Ankomst!

Ankomst!

…für all die, die sich oder mich gefragt haben, wieso es hier grad so ruhig geworden ist.

Ich bin vorübergehend dort. Und Sie können immer noch mitkommen, die Fähre nach Gotland hat noch nicht abgelegt.

Destination Gotland: Letzter Gruß aus München & eine Einladung für Sie.

Pack‘ ma’s! – wie der Bayer zu sagen pflegt. Auf geht’s Richtung Norden!

Gestern ein letztes Mal im Liebslingsbad gewesen. 2.000m lang „Ich packe meinen Koffer und nehme mit“ gespielt. Das Ergebnis daheim in die Tat umgesetzt. Und noch ein bisschen ergänzt. Dann die letzte meiner Listen zerrissen.
Anschließend dem Gatten eine neue Liste in die Hand gedrückt. Ein totales Novum. Nicht die Liste selbst, aber ihre Länge. Seit wir uns kennen und ich gelegentlich allein verreise ist es die erste, die nur eine Seite lang ist – er konnte es kaum glauben, war aber sichtlich begeistert, was man ihm mittlerweile so alles zutraut. Nach nur 13 Jahren 😉

Die paar Sachen… (und bevor Sie fragen: nein, der Stuhl bleibt hier!)

Jetzt ist es endlich soweit: alles gepackt und eingeladen, die kleine Zwei-Frauen-Crew fit, munter und startklar, der Himmel der Bayern zum Abschied herrlich blau und die Speicherkarte ganz frisch für die Fahrt mit einer Mischung aus 678 Musiktiteln bestückt.
iTunes sagt, die musikalische Datenmenge reicht für zwei Tage pausenlose Beschallung, also dürfte es auf der zweitausend Kilometer langen Fahrt bis zum Fährhafen in Schweden damit nicht langweilig werden (und ich bin ja eh kein Dauerhörer), wenngleich 342 der 678 Songs… (naja, lassen wir das, Sie können sich’s ja denken).

Fühlen Sie sich herzlich eingeladen und reisen Sie zahlreich mit uns!
Virtuell, versteht sich, denn real haben wir nicht mehr wirklich ein Platzerl für Sie frei in unserer kleinen Kutsche. 2 Kartons Hundeverpflegung (gemäß der Erfahrung: Gibt’s auf Reisen das gewohnte Futter, sind die Geschäfte täglich in Butter), 15 Kauknochen (jeden zweiten Tag einen), 3 Pfotenhandtücher (eine Waschmaschine sehen wir allerfrühestens in zwei Wochen), 1 Hundekörbchen (mehr als Alibi oder für Lokalbesuche), 1 Kasten Schneider Weiße TAP7 (das Bier in Schweden schmeckt entweder nicht oder ist sauteuer oder beides), 1 Rucksack mit Schwimmsachen (immer griffbereit, da essentiell für Leib und Seele), 1 große Tasche mit Technik-Geraffel (absurd eigentlich: allein fünf verschiedene Ladekabel sind dabei) und Literatur (zur Orientierung, Wissenserweiterung und Erbauung), 1 Tagesrucksack (mit dem sogenannten Nötigsten drin – Sie wollen nicht wissen, was das alles ist, aber ich schwöre: es ist nötig), und schließlich die Lücken zwischen den Kartons, Kästen und Rucksäcken äußert gut mit allerhand Klamottenkisten gefüllt (denn vom Hochsommer in den Weinbergen und der Lüneburger Heide über den Spätsommer auf Gotland und Farö bis hin zum Frühherbst in Stockholm, Malmö und der deutschen Nordseeküste müssen wir für alles gerüstet sein).

Und hier kommt für Sie, liebe Leserinnen und Leser, der Link, unter dem Sie sich Ihren „Mitreiseplatz“ reservieren können:

https://destinationgotland.travel.blog

Sie können uns als WordPress-Follower, als Email-Follower oder als nicht verfollowbarer Leser und/oder Kommentator begleiten, indem Sie als blinder Passagier unterwegs sind und einfach still und heimlich die Blog-URL aufrufen.
Vergessen Sie bitte nicht: fürs Kommentieren müssen Sie keinen WordPress-Account haben und auch kein registrierter Follower sein, sondern Ihrem Kommentar lediglich einen (echten oder fiktiven) Namen und eine Mailadresse beigeben, die niemand außer mir und dem Dackelfräulein sehen kann und wird.

