Von Alpen, Hörnern und Beschaulichkeit.

Heute kamen wir zunächst etwas schwer aus den Federn. Der gestrige Hitzemarsch steckte uns noch arg in den Knochen…

…so dass ich um ein Haar dem auffälligsten und am unstressigsten wirkenden Wegweiser gefolgt wäre…

…wenn das Dackelfräulein nicht plötzlich so verdammt fit gewesen wäre…

…und munter von Alpe zu Alpe bergauf wieselte und nur an manchen Gefahrenstellen mein Geleit suchte.

Nachdem ich 7 kg Dackel durch mehrere Kuhherden und meine müden Gebeine samt des vollen Rucksacks die 850Hm zum Immenstädter Horn geschleppt hatte, dankte ich beinahe dem Herrn, dass wir Gipfel Nr.1 sogar noch vor dem 12 Uhr-Läuten erreicht hatten.

Von den 3 Litern Wasser wurden wir hier oben die Hälfte los…

…danach ging’s weiter, und wenn ich etwas in den Bergen nicht mag, dann sind das Zwischenabstiege, bei denen man den nächsten Anstieg samt Ziel permanent vor Augen hat…

… so wie in dem Fall das Kemptener Naturfreundehaus, dessen Erreichen bei üblem Unterzucker und hochsommerlichen Temperaturen heute echt eine harte Nuss war…

…so hart, dass die eine oder andere schöne Aussicht kaum noch gewürdigt werden konnte.

Bei der Hütte angekommen, mussten zunächst noch die Nachbarschaftsverhältnisse geklärt werden…

…dann ließen wir uns zur wohlverdienten Stärkung nieder und wurden nicht enttäuscht: Bei der Portion hätte glatt noch ein Bernhardiner mitfuttern können!

Mit neuer Energie ausgestattet packten wir noch den Gipfel des Gschwender Horns und sogar den langen Abstieg in praller Sonne…

…die einzige Etappe, auf der ich mich heute besser schlug als mein Hund!

Dank einiger Bäder in Viehtränken hat Pippa dennoch tapfer durchgehalten…

…und geschafft und zufrieden kamen wir beide wieder beim Parkplatz an.

Game over!

Für die Madame hieß es, 2 Stunden bis München gemütlich auf der Rückbank durchratzen, während ihre verklebte, müde Chauffeuse erneut Fußarbeit leisten musste (wg. Landstraßen, Traktoren, LKWs, Entenfamilien).

Schön war’s im Allgäu, wir kommen auf jeden Fall wieder – der Grünten fehlt uns noch und auch Oberstdorf müsste man sich ja endlich mal im Sommer anschauen.

Als irgendwo hinter Huglfing der erste Blick auf Heimgarten, Jochberg und Benediktenwand möglich ist, da kriecht es massiv in mir hoch: Das Gefühl von Heimat, von Nachhausekommen, von Zugehörigkeit. Je älter ich werde, desto häufiger und deutlicher spüre ich das. Vor nicht allzu langer Zeit war mir das noch peinlich, mittlerweile kann ich es genießen.

Eine gute Nacht wünscht

Die Kraulquappe.

PS: Ach ja, liebe Allgäuer, erklärt mir doch bitte mal, was ein „beschaulicher Fußgänger“ sein soll?! Wir haben das Strandpromenaden- und Badevolk gründlich beschaut…

… und waren recht froh, dass wir kein Miteinander mit denen hatten.

Himmel der Bayern (24): Des möcht i ned Missen.

Da samma wieder!

Terminierte Arbeiten erledigt, einigen Ärger und Frust gehabt, ätzende Regenwoche durchgestanden, viel Grundsätzliches durchdacht, mit wenigen Ergebnissen. Den Pony selbst gekürzt. Das Auto endlich gereinigt. Erfreulichen Besuch aus Braunschweig und der Schweiz gehabt. Im See geschwommen, im Freibad sowieso.

