And paradise is here, too.

Nach einem brutal schwülen Tag um 20:45 Uhr, zeitgleich mit dem heiß ersehnten Wolkenbruch, im Lieblingsbad eintreffen.

Alle gehen gerade oder stellen sich irgendwo unter.

Das Becken ist leer, beim Kraulen prasselt es einem auf den Rücken, in Rückenlage ins Gesicht.

Plingplingpling, dazu der Atemrhythmus (auf jeden dritten Zug) und das Platschplatschplatsch der Arme und Beine.

So frei und ungehindert schwimmen zu dürfen, das ist ein Segen. Und welch Luxus, dass das Bad diese Möglichkeit bis 23 Uhr bietet!

Der neue Badeanzug (von den vorgestrigen Kaufqualen berichte ich Ihnen bewusst nicht: ich hasse Shoppen ja eh schon, aber Badeanzugkauf ist die Steigerung davon) fusselt nicht, sitzt prima und passt gut zu den Kacheln.

Und der MNS passt gut als Fliegenschutz aufs Weißbierglas.

Jetzt heim und das Dackelfüßchen neu verbinden und dann ins Bett.

Gute Nacht aus München!

Hund haben (21).

Gestern, nach einem in vielerlei Hinsicht aufwühlenden und anstrengenden Tag, gibt man sich abends um Viertel vor Acht noch einen Ruck und chauffiert das Dackelfräulein bei endlich moderaten Temperaturen zum Spazierengehen und Baden an den Starnberger See.

Wunderschöne, kleine Bucht gefunden. Geschwommen und gespielt.

Den Sonnenuntergang genossen. Durch- und aufgeatmet.

Bei Einbruch der Dunkelheit die Sachen zusammengepackt. Eine putzmuntere Pippa rennt im ufernahen Wäldchen übermütig ein paar Achter. Man freut sich des Lebens.

Und plötzlich hinkt der Hund und leckt sich wie wild die Pfote. Ameisen? Ein Dorn? Ich kann nichts ertasten. Die ganze Heimfahrt über wird ununterbrochen die Pfote abgeleckt. Es schwant einem deshalb allmählich (und auch aufgrund der Uhrzeit, denn – die Hundehalter unter den Lesern werden es mir bestätigen – die Dinge, wegen denen man zum Tierarzt muss, widerfahren einem meist spätabends, am Wochenende oder im Urlaub), dass da was passiert ist.

Zuhause, mit Brille und bei gutem Licht, wird die Pfote untersucht.

Es hat die Daumenkralle erwischt. Sie ist zu zwei Dritteln abgebrochen und der Rest ist eingerissen und das sogenannte Leben schaut heraus und blutet.

Es ist mittlerweile 22:15 Uhr. Wir desinfizieren die Wunde mit Betaisodona und legen einen Verband an, fixieren diesen mit Leukoplast und freuen uns auf die Nacht. Die auch entsprechend unruhig wird.

Nach dem Frühstück in die Tierklinik, erst lange Wartezeit, dann herzzerreißendes Gejammer auf dem Behandlungstisch (wegen kleiner Beinrasur und großer Untersuchung) und schließlich die Botschaft, dass es mit Salbe, Desinfektion und täglichem Verbandswechsel schon gehen müsste und die Reise nach Graz angetreten werden könne, freilich ohne Badespaß in der Steiermark, man kann also nur hoffen, dass es dort nicht allzu heiß wird. Und falls sich der Zeh doch noch entzünden sollte, gibt es auch in Graz ein paar Tierärzte, die sich auskennen, man ist ja nicht in der Wildnis oder auf Hüttentour.

Schlussendlich muss ich zwischen fünf Verbandsfarben wählen, nehme kurzentschlossen die Vereinsfarben des Gatten, die zugleich die der österreichischen Flagge sind, und verlasse schweißgebadet und erleichtert zugleich die Tierklink.

Auf Samtpfoten durch die Nacht.

Gestern Abend zum ersten Mal seit Monaten wieder Livemusik erlebt…

…und schon wieder so eine Grazer Stimme, die nicht erst dann eine Gänsehaut beschert, wenn ein mildes Abendlüfterl durch den Innenhof der Münchner Glockenbachwerkstatt streicht. Wow!
Son Of The Velvet Rat heißen die steirischen Goosebumps-Verursacher, dahinter verbergen sich der Georg Altziebler und die Heike Binder, seine Angetraute.

Wunderbar arrangierte Songs, die teils ein bisserl wehmütig an Cohen denken ließen, in jedem Atemzug und Ton so aufrichtig, niemals manieriert (und auch nicht mariniert ;-)), trunken vor Sehnsucht und jederzeit tauglich als sommernachtsvertäumte Projektionsfläche der ebenso selig wie sehnsüchtig lauschenden Zuhörer.