Ich bin Ihnen allerdings auch nicht gram, wenn Sie die Wochen unserer Abwesenheit nutzen möchten, um sich Ihrerseits ebenfalls zu absentieren und wir uns dann erst im Oktober hier im üblichen Kraulquappen-Blog wiedersehen.
In diesem Fall jammern Sie aber bitte nachträglich nicht herum, dass Sie nichts von einer der schönsten Regionen Schwedens und einem noch viel schöneren, im Meer badenden und sandburggrabenbuddelnden Dackelfräulein gesehen haben sowie von all den Begegnungen, Verständigungsproblemen, Mückenstichen, Unterkünften, Schwimmbädern und Kuchenstücken auf unserer Reise nichts mitbekommen haben und Ihnen nebenbei auch noch ein paar Perlen aus dem glorreichen Œuvre des Herrn Springsteen entgangen sind.

Ganz unabhängig davon , ob Sie uns nun nach Schweden folgen möchten oder nicht: Sie können die nächsten Wochen auch damit überbrücken, dass Sie morgen einen gut sortierten Zeitschriftenkiosk aufsuchen und sich die neue Dog&Travel besorgen und sich mal angucken, wo wir das ganze Jahr über so herumstrawanzen.

Wie dem auch sei – wir sind dann mal weg.

Auf ein baldiges Wiedersehen (hier oder dort) & machen Sie’s gut!
Herzlich,
Ihre Kraulquappe.

Gut in der Zeit liegen.

„Ich liege gut in der Zeit“ – sagt man ja so, wenn man zum Ausdruck bringen möchte, dass man das zu Schaffende nicht nur schaffen wird, sondern es auch ohne in Hektik oder Verzug zu geraten hinbekommen wird.

„Ich liege gut in der Zeit“ – dachte ich vorhin, als ich von den ursprünglich vier Listen die dritte zerriss und mir die noch verbliebene, letzte Liste so ansah. Jetzt ist es nur noch Kleinkram und Packen, wobei das „nur noch“ für Letzteres nicht gilt. Denn das wird schon noch eine mittelgroße logistische Herausforderung, dieses Packen: wegen der zu treffenden Auswahl, der nötigen Beschränkungen und der intelligenten Einschichtung von all dem Krempel in den Kofferraum.

Gestern vom Papa verabschiedet. Schließlich sehen wir uns erst im Oktober wieder und vor längeren Reisen haben wir eh immer das Bedürfnis, uns unbedingt nochmal zu treffen. Man weiß ja nie. Weiß man zwar auch sonst nicht, aber egal, da ist halt ein gefühlter Unterschied zwischen „ich hier“ (München) und „er dort“ (Tegernsee) und „ich auf Gotland“ und „er in Sankt Petersburg oder dann wieder am Tegernsee“.

Überhaupt: alle Hiesigen nochmal getroffen in den letzten zwei, drei Wochen, so viele schöne Begegnungen und Unternehmungen, See- und Stadtspaziergänge, köstliche Streifzüge durch die oberbayerische Streuselkuchen- und Hopfenlandschaft.

Mein großer Freund S. schickt uns ganz unverhofft den geänderten Steuerbescheid zu, der Einspruch war nach fünf zähen Monaten des Ringens und Wartens doch noch von Erfolg gekrönt und erlaubt nun unterwegs ein paar Kanelbullar mehr (und evtl. sogar einen Besuch im sündteuren Systembolaget).

Und der Verlag schickt mir die Belegexemplare zu – der große Heimat-und-Herzblut-Artikel sieht fein aus (was überwiegend daran liegt, dass der darin abgebildete Hund so fein aussieht) und erscheint nächste Woche, wenn das Dackelfräulein und ich bereits on the road sind.

Daheim klar Schiff gemacht, wie vor jeder großen Reise, damit im Falle des Falles die Nachwelt weder Mühe noch Aufwand hätte, keinerlei Chaos vorfände und sich sogleich in Ruhe darum kümmern könnte, die gewünschte musikalische Untermalung für die Funeralien zu organisieren (was ja neben dem emotionalen Aufruhr eh Aufwand genug wäre). Das mögen Sie eventuell makaber finden, aber ich bin kein Nach-mir-die-Sintflut-Typ, habe da eine pragmatisch-ordnungsliebende Einstellung und sozusagen das Bedürfnis nach einer besenreinen Abreise.

