F63.9 oder: Der Wunderfitz.

In ein paar Wochen werde ich 45. Ein Alter, von dem ich, als ich noch jung war, eine bestimmte Vorstellung hatte: Davon, wie ich dann sein bzw. nicht mehr sein würde. Nicht äußerlich betrachtet (hier ist ein gewisser Verfall nun mal unaufhaltsam), sondern in Bezug auf Verhaltensweisen, Einstellungen, Temperament etc.

Vor 35 Jahren z.B. bin ich spätestens ab Anfang Juli neugieriger als sonst durch die Wohnung getigert, habe meine Eltern aufmerksamer als üblich beobachtet, v.a. wenn sie von Einkäufen zurück kamen. Ich platzte vor Neugierde und Vorfreude, was ich wohl zum Geburtstag bekommen würde. Ich zählte die Tage bzw. wie viele Male ich noch schlafen musste, bis es endlich soweit wäre.

Zweimal – noch heute treibt es mir die Schamesröte ins Gesicht, wenn ich dran denke – kam es ganz krass, und ich nahm heimlich den Küchenhocker zu Hilfe, um in die obersten Fächer des elterlichen Schlafzimmerschrankes gucken zu können. Einmal habe ich dort meinen allergrößten Wunsch im Karton stehen sehen – der allererste, heiß ersehnte Radio-Kassettenrekorder (Stereo!) – und glatt gewagt, ihn schon mal auszuprobieren. Was für ein Graus war es, das Kabel wieder aufzuwickeln und in das winzige Tütchen zu zwängen, in dem es originalverpackt gesteckt hatte! Und danach noch tagelang wie auf glühenden Kohlen zu sitzen, bis ich endlich „offiziell“ mit dem Gerät Musik hören durfte.

Es muss so um meinen 25. Geburtstag herum gewesen sein, als mir bewusst wurde, dass ich aus diesen Verhaltensweisen immer noch nicht herausgewachsen war, obwohl ich mich bereits für mordsmäßig erwachsen hielt. Seinerzeit ertappte ich mich nämlich dabei, zu Beginn des Julis beim Staubsaugen im Zimmer meines ersten Gatten, plötzlich auch sehr gründlich unter dem Bett, in Schubladen und Schränken nach Abzustaubendem zu fahnden…
Fortan arbeitete ich hart an mir, diese Neigungen zu unterbinden, mich in Geduld und Gelassenheit zu üben. Überraschungen sind doch schließlich sowas Wunderbares und Vorfreude ist die schönste Freude!

Mit den Jahren wurde es dann wirklich besser und mittlerweile hab ich’s im Griff: Warte ab, wühle nicht mehr, zähle keine Tage oder Nächte mehr und kann trotzdem ruhig schlafen. Bin drüber weg, habe diese Kindereien endlich überwunden. Dachte ich.

Bis diese Woche ein großes, in vollendetem Schwimmer-Design gestaltetes Kuvert im Briefkasten lag. Es war an mich adressiert und auf der Rückseite – ich traute meinen Augen kaum – mit dem Hinweis „Bitte erst am Geburtstag öffnen!“ versehen.
Wie bitte?!? Über drei Wochen sollte ich die Finger davon lassen? Das konnte nur ein Scherz sein, allerdings ein schlechter.

Während ich überlegte, welcher meiner Freunde aktuell Anlass haben könne, ein solches Attentat auf meinen so mühsam errungenen Erwachsenenstatus zu verüben, sah ich mir den Absender an und war sogleich milder gestimmt. Das Kuvert kam aus Paderborn, von Frau Hikeonart.

Nun gut, dachte ich, wir kennen einander noch nicht so lange, und offenbar weiß sie trotzdem, dass sich mein erster Schrei in diese Welt jetzt irgendwann jährt, aber eben nur so ungefähr. Ich schickte ihr eine WhatsApp, bedankte mich artig, erwähnte dennoch offen die Bürde, die sie mir mit ihrer doch sehr frühen Briefsendung auferlegt hatte, gelobte aber, die gewünschte Frist einzuhalten. Schlappe drei Wochen… – das wird man ja wohl schaffen, nach 44,9 Lebensjahren.

Die Antwort war erfreulich ehrlich, aber zugleich knallhart: Das Ganze sei ein Test für meine Impulskontrolle. Das saß.
Woher wusste die das? Nur 2x live gesehen und schon dermaßen durchschaut worden? Oder hatte sie heimlich den Gatten über meine wunden Punkte ausgefragt, hatte er mich verraten?

