Hund haben (18).

Eines der großartigsten Phänomene jahrelangen Hundhabens besteht darin, dass man mit der Zeit all jene Dinge vergisst oder verdrängt, die man in seinem früheren, hundelosen Leben total gern unternommen hat und die mit Hund an der Backe Hacke einfach nicht mehr so gut gehen oder eher schlecht machbar oder sogar ganz und gar unmöglich sind.

Ich nehme an, es geht Menschen mit kleinen Kindern recht ähnlich und auch sie vergessen mit den Jahren, wie schön das Leben zuvor war, vor allem, was spontane und nicht generalstabsmäßig und tagelang vorher organisierte Abendunternehmungen oder gar Kurzreisen angeht.
Wie nett es war, nach Lust und Laune Biergärten, Theater, Ausstellungen, Kinos, Lokale, Freunde aufsuchen zu können (und das alles ohne ständigen, verantwortungsbewussten Blick auf die Uhr), im Hochsommer stundenlang lesend an Seeufern herumzudösen oder gleich tageweise in die Berge zu flüchten.
Wie unkompliziert es war, in fremden Städten oder Ländern eine Unterkunft zu finden oder ein paar Urlaubstage oder -wochen zu gestalten.
Wie wenig man sich mit dem Partner abzustimmen brauchte, als man noch zu zweit war: es genügte ein „Du, ich treff mich heut Abend mit X, es kann spät werden!“, nun spricht man sich Tage im Voraus ab, wer wann für den Hund zuständig ist, teilt Abendgassis auf, informiert sich über die aktuelle Verdauungslage des Vierbeiners und muss sich in beruflich oder privat enger getakteten Phasen genauestens an Absprachen halten, da es nunmal nicht geht, dass der Hund statt drei Stunden auf einmal mehr als doppelt so lang allein zuhause ist, nur weil einem nach dem Pizzaessen mit einer Freundin plötzlich noch der Sinn nach einem Kinobesuch steht oder die Arbeitskollegen nach Feierabend zu einem gemeinsamen Biergartenbesuch aufrufen.

Da zieht also eines Tages dieses sogenannte „Glück auf vier Pfoten“ ein und in den folgenden zwei Jahren staunt man nicht schlecht, was alles plötzlich nicht mehr geht oder nur noch anders oder mit mehr Aufwand machbar ist oder einem aber bereits im Vorfeld so viel Aufwand bescheren würde, dass man abzuwägen beginnt, ob das noch in einer vernünftigen Relation zu der angestrebten Unternehmung steht oder es nicht entspannter ist, die Sache einfach bleiben zu lassen und nach adäquten Alternativen zu suchen.
Wehmut und Ernüchterung überschatten gelegentlich dieses immens große Glück, das einem die Wohnung vollhaart und einem das nachmittags im Café aus Langeweile zernagte Bierfilzl nachts um 4 Uhr von Gallenflüssigkeit ummantelt auf den Teppich würgt.

Nach weiteren zwei Jahren hat man schließlich mit viel Veränderungswillen und Anpassungsarbeit einen Modus gefunden, in dem sich dieses so gänzlich neue Leben wieder gut und rund anfühlt. Und nochmal zwei Jahre dazu, und schon hat man komplett vergessen, wie das Leben früher mal war.

Ein perfekter Assimilationsprozess ist das, den das Hirn da vollbringt, und er kommt nach ein paar Jahren zu einem geradezu perfekten Abschluss: Man ist dann genauso glücklich wie früher, nein, Unsinn, sogar deutlich glücklicher als früher ist man jetzt, denn ein einziger Dackelblick aus diesen ehrlichen, braunen Augen, und schon ist alle Mühsal und Einschränkung wie weggeblasen, und ein Leben ohne Hund ist im Lauf der Zeit sowieso ganz und gar unvorstellbar geworden – nicht auszudenken, der kleine Schlawiner wäre plötzlich nicht mehr da…

Vier Tage Passau mit Hund und mit Temperaturen von deutlich über 30 Grad bedeuten, dass man vieles, das zu sehen man hoffte, überhaupt nicht zu sehen bekommt (wg. für Hundepfoten zu sonnigen oder langen Wegen dorthin) oder nur die absurdesten Orte sieht (z.B. betonierte, schattige Flusszuläufe, durch die man gemeinsam zwecks Abkühlung watet, oder das verschlammte Inn-Ufer oder die veralgten Donautreppen) oder aus anderen Gründen nichts sehen kann (stundenlanges Verharren unter einem zwar schönen, aber licht- und sichtraubenden Blauglockenbaum, wo es der Hund gut aushält und endlich mal nicht hechelt).

Man gibt dazu dann Kommentare zum Besten wie „Dieser Hund hat meine Perspektive auf die Welt und das Leben vollkommen verändert!“ oder „Dank meines Hundes entdecke ich nun so viel Neues!“ – und das stimmt natürlich auch. Absolut stimmt das.
Früher hätte ich mir halt das Museum für Moderne Kunst angesehen, vielleicht auch eine Führung im Stephansdom oder eine ArchitekTour mitgemacht, wäre zu Fuß jedes Gässchen dieser hübschen Stadt abgelaufen, den ganzen Tag auf den Beinen gewesen und hätte mich von Eindrücken und Neigungen einfach mal hierhin, mal dorthin treiben lassen.
Und nun? Mit Pippa an meiner Seite verzichte ich der Hitze wegen auf all diese Dinge. Meine Perspektive auf Passau ist nun eine, in der mein Auge immer geschickter nach schattigen Rasenstücken, erfrischenden Bachbetten, möglichen Flusszugängen, kühlen Seitengässchen, sonnenbeschirmten Cafés, klimatisierten Geschäften sucht – und fündig wird. Bin ja schließlich kein Anfänger mehr.

Gut, in den Stephansdom habe ich das Dackelfräulein trotz der Verbotsschilder mit reingeschmuggelt und in einer Nische unter einem Opferstock (Aufschrift „Für die Armen“) angebunden, wo sie dann friedlich auf dem kühlen Kirchenboden lag und auf mich wartete und die Spendenfreudigkeit sicher mächtig angekurbelt hat, falls jemand ihrer dort gewahr wurde.
Draußen hätte ich sie nirgendwo lassen können und ich bin sicher, dass Gott, falls es ihn doch geben sollte, auf jeden Fall damit einverstanden gewesen wäre, dass ein Hund keinesfalls auf kochendheißen Steintreppen vor dem Dom warten muss.

Als der Gatte seine Tagung hinter sich gebracht hat und wir überlegen, was wir in den verbleibenden 24 Stunden in Passau noch gemeinsam unternehmen könnten, schminken wir uns schnell alles, was mit der hübschen Altstadt zu tun hat, ab. Dort finden nämlich unzählige Festivitäten statt (Mitternachtsshopping, Konzerte, etliche Sommerfeste, tagsüber wie nachts), so dass klar ist: zu der perversen Affenhitze kämen auch noch größere Menschenmengen hinzu – das geht einfach gar nicht mit einem Dackel, der ja eh gern mal übersehen wird („Huch, wen haben wir denn da unten?“).

Also verbringen wir den einzigen gemeinsamen Abend oberhalb der Innstadt, laufen über luftige Höhenwege vom Kloster Mariahilf bis zum oberösterreichischen Grenzstein und zurück. Das tut dem Hund sehr gut, dort oben zu flanieren: der Asphalt ist kühl, es ist nichts los und man kann endlich mal wieder ein paar Katzen verbellen, weil endlich mal wieder ein paar Kräfte in den kleinen, von der Hitze geschundenen Hundekörper zurückkehren, weil die Umgebungsvariablen stimmen. Danach duschen wir uns alle noch kühl ab und legen uns unter kalten Tüchern aufs Hotelbett. Da kann einem doch jedes Altstadtsommerfest gestohlen bleiben!