Ich liege also gut in der Zeit mit allen Vorbereitungen (ein seltsamer Ausdruck: kuschelt man da genüsslich mit der Zeit in einer Hängematte und schlürft dabei einen Cocktail, oder wo und wie liegt man da herum?). So gut, dass ich jetzt sogar ein freies Zeitfenster gefunden habe (Zeitfenster – ein ebenso seltsamer Begriff: die arme leibnizsche Monade war ja eine fensterlose, aber die Zeit scheint Luken zu haben, die man öffnen und aus denen man in den Müßig_gang oder das Universum hinauswinken kann?).

Wie dem auch sei: mein freies Zeitfenster verbringe ich justament sitzend und nicht liegend, obwohl ich gut in der Zeit liege und mich auch für ein Stündchen hätte hinlegen können. Immerhin habe ich die Füße hochgelegt. Und ich blättere dazu im Konversationslexikon des großen bayerischen Sprachwissenschaftlers G. Polt (das Sahnehäubchen des Müßiggangs, darin zu blättern!). Und ich cappucciniere.

Lassen Sie es sich gut gehen an diesem Sommerwochenende, freuen Sie sich nach Möglichkeit Ihres Lebens und fühlen Sie sich herzlich gegrüßt!

Ihre Kraulquappe.

You can’t start a fire without a spark oder: Ein Stück Lebensverfilmung.

Gestern Abend, 20:15 Uhr, München-Schwabing.
Endlich mal das neu umgebaute ARRI-Kino besucht. Eine fantastische Lounge, eine ansprechende, schummrige Bar und ein kleiner, extravaganter Kinosaal mit Wohnzimmerfeeling.
Umgeben von einer deckenhohen Bibliothek sitzt man dort, die Buchreihen werden von geschmackvollen Lämpchen beleuchtet, nix Halogen oder LED, sondern auch hier unaufdringliches Licht, schließlich ist es Abend und der Mensch möchte nicht von irgendeinem Drumrum erleuchtet oder bestrahlt werden, sondern sich dem Inneren zuwenden und den Feierabend vom Außen einläuten.

Die plüschigweichen, samtroten Fauteuils sind nicht nur herrlich groß und bequem, sondern können auch leicht nach hinten geneigt werden, für jene Fimmomente, in denen es einen innerlich umnietet, es die Seele sozusagen in die Kissen drückt (und dann ist es schon sehr schön, wenn sie so weich fällt wie hier).
Der Fußraum ermöglicht auch 2-Meter-Menschen komplette Beinfreiheit und könnte mühelos noch ein Dackelkörbchen beherbergen (ein lang gehegter Traum: den Hund ins Kino mitnehmen können, damit man nicht immer so hetzen muss, vor und nach dem Film).
Neben jedem Sessel breite Armlehnen, mit integrierten Abstellflächen und einem Flaschenkühler davor, ein Kellner im Frack schleicht mit einem Tablett dezent durch die Reihen und serviert Drinks, nicht zu fassen (die Getränkekarte liegt ebenfalls in der Armlehne und hätte man von diesem Luxus vorher gewusst, hätte man glatt die Penunzen für einen Mai Tai mitnehmen müssen, dank der Buy-online-and-print-at-home-Tickets hat man aber nix dabei).
Nicht unbedingt ein Kinosaal für Händchenhalten und Tauschen von Küssen, trotz der dunkelrot-heimeligen Atmosphäre, denn der Sitznachbar ist schon arg gut verschanzt hinter dem ausladenden Lehnstuhl.

