinerzeit in den Untiefen und Alltagsabgründen meines Charakters so wunderbar verstanden fühlte und die mir auch auf diese Situation zu passen scheint, in der wir ja irgendwie einen Optionsschein auf die Zukunft auszustellen versuchen:

„In der Küche machte ich Wasser heiß und goss es in die dicke gelbe Tasse, in die ich vor dem Schlafengehen einen Beutel Schwarztee mit Pfirsichgeschmack hineingehängt hatte. So machte ich es immer. Immer die gleiche gelbe Tasse. Immer Schwarztee mit Pfirsichgeschmack. Und immer hatte ich den Beutel schon am Vorabend in die Tasse gehängt. Damit war schon etwas vom nächsten Tag verraten. Das nahm mir die Scheu davor.“

Dieser Absatz fand sich auf der ersten Seite des Romans und er war der Hauptgrund, weshalb ich das Buch damals auf einen Schlag zu Ende las. Obwohl ich aromatisierte Tees verabscheue, erst recht welche mit Pfirsicharoma.
Eine gelbe Tasse verwende ich allerdings ebenso, nur halt für Kaffee, der aber – wie ich gern umgehend klarstellen möchte, damit Sie mich nicht für deppert halten! – natürlich nicht am Vorabend irgendwo eingefüllt wird (das Aroma ginge ja über Nacht flöten!) – ich pflege das im Roman beschriebene Ritual für ein anderes Segment meiner Frühstücksgewohnheiten und nehme mir auf diese Weise die Scheu vor dem nächsten Tag.

*****

Apropos Lenggries & die dortige Bergwelt.

Seit meinem Hüttenwochenende erreichen mich auf diversen Kanälen Nachfragen, wie es denn nun war und wann es denn jetzt weiterginge, mit mir, dort oben, hinter dem Zapfhahn (und am Spülbecken). Manch ein Leser scheint sogar aufgrund des Beitrags vor zwei Wochen davon auszugehen, ich wäre seither dort oben – und das nun durchgehend und heidi-idyllisch bis zum Ende der Bergsaison.

Höchste Zeit, diese Illlusion gründlich zu zerstören und die Nachfragen konkret zu beantworten. Da mich der Ausgang der Sache immer noch etwas schmerzt, fasse ich mich eher kurz (außerdem geziemt es sich nicht, zu viele Interna von dort oben zu verraten).

Nachdem ich von den 52 Stunden dort oben schlappe 32 Stunden gearbeitet (besser: brutal malocht) hatte, zwar in einem netten Team, in schönster Umgebung und sogar mit einem täglichen Springsteen-Song, der trotz der Koch-/Spüldämpfe und -geräusche bis an meine Ohren drang, war klar: das machen weder ich, noch mein lädierter Ellbogen ein zweites Wochenende lang mit.

Das ist körperliche Akkordarbeit, täglich 12 bis 14 Stunden ohne nennenswerte Pausen, für die man gemacht sein muss. Und das ist man definitiv nur, wenn man zwei kerngesunde Arme und jahrelange Erfahrung in der Gastronomie hat.

Am Samstag vor 2 Wochen wankte ich nach 14 Stunden Schuften (in allen Bereichen der Berghütte) in meine Kammer und selbst dort war an Erholung nicht zu denken, weil Andreas Gabalier noch gefühlte 90 Minuten auf meiner Bettkante saß und plärrte (der Junggesellenabschied, der Mountainbiker-Stammtisch? – beide nebenan im Gastraum und nur durch eine dünne Holzwand getrennt!).

Eine tiefgreifende Erfahrung war’s allemal, auf vielen Ebenen, aber nach dem vergeblichen Versuch, dort oben anzuregen, dass man so einen 14-Std-Tag ja vielleicht auf 2 Personen aufteilen könne, die dann jeweils nach 7 Stunden Reinklotzen noch ohne zu stammeln ihren Namen sagen und aufrecht in ihren Feierabend gehen könnten, hab ich das Projekt für mich ganz schnell als beendet erklärt.