Am nächsten Morgen – für den Tag sind 35 Grad vorhergesagt – verwerfen wir ebenfalls jegliches eigentlich noch geplantes Stadtprogramm, lediglich die Veste Oberhaus handeln wir als Kompromiss aus. Zuletzt als Kind mit dem Papa dort gewesen, weil die in der Burg gelegene Jugendherberge umgebaut oder eingeweiht wurde (ich weiß nur noch, dass ich es da recht unheimlich fand, so mit richtigen Luken statt Fenstern, Burgfeeling eben).
Wir starten früh, ergattern den letzten Parkplatz im Schatten und schlagen uns immer nah an den Burgmauern durchs Gelände, ab und an muss das Fräulein irgendwo kurz warten, wenn wir einen sonnigen Aussichtspunkt aufsuchen wollen.

Nach einer (!) knappen Stunde im Burggelände ist sie trotzdem sehr geschafft, allein von der warmen Luft. Also beginnt nun wie ausgemacht das Hundeprogramm, für vier (!) Stunden, wohlgemerkt. Beim Frühstück bereits gründlich recherchiert, wo der nächste See ist, an dem wenige Menschen und keine Hundeverbote zu erwarten sind.
Das ist der Stausee Oberilzmühle, sagt Google. Die Hotelbesitzerin wird dazu auch noch interviewt und auch nach ihren Infos klingt das Ganze ziemlich gut: bloß 20 Minuten zu fahren, sauberes Gewässer, Waldwege drumherum, nur irgendwo eine kleine Liegewiese und eine FKK-Bucht, Parkplatz weit genug vom Seeufer entfernt, so dass nicht mit allzu vielen Besuchern zu rechnen ist. Sogar eine Rundwanderung ist möglich und eine Einkehr soll es auch geben.

Also verbringen wir den letzten Tag fast komplett an der Ilz, die ja immerhin auch was mit der Dreiflüssestadt zu tun hat (zwar als kleinste der drei dort zusammenfließenden Wasseradern, aber mei), laufen auf dem Ilzwanderweg, spielen Frisbee mit Pippa, gehen mit ihr zusammen in den Stausee oder in den flachen Fluss, gucken ihr glücklich und zufrieden dabei zu, wie sie sich im kühlen Gras den nassen Rücken schubbert oder auf schmalen Waldwegen munter vorauswetzt und nur wenige Mal müssen wir ein bisschen Obacht geben, dass sie nicht einem im Ufergebüsch herumlümmelnden und Kombucha trinkenden Nackerten über seine Yogamatte saust (eher alternatives Publikum dort am Ilzstausee).

Der Hund ist im Vergleich zu der einen Stunde im Burggelände der Veste Oberhaus wie ausgewechselt – und die Welt ist wieder rund und schön. Für uns alle. Wir klopfen uns Tannennadeln und Kies aus den Trekkingsandalen, holen die Leckerlis, die Pippa nicht erwischt, selbst aus der Strömung, rutschen dabei fast auf den glitschigen Steinen in der Ilz aus, sprühen uns reichlich mit Anti-Brumm die fast dauernd nassen und von Mücken umkreisten Wadln ein und genießen den Familienausflug. Was hätte man schon in der Passauer Altstadt gesollt? Pah!

Bei der Triftsperre angekommen, sehen wir schon das von unserer Hotelchefin erwähnte „abgelegene Gasthaus“ samt dem sympathischen blauen Schild der Löwenbrauerei Passau durch die Bäume schimmern.

In einer weinrebenberankten Laube des Biergartens lassen wir uns zu einem Imbiss nieder. Von der Nicht-Biergarten-Seite aus erkennt man den Gasthof dann übrigens sofort wieder: Im Mai war er in jeder deutschen Tageszeitung zu sehen. Nicht wegen seiner hübschen Laube oder seines eher durchschnittlichen Essens oder des überbordenden Lokalkolorits in jedem Winkel des Gebäudes und auch nicht wegen manch ebenso antiquarischen wie schlichten Angebots in der Speisenkarte (Limo weiß oder gelb: 2,50€, ja köstlich!). Sondern wegen des dreifachen Armbrust-Suizids, der hier vor ein paar Wochen stattfand. Haben Sie sicher gehört oder gelesen.

Das illustre Trio erweckte wohl schon beim Einchecken etwas Misstrauen bei der Pensionswirtin, da ohne Gepäck gereist und das Frühstück explizit nicht mitgebucht wurde. Macht man ja als Übernachtungsgast eigentlich nicht.
Nun, sieht man die Pension von innen, was man leider muss, wenn man die hübsche Gartenlaube verlässt, um kurz die Toilette aufzusuchen, kann man das sofort nachvollziehen, denn nichts – absolut nichts! – lädt dazu ein, sich hier häuslich einzurichten oder gar ein Frühstück einzunehmen. Aber aus Sicht der Gasthofsbesitzer wird sich das wohl anders anfühlen.

Kein Zufall auch die Ortswahl für diese geplante und gruselige Hinrichtung, denn der mystische Tunnel hinter der Triftsperre, in dem es nachts spuken soll (Mädchenschreie, verschwundene Pfaffen etc.) sowie die Nähe zur Burgruine Reschenstein, auf der es ebenfalls nicht mit reschten Dingen zuzugehen scheint, zieht gelegentlich Menschen an, die sich von solchen lost & spooky places angezogen fühlen und über solche Orte nicht immer nur zur Geisterstunde in Foren mit Gleichgesinnten diskutieren, sondern das mal in echt erleben wollen.

Und manch besonders düsteres Vorhaben lässt sich vermutlich eben besser an einem solchen Ort umsetzen als beispielsweise in einem inmitten saftig grüner Bergwiesen gelegenen 3-Sterne-Hotel mit bodentiefen Glasfronten vor jedem Zimmer und einladender Lobby direkt hinter der Panorama-Sonnenterrasse, von der aus der Blick wahlweise zum Alpenglühen auf dem schrofigen Felsmassiv gegenüber oder zu den glücklich weidenden Kühen der nebenan befindlichen Alm schweift. Da passt so ein niederbayrischer Hinterlandgasthof mit Tunnel und Burgruine daneben schon eher.

Dem Hund ist all das aber ohnehin wurscht, denn Hauptsache während der Rast, und zwar ganz egal, wo und von wie vielen Sternen umgebeben die stattfindet, gibt es die übliche handvoll Futter samt genug Wasser im faltbaren Reisenapf: ein seit Jahren nicht verhandelbarer Programmpunkt bzw. eher so eine Art Ablasshandel (= Ihr dürft hier ein Stündchen in Ruhe sitzen, wenn ich dafür eine Extraportion Fressbares abstaube).

Es war ein toller Tag dort an der schwarzen Ilz. Was man nicht alles sieht und erlebt, wenn man mit Hund leben und reisen darf.
Stephansdom oder Donauschifffahrt kann ja jeder, aber die Halser Ilzschleifen, den Stausee Oberilzmühle und die Triftsperre, zu diesen Kleinoden im Passauer Umland verschlägt es nur die wenigsten Besucher.

Danke dafür, liebster Hund!

(Und gib Bescheid, wenn das kalte, nasse Geschirrtuch dir wieder zu warm wird, dann tränken wir es nochmal in Eiswasser.)

Dachshund-Overkill.

Gestern – an Tag 3 von 4 in Passau – also ins Dackelmuseum.

Puh. Was man nicht alles sammeln kann!

Sagen wir’s mal so: Wenigstens schön kühl da drin & in dem Dreiviertelstündchen ganz allein im Museum, keine quietschenden Amerikaner oder andere „Mei wie süß“-Verrückte weit und breit.

Pippa sank sofort zwischen zwei Vitrinen zu Boden und in einen Erschöpfungsschlaf, optisch fügte sie sich nahtlos zwischen die Exponate ein und wirkte fast wie ein Bestandteil der Ausstellung.

Nun ja, einmal im Leben kann man da schon gewesen sein. Das eine oder andere Stück entlockte uns durchaus ein kleines Schmunzeln, das Fräulein bekam zum Abschied ein Eis geschenkt…

…und wurde, wie jeder Dackel, der höchstselbst die Ausstellung besucht hat, von der Aufsicht fürs Museums-Album auf Facebook abgelichtet:

https://m.facebook.com/story.php?story_fbid=392831281589825&id=201096964096592

Zur visuellen Entkitschung und allgemeinen Erdung dann den heutigen letzten Tag der Exkursion in der niederbayerischen Provinz im Ilztal verbracht.