Ich beschloss, standhaft zu bleiben und packte das Kuvert in eine Schublade meines abschließbaren Sekretärs. Leider merkte ich schon am selben Abend, dass dem Frieden nicht zu trauen war. Es ist wie mit Chipstüten, die im hintersten Winkel des Küchenschranks gelagert werden, damit man sich ihrer möglichst erst dann erinnert, wenn eine adäquate Gelegenheit zu ihrem Verzehr gekommen ist (Gäste, WM-Endspiel, Fernseh-Abend am Ende eines Tages, an dem man nicht sonst schon esstechnisch über die Stränge geschlagen hat etc.) und nicht einfach so bzw. aus purer Gier zuschlägt. Diese Tüten rascheln ständig vor sich hin, bisweilen sind sogar fiese Lockrufe aus dem Schrank zu hören (wie das endet, ist hier nachzulesen). Wir kaufen deshalb keine Chipstüten mehr. Denn: keine Tüte => kein Rascheln und Rufen => keine sinnlose Fresserei bis zum letzten Krümel am Tütenboden.
[Randnotiz: Dummerweise haben wir jetzt einen „Notausgang“ entdeckt, quasi die Hintertür zu unseren ungezügelten Gelüsten gefunden. Unser neuer Nachbar hat immer Chipsvorräte in seiner Küche gebunkert. Unvorsichtigerweise hat er uns das mal erzählt. Also: Nebenan klingeln => Notfall verkünden => aus mehreren Tüten eine aussuchen dürfen => sinnlose Fresserei bis zum letzten Krümel am Tütenboden. Gestern getestet, mit Erfolg.]

Zurück zu der gut verstauten Sendung aus Paderborn. Sie verhielt sich also wie eine Chipstüte, das Miststück. Drei Tage ging das so dahin, einen davon bin ich sogar in die Berge geflüchtet, um ihr enervierendes Plärren nicht hören zu müssen. Gestern habe ich dann kapituliert.

Ich schloss den Sekretär auf, riss die Schublade auf, danach den Umschlag, aber damit noch nicht genug: drin war ein weiterer Umschlag! Der war zu hübsch zusammengebastelt, um ihn aufzureissen, also musste ich auch noch ein Messer holen gehen, dachte dabei an Schulzeiten und diese Kuverts im Kuvert im Kuvert im Kuvert…, die einem Freundinnen damals schenkten – und im allerletzten, kleinsten Kuvert lag dann ein verziertes Zettelchen mit „Ätsch“ drauf.

Im Zweitkuvert verbarg sich gottseidank kein Drittkuvert, sondern das, was ich erst in drei Wochen auspacken und an mein Geburtstagsfrühstücksei hätte lehnen sollen: das Präsent.

Und zwar ein sogenanntes „persönliches Präsent“. Ein Kunstwerk. Ein zum Original transformiertes Original, Teil der aktuellen Postkarten-Serie, die Frau Hikeonart gerade entstehen lässt.

Mit meinem absoluten Lieblingsmotiv drauf!

@hikeonart: WauWow! Herzlichen Dank dafür. Es wird eingerahmt auf meinem Sekretär stehen.
Und eine Frage noch zum Kartenmotto „geführte Touren 2017“: ich dich ziellos durch München oder du mich an der Nase herum oder nochmal ganz anders?

Bin ich also beim Test durchgefallen, kläglich gescheitert. Mal wieder auf ganzer Linie versagt.

Ich dachte immer, Mitte Vierzig wäre ein Alter, in dem man entspannt abwarten, sich Überraschungen aufheben, Impulse im Zaum halten könnte. Keine schöne Erkenntnis, dass das nicht klappt. Immer noch auf dem Niveau einer Zehnjährigen. Und wenn es bei einem Kuvert schon nicht klappt, klappt es bei einem Päckchen oder Paket erst recht nicht.

Daher die Bitte an alle anderen, die vorhaben, etwas zu schicken, ganz egal, in welcher Größe und Verpackung: Bitte erst drei Tage vorher losschicken (der 10.07. wäre ein guter Tag, da hat die Post noch einen Puffer oder DHL Gelegenheit für den üblichen zweiten Zustellversuch).

Dann kommt das hier so an, dass niemand mit Psychotests für Erwachsene drangsaliert wird und in dem einzigen meist durchweg positiven Monat im Jahr, in dem das sonst wacklige Seelenleben mal einigermaßen in der Balance ist, dermaßen über die eigenen Unzulänglichkeiten stolpern muss.

Besten Dank für die Rücksichtnahme!

Himmel der Bayern (22): Gipfeltreffen.

Und gleich das nächste blind date – heute: Mr. Speedhiking, WordPress-Weggefährte seit ungefähr anderthalb Jahren und Top-Kommentator auf meinem Blog (bis dato 136 Kommentare, nur 1 weiterer fehlt noch zu meiner Lieblingszahl!).

„There’s no debate, we need a date“, kommentierte er flugs, kaum war das Kraulquappe-meets-hikeonart-Wochenende vorüber.

Gesagt, getan.

So kam’s dann heute, bei besten Bedingungen unter dem Bayernhimmel (sehr heiß, aber gottseidank ein Lüftchen und ein paar Wolken dazu), zum Gipfeltreffen in den Ammergauer Alpen.

Herr Speed hatte sich vernünftigerweise schon gestern speedmäßig ausgetobt – denn der heutige Bergtag mit zwei Frauen an der Hacke (1x müde und mit Schulterschmerzen, 1x schlapper Hormonjunkie) und nur 700 Höhenmetern Tagesleistung wäre dafür nicht geeignet gewesen (gleichwohl als Trainingsgelände mehr als passend).
So konnte er sich voll und ganz auf seinen ersten Einsatz als Wurst-Lieferant und Träger eines scheinträchtigen Dackelfräuleins konzentrieren und diesen mit Bravour meistern.

