Offerten.

Ich mag Rewe nicht. Atmosphärisch nicht, und auch sonst nicht. Häufig hohe Proletendichte. Und oft gibt’s genau das nicht, was wir bräuchten oder möchten. Heute: kein Rahm-Porree. Vorgestern: keinen griechischen Rahmjoghurt. Haben die was gegen Rahm? Blöder Laden jedenfalls.

Bei Edeka fühl ich mich trotz der FDP-affinen Farbgebung wohler. Das Sortiment taugt mir auch mehr, die Klientel ebenso. Gerade habe ich erfolgreich all die Sachen mit Rahm gekauft, die Rewe mir die ganze Woche über verweigert hat.

Hinter mir in der langen Freitagnachmittagskassenschlange ein gepflegter Mittfuffziger, lässige Frisur, coole Brille, abgewetzte Lederjacke, sportliche Statur. Sein Handy klingelt, während ich meine Rahmporreepakete aufs Warenband staple.

(…) [Intro-Geplänkel, dem zu entnehmen ist, dass es sich bei dem Anrufer um eine Mischung zwischen gutem Bekannten und beruflichem Kontakt handelt.]

„Ja, danke, dass du zurückrufst. Wir brauchen da jetzt dringend jemanden, denn die Paula ist plötzlich abgesprungen.“

(…) [Gesprächspartner scheint Paula zu kennen und hat Einiges dazu zu sagen oder zu fragen.]

„Genau, möglichst sofort.“

(…) [Das andere Ende der Leitung stellt eine kurze Frage.]

„Nein, nur für die Sexkolumnen. Das andere schreibt der Herbert erstmal.“

(…) [Sexkolumnen! Alles glotzt den Mittfuffziger an, ich dreh mich samt Rahmjoghurt in der Hand um, kann mir das Schmunzeln nicht verkneifen. Telefonat nähert sich dem Ende.]

„Super, dann ruf mich einfach an, wenn du jemanden weißt. Servus!“

Mittfuffziger verstaut Handy wieder in seiner Lederjacke, guckt mich an und grinst zurück.

„Tja, also, wenn Sie das ganze Gemüse verzehrt haben und dann Zeit hätten…? Wir zahlen auch ganz anständig. 25€ pro 1.000 Zeichen. Allerdings müssten Sie wöchentlich eine Kolumne liefern.“

[Spontan aufkommende, kurze Freude, dass man mir ansieht, dass ich gern schreibe, dann kurzes Nachdenken, was ich entgegnen soll.]

„Hm, meine Themen sind eher Hunde und Outdooraktivitäten.“

„Das lässt sich ja vielleicht ausbauen!?“

Mit seinem Kärtchen in der Hand trete ich den Heimweg an, setze mich in die U-Bahn, den mit Rahmjoghurt bis obenhin vollgestopften Schwimmrucksack neben mir, den eiskalten Rahmporree auf meinem Schoß. Ich rechne. Für eine gute Wintertrekkinghose müsste ich 7.200 Zeichen zustandebringen… Plus Stirnlampe, plus Grödel, plus neue Stöcke wären wir bei 16.800 Zeichen. Was schreibt man da nur alles?
Nee, echt nicht, da setze ich lieber auf die Weihnachtsgroßzügigkeit des Papas oder auf überraschenden Geldsegen aus anderen Quellen.

Dennoch: Edeka ist ganz klar der bessere Laden, sogar Jobs gibt’s da und die Männer sehen dort auch besser aus als bei Rewe.
Nun verkaufe ich erstmal meine alte Matratze und arbeite weiter an dem Artikel über Urlaub mit dem Zamperl in der Zugspitzregion.

Ein schönes Wochenende wünscht
Die Kraulquappe.

Außerfern.

Momentan bin ich für zwei Tage im Außerfern.

Das Außerfern gehört zu den Regionen, deren Namen ich ebenso sehr mag wie Montafon, Napfbergland, Paznauntal, Karwendelgebirge und Hiddensee (ganz zu schweigen von Orten wie Tomelilla, Lummelunda, Wolkenstein, Mittenwald, Helsinki, Kirkkonummi, Himmelreich und Grundlsee).