Tolle Flusswanderung mit Zufallsbesuch eines lost place. Sie erinnern sich an den Armbrust-Dreifach-Mord in einem Passauer Gasthof, neulich im Mai? Schöner Biergarten draußen, aber drinnen wirklich ein Interieur zum Abtreten.

Morgen mehr dazu. Schlafen Sie gut!

Huidiei jodleiridldüeiouri. Zum 30. Mai 2019, für Papa.

Heast as nit
wia die Zeit vergeht
Huidiei jodleiri Huidiridi

Gestern nu‘
ham d’Leut ganz anders g’redt
Huidiei jodleiridldüeiouri

Die Jungen san alt wordn
und die Altn san g’storbn
Duliei, Jodleiridldudieiouri

Hab ich lang überlegen müssen, ob ich den Peter Cornelius nehme, die Jungs von S.T.S., den Harry Belafonte, den Paul Simon oder eben ihn hier – den Hubert von Goisern.

Hauptsache einen, den wir zusammen live gesehen haben. Und das waren ja einige, damals, als wir noch gemeinsam auf Konzerte gingen.

Für den Cornelius sprach, dass ich an das Schulhof-Lied so eine wunderbare Erinnerung mit dir habe. Wie wir das gesungen haben, in Hausschuhen durch den Flur tanzend, der Wellensittich ganz aufgeregt mitzwitschernd. Ich mochte den Text und ich mochte, wenn du dann ein bisschen was von Carla erzählt hast, deiner Mitschülerin in Kleve.

Für S.T.S. sprach, dass deren Hochphase sich exakt mit unseren wenigen gemeinsamen Wiesn-Jahren deckte, du und ich, im Zelt auf Bierbänken stehend, dein ganzes Büro mit dabei, diese lustige Bagage. Den Insel-Song liebten wir gleichermaßen, und auch den anderen, dort allerdings liebtest du die schwoarzn Lipp’n grüne Hoar-Stelle und ich die mit dem Rennbahnexpress-Titelblatt.

Für den anderen Insel-Barden sprach, dass das eigentlich das Lied ist, an das ich immer als Allererstes denke, wenn ich an dich und Singen oder dich und Musik denke. Nichts habe ich dich öfter singen hören als Island in the sun. Wenn du es beim Autofahren gesungen hast, trommelte stets dein linker Fuß mit, wenn du es beim Rasieren gesungen hast, wurden manche Zeilen durch Hmhmhmhm-Geräusche ersetzt, damit du die Rasur nicht unterbrechen musstest.

Für den Paul Simon sprach, dass das unser absurdestes Konzerterlebnis war. Alles, was du kanntest und dir gefiel, war mir unbekannt oder gefiel mir überhaupt nicht. Und umgekehrt. Unsere Schnittmenge an dem Abend war genau ein Lied: Graceland. Ich habe danach tagelang nichts anderes mehr gehört, nur wegen dieser einen Zeile (der mit dem Fenster im Herzen), und du konntest das Lied dann sehr bald nicht mehr hören. Und bei mir war’s genau umgekehrt.

Für den Hubert hab ich mich entschieden, weil da musstest du mich seinerzeit richtiggehend überreden und dann war das aber total klasse, dieser Abend im Circus Krone. Es war sein allererstes Konzert in München, ich hatte noch nie von Hubert von Goisern gehört. Fand das peinlich, dass wir zu einem Volksmusik-Abend gehen, aber du sagtest, das sei viel mehr als Volksmusik, das sei Alpen-Rock. Also bin ich mitgegangen. Und hab es nicht bereut, im Gegenteil.

Ja, die Jahre, die Jahrzehnte – sie sind so schnell vergangen, Papa.

Wenn ich heute so das obige Foto von dir angucke – du mit diesem Cowboyhut, den sie dir 1980 in Kanada verpasst haben, und den du dann von deiner Reise mit nachhause brachtest, und der mich so fasziniert hat, weil da mühelos mein gesamter Kopf reinpasste (diese so präzise Erinnerung: wie groß du mir vorkamst und wie klein ich mich fühlte, in deinem Hut) – dann wird mir klar:

Und gestern is‘ heit word’n
und heit is‘ bald morg’n
Huidiei jodleiri huidiridi

Heast as nit
Heast as nit
Huideridiri
Hollareiridiridldoueio hallouri

Alles Gute zum Vatertag, den du auf einer ionischen Insel verbringst (ein Kompromiss, diese Reise: denn die Lebensgefährtin wollte nicht ins Burgenland und du nicht nach Katalonien, und weil du seit ein paar Jahren ja tatsächlich Kompromisse schließt, bist du jetzt eben in Griechenland 😉 ) – bis bald in alter Frische am Tegernsee!

Gib mir ein bisschen meer!

Im Spätsommer dann hier.

Die halbe Nordseeküste abgegrast nach einer schönen Hütte, drei Abende lang.
Hotels, Pensionen, Gasthöfe, Ferienwohnungen, Ferienhäuser. Sogar Feriendörfer. Einfach alles. Haarsträubende Abendbeschäftigung, jedesmal mit viereckigen Augen und steifem Nacken ins Bett gekrochen.

Entweder Mobiliar, das während des gesamten Aufenthalts täglich tollstes Wetter erfordern würde, damit man es möglichst nur im Halbdunkel oder gar nicht sehen muss, weil man anderfalls schwerdepressiv aus dem Urlaub zurückkäme. Oder eine Küche, in der – entgegen der Behauptung auf der Website – weder Platz, noch Ausstattung „zum Kochen einladen“ (überhaupt: ich kann diese bekackte Formulierung „xy lädt zum yz ein“ nicht mehr hören, ich kann dann keine Sekunde mehr „verweilen“). Oder tausend Zusatzkosten für Handtücher, Geschirrtücher, Bettwäsche, Strom, WLAN, Wasser, Endreinigung – und nicht zu vergessen: den Hund, bei dem preislich auch nicht unterschieden wird, ob man einen Neufundländer mitbringt oder 7kg Dackel am Stück. Oder eh fünf Katzen auf dem Gelände. Oder der mürrische Eigentümer in der Wohnung drunter. Oder die Dödel preisen an, dass das Haus über eine Waschmaschine verfügt, bieten aber keine Leine/Wäscheständer – ja wie soll das denn funktionieren? Oder die einsame Lage entpuppt sich als Durchgangsstraße, an der das Gehöft zwar tatsächlich umgeben von Marschland und Schafweiden liegt, aber eben keinesfalls ruhig. Und in Strandnähe ist sowieso alles unbezahlbar, da such ich gar nicht erst.

Irgendwann ändere ich meine Suchstrategie und zoome in Google Maps jedes Dorf, jeden Sielzug und jeden Wattwurm heran, das bin ich so eh gewohnt von der Quartiersuche mit Hund (immer der finale Check: gibt’s da irgendwo ein Stück Wiese vor der Tür? – ich spaziere grundsätzlich per Streetview durch die Orte, um hundegeeignete Viertel/Gegenden ausfindig zu machen, weil so eine Panne wie seinerzeit in Fischen oder im Ultental, das passiert uns nie wieder, da meinte man auch: Ui, Land, ja da ist eh alles grün und rundum Natur, aber von wegen!).

Ich zoome mich also in Google Maps die Nordseeküste rauf und runter, klicke jedes als Unterkunft markierte Etwas an, das nachweislich abseits der Straßen und trotzdem in Deich- oder Strandnähe liegt und von Wiesen umgeben ist. Heißt das Quartier dann „Klabautermann’s Koje“ oder „Hilde’s Huus“, so liegt schon relativ nahe, dass es wohl eher nicht in Frage kommt, weil das eine klingt nach drolliger Familienunterkunft mit Stockbetten und resopalbeschichteten Tischen und das andere altbacken, braun gefliest und nach Seemannsölbildern über einer Couch mit grünem Kordbezug. Und beide eint die übliche Apostrophkatastrophe.

Da fällt mir meine Kommilitonin A. ein, jüngste Tochter eines Schuhgeschäftsinhabers aus dem fränkischen Hammelburg. Ich habe nie vorher und nie nachher jemanden getroffen, der die Klippe des Apostrophs oder auch die des Apostroph’s schriftlich wie mündlich so gekonnt zu umschiffen wusste wie A.