Seit ein paar Jahren bin ich gut drin geworden, Dinge, die mich über Gebühr strapaziert haben (oder es noch tun würden), ganz schnell ad acta zu legen. Bringt nix.
Mit Mitte 40 weiß man langsam, was man stemmen kann (oder will) – und was nicht.

*****

Durch das gekippte Fenster wummert das Getrommel der Afrika-Tage ins Zimmer hiein. Wie ein wilder Herzschlag des Sommers, direkt vor unserer Tür, pulsierende Lebensfreude, mitten in der Stadt (man hört ja gerne das, was man hören will oder was man eh schon fühlt).

Es ist so unglaublich schön hier. Das muss einfach mal gesagt werden.

Die Aussicht aus dem Fenster, hinunter in die breite Allee voller Linden (die einem täglich aufs Neue das Auto dermaßen zukleistern mit ihrem Saft), das Gassigehen mit Blick auf die Weiten der Wiesn, hinüber zur Bavaria (geht ein Lüftchen, und das ist häufig der Fall, muss man beinahe den Atem anhalten, weil die Kamille so wuchert und blüht), die Menschen, die hier flanieren, pausieren, mit ihren Hunden oder Kindern spielen, auf Bänken sitzen, sinnieren, musizieren und auf der riesigen Freifläche alle möglichen Sportarten praktizieren (an die noch ausstehende Disziplin „Kampftrinken“ mit ihren begleitenden gymnastischen Verrenkungen wollen wir jetzt lieber noch nicht denken) – all das hat mir binnen der fünf Wochen, die wir jetzt hier leben, eine Energie und Freude geschenkt, die das gesamte Lebensgefühl doch ziemlich schnell und nachhaltig verändert hat.

Ein Geschenk, für das ich mich gern bedanken würde, wenn ich denn wüsste, bei wem.

*****

Ich strahle die Spätnachmittagssonne an und sie strahlt zurück (oder umgekehrt? – egal!), sitze auf der Parkbank (mehr und mehr bin ich geneigt, sie „meine Bank“ zu nennen, denn ich verweile recht oft hier, schaue, denke und schreibe hier vor mich hin) und genieße mein tägliches Feierabendbier (das eine, das ich mir am Tag gestatte).

Endlich wieder ein Zuhause.
Eine Heimat nicht nur draußen, sondern auch drinnen.

Irgendwer hat ja mal gesagt, Heimat sei kein Ort, sondern ein Gefühl.
Auf mich passt der Satz überhaupt nicht. Ich kann „Heimat“ nur an speziellen Orten empfinden und es wird kein Zufall sein, dass diese Orte alle regional recht nah beisammenliegen.
„Beheimatet“ fühle ich mich an und zwischen all diesen Heimatorten aber nur dann, wenn der Kern des Ganzen passt (bzw. es überhaupt einen gibt).

Gern heimzukommen und zu spüren, dass man genau dort am richtigen Fleck ist.
Auch das ein Geschenk.

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Ein schönes Wochenende wünsch‘ ich Ihnen und dass Sie sich wohlfühlen, dort, wo Sie sind!

Eine Blume zum Abschied.

Vierte Woche in Folge drei Tage gerödelt – und wieder ist kräftig was vorangegangen im neuen Zuhause.

Heute die gesamte CD-Sammlung aus den Kartons geholt und in die frisch montierten Regale eingeräumt. Überhaupt: den letzten Karton ausgepackt!
Erste Bilder zieren bereits die Wände. Die Küche hat nun ein Deckenlicht und der Gatte ein maßgeschreinertes und wunschgemäß lasiertes Buchablagesideboard überm Bett. Das Dackelfräulein hat in der neuen Küchenzeile einen Liegeplatz eingerichtet bekommen, von dem aus der gierige Blick direkt auf die Anrichte geworfen werden kann, ohne sich den Hals zu verrenken.
Es wird wohnlich.

