Suburbia (5): Dum dum dee dum (The moving dachshund’s theme).

Suburbia – 5. und letzter Akt (ganz unklassisch: ohne Katastrophe)!

Alle Schlüssel fürs neue Zuhause sind seit gestern übergeben, (fast) alle To-Do-Listen im alten Zuhause abgearbeitet (sind ja noch 18 Std. Zeit, bis die Jungs von der Umzugsfirma hier aufschlagen), alle anstehenden Bau- und Renovierungsarbeiten in Tabellen gegossen und zur Vorbereitung ins Allgäu geschickt, alle Hassbriefe an Vodafone versandt (den hierzu angekündigten Beitrag bekommen Sie erst zu Gesichte, wenn das Drama überstanden ist), alle Ellenbogen dank Spritzen für die kommenden Tage geölt, alle Bier- und Weinvorräte ausgetrunken, alle Alpträume des nachts geträumt (zuletzt: Umzugswagen hatte einen Unfall und unser gesamter Hausstand ging dabei kaputt)…

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Morgen um 8 Uhr kommen die Jungs von der Spedition und legen hier los.

Hoffentlich ist mal wieder auf das gute „nomen est omen“ Verlass und sie bringen nicht nur weitere 100 hübsche Löwen-Kartons, sondern auch die Kraft mehrerer Löwen mit, so dass wir unsere lädierten Pranken ein wenig schonen bzw. deren klägliche Restenergie fürs Auspacken aufsparen können.

Der Gatte, ein eingefleischter FC Bayern-Fan (wenngleich „eingefleischt“ für einen Vegetarier ein zweifelhaftes Attribut ist), hat ein bisserl gezuckt, dass ihm hier ausgerechnet Löwen in seine Arena einmarschieren, aber mei. Wir hatten die Spedition schon letztes Jahr in die engere Auswahl genommen, uns dann aber dummerweise für die preiswertere Scheißfirma entschieden, mit deren Versicherung wir uns im Anschluss schlappe 4 Monate rumgekloppt haben, bis endlich alle Schäden ersetzt waren.

Dabei waren wir damals wie auch heute sogleich vom Charme des Ober-Löwen eingenommen. Herr A. hat sich ein kleines, feines Familienunternehmen aufgebaut, ist selbst bei jedem Umzug mit dabei (stets frisch geduscht und deodoriert, bestens gelaunt und in Strahlemannoptik, das blitzsaubere Firmen-Shirt stramm über die Muskeln gespannt), alles läuft sehr individuell und persönlich ab (Herr A.: „So ein Umzug besteht zu 50% aus Psychologie!“ oder „Ihr Lieben, entspannt euch, alles wird gut!“).
Ein Profi, der sofort die neuralgischen Punkte seiner werten Kundschaft erspürt und so geschickt darauf eingeht, dass man sich beinahe auf den Umzug mit seiner Firma zu freuen beginnt (was seit heute Morgen auch meine Devise ist: mache man sich doch einfach mal einen Spaß draus, falls möglich…, ich werd‘ Fotos schießen und das Ganze als Artikel „Wohnungswechsel mit Waldi“ an irgendein Magazin verkaufen, Herr A. hat zudem bereits Interesse an Fotos vom Dackelfräulein als Kartonmodel bekundet).

Überhaupt wäre der nette Herr A. einen eigenen Beitrag wert.
Falls wir unerwarteterweise von Vodafone noch vor Weihnachten wieder ein funktionierendes Internet zur Verfügung gestellt bekommen, reiche ich die Story gerne nach.

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Es gibt übrigens keine Lebenslage, zu der der Boss nicht den passenden Song beisteuern könnte – man muss einfach nur alle Songs kennen!