Um 20:15 Uhr schiebt sich der Vorhang lautlos beiseite und die Vorführung beginnt.
Und ich muss sagen: Die britische Regisseurin Gurinder Chadha hat einen Film gedreht, der ohnehin kein Händchenhalten und Geknutsche nebenher zuließe. Weil dieses Movie im wahrsten Sinne des Wortes ein Movie ist: Es bewegt einen.
Erst recht, wenn die eigene Frühadoleszenz in dieselbe Zeitspanne fiel wie die des Protagonisten, wenngleich sie glücklicherweise nicht umgeben war von denselben Rassenunruhen und Trostlosigkeiten eines grauen Industriekaffs (dafür von den Scheidungsunruhen daheim).
Vor allem bewegt „Blinded by the light“ wegen seines Soundtracks. Obwohl dieser Satz, aus der Tastatur eines seit 35 Jahren eingefleischten Fans stammend, als tendenziös gewertet werden könnte – ist er dennoch objektiv und zutiefst wahr (lesen Sie die Rezensionen, sogar die taz hat etliche gute Haare an dem Streifen gelassen).

„Blinded by the light“ ist ein großer kleiner Film.
Kein cineastisches Meisterwerk, keine bahnbrechende Filmkunst, aber ein ehrlicher Film über Familie und Freundschaft, über Heranwachsen und Identitätssuche, über Zwänge und Befreiung, über Politik und Kultur, über – und das ist das Herzstück des Films, sein Pulsschlag! – Musik und Liebe (und über die Liebe zur Musik und die erste Liebe mit der richtigen Musik im Herzen und Hintergrund).
Und es braucht wahrlich keine Kinosesselküsse mehr, wenn auf der Leinwand so ein erster Kuss geküsst wird (das sympathische junge Paar abgeschirmt von der Welt, weil beschirmt von den Kopfhörern eines SONY-Walkmans, den man selbst in den 80ern hatte, bloß in einer anderen Farbe) und diese Initiation auch noch zu dieser breathtaking-earthquaking Hammerstrophe aus „Prove it all night“ stattfindet… (was gäbe ich drum, wenn ich meinen ersten Kuss zu diesen Zeilen erlebt hätte, aber das kommt halt davon, wenn man sich vier Wochen vor dem ersten Springsteen-Konzert zum ersten Mal küssen lässt).

Naja, genug geteenelt & geträumt.
Schauen und hören Sie sich das an, wenn Sie bislang Bruce Springsteen nur mit dem totgedudelten „Born in the USA“-Gestampfe assoziieren oder wenn Sie damals in den 80ern jung waren und ebenfalls nicht viel mit Wham, a-ha und all dem Pop-Geplänkel anfangen konnten.
Und erst recht, wenn Sie womöglich einen ähnlichen Moment der Erweckung erlebt haben wie Javed, als er zum allerersten Mal eine Musik hört, die ihn durch und durch berührt, ergreift und aufrüttelt, die ihm einen Teil seiner Perspektivlosigkeit nimmt, von der er sich nicht nur verstanden, sondern behutsam in den Arm genommen fühlt und die ihn fortan ebenso zuversichtspendend wie zukunftweisend dabei begleitet, der zu werden, der er ist, sein möchte oder noch werden kann.

Springsteen selbst sah den Film weit vor Fertigstellung und Veröffentlichung, weil es der Regisseurin wichtig war, vorab zu erfahren, ob er mit der Story einverstanden wäre und gegebenfalls noch was am Plot ändern zu können.
Nach der Vorführung sagte er zunächst kein einziges Wort, dann stand er auf, umarmte Gurinder Chadha, küsste sie auf die Wange und meinte: „Danke, dass du dich so um meine Musik gekümmert hast. Es ist wunderschön. Ich liebe es. Bitte ändere kein einziges Detail.“

Heute in einem Monat wird Bruce Springsteen unglaubliche 70. Die Jahre rasen nur so dahin.
2016 stand ich im Berliner Olympiastadion, hörte mein erstes „Backstreets“ live und hatte das Gefühl, das könne es jetzt womöglich gewesen sein, das könne nun das letzte meiner vielen Springsteen-Konzerte gewesen sein. Weil er nie wieder durch Europa tourt, weil es niemals eine Farewell-Thunderroad-Tour geben wird, sondern es einfach eines Tages vorbei sein würde, ohne Ankündigung, ohne große Inszenierungen.

Seit ich mich gestern Abend aus dem gemütlichsten aller Kinosessel erhob, hinaus ins nächtliche Schwabing trat und mir auf dem Weg zu meinem Fahrrad ein paar Tränchen aus den Augenwinkeln tupfte, hoffe ich inständig, dass es das doch noch nicht gewesen ist.