In den Pausen, die der Handwerksfreund und ich gelegentlich im „Privatgarten“ vor der Haustür verbringen (also am Rande der Wiesn), fand sich manchmal sogar ein bisserl Zeit für Speed-Sightseeing…

… ich mein, schließlich soll er ja auch was mitkriegen von der schönen Metropole, in der er da werkelt (man hat ja hier durchaus mehr zu bieten als die diversen Münchner Biersorten im Kühlschrank!).

Und dass das hier überwiegend richtig rund läuft, das merkt man vor allem an Kleinigkeiten.

Wenn „Service“ beispielsweise nicht nur ein leeres Wort ist, sondern wirklich gelebt wird – und zwar selbst innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Fäschprrzeiten Pausen!

Das Gebäckstückchen aus der Hofpfisterei hat offenbar gemundet – beschwingt und gestärkt ging’s zurück an die Bohrmaschine, ich kam mit dem Staubsauger kaum hinterher.

Die abschließende Fäschprr am Abend wurde gern genommen (die klassische Handwerker-Brotzeitplatte: Südtiroler Schinken, Essiggurken, ein paar Tomaten drumrum, dazu ein kräftiges Ciabatta und ein würziges Feierabendbier) und irgendwie gelingt’s dem Handwerkerfreund jedes Mal aufs Neue, zum Abschied ein krasses Gewitter zu bestellen, so dass man’s nicht übers Herz bringt, ihn mit seinem schweren Gepäck zur U-Bahn marschieren zu lassen, sondern ihn zum Bahnhof fährt.

Aber das tut man auch wirklich von Herzen gern, erst recht, wenn einem zum Abschied noch völlig überraschend ein Blümchen überreicht wird:

Die sog. Handwerker-Rose: Ein Staubpinsel aus feinstem Ziegenhaar! Wie passend! Was hab ich mich gefreut!

Jetzt machen wir aber mal eine Woche Pause.
Schnaufen durch und brüten die Pläne für den Endspurt im Juni aus.
Sie wissen ja: Zum Geburtstag habe ich mir gestern spontan ein neues Bad gewünscht.

Vorher wird noch der Flurschrank innen ausgebaut (die eklige, abblätternde Schranktapete im Inneren entfernt, ebenso die windschiefen, versifften Bretter) und die sogenannte „Kleinkram“-Liste abgearbeitet (ein trügerischer Begriff übrigens, entpuppt sich doch jeder zweite Punkt dieser Liste unerwartet als Herausforderung).

Bleiben Sie also dran & für heute einen schönen Abend & an Mr. Speed besten Dank für Fleiß und Schrank!

Tomorrow will be too late…

…sagte sie, kippte den Sicherungsschalter wieder um (da es eigentlich ganz danach aussah, dass er die Küchendeckenleuchte bereits erfolgreich angeschlossen hatte) und nahm endlich, endlich ihr BOSE-Soundsystem in Betrieb, das nun auf dem zuvor endlich, endlich geradegerückten und befestigten Regal in der Diele thronte.

Es musste Elvis sein, denn draußen flirrte der Sommer, während die beiden hier drinnen zwischen Eckregalschreinereien, Alukantenprofilleisten, Schrankjustierungen, Aufputzsteckdosen, Koch- und Putzarbeiten und Deckenbeleuchtungen vor sich hin schwitzten.

Als „Wooden heart“ ertönt, steigt er doch glatt kurz von der Leiter hinunter und kommt kichernd in die Diele gelaufen, wo sie steht und vor sich hinsingt – „treat me nice, treat me good, treat me like you really should, ‚cause I’m not made of wood“ (genau!!!) – und er merkt an, dass das im Original ein schwäbisches Lied sei, was sie natürlich weiß, denn deshalb hat sie’s ja aufgelegt.