Sie hatte damals einen festen Freund, den Uwe, und der Uwe, der hatte eine Mutter, und diese Mutter, die hatte ein Auto, das sie ihrem Sohn ab und an auslieh, so dass auch A., die wie die meisten Studenten kein Auto hatte, ab und an in den Genuss eines Autos kam, weil Uwe ja meistens mit A. zusammen irgendwo hinfuhr.
Mir stand schier der Mund offen, als A. eines Mittags in der Mensa auf eben dieses Auto zu sprechen kam und dafür die legendären Worte „dem Uwe seiner Mutter ihr Auto“ verwendete (eine geniale Formulierung, die sofort und für Jahrzehnte zum festen Bestandteil im gemeinsamen Sprachschatz vom Papa und mir wurde). Dem Uwe seiner Mutter ihr Auto! Lassen Sie sich das mal auf der Zunge zergehen!

Ich starrte damals erstmal hilflos auf mein Tablett und musste nachdenken, bis ich diese hochkomplexen Bezüge semantisch aufgedröselt und begriffen hatte, dass es um das Auto von Uwes Mutter ging. Aber hätte A. das so gesagt oder geschrieben, wäre sie in die apostrophale Bredouille gekommen (das Auto von Uwe’s Mutter oder gar Uwe’s Mutter’s Auto) und so hat sie das fränggisch gschiggd gelöst. Sie schrieb übrigens auch exakt wie sie sprach (quasi: der A. ihrem Schnabel sein Text), das war faszinierend.
Deutlich weniger faszinierend war allerdings, dass ihre Diplomarbeit nur eine Note schlechter bewertet wurde als meine, was mir seinerzeit schwer zu denken gab, obwohl jeder an der Fakultät wusste, dass die Notenspanne sich eh nur zwischen 1,0 und 3,4 bewegte, aber zumindest diese Spannweite hätte in dem Fall voll ausgenutzt werden müssen. Das war wirklich unfair damals. Und das sag ich ohne mich selbst zu loben (was eh ins Leere liefe, da das beste Kapitel der Arbeit schließlich der fränkische Exgatte verfasst hatte, weil ich schon drei Monate vor Abgabetermin in Lohn und Brot stand, er aber bis zum Referendariatsbeginn noch Ferien und somit Zeit hatte und sowieso der Intellektuellere von uns beiden war).

Wo war ich stehengeblieben? Ach ja, bei „Hilde’s Huus“ und so Sachen.
Jedenfalls ist mir dann gestern zwischen Osterhever, Kotzenbüll und Witzwort tatsächlich und endlich ein Häuschen unter den Mauszeiger gelaufen, bei dem alles passte.
Schreibweise, Ausstattung, Lage, Preis. Der Vermieter, ein älterer, gediegener Hamburger, rief nach meiner Anfrage per Mail sogleich zurück und hatte nach drei Minuten den Lackmustest bestanden: den wenigsten Hotelrezeptionisten oder Ferienwohnungvermietern gelingt es nämlich, auf jede meiner im Schnitt sieben Fragen im Vorfeld einer Buchung vollständige und präzise Antworten zu geben, immer wird irgendwas vergessen oder absichtlich unterschlagen.

Nicht so Herr G. Er hatte telefonierenderweise meine Mail vor sich liegen, ging sie Punkt für Punkt durch und gab danach noch ungefragt Zusatzinformationen zum Besten, weil er aufgrund meiner Mail nämlich kapiert hatte, worauf es mir ankommt.
Und als er dann sagte, dass für das Dackelfräulein vor dem Häuschen eine Handbrause vorhanden sei, für wattmatschige Pfoten und den sandverkrusteten Bauch, und selbstverständlich auch Hundehandtücher (er habe selbst einen Hund und wisse, was einem da das Leben erleichtert), und dass Pippa sich überall auf dem Gelände frei bewegen dürfe, keine Katze weit und breit, nur Schafe, die ihr wurscht sind, und am nahegelegenen Deich kein Leinenzwang und am Strand auch nicht, ja da war nach einer Viertelstunde alles geritzt und ich hab das Laptop erleichtert und vergnügt zugeklappt, bin zum Spätabendschwimmen gefahren und danach ohne verspannten Nacken zu Bett gegangen.

Ein andermal erzähl ich Ihnen vielleicht noch von Nordjylland.

Da kenn ich nämlich nun auch jedes Kaff, jeden Grashalm und jede feriebolig. Die Dänen beherrschen zwar nahezu durchgehend die Sache mit dem Apostroph und der Inneneinrichtung, aber was Preise und Hunde angeht, ist das Land absolut anti-hygge.
Im Schnitt mindestens (!) 160€ pro Nacht (bei lediglich gehobenem IKEA-Stil), 30€ für den Hund (egal für welchen, und wichtig: der darf nirgendwo hin), pro Nacht, versteht sich, dazu Gemeinschaftsbad auf dem Flur (mit abgewetztem, leicht schimmligem OTTSJÖN vor der Duschkabine) – und Frühstücksbuffet kostet freilich extra.
Die Ferienhäuser allesamt viel zu groß, weil die Dänen davon ausgehen, dass jeder Freunde oder Familie oder beides hat, folglich auch Urlaub mit Freunden oder in der Großfamilie macht, daher häufig 10 bis 12 Betten und so gern ich mit dem Dackelfräulein ausgiebige Suchspiele veranstalte – das ist mir dann doch zu weitläufig und zu viel ungenutzter Raum.
Man lernt ja ein Land schon auch ein bisschen kennen, wenn man sich durch dessen Ferienwohnungsportale klickt. Naja, schnell wieder abgehakt, diese Dänemark-Idee.

An der deutschen Nordseeküste ist’s auch schön.
Und dem Hund ist es sowieso völlig egal, in welchen Sand er seine Löcher buddelt.

Von Vögeln oder: How to choose the perfect man.

Gleich dreimal angeguckt, so sehr hat mich das begeistert. Viereinhalb Minuten, die Sie nicht bereuen werden, unbedingt aber ab 1:10.

Paradiesvogelweibchen müsste man sein! Was für eine Galanterie, was für eine Vorführung – ich bin hin und weg!

Meine Damen, mal ehrlich: Geht Ihnen da nicht auch das Herz auf?

Wie wunderbar der Kerl alles aufräumt, putzt und dekoriert – diese Akribie, diese Gründlichkeit! Und so fesch ist er (die Frisur! die Augen!), so gut gekleidet, so manierlich. Verbeugt sich wie ein Gentleman und dann hat er auch noch Rhythmusgefühl und tanzt wie ein Gott. Und diese Lightshow!
OK, am Ende geht’s ein bisschen arg flott, als sich die Dame interessiert zeigt, aber mei. Männer halt.

Wünsche der Leserschaft ein schönes Wochenende & legen Sie sich ruhig mal wieder ein bisschen ins Zeug für Ihre/n Liebste/n!

Lichte Momente.

Schwülwarmer Bärlauchdunst schwappt durch den für einen Frühlingsferientag ungewöhnlich leeren Englischen Garten. Viele Seitenwege haben wir ganz für uns allein, prima ungestört lässt sich das Feuerwerk, das die Pollen mindestens minütlich in der Nase zünden, abniesen.

Kaum etwas geht – mal rein stadtimmanent gedacht – über diese herrlichen Münchner Parks mit all ihren Großzügigkeiten.
Diese Pracht noch dazu in fußläufiger Distanz, nicht selbstverständlich, das alles, wie mir erst neulich in Wien wieder bewusst wurde, wo so ein Hund ja fast nirgendwo in innerstädtischen Grünanlagen mal ohne Leine laufen darf.
Das ist Luxus pur!, rufe ich dem Dackelfräulein zu, das geschäftig durch das flache Bachbett schnorchelt, sich anschließend auf der Wiese den Pelz trockenschubbert und sich danach zum Sandburgbau an die Uferböschung begibt.