Und wenn ich es schon sonst zu nicht allzu viel gebracht habe in meinem Leben, so doch immerhin dazu, ein wandelndes Springsteen-Songbook zu sein (sollte „Wetten, dass“ nochmal neu aufgelegt werden, könnte das glatt mal eine Einnahmequelle sein: anhand einer (!) beliebigen Textzeile den Song zu erkennen, alternativ könnte ich auch mit einer anderen, etwas bajuwarischeren Nummer auftreten und nach je einem (!) mit verbundenen Augen genossenen Schluck Weißbier aus insgesamt 27 Gläsern treffsicher die Schneider Weiße, TAP7, „Ein Bier wie daheim“, identifizieren, beides immerhin auch Wetten, bei denen man sicher nicht im Rollstuhl landet).

Eigentlich wär‘ dieser Beitrag auch was für die Rubrik „Song des Tages“ oder „Soundtrack meines Lebens“ gewesen. Aber dann fand ich, die Chefin des Hauses sollte nochmal ganz im Vordergrund stehen:

Ein Löwe zieht um!

The moving dachshund’s theme
(aka „Lion’s den“ by Bruce Springsteen)

You broke my heart, tore it apart
Thought it was cute, thought it was smart
But now I’m back and I’ve got the strength of ten
So I got a message for you my friend

I’m Pippa waiting in the lion’s den
Dum dum dee dum dum dee dee dum dum

That old lion’s mean and long in the tooth
And like you, baby, he’s out on the loose
Messing hearts up time and time again
Well it’s the time for that messing to end

I’m Pippa waiting in the lion’s den
Dum dum dee dum dum dee dee dum dum
Here we go!

At night I hear you out prowling around
Tearing guys up, scaring ‚em down
Now all that growling’s gonna come to an end
‚Cause I’m just biding my time, my little friend

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Ja, liebe Leserinnen und Leser, unsere Zeit in Suburbia neigt sich nun dem Ende entgegen.

Auf 371 Tage haben wir es hier am Stadtrand gebracht, 137 wären mir lieber gewesen, aber immerhin ist es überhaupt auf eine Kombination der Lieblingszahlen hinausgelaufen. Da bin ich abergläubisch – und zwar im positiven Sinne!
Und es hätte uns schließlich auch ärger erwischen können, wenn es 713 Tage geworden wären, wonach es ja zwischenzeitlich, als wir noch knöcheltief durch den Morast des Münchner Wohnungsmarktes wateten, fast aussah.

Nun aber flink weiter gewerkelt, damit wir nachher pünktlich zur Arrivederci-Pizza mit unserem Lieblingsnachbarn beim Suburbia-Italiener eintreffen.

Ein schönes Wochenende noch und drücken Sie uns und den Löwen die Daumen, liebe Leserinnen und Leser!

Bleiben Sie dran, bleiben Sie uns gewogen & bis bald – dann von gegenüber der Bavaria!

Hund haben (11).

Wenn es draußen minus 11 Grad hat und einem Nase und Kinn nach spätestens einer Viertelstunde einfrieren, kürze man den Spaziergang radikal ab, nehme drinnen in der warmen Wohnung ein Kirschkernkissen zur Hand, binde ein Stück Kletterseil dran…

…locke das gelangweilt schlummernde Fräulein aus dem Haifisch – dem peinlichsten ihrer Körbchen! – hervor…

…animiere sie zu einem munteren Kissenparkour quer durch die Wohnung…

…erweitere die Übung durch Hinzunehmen der Hunde-Rampe vor Sofas und Betten…

…und lobe & belohne das Dackelchen wie wild, wenn das Kirschkernkissen schließlich auf dem Bett landet!

Mit besonders herzlichen Grüßen an den derzeit in Frankfurt weilenden Gatten, der durch unermüdliches Üben und viele didaktische Kniffe den soliden Grundstein legte für „Zieh!“ und „Rampe!“ (und die Kombination von beidem).

Zum „Tag des Eisbären“ die wärmsten Wünsche –
Die Kraulquappe, auf dem Weg ins Winterwarmfreibad.

Bright spots.