Die Region hier wirbt mit: „Außerfern – alles außer fern“. Stimmt, sind keine 2 Stunden von München aus. Aber auch ohne diesen Slogan und den Namen, hätt’s mich hierher verschlagen.
Zum einen, weil das Innere mir zu nah war und das Außen zu fern – es zog mich dringend raus aus der Stadt in Richtung Berge.
Zum anderen, weil mir und dem Dackelfräulein das Schicksal gewogen war und die einzige „Hundesuite“ des Alpenvereins ausnahmsweise mal frei war.

Dieses Kleinod auf der Otto-Mayr-Hütte in den Tannheimer Bergen ist quasi die gesamte Saison durchreserviert. Nun hatte jemand abgesagt (in weiser Wetter-Voraussicht), also haben wir sofort zugeschlagen, es soll ja mal ein Beitrag draus werden.

Gestern Aufbruch in München bei 9 Grad und Dauerregen. Beim Passieren der Grenze nach Tirol ist es bereits Schneeregen. Mir wird immer mulmiger. Kurz hinter Reutte am Straßenrand eine Werbetafel: „Servus im Tiroler Wanderherbst“. Österreichischer Humor eben.

Wir parken bei 5 Grad (im Tal, wohlgemerkt) auf dem Wanderparkplatz Bärenfalle. Als ich die Bergstiefel schnüre, hört immerhin der Regen auf, Handschuhe und Mütze sind dennoch unerlässlich. Den wie immer zu schweren Tourenrucksack auf die Schultern gewuchtet. Es geht los.

Die Musauer Alm.

Das Tolle an meiner Dackeldame ist, dass sie a) fast immer gute Laune hat und b) bei jedem Wetter gern rausgeht. Immer vornweg, immer mit aufmunterndem „Wo bleibst du denn?“-Blick auf mich wartend.

Gut, denke ich mir, betrachtest du das Ganze halt als beruflich motivierte Winterwanderung, auch wenn ich mich vor lauter innerem und äußerem Nasskaltgrau wirklich sehr nach etwas Sonne gesehnt hatte. Wenigstens blieb es den gesamten Aufstieg über trocken.

Kurz vor dem Ziel.

Angekommen.

Die Otto-Mayr-Hütte empfängt uns mit spiegelglatter Terrasse (Eis!), Schneeresten (5cm hoch!), einem defekten Außenthermometer (gut so!) und den einzigen paar Wolkenlücken des Tages (ein kurzer Spuk!). In der warmen Gaststube empfängt uns ein miefender Männertrupp (mia san scho drei Dog unterwegs!) und die freundliche Hüttenwirtin (ah, da Dackl is do!).

Draußen zieht es zu. Es gibt Spinatknödel in Parmesanbutter und ein Bier dazu. Draußen fängt es an zu schütten. Zum Dessert gönne ich mir eine heiße Schokolade und eine Münze für 3 Minuten warm Duschen. Draußen schneit es nun.

Das Benno-Helf-Hüttle.

Anschließend führt uns die Wirtin in den Anbau einer Nebenhütte – dort befindet sich die „Hundesuite“.

Die Hundesuite.

Das Benno-Helf-Hüttle ist leider nicht beheizt.
Mitten in der Nacht, als ich unter vier Decken und mit Mütze und Schal im Schlafsack immer noch leicht bibbere, muss ich es in Bello-Hilf-Hüttle umtaufen. Entgegen aller Hüttenvorschriften hole ich mir meine 1 Meter lange, fellummantelte Heizwurst ins Bett – sofort geht es uns beiden besser, warm wird es dann auch endlich und sogar ein paar Stündchen Schlaf (vielleicht auch nur Schockfrostung?) sind drin.

Die Entschädigung für diese etwas spezielle Nacht kommt mit dem Aufwachen – einen Moment lang halte ich den Ausblick aus dem Fenster für eine Fata Morgana.