Bevor es ab Freitag weitergeht mit so entzückenden Angelegenheiten wie der Steuererklärung 2016, Fensterputzen, Keller ausmisten und dem Termin mit dem Gutachter der Versicherung des Umzugsunternehmens, sind das Dackelfräulein und ich noch schnell für 36 Std ausgeflogen.

Der bayerische Himmel erstreckt sich ja bis ins Allgäu, das in meiner ganz persönlichen Heimatgeografie ein sehr stiefmütterliches Dasein fristet.

Zu Unrecht, denn die Wanderwege sind mal eine willkommene Abwechslung zum Altbekannten daheim im Oberbayrischen. Nur den Dialekt hier, den bräucht‘ ich nicht. Aber auf der 16km-Tour haben wir außer Kühen eh niemanden getroffen (was auch gereicht hat, so wie die uns verfolgt haben).

Luft-Kuh-Ort im Allgäu.

Aus Missen – im Herzen des Allgäus (Geburtsort des Alpkönigs Carl Hirnbein!?!) – grüßt euch

Die Kraulquappe.

Der Tag in Bildern:

Der Wandertag beginnt auf kritischen Pfaden…

…wird dann aber wunderschön.

Blick auf die Allgäuer Alpen. Ned schlecht.

Jede schattige Wiese zum Kühlen nutzen.

Weiter geht’s! Scheiß-Hitze.

Zwischenziel auf dem Weg zum Hauchenberg.

Ahh – das da hinten ist also der Grünten!

Das Ziel zum Greifen nah: Aussichtsturm „Alpkönigblick“.

Ganz da hinten irgendwo: Die Zugspitze.

Kuhnigundenweg 😄! Ich liebe diese schlichten Sprachspiele.

Ein Hydrant, ein Hydrant! (Mit den besten Grüßen nach Paderborn.)

Brauereigasthof Schäffler, unsere Schnäppchenpreisbleibe für 1 Nacht.

Ein adäquates Nachtlager für uns zwei.

Homeward bound.

In 527 Kilometern werde ich wieder dort sein, wo ich hingehöre.

In München-Neuhausen, um die Ecke der Bäckerei Neulinger, bei der es die weltbesten Brezen gibt, die ich nun mindestens so sehr herbeisehne wie vor 5 Wochen die Südküste Schwedens.

Die 10 wichtigsten Erkenntnisse dieser Reise waren für mich (ohne Rangfolge, einfach so notiert):

  1. Es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen Urlaubmachen und Reisen. Das eine ist erholsam, das andere ist spannend. Von den 33 Tagen waren 8 Urlaub und der Rest Reise – diese Gewichtung würde ich beim nächsten Mal anders gestalten.
  2. Schweden ist wunderschön, aber leben könnte ich dort nicht. Ich habe tatsächlich ab und zu meine Heimat – Oberbayern und München – vermisst. Ein ganz neues Gefühl. Gesondertes Schweden-Fazit folgt.
  3. Ich bin definitv ein Bewegungsmensch, kann längeres Rumsitzen nicht ausstehen und bin daher etwas (an)gespannt, wie sich das mit meiner beruflichen Zukunft vereinbaren lassen wird.
  4. Meine Dackelhündin ist die allerbeste Reisegefährtin, die ich mir vorstellen kann – mit keinem Menschen der Welt käme ich in 5 Wochen, in denen man bis auf 8 Schwimmbadbesuche, 11 Laufrunden, 7 Supermarkteinkäufe und 5 Hotelfrühstücke permanent zusammen ist und sogar noch nachts aneinander klebt, auf nur 4 kurze Streits (kurz = max. 2 Std. schiefer Haussegen).
  5. Schnell (Weiter-)Reisen geht für mich nicht mehr. Ich brauche ca. 48 Stunden Zeit und Ruhe, um irgendwo anzukommen und wirklich etwas von dem Ort auf- und mitzunehmen, an dem ich bin.
  6. Dass man in 4 Wochen Alleinsein und Unterwegssein mit Hund bahnbrechende Gedanken wälzt und lebensverändernde Beschlüsse fasst, ist und bleibt eine Illusion (so war es schon damals bei meiner Alpenüberquerung – und nun wieder).
  7. Es gibt nur zwei Gegenden, in denen ich leben möchte, falls ich weiterhin die Möglichkeit haben sollte, das frei zu wählen: bergnah oder meer-/wassernah. Alles andere fühlt sich für mich beliebig und unrund an.
  8. Vom dialektalen Einschlag her gehöre ich zu 98% nach Niedersachsen (das war eine echte Neuentdeckung). Null Assimilationsprobleme beim Sprechen, genau mein Ausdruck.
  9. Gut verzichten kann ich wochenlang auf: Fernsehen, Zeitungen, Geselligkeit, Gespräche, Klamottenauswahl, Fahrradfahren, Fönen, Großstadt.
  10. Schwer verzichten kann/könnte ich auf: Musik, Schwimmen, Hagebuttenmarmelade, Brezen, bayrisches Weißbier, feste Matratzen, Sauberkeit, Smartphone, WLAN, Auto, Fleecejacke, Trekkingschuhe, Hundepfotengeruch am Morgen.