Ich setze mich auf eine Parkbank, um sie einerseits gewähren zu lassen und andererseits ihr Tun genau im Auge zu behalten und gegebenenfalls pfeilschnell und mahnend den Finger heben zu können, wenn sie sich klammheimlich einen fingerdicken, grüngrauen Gänsehäufchenimbiss einverleiben möchte (klammheimlich ist, nebenbei bemerkt, schon immer mein Lieblings-Hendiadyoin gewesen: wie Trüffelschweine waren wir ab der 9. Klasse in lateinischen Texten auf der Suche nach diesem Stilmittel, gedrillt von Herrn Konrad R., den ich verehrte, so streng und unbeliebt er auch war).
Das Hundetier und ich haben uns im Laufe der Jahre hervorragend eingespielt bei der Ausübung dieses perfiden Belauerungssports. Wachsamkeit, Geschick und Flinkheit sind hierbei alles, und ich gebe zu: meist liegt die Madame knapp in Führung, was ja auch keine Kunst ist, da ihr Rüssel den begehrten Trophäen naturgemäß näher ist als meiner.

*****

Ein sehr unösterliches Ostern war das.
Keine Auferstehung in Sicht, immer noch bleierne (Frühjahrs-?)Müdigkeit oder einfach ein konstitutioneller Durchhänger.

Der Lindt-Goldhase, den mir mein großer Freund S. schenkte, bekam am Ostermontag auf den letzten Drücker und ganz unerwartet noch Gesellschaft von einem kleinen Goldhäschen und ein paar Lindor-Eiern. Die kleinen roten. Als hätt’s der Schenker gewusst, dass genau das die Ostereier meiner Kindheit waren.

Der Papa war Jahr für Jahr am frühen Morgen des Ostersonntags mit 10 bis 15 dieser köstlichen Minischokoeier in der Wohnung unterwegs. Während die Mutter und ich noch schliefen, spielte er den Osterhasen und versteckte diese Leckereien für mich.
Zusätzlich noch ein paar handgefärbte, echte Eier. Die platzierte er meist bruchsicher an den immer gleichen Stellen: im Futterschälchen von Cocolinos Käfig, im tönernen Kerzenständer im Bücherregal und – nach dem Herausdrehen der Glühbirne – in der Fassung der weißen Lampe mit dem verchromten Fuß, die auf dem schwarzen Ecktisch stand.

Der Ecktisch hieß so, weil er die Ecke zwischen dem Zweisitzer und dem Dreisitzer der Ledercouchgarnitur, die ich nie leiden konnte, bis auf einen kleinen Spalt passgenau ausfüllte. Er war einer der wichtigsten Orte meiner irgendwie zu kurz geratenen Kindheit. Wenn die Eltern stritten, kroch ich unter diesen ca. 40cm hohen Tisch und versteckte mich dort und wagte mich manchmal stundenlang nicht mehr hervor.
Als sich die Verweildauer unterm Ecktisch indirekt proportional zum Freudefaktor der elterlichen Ehe zu verhalten begann, richtete ich mir dort unten ein kleines Lager ein, ausgestattet mit dem Nötigsten, wie es immer so schön heißt. In meinem Fall waren das irgendein Knabberkram, etwas zu Trinken, eine Wolldecke, der Olympia-Waldi, mein Hansipolster und das kleine Notizbüchlein samt Stift, denn selbstverständlich führte ich akribisch Buch über meine Ecktisch-Aufenthalte und die Beobachtungen, die ich – durch den schmalen Ritz zwischen den beiden Sofas bang ins Wohnzimmer spähend – so machte (oder machen musste).

Auch die kleinen roten Lindt-Eier wanderten oft in mein Survival-Depot. Womit wir wieder bei Ostern wären, wovon ich ja eigentlich berichten wollte und nicht von einer dieser zermürbenden Retrospektiven auf biografisch längst Kompostiertes. Sondern von Ostern, wie es früher mal war und wie ich es mochte. Genauer: von der Eiersuche.

Der Papa war kein geschickter Versteckfinder, die meisten Eier leuchteten rotglänzend und dadurch besonders gut sichtbar aus ihren Verstecken hervor und ich musste mich weder recken noch strecken, um sie meist schon beim Betreten eines Raumes mühelos zu entdecken. Des Papas Bemühen, mir mit der frühmorgendlichen Versteckerei eine Freude zu machen, rührte mich als Kind so sehr an, dass ich mich meinerseits bemühte, so zu tun als hätte ich allergrößte Mühe, die kleinen Lindt-Eier zu finden. Selbst mit den großen, bemalten Eiern ließ ich mir Zeit, obwohl man Tomaten auf den Augen hätte haben müssen, um die zu übersehen.

Ich tappte also mehrfach von Zimmer zu Zimmer und stellte mich bei der Suche so ungeschickt an, dass der Papa, geduldig wartend immer tiefer in den Zweisitzer einsinkend, weil das Töchterchen dermaßen lang erfolglos umherirrte, irgendwann anfing, mir Tipps zu geben.
Kleine, knifflig gemeinte Hinweise wie beispielsweise Denk mal an Fasching! und dann tat ich, die ich das Ei im Hut des Holzclowns neben den Bildbänden schon längst gesehen hatte, so, als würde ich noch ein wenig grübeln müssen, bis mir schließlich beim Schweifenlassen des suchenden Blickes über die Regalwand – endlich, endlich! – der Clown ins Auge stach und ich übertrieben freudig – Ach ja, genau, der Clown, der passt ja zum Fasching! – nach dem roten Schokoei grapschte.

So ging das jedes Jahr dahin, bis zum letzten Ei, und alle waren eine Eiersuche lang glücklich, auch die Mutter, die während der Eierodyssee aus ihren Gemächern zu uns schwankte und sich auf den Dreisitzer drapierte und der Suchorgie kreislaufschwach vor sich hin blinzelnd beiwohnte, ein Zustand familiärer Harmonie und Friedlichkeit, den es ganz unbedingt in die Länge zu ziehen galt, in der Hoffnung, dass er vielleicht noch bis nach dem gemeinsamen Osterfrühstück oder gar bis nach dem Osterspaziergang anhalten würde.

Mein glücklichstes Ostern war zweifellos jenes, an dem uns bei diesem Spaziergangsritual jener Welpe über den Weg lief, der mein erster Hund werden sollte. Dieses Glück half mir über so manch trostlose Ecktischstunden hinweg, denn von da an hatte ich immer eine verlässliche Gefährtin an meiner Seite, auch in meiner kleinen Survival-Höhle, und eines Tages übernahm sie meinen dortigen Beobachtungsposten, weil ich endgültig zu groß geworden war, um mich noch unter diesen Tisch zu zwängen und so überließ ich ihr den für mich zu eng gewordenen Dachsbau und ich durfte fortan die letzten Etappen des Rosenkriegs ungeschützt mitansehen.

Ja: durfte. Denn ich war trotz aller Splitter, derer man sich im näheren Umkreis dieser Gefechte kaum erwehren konnte, froh darum, das meiste mitzubekommen und nachvollziehen zu können, weshalb es nötig und wichtig war, dass die Parteien letztlich auseinandergingen.

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Die Frühlingssonne steht mittlerweile hoch genug, um die zur Ostseite hin gelegenen Räume jeden Morgen ganz wunderbar mit Licht zu durchfluten, in diesem unbarmherzigen Flutlicht aber zugleich auch das zum Vorschein zu bringen, was der flache Winkel der Wintersonne (zusätzlich verstärkt durch die bis vor kurzem völlig verdreckten Fenster) noch gnädig vertuscht hatte.

Diverse Unebenheiten der letztjährigen Renovierungsarbeiten kommen nun zum Vorschein: Lolek, Bolek und Konsorten haben dann doch den einen oder anderen kleinen Pfusch hinterlassen, wie man nun sieht. Natürlich sind sie längst mit dem Salär über alle Berge und dort auch nicht mehr zu erreichen oder schuften sich anderswo in schlecht bezahlten Jobs die Seele aus dem Leib, so dass sie für Nachbesserungen leider keine Kapazitäten mehr frei haben.