Pünktlich zur vereinbarten Minute rollten die Autos einmal von Osten, einmal von Westen kommend auf den Parkplatz. Zur Begrüßung wurde die Box mit den Mini-Wiener geöffnet – die beste Eintrittskarte in ein Hundeherz! – danach fix die Schuhe geschnürt und los ging’s.

Schon nach wenigen Metern schien es, als solle mein Plan, den Pürschling via Schleifmühlenklamm zu besteigen, heimtückisch torpediert werden. Ein Schild verstellte uns den Weg: „Durchgang gesperrt – Erdrutsch und Brückenarbeiten.“ Vermutlich ein perfide arrangierter Versuch von Herrn Speed, a) meine Flexibilität oder Risikofreude zu testen oder b) die Unerlässlichkeit seiner eigens für diese Unternehmung besorgten topografischen Wanderkarte zu demonstrieren?

Er endete mit dem Ergebnis, dass wir uns von Erdrutsch und Brückenarbeiten nicht abschrecken ließen, ebenso wenig von den hinreichend bekannten Zeitungsmeldungen, die solchem Übermut ja gern folgen („Tragisches Ende eines Ausflugs: Kleine Wandergruppe in Schleifmühlenklamm gestürzt, da die Warnhinweise der Gemeinde ignoriert wurden“).
Spaß beiseite, man hätte jederzeit umkehren können, die Klamm ist ziemlich harmlos. Von Erdrutsch war nirgends etwas zu sehen. Und die Brückenarbeiten bestanden aus einem fehlenden Brückenbodenstück, an dessen seitlicher Einfassung balancierend man aber mühelos die 2 Meter große Lücke überwinden konnte.

Nach einigen Badepausen für das hechelnde Dackeltier erreichten wir das Josephskircherl.

Hier durften sich Herrn Speeds treuer Berggefährte Dr. Schmitt und Pippa erstmals beschnuppern und ausgelassen spielen. Zugegebenermaßen etwas zum Nachteil von Dr. Schmitt, dessen Kopfschmuck anschließend ein wenig derangiert wirkte, aber das ließ sich mit ein paar Handgriffen wieder richten.

Fast auf dem Pürschling angekommen nutzte Pippa unseren Abstecher zum Gipfelkreuz für eine schamlose Plünderung des Speedhikingschen Rucksacks (vermutlich handelte es sich bei der Beute um mindestens zwei weitere Mini-Wiener)…

… so dass wir die Beine und unser Gepäck unter den Arm nahmen und dem Winken der Himmel-der-Bayern-Fahne zur nahegelegenen Alpenvereinshütte folgten …

… um uns dort zu einer ausgiebigen Pause niederzulassen.

Mit Zugspitzblick genossen wir die Hopfengetränke…

… sowie das in Bayern stets unvermeidbare Lokalkolorit …

… und fütterten den vom Winde verwehten Schneehasen, der in Sachen Jause bisher mit dem Ofenrohr ins Gebirge schauen musste (immerhin ins Wettersteingebirge).

Satt, zufrieden, ausgepowert und mit Kletten übersät lümmelten die beiden dann einträchtig auf der Wiese herum…

… bis es schließlich „Kompanie, Marsch!“ hieß und wir wieder ins Tal abstiegen.

Alle anderen Details zum heutigen blind-date-mountain-trail wie neueste User Manuals zur Mechanik des Alpwesens, beeindruckende Excel-Tabellen mit unseren Gehzeiten, Anzahl der Badestopps inkl. Wassertiefe und -temperatur u.v.m. werden mit Sicherheit in Kürze hier nachzulesen sein.

Schee war’s!

Herzlichen Dank an Hr. Speed & Dr. Schmitt für den schönen gemeinsamen Wandertag!

(Man beachte den Untertitel! Schön, dass man da jetzt auch mal war.)

Lass ma‘ chillen!

Back in Neuhausen, für einen Vormittag!

Erst zum Tierarzt des Vertrauens, dem Einzigen, der diese Scheinschwangerschaftszeiten nicht dazu missbraucht, uns eine Kastration aufzuschwatzen.

Die Hormon-Drama-Queen liefert eine beeindruckende Vorstellung ab: Zittert wie Espenlaub und wimmert herzzerreißend! Dabei hat der gute Dr. Doolittle NUR GEGUCKT, zugehört und am Schluss mal kurz abgetastet, sonst nix. Die Chemiekeule (Prolaktinhemmer) haben wir mal mitgenommen, kommt aber nur zum Einsatz, falls die Madame nächste Woche immer noch nicht runter ist von diesem „Trip“.

Ablenkung ist die beste Medizin, sagt Dr. Doolittle wie immer, ja aber Herrschaftszeiten, man kann jetzt auch nicht täglich 8 Std Berge besteigen oder Seen aufsuchen oder Besuch einladen… (auch wenn’s funktioniert).

Merke: Den nächsten Urlaub so legen, dass er diese Phase komplett abdeckt. Also 2-4 Wochen Fernwanderweg oder so, das wär’s. Nur wenn’s blöd läuft, hilft auch das nix, denn schließlich ist das Hundehirn ja in der Lage, diesen Hormonirrsinn zu verschieben, wie man sieht. Der Umzugsstress hat es nur unterdrückt, die Hypophyse sagt dann „Ja mei, ist eh schon genug Trubel, dann hauen wir die Hormone halt erst ein paar Wochen später raus, auch recht!“.