So, nun aber rein ins Auto und rauf auf die A7 mit ihren Baustellen und Staus, die heute hoffentlich alle eine Pause einlegen, so dass wir störungsfrei bis zu unserer üblichen Spazierstation in einem Wald bei Tennenlohe durchkommen (weitere Idee: Reiseführer schreiben, Titel „Die schönsten Gassirouten links und rechts der Autobahn“).

Ich danke euch allen fürs Dabeisein, Mitfühlen, Kommentieren, Kritisieren und konstante Mitlesen – trotz der Dackel-, Schwimm- und Bruce-Lastigkeit, die mein Blog bisweilen aufweist (und auch in Zukunft aufweisen wird 🙂 ).

Zu unser aller Erholung verabschiede ich mich nun in einen einwöchigen Blogurlaub – zum Auspacken, Eingewöhnen und Neustart daheim – und bin dann in alter Frische (irgendwie suspekte Formulierung: alt + Frische?!?) ab dem 26.10. wieder hier (oder da?).

Bis dahin wünsche ich euch bunte Herbsttage, frohe Gedanken und eine gute Zeit.
Die Kraulquappe & die Pippa (aka kvinnan med tax).

(Da sich die halbe Belegschaft des Burghotels zum Abschied mit Pippa in der Lobby ablichten ließ, dachte ich, das könnte ich ja auch tun.)

207 oder: Saumäßig gut.

Nach gefühlten 800km, die nur zwar knapp 400km waren, aber 200km Staus oder Baustellen oder beides beinhalteten, kamen wir ziemlich gerädert am frühen Abend in Nörten-Hardenberg an.

Hätten wir dieses Grauen nicht durch drei herrliche Stunden am Elbufer bei Blankenese mit meiner Freundin B., Spazierengehen und Kuchenessen unterbrochen, wären wir noch geräderter hier eingetroffen.

Aber selbst dann hätte mich die Ankunft hier für die gesamte dämliche A7 entschädigt!

Der freundliche Herr R. von der Rezeption trug mir einen Teil meiner peinlichen Gepäck-Kisten (wenn ich wochenlang mit Hund reise, ist ein Koffer das Unpraktischste, was es gibt!) aufs Zimmer, auf dem für die Dackelmadame schon Näpfe in Berhardinerformat bereitstanden, ebenso eine Kuscheldecke, ein Lesesessel, ein Doppelbett und zwei eigene Türschilder.

Eines, wenn Fräulein Hund ungestört die Minibar plündern oder in den Daunen ruhen möchte…

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… und eines, wenn das Zimmermädchen bitte die wildschweinartigen Verwüstungen beseitigen möge.

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Liebe Schweden, da könnt ihr euch mal ein Beispiel dran nehmen! So sieht das aus, wenn man in einem hundefreundlichen Land unterwegs ist!