So legt man jetzt eben selbst Hand an, schleift hier und da etwas ab, zieht da und dort etwas nach, justiert und montiert neu, liest sich in Lackiertechniken ein, spritzt eine Probefuge, kratzt sie wieder heraus, oder sucht mit einem Magneten den Türstock der Schiebetür nach den Befestigungsschrauben derselben ab, die der Handwerker seinerzeit perfekt plattgehobelt und zugepinselt hat („Isse schöner so!“), ohne allerdings – wie munter hobelnd zunächst noch zugesagt – vor dem Zupinseln eine kleine Skizze anzufertigen, wo man die Schrauben ggf. wiederfinden würde.

Betrachten wir’s als ein Sich-Vertraut-Machen mit Nischen und Feinheiten des eigenen Zuhauses, das schadet einem ja nicht, höchstens dem elenden Ellbogen setzt es zu.

Als Ausgleich dazu nach monatelanger Suche endlich eine Stehlampe fürs Wohnzimmer gefunden. Grauenhaftes Gegoogel, bis man sich da überhaupt mal einen Überblick in diesem Dschungel verschafft hat! Immer nach spätestens einer Stunde Kopfweh bekommen (manchmal allein wegen der Preise: es muss massenhaft Menschen geben, die sich Stehlampen im Wert eines Kleinwagens kaufen wollen/können, oder wie erklärt es sich, dass diese Lichtobjekte auf dem Markt überleben?) und es entnervt wieder bleiben lassen. Und eines Abends dann durch Zufall doch noch fündig geworden.

Heute mal in das Geschäft spaziert, um das Ding in echt zu besichtigen.
Pardon, es heißt ja nicht mehr Geschäft, man nennt das jetzt Showroom. Das gute alte Geschäft hat ausgedient, das Möbelhaus eh.
In diesen Showrooms laufen lässige Showmaster herum, keine schnöden Verkäufer mehr. Jeder von denen trägt ein mattsilbriges Tablet mit sich herum, hat man eine Frage – und die meine war heute eine ganz simple, nämlich: Wie zum Teufel schalt‘ ich diese Funzel ein? – loggt sich der personal consultant in den entsprechenden room ein, in dem man grad ganz real steht und ebenso analog wie erfolglos an dem Schalter der Lampe herumdrückte, und bringt per Mouseclick das Ding zum Leuchten. Never seen before – mir, dem entmündigten Kunden, unfähig eine Lampe allein anzuknipsen, bleibt vor lauter Staunen der Mund offen stehen. Fremd bin ich geworden, in manchen Sphären der Konsumwelt.

Die Lampe ist aber toll. Ich trage sie mir in eine stille, leere und eher dunkle Ecke am Rand der riesigen Lampenbühne, damit ich mal mit ihr allein sein kann. Bitte den smarten Simon, der sich mit seinem Tablet diskret hinter ein paar voluminösen, mit japanischem Reispapier ummantelten Lichtobjekten aufhält, um ja nicht aufdringlich zu wirken, dann nochmal, sie mir auch dort, in meinem entlegenen Eckchen, erneut einzuschalten.

Dann stelle mich neben sie, setze mich unter sie, betaste sie rundum, trete ein Stück beiseite und lasse sie einfach mal auf mich wirken. Diese Dinge, mit denen man länger zu leben beabsichtigt, wollen ja erstmal be_griffen werden, bevor man sie sich ins Haus holt und ein veritables Zusammenleben beginnen kann.
Größe passt, Farbe passt, Lichtkegel und -intensität auch. Zeitloses Design, sehr geringes Risiko also, dass man sie schon in 5 oder 10 Jahren nicht mehr erträgt.

Und sie ist dimmbar, das ist mir wichtig. Ich liebe dimmbare Lampen. Je älter ich werde, desto mehr, denn damit lassen sich eventuelle Unebenheiten – in der Wohnung wie auch in der Visage und im Leben – einfach mal mit milder Schummerbeleuchtung kaschieren oder ganz wegzaubern, wenn man sie nicht mehr sehen will.
Ein kleines Schieben mit dem großen Zeh auf dem sehr kommoden Fußschalter genügt – und schon ist die Atmosphäre wonnig, weich und warm. Herrlich!

Wieder so ein Objekt, das der Versmoothieierung ihren Weg zu einer immer umfassenderen Regentschaft über uns Freunde der Weichzeichnerei, des Rumdum-Airbags und der Pürierung der Lebenswelt weiter planiert.
Vor langer Zeit schrieb ich mal einen Blogbeitrag über diesen Paradigmenwechsel in der Handhabung des Lebensalltags – und es wär‘ eigentlich an der Zeit, denk ich grad, diesem Beitrag einen weiteren folgen zu lassen, Notizen dazu gäbe es ja längst.

Für heute aber genug der Worte, die letzte Nacht war schrecklich und kurz, das Abendgassi ruft – und dann nichts wie ab ins Bett.
Kommen auch Sie erleuchtet und gut durch die ausgehende Osterwoche!
Ihre Kraulquappe.

Von Subway-Sheriffs und anderen Scherzen.

Da will man sich mal in Klausur begeben, um konzentriert zu arbeiten, zu schreiben und anderes zu erledigen – aber ständig wird man gestört!

Erst wird zu Wochenbeginn das Dackelfräulein von einem Airedale Terrier gebissen, was uns beide dermaßen aufgescheucht hat, dass an Arbeiten erstmal nicht mehr zu denken war, denn das ist kein Spaß, wenn die Kleine da jaulend vor Angst auf dem Rücken liegt und der andere Hund nicht aufhört, sich in den kleinen Dackelkopf und -hals zu verbeißen, und man sich mit ganzer Kraft von hinten auf diesen großen, fremden Hund stürzen muss, um den wegzuzerren, was leider nicht mal klappt (kein Halsband an, schwer zu greifen, da sehr in Rage), so dass einem schlussendlich – bevor noch Schlimmeres passiert – nichts anderes übrig bleibt, als sich richtig dazwischenzuschmeißen und zuzutreten, auf die Gefahr hin, selbst was abzubekommen, aber dann lässt der Angreifer für einen kurzen Moment von Pippa ab, so dass ich sie mir schnappen kann und mit beiden Armen hochreiße und an mich drücke und sie immer noch schreit wie am Spieß, und ich dem Erdölterrier nochmal einen Tritt verpasse, weil der so guckt als würde er gleich an mir hochspringen wollen, und es dauert und dauert, bis endlich dessen lahmarschiges Frauchen herbeigeschlurft kommt, um in Zeitlupe nach ihrem Hund zu fassen, und der erste Satz, den ich mir von dieser plumpen Gestalt anhören darf, während mir aus dem Dackelschlappohr Blut auf meine Jacke tropft, dann auch noch der ist, dass mein Hund zuerst gebellt hätte, was zwar korrekt ist, aber völlig gerechtfertigt, weil der Riesenköter wie wild auf sie zugaloppiert kam als sie gerade mitten bei der Verrichtung dringender Geschäftchen war – na, stellen Sie sich einfach vor, Sie sitzen auf dem Klo und jemand tritt überraschend die Tür ein und springt mit Vollkaracho auf sie drauf, ja, denjenigen möcht‘ ich sehen, der dann nicht losbellt! -, nach dem Auftakt besinnt sie sich und gesteht ein (im Hintergrund halten sich, wie ich sehe, schon zwei Zeugen bereit: ein Pärchen, das aufmerksam hinüberschaut), dass ihr Hund der Beißer war, mit zittrigen Händen notiere ich mir dann Namen und Nummer, untersuche an Ort und Stelle das wimmernde Fräulein und finde zwei Bisswunden, die bluten, aber nicht allzu tief zu sein scheinen, zumindest kein Durchbiss des Ohres, sofern ich überhaupt in der Lage bin, das in dem Moment, also drei Minuten nach dem Vorfall, wirklich zu beurteilen. Fix und fertig schwanken wir zum Auto zurück, halb blind vor lauter Geheule rufe ich den Gatten an, der im fernen Frankfurt sitzt, und während wir telefonieren hör‘ ich von der Seite eine Stimme, die fragt, ob denn alles in Ordnung sei, sie kommt von dem Mann des Zeugenpärchens, die beiden haben selbst einen Hund dabei und sind so anteilnehmend und nett und haben außerdem das Auto-Kennzeichen des Terrierfrauchens fotografiert, nur für den Fall, dass die nicht den richtigen Namen genannt hätte, was sie aber sicher getan hat, wie ich meine, zumindest traue ich solch schlichten Gemütern in derartigen Situationen keine spontanen Namens- und Adress-Erfindungen zu, jedenfalls tut es gut, dass jemand da ist und bei uns steht und wartet, bis wir beide im Auto sitzen, wo ich dann tatsächlich kurz überlege, meinen großen Freund S. in seiner Kanzlei anzurufen, damit er uns abholen kommt, weil ich gar nicht weiß, wie ich jetzt das Lenkrad ruhig halten und fahren soll, aber nach einer Weile geht es dann doch und so spare ich mir das Hilfeholen für daheim auf, wo ich den ebenfalls dackelhabenden Nachbarn aus der Etage unter uns rausklingle, damit er mir assistiert, Pippa rundum gründlich zu untersuchen, denn die hält natürlich nicht still, verschreckt wie sie ist, aber man muss ja nachsehen, um entscheiden zu können, ob eine Fahrt zum Tierarzt angeraten ist oder ob es mit Betaisodona-Tinktur und derlei Hausmitteln auch geht, was gottseidank der Fall ist.