Danach noch „It’s now or never“ in schlagbohrerübertönender Lautstärke und dann packt sie die Leine und führt das Dackelfräulein zum mittäglichen Bade an die Isarauen (nicht ohne ihm vorher noch einen frischen Erdbeerquark zu servieren).

Es geht voran!

*****

Und soll ich Ihnen was verraten?!?
Vorhin hab ich ganz spontan zu ihm gesagt: „Wissen Sie was? Zum Geburtstag wünsch‘ ich mir ein Bad von Ihnen!“. Er ging bislang von einem Schlüsselbrett aus, aber Wünsche können sich ja ändern, was er als erfahrener Handwerker/Lebensgefährte natürlich eh weiß.

Da die Münchner tz heute schrieb, dass Handwerker immer teurer werden (wovon ich ein Lied singen kann, und zwar nicht „Wooden heart“!) und was man tun muss, um diesen Schmerz abzuschalten, dachte ich, ich äußere diesen Wunsch mal lieber früher als später (also solange die alten Konditionen noch gelten und bevor der schwäbische Preishammer zuschlägt).

Genießen Sie den schönen Sommertag!

Bis bald und herzliche Grüße
Die Kraulquappe.

Consummatum est.

Oder: perfectum est.

Handgesägt und holzdübelverbunden hochgepäppelt.

Die zu wenig überdachte Skizze der Kundin ließ sich mit etwas Mühe und gutem Willen dann doch umsetzen.

Die neue Arbeitsplatte, dem Aufbügeln der Kantenstreifen harrend.

Bei schwülwarmen 27 Grad fließt der Schweiß in Strömen, auch schon ganz ohne Handwerken.

Der Herkules Handwerksfreund aber schraubte und sägte unbeirrt weiter. Den ganzen, heißen Fronleichnamstag lang.
Ich sorge für regelmäßige Pausen und Stärkungen, kleine Ortswechsel und Rekreationspläuschchen, zwischendurch putze ich in mehrmals am Tag den Montagestaub weg.
Nur ganz selten darf ich mal mit anpacken – so eine Arbeitsplatte in 2,20 Meter Länge kann man(n) nämlich tatsächlich alleine tragen, obwohl es sich zu zweit besser rangieren (aber halt nicht so laut schnaufen) lässt.

Zeitgleich mit dem ersten Donnerschlag des spätnachmittäglichen Hitzegewitters über München ist es dann vollbracht!

Das Dackelfräulein und Dr. Schmitt dürfen sich auf die frisch geschreinerte neue Küchenzeile setzen…

…einen Pommery zwitschern und – auf Augenhöhe! – der Hausfrau beim Kochen zugucken.

Nach einem letzten Abendmahl und fahren wir den tapferen Handwerkshelden mit Schnittwunden an den Händen und Sägespänen im Haar (aber satt und zufrieden!) im tosenden Unwetter zum Bahnhof, geben ihm nach größten und herzlichsten Danksagungen zu seinem Salär noch etwas Lektüre für die Heimfahrt mit, wünschen eine angenehme Heimreise ins Allgäu und gute Erholung am Wochenende!

Und sollte Ihnen etwas fehlen, delektieren Sie sich einfach ein wenig an diesem erfrischenden Handerwerkerfilmchen, das definitiv Lust auf MEHR macht. Wie schön, dass wir in unserem Projekt „Vivat Bavaria!“ erst Halbzeit haben, nicht wahr?

In diesem Sinne: Man sieht sich!

Und hiermit verabschiede auch ich mich für die nächsten Tage, denn morgen ertönt erneut frühmorgens die Werkssirene (diesmal allerdings ausschließlich für mich). Da stürze ich dann mich mit meinem lädierten Ellbogen, aber ansonsten topfit dank des täglichen Trainings durch die Umzugs- und Handwerkswochen in meinen neuen Job als Saisonarbeiterin hoch droben aufm Berg.