Schöne Aussichten tun sich auf und verschwinden ebenso plötzlich.
Gefrieren in weißgrauer Kälte über Nacht zur Erinnerung.
Oder nehmen – gerade noch im Fluss und voller Dynamik – während ihres langsamen Zerrinnens die Gestalt eines Eiszapfens an.

So warten wir aufs Frühjahr, wenn es wieder zu tauen und zu fließen beginnt, wenn Temperatur und Licht den Widerfahrnissen einen anderen Anstrich geben.

Ein jahreszeitlich passendes Zitat aus dem ZEIT-Magazin fällt mir da ein:

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Immerhin doch drei gute Gefühle/Zustände in dieser Woche:
1. die Heimfahrt mit Musik
2. ins Wasser eintauchen und schwimmen
3. die warme Mahlzeit samt kühlem Hopfengetränk

[Höre plötzlich die längst verblichene Mutter, wie sie zu sagen pflegte: „Hopfen ist gut für die Nerven, heiße Milch mit Honig ist gut für den Schlaf, Lindenblütentee ist gut gegen Erkältung“ – nur Ersteres konnte ich ohne Würgereiz an- und übernehmen.]

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Heimat, das ist dort, wo sich der Anblick eines am Straßenrand vorbeihuschenden Landkreis-Schildes (durch Witterung und abblätternde Farbes so verblichen wirkend) anfühlt wie ein warmes, beruhigendes Streicheln über deine müden, geröteten Wangen.

Du passierst diese unsichtbare Grenze, durchbrichst die äußerste Schicht deiner Zwiebel, spürst sofort den Trost im Schoße dieser Landschaft, die schon immer dein Zuhause war und es immer sein wird, denn mein Radius ist überschaubar – nicht jeder ist dafür gemacht, „in der Welt zuhause zu sein“.

Tränen schießen dir in die Augen und verschleiern deinen Blick auf die winterliche Straße (mehr als es deine abgewetzten Wischerblätter erlauben).

Was für ein guter Moment – trotz allem anderen, was gerade ist oder nicht ist oder viel zu vage ist.

Noch 30km bis nachhause, du wechselst die CD, hörst zum vielleicht 100. Mal in den letzten Wochen diesen Song, von dem du die Finger ebenso wenig lassen kannst wie von warmem Toast mit Nutella als Seelenpflaster in trüben Phasen, weil sich die Lyrics so schön mitsprechen lassen, ein bisschen monoton, einem kindlichen Auszählreim gleich (und noch verstärkt durch den simplen Takt): „you were the only one I ever had, the only bright spot in a life that went bad“.
Vor allem fühlt sich das so weich an, auf der Zunge und den Lippen (sprechen Sie’s mal nach, am besten mehrfach), eben wie samtweiches Nutella am Gaumen (das oder die Nutella? Wurscht.).

Und ein paar Strophen später dann „when they flip the switch I hope all I can see“ und wie sich’s zu dem schlichten, anrührenden Jahrmarktmusikgeplätscher auflöst in „is you in my arms dancing with me“
So weich, das alles, obwohl hier ein Todgeweihter seine letzten Verse von sich gibt.

Werde das vielleicht noch 100x mitsprechen müssen, bis ich mit dem Lied und dem Gefühl, das es erzeugt oder an dem es sich abarbeitet (denn wer weiß das schon, was zuerst da war), fertig bin und es zum normalen Repertoire der SD-Speicherkarte „Automusik“ gehören wird.

Vielleicht komme ich auch nie über diese Zeilen hinweg, so dass „baby, tie your hair back in a long white bow, meet me in the fields out behind the dynamo“, „I got this guitar and I learned how to nake it talk“, „and if you say hide, we’ll hide“ und „with charcoal eyes and Monroe hips she went and took that California trip“ (und an was man halt sonst noch so hängengeblieben ist nach fast 4 Jahrzehnten Hinhören & Rückenschauern) weitere Gesellschaft bekommen.