Und weil der Herr R. eh schon so freundlich war, habe ich ihn ohne Umschweife mit dem wahren Grund meines Hierseins – nicht auf Erden, sondern in diesem Hotel – behelligt: Wo hat ER gewohnt?

Ja, und dann zeigte der Herr R. doch glatt in den hinteren Teil des Flures, in dem wir standen.

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Nur ein paar Türen weiter hat Bruce Springsteen logiert und wird es auch 2017 wieder tun, wenn hier das Reitturnier stattfindet, an dem seine Tochter teilnimmt.

Ich verstehe vollkommen, dass man das nicht verstehen kann, wenn man kein Fan von etwas oder jemandem ist. Wer aber schon mal Fan war oder ist, der wird es nachfühlen können, sich an evtl. eigene bekloppte Aktionen ähnlicher Art erinnern und milde lächeln.

Und später, nach Abendessen und Abendgassi, haben der freundlichste aller Herren R. und ich uns nochmal hier im Flur verabredet, er mit Schlüssel zur Suite, ich mit Fotoapparat – denn die Suite war nur bis heute Mittag bewohnt…

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(Für Fans: Weitere Bilder können auf Anfrage zugesandt werden.)

Natürlich habe ich mich auf das Sofa gesetzt, bin einmal durch die Suite spaziert, inklusive Balkon und Bad, während der Herr R. freundlich lächelnd und diskret an der Tür wartete.

Danach bin ich selig in mein Zimmerchen zurückgeschwebt, habe das Betthupferl mit Wildschwein-Dekor verzehrt (in der Hoffnung, dass es für mich bestimmt war und nicht für Pippa, denn das Begrüßungskärtchen richtete sich namentlich an uns beide) und muss sagen, da hat der Herr Graf echt nicht gelogen:

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Die Praline war nur durchschnittlich aufregend, aber das Fanherz schlug vor lauter Freude noch 207x pro Minute.

Es ist die Verwirklichung kleiner, individueller und manchmal völlig kindischer Träume, die einen so froh machen kann. Dinge, zu denen mein Vater sagen würde: „Spinnst du jetzt total? Was willst du denn im Hotel in Nörten-Hardenberg?“.
Ich hab’s ihm einfach nicht erzählt, weil ich ja schon groß bin und alleine entscheiden kann, wo ich hinfahren und spinnen möchte – und zwar ganz ungestört.

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Was für ein schöner Abschluss dieser langen Reise!

Gute Nacht aus Niedersachsen wünscht –
Die Kraulquappe.

Time is an ocean but it ends at the shore.

(Titel: Zitat aus „Oh, Sister“ von, na wem wohl?)

Die letzte Etappe meiner Reise hat begonnen.

Mit einer reibungslosen Fahrt über den Öresund…

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… und den Großen Belt bis nach Nyborg …

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… wo wir uns die Pause nicht von dämlichen dänischen Drangsalierungen verderben ließen …

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… sondern uns freuten, vor der Weiterreise noch ein paar Sonnenstrahlen zu tanken …

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… und „Finde den Fehler im Bild“ zu spielen …

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… bevor es dann – dem tollen Tipp vom Blog Anwolf folgend! – weiterging bis nach Kiel …

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… in ein Romantik Hotel, in dem es auch alleine dermaßen romantisch sein kann, wenn man in Jogginghose dem Zimmerservice an der Tür dieses erfreuliche Tablett abnimmt …

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… und sich ein halbes Stündchen später satt und zufrieden mit dem Dackeltier und dem restlichen Franziskaner aufs Bett haut und zum ersten Mal seit über 3 Wochen die Glotze einschaltet.

Nach all dem Reisen und Gucken, Rumlaufen und Geplane, werd‘ ich jetzt mal zwei Tage lang alle Viere von mir strecken!

And last but not least (und weil’s mich natürlich den ganzen Tag über im Radio begleitet hat):
Ich hab‘ mit der heutigen Entscheidung aus Stockholm kein Problem.