Ein klein wenig störend in der lauschigen Hinterhofidylle lediglich die pandemische Bestuhlung samt der derzeit vielerorts umständlichen Wegführung zu den Toiletten, aber so ist das halt nun.

Für meinen Geschmack auch ein Tick zu viel zuckrig-zelebriertes und sanft-säuselndes Eheglück, ich fand derlei Geplänkel auf Musikbühnen noch nie ansprechend. Im Gegenteil, mir ist das ähnlich zuwider wie Vanille-Duftkerzen, Zimt-Räucherstäbchen und der ganze Deko-Kram in der Vorweihnachtszeit, dieser geballte olfaktorische und optische Unrat, der einem auf Teufel-komm-raus atmosphärisch einimpfen will, dass Jingle bald bellt und der Advent ja eine ach so besinnliche und gemütliche Zeit ist.

Aber Schwamm drüber. Ein Ort, an dem Unertl ausgeschenkt wird, ist und bleibt ein guter Ort – und die beiden soliden Musiker waren ein akustischer Genuss, den ich nicht missen möchte, erst recht nicht nach 5 Monaten Livemusik-Entzug.

Danke an Son Of The Velvet Rat für diesen berührenden Abend im Herzen meiner Stadt & danke, dass ihr mir so unkompliziert noch eine Platzreservierung für den während meiner Bergtourabsenz leider in Windeseile ausgebuchten Hinterhof ermöglicht habt – nur schade, dass ihr Graz schon heute bespielt und nicht erst nächste Woche, ich hätt‘ euch gerne nochmal zugehört!

Zurück aus den Blaubergen.

Wie gestern schon angedeutet: Die zweitägige Tour durchs bayrisch-tirolerische Grenzland war ein Stück weit auch eine Wanderung zu meinen eigenen Grenzgebieten. Diese unbekümmerte Leichtigkeit, die ich früher mal hatte, ist perdu, im Gehen genauso wie hinsichtlich Kraft und Kondition.
Es ist zwar alles immer noch gut zu schaffen, aber es macht mir völlig anders zu schaffen als früher: der Osprey-Tourenrucksack sitzt perfekt, wird mir allerdings nach zwei Stunden zunehmend zur Last, die Konzentration, die vor allem das Bergabsteigen in schwierigerem Gelände erfordert, lässt viel schneller nach, die Sorge um Pippa lässt hingegen keine Sekunde nach und das, obwohl sie recht sorglos vorauswetzt. Die Ganzkörpererschöpfung, die solchen Touren folgt, ist mittlerweile auch eine andere, nachhaltigere, immerhin aber (noch) muskelkaterfrei.

Das Ausmaß an Achtsamkeit (im Sinne von Vorsicht und Voraussicht) erfüllt unterwegs meinen Kopf und Körper phasenweise so komplett, dass außer Gehen (nächster Schritt, Tempo, Gleichgewicht, Atmung) und Schauen (Weg, Hund, Aussicht, Landkarte, Schilder) nichts mehr möglich ist.
Wenn ich mal meinen Trott gefunden habe, so in etwa nach 45 Minuten kontinuierlichen Dahinsteigens, bin ich gefühlt nur noch Beine und Augen, in der Zone dazwischen schnauft und scheuert und schwitzt es, und ansonsten stellt sich eine paradiesische Leere ein, besser gesagt: ein Zustand, der ganz und gar Rhythmus ist, eine Komposition aus der umgebenden Natur, dem Dackelfräulein und mir und dem Weg, den wir gerade gehen.
Und ohne irgendein Wort entsteht in diesem gemeinsamen Takt eine Art von (Ver-)Bindung, für die mir schlicht die Worte fehlen, und ein Bezogensein aufeinander, das weit über die zurückgelegte Strecke hinausweist (nennen wir’s einfach den Dog-Owners-Flow oder das Hundehalter-High).

*****

(Durch Klick aufs einzelne Galeriebild, werden die Erläuterungstexte lesbar)

*****

Gehzeit: 4 Std.
Pausen: 45 Min.
Strecke: 17 km, 550 Hm bergauf, 1.040 Hm bergab
Konsumation: 1 geschmolzenes Duplo, 2 Liter Wasser (vor der Tour: Hüttenfrühstück, nach der Tour: Essen beim Papa)
Ausgaben: 16€ (Frühstück auf der Hütte, Getränke in Siebenhütten)
Blessuren: kleine, geplatzte Ader am rechten großen Zeh (wegen unerklärlicher Druckstelle im Socken), beidseitiger Ausschlag am Schulterblatt (Nobite im Nacken verträgt sich nicht mit Schwitzen und Rucksacktragen), zwei Bremsenstiche an Wade und Knie (so schnell wie die da sind, kannst du dich auf der Almwiese gar nicht mit Nobite einsprühen)