Ach, diese Zeilen aus Songtexten, die wegen ihrer Betonung oder ihres Rhythmus ein Leben lang so zuverlässig eine Gänsehaut bescheren, wie es früher, in den Studienjahren, stets der Anblick des Olympiaturms vor der föhnigen Alpenkulisse vermochte – an dieser einen Stelle auf der A9, von Würzburg nach München heimfahrend, um das Wochenende oder die Semesterferien beim Papa oder in dem kleinen Haus am Moorsee zu verbringen (wo manche der geliebten Tiere unter Begleitung der passenden Musik zu ihrer letzten Ruhe gebettet wurden).

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War nicht so meine Woche.
Insgesamt auch nicht mein Monat.
Aber zur Prognose oder Gesamtsumme sollte man’s jetzt auch nicht aufbauschen (erst recht nicht zur Bilanz), das lehrt die Lebenserfahrung.
Und der Gatte bekräftigt es auch, dass dem so sei.

Darauf vertrauend also weiter.
Vielleicht wirklich mal wieder einen Sprung ins kalte Wasser wagen?
Denn Schwimmen, das kann ich doch?!

Einen möglichst warmen Start ins wohl kälteste Wochenende des Jahres wünscht –
Die Kraulquappe.

Smell the same deep green of summer. Zum 1. Juni 2017.

Lieber T.,

bei unserer ersten Begegnung hatte ich zittrige Knie, schweißnasse Hände und brachte vor lauter Nervosität kaum noch einen Ton heraus.

Da stand ich mit meinem abgesoffenen Kombi auf der Auffahrt der neuen Tiefgarage und hatte keinen Schimmer, wie ich diesen Fleck jemals wieder verlassen würde.

Steil, steiler, unsere Garage.

Die neue Tiefgarage ist ein kleiner Alptraum: eng, steil, im unteren Drittel mit einer unmöglichen Kurve versehen (inklusive Schräge mitten in der Kurve) und damals auch noch mit dem Streusplitt einer ganzen Wintersaison übersät, so dass die Hinterachse des Autos bei nur minimal zu viel Gas ausbrach und der sonst so tolle „Berg-Anfahr-Assistent“ versagte – ich würgte die Kiste ab, zog die Handbremse, wusste nicht, wie vor oder gar zurück, das Licht in der Garage erlosch, das Tor schloss sich und da saß ich nun. Just in diesem Moment – dem beschämendsten meiner gesamten eigentlich eher störungsfreien Autofahrerkarriere – traf ich dich. Das Garagentor ging auf und oben erschien ein Mann mit Fahrrad: Du. Damals firmiertest du noch unter „der neue Nachbar“ oder „Herr T.“, denn wir hatten uns noch nie gesehen. Dank deiner Unterstützung habe ich mich aus dieser schrecklichen Schräglage befreien können und es noch rechtzeitig zum Abendessen nachhause geschafft (wo doch ausgerechnet an jenem Abend das Quartals-Kochen des Gatten stattfand).

Die Wochen bis zu unserem Einzug hast du mit geduldigem Annehmen von zig Lieferungen für uns verbracht. Gut zwei Monate nach der Tiefgaragenbegegnung betrinken wir uns bereits mit alkoholfreiem Radler und Weißbier auf deinem Balkon, während Pippa drinnen selig auf der Couch schnarcht. Du zeigst mir deine Briefmarkensammlung Stadtchronik von N., zwischen deren vergilbten Seiten sich eine der bewegendsten Stories deiner Jugend verbirgt (die ich nie vergessen werde – danke für diesen ersten Akt des Vertrauens!).

Abends auf Balkonien bei T.

An Samstagen fläzt neuerdings der Gatte bei dir rum, 90 Minuten geteiltes Männerleben unter dem Fürstenrieder Sky, wenngleich meist mit heruntergelassenen Jalousien, so dass man selbigen kaum sehen kann. Vom Balkon unserer Wohnung höre ich euch jubeln oder fluchen und freue mich, dass ich kein „Heute im Stadion“ mehr hören muss und die Debatte über ein Sky-Abo diesmal so elegant wie noch nie losgeworden bin.