Sondern dass er doch nochmal kommt und wir alle uns nochmal gemeinsam um diese Musik kümmern können – und diese Musik sich um uns.
Denn es ist wunderschön. Ich liebe es. Und bitte ändere kein einziges Detail, Bruce.

You sit around gettin‘ older
There’s a joke here somewhere and it’s on me
I’ll shake this world off my shoulders
Come on, baby, this laugh’s on me

Ganz besondere Grüße sende ich mit diesem Beitrag an meine lang- oder kurzjährigen Bruce-Weggefährten: Helen, Marko, Peter, Robert, Thorsten, Sori und Lukas. Keep on rockin‘, Tramps!

A certain kind of magic took place.

[Zitat aus dem Trailer „Western Stars“.]

Meine Güte, was für ein Kino-Jahr!

So you walk on, through the dark.
Because that’s where the next morning is.
[Zitat aus dem Trailer „Western Stars“.]

Das hört ja gar nicht mehr auf mit den Musikfilmen…, der Soundtrack meines Lebens (meiner Jugend!) nun endlich auf der großen Leinwand. Diese Stimme, dieser Blick, diese Musik!

Jetzt aber erstmal „Blinded by the light“, Kinostart am 22. August.

Ein bisschen Javed steckte 1985 auch in mir und mit den ersten Songs von Springsteen ging für mich tatsächlich ein Vorhang auf – zu einer neuen Ära, zu etwas nie zuvor Dagewesenem, zu etwas existenziell Wichtigem – empfundenermaßen war’s ein bisschen dieses I found the key to the universe, zwar nicht im Motor einer alten Karre, aber eben dort im Stadion, auf der Bühne.
Das war wie eine Offenbarung, eine Erweckung, und, hey, ich war noch keine 13!

(Das müssen Sie jetzt nicht verstehen, das kann man nur so oder so ähnlich fühlen und erlebt haben – oder auch nicht.)

Einen fulminanten Start in die neue Woche wünscht –
Die Kraulquappe.

Himmel der Bayern (64b): Von Hornochsen und anderen Rindern.

Wenn Sie noch mehr als das Kuhglockengeläut vom heutigen Bergtag hören wollen – bitte gern!

Heute also von Ohlstadt über die Kaseralm auf den Rötelstein, dann auf den Heimgarten, Einkehr in der DAV-Hütte, anschließend weiter zum Rauheck und via Bärenfleckalm wieder zurück nach Ohlstadt.

In einer Gehzeit von 4:20h drei Gipfel bestiegen bzw. 1.300 Höhenmeter hinauf und wieder hinunter gelaufen, mit Lichtschutzfaktor 30 von Kopf bis Fuß, 2 Litern Flüssigkeit und 2 Pausen von insgesamt 1:30h.

Traumwetter, tolle Fernsicht, wenig los. Oberbayern at its best.

Merke: Fällt der letzte Hochsommertag auf einen Wochenendtag und du willst in die Berge, meide eine zu frühe Abfahrt in München (der Großteil fährt vor 10 Uhr los und verstopft Züge oder Autobahnen), wähle einen Berg ohne Bahn, möglichst hoch, möglichst steil, möglichst keine Einkehroption unterwegs (für einen möglichst hohen Ruhefaktor) und beiß oben auf der Hütte für die Dauer deiner Rast die Zähne zusammen (es führen 6 Wege auf den Heimgarten, da menschelt es dann an einem solchen Tag doch gewaltig).

Sitze ich da in aller Ruhe mit meinem Hopf und gucke hinüber zum Krottenkopf. Unweigerlich muss ich an den ehemaligen Berg- bzw. Handwerksfreund denken, beide Titulierungen so unpassend in der Retrospektive, denn außer einem Berg leerer Versprechungen und einer handvoll Schreinerarbeiten ist nichts, aber auch gar nichts von der Zeit mit ihm geblieben, Freundschaft schon gleich gar nicht, zuletzt bloß noch eine schnöde, schäbige Lektion in „Ghosting“. Jedenfalls war man gemeinsam sowohl hier (Heimgarten) wie dort (Krottenkopf), so erinnert man sich bei dem Hopf, aber weiter vertiefe ich mich auch nicht in dieses traurigtrostlose Kapitel der Vergangenheit, weil ein Weibertrupp sich hechelnd an meinem bisher so schön ruhigen und leeren Tisch niederlässt. Die drei schwäbischen Endvierzigerinnen (warum treffe ich nur überall auf diesen Dialekt?!) legen unter großem Getöse und Gelabere ihr Glump ab und begeben sich in die Hütte, um sich was zu Essen und zu Trinken zu holen. Kommen kurz drauf mit drei Getränken und laut schimpfend zurück. Der blöde Wirt wolle sie nicht bewirten und sie stattdessen nach nur einem Getränk wieder fortschicken. Das sei ja mal wieder typisch Bayern, so eine Unverschämtheit.