Ohne Dylan und Springsteen hätte ich nie den Ehrgeiz entwickelt, auch noch so krass genuscheltes Englisch verstehen zu wollen. In den späten 80ern, noch vor einem Plattenspieler (!) kauernd und die Nadel immer wieder ein paar Rillen zurücksetzend, um die Strophe nochmal und nochmal zu hören, und vielleicht doch endlich wieder ein paar Worte mehr zu verstehen oder weiterrätseln zu können, war das hier (ich werd’s nie vergessen) nach unendlich vielen Abenden mein Gesellenstück der Hörverständnisübungen:

Und heute, da kann man die Lyrics einfach googeln.

May your heart always be joyful
May your song always be sung
And may you stay
Forever young!

Das darf hier einfach nicht fehlen – vor allem der Anfang und die letzten beiden Minuten, ab 9:55 😉
Meinen Glückwunsch, Bob!

Gute Nacht vom Kieler Fjord wünscht –
Die Kraulquappe.

Turning torsi & final fika.

Hier kommt er, der auf jeder Reise ebenso unsägliche wie unerträgliche und unumgängliche Hunde-Beitrag!
Alle finden das schrecklich, und jedes Mal ist es der Beitrag, der die meisten „Gefällt mir“-Klicks abstaubt…, also sei’s drum: Jetzt belle ich!

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Und es wird höchste Zeit, dass ich hier mal zu Wort komme. Vorgestern wurde nämlich der internationale „Tag des Hundes“ schmählich ignoriert – und das in einem Blog, der vorgibt, den Hund und seine Bedürfnisse tendenziell einigermaßen ernst zu nehmen.
Kein Knochen, kein Kommentar, keine Extra-Kraulung – nichts, nada, niente, nothing, ingenting. Pah!

Ich fand das so daneben, dass ich dann gestern das erste Mal auf dieser Reise gekotzt habe. Dafür musste ich in den Dünen für nur zwei Minuten ins Dickicht abhauen und einen Haufen Mist fressen, zwei Stunden später hab‘ ich dann gezittert und Bauchkrämpfe gehabt, so dass ihnen Angst und Bange wurde – und schwupps, kam der ganze Mist wieder raus.
Der Welthundetag wird bei uns daheim nie wieder ausfallen, da bin ich sicher.

Heute Morgen dann der nächste Schock. Der stellvertretende Oberhund holt den Koffer aus dem Flur, stellt ihn ins Wohnzimmer, zieht sein Bett ab und legt die Bettwäsche hinein. Das verheißt nichts Gutes. Als kluger Hund legt man sich da sofort drauf, denn nur so läuft man keine Gefahr, dass sie einen vergessen und zusätzlich kann man den Morgen auf herrliche Düfte gebettet – die die Menschen „Schmutzwäsche“ nennen (?) – verdösen.

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Gegen 11 Uhr wurde es noch unruhiger im Haus. Ich wurde unsanft aus meinem Schmutzwäschebett gehoben und auf den Fußboden (!) gesetzt. Jetzt hieß es absolut achtsam sein, dass sie sich nicht ohne einen aus dem Staub machen.
Ich sprang daher aufs Sofa, legte mir ein Kissen unter, damit ich die Szenerie gut und auch bequem im Blick hatte und spitzte die Ohren. Um 11:13 Uhr fiel das entscheidende Wort: „Mit“. Ich durfte also mit! Damit war alles in Butter und ich wusste: Es wird ein guter Tag.

Nach 45 Minuten Autofahrt stiegen wir alle zusammen am Ribersborgsstrand in Malmö aus. Nun stand endlich mal Sausen und Buddeln auf dem Programm – das letzte Mal war ja schon wieder fast 24 Stunden her.

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Malmö gefiel mir sofort! Ein riesig langer Hundestrand, der in eine noch riesigere Hundewiese übergeht, auf der man immer jemanden zum Spielen findet…

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…was die Menschen dann durch ein paar olle Geschicklichkeitsübungen,…

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…die ja allesamt sowas von simpel waren, meinten unterbrechen zu müssen.