Du besorgst Leckerli für das Dackelfräulein (Regel Nr.1 fürs making-friends mit Hunden, well done!), wir revanchieren uns mit Kuchen. Du bietest Asyl, wenn ich vom Joggen heimgehechelt komme, mich ausgesperrt habe und Gatte&Hund erst in 2 Stunden zurückkehren werden. Im Gegenzug darfst du meine bewährten Beschwerdebrief-Textbausteine und unseren Drucker nutzen.

Man tauscht bei jeder Begegnung ein paar Worte, Sätze oder Geschichten aus, schließlich auch die Hausschlüssel, denn transpirierende, schusselige Nachbarinnen will man nicht allzu oft bei sich rumsitzen haben, logisch. Das erste Dogsitting hast du auch bereits mit Bravour gemeistert und sogar beide Ohren behalten, das erste Abendessen zu dritt konnte ebenfalls unter „gelungenes Sozial-Event“ verbucht werden.

Eine rasante Entwicklung, vor allem für drei, die von sich behaupten würden, dass lockere Geselligkeit und rasche Annäherung nicht ihr hervorstechendstes Talent sind.

Gute Nachbarschaft und beginnende Freundschaft sind gleichwohl fragile Angelegenheiten, weshalb wir einvernehmlich eine Probezeit vereinbart haben, damit man ggf. nochmal rauskommt aus der Nummer. Neben aller anfänglichen Freude nimmt man einander in den ersten Wochen und Monaten schließlich auch kritisch unter die Lupe: Was liest der andere, was isst er, wann steht er auf, wann geht er schlafen, hat er viel Publikumsverkehr oder lebt er eher zurückgezogen, welches Waschmittel benutzt er, welche Rituale sind sonst noch zu beobachten, hat er seinem WLAN einen kreativen Namen verpasst, welche Musik schallt vom Nachbarbalkon hinüber und welche Leichen hat er im Keller oder in der Garage versteckt.

Was Letzteres angeht, so hast du mir erstmal ein großes Rätsel aufgegeben.
Fast täglich bot sich meinem aufmerksamen Blick in der Garage eines der folgenden Stilleben, wenn ich zu deinem Stellplatz guckte:

Mal eine Bierflasche, mal mehrere, Sorten wechselnd, ab und an auch eine Dose Red Bull dazwischen. Das Arrangement wechselte stets abends. Hm, fragten wir uns, ist das die tägliche Feierabend-Wegzehrung unseres neuen Nachbarn? Aber der hat doch nur 10 Minuten zur Arbeit zu radeln, wie kippt man denn in der Zeit einhändig ein Bier rein (oder gar drei)? Oder fährt er gar nicht Rad, sondern fliegt – Red Bull sei Dank? Und wieso hat der Typ keine Lieblingssorte, sondern springt von Hacker zu Augustiner zu Tegernseer…? Seltsam auch, dass er immer so nüchtern wirkt, wenn man ihn trifft! Was stimmt da bloß nicht?!?

Nachfragen verbot sich zunächst, so nahe war man einander noch nicht. Manchmal zahlt sich Geduld wirklich aus. Bei unserem ersten Abend an deiner Hausbar (mit Schorle, Pizza und Gummibärchen) hast du sie mir einfach von selbst serviert, die Story zum Bild.
Du bist ein Held des Umweltschutzes (vom „Blauen Engel“ wollen wir in dem Zusammenhang lieber nicht sprechen), das ist des Rätsels Lösung!

Auf dem Weg zur Arbeit, den du radelnd zurücklegst, passierst du eine Unterführung, in der nahezu jeden Tag leere Flaschen herumkullern. Du hälst an, sammelst sie ein, nimmst sie mit, parkst sie abends neben deinem Rad und nimmst sie bei der nächsten Einkaufsfahrt zur Leergutrückgabe mit.
Nebenbei – ich hab’s mal hochgerechnet – fließen auf diesem Weg jährlich ca. 188€ in dein Geldbörsel (flaschenlose Urlaubstage und Werktage mit nur einer Flasche sind in die Rechnung einbezogen). So kommen in deinem restlichen Berufsleben noch ca. 4.700 Öcken zusammen. Nicht schlecht!