Die Highlights:
1. Der kleine Sohn der Potsdamer Familie, der bei der schweißtreibenden, ellenlangen Querung der östlichen Flanke der Halserspitz fröhlichst hinter mir herhüpfte und sich pausenlos unterhalten wollte („Du, warum bist du allein hier?“ / „Dann musst du das ganze Gepäck ja selbst tragen, oder?“) und alles über das Dackelfräulein wissen wollte („Gehen Hunde allein aufs Klo?“ / „Heißt der Dackel so, weil er so wackelt?“), ein ausgesprochen cleveres, aufgewecktes Bürschchen, kurz vor dem schwindelerregenden Stück mit Absturzgefahr hab‘ ich ihn aber lieber seinen Eltern zurückgegeben, die ein ganzes Stück hinter uns liefen.
2. Meine kleine Gefährtin (mal wieder). Neu ist, dass sie sich offenbar präzise gemerkt hat, an welchen Stellen im alpinen Gelände ich gelegentlich Probleme habe und nun direkt nach solchen Passagen stehenbleibt, sich umdreht und guckt, ob ich gut und sicher hinterherkomme. War zu Tränen gerührt von diesem Verhalten! Und wie sie auf dem Berg plötzlich folgen kann, grenzt auch an ein Wunder: „Warte mal!“ / „Geh hinter mir!“ / „Vorsicht – langsam!“ klappt da heroben so gut, dass man fast schon glauben möchte, so ein Hund würde in der sauberen Bergluft besser hören als zu Tale oder in der Stadt.
3. Das wirklich atemberaubende Panorama bei der Querung des Blaubergkamms: hinter uns die Tiroler Berge, vor uns das Mangfallgebirge, eine dermaßen gelungene Ergänzung der inneren Landkarte, noch dazu eine, die mir echt gefehlt hat, um diese Region endlich mal vollends zu überblicken.

Hundemüde.

(Auf Wunsch & für Birgit.)

Die Hüttennacht war zumindest für das Dackelfräulein lang und kuschelig genug. Was ja die Hauptsache ist.

Blick in meinen Schlafsack kurz vor dem Zapfenstreich.

Blick aus dem Winterraum hinaus in die Nacht.

Blick in den Winterraum, wenn man vom Frühstück zurückkommt.

Im Augenblick sitzen wir reichlich platt beim Papa im Garten und sind heilfroh, dass das Abendessen serviert werden wird, so dass man keinen Schritt mehr gehen muss. Reicht schon die Heimfahrt nachher.

Erkenntnis des Tages: Der Grenzgang heißt nicht nur deshalb Grenzgang, weil man zwischen Bayern und Tirol herumhatscht, sondern auch, weil er einen bisweilen an die eigenen Grenzen führt. Trotzdem eine super Sache, die ganze Unternehmung.

Alles Weitere erzählen wir Ihnen morgen.

Paradise is here.

Für mich ist es das Paradies: Das stundenlange Bergaufgehen, diese einzigartige Stille, der grandiose Weitblick, das beruhigende Gebimmel der Kuhglocken, die saftiggrünen Almen, die wunderbare Bergwelt ringsum, die innere Einkehr, der äußere Frieden.
Felix Austria, felix Natascha.

Gehzeit: 4 Std. 10 Min.
Pausen: 1 Std 45 Min.
Strecke: 18 km, 1.280 Hm bergauf, 420 Hm bergab.
Konsumation: 1 Hollerschorle, 1 Kaffee, 1 Kuchenstück, 2 Weißbier, 1 Gemüsestrudel.
Ausgaben: 28€ zzgl. 10€ Nächtigungsgebühr.

Die Highlights:
1. Nahe der Blaubergalm haben wir zwei Murmeltiere getroffen.
2. Das Dackelfräulein, nun achteinhalb Jahre alt, hat sich so unglaublich wacker geschlagen, dass ich vor Stolz/Freude/Liebe platzen könnte.
3. Für Menschen wie mich, mit langer dermatologischer Vorgeschichte (und Gegenwart) plus drei Autoimmunerkrankungen (plus diverser anderer Komplikationen) potenziert so eine Dusche auf der Hütte das Paradiesgefühl.

Soweit für heute.
Muss den kleinen, sonnigen Hügel hinter der Hütte – die einzige Stelle hier mit Empfang – verlassen, weil: Alpenglühen auf dem kalkweißen Guffert…

Gute Nacht aus den Tiroler Bergen!