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Aber wenn’s ihnen so viel Freude macht, dann spring‘ ich halt durch blaue Osso buccos, ist schon ok, denn sie gaben sich heute echt Mühe, den Tag so zu gestalten, dass ich mich nicht langweilte.

Warum sie dann allerdings minutenlang auf diese Brücke am Horizont starrten, verstand ich gar nicht.

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Gottseidank lagen auf dem Hundrastplats interessantere Sachen rum,…

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… so dass ich genug zu tun hatte, während meine Menschen immer noch andächtig geradeaus guckten.

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Anschließend gingen wir durch den Schlosspark, in dem ich erstmals in meinem Hundeleben, in dem ich wirklich schon viel gesehen habe, ein Reh traf, das sich bei meinem Anblick vor Angst im Boden verstecken wollte. Dabei war ich an der Leine! Aber die schwedischen Rehe sind offenbar genauso wenig weltgewandt wie die meisten Hunde, denen man hier so begegnet.

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Es folgte ein kurzer, öder Part des Tages namens „Altstadt“. Kopfsteinpflaster ist doof. Und unsere Interessen divergieren bei „Altstadt“ immer am meisten. Für mich sind ausschließlich Mülleimer, Laternenpfähle und Hausecken spannend. Der Oberhund pflegt neben seiner seltsamen Begeisterung für Brücken einen nicht minder kuriosen Enthusiasmus für Läden mit geruchlosen Auslagen. Nun ja.

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Immerhin gingen wir diesmal nicht rein, weil respektiert wurde, dass es für mich dort viel zu laut ist. Ein paar Straßen weiter – der Oberhund musste mehrfach in sein komisches Leuchtbrett gucken, das ihm den Weg zu weisen schien – blieben wir schließlich vor einer Tür mit diesem Schild stehen.

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All you need is love & a dog. Wau! Da hat doch glatt mal so ein Schwede gecheckt, worauf’s im Leben ankommt.

Drinnen gibt’s nette Wand-Deko für Mensch…

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…und Hund. Wobei ich den Kollegen Snoopy in seinem Einfluss auf die Weltläufte verglichen mit dem des Antikapitalismus‘ deutlich zu klein geraten fand!

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Das Café Knus – eine Schwedin mit Hund gab dem Oberhund vor zwei Wochen diesen Tipp – präsentiert sich auf den ersten Blick als wunderbarer Ort. Der Boden ist beheizt, die Bedienung krault einen, was ja auch das Mindeste ist, denn „Knus“ ist schließlich das dänische Wort für „Umarmung“, und eine Wurst bekomme ich auch.

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Leider stimmen auch hier die Größenverhältnisse wieder kein bisschen. Meine Wurst ist 10cm kurz und 1cm dünn, also eher ein schlechter Witz als eine anständige Wurst.

Die Menschen hingegen futtern sich so richtig voll mit spätem Mittagessen und fika. Fika ist eine der wichtigsten kulturellen Gepflogenheiten hier in Schweden und wird mindestens 3x am Tag praktiziert.

Neiiiiin, keine Bange, ich hab‘ auch erst gedacht, alter Schwede, oho, was geht denn da ab, und wieso in öffentlichen Cafés und so. Aber es handelt sich dabei einfach nur um Rumsitzen, Reden, braune Brühe schlürfen und Süßkram spachteln. Bis auf Letzteres also komplett uninteressant für Hunde!

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Aber so ist das eben. Wenn die Menschen erstmal Rumsitzen und Essen und ins Reden kommen, schaut man als Hund meist mit dem Ofenrohr ins Gebirge – oder unter die Sitzbänke. Wo sich bestenfalls mal eine runtergefallene Krume oder ein trostloses Salatblatt findet.

Tja. Ich hab‘ gelernt, dass man hier in Schweden verdammt froh sein kann, wenn man nicht im kalten Auto warten muss, während die Menschen ihre Fressorgien feiern. So gesehen kann ich das Café Knut in Malmö insgesamt dann doch empfehlen.

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Immer mit allen Vieren auf dem Boden der Tatsachen stehend grüßt euch
Eure Pippa.