Blick vom Benno-Helf-Hüttle hinüber zur Füssener Hütte.

Nach dem Frühstück geht’s ohne jegliches Gepäck hinauf auf die Große Schlicke. Die letzten 200 Höhenmeter durch den Schnee. Aber in der Sonne!

Wieder bei der Otto-Mayr-Hütte angekommen, nochmal eine kleine Stärkung für jede von uns…

…bevor wir uns von der hundefreundlichen Berg-Unterkunft verabschieden müssen.

Servus, Hundesuite!

Durch zauberhafte Morgennebelschwaden wandern wir auf menschenleeren Wegen wieder talwärts.

Fazit:

  • Man darf sich einfach nicht so oft vom Wetter abschrecken lassen und der Zimperlichkeit nachgeben.
  • Ab September künftig den Iso-Schlafsack mitnehmen, für Pippa nach einem Dackelschlafsack suchen.
  • Tee bei 5 Grad Außentemperatur in einer Thermoskanne mitnehmen, nicht in Aluflaschen.
  • Sonnencreme einpacken, auch wenn es bei der Abreise noch regnet.

Morgen noch den östlichen Teil vom Außerfern bewandern und belichten: Von Lermoss über die Tuftlalm und – sofern Füße und Pfoten uns so weit tragen wollen – hoch auf die Upsspitze – allein der Namen wegen!

Aus Biberwier grüßt –
Die Kraulquappe.

Evidenzerlebnis.

Nach 15 Jahren war ich gestern endlich wieder am Plansee, nur einen Steinschlagwurf hinter dem oberbayrischen Ammerwald gelegen, grad so in Tirol.

Was für eine Traumgegend, ich kam aus dem „Aha“- und „Öha“-Sagen bzw. -Fühlen gar nicht mehr heraus.

Erst einmal hatte ich diesen herrlichen Bergsee gesehen, mit 30 und als Sozia auf einer Oldtimer-BMW unterwegs. Leider war es nur ein kurzes Päuschen, das mir am Plansee vergönnt war: In sengender Mittagshitze gab’s ein Eis und einen Kaffee, der Schweiß lief einem in den dicken Motorradklamotten hinunter, trotz geöffneter Reißverschlüsse, aber man fand sich richtig cool bei so einem Wochenendausritt über Alpenpässe und Bergstraßen.

Damals schwor ich mir: Hier kommst du mal unverschwitzt her – und mit Zeit im Gepäck. Und wochentags.

Selbstverständlich hatte ich gestern meine kleine, treue Sozia dabei…

…die der Panoramarundweg genauso begeisterte wie mich.

Auf 18 Kilometern führt der mal schmalere, mal breitere Wanderweg durch abwechslungsreiche Vegetation: Bewaldete Hanglagen, urwaldartige Uferzonen oder in hügeligem Auf und Ab am Fuße sonniger Schotterkare entlang, fast immer mit Seeblick oder direkt am See.

Überall hübsche Badebuchten, Bänke und Spielgelegenheiten – der Tag verging wie im Flug!

Nur die Verpflegungsmöglichkeiten unterwegs sind leider eher Touristenabzocke, aber mit eigenem Proviant im Rucksack waren wir weitgehend unabhängig und am Schluss erhielt ich sogar noch einen guten Einkehrtipp.
Das Dackelfräulein hatte nämlich gegen Ende der langen Tour und trotz diverser Sonderexkursionen, Holzarbeiten und Tauchgänge noch immer genug Energie, um mit dem Luis zu flirten.

Der junge, fesche und knackige Tiroler Bursche war der Jagdhund des Försters, also ging man ein Stück gemeinsam und unterhielt sich ein wenig…

…und so landeten wir schließlich noch (ohne Luis und den Förster) auf ein Bier in einer netten Alm.