Himmel der Bayern (81): Zeit für einen Grenzgang.

[Wir nennen den Beitrag diesmal bewusst nicht „Staubl_auszeit Nr. xy“, aber das nicht etwa, weil die Psocoptera den Haushalt verlassen hätten, sondern lediglich, um so viel Abstand wie möglich nötig zu dieser Thematik zu halten.]

Das Juliglück dauert noch an, zumindest weitgehend und im Rahmen des hier Berichtbaren.

Heute in einer Woche brechen das Dackelfräulein und ich in die steirische Landeshauptstadt auf und freuen uns auf die Grazer Grandezza in all ihren Facetten.
Reiseroute und Zwischenstopps sind nun geplant, die Unterkunft ist gebucht, der Termin mit dem Tourismusverband vereinbart und mit dem Online-Reservierungssystem der Auster habe ich mich auch schon mal vertraut gemacht. Die Auster ist ein Grazer Schwimmbad mit zwei 50 Meter-Becken, in dem ich im März 2011, kurz nach seiner Eröffnung (und im Rahmen einer Tagungsreise des Gatten, die mich damals nach Graz führte) meine Bahnen zog, und dessen topmoderne Schwimmbadarchitektur und Farbgestaltung mich schwer begeistert haben!
Überhaupt bietet Graz ja so Einiges in Sachen Design und Architektur. Weil ich ja überwiegend in Sachen Dog & the City unterwegs sein und mir die Stadt mit einem mittlerweile routinierten Hundumblick ansehen und erlaufen werde, muss ich mal gucken, was da zusätzlich noch für mich abfällt – außer Austernschwimmen.

Zur Einstimmung auf das Österreichische (und um Material für andere Projekte zu sammeln und den Psocoptera zuhause weder beim Krabbeln noch beim Krepieren zusehen zu müssen) verziehen das Fräulein und ich uns heute in luftige und (hoffenlich) lausfreie Höhen. Der triftigste Grund für diese Stadtflucht sind aber die für heute prognostizierten 28 Grad (und für morgen sogar 30), das brauchen wir nun wirklich nicht.

In den ausgeschilderten fünfeinhalb Stunden, die wir freilich auf vier bis viereinhalb verkürzen werden, um dann wiederum die Gesamtzeit des Unterwegsseins durch großzügige Pausen und Jausen auf mindestens sechs Stunden auszudehnen, geht’s von Kreuth aus über Gaiß- und Königsalm hinauf auf den Blaubergkamm, den wir entlangwandern werden (evtl. mit Abstecher zur Blaubergalm) bis wir von dem Grat, auf dem zugleich die Grenzlinie zwischen Bayern und Tirol verläuft, ein paar Meter zur Gufferthütte absteigen, die den nördlichsten Ausläufer des Rofangebirges markiert (in groben Zügen können Sie die Tour bei Interesse hier nachgucken).

Auf der Gufferthütte (auf 1.475m und in Tirol gelegen) ist der Winterraum für uns reserviert (falls noch jemand spontan Lust hat: wir hätten noch drei Schlafplätze frei!), denn als Bergsteiger mit Hund wird man ja immer in die Abstellkammer gesteckt (Ausnahme: Otto-Mayr-Hütte – mannomann, wenn ich diesen uralten Beitrag überfliege, fällt mir v.a. eines auf: wir haben noch immer keinen Dackelschlafsack, das ist eine Schande!!!) oder eben in den Winterraum, nun gut, wenigstens wird man da von niemandem vollgeschnarcht, hat einen eigenen Eingang und muss seine Schlafstatt nicht über Sprossenleitern erklimmen (und für 10€ Mitgliedernächtigungsgebühr sollte man eh über nichts meckern).

Das Highlight wird neben der Dusche, über die die Hütte verfügt (1€ für 2 Min. – ich werde es vielleicht krachen lassen und glatt das Doppelte investieren), die Mega-Aussicht von der Hüttenterrasse auf Schneidjoch und Guffertspitze sein (und auf weitere herrliche Berggipfel mit so herrlichen Namen wie Hochunnütz, Voldöpperspitze und Zunterköpfl).

Sofern wir ein wenig mehr Schlaf abbekommen sollten als neulich auf der Tutzinger Hütte und ich nachts nicht erfriere, weil so ein Dackel ja nicht ganz so viel Heizfläche bietet wie ein Labradoodle, und ich nach wie vor nur diesen mitteldicken Schlafsack dabeihabe (in dem ich natürlich nächtens meine Skiunterwäsche trage), weil ich nicht gewillt bin, mir coronabedingt noch einen Drittschlafsack zuzulegen, steigen wir morgen über eine andere Route wieder hinab nach Kreuth und laden uns – weil’s auf dem Weg liegt – gleich noch auf das übliche Dusche-Terrasse-Abendessen-Programm beim Papa am Tegernsee ein, der dank des Canasta-Treffens seiner Lebensgefährtin erfreulicherweise allein daheim sein wird.
Ich sag’s ja: das Juliglück.