Es sei dir vergönnt, dieser beharrliche Einsatz für eine saubere Umwelt muss natürlich belohnt werden. Ich jedenfalls bin nur erleichtert, dass sich deine „Leichen“ in der Garage als so harmlos erwiesen haben (oder du dir spontan eine klasse Story ausgedacht hast).

Da du ja meinen Blog rückwärts gelesen hast, bist du schon vorgewarnt, was diese Geburtstagsbeiträge schlussendlich krönt…
Zu deinem heutigen Ehrentag hier also dein Song von Bruce, den ich in Text und Ton wunderbar passend finde:

I could smell the same deep green of summer
‚bove me the same night sky was glowin‘
In the distance I could see the town where I was born

It’s gonna be a long walk home

Everybody has a neighbor
Everybody has a friend
Everybody has a reason to begin again

 

Everybody has a reason to begin again.
Da sprachen wir ja drüber, dass Neuanfänge gelegentlich gut tun. Altes hinter sich lassen, mit Phasen, Konstellationen, Beziehungen und Orten abschließen, Ausmisten, Aufräumen, Umräumen und sich einfach mal wieder an einen anderen Ort und in einen neuen Kontext stellen.

It’s gonna be a long walk home.
Das dachte ich mir neulich, als ich mit Pippa durch die dunkle Straße auf unser Haus zulief und bei dir Licht brennen sah. Es war nicht irgendein Licht im Haus, von irgendeinem Nachbarn, den man nicht kennt oder mit dem man sich nicht mehr als „Hallo“ zu sagen hat. Sondern das Licht in deiner Küche, in der du vielleicht gerade standest und Pfandflaschen sortiert oder die Tiefkühlpizza in den Ofen geschoben hast.

Es ist schön, wenn nebenan jemand ist, der auf seinem Balkon the same deep green of summer wahrnimmt und sich über denselben Doppel-Regenbogen freut.

Zu deinem Geburstag wünsche ich dir alles Liebe und Gute – und danke dir dafür, dass du mir und uns das Ankommen hier so erleichtert hast!
Die Kraulquappe von nebenan.

Meine eher nüchterene Version.

 

Deine, durch den Gummibaum (der da sonst nie steht!) aufgepeppte Version.

Fuß fassen. Ganz langsam.

Neue Gegend, neue Aussichten…

… neuer Boden unter den Füßen …

… auf dem es sich noch ungewohnt geht …

… so dass ich mich vor lauter „neu“ und „ungewohnt“ immer wieder hinsetzen muss.

So sehr ich mich auch freue: Veränderungen strengen mich von jeher an. Umziehen sowieso. Aber Schritt für Schritt wird’s und gedeiht’s, Anfang Mai wird dann übersiedelt.

Einen schönen Beginn des Aprils wünscht

Die Kraulquappe.

Alternative Fakten.

Liebe Abendzeitung,

nix für ungut, aber das ist blanker Unsinn:

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Pippa und ich frieren völlig anders, da hättest du dir die Lila-Töne sparen können und bei der Überschrift hätte ein Wort genügt: „Eisbilder“.

Man merkt, dass du nicht in Ruhpolding warst, wo einem bei Minus 18 Grad der R… in der Nase ebenso gefroren ist wie Hände, Füße, Pfoten und Popo, sondern irgendwo in der kuschligen Münchner Fußgängerzone, wo Frauchen sogar noch im Röckchen hat rumstehen können.

Aber schön, dass du mir jede Woche einen Anlass bietest, dich in meinem Blog zu zitieren.

Deine Kraulquappe, nun wieder mit warmen Stadt-Flossen.