Im Alltag hilft also nur: Möglichst wenig daheim sein, viel raus gehen, viel Neues erleben, den Hund überall hin mitnehmen.

Daher gleich nach dem Tierarzt zum Friseur des Vertrauens, auch im ehemaligen Viertel. Nach fast 4 Monaten endlich mal wieder Haareschneiden! Bei 32°C ist der Segen sofort spürbar.

Danach eine Runde durch den Olympiapark und weiter zum Mittagsimbiss beim Österreicher in den alten Gefilden. Die machen jetzt einen auf hip hier (kaum ist man weg!). Chinchilla to drink – mit Gemüse und Kräutern. Brrr! Aber die gerösteten Knödel mit Gemüse sind immer noch da, bodenständig und gut.

Anschließend geht’s weiter zum See, damit das Hormonbündel seine Milchbar kühlen kann. 

Nicht auszudenken, man hätte einen regulären Job, mit geregelten Arbeitszeiten und so. Angestellten empfehle ich klar einen Rüden, am besten kastriert!

Ich arbeite jetzt nachts zwischen 21 und 1 Uhr, wenn die Hundedame nach ihrem abwechslungs- und ereignisreichen Tagwerk mal etwas ruht (ohne zu jammern). Anschließend bin ich wieder mit Ablenken und kalten Umschlägen beschäftigt. Wenn’s gut geht, mache ich für 4-5 Stunden mal ein Auge zu, bevor das nächste Ablenkungsprogramm startet. Der Gatte hat sich wohlweislich aus dem Staub gemacht und schwitzt in Oldenburg vor sich hin. Angeblich eine Tagung. 

Ein Prosit auf diese chillige Zeit!

Kreative Dentisten.

So schaut sie aus, die Werbung am Stadtrand, an der Endstation der U3.

Meine Fresse, wie gewitzt: 3x Ort in einem Atemzug!

Da bleib‘ ich lieber bei meiner Zahnärztin in der Innenstadt. Die macht keine Werbung und hockt auch nicht so wichtigtuerisch auf meiner Unterlippe herum.

Zwischen zwei Gewittern grüßt
Die Kraulquappe.

Song des Tages (10).

Seit Jahren ist mir das nicht mehr passiert!

Bei 27 Grad und Sonnenschein auf den Berg rauf, nur ein paar Wolken am Himmel…

… nach der Gipfelrast ein kleines Stück runter zur Alm…

…dort in aller Seelenruhe Brotzeit gemacht, dann den Abstieg angetreten.

Und plötzlich, mitten auf den bewaldeten, steilen Serpentinen abwärts, fängt’s an zu tröpfeln, dann regnet’s stärker und als wir runterkommen an den Walchensee, schon so mitteltriefnass, da fängt’s richtig an zu duschen. Keine Regenjacke dabei, schien mir absolut unnötig heute, stattdessen die Badesachen im Rucksack. (Dabei gehe ich nie ohne Wind- oder Regenjacke auf den Berg – nie!!! Und so oft war das Zeug schon unnötig im Rucksack!)

Pitschnass sind wir, alle beide. Rennen den Uferweg entlang, in die Richtung, in die wir gar nicht müssen, nach Sachenbach, weil’s da immer einen kleinen Kiosk hatte, in der Hoffnung, dort vielleicht etwas Schutz unter der Markise oder dem Vordach zu finden.

Der Kiosk hat zu, aber am Ufer campt eine Gruppe Surfer, die Jungs machen Party im Regen, winken mich rüber und ich darf mich mit Pippa unter den aus Surfsegeln selbstgebauten Unterstand stellen.

Alles mieft dort nach nassen Sportklamotten, Männerschweiß und Bier, aber die Stimmung ist klasse. Da steh ich nun, der Regen prasselt so laut auf die Segel, dass es ein bisschen dauert, bis ich die Musik wahrnehme.
Aus dem Ghettoblaster plärrt ein ewig nicht mehr gehörtes Lied gegen den Regen an. Der Song erinnert mich an irgendwann ganz früher und auf einmal ist mir der Regen völlig wurscht und ich bin glatt noch Baden gegangen. So warm kam mir der Walchensee selten vor!

 

Nach 30 Minuten war alles wieder vorbei, ich packte meine Sachen zusammen und ging weiter. Der sommerliche Platzregen hatte herrliche Gerüche hinterlassen und viele frische Pfützen, aus denen Pippa schlabbern konnte und wir spazierten die letzten paar Kilometer am Seeufer bis zum Parkplatz zurück.

 

„Du riachsd des Wossa un nix is laut!“ (STS, Irgendwann bleib‘ i dann dort)

Wandern im Regen wird trotzdem nicht mein Hobby und auch so eine Heimfahrt in die Ersatzhundedecke (die immer im Kofferraum liegt) gewickelt, um nicht den ganzen Sitz zu versauen, ist nicht wirklich toll. Aber alles in allem war’s ein prima erfrischendes Erlebnis!

Hund haben (5).