Ihnen auch einen guten Wochenbeginn & (je nach Empfang) bis später oder die Tage!

Song des Tages (56).

Discofeeling in Coronazeiten! Car Wash on the edge of town, konkret: am Stadtrand von Starnberg. Man gönnt sich ja sonst nix (hat aber ganz simple praktische Gründe: hier herrscht null Andrang, denn der Starnberger fährt bei 27 Grad mit seinem Cabrio zum Undosa und nicht in die Waschstraße, so dass der Münchner mit seinem wegen Garagensanierung lindenblütenverklebten Auto flink bedient wird).

Super Sache: Das Programm „Royal“ (für sympathische 13€ inkl. Vorreinigung durch einen sympathischen Kerl) dauert exakt so lang wie der Song, der grad läuft, und der Rhythmus der Bürsten passt teilweise prima zur Musik (man muss halt ein bisserl aufdrehen, damit Bruce gegen die Bürsten ankommt). Die schwungvolle Einlage in den Farben Schwedens gegen Ende des Songs gefällt mir am besten.

Das fetzt, dieses Tänzchen der Plüschwedel auf der Windschutzscheibe, finden Sie nicht? Trotzdem wird’s allmählich Zeit, das Tanzbein mal wieder in echt schwingen zu können, mitsingend und -klatschend bei einem Livekonzert.

Zum Trost gibt’s Streuselkuchen am Lieblingssee.

1 Punkt Abzug für das coronare „Geschirr“ und das fehlende Glas, 1 weiterer dafür, dass die Kuchenstücke mit jedem Jahr um ein paar Millimeter schrumpfen. Ich weiß das, denn ich bin hier seit 30 Jahren treuer Streuselkuchenabnehmer (ein etwas irreführender Begriff, wie mir gerade auffällt, da speziell Streuselkuchen gemeinhin eher wenig mit Abnehmen zu tun hat).

Und sonst?

Der Gatte schreibt und schreibt und schreibt und hat wenig Zeit, der hübsch Bewimperte kümmert sich um ein Maiensäss für unseren ersten gemeinsamen Kurzurlaub, das Dackelfräulein ist glücklich, täglich mit seinem Pfannkuchen planschen zu können und ich lese mich in hundegeeignete Ausflüge in der Steiermark ein. Kaum will man Schluss machen mit den Hundereisereportagen, locken einen die Steirer mit einer Pressereise in ihre Gefilde. Tja.

Juli.

Ganz unerwartet ist er mir dieses Jahr ein solch geballtes Glückspaket, der Juli: die Traumtour, die Freunde, die Begegnungen, die Bewegung, die Feiertage, meine kleine Familie, mein kleiner Hund, die Seen, die Berge, die Heimat, die guten Aussichten auf die kommenden Wochen – wirklich eimerweise Glück!

(Wieso nur? Und warum ich? Und lauert da nicht schon der Dämpfer im Uferschilf? Oder soll man sich kopf- und bedenkenlos hineinstürzen in diese Julitage, so wie heute in den weichen, weiten See?)

Sogar die Staubläuse Psocoptera hüpfen mittlerweile vor Freude, was wahrscheinlich daran liegt, dass sie sich etwas legaler fühlen in ihrer lausigen Untermieterexistenz, sie zahlen jetzt nämlich Miete, der kleine Rechtsstreit hat sich also gelohnt, nun bräuchte ich nur noch einen neuen Badeanzug, weil die drei vorhandenen allesamt durchgeschwommen sind, so dass ich mich heute im Strandbad beinahe ein wenig schämte wegen der weißen, sich kräuselnden Gummifäden, die überall aus dem zerschlissenen Gewebe herausguckten. Probleme, wie ich sie gern öfter hätte, weil man zu ihrer Beseitigung weder große Geduld noch viel Geld noch einen Kammerjäger braucht.

Beim Hinausschwimmen an die Tour mit den Freunden gedacht, im See ständig die Benediktenwand im Blick, heute Strandbad Tutzing, vor einer Woche Tutzinger Hütte, so schließt sich ein Kreis, unglaublich, dass das schon erst 7 Tage her ist, dass wir dort oben waren, die Zeit rennt, wenn das Glück ihr Motor ist, und sie kriecht, wenn sie von Quälendem durchtränkt ist, ein fieses Phänomen, und umso mehr Grund, sich mitreißen zu lassen, sich diesem Juliglücksgalopp einfach mal anzuvertrauen.