Noch anderthalb Stunden einfach dagegessen, geradeaus geguckt, die Muster der Abendsonne auf dem See bestaunt, ein bisserl nachgedacht, ein paar Notizen gemacht für den nächsten Hundemagazin-Beitrag (Arbeitstitel: Mit dem Zamperl durch die Zugspitzregion.) und sehr zufrieden gewesen mit dem Ort, dem Tag und dass das alles stattgefunden hatte.

[Aus: Der große Polt. Ein Konversationslexikon.]

Ein wohltuendes Wochenende – garniert mit dem einen oder anderen „Öha“ – wünscht Euch
Die Kraulquappe.

In eigener Sache oder: Eget beröm luktar illa.

Hallo, liebe zwei- und vierbeinige Leser dieses Blogs!

Seid ihr heute auch mal wieder mit zerknautschtem Gesicht aufgewacht?

Oder an diesem verregneten Sonntag einfach nicht in die Pötte gekommen?

Womöglich den halben Tag auf der Couch verdödelt und vom letzten Urlaub geträumt?

So muss das nicht bleiben!

Runter vom Sofa, raus aus dem Haus und rüber zum Kiosk:
Die neue „Dog and Travel“ ist da!

Titelthema: „Dackelfräulein Pippa an der Südküste Schwedens“ – meine große Reise vom letzten Herbst.

Natürlich mit vielen Fotos von mir und meinen Mega-Stöckchen, meinen riesigen Sandburgen, meinem tollen Papa und meinen sportlichen Heldentaten.

Und wer nicht gern reist, sondern ausschließlich daheim herumhaart, kann in der aktuellen Ausgabe einen sensationellen und sauteuren Tierhaar-Akku-Stielstaubsager von Black+Decker gewinnen. Es lohnt sich also in jedem Fall, das Heft zu kaufen.

Viel Spaß beim Lesen & einen schönen Sonntag noch!

Eure Pippa.

It’s raining cats and dogs.

Den dritten Tag in Folge ist alles grau in grau, nasskalt, verregnet. Keinen Hund möchte man da vor die Tür scheuchen (und sich selbst erst recht nicht).

Perfektes Steuererklärungswetter, da ich aber in einer zurückliegenden Regenphase schon vorgearbeitet hatte, ging das nun erstaunlich flott.

Ideale Witterung auch für Freibadbesuche während der bayerischen Sommerferien – man kann im menschenleeren Becken ausgiebig an der Technik feilen, wenn das Thermometer nur schlappe 13 Grad anzeigt.

Ebenfalls eignet sich so eine Auszeit, die der Sommer sich mal wieder nimmt, hervorragend zum Ausprobieren neuer Herbstrezepte: die Kürbis-Mangold-Lasagne gestern war ein Traum. Und zwar ein so großer, dass wir ihn nach der Rückkehr des Gatten vom DFB-Pokal-Glotz-und-Besprech-Nachmittag beim Nachbarn gleich weiterträumen werden, bevor wir dann zur 4. Abendsitzung in Folge auf die Couch sinken, um uns ganz „Elementary“ hinzugeben (nein, kein erotikbefeuerndes Spiel für Paare, sondern unser aktueller Serien-Favorit, in der 3. Staffel).

Oder man liest die Geschichten, die man selbst erlebt und verfasst hat…

…als einen noch die Sommersonne auf der Haut kitzelte und die Bergluft durch Haar und Fell blies.

Die neue WUFF wartet sogar schon mit Herbst- und Winterthemen auf…

… so dass sich die Lektüre auch für all jene lohnt, die an einem verregneten Wochenende gern mal die Stricknadel schwingen (oder Perücken basteln). Cuique suum.

Herzlich grüßt euch

Die Kraulquappe.

Sommerpause!

Die Kraulquappe verabschiedet sich bis Anfang August in die Sommerpause (≠ Urlaub/Reise!)…

…und wünscht Euch allen bis dahin eine gute Zeit, sonnige Tage, laue Nächte, erfreuliche Gesellschaft, wohltuendes Alleinsein, schöne Ferien sowie stets das zur jeweiligen Stimmung passende Getränk und Licht.

Bis dann im August!