Das Dackelfräulein hat neben seiner rassetypischen Anfälligkeit für Bandscheibenprobleme (landläufig bekannt unter „Dackellähme“) von klein auf mit einer Patella baja zu tun (kein Teckeltanzstil, sondern ein sog. Kniescheibentiefstand). Hinten rechts zog sie den Hinterlauf seltsam hüpfend hoch oder setzte hinkend einen Schritt aus. Seitdem wir täglich Grünlippmuschelpulver unters Futter rühren, hat sich die Symptomatik gebessert bzw. fast völlig gelegt.

Wie alle Dackel soll sie keine Treppen gehen, wird also immer getragen (was bei knapp 7 kg kein großer Aufwand ist), rauf und runter. Auch beim Sprung aufs Sofa sind wir behilflich und selbstverständlich wird sie abends auch ins Bett gehoben (zumindest in jene, die für Menschen sehr rückenfreundlich sind, aber für Dackel bereits zu hoch).

Gelegentlich springt die Madame aber nachts eigenständig aus dem Bett (manchmal stupst sie einen kurz an, aber meist reagiert man zu langsam) – weil es ihr zu warm wird, weil einer von uns in der Wohnung herumgeistert, selten auch mal, weil sie raus muss und einmal jährlich, so wie momentan wieder, weil ihr einfällt, dass sie nach ihren Kindern sehen will. Die imaginäre Welpenbande wird dann überall gesucht, nicht gefunden und irgendwann kehrt sie unter Gejammere ob der erfolglosen Suche zur Bettkante zurück und jammert noch lauter, weil sie wieder hoch ins Bett möchte.

Der Parkettboden in der neuen Wohnung ist frisch versiegelt. Heißt, er ist besonders glatt. Verlässt die Dackeldame also nachts das Bett, ist seit Neuestem nicht nur der Sprung an sich ein Gesundheitsrisiko, sondern auch noch das anschließende Ausrutschen auf dem Holzboden.

Der Gatte konnte das nicht mit ansehen und hat rasend schnell für Abhilfe gesorgt (eine für haushaltsnahe Dienstleistungen eher untypische Reaktionsgeschwindigkeit).

Kurz darauf lieferte Amazon einen Karton, in dem ich rein größenmäßig spontan ein Denkmal für mein Engagement beim Umzug vermutete oder ein ungewöhnlich rechtzeitig bestelltes Geburtstagspräsent, das meiner früher stets verkündeten, aber eigentlich überholten Devise „groß & teuer“ gerecht würde.

Diesmal wagte ich es nicht, den Karton zu öffnen, sondern ich wartete auf die Heimkehr des Gatten. Der bestaunte dann auch das Pappmonstrum und fragte sich, was er da wohl bestellt haben könnte.

Nach dem Herausschaufeln von unendlich viel Füllmaterial (wenigstens aus Papier) kam schließlich der Inhalt zum Vorschein: Petwalk!

Ich habe mich totgelacht über das Foto und die Beschriftungen auf der Schachtel. Da hat ein Hersteller mal absolut den Nagel auf den Kopf getroffen („Friends on tour“) und die Realität abgebildet (der Blick! die Vorderpfoten!): Eine total authentische Szene, mitten aus dem ganz normalen Alltag eines Dackels. Ohne digitale, schönheitschirurgische Eingriffe am Model vorzunehmen oder den Faltenwurfs des billigen IKEA-Dreisitzers zu retuschieren.

Das nenne ich Stil und Anstand – endlich mal nicht so eine Kundenverarsche wie bei manchen TK-Gerichten, auf denen die Abbildung stets viel appetitlicher aussieht als das, was man nach 25 Minuten bei 180°C dem Ofen entnimmt oder diese Blenderei in Autoprospekten, in denen der quarz-grau-metallicfarbene Skoda Octavia Kombi auf patagonischen Passstraßen dem Sonnenuntergang entgegen schwebt und dort irgendwie viel besser und sportlicher wirkt als im Stau auf dem Münchner Feinstaub-Highway namens Donnersbergerbrücke.

Petwalk, auf dem sich Pippa nach nur 2x Üben (der neue Befehl lautet: „Rampe!“) bereits bewegte wie auf dem Catwalk, hält jedenfalls, was es/er verspricht. Des nächtens kann die Hundedame nun frei entscheiden, wann sie die Schlafstatt verlassen und wieder in selbige zurückkehren möchte. Sie rutscht beim Ausstieg nicht mehr mit allen Vieren auf dem Parkettboden aus, wodurch sie auch nicht mehr wacher wird als ihr vielleicht lieb ist, ihr Rücken und ihre Gelenke werden geschont und dank der beschichteten Rampe geht das Ganze auch für den schlafenden Menschen nahezu geräuschlos von statten.

Nur das Gejammere, das bleibt uns wohl noch ein Weilchen, bis die „Kinder“ aus dem Gröbsten raus sind und die Hormonlage wieder bei Normalnull angekommen ist.

Ein wunderbares Teil, ich kann es allen Kleinhundhaltern, bei denen es die Töle auch bis ins Bett geschafft hat und die auf Rücken/Gelenke achten müssen, wärmstens empfehlen. 