Tutto bene?! Der Tourbericht vom 13. Juli 2020.

Lesen Sie heute: „Der To(rt)ur zweiter Teil.“

Wo waren wir doch gleich stehen- bzw. liegengeblieben? Genau! Unter dem Sternenhimmel über der Benediktenwand und der zapfigen Nacht vom 12. auf den 13. Juli zu sechst im Hundezimmer.

Das neue Lebensjahr begann zwar zunächst beidseitig beheizt – links Dackel, rechts Doodle – aber dennoch todmüde. Ein Nachtschlaf von nur drei Stunden sind in meinem Alter das, was vor 20 Jahren drei durchfeierte Nächte am Stück waren. Um kurz vor 7 Uhr blinzelte der erste Sonnenstrahl durch das von Andrea frühmorgens wieder geöffnete Fenster herein, der Gatte schlief noch (oder stellte sich schlafend, um die obligatorische morgendliche Gesangseinlage noch ein wenig herauszuzögern), aber die Betten der Braunschweiger Seilschaft waren bereits verwaist – auch Bobby hatten sie mir schon entrissen, wie mir mein kühles rechtes Bein beim Aufwachen sofort verriet.

Ich stand auf, zog mir Jacke und Mütze über, stieg in die eiskalten Wanderstiefel, kramte das Dackelfräulein aus dem Schlafsack und trat hinaus in die frische Morgenluft und die sagenhaft schöne Stille der Bergwelt.
Sofort machte es „Klick!“ – und mein erster, zaghafter Schritt ins neue Lebensjahr war abgelichtet worden!

Ich ortete das Geräusch bzw. die dazugehörigen Knipser und ging ihnen mit dem Dackelfräulein entgegen. Andrea, Wolfgang und Bobby erwarteten uns vor der kleinen Bergkapelle am Hang hinter der Hütte…

…und gaben ein dreistimmiges Liedchen zum Besten, leise genug freilich, um die Steinböcke nicht bei iher Morgengymnastik zu stören oder noch schlafende Hüttengäste zu wecken.

Wieder zurück in der warmen Stube folgten Bescherung und Frühstück, Katzenwäsche und Hundefütterung, Zimmeraufräumen und eine hochkomplizierte Packlogistik (was lassen wir alles bei der Hütte, was muss mit hoch zum Gipfel).
Um Punkt 9 Uhr war Abmarsch, das hatten Jubilarin und Tourleitung (also ich) so errechnet, ausgehend davon, dass wir um 16:30 Uhr wieder im Tal sein wollten mussten, damit noch genug etwas Zeit bliebe, um zum Gasthof im Tölzer Land zu fahren, dort unsere Zimmer zu beziehen, den Schweiß von zwei Bergtagen gründlich abzuduschen und ab 18 Uhr frisch gekleidet die anderen Gäste Willkommen heißen zu können (eine extrem sportliche Idee übrigens, an diese Tour gleich noch eine abendliche Feier dranzuhängen, aber die geladene Runde freute sich halt schon, einander endlich mal kennenzulernen und auch ich freute mich auf einen schönen Biergartenabend mit einer Handvoll guter Freunde und sogar dem Papa dabei).

Im Frühtau zur Felswand wir zieh’n, fallera!

Für den Westanstieg von der Hütte bis zum Gipfel der Benewand hatte ich anderthalb Stunden kalkuliert (der Weg via Ostflanke schied für die Hunde wegen der Seilsicherungen aus und die beiden sollten natürlich mitgehen können), für den Rückweg ebenso lang, womit die vom DAV angegebene und meist großzügig bemessene Gehzeit um knapp 30 Minuten überschritten wurde, das halbe Bonus-Stündchen war mein Puffer für Pipi- und Trinkpausen (zeitraubende Gipfelbussis würden wegen Corona eh entfallen, so dass oben nur eine kurze Andacht mit Zuprosten stattfinden würde und in der prallen Sonne könnten wir mit den Hunden eh nicht allzu lange verweilen).

Ein Blick zurück: Das Plateau rund um die Tutzinger Hütte.

Was ich allerdings nicht bedacht hatte: Die Braunschweiger Freunde (die ja eigentlich gar keine originären Braunschweiger sind, sondern 1x Penzbergerin, 1x Salzburger und 1x Harzer Wanderkaiser, was ihnen schon qua Herkunft einen alpinen Anstrich verleiht) sind neben leidenschaftlichen Wanderern auch passionierte Hobby-Fotografen (was Sie, liebe Leser, längst an all den schönen Bildern hier gemerkt haben dürften).
Und sie sind Genuss-Geher.
Und versierte Verweiler.
(Womit ich nun nicht sagen will, dass bei mir Genießen und Rasten zu kurz kämen, aber ich bin nicht so der Zwischendrinpausierer und das Fräulein auch nicht, wodurch sich bei uns häufig eher ein Berghinaufwetzen ergibt als ein romantisches Wandern.)