Sollte das WLAN dort funktionieren und ich abends nach getaner Arbeit nicht im Stehen am Hüttengatter einschlafen, sende ich Ihnen ein paar alpine Arbeitsimpressionen, ansonsten hören wir uns nächste Woche in alter Frische.

Ihre Kraulquappe.

Routinen.

So langsam entsteht eine gewisse Routine, was den Wochenablauf angeht.

Und ich bin ja ein Freund von Routinen, da sie das Gemüt und den Geist entlasten und so zu einem ressourcenschonenderen Alltag beitragen.

Morgen Früh verlässt der Handwerksfreund wieder seine Allgäuer Bergwohnung und fährt auf Montage nach München.

Hier ist für die ersten Arbeitsstunden schon alles vorbereitet, nur die Fleischpflanzerl und die Brezen werden noch tagesfrisch herangeschafft. Eh klar!

Verpflegung für den Handwerkervormittag.

Nicht, dass Sie jetzt denken, in dem abgebildeten Papiersackerl wären schon die Brezen für morgen drin. Nein, nein!
Da ist das Handwerker-Power-Müsli drin, das er sich selbst eingetütelt und mitgebracht hat: Feinster und reinster Allgäuer Gips. Den rührt er sich gern mit Vollmilch an und genießt das Ganze zum Zweitkaffee oder zum Erstzigarillo.
Umgerührt werden darf der Powerbrei nur mit den langen Schrauben, die Sie im Bild sehen. Für jedes Müsli eine frische, versteht sich (das beansprucht mit den Wochen zwar auch das eh schon extrem beanspruchte Budget, aber mei, und auch der Gatte hat gesagt: „Lass ihn! Wenn es ihm so am besten schmeckt, soll er die Dinger eben haben!“). Ich kauf‘ jetzt auch immer eine Schraube mehr als nötig, denn nicht dass mal eins der Dinger zwischen die Balkonbodenplatten fällt und der Handwerksfreund dann die Arbeit niederlegt, weil er sein Kraftsupperl nicht korrekt hat umrühren können (sicher ist sicher – denn bis Ende Juni wollen wir hier ja fertig werden mit unserem Großprojekt.)

Ein bisserl speziell ist er halt schon, aber wie gesagt, wir gewöhnen uns von Woche zu Woche besser aneinander, suchen und finden Kompromisse oder alternative Lösungen, und außerdem es ist ja nicht so, dass ich dem Herrn Handwerker nicht auch Einiges zumuten würde: konsequenten Schuhwechsel zwischen den unterschiedlichen Sauberkeitszonen (der Säge-Balkon, das Wohnungsinnere, die Welt da draußen) oder gründliches Späneabklopfen vor den Mahlzeiten am Esstisch oder mitten im Arbeitstag eine schwierige Zeckenentfernung in der Leiste des Dackelfräuleins (um nur ein paar Beispiele zu nennen – die Gesamtliste der Zumutungen korrespondiert locker mit der Anzahl an Flaschen in der obigen Abbildung!).

Ab morgen ist übrigens die Küche dran.
Sie bekommt Licht, Haken für die Geschirrtücher, eine zweite Küchenzeile mit Pfannenabstellfächern in exakter Pfannenhöhe und -breite. Ich bekomme mein erstes Weißbierkasten-Fach und der Kühlschrank darf endlich seinen Anschlag wechseln, damit man da auch mit kaputtem Ellbogen ergonomischer hineingreifen kann. Der Gatte erhält ein schönes Rotweinfach und der Dachshund einen Dachsbau im unteren Teil des Hochschranks.

Bleiben Sie also dran – bestimmt können Sie hier noch das eine oder andere lernen über Handwerkskunst, Biersorten, Neurosen, Putztechniken, Raumgestaltung, Tierhaltung und Teambuilding!

Der Arbeitsbalkon, noch schlafend.