Piep, piep oder: Skizzen aus der Blogpause.

Piep, piep.

Ich hänge meine Bettdecke über das Balkongeländer vor meinem Zimmer und gucke eine Weile ins Grün des Nachbargrundstücks. Die im großen Garten liegende Eingangstür des 8-Parteien-Mietshauses gegenüber öffnet sich. Eine Frau, deren graue Haarsträhnen ähnlich wirr wirken wie ihr Geisteszustand, tritt heraus und ruft „Piep, piep. Piep, piep!“

Morgens, mittags, abends. Manchmal gibt’s auch noch eine Sonderschicht am Nachmittag.

Piep, piep. Immer in derselben Tonlage, immer 2×2 Pieper, immer dieselbe schmuddeligweiße Schlabberhose an. Nach dem ersten Piep-Piep schüttet sie den Inhalt einer kleinen Plastikschüssel in ein Vogelhäuschen, tritt zurück, blickt in den Garten, hinauf zu den Baumkronen. Ruft erneut ein fast mahnendes zweites Piep-Piep, meist mit geschlossenen Augen, und geht wieder ins Haus zurück. Sekunden später schlagen sich die ersten Meisen um die Leckereien, Meisen erkenne ich zweifelsfrei auch auf einige Entfernung. Danach tummelt sich hellbeiges bis braunes Geflatter in dem Häuschen. Wenn der Buntspecht anrückt, ziehen sie Leine, die Kleinen.

Man fixiert sich schnell auf das tägliche Piep-Piep. Wartet fast schon darauf. Nach ein paar Wochen ist bereits klar: Es würde zu den Ritualen gehören, die einem fehlen würden, blieben sie plötzlich aus. Ich würde rübergehen, bei der Frau mit den wirren Haaren klingeln und nach dem Rechten sehen.

*****

Die neue Gegend.

Tja. Vor- und Nachteile, wie überall. Neulich beim Laufen im Wald eine erste Zwischenbilanz gezogen. Ist wie Listenschreiben, und da ich seit Beendigung des Umzugsprojekts keine Listen mehr schreiben muss (außer Einkaufslisten), bilanziere ich jetzt wieder so vor mich hin. Sofern nicht doch noch umzugsbezogene Arbeiten nachklappern wie Rechnungen bezahlen, Reklamationen mitteilen, Mängel anzeigen und nicht zu vergessen: die Fahrten zum Wertstoffhof. So oft war ich da, dass ich beim letzten Mal (vorgestern!) schon dachte, jetzt ist’s so weit, jetzt hast du Halluzinationen und siehst Raubtiere auf den Containern hocken.

*****

Also, die neue Gegend.

Pro: Mehr Natur (schier unendlicher Wald!), mehr Vögel (nicht nur wegen Piep-Piep, sondern: wann sah man zuletzt einen Stieglitz in der Stadt?), mehr Wohnung (+ 10m²), schönere Wohnung (alles neu), mehr Balkon (+ 2m²), mehr Luft (vor allem bessere), mehr Stil (das Bad hat was von einem SPA, das Parkett was von einer Villa, zumindest für uns Ausstattungs-Entwöhnte), super Nachbar (wie bereits berichtet), bis Benediktbeuern nur noch 25 Minuten (endlich in die Berge fahren ohne Pipipause unterwegs).

Contra: Mehr Technik (Fensterlüfter mit 4 Stufen, Fußbodenheizung, High-Tech-Türsprechanlage, Jalousien, Wäschetrockner), mehr Fliegen (Pippa am Rande des Nervenzusammenbruchs), mehr Katzen (Pippa am Rande der Heiserkeit), DM weiter weg als zuvor (dafür Biomarkt und Pfister näher), sonst eher Großmärkte mit großen Parkplätzen davor (was ich noch nie mochte).