So ließ mich unterwegs der Blick auf die Uhr alsbald ebenso ins Schwitzen geraten wie der steile Aufstieg selbst, und mit zunehmder Höhe kroch plötzlich das alte Trauma von vor 10 Jahren in mir hoch und ich geriet mehr und mehr in ein Dilemma: Sollte ich aus Zeitgründen die Umkehr empfehlen und damit das Gipfelerlebnis vereiteln? Oder mit fröhlich-forschen Feldwebelsprüchen ein bisserl aufs Tempo drücken? Beides wäre gleichermaßen riskant: das eine würde das von den Freunden ersehnte Wandbesteigungsvorhaben versauen, das andere womöglich die bis dahin äußerst harmonische Stimmung in unserer Gruppe.

Was tun? Ich entschied mich dafür, das Stimmungsrisiko einzugehen, trotz der damaligen Erfahrung mit der Kollegin, wo das Ende der Benewand-Tour zugleich das Ende einer Freundschaftsanbahnungsphase bedeutete.
Andrea und ich hatten schließlich schon stabile Freundschaftsjahre und -erlebnisse vorzuweisen, daher klopfte ich mit meinem Trekkingstock dreimal auf den Fels und eine innere Stimme sprach mir Zuversicht und Trost zu: Diese Seilschaft übersteht das schon, wir schaffen das!

Werd ich zum Augenblicke sagen: Verweile doch, du bist so schön?!?

Auf dem weiteren Weg zur Wand knirschte dann nicht nur das Geröll unter unseren Sohlen, sondern auch das eine oder andere Kiefergelenk wegen ein klein wenig Unmut, und es war noch offen, wie groß der allgemeine Heiterkeitsausbruch bei Anblick des Gipfelkreuzes und des sensationellen Panoramas in 1.801 Meter Höhe sein würde. Ein richtig spannendes Bergabenteuer also!

Das Dackelfräulein und ich stiegen voran, und als sich hinter den letzten Latschenkiefern und Serpentinen das Holzkreuz erhob, und das auch noch fast exakt zur Geburtsminute vor 48 Jahren, zückte ich mein Handy für ein Foto und sah just in dem Augenblick den Anruf des Papas eingehen. Was für eine Fügung!

Mit Tränen in den Augen (vor Erleichterung, dass wir gleich oben sind – es war 10:40 Uhr und somit wäre die ursprüngliche Zeitkalkulation noch haltbar – und vor Rührung, dass ich trotz des lautlos gestellten Telefons genau diesen einen Anruf live mitbekam) traf ich oben ein, drehte mich um und sah hinter mir schon den Rest unserer Truppe nahen, und auf dem Gipfel angekommen schien tatsächlich niemand Ambitionen zu haben, die Tourleitung wegen Fehlplanung oder Antreiberei die Steilkante hinunterzuschubsen und den unbeabsichtigten Trainingslagercharakter dieser prinzipiell schönen Unternehmung zu zerstören (mein Tipp: Machen Sie solche Monstertouren selbst mit guten Freunden sicherheitshalber nur an Ihrem Geburtstag, das garantiert Ihnen etwas Gnade!).

Endlich! Ein Traum geht in Erfüllung & ein Trauma wird überwunden!

Aber damit der Torturen noch nicht genug!
Gut vier Stunden Abstieg ins Tal lagen noch vor uns und wenn wir auf der Hütte nochmal durchschnaufen, einen Liter Flüssiges plus Imbiss zu uns nehmen und nicht nur in Windeseile die Rucksäcke umräumen und schultern wollten, mussten wir uns nun schon wieder beeilen, was ich ganz vorsichtig den aussichtsgenießenden und knipsenden Freunden mitteilte.

Allseits war man der Ansicht, runter käme man ja immer und das ginge sicher viel leichter und fixer als der Aufstieg (erneut regte sich die traumatische Erinnerung in mir: genau das waren seinerzeit auch die Worte der Kollegin, kurz vor dem Abstieg und dem Schweigen für immer, das diesem Talmarsch folgte), mein spröder Kommentar, dass wir die vier Stunden keinesfalls nennenswert unterschreiten würden, verhallte in der herrlichen Weite, die uns da heroben umgab.

Der Gatte zeigt dem großen Braunen das Karwendelgebirge: Bobby hatte nämlich noch einige Urlaubstage in Mittenwald vor sich.