Ja was für ein Glück, das hätt‘ auch ganz anders ausgehen können, und im Übrigen eine krasse Erfahrung, wie lang das braucht, bis man sich nach so einem Erlebnis psychisch und physisch wieder beruhigt hat, weil sich das alles in dem Moment sowas von existenziell bedrohlich angefühlt hat: das Leben, es ist ein so fragiles (was man ja theoretisch weiß, dennoch ist’s gut, dass man da praktisch nicht ständig dran denkt).

Und kaum hat man sich wieder in die Arbeit hineingefieselt, reißt einen die Abendzeitung beim mittäglichen Gassigang mit dieser Wahnsinns-Schlagzeile aus den Gedanken…

…was die aktuellen beruflichen Überlegungen gleich erneut ins Wanken bringt, denn das wäre ja mal eine adäquate Option für das Dackelfräulein, um höchstselbst einen Teil zum Familieneinkommen beizutragen.

Eine Stellenanzeige, die Sie sich echt mal im Original reinziehen müssen!

Die Münchner CSU ist also davon überzeugt, „(…) dass gerade Dackel als Streifenhunde für die U-Bahnwache sehr gut geeignet sind. Denn: Sie sind typisch münchnerisch, ein echter Sympathieträger und können in jeder Hinsicht zur Deeskalation beitragen.

Ausnahmsweise mal ein Statement aus dieser Fraktion, das ich voll und ganz teile: der Dackel ist wahrlich die Deeskalation in Person, ein Airedale-Terrier wäre beispielsweise nicht so geeignet.
Und ein schickes Dienstmäntelchen hätten wir auch schon für unseren schlappohrigen Sympathieträger, und die liebe D. wäre sicher gern bereit, uns noch ein Münchner-Kindl-Stadtwappen aufzunähen.

So, und nun sind wir auch wieder weg – in der Hoffnung, dass die nächsten Tage deutlich ungestörter verlaufen.

Ich bin ja auch kein Hund, ich bin ein Dackel!

(frei nach Karl Valentin: „Ich bin ja auch kein Mensch, ich bin ein Bayer!“)

Da schau’n Sie sich das an, wie das heut‘ zugegangen ist in München:

Hunderte Dackel aller Couleur samt ihren Besitzern (ebenfalls aller Couleur) patroullierten pünktlich ab 14 Uhr und bei bestem Wetter vom Deutschen Museum hinüber zum Isartor.

Die Polizei hatte die Straßen zu diesem Behufe ordentlich abgeriegelt, schließlich gab es ja nebenher noch eine Demo mit Schildern in Wurst- und Knochenform, und auch der Trojanische Dackel, der den Zug anführte, bedurfte eines Geleitschutzes.

Am Zielort angelangt gab es eine kleine Kundgebung, keine Ahnung, was deren Inhalt war, man hat es vor lauter Trubel, Bellen und Humtata der Musikkapelle nicht verstehen können, aber eh wurscht: Die ganze Aktion hat einfach Spaß gemacht, es gab so viel zu gucken und zu lachen, Jung und Alt kamen ins Gespräch, natürlich auch die Viecherl untereinander – und nicht zu vergessen: das Münchner Urviech unter den Dackelbesitzern war ebenfalls mit von der Partie, logisch!

Beim großen Abschlussfoto für die Presse spontan und mit einem fixen Sprung just neben diesen Herrn platziert (zoomen Sie sich den unbedingt ran, sonst entgehen Ihnen die Kini-Clips im Bart!), man hat da ja eine gewisse Übung (so als Musik-Fan und Konzertgängerin mit Groupie-Gen) und auf Nachfrage hieß es, morgen oder spätestens übermorgen dürfte das wohl gedruckt werden, „wenn das Foto was hergibt“.

Und ich bin sicher, dass es das tut, weil dieser Parade-Bayer schon x-mal im Fernsehen und in Magazinen zu sehen war, auch in meiner eigenen Reportage über Dackeltouren durch München wollte ihn die Redaktion damals unbedingt drin haben, weil irgendwie müssen sie ja gepflegt werden, diese Klischees.

Also: Wenn Sie das Dackelfräulein ausnahmsweise mal auf Zeitungspapier haben wollen und mit stilistisch schlechtem Text daneben, dann kaufen’S morgen und übermorgen – und so eine Empfehlung wird’s in diesem Blog vermutlich nur ein einziges Mal geben! – die BILD-München oder gleich die ganze Münchner Boulevardpresse 1x querbeet, denn wer weiß, vielleicht hat uns noch ein anderer Fotograf erwischt auf der Parade.

Der vom Spiegel jedenfalls nicht. Was aber auch nicht schad‘ ist, weil de ham ja ned amoi d’Überschrift hikriagt (es hoaßt Wadl, ned Wadel, ihr Preißn!).

Das war also unser sonntägliches Highlight…

…und jetzt legen wir hier wohlverdient alle Füße und Pfoten hoch, denn wir sind gscheid gschafft nach dem gestrigen 22km-Stadtrundgang mit dem Besuch aus der Hauptstadt und heut‘ gleich nochmal 14km Latscherei, weil nach der Parade, da wollte das Fräulein selbstverständlich mal richtig sausen, ohne Leine und dieses Verwandtschaftgschwerl um die Ohren.

Wir wünschen der Leserschaft einen schönen Sonntagabend und verlosen unter all denen, die uns die korrekte Anzahl der Dackelfräulein-Fotos in diesem Beitrag nennen können, einen Freilaufgutschein für einen Flussmarsch mit dem Fräulein und meiner Wenigkeit noch in diesem Frühjahr.

Teilnehmen dürfen alle Leserinnen und Leser, die halbwegs gut zu Fuß sind, einen Ball werfen oder schießen können, ein Freundschaftsanbahnungswürstl mitzubringen gewillt sind, die Kosten für ihre An- und Abreise selbst tragen und nicht herummosern, wenn sie nach der Tour dreckige Schuhe oder Hosenbeine haben.
Der Gewinner der privaten Pippa-Parade wird Ende März bekannt gegeben.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Herbeigedackelt! Aufruf zur Parade am 17. März 2019.

Na das wird ein Wochenende!

Höchst erfreulicher Besuch aus der Hauptstadt steht an, seit Wochen schon geplant und nun wohl bei herrlichem Frühlingswetter stattfindend – und gerade eben schneit mir eine Meldung herein, die einen Termin ankündigt, der natürlich unbedingt noch ins Wochenendprogramm aufgenommen werden muss:

Am Sonntag um 14 Uhr veranstaltet München eine Dackelparade !