PS: Muss jetzt leider aufhören und vom Sofa aus das Kistenpacken überwachen. Es scheint schon wieder was im Gange zu sein.

Wo Akka das Land verließ oder: Aufbruch.

Bei immer herbstlicherer und stürmischerer Witterung winken wir von Smygehuk aus…

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Südlichster Punkt Schwedens: Smygehuk.

… den letzten Zugvogelschwärmen nach, die eilig das Land verlassen und ihre Reise in den Süden antreten.

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Das kleine Denkmal für die große Akka von Kebnekaise.

Auch wir nähern uns allmählich der Rückreise in den Süden (in dem es aktuell leider noch kälter ist als hier). Bloß noch ein Tag an der Südküste, danach ein weiterer in Malmö – bis der Gatte abends zurückfliegt.

Und vielleicht bedurfte es dieser Abschiedsstimmung und des rauen Klimas, um endlich gemeinsam mit Pippa in einem Café Einlass gewährt zu bekommen.

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Nach der Nachsaison & bei 11 Grad: Cafés öffnen ihre Türen.

Am Donnerstag brechen wir unsere Zelte hier auch ab, und nach langem Hin und Her, Für und Wider, Planen, Verwerfen und Neu-Planen steht die Reiseroute seit heute endlich fest: Keine Fähre mehr, sondern Brücken über Brücken (über den Öresund und den Großen Belt).

Außerdem: In aller Ruhe nach München zurück, 4-5 Tage Zeit lassen, kein Kilometerabspulen, sondern langsam reisen und unterwegs gleich noch ein paar Wünsche realisieren.

Die da wären:

– in Betten mit festen Matratzen und ohne wabbelige schwedische Hygieneauflagen schlafen
– Frühstück mal nicht selber machen
– in eine Scheibe heimisches Vollkornbrot beißen
– ungesalzene Butter auf dieses Brot streichen
– abends nicht den Kochlöffel schwingen
– Pippa ins Restaurant mitnehmen ohne dass irgendwer krumm guckt
– nach fast 4 Wochen endlich wieder in einem 50m-Becken schwimmen
– die Kieler Förde anschauen
– einmal im Leben im selben Hotel übernachten wie Bruce Springsteen (nur leider nicht zeitgleich)
– Pippa zu einem Date mit einem feschen Rüden begleiten, den sie übers Bloggen kennengelernt hat

Das sind schöne Aussichten – ganz egal, bei welchem Wetter.
Aufbruch!

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Reminiszenz an den Sommer: Statue vom bekannten Künstler Axel Ebbe am Hafen von Smygehuk (Modell stand die Großmutter von Uma Thurman).

Tschechow meint: Wer – wie die Zugvögel – durch Ortswechsel Rettung sucht, findet sie nicht.

Ich meine: Wer durch Ortswechsel bloß Abstand und Ruhe, neue Impulse und Perspektiven sucht, kann da schon mehr Glück haben.

In der Hoffnung auf ein gutes letztes Viertel der Reise grüßt euch
Die Kraulquappe.

Zwischenbilanz (1): Du kan förändra världen!

Guten Morgen von der sonnigen Terrasse in der Örnbräkenstigen!

Die erste längere Etappe meiner Zeit in Schweden geht heute zu Ende. An einem Samstag. Eigentlich Tag des Autoputzens (was ich bereits gestern erledigt habe), in Reisezeiten aber Tag des Quartierwechsels. Wir ziehen um.

Gelegenheit, bei einer Tasse Kaffee kurz innnezuhalten und eine kleine Zwischenbilanz zu ziehen. Eine sehr kleine.
Denn: Es war nahezu paradiesich hier. Die Hütte, der Garten, die Lage, die Nachbarschaft, die Gegend, das Wetter, die Verpflegung, der Schlaf, die Stimmung, die Ruhe.

Was hat gefehlt?

Ein Wäscheständer, ein Dressingshaker, ein CD-Player, drei Kleiderbügel mehr, Topflappen, ein helleres Nachttischlicht.