So ging es mit flotter (und gottseidank an allen Schuhen haftender) Sohle zur Hütte hinab, wie betäubt saß man ein urgemütliches Stündchen auf der Terrasse, die beiden Vierbeiner komatös im Gras dösend und der Dinge harrend, die da noch kommen würden.
Eine kleine Diskussion übers Hier und Jetzt sowie die typisch bayrische Gemütlichkeit fand zwischen Obatztem und Hollerschorle auch noch Platz, bevor wir uns dem elenden Gepäckumschichten und -einschichten zuwandten und um Punkt halb zwei der Hütte den Rücken kehrten.

Diesmal über Almwiesen und urwaldähnliche Bergbachtäler abwärts, ach hätte man nur ein Quäntchen mehr Zeit gehabt, um die geschundenen Füße öfter zu kühlen (oder auch das Mütchen), aber Hut ab, es wurde allen von Stunde zu Stunde klarer, dass ich mit Strecken und Zeiten nicht beschissen hatte.

Um 16:30 Uhr waren wir sonnenverbrannt, schweißverkrustet und auch sonst ein wenig derangiert von unserem Spaziergang tatsächlich bei den Autos angekommen.

Und stellen Sie sich vor: Das Trauma wiederholte sich nicht. Alle sprachen noch mit mir! Auch beim Abendessen waren wir vollzählig und – soweit ich das in meiner Erschöpfung beurteilen konnte – guter Dinge. Ebenso am nächsten Morgen beim Frühstück. Vor allem der Humor war den Braunschweigern noch nicht abhanden gekommen: sie lachten schallend, als ich am Frühstückstisch die Wanderkarte vom Karwendelgebirge aufklappte und erste Tourentipps für die nachfolgenden Tage, die sie in Mittenwald verbringen würden, geben wollte. Ich wertete das als gutes Zeichen. Und auch sonst sah eigentlich alles danach aus, als würden sich unsere Wege nicht hier im Tölzer Land für immer trennen – puh!

*****

Endgültig traute ich dem Braten aber erst 24 Stunden später, als die zwischenzeitlich in ihrem Mittenwalder Quartier eingetroffenen Freunde mich anriefen und einluden, sie dort nochmal zu besuchen.
Vor Ort überzeugte ich mich von der Gemütslage und körperlichen Verfassung (beides gut), verbrachte eine innige Nacht mit Bobby in einem viel zu schmalen Bett (ging trotzdem) und am Tag drauf ließen wir unsere gemeinsame Zeit mit einem harmlosen, feuchtfröhlichen Regenspaziergang in aller Harmonie ausklingen.

So im Nachhinein muss man ja sagen: Es war großes Glück, dass wir überhaupt noch auf die Wand hinaufsteigen konnten, denn nur vier Tage später wurde der Westaufstieg wegen eines drohenden Felssturzes bis auf Weiteres gesperrt.

Wer weiß, wann der Alpenverein den Weg wieder freigibt – jemand der im August Geburtstag hat, muss sich also glatt einen anderen Jubiläumsausflug überlegen.

Außerdem schweißen einen gerade solche Erlebnisse ja manchmal für alle Zeiten zusammen. Was in Erinnerung bleibt, sind nie die Blasen an den Fersen, die zu langen Gehzeiten, die zu kurzen Pausen oder der fehlende Schlaf, sondern die tollen Momente, die wunderbaren Aussichten und das nicht nur in den Wadln spürbare Erfahren des kleinen, aber feinen Unterschiedes zwischen „Freunde im Leben“ und „Freunde fürs Leben“.

Für mich war es jedenfalls ein unvergesslicher Geburtstagsausflug.

*****

Liebe Andrea, lieber Wolfgang, lieber Bobby,

kommt gut nachhause & bald wieder für eine Urlaubswoche nach Bayern, das Team von Wanderdackel-Tours ist auch beim nächsten Mal gern wieder bei der Organisation eures Traumurlaubs behilflich und bietet neben dem nun schon vertrauten Modul „Trau dich: Torten & Torturen“ demnächst auch den von euch vermissten Baustein „Bilde dich: Botanik & Brauereien“ an.

Der Bewertungsbogen geht euch in den nächsten Tagen auf dem Postwege zu, wir hoffen trotz der kleinen Unschärfen unterwegs auf postives Feedback, werfen aber auch eventuelle Kritikpunkte nicht den nächstbesten Steilhang hinunter und wünschen einstweilen gute Erholung für die geschundenen Haxn!

Mit herzlichen Grüßen aus der bayerischen Landeshauptstadt –
Eure Reiseleitung samt Anhang.

Live-Ergebnis von Bierprobe Nr. 2: 8,5 bis 9 Punkte. Ich liebe Österreich!