Ich kann den Fortgang der Unterhaltung gar nicht nicht mitbekommen, schließlich hocken sie direkt neben mir, und so traue ich meinen Ohren kaum, als ich wenig später erfahre, dass der Hüttenwirt ihnen die weitere Verpflegung verweigert hat, weil die drei Frauenzimmer mit Pferden hier hinauf gekommen sind. Pferde? Hier heroben? Ist das die Möglichkeit?! Sie müssten mal die Wege sehen, die hier hoch führen: nix Forststraße oder Waldweg. Das sind steinige Bergpfade, teils immer noch übel von Sturmschäden oder den Spuren des letzten Winters gezeichnet! Und es sind in jedem Fall 1.000 Höhenmeter, egal auf welchem Weg, außer man hätte die Seilbahn auf den benachbarten Herzogstand genommen und wäre über den Grat herübergeritten, was ich dann aber doch mal ausschließe, weil der Grat viel zu schmal für so ein Pferd ist. So wie ich eigentlich auch ausgeschlossen hätte, dass man überhaupt mit einem Pferd bis hier oben gelangen könnte.

Aber tatsächlich: etwas unterhalb der Hütte stehen die drei Tiere, bei einem Schuppen, im Halbschatten angebunden. Der Wirt hat extra die Vorräte unter dem Schuppenvordach beseite geräumt, damit die völlig erschöpften Pferde nicht in der prallen Sonne warten müssen, bis ihre bekloppten Reiterinnen sie wieder den steilen Berg hinunter treiben. Wasser hat er ihnen auch gebracht.

Eines der Pferde hat sich verletzt und blutet am Bein. Auch dafür hat der Wirt noch Verbandszeug spendiert. Danach ist ihm der Kragen geplatzt und er hat die drei Schwäbinnen zammgeputzt, wie man hier so sagt. Aber so richtig. Gestern erst hätte er zwei depperte E-Biker verarzten müssen, die verdammt nochmal nix mit diesem E-Zeug hier oben zu suchen hätten (keine Mountainbikestrecke!) und heut kämen die nächsten Idioten sogar mit Pferden auf den Berg!

Die Stimmung ist gelinde gesagt angespannt und als Tischgenossin bleibt es mir leider nicht erspart, irgendwann Stellung zu beziehen, weil die drei Frauen ohnehin jeden im näheren Umfeld mit ihrem Unmut traktieren und befragen, wie man das denn fände, das sei doch das Allerletzte, wie sie hier behandelt würden.

Ja, sage ich dann, ich finde auch, dass es das Allerletzte ist, bei der Hitze und in solchem Gelände drei Pferde auf fast 1.800m hinaufzuscheuchen und so gesehen sei es durchaus angemessen, wenn es ihnen nun auch nicht besser erginge als den armen Tieren (und verkneife mir, zu erwähnen, dass ich grundsätzlich allen Tierquälern wünsche, dass sie wenigstens mal für einen Moment ähnliche Qualen erleiden sollen wie das Lebewesen, das sie malträtiert haben: erst letzte Woche wurde im Ruhrgebiet ein Hund aus einer Wohnung befreit, der dort wochenlang von seinen anwesenden (!) Besitzern an die Heizung gekettet wurde, fast verhungert wäre, deformierte Gliedmaßen und eine völlig verkümmerte Muskulatur hatte, wovon er sich vermutlich nie wieder ganz erholen wird – schon beim Lesen dieser Zeitungsmeldung hatte ich die wildesten Rachephantasien…).

Nach meinem dezenten Statement verlasse ich den Tisch sofort, man schwäggert (=meckern auf Schwäbisch) mir hinterher. Das Rauheck wartet und wenn ich mich noch mehr aufrege, greift das womöglich noch die an sich gute Konstitution an – und das hilft den Pferden ja leider auch nicht.