Sie können nun sorglos weiterschlummern, während Ihr Liebling mal kurz sein von Ihrer viel zu warmen Bettdecke aufgeheiztes Bäuchlein auf dem Badezimmerboden abkühlen lässt und danach wieder erfrischt zu Ihnen unter die Decke schlüpft. Den eigenen Rücken schonen Sie nebenbei auch, da Sie nicht mehr abrupt aus dem Tiefschlaf gerissen binnen einer Sekunde den Hund aus dem Bett heben müssen.

Aber Vorsicht: Sie bekommen nun auch nichts mehr davon mit, wenn sich Ihr Vierbeiner nachts zum Kühlschrank schleicht, weil es tagsüber wie immer zu wenig zu essen gab oder er sich nochmal auf die Couch verkrümelt, um heimlich nach Mitternacht die „Aristocats“-DVD zu gucken und seine nicht ausgelebten Aggressionen in die Sofakissen zu knurren.

Einen schönen Abend wünscht
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (21): Zwischen Gespinstmotten und Russ’n.

Kann sein, dass ich noch ein Fan von blind dates werde.

Seit ich blogge, mache ich mit dieser Art des Kennenlernens nämlich ausnahmslos gute Erfahrungen. Damals, gefühlte Jahrzehnte ist’s her, zu Zeiten der Partnersuche, waren von den wenigen auf diese Weise angebahnten Begegnungen fast alle ein Griff ins Klo. Ob es wohl daran lag, dass ich mich damals ausschließlich an blind dates mit Männern versuchte?

Heute date ich Frauen. Und ganz so blind wie früher stolpere ich auch nicht mehr in diese Treffen hinein.

Im Gegenteil: Von der einen hatte ich schon etliche Geschichten und zig Zitate quer durch die Weltliteratur gelesen, bei der anderen wusste ich um jede Vorliebe und Abneigung ihres Hundes sowie um zahlreiche persönliche Details des „Rudel-Lebens“, mit der nächsten teile ich dieselbe große und einzig wahre, lebenslange Musik-Liebe und irgendwann tauchte dann auch die eine auf, die liebend gern schwimmt, ähnliches Equipment im Badezimmer verwendet und der Zahl 13 ebenso zugetan ist wie ich.

Als sie sich neulich meldete und mitteilte, dass sie mit Kind und Kegel ein paar Tage in München sein würde, hatte ich dank ihres an Kunstwerken/Zeichnungen/Selfies reichen Blogs bereits ein präzises Bild von ihr. (Gut, als wir uns dann vorgestern am Fischbrunnen verabredet hatten, kam sie in anderem Outfit daher, trotzdem haben wir uns gleich erkannt.)

Angedacht war erstmal ein blind date zu zweit und vielleicht an den folgenden Tagen noch eine Fortsetzung, bei der unser gesamter Anhang mit von der Partie sein sollte.
Für den Fall, dass wir uns mit diesem Vorhaben zu weit aus dem Fenster gelehnt hätten, wurde vorab sicherheitshalber eine Parole vereinbart, mit der man sich nach dem ersten Abend auf unpeinliche Art aus der Affäre hätte ziehen können, wenn die Chemie doch nicht gepasst hätte (meine: „Sorry, der Hund hat Durchfall, wir können leider nicht weg“).

Der Hund hatte weder real, noch fiktiv Durchfall und auch die andere Seite machte von ihrer Parole keinen Gebrauch.

Stattdessen haben wir viel gefuttert, geredet, gelacht und sind noch mehr gelaufen. Außerdem weiß ich dank ihrer botanisch-biologischen Expertise nun endlich, wie der Kokon der Gespinstmotte aussieht (und sie kann nun zielsicher „an Russ’n“ bestellen).

Danke, liebe Heike, für die Initiative – es waren zwei rundum schöne Begegnungen mit Dir und Euch!

Bis zum nächsten Mal gelobe ich, mich nachts nicht mehr im Gärtnerplatzviertel zu verlaufen, aber ich hoffe, ich konnte diesen faux pas durch die heute präzise vorbereitete und ohne jede Panne durchgeführte Groß-Expedition durch den nördlichen Englischen Garten wieder wettmachen.

Im Aumeister (vergrößern lohnt nicht, da ist keiner von uns drauf!).

Hikeonart & pseudopregnant Pippa & Kraulquappe.

Ein schönes restliches Wochenende wünscht allen Leserinnen und Lesern
Die Kraulquappe.

Singultus fluvialis (oder so ähnlich).

Mindestens ein Aufstoßen oder einen Schluckauf wünsch‘ ich ihm, dem canidenfressenden Gierschlund!

Piep, piep oder: Skizzen aus der Blogpause.

Piep, piep.

Ich hänge meine Bettdecke über das Balkongeländer vor meinem Zimmer und gucke eine Weile ins Grün des Nachbargrundstücks. Die im großen Garten liegende Eingangstür des 8-Parteien-Mietshauses gegenüber öffnet sich. Eine Frau, deren graue Haarsträhnen ähnlich wirr wirken wie ihr Geisteszustand, tritt heraus und ruft „Piep, piep. Piep, piep!“

Morgens, mittags, abends. Manchmal gibt’s auch noch eine Sonderschicht am Nachmittag.