Alles Kinkerlitzchen. Im Garten gab’s ’ne Wäscheleine, das Dressing kann man auch mit der Gabel anrühren, Musik im Auto und auf dem iPod hören, Klamotten stapeln, die Auflaufform mit Geschirrtüchern dem Ofen entnehmen und Lesen auf der Couch.

In diesem Sommerhäuschen könnte ich es mühelos einen ganzen Sommer (oder Herbst) lang aushalten. Pippa sowieso – allerdings sähe der Garten dann wie nach einem Meteoriteneinschlag aus (der Abreisemorgen ging komplett für Ausbesserungsarbeiten in der Wiese drauf 😦 ).

Verabschieden möchte ich mich mit ein paar Innenbetrachtungen.

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Die Küchenfensterbank. Carpe diem oder carpe Spülbürste?

 

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Die Rückseite der laminierten Hinweise meiner Vermieterin. Ein besseres Motto hätte ich mir nicht wünschen können!

 

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Affront im Küchenregal. Habe aus Trotz Hundeflocken eingefüllt.

 

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Best Türstopper ever! Wurde erst verbellt, erwies sich dann aber als brauchbarer Spielgefährte.

 

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Schweden ist farbenfroh. Auch wenn’s ums Erschlagen geht.

 

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Mein Lieblingsplatz drinnen.

 

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Mein Lieblingsplatz draußen.

 

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Spät bemerkt: Sogar ein echter Kraulquappen-Hausschlüssel.

Und das Beste wie immer zum Schluss: Die Aussicht vom Klo auf den gegenüberliegenden Boiler.

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When shit happens, change the subject. Or even the world.

Wohin die Reise nun geht?

In die Heimat von Kurt Wallander. Nicht direkt nach Ystad, wo er zuerst lebte, sondern ein paar Kilometer westlich von Ystad an die Küste, wo er sich mit seinem Hund Jussi in einem Haus am Meer niederließ.
Wir sind schon gespannt, wie es sich dort so lebt und buddelt!

Trevlig helg & bye för nu!
Die Kraulquappe.

Hinter Snogeröd am Ringsjön.

Wir sind gestern Abend am Ringsjön gelandet, einem schönen See in Skåne, wie der südschwedische Landstrich heißt, in dem ich mich in der nächsten Zeit herumtreiben werde.

Hier akklimatisieren wir uns nun zwei Tage lang in einer netten Unterkunft…

…in der ich dank der Einschränkung „Hund reist mit“ statt eines Zimmers im Haupthaus einen kleinen Bungalow im Nebengebäude bekommen habe (nur selten kommt man als Hundehalter in den Genuss eines Upgrades).

Die langen Fahrten und Überfahrten haben nun ein Ende. Gut so, denn ich mag das ewige Kilometerabspulen nicht – ich will nicht sitzen, sondern laufen.

Da ähneln wir uns sehr, mein Hund und ich!

Die gestrige Schiffspassage war begleitet von etlichen technischen Problemen am Anleger, daraus resultierenden Verspätungen, ICE-ähnlich eisiger Klimaanlage und einer Hundetoilette auf Deck 8…

…in der vielleicht maximal ein blinder, inkontinenter Rüde zum Beinchenheben an der trostlosen Baum-Attrappe bewegt werden könnte, nicht aber eine gepflegte junge Hundedame.

Heute ist nach sagenhaften drei Tagen Schwimmpause auch für mich endlich wieder ein Ausflug ins Wasser geplant.
Im 3km entfernten Höör, das sich zwar spontan ein wenig nach Pilzinfektion anhört, gibt es eine moderne, hoffentlich nicht-infektiöse Schwimmhalle, die ich mir heute Nachmittag vorknöpfen werde, wenn die Hundemadame nach der Umrundung des Östra Ringsjön und der Besichtigung des Schlosses Bosjökloster ihren Schönheitsschlaf zu halten beliebt.

En trevlig onsdag!
Die Kraulquappe.