Kurz vor einer Steilwand treffe ich dann Gunnar. Gunnar kommt aus Gunzenhausen, ist ca. 165cm hoch und wiegt vermutlich doppelt so viel wie ich, ist für drei Wochen auf Reha in Ohlstadt – und er kommt mir aus der Steilwand entgegen. Wieder so ein Wunder am Berg: wie ist der da nur durchgestiegen? Da er mich um einen Schokoriegel und etwas Wasser anfleht, kommen wir ins Gespräch und ich erfahre: es ist die allererste Bergtour seines Lebens (er kichert wirr und der Schweiß strömt ihm über die roten Pausbacken), er hat bis hierher 4 Std gebraucht (für 2/3 der Strecke bis zur Hütte, normale Wanderer brauchen dafür maximal 2,5 Std) und alle seine Getränke und Schokoriegel, er möchte aber unbedingt noch „ganz nach oben“. Er wirkt vergnügt, fast euphorisch und zugleich ziemlich entkräftet. Ich mag ihn aber irgendwie und schenke ihm daher meinen Müsliriegel und fülle einen halben Liter meines Wassers in seine leere Fanta-Flasche um, lasse ihn zum Dank noch ein Foto von mir schießen, wünsche ihm alles Gute und frage, ob ich unten in Ohlstadt der Reha-Klinik schon mal Bescheid geben solle, dass er erst morgen wiederkäme. Bellendes Lachen, wirrer Blick, Gunnar winkt fröhlich und stolpert weiter bergauf. Herrje.

Auf dem restlichen Abstieg nur noch ein gewöhnliches, streitendes Paar (er sportlich, sie übergewichtig, er Lust auf die Tour, sie nicht, beide zutiefst frustriert), zwei Kreuzottern und eine Kuhherde.

Eine der Kühe kommt mir nah und näher und schleckt mir meine salzigen Knie ab. Erinnere mich nicht, wann ich zuletzt so intensiv eine Kuhzunge gefühlt habe – ein Peeling ist nix dagegen! Mit sauberen Knien zurück ins Tal, dort in den kühlen Biergarten und nun mal langsam nach Hause.

Himmel der Bayern (64a): Süßer die Glocken nie klingen.

Heute: Laut Wetterbericht letzter Hochsommertag 2019. Ich habe Ausgang. Heißa! Keine Männer, keine Hunde, kein Haushalt. Für jedes dieser „Keins“ gönnt Frau Kraulquappe sich heut einen Gipfel. Rötelstein, Heimgarten, Rauheck. Zwei hamma scho, nach der Weißbier-Kuchen-Kaffee-Pause dann den dritten. Ein Hammertag für die letzte große Sommerbergtour und bevor es in 9 Tagen dann in den hohen Norden geht.

Hören Sie sich das mal an! Das war die Mittagspausenmusik. Und dazu eine Aussicht vom Feinsten: auf den Grat zwischen Heimgarten und Herzogstand, dahinter lugt der Schafreuter hervor, dann weiter über den Jochberg bis zur Benediktenwand und hinunter zum Kochelsee. Später mehr & bis dahin herzliche Grüße!

Tossing & turning.

Wasser, Sand, Wiese, Freilauf. Wir lieben diese Isarspaziergänge!

Der Rusticus (2).

Testtour in Sachen Teckelträgheit (vom Juni/Juli). 700 Höhenmeter hinauf, kleine Rast, 700 Höhenmeter hinunter.

Mit geradezu beglückendem Fazit: Der Rusticus (resp. die Rustica) läuft wieder freudig mit (von der üblichen Forststraßenunlust mal abgesehen), zumindest so eine kleinere Tour – und das ist ja schon mal wunderbar.

Mir fällt nicht nur ein Stein vom Herzen, sondern ein ganzer Felsen.

Haben wir’s sogar noch pünktlich zurück in die Stadt geschafft, wo mich nun der Physiker zum zweiten Teil des Foto-Workshops mit der neuen Kamera erwartet.

Denn man möchte ja in Gotland einen professionellen Eindruck machen, aber die beste Technik nützt halt nix, wenn man sie nicht gscheid bedienen kann.