Piep, piep. Immer in derselben Tonlage, immer 2×2 Pieper, immer dieselbe schmuddeligweiße Schlabberhose an. Nach dem ersten Piep-Piep schüttet sie den Inhalt einer kleinen Plastikschüssel in ein Vogelhäuschen, tritt zurück, blickt in den Garten, hinauf zu den Baumkronen. Ruft erneut ein fast mahnendes zweites Piep-Piep, meist mit geschlossenen Augen, und geht wieder ins Haus zurück. Sekunden später schlagen sich die ersten Meisen um die Leckereien, Meisen erkenne ich zweifelsfrei auch auf einige Entfernung. Danach tummelt sich hellbeiges bis braunes Geflatter in dem Häuschen. Wenn der Buntspecht anrückt, ziehen sie Leine, die Kleinen.

Man fixiert sich schnell auf das tägliche Piep-Piep. Wartet fast schon darauf. Nach ein paar Wochen ist bereits klar: Es würde zu den Ritualen gehören, die einem fehlen würden, blieben sie plötzlich aus. Ich würde rübergehen, bei der Frau mit den wirren Haaren klingeln und nach dem Rechten sehen.

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Die neue Gegend.

Tja. Vor- und Nachteile, wie überall. Neulich beim Laufen im Wald eine erste Zwischenbilanz gezogen. Ist wie Listenschreiben, und da ich seit Beendigung des Umzugsprojekts keine Listen mehr schreiben muss (außer Einkaufslisten), bilanziere ich jetzt wieder so vor mich hin. Sofern nicht doch noch umzugsbezogene Arbeiten nachklappern wie Rechnungen bezahlen, Reklamationen mitteilen, Mängel anzeigen und nicht zu vergessen: die Fahrten zum Wertstoffhof. So oft war ich da, dass ich beim letzten Mal (vorgestern!) schon dachte, jetzt ist’s so weit, jetzt hast du Halluzinationen und siehst Raubtiere auf den Containern hocken.

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Also, die neue Gegend.

Pro: Mehr Natur (schier unendlicher Wald!), mehr Vögel (nicht nur wegen Piep-Piep, sondern: wann sah man zuletzt einen Stieglitz in der Stadt?), mehr Wohnung (+ 10m²), schönere Wohnung (alles neu), mehr Balkon (+ 2m²), mehr Luft (vor allem bessere), mehr Stil (das Bad hat was von einem SPA, das Parkett was von einer Villa, zumindest für uns Ausstattungs-Entwöhnte), super Nachbar (wie bereits berichtet), bis Benediktbeuern nur noch 25 Minuten (endlich in die Berge fahren ohne Pipipause unterwegs).

Contra: Mehr Technik (Fensterlüfter mit 4 Stufen, Fußbodenheizung, High-Tech-Türsprechanlage, Jalousien, Wäschetrockner), mehr Fliegen (Pippa am Rande des Nervenzusammenbruchs), mehr Katzen (Pippa am Rande der Heiserkeit), DM weiter weg als zuvor (dafür Biomarkt und Pfister näher), sonst eher Großmärkte mit großen Parkplätzen davor (was ich noch nie mochte).

Aus manchen Vorgärten der Einfamilienhäuser ertönt nun zum Samstagsgrillen Andreas Gabalier oder die Spider Murphy Gang. In der alten Gegend wurden wir von der Mariachi-Mucke der spanischen Eckkneipe oder dem Italo-Pop des Freaks im 5. Stock des Hauses gegenüber beschallt. Schwer zu sagen, welches Grauen das größere ist. Beides jedenfalls ein Grund, die eigene Anlage lauter aufzudrehen. Wenn man denn eine vernünftige hätte.

Statt Trambahnquietschen hört man nun morgens um 5 Uhr die Autobahn in einiger Entfernung rauschen. Offene Fenster? Mal wieder Fehlanzeige bzw. nur mit Ohrstöpseln drin. Leider hört man dann nicht mehr, wenn der Hund sich anschickt zu kotzen oder sich die Flanke wegen einer Zecke blutig beißt und man helfen müsste.

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Überhaupt, die Geräusche.

Wie man doch plötzlich feststellt, an Geräuschen zu hängen, wenn sie erstmal fehlen. Da lese ich die Tage zufällig im Netz, dass Depeche Mode im Olympiastadion war – und die Info trifft mich, sticht mir ins Herz, ganz unvermittelt. Ich hasse Depeche Mode, aber ich liebte es, wenn der Sommerwind die Klangfetzen der Open Airs auf unseren Balkon wehte. Dann wusste man: „Igitt, Depeche Mode ist mal wieder da“ oder der Grönemeyer jammerte vor sich hin oder Axl Rose war mal wieder zu hacke, um die Töne zu treffen.
Alle paar Jahre kam  Springsteen vorbei, und ich war sowas von happy, da hinradeln oder -laufen zu können. Für 1 Konzert alle 3 Jahre muss man wirklich nicht in Stadionnähe wohnen, rational betrachtet, da tut’s auch die U-Bahn (zumal die von hier direkt zum Olympiapark fährt). Aber es hatte was. Jetzt liest man’s in der Zeitung, welches Open Air man nicht rübergeweht bekam und wird sentimental.
So war ich schon immer gestrickt, ich brauche ewig, um irgendwo anzukommen.
Wahrscheinlich bin ich deshalb auch der Typ, der gern mehrfach an denselben Ort reist. Am liebsten fahre ich nach Wien. Da steige ich aus dem Zug aus und bin da und verliere keine Zeit mit Ankommen.