Aus manchen Vorgärten der Einfamilienhäuser ertönt nun zum Samstagsgrillen Andreas Gabalier oder die Spider Murphy Gang. In der alten Gegend wurden wir von der Mariachi-Mucke der spanischen Eckkneipe oder dem Italo-Pop des Freaks im 5. Stock des Hauses gegenüber beschallt. Schwer zu sagen, welches Grauen das größere ist. Beides jedenfalls ein Grund, die eigene Anlage lauter aufzudrehen. Wenn man denn eine vernünftige hätte.

Statt Trambahnquietschen hört man nun morgens um 5 Uhr die Autobahn in einiger Entfernung rauschen. Offene Fenster? Mal wieder Fehlanzeige bzw. nur mit Ohrstöpseln drin. Leider hört man dann nicht mehr, wenn der Hund sich anschickt zu kotzen oder sich die Flanke wegen einer Zecke blutig beißt und man helfen müsste.

*****

Überhaupt, die Geräusche.

Wie man doch plötzlich feststellt, an Geräuschen zu hängen, wenn sie erstmal fehlen. Da lese ich die Tage zufällig im Netz, dass Depeche Mode im Olympiastadion war – und die Info trifft mich, sticht mir ins Herz, ganz unvermittelt. Ich hasse Depeche Mode, aber ich liebte es, wenn der Sommerwind die Klangfetzen der Open Airs auf unseren Balkon wehte. Dann wusste man: „Igitt, Depeche Mode ist mal wieder da“ oder der Grönemeyer jammerte vor sich hin oder Axl Rose war mal wieder zu hacke, um die Töne zu treffen.
Alle paar Jahre kam  Springsteen vorbei, und ich war sowas von happy, da hinradeln oder -laufen zu können. Für 1 Konzert alle 3 Jahre muss man wirklich nicht in Stadionnähe wohnen, rational betrachtet, da tut’s auch die U-Bahn (zumal die von hier direkt zum Olympiapark fährt). Aber es hatte was. Jetzt liest man’s in der Zeitung, welches Open Air man nicht rübergeweht bekam und wird sentimental.
So war ich schon immer gestrickt, ich brauche ewig, um irgendwo anzukommen.
Wahrscheinlich bin ich deshalb auch der Typ, der gern mehrfach an denselben Ort reist. Am liebsten fahre ich nach Wien. Da steige ich aus dem Zug aus und bin da und verliere keine Zeit mit Ankommen.

*****

Zeitgefühl.

Ja, das Ankommen. Binnen 14 Tagen muss man sich umgemeldet haben. Dazu braucht man seit irgendeiner Änderung im Bundesmeldegesetz vor ein paar Jahren eine „Wohnungsgeber-Bestätigung“, zumindest dann, wenn man ein Mietersklave ist. Als Wohnungsnehmer bittet man dann den Wohnungsgeber höflich, ein solches Formular auszufüllen, das beim Amt vorgelegt werden muss. Ein paar Stempel und Formulare später klebt ein Fitzelchen Amtspapier mit der neuen Adresse auf dem Personalausweis.
Bei der Gelegenheit erstmals seit Jahren einen genauen Blick auf diese Ausweisscheckkarte geworfen. Das blonde Wesen darauf hat eigentlich nicht mehr viel mit mir zu tun. Als Ablaufdatum ist der 02.06.2024 eingestanzt – und kurz habe ich das Gefühl, dass dieses Datum auch nicht mehr viel mit mir zu tun hat. Der in der ebenfalls wegen des Wohnsitzwechsels geänderten Zulassungsbescheinigung eingetragene TÜV-Termin fühlt sich anders an, aber der ist ja auch schon im nächsten Mai.

*****

Laufen und Schwimmen.