Herrl und Gscherrl sowie Frauchen und Wauwauchen, besonders natürlich alle Besitzer eines echten bayerischen Löwens Dachshundes sind aufgerufen, sich um 13:45 Uhr an der Schiffsschraube vor dem Deutschen Museum zu treffen und ab 14 Uhr wird dann gemeinsam mit dem Trojanischen Dackel hinüber zum Valentin-Musäum marschiert, das zur Zeit (und noch bis 21. Mai) die Sonderausstellung „Vorsicht! Dackel!“ präsentiert (über die selbstverständlich noch berichtet werden wird, hier auf diesem Schwimm-Berg-Seelenkram-Bruce-Dackel-München-Bayern-Blog, dem Sie, liebe Leserschaft, nunmehr seit bald drei Jahren die Treue halten durch alle Höhen & Tiefen sowie Steilvorlagen & Flachheiten hindurch).

Da sind wir freilich dabei, weil das wird eine Gaudi, die wir uns nicht entgehen lassen wollen, noch dazu – und jetzt halten Sie sich fest! – weil dieses sagenhafte Event in unserer schönen Isarmetropole exakt auf den Tag fällt, an dem wir vor 7 Jahren das winzig kleine und damals noch so unschuldige und liebreizende und schüchterne Fräulein Pippa vom Züchter abholten und mit zu uns nachhause nahmen.
Koinzidenzen gibt’s, bei denen man schon arg geneigt ist, das Ganze für Schicksal (ja für Vorhersehung!) zu halten…

Pippa, am 17. März 2012.

Vielleicht möchte der Berliner Besuch das ja sogar zum Anlass nehmen, sein Rückfahrticket umzubuchen, um diesem bajuwarischen Ereignis der Extraklasse noch beizuwohnen, ansonsten kann das Spektakel vermutlich spätestens am Montag danach in diesem Blog bestaunt werden, falls uns nicht vor lauter Begeisterung das Smartphone in die Isar fällt.

All jenen, die noch unschlüssig sind, sei dieses Werbevideo von nur 101 Sekunden Dauer ans Herz gelegt…

…und denen, die wissen möchten, was diese Sonderausstellung so bietet und dem Dackel an sich sowieso schon zugetan sind, empfehle ich allerwärmstens diesen Beitrag des Bayrischen Fernsehens:

– Achten Sie bitte unbedingt auf die Sofa-Deko hinter der „Beppi“
– Merken Sie sich gut, was das Faustische am Dackel ist, denn genau so verhält sich’s
– Finden Sie meinen Lieblingsversprecher in dem Video
– Von 5:43 bis 6:23 musste ich mir die Tränen verkneifen, speziell die Szenerie bei 6:17 gab mir ein Stich ins Herz (siehe hierzu auch Punkt 1 meines erst heute veröffentlichten Wunschzettels)

Pippa und ich (und ich geh davon aus: auch der Gatte, den ich aber gerade nicht fragen/informieren/sprechen darf, weil er in Frankfurt in einer Sky-Kneipe hockt und von dort aus in die heimische Allianz-Arena hineinschaut und der aktuelle Spielstand einer ist, bei dem man sich als Gattin am besten unauffällig und ruhig verhält) freuen uns auf Sie/Euch – am Sonntag an der Schiffsschraube (auf der Ludwigsbrücke)!

Stinkender Grödel oder: Perlen der Statistik.

Wenn ich einen Blick in meine Website-Statistik werfe, die mir das WordPress-Dashboard anbietet, so tue ich das meist deshalb, um mir einen Überblick darüber zu verschaffen, welche Beiträge bei der geneigten Leserschaft besonders gut ankommen (ernüchternde Faustregel übrigens: je mehr Dackel und je weniger Text, desto beliebter), eher wenig Anklang finden oder von der Aufrufzahl her gar die Vermutung nahelegen, dass man schon mal Interessanteres zu offerieren vermochte oder einfach mal die Klappe halten sollte.

Ab und an gucke ich mir auch noch die Aufrufzahlen nach Ländern sortiert an und staune dann immer mal wieder, dass das Dackelfräulein selbst in Aserbaidschan, Simbabwe, Indonesien oder Guatemala ein paar Fans zu haben scheint oder es Menschen in Taiwan, Weißrußland und Chile gibt, die sich für mein Lieblingsschwimmbad bei Nacht interessieren (dass alle Springsteen-Beiträge weltweit gelesen bzw. die dort eingebetteten YouTube-Videos rund um den Globus angeschaut werden, verwundert mich natürlich kein bisschen).

Gelegentlich schaue ich mir auch die Kommentatoren-Hitlist an, die lange Zeit von Herrn Speed angeführt wurde, der zwischenzeitlich aber längst von Frau Tontoeppe überholt wurde und dem auch Sori1982, Spike und Anwolf bereits dicht auf den Fersen sind.

Was die Follower angeht, über die WordPress ja auch ordentlich und chronologisch Buch führt, so hatte ich irgendwann mal vor, dem 100. zu gratulieren, und als ich das versäumt hatte, zumindest dem 200. tapferen Abonennten einen Blogpost zu widmen, und als ich auch das verpennt hatte, beschloss ich, diesbezüglich einfach erst dann tätig zu werden, wenn ich jemals die 1.000-Follower-Marke sprengen sollte, was wohl eher nicht passieren wird, da ich meinen Blog ja nirgends bewerbe, verlinke, verteile oder sonstwie an die große Glocke hänge und mir sogar dann und wann erlaube, Follower zu entfernen, wenn es sich a) um eine Karteileiche handelt oder b) um jemanden, dessen Blog ich fragwürdig bis abstoßend finde oder c) man von demjenigen blöd angemacht wurde oder er wiederholt durch Unhöflichkeit, Stillosigkeit oder Dummheit auffiel.

Weshalb ich nun überhaupt erstmals auf diese WordPress-Statistiken zu sprechen komme, liegt daran, dass mir heute ein Eintrag in einer der Auswertungsrubriken auffiel, bei dem mir fast die Gabel ausgekommen und in meine Spaghetti Aurora gefallen wäre – es blieb dann bei einem Saucensprotzer über das untere Drittel des Tischtuchs. Und zwar geht es um die Rubrik „Suchbegriffe“, in der meist der Eintrag „unbekannte Suchbegriffe“ samt Anzahl drinsteht und nur alle paar Tage mal konkrete Begriffe gelistet werden.

Schon ein paarmal musste ich herzhaft drüber lachen, welche Suchanfragen im Netz dazu führten, dass jemand sich ausgerechnet auf meinen Blog verirrte, der ja eher nichts für Suchende aller Art ist: „Hunderampe Wohnung“ beispielsweise (nun gut, ich hatte mal etwas über die Dackelrampe in mein Bett veröffentlicht), oder „Mietmaden“ (erstaunlich, denn ich bloggte zwar oft über den elenden Münchner Mietmarkt, aber weder über Insektenlarven noch über Mietnomaden, was der Suchende wohl eigentlich meinte), oder auch „sind raunächte schuld an der sterberate“ (europäisches Brauchtum ist keines meiner Steckenpferde und solch wild konstruierte Zusammenhänge erst recht nicht, abgesehen davon würde ich die Rauhnächte immer mit „h“ schreiben).
Erwartbar und wenig überraschend waren z.B. Suchbegriffe wie „Dantebad Winter Umziehen“, „Dachshund Couture“, „Bruce Springsteen Alter“, „prolaktinsenkende Maßnahmen“ oder „mit Kalkschulter tanzen“ – exakt mein Orbit und Themenspektrum!

Heute Abend aber traute ich meinen Augen kaum, als da neben dem üblichen „unbekannte Suchbegriffe“ doch tatsächlich der Eintrag „stinkender Grödel“ zu lesen war.

Geht’s noch?!?
In meinem gesamten Blog gibt es keinen einzigen stinkenden Grödel, auch kein Paar stinkender Grödel, denn mit den Dingern laufen wir schließlich nur im sauberen Schnee und in der klaren Luft der bayrischen Bergwelt herum und da stinkt nichts! Nirgends! Und uns stinkt’s auch nicht, wenn wir mit den Grödeln unterwegs sind, im Gegenteil, bei mancher Wintertour hätte es einem eher gestunken, wenn man sie nicht dabeigehabt hätte.
Warum also führt die Suche nach stinkenden Grödeln zu meinem gut gechlorten und blitzsauberen Blog?
Was für ein depperter Algorithmus, welches bekloppte Auswertungstool war da am Werk – und nach was, um alles in der Welt, suchen die Menschen bloß im WWW?