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Zeitgefühl.

Ja, das Ankommen. Binnen 14 Tagen muss man sich umgemeldet haben. Dazu braucht man seit irgendeiner Änderung im Bundesmeldegesetz vor ein paar Jahren eine „Wohnungsgeber-Bestätigung“, zumindest dann, wenn man ein Mietersklave ist. Als Wohnungsnehmer bittet man dann den Wohnungsgeber höflich, ein solches Formular auszufüllen, das beim Amt vorgelegt werden muss. Ein paar Stempel und Formulare später klebt ein Fitzelchen Amtspapier mit der neuen Adresse auf dem Personalausweis.
Bei der Gelegenheit erstmals seit Jahren einen genauen Blick auf diese Ausweisscheckkarte geworfen. Das blonde Wesen darauf hat eigentlich nicht mehr viel mit mir zu tun. Als Ablaufdatum ist der 02.06.2024 eingestanzt – und kurz habe ich das Gefühl, dass dieses Datum auch nicht mehr viel mit mir zu tun hat. Der in der ebenfalls wegen des Wohnsitzwechsels geänderten Zulassungsbescheinigung eingetragene TÜV-Termin fühlt sich anders an, aber der ist ja auch schon im nächsten Mai.

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Laufen und Schwimmen.

Dickes Plus fürs Laufen – jedes Mal eine andere Runde, nur noch Waldboden, herrliche Ruhe. Aber ein Minus fürs Schwimmen – der Weg zum geliebten Bad hat sich zeitlich verdreifacht, 15 Minuten statt 5, wenn man gut durchkommt. Was ist man doch verwöhnt. Ebenfalls entfällt das sommerliche Heimradeln mit nassen Haaren.
Alternativ könnte ich das Freibad der Kindheit und Jugend aufsuchen, das wär‘ jetzt wieder schön nah, aber das läuft bei den Einheimischen immer noch unter „Maria-Neipiesel“ (korrekter Name: Maria-Einsiedel) und ich seh mich da noch vorm Kiosk anstehen, 20 Pfennig fest umschlossen in der Kinderhand, um zwei weiße Mäuse zu kaufen, und dann bin ich endlich dran und der Junge vor mir hat mir die letzte Maus weggekauft (ich hab dann diese gelb-pinken Speckrollen genommen, nicht halb so gut). Die Radtaschen hätten sie uns da auch fast vorm Schwimmbadeingang weggeklaut, wenn der Papa nicht damals den Dieb bis auf den Thalkirchner Campingplatz verfolgt und ihn so beeindruckend am Schlawittchen gepackt und geschüttelt hätte, dass der die Radtaschen (echt gute aus Holland) wieder rausrückte. Alles in allem nicht so die beste Erinnerung. Also lieber ins Auto und zum Dantebad.

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Arbeit und Struktur.

Zäh wie Kaugummi war das zuletzt. Vor allem deshalb auch die Blogpause. Jetzt ist eine Sache endlich mal fertig und die nächste wartet schon. Und die, die mir am Wichtigsten gewesen wäre, hat sich erstmal zerschlagen. Dabei hatte ich da schon manches drauf abgestimmt.
Dafür neue Ideen, auch schön. Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing, mit dem Dackelfräulein. Oder mal wieder nach Wien. Oder auf die Ålandinseln. Oder in die Dolomiten. Oder an den Zürichsee, endlich H. besuchen. Mal sehen. Vorher sinnvollerweise Kassensturz und: die Steuererklärung, die Bayern haben da ja bis Ende Juli Aufschub. Paralell dazu den ganzen Wohnungskram abheften, neue Ordner anlegen. Eigentlich mach‘ ich sowas lieber im November.

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Hundstage.

Nein, nicht die des aufgehenden Sirius ab Ende Juli. Sondern Hundedamenhormonirrsinn. Völlig überraschend hat Pippa beschlossen, ihre durch den Umzugstrubel erfreulicherweise vereitelte Scheinschwangerschaft bzw. -mutterschaft noch nachzuholen. Nicht dass uns das mal eine Saison erspart bleibt!
Seit ein paar Tagen wird viel geweint, des nachts unruhig umhergewandert, immer auf der Suche nach den nicht vorhandenen Kindern. Tagsüber kläglich unters Sofa gezwängt, um den Kummer zu ersticken. Die übrige Zeit anhänglich wie eine Klette und verfressen wie zehn Bären nach dem Winterschlaf. Draußen wie eine Omi unterwegs, man muss sich schließlich schonen, um alle Kräfte für die Aufzucht der Kinder aufzusparen. Der Wäschekorb muss ebenso als Wurfkistenersatz herhalten wie die Decke auf dem Sofa des Nachbarn.
In zwei, drei Wochen dürften wir das Gröbste hinter uns haben. Wer einen imaginären Welpen haben möchte, bitte melden. Ende Juni geben wir sie ab, nur in gute Hände versteht sich.

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Da bin ich also wieder.

Hinauf.

Wenn da unten mal wieder etliche Wege verstellt sind, bleibt ja nur der Weg nach oben.

Ein kurzer Gruß aus der Blogpause!