Dickes Plus fürs Laufen – jedes Mal eine andere Runde, nur noch Waldboden, herrliche Ruhe. Aber ein Minus fürs Schwimmen – der Weg zum geliebten Bad hat sich zeitlich verdreifacht, 15 Minuten statt 5, wenn man gut durchkommt. Was ist man doch verwöhnt. Ebenfalls entfällt das sommerliche Heimradeln mit nassen Haaren.
Alternativ könnte ich das Freibad der Kindheit und Jugend aufsuchen, das wär‘ jetzt wieder schön nah, aber das läuft bei den Einheimischen immer noch unter „Maria-Neipiesel“ (korrekter Name: Maria-Einsiedel) und ich seh mich da noch vorm Kiosk anstehen, 20 Pfennig fest umschlossen in der Kinderhand, um zwei weiße Mäuse zu kaufen, und dann bin ich endlich dran und der Junge vor mir hat mir die letzte Maus weggekauft (ich hab dann diese gelb-pinken Speckrollen genommen, nicht halb so gut). Die Radtaschen hätten sie uns da auch fast vorm Schwimmbadeingang weggeklaut, wenn der Papa nicht damals den Dieb bis auf den Thalkirchner Campingplatz verfolgt und ihn so beeindruckend am Schlawittchen gepackt und geschüttelt hätte, dass der die Radtaschen (echt gute aus Holland) wieder rausrückte. Alles in allem nicht so die beste Erinnerung. Also lieber ins Auto und zum Dantebad.

*****

Arbeit und Struktur.

Zäh wie Kaugummi war das zuletzt. Vor allem deshalb auch die Blogpause. Jetzt ist eine Sache endlich mal fertig und die nächste wartet schon. Und die, die mir am Wichtigsten gewesen wäre, hat sich erstmal zerschlagen. Dabei hatte ich da schon manches drauf abgestimmt.
Dafür neue Ideen, auch schön. Alpenüberquerung vom Tegernsee nach Sterzing, mit dem Dackelfräulein. Oder mal wieder nach Wien. Oder auf die Ålandinseln. Oder in die Dolomiten. Oder an den Zürichsee, endlich H. besuchen. Mal sehen. Vorher sinnvollerweise Kassensturz und: die Steuererklärung, die Bayern haben da ja bis Ende Juli Aufschub. Paralell dazu den ganzen Wohnungskram abheften, neue Ordner anlegen. Eigentlich mach‘ ich sowas lieber im November.

*****

Hundstage.

Nein, nicht die des aufgehenden Sirius ab Ende Juli. Sondern Hundedamenhormonirrsinn. Völlig überraschend hat Pippa beschlossen, ihre durch den Umzugstrubel erfreulicherweise vereitelte Scheinschwangerschaft bzw. -mutterschaft noch nachzuholen. Nicht dass uns das mal eine Saison erspart bleibt!
Seit ein paar Tagen wird viel geweint, des nachts unruhig umhergewandert, immer auf der Suche nach den nicht vorhandenen Kindern. Tagsüber kläglich unters Sofa gezwängt, um den Kummer zu ersticken. Die übrige Zeit anhänglich wie eine Klette und verfressen wie zehn Bären nach dem Winterschlaf. Draußen wie eine Omi unterwegs, man muss sich schließlich schonen, um alle Kräfte für die Aufzucht der Kinder aufzusparen. Der Wäschekorb muss ebenso als Wurfkistenersatz herhalten wie die Decke auf dem Sofa des Nachbarn.
In zwei, drei Wochen dürften wir das Gröbste hinter uns haben. Wer einen imaginären Welpen haben möchte, bitte melden. Ende Juni geben wir sie ab, nur in gute Hände versteht sich.

*****

Da bin ich also wieder.

Kucken, knipsen, kritzeln.

Hier gibt’s jetzt mal ein Weilchen nix zu gucken oder kucken…

… die Kraulquappe ist arbeitend und schauend unterwegs …

… und legt eine kleine Blog-Pause ein.

Euch allen schöne Pfingst(feri)en und möglichst viele sonnige Tage, innen & außen!

Herzschlag.

„Ein kleiner Hund – ein Herzschlag zu meinen Füßen.“ (Edith Wharton)

Wen es nach kynologischer Wochenendlektüre oder neuen Fotos vom Dackelfräulein dürstet, dem sei die neue WUFF ans Herz gelegt (oder wenigstens ein Hund unter die Bettdecke zu Füßen).